Alien
Es ist eine neuere Version von  AlienInsideTwoday  verfügbar!  Aktualisieren  Jetzt nicht!
© 2018-2023 NeonWilderness

Dienstag, 1. September 2009

Der Winterritter

hat zwei Gesichter. Anfangs dachte ich sogar, er hätte einen Zwillingsbruder. Die eine Person ist die freundliche, etwas kindlich verspielte, mit der ich sofort lachen, herumalbern und allerhand Blödsinn anstellen möchte, da sie mir so vertraut erscheint. Die andere dagegen ist die, die mich eigentlich beeindruckt hat und die in mir etwas auslöst, das schwer zu beschreiben ist. Sie ist weniger freundlich, vielleicht sogar etwas übellaunig, aber von einer furchtlosen Intensität und Ernsthaftigkeit verbunden mit einer selbstverständlichen Menschlichkeit. Treffe ich auf diese Person, verspüre ich sofort das unwiderstehliche Bedürfnis, ihr ebenso furchtlos, aufrichtig und ernsthaft gegenüber zu treten. Das ist eher ungewöhnlich für mich, vielleicht ist es der Wunsch, etwas von dieser Furchtlosigkeit zu lernen. Ich denke dann sofort an meine eigene vermeintliche Oberflächlichkeit, die nicht wirklich eine ist, sondern mehr eine Art Maske. Nach außen trete ich diplomatisch, freundlich, witzig, aber auch etwas unentschieden, distanziert und ungreifbar auf. Dies ist meine Waage-Venus im dritten Haus in Konjunktion mit Uranus. Auf andere wirke ich deshalb in der Kommunikation, so denke ich, oberflächlich, sprunghaft, vielleicht sogar blond. Jedenfalls werde ich oft stark unterschätzt, was aber nicht unbedingt von Nachteil sein muß. Aber da gibt es auch noch die Merkur-Pluto-Konjunktion im dritten Haus. Dies ist der achtsame Schweiger und Denker in mir. Da der sich lieber mißtrauisch im Hintergrund hält und scharf beobachtet, gibt er sich kaum jemals zu erkennen, außer vielleicht eben in jenem Schweigen. Das Problem, klar und ernsthaft aufzutreten, liegt, so denke ich mir, zu gleichen Teilen an meiner Schüchternheit, meiner Angst vor Nähe und meiner Konfliktscheu. Der Winterritter nun rührt auf seltsame Weise an diesem Punkt. Ist er in der Nähe, verringert sich die Angst und verspüre eine wärmende, ungewöhnliche Kraft, ganz ich zu sein und dieses auch ausdrücken zu wollen. Trotz meiner Schüchternheit habe ich das Bedürfnis, ihm stets in die Augen zu schauen. Sobald ich merke, daß ich seinem Blick ausweiche, zwinge ich mich sofort, ihn wieder gerade und klar anzuschauen, weil es mein tiefster Wunsch ist. Vielleicht ist es auch eine Art subtiler Konkurrenz. Sein Blick scheint streng alles zu durchschauen und ich nehme die Herausforderung an. Einmal für ihn und einmal für mich, weil es sich so gut anfühlt. Ein starkes Verlangen nach Aufrichtigkeit und absoluter Klarheit, ohne jede Ausweichmanöver oder Fluchttendenzen, die sonst bei mir sehr ausgeprägt sind, das weckt er in mir, und auch das Gefühl, es schaffen zu können. Gerade heute hätte ich jene zweite Person von ihm lieber getroffen.

Gestern

zeigte ich dem Physiotherapeuten, wie ich in meinem Bett nächtige. Der meinte darauf bloß: "Wie kann man denn SO schlafen? Und das die ganze Nacht?" Die letzte Nacht sollte nun die erste sein - in der ich mir das abgewöhne. Das Ergebnis war scheußlich, aber ich erinnere mich undeutlich, daß ich im Traum mit meiner verstorbenen Großmutter mütterlicherseits an einem Tisch saß und sie mir eine alte, geheimnisvolle Geschichte über mich aus meiner Kindheit erzählte, welche ich selbst noch nicht kannte. Natürlich habe ich die Geschichte vergessen.

Montag, 31. August 2009

Vermißt

wurde Herr N. heute morgen. Niemand wußte etwas. Dann stellte sich heraus, daß er sich krankgemeldet hatte. Meine Chefin nutzte die Gelegenheit für ein Gespräch mit mir, weil sie vortasten wollte, ob wir einverstanden wären, umzuziehen. Ihn wollte sie nicht fragen, wortwörtlich sagte sie, sie möchte nicht, daß er abgeht wie eine V8-Rakete. Außerdem meinte sie, daß noch nie jemand so gut wie ich mit ihm klar gekommen ist als Zimmerkollege und sogar sie selbst jetzt besser mit ihm zusammenarbeiten könne. Aber sie wisse natürlich nicht, ob ich leide. Manchmal habe ich den Eindruck, daß jeder meint, ich müsse mit Herrn N. leiden. Wenn ich wegen fehlenden Unterschriften gerüffelt werde, werde ich ebenfalls gefragt, ob Herr N. sich weigert zu unterschreiben. Ich betone stets, daß ich kein Problem mit ihm habe, aber irgendwie nimmt man mir es wohl nicht ab. Doch es ist so - er antwortet immer, wenn ich ihn etwas frage, unterschreibt alles, was ich ihm hinlege, macht meinen Drucker oder Computer nicht ungefragt aus, was er bei anderen sehr gerne macht, und die Macken, die mich anfangs genervt haben, hat er inzwischen halbwegs abgelegt. Ich wundere mich schon fast selbst, daß er bei mir so handzahm ist, während so etwas für andere anscheinend unvorstellbar ist.

Sonntag, 30. August 2009

Als Kind

habe ich es gehasst, Aufsätze zu schreiben. Und ich hasse es heute noch, über Dinge zu schreiben, über die ich nicht schreiben möchte. Insbesondere, wenn diese bereits anderswo geschrieben worden sind. Als Journalist wäre ich eine Katastrophe. Zum Glück hat das auch meine Mutter als Redakteurin rechtzeitig erkannt, wenn ich quengelnd und völlig unausstehlich über meinen Hausaufsätzen saß. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Ebenfalls sehr dankbar bin ich meinem Vater, daß er mich nicht gezwungen hat, Pastorin zu werden. Predigen hasse ich nämlich ebenso.

Samstag, 29. August 2009

Mal abgesehen davon,

daß ich mir jetzt bereits ständig den Kopf zerbreche, wie ich meinem Physiotherapeuten am Montag die sehr, sehr schlechte Nachricht überbringen soll und ihn außerdem dazu bewegen kann, wieder etwas zu machen, was mir hilft, haben die letzten telefonischen Neuigkeiten meine Stimmung auch nicht gerade gehoben. Mein Bruder und seine Freundin wollen auf einmal alle ihre Zelte in Berlin abbrechen, ihre Jobs kündigen und ein Haus in einem winzigen brandenburgischen Dorf kaufen und mein Lieblingscousin, den ich allerdings schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe, soll angeblich ein Säufer sein. Mal schauen, was demnächst neues kommt. So richtig überrascht mich ja nichts mehr...

Freitag, 28. August 2009

Das Kindheitsschloß von Theodor Storm

Theodor Storm lernte schon sehr früh lesen und schreiben und schrieb später schaurige Novellen. Der Grund dafür ist das unheimliche Schloß, in welchem er in seiner Kindheit lebte. Dieses Schloß besichtige ich nun mit meiner Mutter. Wir laufen durch düstere Säle, in denen man kaum die Hand vor Augen erkennen kann. Überall finden sich Porträts und Abbildungen eines Vampirs. Auffällig sind insbesondere die schweren, hölzernen Türen ohne Klinke, auf denen ebenfalls ein unheimliches Porträt als Relief hineingeschnitzt ist. Erst erinnert mich das Relief an Nosferatu, doch dann bekommt es mehr etwas von einer Teufelsfratze. Wahrscheinlich ändert sich der Eindruck je nach Lichteinfall. Öffnen kann man diese Türen nur mit einem geheimen Hebel. Zwischendurch befinde ich mich in einer Straßenbahn und habe es eilig, zu einem Termin zu kommen. Ich könnte Glück haben und es gerade noch rechtzeitig schaffen. Beim Umsteigen fällt ein Käse durch einen Lücke eines Maschendrahtzaunes. Mit der Hand lange ich durch diese Lücke, um ihn wieder aufzusammeln, da verwandelt er sich in meiner Hand in einen Grünfinken. Dieser ist relativ zutraulich, will sich aber von mir nicht greifen lassen. Als ich zupacke, fliegt er davon. Wieder im Schloß stehen wir nun vor einer dieser unheimlichen Türen um zu sehen was dahinter ist. Weil ich feige bin, lasse ich meiner Mutter den Vortritt. Die stört sich aber nicht daran, findet den geheimen Hebel und mit einem Knall springt die Tür auf. Innen hängt wie in der Geisterbahn ein menschliches Skelett und ich springe schnell zur Seite. Dies war aber nur eine äußere Attrappe der Tür. Der eigentliche Durchgang ist noch nicht geöffnet. Wir finden einen zweiten Hebel und wieder springt eine Tür knarrend auf. Ein Gang wird sichtbar. Neugierig spähe ich hinein. Dort, wo er hinführt, ist es taghell. Ein Hutzelzwerg mit dem Aussehen Nosferatus, der die Mütze meines Uropas trägt, und ein schwarzer Höllenhund kommen uns aus dem Gang entgegen und nehmen uns in Empfang. Allerdings dürfen wir nur einzeln die andere Seite kennenlernen. Das heißt, ich muß vor der Tür warten, bis der Hutzelzwerg und der Höllenhund mit meiner Mutter fertig sind und ihr alles gezeigt haben. Mir ist sehr gruselig zumute, aber ich spreche mir Mut zu und denke: Ich schaff das schon, auch alleine.

Bemerkung: Vielleicht war die Besichtigung der Folterkammer doch keine so gute Idee.

Donnerstag, 27. August 2009

Osteopathie?

Eine Ärztin meinte mal zu mir, daß sie mit ihren Rückenschmerzen nur eine einzige Sitzung bei einem Osteopathen hatte und danach ihre Schmerzen los war. Erst dachte ich ja, sie will mich für den Osteopathen um die Ecke anwerben, aber ich hatte mich geirrt. Sie meinte wirklich, was sie sagte. Als ich das der blonden Physiotherapeutin erzählte, rollte sie nur mit den Augen und erklärte, daß es wohl eine Kopfsache gewesen sei. Nun ja, vielleicht ist bei mir auch eine Kopfsache und überhaupt würde ich gerne mal wissen, was bei der Osteopathie gemacht wird. Komischerweise findet man im Internet zwar haufenweise allgemeine Artikel zur Osteopathie, aber nirgendwo erfährt man etwas genaueres. Sehr mysteriös.

Frauen schießen zurück

Kaum war ich im Büro begrüßte mich Herr N., über die Zeitung gebeugt, auch schon mit der aufregenden Neuigkeit: "Na mit den Frauen ist ja jetzt was los!"- Ich frage: "Wieso? Was ist denn mit uns los?", da liest er mir vor, Mutter habe zwei Kinder vom Balkon gestürzt und sei hinterhergesprungen, Frau habe Ehemann bei Scheidungsverhandlung erschossen etc. Darauf bemerke ich, daß man es früher hauptsächlich von Männern hörte, daß die ihre Familien erschießen. "Ja," meint Herr N. "und jetzt wird zurückgeschossen. Mir ist schon angst und bange."

Im übrigen muß in meiner Urlaubswoche irgendetwas mit Herrn N. vorgefallen sein. Es kommen dauernd seltsame Bemerkungen, uns betreffend, oder es wird komisch gegrinst. Er selbst will mir aber anscheinend nicht erzählen, was passiert ist. Na ja, der Tratsch wird ziemlich sicher auch noch bis zu mir finden.

Die Lyrikgöttin

scheint mir zur Zeit ziemlich hold zu sein, denn heute erhielt ich die Nachricht, daß eines meiner Gedichte in einer Anthologie aufgenommen wird. Ich glaube, die Lyrikgöttin mag mich und sicher auch Verliebte.

Mittwoch, 26. August 2009

Mit dem Kopf noch im Urlaub,

aber auch im Montag. Ein Satz meines Physiotherapeuten will mir keine Ruhe mehr lassen. Als er schon im Gehen begriffen war, wandte er sich noch einmal um und sagte, daß er sich so nutzlos fühle. Das habe ich sofort dementiert, denn die Physiotherapie hat mir ja trotzdem geholfen, auch wenn ich noch immer Schmerzen habe. Jedes Weniger an Schmerz ist bereits ein Mehr an Lebensqualität und deshalb um so wertvoller. Das hatte ich ihm schon beim vorletzten Mal gesagt und jetzt noch einmal versucht ihm klar zu machen. Doch nun bin ich ständig am Überlegen, was er wohl GENAU damit sagen wollte. Man könnte es ganz unterschiedlich auslegen. Mir würden drei Möglichkeiten einfallen:

1. Es tut ihm einfach leid, daß er mir nicht helfen kann.
Das wäre zwar rührend, kann ich mir aber nicht vorstellen, weil ich mir denke, daß es Physiotherapeuten eigentlich gewöhnt sein müßten, auch Klienten zu haben, wo es nur noch darum geht, z.B. die Beweglichkeit zu halten oder einer Verschlimmerung vorzubeugen (wobei ich natürlich nicht hoffe, daß ich so ein aussichtsloser Fall bin).

2. Sein Ehrgeiz ist verletzt und er kommt nicht damit klar, daß seine professionellen und intensiven Bemühungen daneben gegangen sind.
Klar, mir würde es auch mehr Spaß machen mit Fällen zu arbeiten, bei denen ich ein Erfolgserlebnis habe. Jeder hat lieber Erfolgserlebnisse, das ist einfach motivierender. Ich könnte fast ein schlechtes Gewissen bekommen, daß ich mich so "undankbar" zeige und nicht gesund werde. Natürlich würde ich lieber freudestrahlend verkünden: "Juhuu, ich bin dauerhaft schmerzfrei!"

3. Er wollte mir durch die Blume sagen, daß ich austherapiert bin und er auch nicht mehr weiß, was er noch mit mir anstellen soll.
Schluck. Ok, die nächste Sitzung ist sowieso erstmal die letzte. Aber ich hoffe doch, daß man mich, sollte ich wieder sehr viel stärkere Schmerzen haben, nicht einfach abschiebt und mir nahelegt, mich mit Schmerzmitteln vollzustopfen, nach dem Motto "Da ist eh nichts mehr zu machen.", denn das stimmt ja so nicht wirklich.

Jedenfalls fürchte ich, habe ich nächste Woche wieder keine guten Nachrichten für ihn.

Cool!

Ich sehe gerade, daß ich unter den drei Erstplazierten des Literatur-Twitters bin. Wenn ich das richtig verstanden habe, bekomme ich jetzt meinen Tweet "Ich möchte nie zurückkehren in das Haus, wo die Stubenfliegen asthmatisch keuchen im Staub der Hoffnungslosigkeit archivierter Leiden." auf ein T-Shirt gedruckt. Dieses sollte ich aber wohl besser nicht im Büro tragen....

Dienstag, 25. August 2009

...

Siehst du die Sternschnuppen in meinem Haar?
Ich trage sie, damit du sie pflücken kannst.
Den Funkenschlag deiner Sehnsucht
hältst du dann in deinen Händen,
ein Licht, das schnell verlischt
im taghellen Schein der Erwartungen.
Doch deine Wünsche bleiben
die ewigen, unsichtbaren Jäger,
suchen ihr Ziel in der Dämmerung,
pirschend auf diamantstaubigen Milchstraßen.

Sonntag, 23. August 2009

Ich und die Wasserwand

Zurück in Berlin und schon auf dem Sprung in den morgigen ersten Arbeitstag. Die Tipp- und Formationsfehler meiner letzten Beiträge bereinigt. Ich weiß jetzt, daß Bloggen, Twittern oder Surfen mit dem Handy nicht wirklich Spaß macht. Das nächste Mal nehme ich wieder eine normale Papierkladde mit und verschwinde in der Versenkung. Ungefähr 250 Bilder aufgenommen, die erst einmal gesichtet werden wollen. Deshalb heute nur das Foto von mir, als mein Bruder mich hinter der Wasserwand im Schloßpark aufgenommen hat, sowie meine Mitbringsel: ein Vorrat Gurken-Likör und "Spreesagen", die vollständigste Sammlung von Sagen, sich orientierend entlang des Verlaufs der Spree von den Quellen bis nach Berlin.

Urlaub 1

Urlaub 2

Flaschenpost aus der brandenburgischen Seenplatte 4

Heute in Schloss und Schlosspark von L., inklusive Gartenlabyrinth. Besuch der Paul-Gerhardt-Kirche, leckeres Essen und ein suesser Kellner mit Segelohren. Leider hat das Kameraakku den Tag nicht durchgehalten und gluecklicherweise werden in der Provinz die Laeden samstags ab 12 Uhr geschlossen. Das ist guenstig, wenn man shoppingsuechtige Mitreisende hat. Scrabbeln bis Mitternacht.

Samstag, 22. August 2009

Flaschenpost aus der Folterkammer

Heute Besichtigung der Stadtmauer, Kirche und Burg von B. inklusive Folterkammer. Ich habe mich ja zwecks Rueckentherapie freiwillig fuer die Streckbank gemeldet, aber der Kassierer meinte, wenn er auch noch foltern muss, dann kostet es Aufschlag. Scrabbeln bis Mitternacht.