Ich bin mit dem Mann, welchen ich zu jener Zeit kannte und in den ich viele Jahre sehr verliebt war, verheiratet und wir haben zusammen frisch geborene Fünflinge. Leider entpuppt er sich im Eheleben als ziemlicher Pascha und beteiligt sich kaum an der Hausarbeit. Statt dessen sitzt er lieber mit meinem Vater zusammen und spielt Würfelspiele. Ich sage deshalb zu ihm, er möchte sich doch wenigstens Namen für die Babys ausdenken - die haben nämlich noch keine -, doch es tut sich einfach nichts. Nicht einmal dazu ist er in der Lage. Ich dagegen bin ständig am rotieren, um den Haushalt in Ordnung zu halten und die Babys zu versorgen. Immer wenn ich das fünfte Baby gefüttert, gewaschen und gewindelt habe, fängt das erste wieder an zu schreien. Das geht so lange, bis ich mit den Nerven vollkommen fertig plötzlich aufwache. Ich bin schweißgebadet und kann es zuerst kaum fassen, dass es ein Traum war. Doch als ich es endlich glauben konnte, war ich noch NIE in meinem Leben so froh, nur geträumt zu haben. Ich habe richtiggehend körperlich gefühlt, wie eine zentnerschwere Last von mir abfiel. Eindeutig ein ANGST-Traum!
behauptet neuerdings, mein Bruder halte eine Herde Zebras in einem Stall. Wie er darauf kommt, ist uns ein Rätsel. Er spricht jetzt immer seinen Physiotherapeuten mit dem Namen meines Bruders an, anscheinend hält er ihn für meinen Bruder, weil er so ähnlich aussieht. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Physiotherapeut eine Herde Zebras hält. Vielleicht hat er wieder geträumt....
Im Rot-Rausch befinde ich mich zur Zeit und ich weiß selbst nicht so recht, wie das gekommen ist. Es begann schleichend, und irgendwann stellte ich fest, dass ich, so wie ich früher auf alles losgegangen bin, was blau ist, nun auf alles zuerst losgehe - manchmal mit einem kleinen, verwirrten Zögern, da sich mein Kopf noch daran klammert, dass meine Lieblingsfarbe Blau ist - was rote Farbtöne aufweist. Natürlich nicht wütend wie ein Stier mit seinen Hörnern, sondern mit einem jubelndem kleinen Herzhüpfer, unwiderstehlich angezogen und entzückt. Es ist praktisch, denn Rot steht mir zufällig so ausnehmend gut, dass ich fast nicht wiederzuerkennen bin, wenn ich es trage (und zwar wirklich - eine Kollegin hielt mich mal für eine Klientin, weil ich eine rote Regenjacke trug, und als sie den Irrtum bemerkte meinte sie: "Ich hab dich gar nicht erkannt. Das Rot steht dir so gut.") Es ist aber auch seltsam, da ich mit Rot seit meiner Jugend eher auf dem Kriegsfuß stehe und es wegen dieser Abneigung früher kaum getragen habe. Ich fand es immer die nervigste Farbe von allen, die mich regelrecht aggressiv machen konnte, und von einem reinen, leutenden Hellrot fühle ich mich teilweise auch heute noch überfordert. Ich mag vor allem die gebrochenen und dunkleren Farbtöne, sattes Dunkelrot, wie es sich in dem Funkeln von Granaten zeigt, das warme Rotbraun des Carneol und diverse Abstufungen über das Purpur der Könige bis hin zum warmen Violett und dunklem Lila. Überhaupt finde ich, dass Rot und Lila eine zauberhafte Kombination abgeben und wunderbar zusammenpassen, eine Meinung, die wenig geteilt wird. Meine Mutter belehrte mich letztens, dass laut irgendwelcher Designer und Leute, die es wissen müssen, Lila und Grün viel besser zusammenpassen. Dies ist allerdings eine Kombination, die mir sofortige Übelkeit verursacht. Deshalb pfeife ich auf alle Designer und Experten, und schwelge in Rot und Lila so lange ich es will. Denn wenn ich Rot und Lila sehe, sehe ich immer auch eine unbändige Fülle, ähnlich die eines großen und reichen Herzens, und diese Fülle ist es, die ich dann gleichermaßen fühle.
Manchmal frage ich mich, wie lange dieser Rot-Rausch wohl anhalten wird, ob er nur vorübergehend ist oder ob ich Rot zu meiner neuen Lieblingsfarbe deklarieren muss. Ich frage mich, ob dieser Wandel meiner farblichen Vorlieben nicht weiter von Bedeutung ist, oder ob er vielleicht das äußere Äquivalent eines inneren Wandels ist, der sich vollzogen hat. Man sagt, alle sieben Jahre verändere sich der Körper, warum nicht auch das Farbempfinden? So kann ein Feind ein Freund werden, und eines ist klar - mein Adventskranz muss rot werden!
Verreist bei entfernten Verwandten aus dem Westen. Der Ort beginnt mit B..... (beim Aufwachen musste ich an Berchtesgarden denken). Am letzten Tag des Aufenthalts fällt dem Sohn, einem jungen Mann, ein, uns oder mir noch etwas zu zeigen. Wir gehen eine Straße entlang, wo rechts von uns eine große unbebaute Fläche mit weißen Rechtecken liegt. Als ich genauer hinschaue, sehe ich, dass es im Vordergrund ein großer Parkplatz ist, man im Hintergrund jedoch die gesamte Stadt sehen kann, und zwar schaut man direkt von oben auf die überwiegend weißen Dächer. Der Ort muss also etwas bergig sein, wirkt aber von unserem Platz aus nicht so. Wir wenden uns jedoch nach links, lassen erst viele Autos vorbeifahren, die dort aus einer Kurve hervorkommen, und überqueren dann Bahnschienen. Mit dem Bus fahren wir eine Weile, bis wir zu einer anderen Wohnung gelangen. Die dort wohnen sind auch Verwandte von uns und anscheinend findet gerade eine Feier statt, denn das ganze Wohnzimmer ist voller Menschen, auffällig viele alte sind dabei. Da ich keine Lust habe, überall herumzukriechen und allen fremden Leuten die Hand zu geben, winke ich bloss grüßend mehrmals auffällig hinein, worauf aber kaum reagiert wird. Mit einem Mal sind sie alle weg und ich schaue mir interessiert die Wohnung an.
Beim Eintritt kommt man in einen ziemlich kleinen engen Flur und schaut direkt in das Schlafzimmer, welches linkerhand schräg gegenüber der Eingangstür liegt und keine Tür hat.
Statt dessen ist ein sehr großer, bogenförmiger, in der Mitte mit einem kleinen Schlenker spitz zulaufender Durchgang in der Wand, durch welchen man genau auf den deckenhohen gemaserten Holz-Wandschrank und das Ehebett schaut. Gegenüber vom Schlafzimmer liegt ein Raum, der am Eingang (Türrahmen?) irgendwelche technischen Geräte eingebaut hat (Radio?). Neben dem Schlafzimmer liegt das Bad und neben dem Bad, rechterhand gegenüber der Eingangstür kommt man zum Wohnzimmer. Ich schreibe "kommt man", weil man erst durch mehrere verwinkelte kleine Vorzimmer muss, bevor man das langgestreckte große Wohnzimmer erreicht, welches man durch eine Tür neben der Stirnseite betritt. Auch gegenüber der Tür zum Wohnzimmer kommt man vom Flur aus noch in ein anderes Zimmer. Und genau dort an der Zwischenwand des Flures, prangt direkt in der Mitte ein riesiges Gerät von Sprechanlage. Ich denke bei mir, dass die Wohnung zwar nicht schlecht und schön groß ist, aber von der technischen Ausstattung doch schon etwas veraltet. Die Hausherrin will uns jetzt ein Buch schenken. Doch es ist nicht für jeden ein Buch, sondern ein riesiges Buch für uns alle (drei?). Es ist bestimmt so hoch wie ein halber Mensch und sie setzt sich an den Wohnzimmertisch, um eine Widmung hineinzuschreiben. Diese Widmung wird zu einer ganzen Zeichnung, die sie mit leichter Hand dort hineinsetzt. Beim Zeichnen betrachte ich sie und ihr Gesicht aufmerksam. Sie hat aschbraune, glatte, halblang auf gleicher Höhe geschnittene Haare, trägt eine Brille mit dünnem Rand und hat ein feingeschnittenes schönes Gesicht. Im Traum ist mir, als würde ich sie schon von früher kennen - und es war eine angenehme Bekanntschaft -, kann mir aber nicht so recht klarwerden, ob ich sie vorher wirklich schon mal getroffen habe.
hat jetzt gerade unser Gruppenfoto als Abschiedsgeschenk erhalten. Genaugenommen ist es kein richtiges Gruppenfoto, sondern jeder ausgeschnitten auf einer großen bemalten Pappe und in der Mitte ein selbstgereimter Spruch. Das alles gerahmt und hinter Glas, so dass sie es sich ins Wohnzimmer hängen kann. Ich wäre ja bestimmt überglücklich, mir sowas ins Wohnzimmer hängen zu dürfen.....*würg*
Meine Kollegin sah auch nicht gerade begeistert aus, weshalb unsere Chefin meinte, sie möchte jetzt "Toll!" und "Danke!" hören. Deshalb presste sie dann ein "Ja, ja....schön." hervor.
hat mir heute den Platz an meiner Stehsäule auf dem U-Bahnhof weggenommen. Die Stehsäule ist eine bestimmte Säule, an der ich immer lehne, wenn ich auf die U-Bahn warte. Warum ich mich dabei anlehnen muss, weiß ich nicht - wahrscheinlich Altersschwäche. Aber da ich viel älter bin als er, würde es mir auch eher zustehen, dort zu lehnen, finde ich. Kurzzeitig spielte ich mit dem Gedanken, mich aus Trotz an seinen Rücken zu lehnen, den er mir zukehrte, während er auf die gegenüberliegende Bahn wartete. Ich hab's dann gelassen, sonst sieht das wieder so aus, als würde ich jüngere Männer angraben wollen....
was die da über mir auf dem Dach machen. Das rumpelt und pumpelt, als würden hundert Schlossgespenster mit ihren Eisenkugeln Kegeln spielen. Nebenbei hört man ständig so einen seltsamen Ton, zwar nicht laut, aber hoch und nervig. Wie der Lärm vom PC, aber noch zusätzlich. Inzwischen habe ich schon Kopfschmerzen von dem Gepolter. Sollte ich mich nicht mehr melden, ist wahrscheinlich die Decke auf meinem Schreibtisch gelandet....
17. (März 1915) Von Lärm verfolgt. Ein schönes viel freundlicheres Zimmer als das in der Bilekgasse. Ich bin von der Aussicht so abhängig, die ist hier schön, die Teinkirche. Aber großer Lärm der Wagen unten, an den ich mich aber schon gewöhne. Unmöglich aber mich an den Lärm am Nachmittag zu gewöhnen. Von Zeit zu Zeit ein Krach in der Küche oder am Gang. Über mir auf dem Boden gestern ewiges Rollen einer Kugel wie beim Kegeln unverständlicher Zweck, dann unten auch Klavier. Abend gestern verhältnismäßige Stille, ein wenig aussichtsvoll gearbeitet (Unterstaatsanwalt) heute mit Lust angefangen, plötzlich nebenan oder unter mir Unterhaltung einer Gesellschaft, so laut und wechselnd als umschwebe sie mich. Ein wenig mit dem Lärm gekämpft, dann mit förmlich zerrissenen Nerven auf dem Kanapee gelegen, nach 10 Uhr Stille, kann aber nicht mehr arbeiten. (Kafkas Tagebücher)
Habe ich nicht letztens sowas ähnliches geschrieben? Ob nun Baugerüste oder Lärm ist ja fast dasselbe....
schau ich so eine Dokumentation über Geisterstädte in Brasilien und frage mich, warum ich eigentlich so ein langweiliges Leben führe. Warum bin ich nicht Archäologin geworden oder Forschungsreisende? Gebuddelt habe ich schließlich schon immer gerne und dann könnte ich durch den Regenwald schippern, in den Diamantenbergen herumkraxeln oder Stammeshäuptlinge mit auberginefarbenen Topffrisuren treffen. Mein einziges Abenteuer besteht zur Zeit darin, das Geheimnis der mysteriös von selbst verschwindenden Tagclouds zu entschlüsseln. Allerdings würde es mich wohl etwas nerven, wenn ich jede Tonscherbe einzeln mit dem Pinsel freilegen müsste. Und überhaupt finde ich, dass die Museen langsam auch mal etwas entrümpeln könnten.
aus meiner dunklen DDR-Vergangenheit wiedergetroffen. Es ist seltsam, so lange man sie nicht sieht, sind sie völlig aus dem Gedächtnis gestrichen, aber fällt dann plötzlich der Blick auf sie, erkennt man sie sofort wieder und erinnert sich. Diesmal waren es die Chokis in den kleinen Pappschächtelchen mit Märchenmotiven. Ich habe sie nicht gekauft, allerdings überfiel mich, wahrscheinlich verursacht durch die plötzliche Erinnerung an die Kindheit, ein unstillbares Verlangen nach bunten Lollis, obwohl ich schon seit Ewigkeiten keinen Hunger mehr auf reines Zuckerzeug hatte. Das ist auch besser so, denn hat man erstmal damit angefangen, muss man eine Weile abstinent bleiben und gesund essen, um die Zuckergier wieder loszuwerden. Ich habe mir trotzdem eine Packung Lollis gekauft und stehe jetzt kurz vor dem Zuckerschock.
da komme ich nach dem Wochenende ins Büro und stelle fest, dass die Vögel am Futterstock wie die Vandalen gewütet haben. Alle Futterportionen vollkommen leer (während letzten Winter ein Stock für den gesamten Winter reichte) und das ganze Fenster ist voller Fettspuren. Es ist, als hätten sie sich erst in Rindertalg gewälzt und wären dann damit gegen die Fensterscheibe geflogen. Meisen können das jedenfalls nicht gewesen sein, die hätten gar nicht so viel fressen können. Sieht eher nach Aasgeiern aus...
....wirkt in etwa so, als wäre der Architekt beim Entwurf besoffen gewesen, weil überall Winkel, Schächte, wie auch der Geheimschacht, und schräge Wände. Keine Dachschrägen, die Decke ist schon gleich hoch, aber die Wände sind nicht nur in ihrer Oberfläche schief und krumm, sondern auch nirgends in der Wohnung in normalem Rechteck zusammengefügt. Das hat zwar den Vorteil, nicht langweilig zu sein, macht sich aber teilweise ziemlich blöd. Zum Beispiel kann ich im Wohnzimmer keine dekorative Gardinenstange anbringen, da die Fensterfront von zwei Schächten eingeengt wird, neben denen fast gleich ohne Wand dazwischen die Fenster beginnen. Deshalb habe ich dort nur ein Gardinenbrett mit einer Blende, die genau zwischen die beiden Schächte passt und in der gleichen Farbe wie die Wand gestrichen ist. Das wirkt dann ungefähr so, als ob die schmale Nische über dem Gardinenbrett, da es nicht ganz oben an der Decke befestigt ist, und der dazugehörige Gardinenvorbau in die Wand eingebaut ist. Allerdings stört mich diese dunkle Nische über dem Gardinenbrett immer ein bißchen, da ja dort kein Licht mehr hinkommt. Letztens kam mir nun der Einfall, dass man oben an der Gardinenleiste vielleicht drei nach oben gerichtete kleine Lichtstrahler anbringen könnte, was gleichzeitig optisch die Deckenhöhe erhöht und die Nische ausleuchtet. Allerdings müssten alle Strahler zusammenhängen und von unten einzuschalten sein, da ich nicht jedes Mal auf die Leiter kriechen kann, um jeden Strahler einzeln anzuknipsen. Leider hab ich keine Idee, wie sowas zu machen ist, weshalb ich dann auf die Idee kam, eine Lichterkette an der Gardinenblende und -leiste zu drapieren, so dass sie gleichzeitig die Nische etwas ausleuchtet. Jetzt hängt dort also eine Lichterkette mit orangen Herbstblättern, obwohl ich eigentlich kein Lichterketten-Fan bin, und irgendwie wirkt mein Zimmer nun ein bißchen wie eine Disko oder anderes Vergnügungsetablissement. Und im Fernsehen bin ich schon wieder an diesen Gerichtsmedizin-Kriminalfall-Dokumentationen hängengeblieben, obwohl ich mir sowas gar nicht anschauen wollte....
Bei meinem Streifzug durch die Blogs konnte ich mal wieder feststellen, was für ein unerschöpfliches Thema doch die Politiker sind. Ein jeder kann sich lustvoll über sie aufregen, ich nicht ausgenommen, aber auffällig ist, dass es insbesondere das äußere, repräsentative Auftreten ist, welches Kritik hervorruft. Sei es nun das Aussehen von Angela Merkel, Fernsehauftritte diverser Politiker, Wahlkampfveranstaltungen, die teilweise übermäßig aufgemachten Schlagzeilen diplomatischer Küsse, Handreichungen und protokollhöflicher, sinnleerer Gespräche oder menschlicher Ausschweifungen und Vergnügungen, über alles wird geschimpft und gewettert was das Zeug hält. Doch wenn es dann um konkrete politische Entscheidungen geht, die zwar vom ersten Eindruck nicht spektakulär sind und einen, so scheint es, nicht zu betreffen scheinen, aber von ihren Auswirkungen extrem tief in die politische Landschaft eingreifen, und zwar meist zum negativen, hört und sieht man seltsamerweise nichts von Diskussionen oder einfach auch nur dem Hinweis, dass sich jemand darüber Gedanken macht. Und das ist etwas, was MICH aufregt, mindestens ebenso wie die Politiker. Gut in Erinnerung ist mir dazu die Förderalismusreform (ein schöneres Wort für das Abschieben von Verantwortung auf die Länderebene), die clevererweise während der WM letztgültig beschlossen wurde. Ok, ich streife nun nicht durch die gesamte Blogszene und habe auch nicht alle Blogs regelmäßig gelesen, aber unter den Blogs, die ich besuchte, habe ich nicht ein einziges gefunden, das diese Reform auch nur erwähnt hätte.
Wo bleibt denn da der mündige Bürger, der sich nicht nur über die manipulative Medienpäsenz und die leeren Phrasen und Versprechungen der Politiker aufregt, sondern gleichzeitig so mündig im Denken ist, dass er nicht, ohne es zu merken, trotzdem darauf hereinfällt - genau indem er sich auf solche Dinge wie auf einen Köder stürzt, sondern auch die konkrete politische Arbeit und die praktischen Entscheidungen, seien es auch kleinere, dabei im Auge behält?
Kommt heute eine Kollegin mit einem Wisch wegen der Weihnachtsfeier, wo wir uns aussuchen sollen, was wir essen wollen. Außerdem stand da noch eine Spalte "Julclub - ja/nein".
Begriffsstutzig wie ich bin gucke ich etwas ratlos und frage : "Wat is dat denn?"
Meine Kollegin darauf: "Kannst du nicht lesen? Steht doch da. Julklapp."
"Ahhh, Julklapp!" sage ich - natürlich, das Wort hat mich doch gleich an irgendwas erinnert.
Aber besser ist schon, wenn man nochmal nachfragt. Nicht dass sie einem nachher, wenn man unterschrieben hat, jeden Monat noch Geld für einen Julclub abziehen.....
Wie ich das hasse! Manchmal denke ich, man müsste ab Mitte November bis 31.12. Urlaub nehmen und sich irgendwohin verkrümeln, wo einen keiner mehr findet, außer die, von denen man sich finden lassen will, und denn Rest der Welt der allgemeinen Hetze, Hektik und Fröhlichkeitspsychose überlassen. Allerdings wäre dann auch der gesamte Urlaub weg.
Nach langer Zeit traf ich früh den Sonnenblumenhausmeister und der sprach mich ebenfalls gleich darauf an, dass er mich ewig nicht mehr gesehen habe. Als ich antwortete, dass ich vor kurzem vier Wochen Urlaub hatte, meinte er so, dass ich ja richtig in die vollen gehe, aber das wohl auch nötig sei, wenn man nach Australien oder Indien reist. Ich erklärte daraufhin, dass ich weder in Australien noch in Indien war, sondern in meiner Wohnung gearbeitet habe, aber ich finde es irgendwie schon interessant, dass er bei mir an Australien oder Indien denkt. Ich meine, er hätte genausogut sagen können "wenn man eine Luxus-Kreuzfahrt macht" o.ä.
Er fragte mich nach diesem Themawechsel dann, ob ich schon den Tempel gesehen hätte, den sie uns auf dem Hof errichtet haben (er hat den gleichen Vermieter und den gleichen Hof wie ich). Ich musste erst kurz überlegen, wusste Sekunden später, was er meinte. Über diesen riesigen Klotz von einem Müllhäuschen, den sie uns mitten auf die grüne Wiese im Hof gestellt haben, hatte ich mich auch schon geärgert. Und "Tempel" ist wirklich der richtige Ausdruck dafür - das ist kein Müll-Häuschen, sondern ein Müll-Tempel. In unserer Müll-Gesellschaft haben wir dem Müll natürlich angemessen zu huldigen.....
Für die Einen ist es Traumschiff
Für den 2ten die Titanic
Was dem Dritten süßes Rauschgift
Wirkt beim 4ten leider gar nicht
Jeder 5te braucht Entspannung
Jeder 6te hätt's gern schneller
Was dem Siebten nur die Kür ist
Ist dem Achten schon die Pflicht
Hab ich's gern weich
Oder ganz hart?
Geht es aufwärts oder abwärts
Es ist nur eine Frage des Lichts
Und lieg ich oben
Oder unten
Es ist alles
Alles eine Frage des Lichts
Eine Frage des Lichts
Für die Einen ist es Wahrheit
Für den 2ten purer Blödsinn
Was dem Dritten Religion ist
Ist dem 4ten böses Gift
Jeder 5te mag's mit Peitsche
Jeder 6te hat kein Sex
Was dem siebten ganz normal ist
Ist dem Achten ein tabu
Hab ich's gern weich
Oder ganz hart?
Geht es aufwärts oder abwärts
Es ist nur eine Frage des Lichts
Und lieg ich oben
Oder unten
Es ist alles
Alles eine Frage des Lichts
Eine Frage des Lichts
Was dem Ersten ist der Finger
Nimmt der 2te gleich als Hand
Jeder Dritte macht's mit Porno
Nummer 4 findet's banal
Was dem 5ten ist die Liebe
Ist dem 6ten eine Qual
Was dem Siebten seine Treue
Ist dem Achten nur Verrat
Ist es Verrat?
Nur Verrat!
Geht es aufwärts oder abwärts
Es ist nur eine Frage des Lichts
Und lieg ich oben
Oder unten
Es ist alles
Alles eine Frage des Lichts
Eine Frage des Lichts
(Rosenstolz)
Es gibt Tage, da fühle ich mich sowas von lebendig, aber sowas von lebendig, dass ich den Eindruck habe, in mir lebt eine Menagerie von wilden, aufmüpfigen kleinen Viehchern. Da zappelt das Herz, springt das Ei, knurrt der Magen, kneift die Niere, rumort der Darm, läuft die Nase, pfeifen die Ohren, spuckt die Lunge und bocken die Muskeln. Hurra, ich lebe noch!
Ein sonniger Tag, frühlingswarm, die letzten Herbstblätter strahlen golden unter dem blauen Himmel. Aufgrund
dieses nächtlichen Traumes beschloß ich, insbesondere wegen der Gestalt in der schwarzen Kutte - ein Kleidungsstück, das mir inzwischen als Lieblingsbekleidung des Herrn Tod in meinen Träumen bekannt ist -, statt mit der U-Bahn mal mit der S-Bahn zu fahren. Ein bißchen albern kam mir das schon vor, aber zum Glück ist es zeitlich kein großer Unterschied und auch kein Umweg....dachte ich.
Als ich jedoch auf dem S-Bahnhof stand und wartete, wartete, wartete, erfuhr ich endlich eine Viertelstunde später über die Ansage, dass mal wieder vorübergehend kein Zugverkehr stattfindet. Also ging ich nun doch zur U-Bahn und mit mir stieg eine Trauergesellschaft in den Waggon.
Zwei Herren in schwarzen Anzügen, der eine mit weißem Hemd, der andere mit schwarzem, der mit weißem trug außerdem ein weißes Pflaster genau in der Mitte seines Nackens. Erinnerte mich spontan an Akte X. Ein Cyborg, von Außerirdischen ferngesteuert? Außerdem zwei Damen in schwarzen Röcken und Stiefeln, Goldkettchen tragend, mit Trauerblumen in Papier gewickelt.
Und das war alles.....
.....manchmal fühle ich mich hier in der Blogosphäre schon wie so eine Art Urgestein oder sagen wir besser Urkiesel. Das verflixte erste Jahr, nach welchem laut ausgedehnten Befragungen eine Vielzahl der Blogger wieder aufhört einen Blog zu führen, habe ich ohne Zweifel und Ungewissheit überstanden - inzwischen sind es schon viele Jahre, ich habe sie nicht gezählt - und immer wieder sieht man Blogger kommen und gehen, bzw. schreiben und nichtschreiben. Letzteres bemerkt man manchmal kaum und dann wieder bedauert man es sehr, doch egal wie und was und warum - das Bloggen geht weiter, stetig folgen neue Leser und Schreiber, denn auch das Bloggen ist Wasser und Wind. Und wie im richtigen Leben gibt es Leute, die einen nicht leiden können, einen großen Bogen um den Blog machen (so lange sie nur dies tun, ist das vollkommen ok und beruht meist auf Gegenseitigkeit) oder aber diejenigen, auf deren Blogs man sich immer willkommen, freundlich empfangen und fast wie zu Hause fühlt, wobei ein Gegenbesuch natürlich ebenso willkommen ist.
Und dann denke ich manchmal, egal ob ein ganzes Jahr lang kein Schwein...äh....sorry.... Leser, mehr deine Seiten besucht und sich für deinen Blog interessiert - es reichte einen einzigen zu treffen, der dir völlig neue Perspektiven und Sichtweisen der Welt eröffnet, dich beflügelt, es schafft, dass du dich trotz teilweise verschiedener Meinungen gut fühlst, und es hat sich trotzdem gelohnt!
Wir müssen bereit sein, das von uns geplante Leben loszuwerden, um das Leben zu erlangen, das schon auf uns wartet.
(Joseph Campbell)
Pünktlich mit der Dunkelheit im November beginnt ebenfalls wie jedes Jahr die Leere in meinem Kopf. Aber nicht nur die. Mir ist aufgefallen, dass spätestens ab Mitte November eine massive Jahresabschlußhektik losgeht. Auf einmal kann man sich vor Terminen kaum noch retten und es scheint tatsächlich so, als wenn alle das ganze Jahr über geschlafen hätten und erst jetzt aktiv würden. Schlimm genug, dass irgendjemand die Verjährungsfristen mit dem 31.12. jeden Jahres hat enden lassen - als wenn man da nicht schon genug Stress hat - warum also nicht den 30.6. oder meinetwegen auch den 2.2.? Aber selbst wenn man sich rechtzeitig vorbereitet und darauf hinarbeitet, dass man die entsprechenden Akten bis November unter Dach und Fach hat, ist es vollkommen unmöglich, dem Jahresabschlussstress zu entkommen, weil nämlich GARANTIERT die meisten in der Umgebung das nicht getan haben und einen so fröhlich und ungefragt wieder mit in diese ekelhafte hektische Dezemberbetriebsamkeit reißen, bis man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Das bezieht sich allerdings nicht nur auf den eigenen Arbeitsplatz, sondern auf so gut wie jede gesellschaftliche Aktivität. Meinem Vermieter fällt kurz vor Weihnachten ein, dass er ja mal ein Stückchen Weg neu pflastern müsste, so dass wir jetzt erneut sechs Wochen lang keinen Zugang zu den Mülltonnen haben. Das macht sich besonders gut, wenn man gerade dabei ist, seine Wohnung neu einzurichten. Und während sich mein Weiterbildungs-beauftragter das ganze Jahr über ausgeruht hat, fällt ihm jetzt ein, dass ich mal wieder ein Seminar belegen sollte. Also bekam ich gestern kurzfristig die Einladung zu einem fünftägigen Seminar, das schon in der übernächsten Woche beginnt. Nun habe ich grundsätzlich nichts dagegen, mich weiterzubilden, zumal das gegenüber dem acht- bis zehnstündigem Arbeitstag eine nette Erholung ist (der Unterricht geht zwar auch über acht Stunden, aber meist werden die Pausen so gelegt, dass man trotzdem eher geht) und außerdem kann ich dann mal wieder meine Tiger im Tierpark besuchen, der gleich in der Nähe ist, aber dieser Zeitpunkt, in dem alle plötzlich in Fristenpanik verfallen und
drängeln, ist wirklich äußerst ungünstig.
Dazu kommt, dass meine Chefin es sich in ihrem Kontrollwahn, mit ein paar der wenigen Mitarbeiter verscherzt hat, die noch hier sind. Zwei davon sind schon seit Wochen krank und ihre Arbeit fällt zusätzlich auf die anderen. Ich hab den Anranzer wegen meines fünfminütigen Zuspätkommens weggesteckt und mich nur still hier im Blog geärgert. Eigentlich müßte gerade ihr klar sein, dass diese pingeliche Bevormundung nicht gerade motivationsfördernd ist und sowieso kann jeder Vorgesetzte in unserem Haus froh sein, wenn überhaupt noch einer seiner Sklaven zur Arbeit erscheint. Heute kommt sie also und bringt mir einen Bestattungsfall, der schon seit 2004 vor sich hingammelt und durch zich Hände gegangen ist, ohne dass jemals einer wirklich etwas daran gemacht hätte, eigentlich gar nicht meine Zuständigkeit, und sagt zu mir "Ich hab ja nur noch dich. Du bist meine letzte Rettung."
Super, denkt sie jetzt, weil sie die Mitarbeiter vergrault, kann ich jetzt die Arbeit für drei machen (genauer gesagt vier, denn meine eigene Arbeit würde schon für zwei reichen)? Jedenfalls kann ich es nicht abstreiten, dass es mir eine kleine Genugtuung gab, als ich heute morgen ganz ernst das Papier mit der Seminareinladung hervorholte und ihr sagte, dass ich etwas mitzuteilen habe. Sie wurde sofort ganz blass und aufgeregt, weil sie dachte, ich bekäme die Stelle, für die ich das Vorstellungsgespräch hatte. Als ich sie dann beruhigte, dass es nur ein einwöchiges Seminar ist, hörte man es förmlich plumsen. So habe ich jetzt auch meine Rache gehabt. Zudem passierte etwas Ungewöhnliches, als ich, (nachdem ich den Bestattungsfall in zwanzig Minuten geklärt hatte) bei dem Mahnenden anrief, und als derjenige, der die Drecksabeit letztendlich machen musste, nicht wie sonst üblich angeranzt wurde in der Art wie "Na wird ja endlich mal Zeit!", sondern ein juchzendes "Sie sind ein Schatz!" zu hören bekam.
Aber auch die anderen Mitarbeiter drehen immer mehr am Rad. Mir war das schon die ganze Zeit lästig, dass sie sich jeden Tag hinsetzen und elend lange Mittagspausen machen, in denen sie fressen wie die Scheunendrescher und immer dieselben abgedroschenen Späße reißen. Ich habe mich deshalb, bis auf die Gelegenheiten der Geburtstage davon zurückgezogen, zum einen, weil ich sonst mit dem Berg von Arbeit noch weniger voran kommen würde und zum anderen, weil ich eigentlich mittags nie viel esse und mich das ewig gleiche anzügliche Geschwätz langweilt. Bei den Massen an fetten und ungesunden Sachen, welche sie wegschaufeln, wäre ich danach außerdem gar nicht mehr fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Doch während meine lieben Kollegen nur immer fetter werden (und zwar wortwörtlich, man kann ihnen regelrecht zuschauen dabei!), macht sich meine Zurück-haltung natürlich immer negativ bemerkbar. Jetzt sind sie sogar auf die Idee gekommen, dass jeden Tag reihum jemand für alle kocht und das Essen mit ins Büro nimmt. Da die Männer Fleisch bevorzugen, gibt es dann also Schweinepfötchen, Eisbein, Blutwurst u.ä. Nicht, dass ich sowas nicht auch ab und an essen würde, aber mir fällt es im Traum nicht ein, mich abends hinzustellen und für meine gesamte Arbeitsgruppe so'n Zeug zu kochen, es mit U-Bahn und Bus in der Gegend herumzukutschieren und ins Büro zu schleppen. Ich habe ihnen heute, als es darum ging, wer morgen mit kochen dran ist, auch nochmal deutlich gesagt, dass ich weder kochen noch eingeladen werden
möchte. Es ist mir ziemlich egal, dass ich damit das heilige Gemeinschaftsgebot missachte und als Ungeselle Minuspunkte bei meiner Chefin sammle.
Aber das Beste ist, dass nachdem ich erst gestern über die erstklassige Bürosatire in des Kaiser's Blog den Kopf geschüttelt habe, heute ein Kollege erschien und da sprach, dass ein Gruppenfoto gemacht werden solle (liegt das gerade in der Luft?) und wir uns zu finden hätten zum Zwecke des Fotografierens in unserer besten Arbeitspose. Immerhin wurde ich hier, anders als der Kaiser, auf mein Vetorecht in Verbindung mit dem Recht auf das eigene Bild hingewiesen...
Ich habe auf meinem Schreibtisch genau DREI mehr oder weniger hohe Aktenstapel zu liegen, die ich unentwegt versuche abzuarbeiten, sowie eine Postkiste mit Akten. Nun ist so natürlich nicht viel Platz auf dem Schreibtisch, weshalb ich immer froh bin, wenn es mir gelungen ist, die Zahl der Stapel von drei auf zwei zu reduzieren. Leider dauert die Freude nie lange, denn GARANTIERT kommt IMMER spätestens zehn Minuten später jemand herein und bringt neue Akten. IMMER! Hier scheint das alte Feng Shui-Prinzip zu wirken, dass, sobald man Altes loslässt, Neues seinen Platz einnimmt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich das bei den Akten unbedingt so gut finde. Es bewahrheitet sich wieder einmal, dass jedes Prinzip positive und negative Auswirkungen zeitigen kann. Und beim nächsten Mal, wenn ich den dritten Stapel weggearbeitet habe, werde ich einfach die beiden anderen auf drei Stapel umverteilen. Vielleicht hilfts ja....
....und ich muss mich damit abfinden, dass ich nie in meinem Leben viel Platz haben werde, weder in einer Wohnung noch auf dem Büroschreibtisch. Irgendeine Art schlechtes Karma? Oder eine Spiegelung meines inneren begrenzten Horizonts? Gestehe ich mir unbewußt selbst zu wenig Raum zu? Was hatte Sisyphus eigentlich verbrochen?
Eine seltsame Stimmung liegt seit einigen Tagen in der Luft. Abgesehen von einer leichten Reizbarkeit, die man allerorten bemerkt, ist es die geplante Unvorhergesehenheit, die überraschend das Zepter schwingt.
Wahrscheinlich der gestrigen
Blogunterhaltung zu danken ist folgender Traum:
Ich bin mit Elsa an mir unbekannten Orten unterwegs. Zuerst sitzen wir irgendwo in der Sonne, um uns Massen von Menschen, die ebenfalls herumsitzen. Danach beschließen wir, in einem Hotel einen Tee zu trinken. Das Hotel-Cafe befindet sich gleich in der riesigen Eingangshalle. Es besteht aus kleinen runden Tischen mit passenden Stühlen, dahinter liegen die Rezeptionen. Wir suchen uns einen leeren Tisch, aber der ganze Fußboden ist merkwürdigerweise mit Papier zugemüllt, so dass man sich dort gar nicht hinsetzen kann. Ich bücke mich und beginne das Papier wegzuräumen, wobei ich mir erst genauer anschaue, was dort liegt. Es sind kleine rechteckige Zettel aus dünnem Papier mit aufgedruckten Blumenfotos. Ich halte sie im Traum für Werbezettel aus Pralinenschachteln. Beim Wegräumen bemerke ich unter ihnen eine beschriebene Ansichtskarte. Ich hebe sie auf und gebe sie Elsa mit den Worten: "Guck mal, eine Postkarte. Die hat anscheinend jemand verloren." Dann fordere ich sie auf, mal vorzulesen, was darauf steht, kann mich aber nicht erinnern, ob sie es getan hat. Nachdem ich den gröbsten Müll beseitigt habe, fege ich den restlichen Schmutz mit Handfeger und Müllschippe auf. Während ich mich am Fußboden zu schaffen mache, steht die ganze Zeit ein mausgrauer Mann in einer mausgrauen Jacke daneben und schaut mir zu. Es kommt mir vor, als wolle er etwas von mir, traue sich aber nicht mich anzusprechen, weil ich gerade beschäftigt bin, und ich kümmere mich nicht weiter um ihn. Schließlich hat er genug, dreht sich um und redet mit der Rezeptionistin. Ich höre wie sie sagt: "Es gibt auch noch andere."
Ich weiß nicht mehr, ob wir endlich dazu gekommen sind, Tee zu trinken, aber später gehen wir in eine Location (Diskothek?), wo wir irgendwo hinunter steigen müssen und einen langen, schummrigen Gang betreten. Der Gang ist ebenfalls voller Menschen, die dort laufen oder herumstehen, aber besonders auffällig ist der Fußboden, welcher zwischen den vielen Beinen in der Dunkelheit hell schimmert. Seine Grundfarbe ist weiß und aus dem Weiß leuchten viele große bunte stilisierte Blüten. Es kommt mir so vor, als ob es ein Steinfußboden ist und die Blüten ebenfalls aus Stein als Muster eingelegt sind.
Das Lustige ist, dass heute morgen in der U-Bahn ein Typ saß, der fast haargenau wie der mausgraue Typ im Traum aussah, nur dass er eine dunkelblaue Jacke trug.
So langsam lerne ich die Sushi-Fremdsprache. Surimi ist falsch und Sashimi ohne Reis, Wasabi höllisch scharf und Suzuki keine Automarke. Besonders begeistern mich die traditionellen Nigiri-Sushi mit zarten Sake-Filets, wobei Sake hier Lachs bedeutet und nicht Reiswein.
Neuerdings empfinde ich den Geruch von gekochtem oder gebratenem Fisch als krank (obwohl ich ihn früher ganz gerne mal gegessen habe), was mir eine leichte Übelkeit verursacht, während mir der Duft von rohem Fisch das Wasser im Mund zusammenlaufen läßt, auch wenn sich die Sushi-Kochbücher wie eine Anleitung zu Folter und Massenmord lesen, insbesondere was den entsetzlichen Krebstod betrifft. Da bekommt man dann den Rat, wenn man davor zurückschreckt, lebende Krebse in kochendes Wasser zu werfen, sollte man sich für bereits gekochtes Krebsfleisch entscheiden. Ich glaube allerdings kaum, dass mir das mit diesem Wissen besser schmecken würde. Ich bleibe lieber bei Fisch und lade meinem Konto von ermordeten Spinnen und Mücken nicht auch noch lebend gekochte Krebse auf. Aber Fisch muss es sein! Man kann zwar, wie ich inzwischen weiß, Sushi auch mit Gemüse, Omelett und anderen Zutaten bereiten, was ich vielleicht etwas früher hätte wissen müssen, bevor ich dem rohen Fisch auf den Leim gegangen bin, doch jetzt will ich nichts anderes mehr als Fisch - roh, frisch und zart.*miau*
kommt auch schon eine Kollegin ins Zimmer gestürzt: "Hey Süße!" meint sie, "Wir frühstücken jetzt!"
Aha, denke ich, normalerweise ist es zwar nicht üblich, dass wir frühstücken, denn es gibt nur eine Mittagspause, aber ok, ich greife meinen Teller und eile in den Versammlungsraum. Unsere Chefin hat Brötchen und Marmelade mitgebracht, sie meint, sie möchte noch einmal das Gemeinschaftsgefühl fördern, so lange noch wenigstens ein paar Leute da sind. Wir frühstücken also bis um 10 Uhr und nebenbei erfahre ich, dass die Telefone alle lahmgelegt sind und die Techniker seit dem frühen Morgen daran arbeiten. Ich hatte mich schon gewundert, warum es so ruhig ist. Außerdem erzählt mir M., dass sie sich ebenfalls woanders beworben hat und nächste Woche ein Termin stattfindet, wo nicht sie sich vorstellen muss, sondern wo ihr das Arbeitsgebiet vorgestellt wird. Na das ist ja auch mal nett. Warum passiert mir sowas nicht?