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Sonntag, 15. März 2009

Von wegen Liebesgeschichte...

Ok, Liebesgeschichten kommen zwar darin vor, aber man kann "Lila, lila" von Martin Suter auch als unaufdringlichen Thriller im Literaturmilieu lesen. Mir hat das Buch gut gefallen, obwohl ich die vielen Lokalitäten, in denen sich die Protagonisten ständig tummeln, teilweise etwas befremdlich finde.

Der lächelnde Mond

Der lächelnde Mond

Samstag, 14. März 2009

Nahendes

Ich bin klein,
mein Herz ist rein,
mein Kopf ist leer,
die Glieder schwer,
zuviel Cortisol
in meinen Adern
und du sagst:
Reiß dich zusammen!,
aber der Frust
frißt verfressen
unaufhörlich...

(2005)

Paßt zur Zeit irgendwie wieder ganz gut.

Das Balzverhalten des männlichen Homo sapiens zur Frühlingszeit in freier Wildbahn (Eine Beobachtungsstudie)

Ein weiblicher, dem äußeren Anschein nach sehr fruchtbarer und gesunder Homo sapiens, flaniert in der ersten wärmeren Frühlingssonne mit einem kurzen Röckchen und nackten Beinen auf der Halteinsel der Straßenbahn. Ein männlicher Homo sapiens, sofort angelockt von den leuchtend blonden Haaren und so viel entblößter Haut, bleibt auf dem Gehweg gegenüber am Straßenrand stehen und beginnt das Weibchen zu taxieren. Da sie anscheinend den Anforderungen eines weiblichen Sexualpartners entspricht, setzt nach wenigen Sekunden das Balzverhalten ein. Dieses äußert sich durch spezielle, pfeifende oder schnalzende Laute, die das Männchen von sich gibt, z.B. "pfiiiiii....pfiiii......pfiiii" oder ein langgezogenes "Pfiiiiiiiiiiiiiiiiiiii" oder aber ein "klack...klack....klack", das mit der Zunge geschnalzt wird. Dabei plustert sich der männliche Homo sapiens mit seinem ganzen Körper auf, damit er so groß und stattlich wie möglich wirkt.

Das Weibchen tut so, als bemerke sie ihn nicht.

Dies entmutigt das Männchen jedoch keineswegs, sondern spornt es an, seine Balzaktivität zu erhöhen und die Werbung fortzusetzen, indem es zunehmend lauter und herausfordernder wird.

Das Weibchen wirft ihr langes Haar nach hinten und ihm mit einem Augenaufschlag einen kurzen Blick zu.

Nun wird das Männchen noch aktiver, indem es wild zu gestikulieren anfängt und seine Zähne zeigt.

Der weibliche Homo sapiens wendet sich demonstrativ gelangweilt ab.

Der männliche Homo sapiens dagegen wirft sich in Pose und stolziert lässig über die Straße, um sich dem begehrten Sexualpartner zu nähern - sich dabei so breit wie möglich machend und ohne das Weibchen aus den Augen lassend. Nur knapp entgeht er dem Bus, der ihn beinahe erfasst hätte.

Aufgrund der obigen Beobachtung rege ich zu einer empirischen Untersuchung darüber an, ob sich zwischen der statistisch auffällig erhöhten Anzahl von Todesfällen im Frühling und dem Beginn der umgangssprachlich als "Paarungszeit" bezeichneten Phase erhöhter sexueller Aktivität signifikante Zusammenhänge ergeben.

(Tagebucheintragung vom 14. April 2005)

Freitag, 13. März 2009

Gehn wie ein Ägypter

Tagebucheintrag vom 19.04.2005

Eine Kollegin kommt in mein Zimmer gestürzt, legt mir was auf den Schreibtisch, stutzt und fragt mich:
"Bist du heute geschminkt?"

Etwas erstaunt schaue ich sie an, denn ich bin jeden Tag geschminkt und meistens immer auf die gleiche Weise. Deshalb frage ich mich, was diese Frage zu bedeuten hat und worauf sie damit hinaus will.

"Ähm.....ja.....wieso....eigentlich bin ich immer geschminkt....."

"Achso....na ja...ich weiß nicht....bist du gepudert? Oder warst du Wochenende in der Sonne?"

Ich, schon befürchtend, dass ich den ganzen Tag mit Make-up-Streifen auf der Nase oder verwischter Wimperntusche herumgelaufen bin und meinen Drang zum Spiegel zu springen kaum noch unterdrücken kann, bin noch verunsicherter.

"Nee.....wieso.....ich hab nur Make-up drauf. Das gleiche wie immer.....warum?" *schulterzuck*

Seltsamerweise scheint meine Kollegin jetzt von den Antworten auch immer irritierter zu werden und druckst irgendwie, so scheint es mir, rum. Kurzentschlossen gehe ich deshalb zum Frontalangriff über in Erwartung eine unangenehmen Gegenschlages.

"IST IRGENDWAS?"

"Nö....nein....es ist ist nichts..... äh....ich weiß nicht...äh.....du siehst heute irgendwie so anders aus."

"Ich seh anders aus?"

Jetzt muß ich sie wohl mit so groß aufgerissenen, verwunderten Augen angeschaut haben, dass sie beschließt, die Sache nun auf sich beruhen zu lassen. Doch an der Tür dreht sie sich nochmal um und meint:

"Aber du siehst wirklich schön aus heute. Vielleicht liegt's ja an den Haaren. Ich weiß auch nicht."

Vielleicht sollte ich ja öfters am Wochenende saufen, rauchen und bis um 6 Uhr früh durchfeiern. Das scheint für den Teint äußerst bekömmlich zu sein und enorm verschönernd zu wirken.



Ja, wie konnte ich das nur vergessen. Ich muß unbedingt rauchen, saufen und bis um 6 Uhr früh durchmachen, um meinen Teint aufzufrischen.

Donnerstag, 12. März 2009

Ich bin ein schlechter Patient.

Das war ich schon immer. Sobald ich mich nicht mehr so bewegen kann, wie ich will, werde ungeduldig und bin voll gestresst. Bettruhe ist am schlimmsten. Die halte ich wirklich nur ein, wenn nichts anderes mehr geht. Und so langsam reißt mir wieder der Geduldsfaden. Auf der Überweisung steht: "V.a. MS". Erst wußte ich nicht, was mit den Abkürzungen gemeint ist. So konkret hatte die Ärztin mir das gar nicht gesagt, sondern sprach von etwas "Entzündlichem". Nun ja, inzwischen ist mir fast schon egal, was ich habe, wenn ichs nur endlich wüßte und es hoffentlich etwas ist, womit Ärzte etwas anfangen können, damit ich nicht ständig herumgereicht werde. Termin habe ich allerdings erst am 05.05. und jetzt muß ich weiter funktionieren, irgendwie.

...

"Religio" ist also eine Lebenshaltung, in der man sich bemüht, den bewußtseinstransparenten Hintergrund unseres Lebens (alles "Jenseitige") ernst zu nehmen und darauf zu achten, was aus diesem "Jenseits" für Botschaften "herüberkommen" ins Bewußtsein. Wenn wir sorgfältig beachten, was unsere Träume uns sagen, achten wir auf eine Stimme, die nicht von unserem Ich (= dem "Diesseits" der Alten) herrührt, sondern von etwas, das jenseits inseres Ichs ist.
Echte Religiosität nimmt Träume ernst. Wer Träume nicht ernst nimmt, lebt nicht religiös, auch wenn er in der Kirche keine einzige Messe verpaßt, täglich seinen Rosenkranz betet und viele gute Werke tut. Echte Religiosität schließt zwar keineswegs aus, einer der bestehenden Religionen anzugehören und ihre Riten mitzufeiern; aber das allein genügt nicht. Grundlegend für eine echte Religiosität ist ein ganz persönlicher, fruchtbarer und sorgfältiger Umgang mit dem Unbewußten, das unser bewußtes Tun oft ergänzt und kompensiert. Die persönlich erfahrene und gestaltete Religiosität ist die Grundlage zur Selbstwerdung.

(aus "Die Hölle - Eine neue Reise in unsere Unterwelt" von Rolf Kaufmann)

Mittwoch, 11. März 2009

Wechselbäder

Ein Raum mit einem Schwimmbecken. Dieses ist relativ klein, mit einer breiten Mauerstufe eingefaßt und auch nicht sehr tief, eigentlich mehr wie eine Brunneneinfassung. Das Wasser ist grünlich und klar. Ich stehe auf dem Mauerabsatz und irgendjemand will mich aus Spaß in das Wasser schubsen. Ich wiederstehe erst dem Schubs, schwanke ein wenig, doch als ich das Gleichgewicht verliere, springe ich einfach mit großem Satz auf die schräg gegenüberliegende Mauereinfassung und stehe wieder. Ätsch, nicht geschafft! Doch der Scherzbold gibt nicht so schnell auf und schubst jetzt wieder. Diesmal lande ich im Badebecken, steige aber sofort wieder raus. Von der "Schwimmhalle" führt eine Tür in ein Nebenzimmer, wo eine Badewanne mit klarem hellblauem Wasser steht. Sie sieht sehr einladend aus und scheint zumindest von der Tiefe her mehr Wasser zu haben als das "Schwimmbecken". Ich bekomme Lust, mich hineinzulegen und tue dies auch, allerdings nur kurz, denn ich habe keine Zeit und muß weiter. Wieder führt eine Tür in ein Nebenzimmer. Auch hier steht eine Badewanne. Das Wasser ist klar, aber diesmal dunkelblau. Ich kann es nicht lassen, auch diese Badewanne auszuprobieren, bekomme aber gleich zu spüren, daß dieses Wasser fühlbar kälter ist als in den vorherigen Badegelegenheiten. Brrrr.... Dann verstehe ich plötzlich, wo ich bin: Ich bin in einer Bade- und Wellnessanstalt, in welcher mit Wechselbädern Krankheiten geheilt werden. Deshalb die unterschiedlichen Temperaturen!

Gedenkessen

Langsam fällt es mir extrem auf, daß ich meist ausgerechnet beim Zubereiten von Essen oder beim Essen selbst an meinen Vater denken muß. Das liegt wahrscheinlich daran, daß er gerne und reichlich gegessen hat. Heute habe ich mir nach längerer Zeit mal wieder Grützwurst mit Sauerkraut gemacht. Grützwurst war neben Kohlrouladen eines seiner Lieblingsessen, allerdings bekam er die in der Jugend auf dem Dorf stets frisch vom Schlachtfest, welches wohl eine sehr erfreuliche Erinnerung gewesen sein muß, denn er erzählte stets und ständig begeistert von den Schlachtdelikatessen. Als ich so neben der Pfanne stand, kam mir spontan die Vorstellung, wenn er mir jetzt von irgendwo zuschaut, denkt er bestimmt: "Oochhhh, bei der gibt es Grützwurst, so eine Gemeinheit, ich habe ewig keine Grützwurst mehr gegessen." Natürlich völliger Blödsinn, aber schon komisch, was einem manchmal spontan in den Sinn kommt und welche Reaktionen oder Sprüche einem so im Gedächtnis verhaftet sind, daß man fast meint, sie immer noch zu hören oder zu erleben.

Dienstag, 10. März 2009

Der Koran online

Eigentlich suche ich nach einer Seite, auf der man online den Koran nicht nur lesen, sondern auch in ihm suchen kann.

Beim Durchforsten des Web stieß ich auch auf diese Seite. Hier wird einem der Koran sogar vorgelesen, allerdings ist diese Stimme, die einen in Empfang nimmt, ob man will oder nicht, echt gruselig. Macht auf mich irgendwie mehr den Eindruck von Hypnose als von Vorlesen.

Sonntag, 8. März 2009

...

Es gibt im Grunde nur zwei Arten des Umgangs mit der Bibel: man kann sie wörtlich nehmen oder man nimmt sie ernst. Beides zusammen verträgt sich nur schlecht.
(Pinchas Lapide, jüdischer Theologe, Professor und Übersetzer alter Bibeltexte)

Die kleine Helferin

Als ich heute wie gehabt wieder Akten erfasste, kam zu dem Kollegen in dessen Zimmer ich saß, ein Klient mit einer farbigen Tochter, so im Alter von ca. 11 Jahren. Die Mutter hatte sich aus den Staub gemacht. Wahrscheinlich einer, der eine Thai o.ä. geheiratet hat, die dann ihr Kind bei ihm zurückgelassen hat. Die Kleine setzte sich nun während der Beratung an meine Seite des Tisches, wo ich mit den Aktenbergen hantierte. Immer wenn ich eine Akte erfasst hatte, schmiß ich diese im hohen Bogen auf einen Stapel mit den fertigen Akten, welcher sich auf der Ablage befand, an welcher die Klienten sitzen. Der Stapel ist ziemlich unordentlich und wackelig, manchmal droht er zur Seite wegzurutschen oder umzukippen. Das kleine Mädchen beobachtet mich und den Stapel. Als ich diesen ersten Stapel weggehängt habe und mit dem nächsten beginne, bemerke ich, dass sie jedesmal, wenn ich wieder eine Akte raufgeschmissen habe, diese geraderückt, bis sie ganz genau über der darunterliegenden liegt. Als ich schließlich alle Akten durch bin und sie weghängen will, schaue ich auf den schnurgeraden Stapel und sage lächelnd zu ihr : Na DER Stapel ist aber ordentlich geworden!" Da lacht sie. (Eintrag vom 21.07.2005)

Das ist eine dieser kleinen Geschichten, die meinem Gedächtnis längst schon entschwunden sind. Wenn ich sowas dann in meinen Tagebucheinträgen wiederfinde, weiß ich, daß es sich tatsächlich lohnt, manches aufzuschreiben.

Samstag, 7. März 2009

Puppentage

Gerade in den alltäglichen, profanen, immer wiederkehrenden Momenten wird man ab und zu an die unsagbare und unfassbare Tragik des Lebens erinnert, beim Griff in das Supermarktregal, zwischen den Gedanken an Brötchen und Eiersalat, flackert da die Erinnerung an den Wimpernschlag des Jahrtausends auf, an das kurze, aber doch so gewaltige - vergewaltigende - Leben, das uns nicht sein läßt, wie wir sind, sondern an uns bohrt, schraubt und sägt, bis wir uns selbst nicht mehr erkennen. Mit der Dose Zuckererbsen in der Hand begreifen wir uns als Spieler in einem Spiel, und selbst die Dose Zuckererbsen erkennen wir als ein Requisit in diesem Puppenspiel, und langsam, fast andächtig stelle ich die Dose Zuckererbsen in den Einkaufskorb zu den anderen Requisiten und mache mich klein, ganz klein, damit ich in diesen kleinen Puppentag hineinpasse.

(Eintrag vom 17.11.2005)

Wir basteln uns eine Mumie...

~Es gibt besondere Leute, die dies berufsmäßig ausüben. Zu ihnen wird die Leiche gebracht, und sie zeigen nun hölzerne, auf verschiedene Art bemalte Leichname zur Auswahl vor. Wonach man die vornehmste der Einbalsamierungsarten benennt, scheue ich mich zu sagen. Sie zeigen dann weiter eine geringere und wohlfeilere und eine dritte, die am wohlfeilsten ist. Sie fragen dann, auf welche der drei Arten man den Leichnam behandelt sehen möchte. Ist der Preis vereinbart, so kehren die Angehörigen heim, und jene machen sich an die Einbalsamierung. Die vornehmste Art ist folgende. Zunächst wird mittels eines eisernen Hakens das Gehirn durch die Nasenlöcher herausgeleitet, teils auch mittels eingegossener Flüssigkeiten. Dann macht man mit einem scharfen aithiopischen Stein einen Schnitt in die Weiche und nimmt die ganzen Eingeweide heraus. Sie werden gereinigt, mit Palmwein und dann mit geriebenen Spezereien durchspült. Dann wird der Magen mit reiner geriebener Myrrhe, mit Kasia und anderem Räucherwerk, jedoch nicht mit Weihrauch, gefüllt und zugenäht. Nun legen sie die Leiche ganz in Natronlauge, siebzig Tage lang. Länger als siebzig Tage darf es nicht dauern. Sind sie vorüber, so wird die Leiche gewaschen, der ganze Körper mit Binden aus Byssosleinwand umwickelt und mit Gummi bestrichen, was die Ägypter an Stelle von Leim zu verwenden pflegen. Nun holen die Angehörigen die Leiche ab, machen einen hölzernen Sarg in Menschengestalt und legen die Leiche hinein. So eingeschlossen wird sie in der Familiengrabkammer geborgen, aufrecht gegen die Wand gestellt. Das ist die Art, wie die Reichsten ihre Leichen behandeln. Wer die Kosten scheut und die mittlere Einbalsamierungsart vorzieht, verfährt folgendermaßen. Man füllt die Klistierspritze mit Zedernöl und führt das Öl in den Leib der Leiche ein, ohne ihn jedoch aufzuschneiden und die Eingeweide herauszunehmen. Man spritzt es vielmehr durch den After hinein und verhindert den Ausfluß. Dann wird die Leiche die vorgeschriebene Anzahl von Tagen eingelegt. Am letzten Tage läßt man das vorher eingeführte Zedernöl wieder heraus, das eine so große Kraft hat, daß Magen und Eingeweide aufgelöst und mit herausgespült werden. Das Fleisch wird durch die Natronlauge aufgelöst, so daß von der Leiche nur Haut und Knochen übrigbleiben. Danach wird die Leiche zurückgegeben, und es geschieht nichts weiter mit ihr. Die dritte, von den Ärmeren angewandte Art der Einbalsamierung ist folgende. Der Leib wird mit Rettigöl ausgespült und die Leiche dann die siebzig Tage eingelegt. Dann wird sie zurückgegeben. Die Frauen angesehener Männer werden nicht gleich nach dem Tode zur Einbalsamierung fortgegeben, auch schöne oder sonst hervorragende nicht. Man übergibt sie den Balsamierern erst drei oder vier Tage später; und zwar geschieht das deswegen, damit sich die Balsamierer nicht an den Frauen vergehen. Es sei einmal einer wegen der Schändung einer frischen Frauenleiche bestraft worden, den ein Berufsgenosse angezeigt hatte.~
(aus Herodot's Historien)

Anmerkung: Die Zeitdauer von 70 Tagen, die Herodot und andere antike Geschichtsschreiber angeben, mag in etwa der Wirklichkeit entsprechen, obwohl neuere Forschungen die von späteren Chronisten angegebenen 40 Tage Natronlagerung wahrscheinlicher erscheinen lassen. Auch die Bibel spricht von 40 Tagen: Als Joseph und die Ärzte seinen Vater Israel einbalsamierten, nahm der Vorgang insgesamt 40 Tage in Anspruch, und darauf folgte eine Trauerzeit von 70 Tagen.

Freitag, 6. März 2009

...

Wenn der Mensch geschaffen wurde, um die für ihn von Gott aufbewahrte Herrlichkeit des gefallenen Engels in sich aufzunehmen (Anmerk.: eine Vision Hildegard von Bingens), und in dieser Herrlichkeit - die er durch die Ursünde verlor und in Christus wiedererlangte - Gott anzubeten, dann ist er in Wahrheit gnadenhaft der Bruder des Engels, dann ist sein Streben nach Engelhaftigkeit nichts anderes als die Sehnsucht nach letzter Wesenserfüllung...
Von hier aus gesehen ist dann auch der Gedanke, daß die Auserwählten dazu bestimmt sind, dereinst den Platz der gefallenen Engel einzunehmen, den diese in der himmlischen Hierarchie besassen, keine theologische Konstruktion, sondern eine in der Ordnung des Gottesreiches gründende Selbstverständlichkeit.

(aus "Das Reich des lebendigen Lichtes" von Heinz Kühn)

vergelesen

"zahnlose Engel" statt "zahllose Engel"

Der Nibelungen-Code

Wahnsinnig spannende Doku-Serie über die historischen Hintergründe der Nibelungensage gigantischerweise ebenfalls in der ZDF-Mediathek anzuschauen:

Teil 1 - Deckname Siegfried

Teil 2 - Kriemhilds Todesspiel

Außerdem findet man auch eine interaktive Übersicht von allen Personen und Orten inklusive der geschichtlichen Vorbilder der Sage.

Mittwoch, 4. März 2009

Einfach und kompliziert - Imponiergehabe und Immanuel Kant

~Die Sprache muß denotativ genau das transportieren, was sie dem Rezipienten vermitteln will und die hohe Simplizität, welche von sozio- und pragmaliguistische Unterschieden, die durch individuelle Sprachkompetenzen und intellektuellem Artikulationsgrad entstehen, unabhängig macht, wird kommunikativ durch die Verwendung von Vokabelmaterial mit geringer semantischer Information und den Verzicht auf Fremdwörter und Fachterminologien erreicht.~
(aus einem Marketingkurs zum Schreiben von Werbetexten)

oder besser einfach

~Texte werden oft absichtlich mit bildungssprachlichen Fremdwörtern versehen, die dem Leser signalisieren sollen: Ich (der Schreiber) bin gebildet (und du?). „Imponiergehabe mit Sprache“ nennt man das. In Zeitschriftenartikeln und vielleicht in der Werbung mag das angebracht sein. In den Gebrauchstexten geht es daneben.

In Wirklichkeit ist es ein Zeichen von Intelligenz, wenn man es versteht, eine Sprache zu wählen, die dem Gegenüber gerecht wird. Sich bewußt im Wortschatz einzuschränken, ist keine leichte Übung.

Wir müssen grundlegend verstehen, dass wir zur Kommunikation nur den gemeinsamen Wortschatz von Schreiber und Leser verwenden können.~

(Aus "Grundsätze für Technische Redakteure - Wie schreibe ich Texte, die sich gut übersetzen lassen?")

***

Der Philosoph Immanuel Kant definierte bereits vor über 200 Jahren Qualitätskriterien für die Vermittlung von Informationen und für jeden gebildeten und offenen Menschen, stellen sie wohl allein schon aus sozialem Verständnis heraus eine Selbstverständlichkeit dar und besitzen auch heute noch Gültigkeit:

Wahrheit: Alles, was gesagt wird, sollte wahr sein. Fakten Sollten faktisch sein. Vermutungen sollten als solche gekennzeichnet werden. Keine absichtlichen Abweichungen von der Wahrheit.

Notwendigkeit: Alles, was gesagt wird, sollte relevant sein. Keine überflüssige Information.

Vollständigkeit: Was gesagt wird, sollte alles enthalten, was erforderlich ist, um das Thema zu verstehen. Keine wesentliche Information sollte unterdrückt werden.

Klarheit: Was gesagt wird, sollte so dargelegt werden, dass es so leicht wie möglich verstanden werden kann. Die Fähigkeiten des Empfängers sollten berücksichtigt werden. Nichts sollte unnötig kompliziert sein.

Und diese Grundsätze gelten nicht nur für die Vermittlung von Informationen, sondern für jede echte, gleichberechtigte Kommunikation. Wo Kommunikation gewünscht ist, wird man deren Einhaltung deshalb immer beobachten können. Wo sie nicht eingehalten werden und unnötig verkompliziert wird, kann meist davon ausgegangen werden, dass Kommunikation bewusst oder unbewusst verhindert werden soll.

(Reload eines Blogeintrages von mir vom 20.Juni 2004)

...

Doch nicht nur da, wo sich das bürgerliche Leben in Häuslichkeit, Unterricht und Krankenpflege, in Saat und Ernte entfaltet, hat der Engel seine Aufgaben. Er scheut nicht einmal die modernen Verkehrsmittel, ja, er muß sie heimsuchen, denn da es auf Erden keinen neutralen Ort geben kann, sind sie ohne ihn dem unheilvollen Treiben der Dämonen ausgeliefert. Die Welt hat in ihren Statistiken der Verkehrsunfälle und in den mit Hilfe der Verkehrsmittel begangenen Verbrechen in Krieg und Frieden einen deutlichen Beweis dafür, daß auch hier ein Werkzeug für den Dämon bereitliegen kann.
(aus "Das Reich des lebendigen Lichtes" von Heinz Kühn)