Alien
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Samstag, 5. August 2006

Taoismus

Aufgekommen ist er im alten China, niemand weiß, wie oder durch wen, aber der Legende nach wurde er durch eine Schar von Leuten überliefert, die "Kinder des gespiegelten Lichts" genannt wurden, angeblich über zwei Meter groß waren, seltsame Kleidung trugen und irgendwo hoch oben in den Bergen hausten. Sie sollen unermessliches Wissen besessen haben und spurlos verschwunden sein, sobald sie es an die Einheimischen weitergegeben hatten.
Dieses Wissen sickerte über die Jahrtausende durch, wobei es auch in den Buddhismus, den Konfuzianismus und sogar in das Christentum Einlaß fand, bis es schließlich in Form von Tai-Chi, I-Ging, Akupunktur und Feng-Shui, um nur einige der bekannteren Überlieferungsformen zu nennen, zu uns modernen Menschen gelangte.

(aus "Handbuch für den gewitzten Stadtkrieger")

Mittwoch, 2. August 2006

Freiheit

Die Gesellschaft konditioniert euch in einer Weise, die Liebe unmöglich macht und nur Hass zulässt....
Die Politiker und die Priester stecken seit Urzeiten unter einer Decke. Sie erniedrigen die Menschheit zu einer Masse von Sklaven. Sie zerstören jegliche Möglichkeit zu rebellieren im Menschen - und Liebe ist Rebellion, weil Liebe ausschließlich auf das Herz hört und sonst nichts.
Liebe ist gefährlich, weil sie dich zu einem Individuum macht. Doch der Staat und die Kirche wollen keine Individuen, unter keinen Umständen. Sie wollen keine Menschen, sie wollen Schafe....
Für Menschen mit Liebe kann es keine Nationen geben. Nationen existieren auf der Grundlage von Hass. Die Inder hassen die Pakistani und die Pakistani hassen die Inder - nur so können diese beiden Länder existieren. Wenn Liebe herrscht, werden die Grenzen verschwinden. Wenn es Liebe gibt, wer wird dann Christ und wer Jude sein? Wenn Liebe herrscht, werden die Religionen verschwinden...
Genauso wie der Körper atmen muss, um zu leben, muss die Seele lieben, um zu leben....Indem sie deine Liebesenergie vergiften, erzeugen sie eine Spaltung in dir....So bist du immer im Konflikt mit dir selbst. Und in diesem Konflikt wird deine Energie vergeudet....
Liebe schärft die Intelligenz, Angst stumpft sie ab. Aber wer will schon, dass ihr intelligent seid? Zu allerletzt die, die an der Macht sind. Wie können sie wollen, dass ihr intelligent seid? Dann würdet ihr nämlich anfangen, ihre ganze Strategie und ihre Spiele zu durchschauen....
Wenn du voller Hass bist, verwundest du zunächst einmal dich selbst. ..Und ob der andere dabei verletzt wird, hängt von ihm selbst ab....Womöglich ist der andere ein Buddha und lacht einfach darüber. Er verzeiht dir vielleicht und reagiert gar nicht auf deinen Hass.... Wenn du ihn nicht aus der Ruhe bringen kannst, kannst du nichts machen. Du wirst dich ihm gegenüber machtlos fühlen...
Aber eines ist absolut sicher: dass du, wenn du jemanden hasst, zuerst deine eigene Seele auf vielerlei Weise verletzen musst. Du musst so voller Gift sein, dass du dein Gift auch auf andere werfen kannst...
Liebe sollte das Allernatürlichste sein, ist es aber nicht...Hass ist sehr einfach geworden. Ihr werdet dazu angeleitet zu hassen, ihr werdet dazu trainiert...
Ein Nationalist zu sein heißt voller Hass auf andere Nationen zu sein....
Die sogenannten Religionen reden immerzu von Liebe, doch alles, was sie in der Welt bewirken, ist mehr und mehr Hass. Die Christen reden von Liebe und haben immer nur Kriege geführt und Kreuzzüge veranstaltet. Die Mohammedaner reden von Liebe und haben immer nur ihre Dschihads, ihre Heiligen Kriege geführt. Die Hindus reden von Liebe, aber ihr könnt es in ihren Schriften nachlesen - sie sind voller Hass auf andere Religionen. Und wir akzeptieren all diesen Unsinn! Wir akzeptieren ihn ohne jeden Widerstand, weil wir dazu erzogen wurden, es zu akzeptieren....
Die Liebe ist vergiftet, aber nicht zerstört worden....Du kannst dich entgiften. Du kannst alles erbrechen, was die Gesellschaft dir aufgezwungen hat. Du kannst all deine Glaubenssätze und Konditionierungen auf den Müll werfen - du kannst frei sein. Die Gesellschaft kann dich nicht ewig als Sklaven halten, wenn du beschließt, frei zu sein.


(aus "Mut" von Osho)

...

Auf irgendeine Weise hatte ich das Steigen und Sinken dieses harten schweren Gebildes, meines Bewußtseins, in der Hand. Unentschieden war, ob ich - wer: ich? - wieder aufsteigen würde, ich hielt mich in der Schwebe, ein schmerzfreier Zustand.
(aus "Kassandra" von Christa Wolf)

Dienstag, 1. August 2006

Wenn man...

die Barthaare seines Zuglufttigers für eine riesige Spinne hält und panikartig, unter plötzlichen Schweißausbrüchen, davor zurückschreckt, sollte man sich vielleicht doch eingestehen, unter einer Spinnenphobie zu leiden. :-/


Zuglufttiger
Originally uploaded by Weltentanz - Fluchtpunkte im Blickwinkel.

Hilfe...

Irgendjemand schnarcht so laut bei offenem Fenster, dass selbst ich nicht schlafen kann. Allerdings weniger, weil die Lautstärke mich wach hält, im Gegenteil, bei mir kommt es eher leise an, aber dafür klingt es, als ob auf meinem Balkon ein Bär oder ein anderes großes Tier schnauft. Ich weiß zwar, dass dort keines ist, doch wahrscheinlich sind es meine Urinstinkte, die mich trotzdem wach-sam bleiben lassen. :-/

Montag, 31. Juli 2006

Der Sonntag

Gestern war die x-te Entrümpelungsversammlung bei meinen Eltern zu Hause, wo wir wie jedesmal zentnerweise Papier und Kartons weggetragen haben. Meine Mutter hatte wieder bergeweise alte Bücher aussortiert, die der Altpapierentsorgung zugeführt werden sollten, und in diesen habe ich mehrere Fotobücher von meinem Vater gefunden. In früheren Jahren hat er oft fotografiert, er besitzt auch eine teure, aber alte Fotoausrüstung, die inzwischen seit ca. 20 Jahren irgendwo verstaubt. Anscheinend hat er sich, so wie es seine Art war, ebenfalls gleich jede Menge Literatur dazu besorgt. Ich habe die alten Bücher gerettet und mitgenommen, denn auch wenn sie aus den 50iger Jahren sind und über Analogfotografie, die Gestaltungsform vielleicht nicht mehr ganz der heutigen Mode entspricht, so bleiben doch gewisse Gestaltungsgrundlagen und Tips betreffend Licht, diverse Filter usw. dieselben. Eigentlich fotografiere und gestalte ich meist rein intuitiv, wobei sich mit der Erfahrung und im Vergleich das Wissen fast von alleine einstellt, aber so ein paar Tips schwarz auf weiss können mitunter auch sehr nützlich sein und in der Fotocommunity bekommt man die nicht. Ich habe aber immer gezögert, mir moderne Fotoliteratur zuzulegen, weil ich finde, dass die unverschämt teuer ist, ohne dass man weiß, ob wirklich hilfreiche Hinweise darin enthalten sind. Meistens ist diese Literatur nämlich entweder für absolute Anfänger, was mir nicht viel bringt oder in totalem Fachchinesisch für Profis, was mich dann auch nicht weiter bringt.
Vielleicht kann ich ja jetzt aus den alten Büchern noch etwas lernen, wobei ich sowieso finde, dass sich gerade in altem Zeugs manchmal noch sehr brauchbare Ideen und Ratschläge finden, die später mit der Technisierung dann wieder in Vergessenheit geraten sind. Allerdings nehme ich solche Bücher generell nur als Anregung, denn ich hasse Regeln. Was ich am Fotografieren am meisten mag, sind genaugenommen die Zufälle und Überraschungen, die man manchmal erlebt, wenn man einfach drauflosknipst. Wenn ich mich bei jedem Foto vorher rundum versichert hätte und hundertprozentig wüßte, was mich erwartet, sei es nun von der Lichtwirkung oder in der braven Bildaufteilung nach dem goldenen Schnitt, wäre es nur noch halb so spannend. Mein Motto ist immer, man sollte die Regeln kennen, um sie wenn möglich gekonnt brechen zu können.
Außer den Fotobüchern habe ich auch noch ein altes Stilwörterbuch aus den 50iger Jahren mitgenommen. Ich glaube, darin sind zwar viele Redewendungen und Synonyme in der gebräuchlichen Sprache schon etwas überholt, aber gerade das finde ich interessant, weil es teilweise Redewendungen sind, die man woanders gar nicht mehr findet. Allerdings schaue ich so gut wie nie in irgendwelche Wörterbücher, wenn ich schreibe.
K. meinte, sie hätte irgendwo einen Artikel darüber gelesen, dass Demenz und generell geistige Verwirrung öfter bei Leuten vorkommt, die in ihrem Leben viel mehr geistig gearbeitet und sich beschäftigt haben als andere. Das kann ich mir zwar nicht so recht vorstellen, weil es doch immer heißt, dass die Beschäftigung der kleinen grauen Zellen diese fit hält und behauptet wird, dass selbst Genies erst wenige Prozent ihres Gehirns nutzen, aber wer weiß, vielleicht gibt es darüber auch schon wieder neue Erkenntnisse und man weiß jetzt, dass das Gehirn wie die Gelenke verschleißt, je mehr man damit arbeitet. Also ist es vielleicht ganz gut so, dass ich im Moment sogar zum Denken zu faul bin und mein Gehirn dadurch schone, dass ich viel lieber völlig gedankenlos den Himmel, die Wolken und die Vögel beobachte, sooft ich dazu komme. Der nächste Winter folgt bestimmt, da kann ich noch genug denken.

Sonntag, 30. Juli 2006

Im Schwimmbad

Endlich habe ich es mal geschafft, früh aufzustehen, um schwimmen zu gehen. Da ich gerne lange schlafe, drehe ich mich dann doch lieber nochmal um, und leider ist es völlig unmöglich, nachmittags oder am Wochenende ab mittags dorthin zu gehen, weil es dann so voll ist, dass man froh sein kann, noch einen Stehplatz im Wasser zu erwischen. Aus diesem Grund bin ich in den letzten Jahren nur noch selten Baden gewesen, denn seit ich voll arbeite, ist kaum noch Gelegenheit dazu. Dabei könnte ich es mir jetzt öfters leisten, auch wenn man 4 € Eintritt zahlt. Als ich noch studiert habe, war ich fast ständig Schwimmen, aber zu diesen Zeiten war es auch noch viel billiger. Da habe ich 3 DM gezahlt, oder so. Aber auch was andere Sachen betrifft, ist es nicht mehr so wie früher. Während ich sonst, wenn ich ca. um 10 h dort war, manchmal das ganze Schwimmbecken für mich alleine hatte, bin ich diesmal schon zu 9 h hingefahren und trotzdem war es bereits ziemlich gut besucht. Allerdings brauchte man noch nicht anstehen, so wie später am Tag. Und auch im Wasser hatte man noch genug Platz. Mit 26 Grad Wassertemperatur war das Wasser geradezu perfekt. Nicht zu kalt, aber auch nicht so warm, dass man beim Schwimmen anfängt zu schwitzen. Ich mag es ja besonders gerne, so im Wasser zu treiben, wenn die Sonne von oben herunterscheint, das Gesicht wärmt und das Wasser ringsumher zum Glitzern bringt. Durch das Metall am Schwimmbeckenrand wird man zusätzlich fast geblendet und das Schwimmbecken wirkt von mittendrin dadurch viel größer. Wenn ich mich nicht gerade in der Sonne treiben ließ, dann tauchte ich, was ich eigentlich gar nicht kann, bzw. ich kann schon an sich tauchen, bloss komme leider nie richtig runter, so dass ich immer ziemlich ungraziös unter der Wasseroberfläche herumpaddle. Am liebsten wäre ich gar nicht mehr raus aus dem Wasser. Bei diesem Wetter läßt es sich dort wirklich am angenehmsten aushalten. Doch als sich das Schwimmbad dann langsam füllte, zog ich mich wieder auf einen der begehrten Plätze unter einem Baum zurück, wo ich mich von der Sonne trocknen ließ, die mitgebrachten Brötchen frühstückte und noch ein wenig las, bevor ich mich mittags, als die Massen anrollten, wieder auf den Heimweg machte.

Freitag, 28. Juli 2006

Blutarmut

tritt besonders gehäuft in den Sommermonaten auf. Der Grund dafür sind impertinente Vampire, die sich daran gerne bis zum Umfallen besaufen. Dem Aussehen der Stiche an meinem Körper nach zu urteilen, gibt es unter ihnen Arten mit verschiedenen Beisswerkzeugen. Die normalen Mückenstiche sind einfach ein bißchen angeschwollen und jucken. Dann gibt es aber noch welche deren Stiche sind münzengroß, tiefrot und sie brennen mehr, als dass sie jucken. Von diesen "Feuermalen" habe ich inzwischen drei am Körper und von den Mückenstichen, ich habe nachgezählt, 20 Milliarden. Noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als würde dieses mal wieder ein Sommer werden, in dem es mehr Schmetterlinge als blutsaugende Insekten gibt. Doch nun scheinen sie langsam aufzuholen. Und statt sich einfach nur an einer Stelle niederzulassen und ihren Wirt leer zu saugen, müssen sie auch noch am ganzen Körper Probebohrungen durchführen, bis man aussieht als habe man die Beulenpest.

...

1. Fünf Haustiernamen, die überhaupt nicht gehen.
Keine Ahnung. Solange es nicht meine Haustiere sind, ist mir der Name relativ egal. Abartig finde ich aber immer diese adligen Namen wie Diane von Buxtehude o.ä.

2. Fünf Erlebnisse, auf die du keinen Wert legst.
Krankenhausaufenthalt, nicht mehr in die Wohnung kommen, weil Schlüssel vergessen, Vernissagen, Sitzungen, Tagungen, Versammlungen o.ä., Unfälle

3. Fünf modische Fauxpas.
Leggins, Plateau-Turnschuhe oder Turnschuh-Pantoletten, zu kurze Ärmel oder Hosenbeine, falsche Rock- oder Hosenlänge bei dicken Waden, zu enge Klamotten besonders bei Korpulenz

4. Fünf Musiktitel, die bodenlose Abscheu in dir auslösen.
Eigentlich die meisten dieser typischen Pop-Balladen, also das, was auf den Kuschelrock-CDs drauf ist

5. Fünf Nahrungsmittel, die du schon am Geruch nicht erkennen möchtest.
Trüffel, saure Milch, Paprika, Porree, Whiskey

...

Wieso hab ich eigentlich bei Ingmar Bergman-Filmen immer den Eindruck, dass er ein Mitglied der Familie ist oder zumindest doch meine Familie gut zu kennen scheint, bis in die tiefsten Winkel hinein, von denen noch nicht einmal ich spreche. Manchmal könnte man meinen, er hat sich bei uns die Inspirationen zu seinen Filmen geholt. Das ist richtig unheimlich.

Mittwoch, 26. Juli 2006

Kurze Reportage im Fernsehen

Eine Gruppe junger Amerikaner auf Pub-Sightseeing in Berlin, anscheinend eine neue Trend-Tourismus-Form. Der Berichterstatter interviewt vor einer Kneipe eine junge Frau, welche völlig aus dem Häuschen ist und sich vor Begeisterung (oder Alkohol) kaum noch halten kann:
"Wir dachten immer Berlin sei langweilig (Anmerk.: natürlich sagt sie das alles auf Amerikanisch, aber der Einfachheit halber schreibe ich sofort die Übersetzung). Aber hier kann man richtig abfeiern und....TRINKEN! Das ist so cool hier! Ich liebe es! Ich sehe meine Freundin gar nicht mehr. Sie liebt es zu saufen. Es ist so super, yeahhhh!"

Ähm, was haben die denn gedacht? Dass in Berlin Prohibition herrscht? Verwechseln die da nicht irgendwas? Oder dachten sie, die Kneipen sind nur Filmkulisse? Und staatlich subventioniert um überleben zu können? *kopfkratz*

Montag, 24. Juli 2006

Mein Elternhaus - Das Haus

Mein Elternhaus war ein großzügig geschnittener, vierstöckiger Altbau mit einem Vorderhaus und zwei Hinterhäusern. Ursprünglich befanden sich in dem Haus Etagenwohnungen mit zwei Bäder und zwei Eingängen, jeweils einer davon für die Dienstboten gedacht, die ihre kleine Schlafkammer gleich neben der Küche hatten. Da es zu meiner Zeit keine Dienstboten mehr gab, waren die Etagenwohnungen in zwei Wohnungen geteilt worden. Wir wohnten in einem Teil, der noch beide Eingänge hatte. Einen offiziellen und schönen mit einer großen Diele im Vorderhaus und einen "Dienstboteneingang" im Hinter-, bzw. Mittelhaus, über den man auf den Hof oder in das nächste Hinterhaus gelangte und welcher sich am Ende eines engen und dunklen Korridors befand, von welchem man Zutritt zur Küche, dem "Dienstbotenbadezimmer", was nun ein reguläres war und zu der kleinen Schlafkammer hatte.

Im letzten Hinterhaus gab es nur eine einzige bewohnte Wohnung ganz oben unter dem Dach. Im Erdgeschoß lag dagegen der Kindergarten, in welchen ich gegangen bin, und dazwischen im zweiten und dritten Stock erstreckten sich große Gemeindesäle, wo solche Veranstaltungen wie Christenlehre, Konfirmandenunterricht, Weihnachtsfeiern, Bibelkreise und Kirchenchorsingen stattfanden.

In der einzigen Wohnung lebte ein älteres Ehepaar, von dem ich mich dunkel entsinnen kann, dass es neben dem Kindergartenspielplatz, auf welchem ich mit meinen Freunden auch dann spielte, wenn kein Kindergarten war, da meine Eltern einen Schlüssel dazu vom Hausmeister bekommen hatten, auf einem Gelände, wo später nur noch eine große Baugrube prangte, einen kleinen Schrebergarten besaß. Diese Gärten wurden ziemlich früh alle platt gemacht und danach war dort gar nichts mehr, obwohl es immer so aussah, als ob etwas gebaut werden sollte. Die Baugrube war jedoch stets so voll Wasser, dass im Winter sämtliche Kinder der Umgebung auf ihr Schlittschuh liefen. Von den Gärten blieben nur die Brombeersträucher am Zaun, die wir im Sommer stets fleissig abernteten, was allerdings etwas mühselig war, da wir dazu unter dem Zaun durchkriechen mussten.

Ganz früher, als es die Gärten noch gab und ich sehr klein war, existierte außerdem in der Mauer, die den Kindergartenspielplatz nach einer Seite hin abschloß, ein Durchgang zu einem Kohlenhof. Wenn wir auf dem Spielplatz spielten was eigentlich Sommers wie Winters ständig der Fall war, konnten wir regelmäßig den alten Mann beobachten, wie er mit einer leeren Kiepe dort hindurchging und mit ihr voll beladen mit Kohlen wieder zurückkehrte, sie mühselig auf dem Rücken tragend und nach oben schleppend. Irgendwann kam er nicht mehr. Danach wurde der Durchgang nie mehr genutzt. Von meine Eltern erfuhr ich durch die Gespräche bei Tisch, dass er einen Schlaganfall hatte und nun, völlig gelähmt, von seiner Frau in der Wohnung unter dem Dach gepflegt wurde. Die Frau war immer sehr nett zu uns Kindern, winkte oft von oben aus dem Fenster und warf uns dann Bonbons hinunter.

Die Wohnung unter unserer eigenen war die Küsterwohnung. In ihr lebte zuerst ein Herr H., welcher ziemlich korpulent war. Ich kann mich erinnern, dass mein Vater oft zu ihm in seinem Büro Plaudern ging und mich mitnahm. Ich bekam dann immer ein Solitaire-Spiel verpaßt, mit dem ich spielen sollte und es auch tat, ohne es zu können. Eines Tages klingelte es an unserer Tür und zu dieser Zeit hatte ich noch die Angewohnheit, schneller als meine Eltern dort zu sein und durch den Briefschlitz zu schmulen. Natürlich bekam das jeder, der vor der Tür stand mit, ebenso wie das, was ich sagte, aber dies war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewußt. Also schrie ich lauthals, als ich den Klingler identifiziert hatte: "Der dicke, fette Herr H.!".
Meinem Vater war das furchtbar peinlich und als er die Tür öffnete, fragte er gleich verlegen lachend, ob er das gehört habe. Die Antwort bekam ich nicht mehr mit, denn völlig bedröppelt von der plötzlichen Erkenntnis, dass Hr. H. das mitbekommen haben könnte, verkroch ich mich in meinem Kinderzimmer.

Und da fällt mir ein, dass vor dem Hr.H. noch jemand in der Wohnung gelebt haben muss, denn ich kann mich an ein schwarzhaariges Mädchen erinnern, welches mit mir zusammen in meinem allerersten Zimmer, der Dienstbotenschlafkammer, den Kachelofen mit Abziehbildern dekorierte, wenn man es denn so nennen will. Ich kann da allerhöchstens zwei bis drei Jahre alt gewesen sein, denn zu dieser Zeit passte ich noch vollständig mit Kopf und allen Gliedmaßen in die Kommode, welche in diesem Zimmer stand. Das weiß ich deshalb so genau, weil wir, wenn mein Spielfreund zum Spielen bei mir war, kurzerhand alle Sachen hinaus schmissen, und uns selbst in das Schrankfach falteten. Da die Kommode noch bis zu meinem Auszug Bestandteil meiner Zimmereinrichtung war, fragte ich mich später so manches Mal, wie sowas möglich sein kann, dass es eine Zeit gab, wo ich in dieses kleine Fach hineingepasst habe.

Später zog in die Küsterwohnung die nachfolgende Küsterin mit ihrem Mann und zwei Kindern ein, von welchen eines meine neue Spielfreundin werden sollte. Sie war zwar etwas jünger, etwas pummelig, aber für ihr Alter immer ziemlich weit. Außerdem trug sie genau denselben Namen wie ich. Damit es zu keinen Verwechslungen kommt, behielt ich auf gemeinsamen Beschluß aller Kinder des Hofes meinen schon eingeschliffenen Spitznamen "Sanne", während sie nur noch "Susi" gerufen wurde.

In der Wohnung über uns wohnte früher ein alter Pfarrer mit seiner Frau. Der Pfarrer hatte die Angewohnheit manchmal, wenn wir auf dem Hof spielten, aus dem Fenster zu schauen und eine Krähe nachzuahmen, die laut krächzt, oder auch eine Taube, Uhu bzw. was ihm sonst so einfiel. Das fanden wir natürlich sehr lustig. Ziemlich früh und plötzlich ist er gestorben und ab da lebte die Frau Sch. viele Jahre alleine in der großen Wohnung. Ab und zu bekam sie in den Ferien Besuch von ihrem Enkelsohn, mit dem ich auch sehr gerne spielte. Mit ihm konnte ich nämlich gut rangeln, was ich mit M., meinem "Hauptfreund", nicht konnte, da er so weichlich war. Allerdings fand ich bald seine Begeisterung für Körperkontakt etwas übertrieben, denn jedesmal, wenn ich beim Ringen auf ihm lag, rief er sowas wie "Oh, das war toll! Wollen wir das nochmal machen?" Seine Oma buk uns manchmal leckere Kartoffelpuffer und brachte sie uns mitsamt einer Zuckerdose auf den Hof, wo wir sie brüderlich miteinander teilten.

Fortsetzung folgt

Die Geschichte, die NICHT "Das Geheimnis des Zarengoldes" heißt - Teil 27

Die Entfernung zwischen „Sturmvogel“ und „Wasilissa“ dagegen verringerte sich sehr viel langsamer, aber zunehmend. Schon konnte man mit bloßem Auge die Mannschaft sehen, die geschäftig an Bord des Kanonenbootes umherwuselte. Auch diese hatten den fremden, auf sie zusteuernden Dreimastschoner bereits im sich lichtenden Morgendunst entdeckt. Eine wärmende Sonne strahlte nun ungehindert auf das smaragdfarben schimmernde Meer hinunter. Peter hockte trübsinnig in einer Ecke auf dem Deck und starrte auf einen krummen Nagel, der aus der Bordwand ragte. Ein hagerer Schatten fiel über ihn und der Schiffsjunge blickte auf.
„Warum hast du zugestimmt?“ Die blauen Augen von Wilfrid Zeew schauten ihn fragend an.

„Ich, ich konnte nicht anders.“ stotterte Peter. „Er hat gesagt, er wirft mich sonst über Bord.“

„Wer?“

„Na der Käpt’n.“

Zeews Augen verengten sich und auf seinem Gesicht erschien eine gläserne Härte. Dann setzte er sich neben Peter auf das Deck und schwieg. Er suchte nach etwas an seinem Gürtel und reichte dem Schiffsjungen schließlich ein Messer.

„Nimm das. Du wirst es drüben brauchen können.“

Peter bedankte sich und wurde ein klein wenig rot. Das Messer hatte einen Elfenbeingriff, in den etwas eingraviert war, und machte den Eindruck, schon oft benutzt worden zu sein. Vielleicht war es ein Andenken. Peter fühlte sich heimlich hingezogen zu dem schlaksigen jungen Mann. Nicht erst jetzt, auch früher schon hatte er ihn beobachtet und gefunden, dass er völlig anders war als die meisten auf dem Schiff. Man merkte ihm an, dass er eine gute Bildung und Erziehung genossen hatte, und im Gegensatz zu den anderen Männern schien er einigen moralischen Grundsätzen zu folgen. Trotz seines unübersehbaren Ehrgeizes gepaart mit einem manchmal etwas arrogantem Auftreten, wirkte er nie gierig und dachte in jeder Situation stets auch an die ganze Mannschaft. Und nun fasste der Schiffsjunge Vertrauen zu ihm.

„Woher kommst du?“ fragte Peter seinen älteren Freund.

„Aus Holland.“ antwortete der einsilbig.

„Und deine Familie?“

„Tot.“ Peter schauderte bei dieser Antwort, obwohl er dasselbe Schicksal mit ihm teilte. Doch im Munde eines anderen hörte es sich grauenhafter an, als er es selbst empfand. Der Schiffsjunge wagte nicht genauer nachzufragen und Zeew blieb stumm, bis er mit einem Mal anfing zu erzählen.

„Mein Vater war ein holländischer Kaufmann und kreuzte mit mir und meiner Mutter vor Madagaskar, um dort eine neue Existenz aufzubauen, als wir auf das Piratenschiff trafen. Sie töteten alle, mich nahmen sie mit. Ich wurde ihr Schiffsjunge, so wie du es jetzt bist. Ich glaube, ich bin der einzige, der überlebt hat.“

„Und du bist hier geblieben?“

„Wo hätte ich sonst hin sollen?“

Ja, wo hätte er sonst hin sollen, wo sollte Peter sonst hin? Er konnte wieder in Sansibar betteln gehen und gerade im Moment wäre er nirgendwo lieber gewesen als dort. Er wäre zwar alleine, ohne die fragwürdige Sicherheit der „Familie“, die ihn nun in Form der Schiffsmannschaft umgab, aber wahrscheinlich würde er dafür den nächsten Sonntag noch erleben.

Völlig in ihre eigenen Gedanken versunken saßen beide da und starrten vor sich hin, während das Leinen der Segel in vertrauter Weise leise und unrhythmisch gegen die Taue klatschte.

Sonntag, 23. Juli 2006

Das Nachtlager ist bereitet...

Es ist unglaublich - sobald ich aus der Dusche und in meinen Bikini gestiegen bin, klebe ich schon wieder überall. Zwischendurch war es kurzzeitig besser, weil die Wolken verschwanden und der blaue Himmel hervorkam. Sofort war es viel angenehmer und erträglicher, weil die Wolken die Hitze anscheinend wie eine Glocke unten halten. Doch inzwischen ist der Himmel erneut bewölkt. Und mein 2x2 Meter Balkon mutiert so langsam zu einem Ess-, Wohn- und Schlafplatz, denn wirklich aushalten kann man es nur draußen.

Als ich mittags auf der Matratze ein kleines Nickerchen hielt, flog plötzlich ein Vogel auf das Futterhäuschen, wo aber natürlich nichts drin ist. Er dachte wahrscheinlich, er hat sturmfreie Bude und als er mich dann unten liegen sah, war er sichtlich etwas verwirrt und lugte mißtrauisch zu mir herunter, bis er sich entschloß, weiterzufliegen. Damit hatte er wohl nicht gerechnet, dass ich mich schon auf dem Boden häuslich eingerichtet habe. *gg*

Ansonsten merke ich, dass mich diese erzwungene Untätigkeit langsam etwas hibbelig macht. Vor einigen Monaten konnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als den ganzen Tag faul rumzuliegen. Doch so auf Dauer möchte man irgendwie auch mal wieder was Vernünftiges machen, nur bei dieser Hitze ist das fast unmöglich. Selbst im Haushalt mache ich nur das Allernötigste, weil alles doppelt so sehr anstrengt. Ich glaube, wenn ich solche Hitze das ganze Jahr über hätte, dann würde ich in meinem Zuhause total versumpfen. Schon das Einkaufen ist mir zuviel, allein das leckere Eis motiviert, in den Supermarkt zu gehen und dort die benötigten Getränke und ein bißchen was zu essen zu holen. Da die Sohle meiner Sandalen fast auseinander fällt - ein großer Riß klafft quer durch den Schuh - müßte ich eigentlich auch neue Schuhe kaufen gehen, da dies meine einzigen Offenen sind und was anderes einfach zur Zeit nicht tragbar ist. Aber schon der Gedanke ans Shoppen gehen treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Selbst zum Schreiben oder PC-Schrauben ist es zu heiß - viel zu heiß zum Denken und auch, wenn meine Festplatte dringend aufgeräumt werden müßte - no way! Am besten keinen Finger rühren! Das einzige, was ich noch regelmäßig mache, ist Blumen gießen, und auch dass dann mehr als lebensrettende Maßnahme. Komischerweise scheint sich meine Orchidee bei diesem Klima richtig wohl zu fühlen. Zuerst, nachdem die Blüten abgefallen waren, sind die Luftwurzeln vertrocknet und ich dachte, sie ist erledigt. Dann sah ich, dass sie trotzdem ein neues Blatt bekommt und jetzt, wo alle andere Pflanzen schon braune Flecken haben, wachsen vollkommen neue, saftige grüne Luftwurzeln. Ich bin ja echt gespannt, wie lange dieser Sommer noch so weiter geht.

Samstag, 22. Juli 2006

...

Möglicherweise ist es gar nicht das Cholesterol. Vielleicht ist der Anstieg der Herzinfarkte auf die massive Zuwanderung irischer Kobolde zurückzuführen.
(aus "Das Model und der Schnüffler" - "Somewhere under the rainbow")

Mir ist da heute so eine Idee gekommen...

Ja, ich weiß, ich habe öfters mal irgendwelche Ideen, um nicht zu sagen ständig, und jetzt hat sich eben wieder eine eingenistet, aber wie ich finde, keine schlechte. Und zwar habe ich ja das Bücherregal im kleinen ZImmer noch nicht wirklich richtig eingeräumt, zumindest nicht so, dass ich irgendwas wiederfinde. Ich habe nur die Bücher, die ich für dieses Regal ausgesucht hatte, kreuz und quer da rein gepfeffert und die anderen im Wohnzimmerregal genauso. Nun kam mir heute so der Gedanke, dass man ein Fach im Bücherregal nur für die Bücher reservieren könnte, die man tatsächlich noch mehrfach zur Hand nehmen wird, da in ihnen so viel Wertvolles steckt, dass man in ihnen immer und immer wieder blättern und lesen kann. Sozusagen eine kleine literarische Hausapotheke. Es gibt sowieso nicht sehr viele Bücher von der Sorte, die meisten liest man und vergißt sie wieder, aber einige eben doch nicht (wie z.B. das Buch mit den feng-shuischen Jahresprognosen, die immer so wahnsinnig zutreffend sind, dass ich es inzwischen jedes Jahr öfters zur Hand nehme). Es gibt auch solche Bücher, die eigentlich nur schreiben, was man schon weiß, aber dies in einer solchen Weise, dass alleine das Lesen eine Bewußtseinsveränderung hervorruft, nur dadurch, dass man noch einmal schwarz auf weiß an gewisse Dinge erinnert wird, die im Alltag so gerne aus dem Bewußtsein verduften. In so einem Regalfach hätte man dann alle wirklichen Schätze griffbereit zur Hand, müßte nicht mehr suchen und es besteht nicht die Gefahr, dass im geistigen Sinn wertvolle Bücher irgendwo in der Versenkung zwischen den anderen Genossen verschwinden. Einige Bücher sind einfach zu schade dafür, in der Versenkung zu verschwinden, wie zum Beispiel auch das gerade ausgelesene "Unfug des Lebens und des Sterbens" von Prentice Mulford. Das ist zwar vielleicht eine etwas unorthodoxe Bücherordnung, aber eine, die sich auf das Wesentliche beschränkt.

...

In diesen neunundvierzig Lebensjahren habe ich zwei indifferente als Matrose auf einem Handelsschiff und einem Walfischfänger verbracht. Auf letzterem war ich Koch, zum Jammer aller an Bord, die in die Wirkungssphäre meiner kulinarischen Missetaten gerieten. Erst als wir auf hoher See waren, entdeckte man, daß ich von der edlen und so nützlichen Kunst des Kochens keine Ahnung hatte. - Da war es aber schon zu spät.
(Prentice Mulford)