Ich glaube, wenn ich nicht bald wieder Zeit und Muße zum Fotografieren finde, werde ich zur tickenden Zeitbombe. Jedenfalls wächst meine Aggressivität stündlich. Aber bis Ende Dezember ist kein Licht in Sicht und ich trage jede Menge Ideen mit mir rum (nicht nur für's Fotografieren, auch für's Schreiben), die mich zwicken und zwacken und meinen Kopf zu einem brodelnden Hexenkessel machen. Ich hab nicht mal mehr Lust, die alle zu notieren, weil ich dann ständig am kritzeln und von den eigentlichen Notwendigkeiten abgelenkt wäre. Was wichtig ist, wird sich wohl von allein wieder melden.
...da treffe ich im Fahrstuhl eine Kollegin, mit der ich nicht sehr viel zu tun habe. Wir grüßen uns, wechseln ab und zu mal ein paar Worte im Fahrstuhl, sehen uns aber eher selten. Auch diesmal beginne ich mit einem "Na, wie läuft's?", um einen kurzen Fahrstuhl-Smalltalk einzuleiten, da sagt sie zu mir: "Ich habe eine Geschichte von dir gelesen." Ich bekomme einen Schreck und ahne sofort Intrigen und Gerüchte. "Hä? Eine Geschichte von mir?" frage ich deshalb ganz verwirrt und ängstlich. Natürlich denke ich überhaupt nicht daran, dass ich Geschichten schreibe und eine davon sogar "preisgekrönt" ist, wie sich K. immer ausdrückt. Das ist zwar übertrieben, aber immerhin ist sie veröffentlicht. Und eben die meinte meine Kollegin, wie sie mir dann zu verstehen gab. Beim Aussteigen aus dem Fahrstuhl rief sie noch: "Hat mir gut gefallen. Weiter so!" - So wird man von seinen eigenen Untaten eingeholt.*gg*
Jetzt sind es nicht nur die Meisen, die traurig durch's Fenster schauen und mir ein schlechtes Gewissen machen, sondern auch noch die Elstern. Den ganzen Sommer hindurch haben sie sich nicht blicken lassen, aber schlau wie sie sind, erinnern sie sich anscheinend an die Futterstelle vom letzten Winter, die eigentlich nicht für sie gedacht war, kommen jetzt immer angeflogen und starren auf die Stelle, wo das Meisenfutter hing. Wenn sie dort nichts finden, dann trippeln sie zur anderen Seite des Fensters und starren da an die Wand, als würden sie denken, ich hätte diesmal zur Abwechslung mal die linke Seite genommen. Das finde ich faszinierend und ziemlich ungewöhnlich, das die Elstern von selbst auf diese Idee kommen, aber Elstern sind ja bekanntlich sehr intelligent. Sie sollen sich sogar selbst im Spiegel erkennen können und das können nur die wenigsten Tiere.
- ein blutunterlaufenes Auge glotzt mich aus dem Spiegel an. Prima, tut zwar nicht weh, aber macht sich bei einem Vorstellungsgespräch wirklich gut, wenn man aussieht, als hätte man eine auf's Auge bekommen. Vielleicht gibt es sogar Pluspunkte, wenn man sich im Äußerlichen seinen Klienten angenähert hat. Die Omi im Bus jedenfalls hat sich gleich wieder von mir weggesetzt, als sie mich mit schwarzer Lederjacke und rotem Auge gesehen hat.
Das Vorstellungsgespräch selbst war zum Glück lässig, nicht so eine sechsköpfige Prüfungskommission wie vor zwei Jahren. Allerdings wollte der eine dann von mir wissen, wie lange ich gefahren bin und als ich antwortete: "Genau eine Stunde." ließ das Interesse spürbar nach. Er fragte mich darauf auch, ob ich das wirklich will. Ja, klar, es ist mein Traum jeden Tag zwei Stunden durch Berlin zu fahren. Was macht man nicht alles für eine feste Stelle....
Immerhin habe ich bei meiner Stadtrundreise nun die Schloßstrasse in Steglitz gesehen. Da war ich nämlich noch nie.
Dinge, die mir auf meiner Reise aufgefallen sind:
- Es gibt auch heute Unterschiede zwischen Ost und West. Im Osten sind die U-Bahnen besser beheizt als im Westen.
- Ein Internetcafe im Wedding mit der Werbung "Billiger telefonieren", darunter kleiner "Türkei nur geht". Bei genauerem Hinsehen entpuppte es sich jedoch als "Türkei nur cent". Wieviel Cent stand nicht dran.
- Wie extrem tief die Flugzeuge im Wedding fliegen. Wenn ich dort wohnen würde, würde ich eine Macke kriegen, denn mir reichen schon die Flugzeuge bei mir, die noch relativ hoch sind. 2011 soll der Flughafen Tegel ja geschlossen werden und ich bete darum. Aber bis dahin kann noch viel passieren, wie zum Beispiel ein Bombenangriff auf den Flughafen Schönefeld.
aber dass es Fische gibt, die beide Augen auf der linken Kopfseite tragen, war mir bisher neu. Was man alles so lernt, wenn man Sushi-Kochbücher liest....*fasziniert ist*
Gelernt habe ich weiterhin, dass sich Besucher der Sushi-Buden in Japan früher ihre Finger an einem Vorhang der Bude abgewischt haben. Je dreckiger der Vorhang war, als um so besser galt der Imbiss-Stand. Leider haben sie nicht dazu geschrieben, ob das heute auch noch so ist. Ich meine, wäre ja schon wichtig zu wissen, wenn man mal nach Japan kommt, wobei ich meine Griffel sicherlich von dem Vorhang fernhalten würde.
Auch die stärkste Zahl braucht die Unterstützung der Nullen.Zarko Petan
Jetzt frage ich mich gerade, wie das wohl gemeint ist, zu welcher Kategorie ich gehöre, zu den Nullen oder zu den stärkeren Zahlen, was auch immer die sind.
Wenn man sich am abend endgiltig entschlossen zu haben scheint, zuhausezubleiben, den Hausrock angezogen hat, nach dem Nachtmahl beim beleuchteten Tische sitzt und jene Arbeit oder jenes Spiel vorgenommen hat, nach dessen Beendigung man gewohnheitsmäßig schlafen geht, wenn draußen ein unfreundliches Wetter ist, das das Zuhausebleiben selbstverständlich macht, wenn man jetzt auch schon so lange bei Tisch still gehalten hat, daß das Weggehn nicht nur väterlichen Ärger sondern allgemeines Staunen hervorrufen müßte, wenn nun auch schon das Treppenhaus dunkel und das Haustor gesperrt ist und wenn man nun trotz alledem in einem plötzlichen Unbehagen aufsteht, den Rock wechselt, sofort straßenmäßig angezogen erscheint, weggehn zu müssen erklärt, es nach kurzem Abschied auch tut, je nach der Schnelligkeit mit der man die Wohnungstüre zuschlägt und damit die allgemeine Besprechung des Fortgehns abschneidet, mehr oder weniger Arger zu hinterlassen glaubt, wenn man sich auf der Gasse wiederfindet mit Gliedern, die diese schon unerwartete Freiheit, die man ihnen verschafft hat, mit besonderer Beweglichkeit belohnen, wenn man durch diesen einen Entschluß alle Entschlußfähigkeit in sich aufgeregt fühlt, wenn man mit größerer als der gewöhnlichen Bedeutung erkennt, daß man mehr Kraft als Bedürfnis hat, die schnellsten Veränderungen leicht zu bewirken und zu ertragen, daß man mit sich allein gelassen in Verstand und Ruhe und in deren Genusse wächst, dann ist man für diesen Abend so gänzlich aus seiner Familie ausgetreten, wie man es durchdringender durch die entferntesten Reisen nicht erreichen könnte und man hat ein Erlebnis gehabt, das man wegen seiner für Europa äußersten Einsamkeit nur russisch nennen kann.
(aus Kafkas Tagebüchern)
meinen Mund zu halten, wenn ich mit meiner Mutter spreche.
Da erwähne bei einem Telefonat vollkommen beiläufig, was ich gar nicht erwähnen wollte, nämlich dass ich eine Erkältung habe, und kann meine Mutter anschließend nur mit Mühe davon abhalten, gleich in den Bus zu steigen, um mir ein Huhn zu bringen. Ich brauche kein Huhn. Was soll ich mit einem Huhn? Ich stelle mich bestimmt nicht mit Triefnase hin und koche einen Topf Hühnerbrühe von einem ganzem Huhn. Ich schwöre ja sowieso auf Holunderheißgetränk und das geht schnell zu machen: Pulver rein, Wasser drauf.
...habe ich von meinem ehemaligen stellvertretenden Chef geträumt, der mich immer mal gerne angebaggert hat. Im Traum sah er viel älter aus, als ich ihn in Erinnerung habe und inzwischen müßte er schon seit ca. einem Jahr oder länger in Rente sein. Da ich ausgerechnet heute von ihm träume und er schon damals mehrere Herzinfarkte hinter sich hatte, frage ich mich ein bißchen, ob er wohl noch unter den Lebenden weilt.
Eine Horde maskierter Kinder erinnerte mich heute abend beim Einkaufen daran, dass Samhain (besser bekannt als Halloween) ist. Das trifft sich gut, denn mit meinem rotfleckigem, schnupfenverquollenem Gesicht und der aparten Leichenblässe sehe ich wirklich zum Fürchten aus - und das ganz ohne Maske. Doch tatsächlich Gruseln werde ich mich erst, wenn mir irgendwann, in zwanzig Jahren vielleicht, maskierte Rentnerhorden zu Halloween begegnen. Der eigentliche diestagige Horror ist der, dass ich nächsten Dienstag ein Vorstellungsgespräch habe und mich deshalb, außer dem anderen Stress, auch noch damit beeilen muss, mich wieder aufzupäppeln, damit ich zu diesem Termin nicht so abgewrackt aussehe. Das kommt wahrscheinlich nicht so gut, und dass ich zur Zeit nicht an meinen Kleiderschrank komme, da dort noch die ausgeräumten Schränke und Regale lagern, dass ich deshalb seit ca. 3 Wochen immer dieselben abgewetzten löchrigen Jeans und das hippiemäßige Batikshirt trage (natürlich mit wöchenlicher Maschinenwäsche), hilft in dieser Situation nicht wirklich.
Ansonsten gilt es wieder in der kommenden Nacht besonders gut auf die Träume zu achten, denn einem alten Hexen(aber)glauben zufolge geht alles, was man in dieser Nacht träumt, in Erfüllung. Dies kann ich bisher jedoch nicht bestätigen, denn ich träume in dieser Nacht meistens von Verstorbenen (was ja auch irgendwie passend ist), wovon glücklicherweise aber selten etwas wahr wird. Den realen Besuch von Verstorbenen würde ich mir auch verbitten....
Nachdem ich heute morgen pünktlich aufgewacht, pünktlich aufgestanden und pünktlich losgegangen war, kam ich doch sehr ins Grübeln, als beide Uhren auf dem S-Bahnhof 10 Minuten nach 9 Uhr zeigten. "Hä?" dachte ich, "Wie kann das sein? So lange hab ich doch am Bus und an der U-Bahn gar nicht gewartet, um jetzt zu spät zu kommen? Und meine Uhren habe ich auch umgestellt. Aber selbst wenn ich sie nicht umgestellt hätte, könnte es jetzt nicht so spät sein." Gerade als ich das dachte, stürzte eine Kollegin auf mich zu: "Fr. XZ, Fr. XZ, haben Sie die Uhren gesehen? Das kann doch gar nicht sein! Ich bin doch wie immer von zu Hause losgegangen! Das ist doch nicht möglich!" Beide hatten wir natürlich keine Armbanduhren und beide waren wir natürlich pünktlich. Da hatte sich wohl jemand einen Scherz erlaubt. Und das auf den Montagmorgen!
Positiv anzumerken ist außerdem noch, dass die Bauarbeiter heute genau über meinem Zimmer angekommen sind und schon den ganzen Tag herumrumsen, bohren und hämmern, sowie die nette Erkältung, die ich mir anscheinend am Wochenende eingefangen habe und die inzwischen in meinem Schädel herumsummt und -brummt wie eine Horde Fliegen. So fängt die Woche gut an....
Inzwischen finden diese Aktionen bei meiner Mutter nicht mehr alle 14 Tage, sondern nur noch alle vier Wochen statt und die Wohnung sieht auch schon ganz anders aus, insbesondere das Zimmer, das mein Vater bis oben hin vollgemüllt hatte. Mit Hilfe meines Cousins ist es renoviert und neuer Teppichboden ausgelegt worden, sie hat den alten Schreibtisch und die mottenzerfressenen Sessel rausgeschmissen, neue Gardinen angebracht, eine Tischlampe in die Ecke und eine Pflanze vor das Fenster gestellt und jetzt fühlt sie sich so langsam wieder wohl darin.
Bei dem Aussortieren ist eine ganze Menge für uns abgefallen, besonders auch für P., die Enkelin von K., da mein Vater ja haufenweise Spielkram hatte. Zum Beispiel eine ganze Batterie Kuscheltiere, und zum Geburtstag hatte sie eine Schachtel mit den bunten indischen Glitzerkugelschreibern bekommen und war happy. Das Weihnachtsfest ist damit für die Oma gerettet.
Ich selbst habe einige Bücher, wie ein Lateinlexikon, ein Lexikon der Nietzsche-Zitate, ein Lexikon der Monster, Geister und Dämonen, "Die Technik des Denkens", "Earthway - die Botschaft einer indianischen Seherin", "Sieben Jahre in Tibet" und die Gedichte von Christian Morgenstern mitgenommen, sowie zwei Bände "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod". Letztere hatten mich zwar interessiert, ich habe sie jedoch nicht gekauft, weil ich mir geschworen hatte, nie wieder Berstseller zu kaufen, aus dem einfachen Grund, dass mir bisher keiner der Bestseller, die ich bisher kaufte, wirklich gefallen hat. Deshalb versuche ich inzwischen, die Bestsellerliste zu ignorieren, denn anscheinend ist das, was alle kaufen, nicht mein Geschmack. Außerdem habe ich noch ein Buch der Wünschelrutenpraxis mitgenommen, die Wünschelrute dazu hatte ich schon bei einer der letzten Aktionen gefunden. Jetzt muss ich es nur noch lesen und dann kann ich in meiner Wohnung nach Öl suchen gehen. *gg*
Wenn ich auch noch nicht weiß, wo es in meiner Wohnung Öl gibt, so musste ich jedoch feststellen, dass sie extrem Elektrosmog verseucht ist. Bei den Sachen, die ich abgestaubt habe, war nämlich auch ein Messgerät für Elektrosmog dabei. Als ich damit durch die Wohnung ging, wunderte mich zwar nicht, dass es in der Nähe des Fernsehers rot blinkte, dass es aber auch in der Nähe meines kleinen Radioweckers am Bett verrückt spielte schon. Ich werde das Teil wohl von meinem Bett verbannen und mir dafür einen Zen-Wecker kaufen. Und als ob ich noch nicht genug Elefanten in der Wohnung hätte, ist nun auch noch ein hübscher brauner aus Leder zur Elefantenfamilie gestoßen.
Weitere Erwerbungen: Zwei Delphin-Schlüsselanhänger, ein Yin-Yang-Schlüsselanhänger, Ohrhörer mit Lautstärkeregelung, ein Mini-Parfümzerstäuber, ein silberner Brieföffner, eine Steinfigur in Form einer Osterinselskulptur, eine Kette mit Delphin und eine mit afrikanischer Maske (Ich frage mich, was mein Vater mit den vielen Ketten wollte, es waren nämlich noch viel mehr - tragen?). Für meinen Kumpel habe ich einen Intarsien-Aschenbecher, ein elegantes Feuerzeug, eine Camel-Gürteltasche und einen Schlüsselanhänger mit einer Silberhülse mitgenommen. So bei genauerem Betrachten muss ich allerdings feststellen, dass in die Silberhülse nur Tampons passen, zumindest würde mir nichts anderes einfallen. Ich weiß nicht, ob es solche Schlüsselanhänger mit Hülsen für Not-Tampons tatsächlich gibt und was mein Vater damit wollte, aber vielleicht sollte ich das Teil doch nicht meinem Kumpel schenken. Und als krönenden Abschluß werde ich morgen einen Taschenrechner in Form eines Goldbarrens mit in das Büro nehmen. Ist zwar nicht wirklich mein Geschmack, aber ich habe mir gedacht, sollen die Kollegen ruhig über den Goldbarren auf meinem Schreibtisch staunen. *gg*
.....auch wenn ich anscheinend alleine basteln werde. Hab mir heute einen Weidenkranz, Bindedraht und Dekomaterial besorgt. Tannenzweige hole ich erst in der Woche vorm 1. Advent und bis dahin muss ich rausfinden, wie man die dann an dem Kranz befestigt. Mal schauen, ob es Bastelanleitungen im Internet gibt. Und überhaupt, was ist gegen Adventskranzbasteln einzuwenden? Ich mag Weihnachten. Insbesondere das Weihnachten, wie ich es aus meiner Kindheit in der DDR kenne, wo der Kommerz sich noch schamhaft hinter der Ecke versteckte. Natürlich haben wir damals auch Geschenke gekauft, und das Kaufhaus am Alex war da ebenfalls schon kurz vor Weihnachten stark überlaufen, nur mit dem Unterschied, dass man von einem Ende bis zum anderen durchgucken konnte und schnell wieder draußen war, während man sich heute zwischen den Warenregalen und in den Warenangeboten regelrecht verläuft. Und immerhin wurde man nicht von aggressiver Werbung und Schokoweihnachtsmännern im September genervt. Letztere gab es nur kurz vor Weihnachten und man musste schnell sein, damit man noch welche abbekam.
Wegen der begrenzten Möglichkeiten, seine Kaufkraft irgendwie loszuwerden, war das Basteln eigentlich das ganze Jahr hindurch eine Lieblingsbeschäftigung des DDR-Bürgers. Da wurden Trabis aufgemotzt, alte Klamotten zu neuen umgenäht, Bettlaken gefärbt und zu topmodischen Taschen verarbeitet oder Stoffwindeln zu Halstüchern, Lampenschirme aus Makramee gefertigt, Vogelhäuschen gezimmert, Ohrringe aus Vogelfedern, Perlen und Sicherheitsnadeln gelötet, extravagante Netzshirts gestrickt - je dicker die Kochlöffel, die als Stricknadeln fungierten, um so heißer -, alte Möbel mit neuem Lack verschönert, Patchwork-Tagesdecken genäht, Kerzen gedrechselt, Diskokugeln aus zersprungenen Spiegeln zusammengesetzt, Handpuppen aus Pappmache geformt und vieles mehr. Vor Weihnachten konnte man zwar weniger konsumieren, hatte aber dadurch halt mehr Zeit zum Basteln, was auch eifrig getan wurde. Von Bastelzubehör wie heute (wie ich bei meinem Einkauf feststellte), konnte man damals nur träumen oder auf ein Westpaket hoffen. Meistens musste man sich deshalb auf Papiergirlanden, Papier- oder Strohsterne, Stoffbänder und Tannenzapfen beschränken. Ich kann mich noch sehr gut an das Weihnachten erinnern, als wir ein Carepaket aus dem Westen von einer Patengemeinde erhielten. Da ich meistens immer erst die leeren, bzw. halbleeren Westpaktete sah, also hauptsächlich die Pappkartons, hatte ich die Angewohnheit, diese gänzlich auseinanderzunehmen und noch in die Ritzen zwischen den einzelnen Pappschichten zu schauen in der vagen Hoffnung, dort eine sensationelle Entdeckung zu machen. Auch bei diesem Paket tat ich das, als meine Mutter den Karton schon fortnehmen wollte, und fand zu meiner überschäumenden Freude gepaart mit detektivischem Stolz ein Heft mit bunten Bastelfolien. Später vermutete ich, dass das eine abgekartete Sache war und meine Mutter der netten Frau St., die einmal bei uns zu Besuch gewesen ist, einfach gesagt hat, dass sie was zwischen den Kartonboden legen soll. Aber egal, die Bastelfolien habe ich gehütet wie einen Schatz.
Ja, ich habe als Kind gerne gebastelt. Ich nannte es zwar keine Lieblingsbeschäftigung, aber tat es, wenn ich dazu aufgefordert wurde mit Interesse und Freude und manchmal sogar unaufgefordert. Ich habe schon von klein auf alles geliebt, was irgendwie kreativ war. Zwar gab es auch damals Kinder, die das weniger gerne taten als ich, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass wir viel häufiger bastelten als die lieben Kleinen heute. Na klar, wir hatten ja noch keine Playstation.
gerade habe ich vor der Tür eines Kollegen die alte, zahnlose Zigeunerin aus Bosnien wiedergetroffen, die schon in den ersten Tagen meiner Ausbildung vor ungefähr 13 Jahren bei mir in der Sprechstunde war. Sie hat es also geschafft, der Rückreise zu entgehen und sieht überhaupt nicht verändert aus. Schlohweiße Haare um ein braungebranntes, zerfurchtes Gesicht, mit unwahrscheinlich lebendigen und lachenden braunen Augen. Es scheint beinahe so, als hätte ihr Körper schon in der Jugend eine Stufe des Alterns erreicht, in der eine Steigerung nicht mehr möglich ist und die jetzt über Jahrzehnte hinweg bis zum Grab beibehalten wird. Wie alt sie wirklich ist, weiß ich nicht, vermutlich sehr viel jünger als sie aussieht, aber ich bin mir sicher, dass ihre Schlitzohrigkeit ebenso unverändert geblieben ist wie ihr Aussehen.
überlege ich mir gerade, dass ich meinem Blog mehr Qualität geben sollte. Ich meine, so als öffentlich zugängliches Medium hat man ja auch einen gewissen Bildungsauftrag, wobei ich allerdings fast der Meinung bin, dass ich mit der Live-Berichterstattung über den Ulysses-Lesemarathon mein Soll so zu ca. 150 Prozent übererfüllt habe. Und ich will aus dem Blog keinen Job machen, schließlich werde ich nicht dafür bezahlt. Und wenn ich etwas tue, wofür ich nicht bezahlt werde, soll es zuallererst Spaß machen, erst dann Arbeit und es sollten auch ein paar völlig unqualifizierte Labereinträge drin sein. Wie stelle ich das also am besten an? Hmm?
Die Folge der Bücherwelt-Sendung der Deutschen Welle "Beim Häuten der Zwiebel". (
http://www.dw-world.de/popups/popup_single_mediaplayer/0,,2140084_type_audio_struct_5929,00.html?mytitle=Das%2BLiteraturmagazin%2Bals%2Bdownload ) Interessant ist dabei weniger das Häuten der Zwiebel - wen interessiert das schon nach diesem unproduktiven (O-Ton irgendjemand) Rummel -, als viel mehr die Kolumne darüber, wie Marylin Monroe "Ulysses" gelesen hat. Und im übrigen möchte ich anmerken, dass ich nach Lesen der ersten Seite des Buches NICHT aggressiv geworden bin.