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Mittwoch, 19. Oktober 2011

Süße-Teilchen-Therapie und Begegnungen auf dem Friedhof

Nachdem ich die Praxis der Onkologin betreten hatte, für welche mir die eine freundliche Ärztin der Strahlenklinik einen ungeplanten Termin besorgt hatte, war ich erst etwas skeptisch, ob die Warterei wirklich viel bringt, zumal ich ja sämtliche Nachsorge-Untersuchungen bereits mit meiner Gynäkologin abgegessen hatte. Zwei Wartezimmer waren knackend voll und an der Anmeldung wurde ich kurz angebunden darauf hingewiesen, daß ich meinen Überweisungsschein irgendwo hineinzulegen habe. Danach hieß es drei Stunden warten. Während der Wartezeit konnte ich Gespräche mithören, in denen Patienten erzählten, daß dieser oder jener, der bei der Onkologin in Behandlung war, gestorben ist. Das führte mich zu inneren Betrachtungen darüber, daß Onkologen ja blöderweise eine grundlegende sch.... Reputation haben, wenn man ständig hört, daß Patienten von ihnen gestorben sind, selbst wenn das in diesem Fall völlig normal ist, da immer welche auf der Strecke bleiben.
Endlich war ich an der Reihe und ich muß sagen, daß ich noch nie solch ein Arztgespräch erlebt habe. Ich weiß nicht, wie lange ich im Sprechzimmer war - mir kam es vor wie mehr als eine Stunde - wahrscheinlich war es weniger, aber die Ärztin hat wirklich an alles gedacht und alles abgefragt, nicht nur die Anamnese, sondern auch die behördliche Situation (Schwerbeschädigtenausweis), berufliche und private Situation. Und anders als ich es gewöhnt bin von den meisten Ärzten, bei denen man immer erst fragen und ansprechen muß, hat sie mir von sich aus alles angeboten, was mein Herz begehrt: Medikamente, Verordnungen, Lymphdrainage, Krankschreibung, Untersuchungen, Kuren, da ich aber schon alles hatte, bot sie mir außerdem noch Tee, Wasser, Bonbons und schließlich - "Ich weiß was! Das ist hier was für Sie - ein süßes Teilchen frisch aus dem -KaDeWe!" - an. Das Teilchen sah in der Tat verlockend aus, allerdings lehnte ich ab und nahm lieber das Bonbon, denn schließlich brauchen Ärzte an einem langen Arbeitstag ihre Verpflegung. Ich kenne das ja aus meinem Job, wo man immer mal wieder von Klienten um die Frühstücksstullen angebettelt wird, so als hätten die Leute schon seit einer Woche nichts mehr gegessen. Umgekehrt gibt es aber auch. Als wir noch die Kriegsflüchtlinge in Betreuung hatten, gab es eine Kroatin, die mir zu jedem Termin ein großes Kuchenpaket mitgebracht hat, so als würde ich total verhungert aussehen. Eigentlich dürfen wir nichts von Klienten annehmen. Nach offiziellen Richtlinien hätte jedes Kuchenpaket der Büroleitung gemeldet werden müssen und diese hätten entschieden, an welches Waisenhaus das Kuchenpaket geht. Und wenn das Kuchenpaket im Waisenhaus angekommen wäre, wäre es vermutlich nicht mehr genießbar gewesen. Aber glücklicherweise haben es unsere Teamleiter damals eher locker gesehen, so daß solche kleinen Mitbringsel dann doch von uns verzehrt werden durften. Dieselbe Klientin hat mich auch einmal zu einem Urlaub in Kroatien eingeladen. Wahrscheinlich habe ich nicht nur verhungert, sondern total fertig ausgesehen. Das habe ich dann aber abgelehnt. Wenn man so beim Arzt süße Teilchen aus dem KaDeWe angeboten bekommt, fühlt man sich fast als Privatpatient. Das Gespräch kam auf die Schmerzen in den rechten Rippen zu sprechen, die ich schon seit Monaten habe und weshalb mir die Klinikärztin eigentlich den Termin verschafft hatte. Nun hatten die Nachsorgeuntersuchungen ergeben, daß alles schön ist - schöne Lunge, schöne Leber, schöne Milz und überhaupt alles bestens. Ich erzählte ihr, daß die Schmerzen immer stärker werden, wenn ich Ärger, Streß oder Sorgen habe. Sie rätselte sichtlich herum, kam auf die Galle (wegen der Sprüche "Da läuft einem die Galle über", "Galle spucken" usw. hatte ich daran ebenfalls schon gedacht), aber bei der Sonographie war auch in der Galle alles bestens. So richtig konnte sie mir nicht sagen, was die Ursache ist und ich bot ihr meine Erklärung dafür an, daß es von der verkorksten Wirbelsäule kommt und den Nerven die davon abgehen, und sich bei Ärger oder Streß verstärkt, weil sich meine Muskeln dann verhärten und verkrampfen. Das hielt sie für gut möglich. Ich finde es ja allgemein angenehm bei Ärzten, wenn sie auch mal zugeben können, etwas nicht zu wissen, statt einem das Gefühl zu geben, nicht für voll genommen zu werden. Ich kenne das von meiner Allgemeinärztin her - wenn ich Beschwerden habe, die irgendwie untypisch sind und nicht passen (was bei mir fast die Regel ist als die Ausnahme, warum auch immer), bekomme ich generell erst einmal zu hören: "Das geht nicht! Das kann nicht sein! Das passt nicht!" und sie hat einen richtig bösen Gesichtsausdruck. Wahrscheinlich guckt sie gar nicht böse, sondern einfach nur angestrengt, aber es reicht, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Ich fühle mich dann tatsächlich schuldig, obwohl ich nichts anderes getan habe, als Beschwerden zu haben, die nicht in das medizinische Fachbuch passen. Und das mache ich ja nun nicht mit Absicht.
Das Gespräch kam weiter auf das Angebot der Psychoonkologin und ich war erstmal nicht sehr begeistert. Ich sagte, ich hätte schon Gespräche in der Klinik gehabt, ohne weiteres von meinen einschlägigen Erfahrungen zu berichten. Das tat sie stattdessen, indem sie meinte, sie hätte schon von anderen gehört, daß diese Psychoonkologin in der Klinik nicht besonders gut angenommen werden würde. Aber der Ansatz der Praxis-Psychoonkologin sei ganz anders. Das, was sie mir über den Ansatz erzählte, klang zwar eigentlich genauso wie der Ansatz aus der Klinik, aber Ansätze kann man ja auch unterschiedlich bearbeiten. Also dachte ich mir, es kann ja nicht schaden, es mit dieser anderen Psychoonkologin noch einmal zu versuchen und bekam einen Termin. Überhaupt sagte mir die Ärztin Sachen, die ich selbst nicht wage zu sagen, da man ja nicht weiß, ob man dann nicht noch ein paar paranoide Störungen angehängt bekommt. Aber wenn ich von einer Ärztin höre, daß die Gesellschaft krank ist und das Gesundheitssystem krank ist, und wir nur versuchen, das Beste daraus zu machen, würde ich das so keinesfalls abstreiten. Weiterhin empfahl sie mir das Buch "Krebszellen mögen keine Himbeeren" und ich konnte ihr vermelden, daß ich das Buch bereits besitze und auch schon gelesen habe. Zum Abschied dann bekam ich gleich vier oder fünf Umarmungen, sowie das Kompliment, daß ich eine zauberhafte und hübsche junge Frau sei. Na ja, ich hatte ja bereits von den Fahrern des Fahrdienstes gehört, daß sowas in der Praxis dort üblich ist, aber ganz so exzessiv hätte ich es mir nicht vorgestellt. Doch ich finde, an so eine Komplimente-Umarmungs-süße-Teilchen-Therapie könnte man sich gewöhnen.
Eigentlich hatte ich geplant, nach dem Arztbesuch noch rauszufahren, aber da es inzwischen viel zu spät war, beschloß ich mir die Beine auf dem jüdischen Friedhof zu vertreten, der auf dem Weg liegt. Zwar habe ich im Moment einige Abneigungen gegen Friedhöfe, doch dieser Friedhof ist so alt und verwachsen, daß er trotzdem immer wieder schön ist. Das erste, was mir auf dem Friedhof entgegen kam, war ein Mann, der mir irgendwie bekannt vorkam. Als er mich sogar grüßte, erkannte ich einen früheren Klienten von mir. An den Knasttätowierungen am Auge ist er sowieso relativ leicht zu erkennen, allerdings hat er inzwischen einen Schnurrbart. Erstaunlich fand ich, daß er mich auch erkannt hat, obwohl es mindestens elf bis zwölf Jahre her ist und ich außerdem eine völlig andere Frisur habe. Wahrscheinlich macht er diese 3-EUR-Jobs auf dem Friedhof. Das nächste, was mir begegnete, war eine schwarze Katze auf einem Grabstein. Sicher die Friedhofskatze, die dort Mäuse fangen soll. Leider konnte ich mich nicht allzu lange mit ihr aufhalten, da ich keine Uhr hatte, und nicht wieder an der verschlossenen Friedhofspforte kratzen wollte, wie beim letzten Mal. Was bedeutet eigentlich eine schwarze Katze auf dem Friedhof, die weder von links nach rechts, noch von rechts nach links läuft?

Friedhof 1

Friedhof 2

Friedhof 3

Sonntag, 16. Oktober 2011

Die besten Gründe, seine Eltern nicht zu erschießen | 2

Hier nun auf Wunsch die vollständige Version des Artikels mit allen Elterntypen zum Herunterladen:

Der Psychotherapeut von Marilyn Monroe

Völlig überraschend erfahre ich, daß ich mit den Bestrahlungen noch längst nicht fertig bin, sondern weitere 14 Tage bestrahlt werden muß. Allerdings ist mein körperlicher Zustand so miserabel, daß ich überhaupt nicht mehr in der Lage bin, mich um irgendetwas zu kümmern. Kaum selbst laufen oder mich anziehen kann ich mehr, und anscheinend auch keine Entscheidungen treffen. Meine Mutter übernimmt die Betreuung für mich, eine amtliche, die alle Entscheidungsfragen umfaßt, und spricht sich mit meinem Bruder, der inzwischen Heilpraktiker geworden ist, ab. In dessen Nähe befindet sich ein Psychotherapeut, welcher einen eigenen Fahrdienst hat. Das trifft sich gut, denn für die Bestrahlungen brauche ich einen neuen Fahrdienst, da ja der Einsatz des früheren Dienstes bereits beendet ist. Man entscheidet also, es zur Aufgabe des Psychotherapeuten zu machen, mich durch die restlichen Behandlungen zu bringen. Dazu werde ich in eine Wohnung gebracht, die sich in der Nähe des Psychotherapeuten befindet und ebenfalls zu seiner Praxis gehört, wahrscheinlich für besondere Patienten. Regelmäßig kommt hier der beim Arzt angestellte Mann vom Fahrdienst, um mich abzuholen und zurückzubringen. Es ist ein Bär von einem Mann, italienisches Aussehen, mit vielen Kettchen am Arm und einer fiesen Visage. Irgendwoher weiß ich, daß der Psychotherapeut früher Marilyn Monroe behandelt hat. Es wundert mich zwar, daß er immer noch praktiziert, denn eigentlich müßte er dann ziemlich alt sein, aber vielleicht war er damals noch sehr jung. Und er ist mir einschließlich seiner Leute vom "Fahrdienst" sehr suspekt, denn es scheint mir, als würden die alle zur Mafia gehören. Das aber nicht nur, weil sie mit ihren "'Mafiagesichtern' so aussehen, sondern es geschehen außerdem merkwürdige Sachen. Da es die Wohnung des Psychotherapeuten ist, hat er einen Schlüssel dafür, und oft merke ich nachts, daß ich von jemandem wachgemacht werde, ohne allerdings richtig wach zu werden, da ich mit Schlafmitteln vollgestopft bin, die ich anscheinend von ihnen verabreicht bekomme. So orientierungslos und noch fast bewußtlos gibt man mir einige Papiere, die ich völlig im Nebel unterschreibe, ohne daß ich mich hinterher genau erinnern kann, was eigentlich vorgefallen ist und was ich getan habe. Meiner Mutter vertraue ich zwar noch, aber ich finde es seltsam, daß sie mich so einem Arzt anvertraut. Merkt sie davon nichts? Jedenfalls finde ich es tröstlich, daß es ja nur für 14 Tage sein soll und sie mich hinterher sicher wieder weglassen. Irgendwo in der Wohnung finde ich schließlich ein Videoband, welches ich mir anschaue. Es zeigt die Großaufnahme des Kopfes einer blonden Frau, so als wäre es ein Interview. Erst meine ich, die Frau nicht zu kennen, doch dann dämmert mir, daß es Marilyn Monroe sein könnte, obwohl es nicht das Gesicht ist, das ich von ihr kenne. Es ist ohne jede Schminke - abgehärmt, mit trockenen Hautschüppchen überzogen und leicht gealtert. Fältchen ziehen sich um die Augen, eine große Falte zieht sich mitten über die Stirn, und aus dem blassen, leicht geöffneten Mund schauen bräunlich verfärbte Zähne hervor. Nur die großen Augen und die platinblonden Haare erinnern an Marilyn Monroe.

Samstag, 15. Oktober 2011

Die besten Gründe, seine Eltern nicht zu erschießen

(aus einer alten Zeitschrift, die ich gerade gefunden habe - bei mir der Typ 'Streit-Eltern')
"Der durchschnittliche Lärmpegel im elterlichen Wohnzimmer hatte Flughafen-Frankfurt-Niveau, und Türen wurden nie einfach geschlossen, sondern immer geworfen. Unsere ersten Worte waren nicht 'Mama' und 'Papa', sondern 'Ssseiße' und 'A-loch'. Streit-Eltern haben sich mehr in den Haaren gehabt, als über unsere gestreichelt. Sie waren so damit beschäftigt, sich gegenseitig vorzuwerfen, wie schlecht sie sich benommen hätten, dass wir inzwischen unbemerkt mit dem Finger in der Steckdose bohren konnten. Natürlich hat das Folgen: Wir sind relativ unausgeglichen, manchmal cholerisch, sehr lärmempfindlich und vermeiden direkten Hautkontakt mit Stromquellen aller Art. Jetzt können wir in alter Freud-Tradition die Eltern verteufeln - aber von wegen:
1.) Durch jahrelange Dauerbelastung sind wir als Kinder von Streit-Eltern besonders tolerant (wen stört es heute, wenn zwei sich streiten?). 2.) Wir sind diplomatisch (auf Grund lang geübter Lärmvermeidungs-Strategien). Und 3.) kennen wir, Scheißendreck, verdammt viele Schimpfwörter!"

Heilige Scheiße, ich finde, da ist verdammt viel Wahres dran! Und meine Lärmvermeidungs-Strategien werden von Jahr zu Jahr immer ausgefeilter. *lol*

Unsichtbare Kommunikation

Ein wunderschönes Gefühl der Nähe und Verbundenheit mit K., doch bald darauf bin ich allein, vor mir ein Behälter mit bunten Stiften. Sie stehen ziemlich wild durcheinander, manche von ihnen nur locker zwischen die anderen gesteckt und ohne dabei den Boden zu berühren. So ganz nebenbei und ohne mir etwas dabei zu denken, klopfe ich dreimal auf das obere Ende eines von ihnen bis dieser völlig nach unten gerutscht ist. Gleich darauf sehe ich, wie ein zweiter Stift ebenfalls drei Schläge erhält und nach unten rutscht. Jedoch habe ich diesen zweiten Stift nicht angefaßt und es ist auch niemand neben mir zu sehen. Sofort weiß ich, daß es K. war. Dort, wo er ist, kann ich ihn nicht sehen und er nicht mich. Aber dieser Behälter mit den Stiften ist an beiden Orten völlig gleich. Eine geniale Idee, darüber zu kommunizieren! Jeder von uns sieht sofort, daß der andere nicht weit weg ist, sondern ganz im Gegenteil sehr nah, wenn auch nicht sichtbar. Begeistert klopfe ich einen dritten Stift in die Dose als Zeichen, daß ich verstanden habe.

Freitag, 14. Oktober 2011

Endlich mal

ein leckerer Adventskalender, der nicht dick macht. Aber irgendwie reizt mich Schokolade mehr. Noch besser Schokolade mit Marzipan. Warum gibt es eigentlich keine Adventskalender mit Männern UND Schokolade UND Marzipan?

Donnerstag, 13. Oktober 2011

War ja klar,

daß man, geht man an einem Saturn-Tag auf einen Spaziergang und auf die Suche nach idyllischen Orten, nur Mülldeponien findet. Sie säumten meinen Weg, die Bilder zeigen bei weitem nicht alle.

Müllhalde 1

Müllhalde 3

Der abgetakelte Reiher, den jemand in eine morsche Baumwurzel drapiert hatte, war wenigstens noch ganz witzig:

Müllhalde 2

Doch dann - ein klarer Bergsee mitten in Berlin (muß ja niemand wissen, daß diese Berge ebenfalls nur Mülldeponien sind).

Müllhalde 4

Ich glaube, das war sogar der See, an dem ich vor zwanzig Jahren mit meinen Kumpels zum Angeln gewesen bin. Jedenfalls muß das irgendwo dort in der Nähe sein.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Das automatisierte Krankenhaus

Zuerst ein langer Arbeitstag im Büro. Alle bleiben bis 20-21 Uhr, weil das jetzt wohl häufig so angeordnet wird. Danach finde ich mich in einem Krankenhausbett wieder. Es steht in einer großen Halle mit vielen anderen Betten. Jedes Bett für sich ist eine kleine Anlage. Ein Roboter, der aussieht wie ein Einkaufswagen, kommt um die Ecke angefahren und rollt unter meinen Füßen hindurch, wohl um den Verband oder die Wunde zu scannen. Nirgendwo ist Personal zu sehen, alles wird durch diese Roboter erledigt. Ich wundere mich, woher die wissen, wann ich aus dem Op gekommen und auf Station bin, aber wahrscheinlich wird das irgendwo vorher einprogrammiert. Neben mir steht eine andere Krankenbettanlage und an dieser sehe ich, wie das mit der Essensausgabe funktioniert. Neben dem Bett befindet sich eine lange weiße Leiste, in welche verschiedene Behälter eingelassen sind. Automatisch wird in diese Behälter die jeweilige Nahrung durch einen Greifarm(?) hineingelegt, in einen Behälter z.B. die Brotscheiben, in den nächsten die Butter, usw. Aber anscheinend kann man in das Krankenhaus auch seine Haustiere mitbringen, die sonst alleine bleiben würden, denn es gibt ebenfalls Behälter für Tierfutter. In der Krankenbettanlage neben mir werden in diese Behälter Motten und eine lebende Amsel gefüllt. Ich weiß ja nicht, was für ein Haustier mein Bettnachbar mitgebracht hat, aber mir tut die schwarze Amsel leid, die jetzt in ihrem Käfig sitzt und darauf wartet, verfüttert zu werden. Durch ein eingearbeitetes quadratisches Loch in der Seite der Leiste, kann ich alle Inhalte genau von außen einsehen. Doch da - plötzlich quetscht sie sich durch dieses Loch aus ihrem Gefängnis und flüchtet in die Halle. Flatternd sucht sie in einer Fensterecke nach dem Ausgang, findet in der hohen geschlossenen Fensterwand jedoch keinen. Ein mittleres Chaos entsteht durch diesen unerwarteten Vorfall, auf den die Automaten nicht vorbereitet sind. Auch die Patienten geraten in Aufruhr. Sie protestieren, indem sie Transparente hochhalten, auf welche sie Gedichte und Sprüche geschrieben haben. Das wichtigste Wort in allen von ihnen ist 'Leben'. Bei einigen steht aber auch 'Lebel' statt 'Leben'. Ich denke mir erst, daß dies wohl die Umkehrung von 'Leben' ist, aber das stimmt ja gar nicht. Die Umkehrung von 'Leben' ist 'Nebel'. Jedenfalls haben diese Ereignisse die schön automatisierten Abläufe fast vollständig zum Erliegen gebracht. Die Krankenhausleitung muß eingreifen und verspricht, die Amsel freizulassen, um die Patienten zu beruhigen. Das freut mich für sie...

Montag, 10. Oktober 2011

Am letzten Tag nun

hatte ich das Abschlußgespräch bei der Ärztin mit transylvanischer Verwandtschaft. Damit hatte ich fast jedesmal eine andere Ärztin und immer muß man wieder alles vom Urschleim an erzählen. Sie erklärte mir diesmal, so wie ich es mir gedacht hatte, daß die Strahlung durch das Schlüsselbein ging und am Rücken wieder austrat. Außerdem meinte sie, daß ich mit meiner Haut gut weggekommen sei und wollte wissen, wie ich sie gepflegt hätte. Gepflegt habe ich überhaupt nicht viel, aber immer Panthenoltabletten gelutscht. Vielleicht hat das geholfen, aber vielleicht habe ich nur eine robuste Haut. Gegen Sonnenbestrahlung bin ich ja auch recht unempfindlich. Wie ein gegrilltes Spanferkel sehe ich trotzdem aus und es dauert laut ihrer Aussage wohl ziemlich lange, bis die Haut wieder einen normalen Farbton annimmt. Und ich bin die ganze Zeit mit fiesem Strahlenkater herumgelaufen, der angeblich, so habe ich gerade gelesen, heute selten geworden ist im Gegensatz zu früher, als hochdosierter und großflächiger bestrahlt wurde. Schön, daß das heute so selten vorkommt, toll, wirklich. Warum dann ausgerechnet bei mir? Lt. Patientenpass wurden mir insgesamt 60 Gray verabreicht.
Inzwischen sind dann auch die Laborergebnisse des Bluttests eingetrudelt und alle bestens, auch dieses Thrombosegen-Dingsbums, allerdings bin ich wieder verunsichert, weil da steht, daß eine Faktor V...Mutation mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen ist, meine Mutter aber eine Faktor VIII-Mutation hat. Kann ich bei dem Test nun davon ausgehen, daß dieses auch in Ordnung ist, oder nich - verstehe nur Bahnhof.
Putzig: Als ich von der Ärztin nach Hause lief, rannte mir ein rotgepuscheltes Etwas entgegen, das sich als Eichhörnchen entpuppte, als es vor mir über den Gehweg flitzte. Dann hoppelte es ein Stück neben mir auf dem Bordstein, flitzte wieder genau vor mir zurück über den Gehweg und verdrückte sich auf einen Baum. Warum es dieses Umweg machte, weiß ich nicht, anscheinend konnte es sich nicht entscheiden. Aber ich könnte mir nächstes Jahr ganz gut Eichhörnchen als Haustierchen vorstellen. Die fressen wenigstens nur Nüsse, hoffe ich doch, falls sie nicht ebenfalls schon schlechte Angewohnheiten angenommen haben. Jedenfalls war das eine dieser Situationen, in denen ich es bereue, keine Nuß in der Tasche zu haben.

Traumsplitter

Während eines Unterrichts nähe ich ein zartes Gitter aus Rechtecken auf ein rotes Stück Stoff. Ich finde, dies Nähte sind mir schon recht gut gelungen, jedenfalls sind sie sehr gerade und regelmäßig, allerdings ist mein Lehrer, ein älterer Herr mit Brille und einem Gesicht aus faltiger Güte, nicht ganz zufrieden. Ich habe nicht auf die Anfänge und Abschlüsse geachtet, die auf eine bestimmte Weise als kleine Knötchen angeordnet sein sollen. Mein Lehrer nimmt seine Brille ab und erklärt mir sehr geduldig, fast liebevoll, und ohne mir das Vertrauen in mich selbst zu nehmen, wie ich es anzustellen habe. Ich höre aufmerksam und lernwillig zu, denke aber bei mir, daß ich sicher noch besser verstehen und lernen würde, wenn ich nicht nur das WIE, sondern auch das WARUM erklärt bekäme. Wenn ich weiß, warum etwas so oder so zu machen ist, kann ich auch die Zusammenhänge erkennen und mir die erforderlichen Schritte viel besser merken. Sicherlich würde mein Lehrer nichts dagegen haben, wenn ich ihm entsprechende Fragen stelle, aber wird er mir diese auch beantworten?

Sonntag, 9. Oktober 2011

Tarzan

Tarzan 1
.

Tarzan 2
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Tarzan 3

Samstag, 8. Oktober 2011

Sternschnuppen soll es regnen,

ganze Schwärme davon, genauer: 600 pro Stunde. Das alles heute Nacht in westnordwestlicher Richtung aus dem Sternbild des Drachen. Das ist Balkonlage, haargenau. Inzwischen hat sich die riesige Regenwolke abgeregnet und der Himmel ist da und dort aufgeklart. Das heißt, das Fernsehprogramm fällt aus, ich werde mich dick einpacken (ist ja doch schon kühler) und etwas Knabberzeug bereitstellen für die Sternenshow. Meine Haustierchen dagegen rollen schon ihre Honigwein-Pocketflaschen neben das Bett, um mit mir die Show gemeinsam von der Dachloge aus zu genießen. Schließlich gibt es die Darconiden erst in 51 Jahren wieder zu sehen. Das könnte eng werden und es wäre doch gelacht, wenn heute nicht wenigstens ein kleines Schnüppchen für mich abfiele.

Edit: Immerhin vier Schnuppen, bevor eine dicke Wolkendecke aufgezogen ist. Man muß aber in der Stadt schon ziemlich genau hinschauen bei so viel Lichtverschmutzung. Auf dem Land wäre sicher mehr zu sehen gewesen.

Freitag, 7. Oktober 2011

Freifliegende Falken

gibt es ebenfalls im Weidevieh-Biotop, wie ich heute feststellen durfte. Als wir mit dem Auto vorbeifuhren, saß dort auf einem der Zaunpfosten ein majestätisches Exemplar und ließ den Autobahnstrom seelenruhig an sich vorbeifließen. Ein Bild wie gemalt. Einfach großartig!