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Sonntag, 12. Oktober 2008

...

Die Zeit läßt sich nicht brechen; darin liegt unsere schwerste Bürde. Und die größte Herausforderung besteht darin, mit und trotz dieser Bürde zu leben.
(aus "Und Nietzsche weinte" von Irvin D. Yalom)

Die vergessene Romanfigur, Theresa von Avila und das Raumfahrer-Puzzle

Ich bin eine vergessene Romanfigur aus meinem eigenen Roman, sitze an einem Tisch und grüble. So ganz weiß ich noch nicht, wer ich bin, doch als neben mir eine schwarzhaarige Frau auftaucht, glänzende Kastanien auf einen anderen Tisch legt und mich völlig kalt läßt, fällt es mir wieder ein: Ich bin ein arroganter, kaltblütiger und impotenter Mann, der kein Interesse an Frauen hat und ganz am Anfang des Romans vergessen wurde, nie wieder auftauchte. Doch nein, so ganz stimmt das nicht - meldet sich jetzt mein Autoren-Ich. Denn dieses weiß sicher, da es das Ende schon kennt, daß er wieder auftauchen wird, und zwar gegen Schluß des Romans. Wenn der Text fertig ist, wird er perfekt ausgewogen sein, denn jede Person wird genau zweimal darin vorkommen.

Im nächsten Traumbild bin ich auf einer Kinomesse unterwegs. Eigentlich hoffe ich, kostenlos eine DVD zum Anschauen abzustauben, doch die werden alle gut bewacht und dürfen nur unter Glasvitrinen betrachtet werden. Wie langweilig! Ich komme an einem Tisch vorbei, an dem jemand saß und auf welchem ein aufgeschlagenes Buch liegt. Neugierig blättere ich darin. Jedem Kapitel ist ein kurzes Wörterbuch vorangestellt, da das Buch anscheinend in mehreren Sprachen bunt durcheinander geschrieben wurde. Ich drehe es um, um auf den Titel zu schauen. Es hat einen dunkelbraunen Einband. Darauf kann ich den Namen Theresa von Avila erkennen, sowie einen, wie mir scheint, französischen Titel, welcher mit "La po...." beginnt. Ich überlege, ob ich das Buch mitnehmen soll, aber erstens habe ich noch genug Lesestoff und zweitens weiß ich auch nicht, ob es mir erlaubt ist, das Buch einfach einzustecken. Also lasse ich es auf dem Tisch liegen.

Irgendwo während meines weiteren Herumstreunens treffe ich auf meinen Bruder. Dieser lädt mich in eine Schreberlaube zu einem gemeinsamen Kurzurlaub ein. Die Laube befindet sich am Rande von Berlin und spontan begeistert sage ich sofort zu und schon befinden wir uns auf dem Weg dorthin.
In einem Zimmer dieser Laube erwache ich gegen Morgen aus dem Schlaf der ersten Nacht. Etwas unangenehm fällt mir die kahle weiße Wand neben mir auf. Das ganze Zimmer, in dem ich allein liege, ist relativ spartanisch gehalten. Allerdings bemerke ich, daß es von den Abmessungen nicht ganz dem entspricht, was ich genau in dieser Nacht von dem Zimmer geträumt habe. Anscheinend war ich abends zu müde gewesen, um es genau mit allen Einzelheiten zur Kenntnis zu nehmen und habe deshalb "falsch" davon geträumt. Während ich noch im Bett liege schwirrt ein Schwarm schwarz-weißer Insekten herein. Es scheinen Fliegen mit einem tiefschwarzen Vorderteil und strahlend weißem Hinterteil zu sein. Sowas habe ich ja noch nie gesehen! Als sie mir zu nahe kommen, verscheuche ich sie schnell und sie ziehen sich zur Zimmermitte unter der recht niedrigen Decke zurück. Dort werden aus den Insekten plötzlich Puzzlestücke, welche im Raum schweben, sich dabei drehen und wenden, und sich völlig von allein, wie in einem Reigen, ineinandergreifend zu einem Bild anordnen. Das Bild besteht aus einem schwarzen Hintergrund mit darauf gezeichneten weißen Linien. Zuerst halte ich es für ein schief liegendes Porträt eines Menschen mit sehr breitem Kopf. Seltsamerweise ist der Kopf fast ebenso breit wie die Schultern und auch der Hals ist nicht so recht auszumachen. Da fällt es mir wieder ein: Es scheint eines dieser Raumfahrerbilder zu sein, wie Erich von Däniken sie auf alten Zeichnungen der Maya oder anderen Völkern gesehen haben will. Merkwürdig, daß das Puzzle ausgerechnet diese Abbildung zeigt.

Das Puzzle entschwindet meinem Bewußtsein und ich denke nun daran, aufzustehen. Dabei bemerke ich, daß ich völlig vergessen habe, irgendetwas mitzunehmen, weder Zahnbürste, noch Handtuch, noch Klamotten zum Wechseln. Ich habe nur das, was ich auf dem Leib trug, als ich hierher kam. Na ja, für die paar Tage wird es schon irgendwie gehen. Wasser ist ja da. Schließlich betrete ich zum Frühstück durch den Garten die extra gelegene großzügige Küche und muß feststellen, daß ich gar nicht allein mit meinem Bruder in der Laube bin, sondern sich sein gesamter Freundeskreis hier aufhält, das bedeutet mindestens dreißig Menschen. Dies läßt meine Stimmung etwas sinken, denn nun fühle ich mich verloren zwischen all den Menschen, die ich kaum kenne und zu denen ich auch aus verschiedenen Gründen nicht viel Kontakt bekomme. Ich nehme schnell ein kleines Frühstück zu mir, wobei ich mich ziemlich unwohl fühle und gehe wieder hinaus in den Garten. Dort werde ich ab und an von jemanden angesprochen, wechsle ein paar belanglose Worte, fühle mich aber trotzdem fehl am Platze und als Außenseiter. Irgendwie ist das genau so eine Situation, wie ich sie hasse, aber andererseits, nach Hause deshalb zu fahren, habe ich auch keine Lust. Sicher wird es mir niemand übel nehmen, wenn ich mich einfach absetze und ein paar lange Spaziergänge in die Gegend unternehme, wenn ich schon einmal hier bin. Kaum ist mir dieser Gedanke gekommen, springe ich bereits auf, um einem von zwei Wegen zu folgen, die fast parallel aus dem Garten hinausführen. Der Weg steigt sanft an, als würde ich einen Hügel besteigen und mit einem Mal hat es den Eindruck, als würde der Weg enden, denn ich befinde mich direkt auf der höchsten Spitze der Anhebung. Ich bleibe stehen, schaue in die Runde und mein Herz will vor Glück fast zerspringen, als ich das Meer sehe. Zwar weiß ich nicht, was das Meer hier macht, denn sooo weit kann ich eigentlich nicht gelaufen sein, aber ich habe keine Geduld, lange darüber zu grübeln. Stattdessen renne ich die Anhebung herunter auf das Meer zu, wie man zu einem Geliebten läuft, und lasse mich noch mit voller Bekleidung direkt in die Brandung fallen. Es ist schon herbstlich kühl, ich trage lange Hosen und eine Strickjacke, alles wird klatschnaß werden und schwer wieder trocknen, aber egal! Das Wasser ist relativ stürmisch und bewegt, ich lasse mich von der Brandung hin- und her schleudern. Weder schwimme ich, noch kämpfe ich gegen die Brandung an, noch habe ich Angst, weiter hinaus ins Meer geschwemmt zu werden. Ich lasse mich einfach mitreißen, lachend und weinend gleichzeitig vor Glück, bis ich das Gefühl habe, selbst das Meer zu sein.

Bemerkung: SO vom Meer träumen, kann man sicherlich nur, wenn man VÖLLIG hysterisch ist.


Raumfahrer

Samstag, 11. Oktober 2008

...

Ich träume, ich würge an nächtlichem Grauen. Oft habe auch ich mich gefragt, weshalb wohl Angst die Nacht regiert. Nach zwanzig Jahren des Nachdenkens bin ich zu dem Schluß gelangt, daß die Angst nicht aus der Dunkelheit geboren wird, sondern eher den Sternen gleicht - stets unverrückbar da, nur unsichtbar im grellen Licht des Tages.
(aus "Und Nietzsche weinte" von Irvin D. Yalom)

Ein ganzer Tag für den Müll

Stundenlang Angst und das Tageshorroskop sagt, ich soll heute um Gottes Willen keine traurigen Filme anschauen. Wenn es nur traurige Filme wären, mit denen wäre ich leicht fertig geworden. Ganz im Gegensatz zu den Sorgen und der Angst, weil meine Mutter den ganzen Tag nicht ans Telefon ging. Schließlich stand ich abends auf der Matte, wollte schon mit meinem Zweitschlüssel aufschließen, weil auf das Klingeln auch niemand reagierte, als sich plötzlich doch die Tür öffnete. Ich war eigentlich davon ausgegangen, daß sie das Telefon am Bett hat, denn wenn sie nicht mehr hochkommt nützt ihr das Telefon im Wohnzimmer auch nichts, deshalb die Sorgen, weil sie sich gestern ja wenigstens noch telefonisch gemeldet hat. Aber das Telefon stand im anderen Zimmer und auf meine Frage, warum sie es nicht am Bett habe, meinte sie: "Äh ja, morgen - morgen hätte ich es ganz bestimmt ans Bett genommen. Heute hatte ich einfach keine Lust zu telefonieren." So sehr ich das verstehen kann, aber wenn ich krank gewesen wäre und hätte mich nur zwei Stunden lang nicht mehr am Telefon gemeldet, dann hätte sie bei mir SOFORT mit Notarzt auf der Matte gestanden und mich selbst mit vierzig Fieber noch ordentlich zusammengestaucht. Aber ok, inzwischen weiß ich ja und wußte es eigentlich den ganzen Tag, daß ich einfach nur hysterisch bin und/oder zuviel blühende Phantasie habe.
Ich bin einfach nur hysterisch und alles ist gut....
Ich bin einfach nur hysterisch und alles ist gut...
Ich bin einfach nur hysterisch und alles ist gut...
*eine Packung Baldrian schluckt*

Freitag, 10. Oktober 2008

Meine heilsame Anwesenheit

Im Traum wußte ich unverrückbar und als eine selbstverständliche Tatsache, daß meine Anwesenheit heilsam auf andere Menschen wirkt. Wenn ich also heute meine kranke Mutter besuche, würde sie garantiert wieder gesund werden. Sogar daß mein Vater bis jetzt überlebt hat und überhaupt beide so lange leben und gesund blieben, liegt allein an meiner Nähe zu ihnen. Mit mir haben sie sich sozusagen das Leben ins Haus geholt.

Bemerkung: Wenn ich wüßte, daß ich tatsächlich schuld daran bin, daß mein Vater heute noch lebt, würde ich mir bis an mein Lebensende Vorwürfe machen. Ich habe mir ja sogar schon Gedanken gemacht, wie man ihn unauffällig und schmerzlos umbringen könnte. Gestern rief mich meine Mutter an, weil sie über Nacht heimtückisch von einer schweren Virusgrippe platt gemacht wurde. Wir verabredeten, daß ich heute komme und ihr Medikamente, Obst und diverses andere besorge, was sie benötigt. Es hat sie wirklich schlimm erwischt, nicht einmal mit meiner Schwägerin wollte sie telefonieren. Sie bat mich, daß ich mit ihr spreche und den geplanten Ausflug absage. Meine Schwägerin wollte am Wochenende bei meiner Mutter anrufen, und als ich dieser das ausrichtete, rollte sie mit den Augen. Das liegt wohl daran, daß K. ziemlich viel quasselt: Normalerweise hat meine Mutter nichts dagegen und wenn sie von K. nichts wissen und nicht quasseln will, dann muß es ihr wirklich richtig schlecht gehen. Aus dem Bett stöhnte sie mir herzerweichend entgegen: "Es ist so schönes Wetter draußen und ich muß hier drinnen liegen. "

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Aha,

das morgige Tageshorroskop hat auch gleich die passende Erklärung für meine Stimmung (siehe voriger Beitrag):

Venus und Uranus machen hysterisch.

Heute neigen Sie zu Hysterie und empfinden alles viel schlimmer und aussichtsloser, als es eigentlich ist. Und im positiven Erleben übertreiben Sie auch total.

Anscheinend wirken beide schon heute bei mir. Aber gut zu wissen, daß ich einfach "nur" hysterisch bin und alles andere halb so schlimm. Also kein Weltuntergang. *ggg*

Warum

habe ich nur das Gefühl, daß um mich herum alles zusammenbricht und das Ende aller Tage kurz bevor steht? Im Großen ist es das Finanzsystem, welches an den überstrapazierten Sollbruchstellen zusammenknickt, aber immerhin lernt man in solchen Phasen wieder die Vorzüge schätzen, die es hat, wenn man eh nicht viel Geld besitzt. Ab Montag wird bei uns gestreikt und das Chaos nimmt seinen Lauf, welches sowieso nie fern ist, wenn ich mir dieses besch.... neue Softwareprogramm anschaue, das mit zwanzig Akten mehr Kuddelmuddel anstellt als mit den restlichen hundertsechzig. Und die sonstigen ganz persönlichen Ereignisse dieser Woche lassen mich glauben, daß der Todeskampf der Sonne sehr bald einsetzt und bis dahin die Sonnenstürme in sich steigernder Wut über uns hinwegfegen. Irgendetwas liegt in der Luft.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Fundstück

Ich lese gerne die Bücherrezensionen bei Amazon und gerade fand ich eine besonders hübsche zu "Augustschnee":

Verzicht auf introvertiertes Gefasel.
SCHÖN!
Dasjenige Gegenstück zu Houellebecq, wonach ich immer gesucht habe!

Absolutes MUSS für alle, die Literatur mit GESUNDER PSYCHOLOGIE lieben. Es handelt sich nicht um eine exzentrische, kranke, neiderfüllte Autorenpersönlichkeit wie Thomas Mann, Houellebecq oder Kafka. Sondern um jemandem, der/die am Leben teilnimmt, normale Entwicklungen genießt und quasi um die Figuren, die von besagten 3 Männern insgeheim beneidet werden.

Dieses Buch trägt zur psychischen Heilung der Gesellschaft bei!


"Exzentrische, kranke und neiderfüllte Autorenpersönlichkeiten" - nein, ist das drollig...*sich kringelt*

Lebendig verschimmelt

Bis jetzt wußte ich nicht einmal, daß es so etwas gibt, aber man kann tatsächlich bei lebendigem Leib verschimmeln. Heute bekamen wir ein Gutachten zu einer 23jährigen Klientin, welche ein Jahr lang in einer Wohnung gelebt hat, ohne sich zu waschen und zu bewegen. Sie hat sich so wenig bewegt, daß ihr ganzer Körper mit Schimmel überzogen war. Aber noch viel kurioser finde ich, daß sie nicht einmal allein in der Wohnung war, sondern mit vier Personen, ich glaube sogar Familienangehörigen lebte. Ich mein, spätestens wenn mein Mitbewohner im Bett langsam Schimmel ansetzt, oder meine Tochter, Schwester oder wer auch immer, würde ich denjenigen sicher aus dem Bett werfen und mit einem Eimer Wasser anrücken, denke ich mir. Oder so...

Dienstag, 7. Oktober 2008

Traumstatistik

Traumstatistik

Ich liebe ja die vielen Statistikfunktionen der Alchera-Traumsoftware. Obige bezieht sich auf meine Träume zwischen 1990 und 2008 und verblüffend ist, daß ich im März jeweils die meisten und auch die längsten Träume erlebe. Nun ist der März der Fische/Neptun-Monat, aber allein dies dürfte dafür nicht verantwortlich sein, zumal man dann davon ausgehen müßte, daß die Mehrzahl der Menschen im März mehr träumt (wobei solch eine Untersuchung sicher mal interessant wäre). Zudem gehört der März aber auch zu meinem 8. Haus, dem Haus des Unterbewußtseins und der Grenzerfahrungen. Zufall? Interessanterweise ist der März außerdem ein Monat, in dem ich am häufigsten und manchmal auch besonders schwer erkranke. Scheint so, als hätten Krankheiten und Träume etwas gemeinsam. Vielleicht weil beide eine Botschaft für uns enthalten?

Seelensingen

Um mich herum ein einsamer, nächtlicher Wald. Fahles Mondlicht zwischen den Bäumen und sprechende Stille. Ich beginne laut zu schreien, in langgestreckten, immer höheren Tönen schreie ich in den Wald hinein, weiter und weiter. Der Klang erinnert mich an das Heulen eines Wolfes. Bin ich ein Wolf? Ich meine mich zu erinnern, daß ich ein Mensch bin, aber vielleicht bin ich auch ein Wolf. Das Schreien verfolgt einen ganz bestimmten Zweck, ähnlich wie in diesem Aufwachtraum. Etwas soll damit vertrieben werden, doch damit es funktioniert, muß ich mich sehr anstrengen, meine Töne immer lauter und reiner werden lassen. Je mehr dies geschieht, um so mehr ähnelt es einem Singen, wenn auch aus voller Kraft. Es ist, als würde ich versuchen, das letzte Quentchen Atemluft aus mir herauszupressen, um damit den Klang zu formen, bis ich mich selbst darin verströme. Dabei schaue ich stets auf ein Stückchen Himmel zwischen dunklen Bäumen, das von dem Mond hinter den Wolken rötlich beleuchtet wird. Insekten schwirren um mich herum, eine Zecke läßt sich an einem Faden herunter, befindet sich immer in meiner Nähe, bis ich sie schließlich erschlage. Ich schreie weiter. Etwas Unheimliches, ein transzendentes Sein soll damit aufgelöst werden. Es ist die Seele des Grafen Dracula, die diesen Wald völlig ausfüllt, in jedem Atom mitschwingt. Je höher, lauter und reiner ich schreie, um so eher wird sie sich verflüchtigen und erlöst sein.

Bemerkung: Die Bilder des Waldes erinnern mich an den Film "Hotel". Wenn ich sowas noch öfters träume, weiß ich nicht, ob das meine Stimmbänder auf Dauer mitmachen. Beim Aufwachen tat mir vor Anstrengung der Hals weh.

Der Schrei im Traum deutet auf Verzweiflung aber auch auf ein Erwachen (im Traum) als Gegenbild zum Schlaf. Bisweilen regt der Schrei den Träumer an, sich klar zu äußern.
Nicht selten fühlen wir uns im Traum bedroht und möchten schreien, doch kein Laut kommt über unsere Lippen. Dies ist ein deutlicher Hinweis, dass wir uns in unseren ursprünglichen Bedürfnissen, zumeist zu Gunsten anderer übergehen, da wir nicht wagen uns gegen die Erwartungen abzugrenzen und zu wehren.

Töne sind selten im Traum, obwohl Komponisten schon ihre Kompositionen geträumt haben. Töne sprechen meistens den Sinn für unsere innere Stimme an. Im Mythos erzeugen die Engel Sphärenklänge, also besondere Töne, welche die Seelen der Hörer öffnen. Der Ton ist außerdem wie die Farbe ein symbolischer Ausdruck für Stimmungen.

Aughände

In der Kirche meiner Kindheit. Es ist dunkel, nur schmale Streifen von Licht fallen über die Empore in bizzaren Streifen, während die Gänge unter der Empore ganz im Dunkel verschwimmen. Jemand spielt Orgel. Die Klänge wirken in der leeren Kirche zugleich unheimlich, aber auch wunderschön. Es ist, als würde ich die Töne nicht nur hören, sondern mit meinem Körper wahrnehmen. Obwohl ich einige Meter vom Altar entfernt stehe, scheint das verzerrte Gesicht des riesigen "Barlach"-Christus direkt über mir zu schweben. Ein Spatz sitzt auf einer der Dornen seiner Krone, pickt wie selbstverständlich von hier nach dort und fängt die Würmer aus dem Holz. Ich warte auf meinen Vater. Er ist auf den Turm gestiegen, um die Glocken zu läuten, aber bis auf die Orgel ist nichts zu hören. Ich setze mich auf eine der Holzbänke und warte. Auch die Holzbänke sind von Würmern durchlöchert. Plötzlich höre ich Schritte, aber nicht die hinkenden meines Vaters. Die Kirche ist bis auf die Tür zur Sakristei abgeschlossen. Angestrengt starre ich in das Dunkel um mich herum. Ein altes Mütterchen tritt hervor, setzt sich direkt neben mich. Ihre Augen leuchten veilchenblau und sind mit Tränen gefüllt. "Was ist mit Ihnen?" frage ich. Da reißt sie sich blitzschnell beide Augen aus dem Kopf, mit blutschwarzen Höhlen sitzt sie vor mir, streckt mir die Hände entgegen, in welchen die Augäpfel liegen. "Für dich!" Erschrocken wehre ich ab und will weglaufen. Andererseits möchte ich sie auch nicht allein so sitzen lassen. Was tun? Während ich aufgesprungen bin und panisch überlege, hat sie mir schon in jede Hand einen der Augäpfel gedrückt, als würde sie noch immer sehen können. Das Seltsame ist, daß die Augen mit meinen Händen verschmelzen, bis schließlich aus jeder Hand ein veilchenblaues Auge herausschaut. Ich habe ein ungeheuer schlechtes Gewissen. Wenn das mein Vater sieht, wird er mich fragen, was ich wieder angestellt habe. Er wird bestimmt sauer sein, daß ich der alten Dame die Augen geklaut habe und dabei war ich das gar nicht. Erst nach minutenlangem Grübeln fällt mir auf, daß mich die Frau wieder mit zwei völlig gesunden Augen anschaut. Puh, da bin ich aber froh. Vor Erleichterung möchte ich sie fast küssen. Sie lacht und zeigt zu den Fenstern. Das Glas zerschmilzt im Morgenlicht, ein bunter Schwall fließt schillernd die Wände hinunter. Vögel flattern hinein und hinaus und auf einmal ähnelt die Kirche mehr einer schimmernden Grotte. Der Anblick ist hinreißend.

Montag, 6. Oktober 2008

Meine Mutter

geht jetzt ins Fitnessstudio (erzählt sie mir stolz am Telefon), mit 74. Natürlich noch neben ihrem Töpferkurs, ihren "Bridge"-Runden, ihren Seniorenfahrten und Verlagstreffen, ihren Kinogängen, ihren Reisen, ihren Computer-Volkshochschulkursen, ihren täglichen Besuchen im Pflegeheim, ihren Entrümpelungsaktionen zu Hause und Shoppingtouren. Und dann höre ich sie immer seufzen: "Als Rentner ist man einfach nur noch im Stress und hat überhaupt keine Zeit mehr..."
So langsam verstehe ich, woher mein Bruder das hat. Ich schlage da ziemlich eindeutig nach der phlegmatischen Art meines Vaters. Allerdings frage ich mich immer, jetzt, wo diese Anlage meiner Mutter so richtig zum Ausbruch kommt, da mein Vater nicht mehr im Weg ist, wie sehr sich die beiden wohl tatsächlich über 50 Jahre angenervt haben. Vielleicht noch heftiger, als ich mir überhaupt vorstellen kann.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Die richtige Jahreszeit

für eine Kaminofenattrappe ist es jetzt wieder. Den Balkonplatz habe ich den Vögeln überlassen (welche ihn gleich lustvoll mit Körnern vollgesaut haben, wie man sieht).

Kaminofenattrappe

Herbstvogel

...

„Ein Verwundeter liegt im Sterben und will wissen, wofür er stirbt. Er lässt die Krankenschwester rufen und sagt ihr: 'Ich sterbe als Soldat und möchte wissen, für wen ich sterbe.' Die Schwester antwortet: 'Sie sterben für Führer und Volk.' Der Soldat fragt dann: 'Kann dann nicht der Führer an mein Sterbebett kommen?' Die Schwester antwortet: 'Nein, das geht nicht, aber ich bringe Ihnen ein Bild des Führers.' Der Soldat bittet dann, dass ihm das Bild zur Rechten gelegt wird. Weiter sagt er dann: 'Ich gehöre der Luftwaffe an.' Da bringt ihm die Schwester das Bild von Reichsmarschall Göring und legt es zur Linken. Daraufhin sagt der Soldat: 'Jetzt sterbe ich wie Christus - zwischen zwei Verbrechern.'„
Das Lachen bleibt einem im Halse stecken, wenn man weiß, daß für das Erzählen dieses politischen Witzes Priester Joseph Müller am 11. September 1944 durch das Fallbeil hingerichtet wurde. Er hat sich übrigens bei den Vernehmungen immer geweigert, den Namen desjenigen zu nennen, der ihm diesen Witz erzählt hatte.

Samstag, 4. Oktober 2008

Schon wieder

so ein blödes Horroskop:

Zwanzig Einfälle am Stück, dazwischen Geistesblitze en masse, doch der Inhalt deiner Ideenkiste kommt in den Köpfen der Menschen nicht an.

Ist das irgendwas Neues? Darauf muß ich mir jetzt erst einmal die letzte halbe Flasche Baileys genehmigen.

Die Wurzel

Die Wurzel

Das Gewichtige ist des Leichten Wurzel.
Die Stille ist der Unruhe Herr.

(Lao Tse)

Gegenüber vom Schlossplatz (wieder ausgebuddelt)

Gegenüber vom Schlossplatz

Berliner Schlossplatz im Winter (wieder ausgebuddelt - das Foto, nicht der Platz)

Schlossplatz im Winter

Freitag, 3. Oktober 2008

...

"Und was Ihre Äußerung zum Sinn des Daseins angeht, so ist mein 'Daseinsinn' etwas vollkommen von diesem...." - er klopfte sich auf den Leib - "erbärmlichen Protoplasma Geschiedenes. Ich kenne ein Wozu des Lebens; das Wie kann ich ertragen. Ich habe für zehn Jahre Gründe zu leben, eine Mission. Ich gehe schwanger, hier..." - er tippte sich an die Schläfe - "...mit Büchern. Fast gereiften Büchern, Bücher, die nur ich gebären kann. Manchmal betrachte ich meine Kopfschmerzen als zerebrale Geburtswehen."
(aus "Und Nietzsche weinte" von Irvin D. Yalom)

Mark Twain über Richard Wagner-Opern

Es war wunderbar, aber danach kam freilich der Gesang, und es erscheint mir, dass für einen Uneingeweihten und Ungebildeten nichts eine Wagner-Oper vollkommener machen würde, als den Gesang auszulassen....

...Der große Meister, der es so gut verstand, hundert Instrumente zum Jubeln zu bringen und dazu, dass sie ihre Seele in einheitlichen melodischen Gezeiten wunderbarer Töne ergießen, bietet nur karge Soli in den Stimmen. Es mag sein, dass er tiefgründig war und den Gesang in seinen Opern nur hinzufügte, um einen Gegensatz zur Musik zu bieten. Gesang! Es scheint der falsche Name dafür zu sein. Streng gesagt besteht er hier hauptsächlich aus einer Übung schwieriger, unangenehmer Intervalle.

(aus dem Essay "Am Schrein von St. Wagner")

Für diese Worte könnte ich Twain KÜSSEN, denn genau dasselbe denke ich auch immer, wenn ich Wagner-Opern höre:
"Warum? Warum nur in Gottes Namen und denen aller Heiligen dieser schreckliche Gesang? Ohne diesen wäre es wirklich gut."
(Weshalb ich von Wagner generell nur noch Ouvertüren höre.) Und dafür zähle ich mich gerne zu den Ungebildeten. Mark Twain - ich liebe Sie!

Die perfekte Beinwippe und Eidotter als Gabe für die Götter

Bei einer Turnstunde, die von einer Frau geleitet wird. Sie beschäftigt sich zuerst mit jemandem einige Meter vor mir und möchte, daß er eine Weile die gestreckten Beine vom Boden abhebt. Allerdings soll dies nicht zur Körperertüchtigung dienen, sondern ist eine Art Test, durch welchen sie sich nicht nur ein Bild von den körperlichen Fähigkeiten, sondern sogar von der gesamten Persönlichkeit eines Menschen machen kann. Jetzt kommt sie zu mir und stellt mir die gleiche Aufgabe. Ich strecke meine Beine durch, lehne mich zurück (ist es nicht ein bißchen zu weit zurück?) und hebe sie an. Ruhig und gerade schweben sie über dem Fußboden, während die Frau prüfend ihre Handflächen ein Stückchen darüber hält. So geht das mehrere Minuten, die Beine darf ich erst wieder herunternehmen, wenn sie es sagt. Trotzdem habe ich keine Probleme, es geht völlig leicht, ich könnte noch Stunden so sitzen. Die Frau scheint ziemlich angetan vom Ergebnis des Tests. Sichtlich bewundernd sagt sie wie zu sich selbst: "Daß Sie Ihre Beine so ruhig halten können!". Sowas hat sie anscheinend noch nicht gesehen. Nun werde ich neugierig und frage, ob das etwas zu bedeuten hat. Denn schließlich kann sie aus dem Ergebnis ja eine allgemeine Einschätzung der gesamten Person ableiten. Doch sie wird jetzt ausweichend und behauptet, wenig überzeugend, daß dies nichts zu bedeuten hätte. Na gut, anscheinend will sie mir ihre Schlußfolgerungen nicht mitteilen. Auch gut. Ich bekomme jetzt ein Handygespräch von ihr mit, in welchem sie irgendwo anruft und fragt, ob es reicht, wenn sie gegen sieben oder acht Uhr kommt. Sie gehört einem Streiftrupp an, der nachts gewisse Wege abgeht, um die Sicherheit dort zu erhöhen, da an diesen Plätzen ein Verbrecher ein Unwesen treibt. Dann wendet sie sich einer Küchenanrichte zu, um dort einen Kräuterquark zuzubereiten. Dazu öffnet sie eine Tupper-Schüssel mit hartgekochten Eidottern und gibt einige Löffel davon in den Quark. Dies macht sie jedoch nicht zur Geschmacksverfeinerung, sondern, wie ich ihren gemurmelten Worten entnehme, ist das eine Art rituelles Opfer. Indem man einige Löffel hartgekochte Eidotter in den Quark gibt, werden launische Geistwesen und Götter friedlich gestimmt.

Bemerkung: Sollte das schon die Traumvorbereitung auf die Krankengymnastik sein? Ich fürchte allerdings, daß diese Übung im Traum nicht viel Wirkung auf die Bauchmuskeln hat. Wenn ich die real mache, halte ich nur wenige Sekunden durch.

Der Abgrund

Der Abgrund

Der Sinn ist immer strömend.
Aber er läuft in seinem Wirken doch nie über.
Ein Abgrund ist er, wie der Ahn aller Dinge.
Er mildert ihre Schärfe.
Er löst ihre Wirrsale.
Er mäßigt ihren Glanz.

(Lao Tse)

Bücherliste

Der Bücher-Kanon bei Elsa ist ja ganz nett, aber ich mache lieber meinen eigenen. Alle Bücher sind GARANTIERT gelesen, allerdings denke ich, daß man mindestens die Hälfte davon nicht wirklich gelesen haben muß:

1. ALLES (Gesammelte Werke) von Theodor Storm
2. Die Liebe in den Zeiten der Cholera - Marquez
3. Hundert Jahre Einsamkeit - Marquez
4. Chronik eines angekündigten Todes - Marquez
5. Der scharlachrote Buchstabe - Hawthorne
6. Rot und Schwarz - Stendhal
7. Ilias - Homer
8. Die Edda
9. Die Bibel
10. Candide - Voltaire
11. Notre-Dame von Paris - Victor Hugo
12. Der Tod in Venedig - Thomas Mann
13. Frühe Nächte - Norman Mailer
14. Der englische Patient - Michael Ondaatje
15. Der Steppenwolf - Hesse
16. Der schwarze Mönch - Tschechow
17. Dracula - Bram Stoker
18. Faust I+II - Goethe
19. Hunger - Hamsun
20. Hamlet / Romeo und Julia von Shakespeare
21. Der Tag zieht den Jahrhundertweg - Aitmatow
22. Doktor Glas - Söderberg
23. Das Gespenst von Canterville - Wilde
24. Antigone - Sophokles
25. Murphy - Beckett
26. Nathan der Weise - Lessing
27. Märchen und Erzählungen von E.T.A. Hoffmann
28. Sämtliche Kurzgeschichten von Poe
29. Glück und Unglück der berühmten Moll Flanders - Defoe
30. Die Schatzinsel - Stevenson
31. Robinson Crusoe - Defoe
32. Gullivers Reisen - Swift
33. Fünf Wochen im Ballon / 20.000 Meilen unter dem Meer / Die Kinder des Kapitän Grant / Reise zum Mittelpunkt der Erde / Reise zum Mond und diverses von Verne
34. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit - Proust
35. Ulysses - Joyce
36. Lady Chatterley - Lawrence (heimlich)
37. Fleisch - Erler
38. Die Sturmhöhe - Bronte
39. Illuminatus - Shea/Wilson
40. Per Anhalter durch die Galaxis - Adams
41. Das Totenschiff - Traven
42. Der Zentaur im Garten - Scliar
43. Daisy Miller und andere Erzählungen von Henry James
44. Also sprach Zarathustra - Nietzsche
45. Marnie - Graham
46. Die Herren der Insel - Conroy
47. Sämtliche James Bond-Romane von Ian Fleming
48. Sakrileg und Illuminati - Brown
49. Die Geisha - Golden
50. Jenseits von Afrika - Blixen
51. Medea und Kassandra von Christa Wolf
52. Das Parfum - Süskind
53. Tao Te King
54. Vom Winde verweht - Mitchell
55. Rebecca - Daphne du Maurier
56. Die Abenteuer des Sherlock Holmes - Doyle
57. Die Säulen der Erde - Follett
58. Der Gefangene - Grisham
59. Die Apokryphen
60. Der grüne Delphin - Goudge
61. Mozart auf der Reise nach Prag und Erzählungen von Mörike
62. Harry Potter (zwei oder drei der Bücher)
63. Die Zeitmaschine - Wells
64. Der Mondstein - Collins
65. Der Graf von Monte Christo - Dumas
66. Madame Bovary - Flaubert
67. Mein Weg aus dem Dunkel - Helen Keller
68. Geheimlehre I+II - Blavatsky
69. Götzendämmerung - Nietzsche
70. Tagebücher und Erzählungen - Kafka
71. Das Tibetische Totenbuch
72. Das Ägyptische Totenbuch
73. Winnetou, Shurehand und diverses von Karl May
74. Sofies Welt - Gaarder
75. Der Alchimist - Coelho
76. Schlafes Bruder - Schneider
77. Der Name der Rose - Eco
78. Der Liebhaber - Duras
79. Wem die Stunde schlägt - Hemingway
80. Die Abenteuer des Werner Holt - Noll
81. Ganz unten - Wallraff
82. Die Prophezeiungen von Celestine - Redfield
83. Kabale und Liebe - Schiller
84. Effi Briest - Fontane
85. Geh wohin dein Herz dich trägt - Tamaro
86. Das Bildnis des Dorian Gray - Wilde
87. Rheingold / Wodans Fluch von Grundy
88. Friedhof der Kuscheltiere / Carrie von King
89. Kleider machen Leute und anderes von Keller
90. Die Chronik der Sperlingsgasse - Raabe
91. Briefe von Rilke
92. Der Golem - Meyrink
93. Die Regulatoren in Arkansas - Gerstäcker
94. Streif- und Jagdzüge durch die Vereinigten Staaten Nordamerikas - Gerstäcker
95. Die Abenteuer Tom Saywers / Querkopf Wilson von Twain
96. Erzählungen von Björnstjerne Björnson
97. Schloß Gripsholm / Rheinsberg von Tucholsky
98. Und morgen war Krieg / Im Morgengrauen ist es noch still von Wassiljew
99. Das siebte Kreuz - Seghers
100. aber eigentlich lese ich ja mehr Sachbücher...

38

ist wirklich ein merkwürdiges Alter. Früher hieß es immer nur: dafür bist du noch zu jung, dann wird man 38 und bildet sich ein, endlich alt genug zu sein und was bekommt man zu hören? Dafür bist du zu alt - oder wahlweise je nach Situation weiterhin "Dafür sind Sie noch zu jung!" Mit anderen Worten, sobald man älter wird, ist man doppelt angeschmiert, weil man stets für irgendwas entweder zu jung oder zu alt ist.