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Keiner kommt hier lebend raus...
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Abgründe gemeinverständlich zu beschreiben ist vergebene Mühe, und abgründig ist alle Wahrheit. (Moby Dick)
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Das vergessene Poesiealbum

Mittwoch, 28. März 2012

Brief des Vaters an Christian Morgenstern

Wolfshau, 5. Oktober 1909

Mein lieber Sohn,
...ich kann also eine unter solchen Voraussetzungen einzugehende Ehe nicht billigen, die auch nach der Ansicht jedes vernünftig Denkenden ein Wolkenkuckucksheim werden wird, in dem auf die Dauer ein sich Wohlfühlen, ein Gedeihen der Arbeit unmöglich ist, wenn der andere Teil sich denselben Phantastereien hingibt wie Du. Ich schließe mit dem Bewußtsein, daß ich einem Marsbewohner diese Zeilen geschrieben. Es ist mir aber heiliger Ernst und ich bedaure geradezu Deine Verirrung.

Dein treuer Vater


(aus "Christian Morgenstern - Briefe", Insel-Bücherei)

Sonntag, 19. Februar 2012

...

Der Freundschaftsbund, den sie geschlossen hatten, und die Worte, welche an jenem Sonntagabend zwischen ihnen gefallen waren, hatten sie ungezwungener und ganz sicher in ihren Beziehungen zueinander gemacht, und, einsam wie sie beide waren, schlossen sie eine innige, warme Freundschaft, die bald eine große Macht über sie gewann und ihren Sinn derartig beschäftigte, daß ihre Gedanken, ob sie nun getrennt oder beisammen waren, sich immer diesem Freundschaftsverhältnis zuwandten, wie Vögel, welche an demselben Nest bauen, alles, was sie sammeln und was sie verwerfen, mit dem einen heimlichen Zweck vor Augen ansehen, das Nest so recht warm und weich für den andern und für sich selbst zu machen.
(aus "Niels Lyhne" von Jens Peter Jacobsen)

Mittwoch, 5. Oktober 2011

...

Untergehende Sonne

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, dem Leben zu begegnen. Die eine besteht darin, so zu tun, als gäbe es keine Wunder. Die andere besteht darin, so zu tun, als gäbe es nichts als Wunder.(Albert Einstein)

Samstag, 13. August 2011

...

Das Treffen zweier Persönlichkeiten ist wie der Kontakt zweier chemischer Substanzen: Wenn es eine Reaktion gibt, werden beide transformiert.
(C. G. Jung)

Donnerstag, 14. Juli 2011

...

Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.
(Annette von Droste-Hülshoff)

Dienstag, 17. Mai 2011

Gerade per Email bekommen:

Sitzt ein Mann in Spanien in einem Restaurant und schaut seinem Gegenüber
auf den Teller, der mit etwas sehr großem bedeckt ist. Er fragt dann nach
einiger Zeit: "Was haben sie da eigentlich auf dem Teller?"
Antwortet der Andere: "Das sind Stierhoden. Eine Delikatesse!"
Nach einem kurzen Gespräch arrangiert der Andere, dass der Mann nach dem
nächsten Stierkampf auch einmal die Hoden bekommt.
Als es soweit ist, kommt der Kellner mit einem großen Teller, auf dem
jedoch nur zwei kleine Hoden liegen. Fragt der Mann den Kellner: "Was soll
das denn? Warum sind die Hoden denn so klein?"
Antwortet der Kellner: "Dieses Mal hat der Stier gewonnen!"

Freitag, 22. April 2011

...

Die Weißen sind zu unruhig!
Unablässig eilen sie umher und sorgen sich,
wie man sich noch mehr sorgen und beeilen kann.
Sie rennen so hastig durchs Leben, daß sie keine Zeit haben,
seine Schönheit zu bewundern oder tiefe Gedanken zu empfinden.
Ich bin glücklicher als die Weißen, weil ich mir über all diese Dinge nicht den Kopf zerbrechen muß.
Und wenn mir meine Habseligkeiten Sorge machen, verschenke ich sie.

(Hosteen Klah, Navajo-Häuptling)

Donnerstag, 31. März 2011

...

Das erste Jahr glich sehr der Brautzeit, als das Zusammenleben aber andauerte, konnte Lyhne es sich nicht mehr verhehlen, daß es ihn ermüdete, seiner Liebe beständig neuen Ausdruck zu verleihen - stets in das Gefieder der Poesie gehüllt, die Schwingen zum Flug durch alle Himmel der Stimmungen und alle Tiefen der Gedanken ausgebreitet halten zu müssen; er sehnte sich danach, in gemütlicher Ruhe still auf seinem Zweig zu sitzen und seinen müden Kopf zum Schlummer in den weichen Flaum unter dem Flügel zu bergen. Er dachte sich die Liebe nicht wie eine ewig lodernde Flamme, die mit ihrem mächtigen, flackernden Schein in alle ruhigen Falten des Daseins hineinleuchtete und phantastisch alles größer und fremder erscheinen ließ, als es war - für ihn war die Liebe wie die ruhig glimmende Glut, die unter ihrer weichen Aschenschicht hervor gleichmäßige Wärme spendet und in gedämpftem Dämmerlicht das Ferne milde verhüllt und das Nahe doppelt nahe und doppelt heimisch erscheinen läßt...
...seine Liebe hatte ihn für eine kurze Stunde mit einer flüchtigen Glorie von Geist und Hoheit umgeben, was so oft bei kleineren Naturen geschah.

(aus "Niels Lyhne" von Jens Peter Jacobsen)

Sonntag, 13. März 2011

...

Geduld und Ungeduld haben keinen Wert für sich, sondern einen funktionellen Nutzen. Die jeweilige Herausforderung muss bestimmen, ob ich ungeduldig fordere oder geduldig reifen lasse. Nicht der geduldige Mensch ist der reife Mensch, sondern derjenige, der fähig ist, angepasst sowohl geduldig als auch ungeduldig zu sein. Entwicklungsaufgaben bemessen sich zudem nicht an einer allgemein verbindlichen Norm, sondern an der persönlichen Ausgangssituation; somit kann diese Aufgabe für einen Menschen "Geduld", für den anderen aber "Ungeduld" heißen.
(aus "Die Kunst der langen Weile" von Ulrike Zöllner)

Samstag, 5. März 2011

Verbesserungsvorschlag

Zwar ist der Roman "Gegen den Tag" für sich bereits 1600 Seiten lang, dennoch finde ich Thomas Pynchon hat etwas vergessen, das sozusagen wie die Feder auf das Papier in dieses Werk passen würde. Gemeint sind diese abstrusen Gesetze, die als Belustigung auf Parties sehr beliebt sind, wie zum Beispiel, daß in Kentucky kein Mann ohne Begleitung einer Frau einen Hut kaufen darf (diese Vorschrift allerdings finde ich ziemlich einleuchtend). Der Roman spielt ja zumindest in den ersten 500 Seiten, die ich bisher kenne, weitgehend im goldenen Westen, und irgendwie muß ich ständig beim Lesen an diese diversen Gesetzgebungen denken. Könnte natürlich sein, daß er sie eingebaut hat, ohne daß ich sie konkret erkenne, oder aber, sie folgen erst auf späteren Seiten. Tatsächlich scheint das Buch aber von ihnen zumindest inspiriert zu sein, anders kann ich mir diese seltsame Assoziation nicht erklären.

"Worum ging es denn da eben?", fragte Wren.
An dieser Stelle griff normalerweise die langgeübte Gewohnheit, Informationen zurückzuhalten, vor allem vor jungen Frauen, denen man aktuell den Hof machte. Einmal hatte Frank, als er draußen auf dem Uncompahgre-Plateau von Gunnison oder sonst wo zurückgeritten kam, meilenweit entfernt eine einzelne, dunkle und kompakte Sturmwolke erspäht und trotz des hellen Sonnenscheins und des weithin klaren Himmels gewusst, dass sein Weg und der der Wolke sich kreuzen würden, ganz gleich, in welche Richtung er sich nun wandte, und knapp eine Stunde später war es denn auch so dunkel geworden wie um Mitternacht, er war bis auf die Haut durchnässt worden, hatte, von den um ihn herum donnernd einschlagenden Blitzen vorübergehend taub, erbärmlich gefroren und sich tief über den Hals seines Pferdes gebeugt, um dem Tier zu versichern, dass alles in bester Ordnung sei, obwohl das Geschöpf, als echtes Weidepferd, schon weit Schlimmeres erlebt und gleich darauf versucht hatte, Frank zu beruhigen. An diesem Abend in Albanay erkannte Frank, dass Wren nach ungezählten Kilometern und Kreuzwegstationen genau hier angekommen war - im Licht des großen Spiegels war ihr Gesicht von einem sonderbar schattenlosen, celesten Blau, das Gesicht einer Sucherin, so erschien es Frank, die so weit gekommen war, wie sie musste, um zu fragen, was zu beantworten er am wenigsten bereit war. Er begriff, dass solche Wesen auf der Welt unterwegs waren und man vielleicht sein Leben lang keinem begegnete; falls aber doch, wurde es zur feierlichen Verpflichtung zu sprechen, wenn man angesprochen wurde.

Aktuelle Beiträge

Mal schauen,
vielleicht werde ich auch zum Guerilla-Gärtner....
zuckerwattewolkenmond - 2012/05/17 23:06
Ich finde sowohl Guerilla...
Ich finde sowohl Guerilla Gardening als auch Urban...
Chutzpe - 2012/05/17 22:59
Hihihi - ich leider auch...
Hihihi - ich leider auch nicht ;-)
Chutzpe - 2012/05/17 16:51
Ja,
hab ich schon so verstanden. Ich hatte nur nicht viel...
zuckerwattewolkenmond - 2012/05/17 16:39
Vom Verlag natürlich.
Vom Verlag natürlich.
Chutzpe - 2012/05/17 16:33
Hm.
zuckerwattewolkenmond - 2012/05/17 16:04
FAIL
FAIL
Chutzpe - 2012/05/17 15:51
Danke sehr!
zuckerwattewolkenmond - 2012/05/15 22:40
So schön!
So schön!
Sammelmappe (Gast) - 2012/05/15 22:22
Stimmt - das stachelt...
Stimmt - das stachelt an.
Chutzpe - 2012/05/13 21:39
Gerade
bei solchen absurden Sachen, die ich nie haben wollen...
zuckerwattewolkenmond - 2012/05/13 21:18
Das wäre genau meine...
Das wäre genau meine Überlegung gewesen,...
Chutzpe - 2012/05/13 20:46
Diese Geschichte
ist wirklich putzig. :-)
zuckerwattewolkenmond - 2012/05/13 00:45
Muss gerade an die putzige...
Muss gerade an die putzige kleine Geschichte denken,...
g a g a - 2012/05/13 00:29
Dieser
Gedanke kam mir auch. Aber zur Zeit besteht ja kaum...
zuckerwattewolkenmond - 2012/05/12 23:46
Vielleicht ein - natürlich...
Vielleicht ein - natürlich rein konjunktivischer...
books and more - 2012/05/12 23:42
Ungeheuer treffend! :-)
zuckerwattewolkenmond - 2012/05/12 22:38
egal - gefunden oder...
egal - gefunden oder verloren - die hauptsache, es...
fata morgana - 2012/05/12 22:20
Ja,
das ist ein abgetakelter alter Museumsdampfer.
zuckerwattewolkenmond - 2012/05/12 09:27
Bilder
Die in die Jahre gekommene Graffiti-Wand gefällt...
Treibgut - 2012/05/12 00:41

Meine Kommentare

Ihre
Liebesbriefe werden auch immer kürzer. ;o)
kinglubeiii - 2012/05/17 23:55
Mal schauen,
vielleicht werde ich auch zum Guerilla-Gärtner....
weltentanz - 2012/05/17 23:06
Ja,
hab ich schon so verstanden. Ich hatte nur nicht viel...
weltentanz - 2012/05/17 16:39
Hm.
weltentanz - 2012/05/17 16:04
Bin ich
absolut dafür. Man kann sich selbst in die Scheiße...
Kinkerlitzch3n - 2012/05/17 16:02
Prima,
daß du uns auch ein bißchen davon gönnst....
gaga - 2012/05/16 14:34
Man
könnte meinen, du flirtest mit deiner Urlaubsliebe....
gaga - 2012/05/16 14:11
Danke sehr!
weltentanz - 2012/05/15 22:40

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