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Montag, 24. Oktober 2011

Luzides Mehrfach-Erwachen

Ich erwache in meinem Bett mit etwas Kuscheligem im Arm, natürlich! - meine Katze. Doch irgendetwas stimmt nicht. Mir fällt ein, daß sie tot ist, also muß das hier ein Traum sein. Andererseits war sie doch gestern noch hier, meine ich mich zu erinnern. Verwirrung. Eine Welle geht durch meinen Körper, ich spüre das Auftauchen in ein neues Erwachen. Noch immer halte ich etwas Kuscheliges im Arm. Puschel, klar. Das andere war nur ein Traum, aber jetzt sollte ich aufstehen. Seltsam, mitten im Zimmer stehen drei leere Betten nebeneinander und an der Decke kleben zwei große Libellen (oder Elfen aus dem Samstagstraum?). Verflucht, ich muß schon wieder in einem Traum-Zwischenraum steckengeblieben sein. Sofort geht erneut eine Erwachenswoge durch mich. Ich liege im Bett mit Puschel neben mir. Na endlich! Doch wenn ich mir Puschel genau anschaue - warum hat sie so rote Augen? Ich beobachte die Augen genau von allen Seiten und sie bleiben rot statt schwarz. Oh nein, ich träume immer noch! So langsam reicht es mir. Die Erwachenswogen folgen so schnell hintereinander, daß mir fast schwindelig wird, aber jedes Erwachen scheint nur eine neue Illusion zu sein. Dieses Ding, das sich Realität nennt, schlägt die ausgebufftesten Haken, um mich abzuhängen, oder aber die Träume wollen mich nicht gehen lassen. Doch statt hier zu warten, daß ich endlich wach werde, könnte ich auch einfach aktiv werden. Vielleicht geht es dann schneller. Zum Beispiel könnte ich Puschel testen. Aufmerksam schaue ich ihr ins Gesicht, wenn dies ein Traum ist, dann wird sie mich gleich anblinzeln können. Erst passiert gar nichts. Sollte ich mich getäuscht haben? Sollte dies bereits die Wachebene sein? Doch dann - tatsächlich - sie blinzelt! Cool! Sie verwandelt sich in ein zweidimensionales Tuch mit einem gemalten Katzengesicht. Mit dem Mund forme ich einen Kuß und sofort formt das Katzengesicht ebenfalls einen sehr menschlichen Kuß. Cool! Vielleicht könnte ich sie etwas fragen? Nach ein paar eher dummen Fragen, die ich gleich wieder verwerfe, frage ich, ob sie mich lieb hat. Ein Satz erscheint auf dem Tuch, in welchem das Böse genannt wird, und eine Art Standbild aus einem Splatterfilm - ein hocherhobenes blitzendes Messer unter dunklen Gestalten. Oh, oh - die Botschaft ist ziemlich deutlich. Ich sollte sie schnell in Ruhe lassen und mich anderem zuwenden. Meine Aufmerksamkeit fällt auf große durchgehende Zimmerfenster. Auf der Straße laufen zwei oder drei elegante, schwarzgekleidete Menschen herum. Ich könnte mich jetzt einfach durch eines dieser Fenster werfen. Augenscheinlich ist es nicht sehr tief und da dies ein Traum ist, kann mir ja nichts passieren, egal was dort draußen ist. Doch mein Schwung ist nicht sehr groß und eher halbherzig, weshalb überhaupt nichts geschieht. Ich bemerke zwei Handwerker im Zimmer und bedeute ihnen, einen Hammer zu nehmen und in eines der Fenster ein Loch zu schlagen. Sie nicken, lassen sich jedoch Zeit, bzw. tun gar nichts. Im Zimmer steht nun eine große Tafel mit weißem Tischtuch, gedeckt mit Kuchen und Kaffeegeschirr. Einer der Handwerker setzt sich an den Tisch, während ich noch überlege, was ich für Traumunsinn anstellen kann. Ich beschließe sie zu verführen und wende mich erst an den, der noch mit seiner Arbeit beschäftigt ist, um mit ihm zu flirten. Aber er ist muffelig und springt nicht an. Nun gut, der andere ist auch noch da. Lasziv lehne ich mich auf seine Schulter und gebe ihm Feuer. Er hält meine Hand mit dem Feuerzeug fest, sehr fest, fast verbrenne ich mir die Finger, bevor er sie losläßt, sie öffnet und sich von meiner Handfläche zu meiner Ellenbogenbeuge küßt. Mitten im Geschehen höre ich meinen (realen) Fernseher knacken und sich einschalten. Gott sei Dank, denke ich enorm erleichtert, daß ich gestern die Weckfunktion eingestellt habe! Damit ist dieser Traum endlich wirklich vorbei. Der Handwerker war sowieso alt und hatte einen Bauch...

Sonntag, 23. Oktober 2011

Unglaublich,

die Meisen bilden eine Warteschlange am Himmel, spionieren vom goldgefärbten Ahorn die Aktivitäten auf meinem Balkon aus, scharren mit den Hufen Krallen und trommeln, um mir zu verstehen zu geben, daß ich gefälligst den Winter einzuläuten und etwas Eßbares in ihrem Vogelrestaurant zu hinterlegen habe. Wenn man dann, angelockt durch den Lärm, zum Fenster kommt, tun sie plötzlich ganz scheu und unschuldig, präsentieren sich (ein Schelm, der Böses dabei denkt) jedoch immer sehr gut sichtbar mit schiefgeneigtem Köpfchen - und ach so verzweifeltem, demonstrativem Picken nach einem Körnlein auf dem puren Holz. Paßt man gerade nicht auf, amüsieren sie sich in den noch immer grünen Erdbeeren, die ich wohl für dieses Jahr abhaken kann. Bisher war ich allerdings egoistisch und habe mich statt mit Vogelfutter mit Adventskalendern eingedeckt - ganze fünf Stück, so viele hatte ich noch nie. Zwei mit Marzipan, zwei mit Schokolade und einer mit frommen Bibelsprüchen. Wenn man nicht sicher sein kann, wieviele Advente man noch erlebt, muß man halt einfach in die Vollen gehen und für fünf feiern. Auch mein Lieblingskalender ist dabei, für den ich sonst in der Regel zu spät komme, da mich Advent oder Weihnachten normalerweise erst interessiert, wenn die Zeit dafür angebrochen ist, man dann aber nur noch den übriggebliebenen Müll bekommt.

Samstag, 22. Oktober 2011

Mütter (Rubrik btw.)

Mütter scheinen jetzt im Trend zu liegen, denn auf meinem Twitterprofil erscheint unter TopTrends der Suchlink "Meine Mutter".
Wenn man ihn klickt, bekommt man jede Menge skurrile und alltägliche Informationen über Mütter:

z.B von @Jewlz_x
"Gekocht, Schwester für die Mathearbeit fit gemacht und jetzt weiter für die Chemieklausur lernen. Meine Mutter? Ähm ja TV."

@oOtrinityOo
"03:00 Uhr Nachts. Rufe jetzt meine Mutter an. Damit Sie mal sieht wie das ist, wenn Sie sonntags 13:00 Uhr bei mir anruft."

@babyfell
"Fazit des Tages: Meine Mutter ist nicht meine Mutter,sondern ein als Frau getarnter Mann,der seine Schlüppis in der ganzen Wohnung verteilt."

@GawinVideo
"Muss wohl mein Twitter Profil SChützen -.- Meine Mutter hat den gefunden und stalkt mich nun"

@ClausHipp
"Nichtmal 30min auf der Autobahn und schon muss meine Mutter auf Klo...na das wird eine klasse Fahrt -_-"

@_itssana
"Meine Mutter fängt um 18.00 Uhr immer an zu reimen. Kann man die Uhr nach stellen."

@xSophiaBeckx
"Meine Mutter hat Blutgruppe Nutella positiv ! (Scherz):D"

@konakona84
"omg -_- meine Mutter ist mittlerweile gottseidank erwachsen geworden. Wieso schaffen das andere Eltern nicht? O_o"

@Vengeful_Fairy
"Meine Mutter und meine Tante sprachen über meine Sexualität. Privatsphäre!?"

@JaRnR
"Vermutlich verbringt meine Mutter die gesamte Woche damit, zu überlegen, welche Dinge sie mir am Samstagmorgen an den Kopf werfen kann."

@Xpaprika
"Meine Mutter verarscht mich? Da lieg 'n Zettel "Draußen ist schön, kannst du aufm Balkon frühstücken.". WTF? Es sind 5-6 Grad?!"

@2light_
"Super nacht! Meine Mutter ist fremd gegangen, mein Vater wollte sich umbrigen und ich Darf Eheberater spielen :D #Awesome"

Elfen jagen

Mitten in der Nacht erwache ich und gehe kurz raus. Als ich mich wieder in das weiß bezogene Bett legen will, fallen mir zwei große Insekten auf, die über dem Bett herum schwirren. Mit denen in der Nähe möchte ich nicht einschlafen, deshalb greife ich nach einem Handtuch und schlage nach ihnen, um sie zu verscheuchen. Da fällt mir auf einmal auf, daß es keine Insekten sind, sondern Elfen - winzige menschenähnliche Gestalten mit großen Libellenflügeln. Inzwischen entdecke ich auch andere davon im Zimmer. Sie sind, soweit ich sehen kann, alle männlich. Eine Elfe hat eine Glatze, drei tiefe Stirnfalten und schaut etwas konsterniert, als ich über ihr mit dem Handtuch herumwedele. Während ich weiter die Elfen jage, gehe ich zur Tür hinaus und einen langen dunklen Gang hinunter. Nach oben schauend nehme ich wahr, daß der Gang aus einer langen Allee endlos hoher Bäume besteht, vermutlich Kiefern, deren Kronen zwischen dunstigen Wolkennebeln verschwinden. Am Ende des Ganges laufe ich nicht weiter, sondern kehre um, denn eigentlich ist keine Elfe mehr zu sehen und mir ist unheimlich, also die besten Gründe, um zurück ins Bett zu steigen. Als ich die Baumallee hinter mir gelassen habe, wende ich mich nach links und suche dort die Tür zu meinem Zimmer. Doch als ich in die offene Tür hineinschaue, ist dahinter nicht mehr mein Zimmer, sondern ein anderer Gang zu sehen. Ich bin verwirrt. Vermutlich führen mich die Elfen jetzt an der Nase herum, sich rächend, weil ich sie verscheuchen wollte. Dann erwache ich.

Freitag, 21. Oktober 2011

Lebensordnungspunkte

Mir spukt da eine neue Krankenhausserien-Fortsetzungsgeschichte im Kopf herum - mit vielen unterirdischen Tunneln und Katakomben (so ganz ohne Grusel kann ich nicht) und einer Liebesgeschichte (so ganz ohne Liebe kann ich auch nicht). Allerdings merke ich ziemlich deutlich, daß jetzt nicht der richtige Moment ist, um mit solch einem Projekt zu beginnen. Dazu brauche ich viel zu dringend meine letzten mir verbliebenden geistigen Ressourcen (so ein Chemobrain fühlt sich an wie ein löchriger Käse und die Wortfindungsstörungen sind übelst), um mein Leben irgendwie auf die Reihe zu kriegen, was mir allerdings wie eine fast unlösbare Aufgabe erscheint. Dementsprechend bin ich fast Tag und Nacht damit beschäftigt, darüber nachzudenken.

Meine Zielsetzungen sind folgende:
Lebenordnungspunkt 1
Gesundheit - damit ich mir hier die ganze Mühe nicht völlig umsonst mache.
Lebensordnungspunkt 2
Ein Job, der mir noch Kraft zum Leben läßt, und zwar wirklich zum Leben und nicht nur zum Essen und Schlafen.
Lebensordnungspunkt 3
Menschen um mich herum, von denen ich mich angenommen fühle, die mich nicht geringschätzig behandeln, und die auch mit meinem Bedürfnis nach Zurückgezogenheit und anderen "Abartigkeiten" zurecht kommen. Es ist wohl eine ziemlich schlechte Idee, sich selbst von der Erde zu radieren, nur weil es einige Leute gibt, die mich nicht besonders schätzen und unentwegt etwas an mir auszusetzen haben.
Lebensordnungspunkt 4
Nerven wie Drahtseile, damit der Konflikt mit meiner Mutter mich nicht dauernd aus der Bahn wirft, welcher vermutlich in den nächsten Jahren noch eskalieren wird, so sehr ich auch versuche, ruhig zu bleiben und sie zu verstehen. Wenn sonst der Hauptstreßfaktor die Arbeit ist, ist es zur Zeit meine Mutter und sie begreift es nicht, ist wahrscheinlich mit 77 auch schon zu alt dafür, daß sie mir mit ihrem Verhalten nur wenig hilft. Nach jedem Telefonat geht es mir schlecht. Manchmal möchte ich nur noch in den Hörer beißen oder wie Charlie Sheen in seiner Serie den Hörer unaufhörlich auf den Tisch knallen.
Lebensordnungspunkt 5
Die nächsten fünf Jahre Tamoxifen ohne einsetzende Eierstockfunktion und ohne, daß ich ständig aussehe wie ein Streuselkuchen, zu überstehen. Aber darauf habe ich wohl eher geringen Einfluß.

Ich habe keinen Schimmer, wie ich das alles anstellen soll, aber vielleicht brauche ich einfach nur noch etwas mehr Gehirnkapazität.
Desweiteren zerbreche ich mir den Kopf über die Qualität meines Weblogs. So wie es jetzt ist, gefällt es mir nicht mehr - zu wenig Qualität, zu viel Quantität und immer dieselben doofen Themen. Ich glaube, ich brauche ein Qualitätsmanagement. Allerdings haben die anderen Dinge Vorrang und deshalb wird sich wohl (hoffentlich) erst etwas ändern, wenn ich wieder einen klaren Kopf besitze und sich weniger Lasten auf meinen Schultern befinden, die mir die Flügel stutzen. Und während ich das schreibe, fällt mir ein Satz ein, den ich letztens irgendwo gehört habe: Für jene die Geld haben und gesund sind, ist es leicht, ein guter Mensch zu sein.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Beschwipste Brötchen

Im Supermarkt fielen mir heute diese Knack&Back-Sonntagsbrötchen in die Hände. Ganz einfach zum Aufbacken aus der Dose. Ich glaubte aber meinen Augen nicht zu trauen, als ich in der Zutatenliste las, daß sich neben Zucker auch Alkohol in den Brötchen befindet. Da fragt man sich echt, was Alkohol in Brötchen zu suchen hat. Schließlich wollte ich nicht schon am Sonntagmorgen mit dem Saufen anfangen. Selbst zu backen hat doch einige unschätzbare Vorteile.

PS: Bei dieser Gelegenheit lege ich meinen geschätzten Lesern mal wieder die Mitmach-Aktionen von Foodwatch ans treue Herzchen.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Süße-Teilchen-Therapie und Begegnungen auf dem Friedhof

Nachdem ich die Praxis der Onkologin betreten hatte, für welche mir die eine freundliche Ärztin der Strahlenklinik einen ungeplanten Termin besorgt hatte, war ich erst etwas skeptisch, ob die Warterei wirklich viel bringt, zumal ich ja sämtliche Nachsorge-Untersuchungen bereits mit meiner Gynäkologin abgegessen hatte. Zwei Wartezimmer waren knackend voll und an der Anmeldung wurde ich kurz angebunden darauf hingewiesen, daß ich meinen Überweisungsschein irgendwo hineinzulegen habe. Danach hieß es drei Stunden warten. Während der Wartezeit konnte ich Gespräche mithören, in denen Patienten erzählten, daß dieser oder jener, der bei der Onkologin in Behandlung war, gestorben ist. Das führte mich zu inneren Betrachtungen darüber, daß Onkologen ja blöderweise eine grundlegende sch.... Reputation haben, wenn man ständig hört, daß Patienten von ihnen gestorben sind, selbst wenn das in diesem Fall völlig normal ist, da immer welche auf der Strecke bleiben.
Endlich war ich an der Reihe und ich muß sagen, daß ich noch nie solch ein Arztgespräch erlebt habe. Ich weiß nicht, wie lange ich im Sprechzimmer war - mir kam es vor wie mehr als eine Stunde - wahrscheinlich war es weniger, aber die Ärztin hat wirklich an alles gedacht und alles abgefragt, nicht nur die Anamnese, sondern auch die behördliche Situation (Schwerbeschädigtenausweis), berufliche und private Situation. Und anders als ich es gewöhnt bin von den meisten Ärzten, bei denen man immer erst fragen und ansprechen muß, hat sie mir von sich aus alles angeboten, was mein Herz begehrt: Medikamente, Verordnungen, Lymphdrainage, Krankschreibung, Untersuchungen, Kuren, da ich aber schon alles hatte, bot sie mir außerdem noch Tee, Wasser, Bonbons und schließlich - "Ich weiß was! Das ist hier was für Sie - ein süßes Teilchen frisch aus dem -KaDeWe!" - an. Das Teilchen sah in der Tat verlockend aus, allerdings lehnte ich ab und nahm lieber das Bonbon, denn schließlich brauchen Ärzte an einem langen Arbeitstag ihre Verpflegung. Ich kenne das ja aus meinem Job, wo man immer mal wieder von Klienten um die Frühstücksstullen angebettelt wird, so als hätten die Leute schon seit einer Woche nichts mehr gegessen. Umgekehrt gibt es aber auch. Als wir noch die Kriegsflüchtlinge in Betreuung hatten, gab es eine Kroatin, die mir zu jedem Termin ein großes Kuchenpaket mitgebracht hat, so als würde ich total verhungert aussehen. Eigentlich dürfen wir nichts von Klienten annehmen. Nach offiziellen Richtlinien hätte jedes Kuchenpaket der Büroleitung gemeldet werden müssen und diese hätten entschieden, an welches Waisenhaus das Kuchenpaket geht. Und wenn das Kuchenpaket im Waisenhaus angekommen wäre, wäre es vermutlich nicht mehr genießbar gewesen. Aber glücklicherweise haben es unsere Teamleiter damals eher locker gesehen, so daß solche kleinen Mitbringsel dann doch von uns verzehrt werden durften. Dieselbe Klientin hat mich auch einmal zu einem Urlaub in Kroatien eingeladen. Wahrscheinlich habe ich nicht nur verhungert, sondern total fertig ausgesehen. Das habe ich dann aber abgelehnt. Wenn man so beim Arzt süße Teilchen aus dem KaDeWe angeboten bekommt, fühlt man sich fast als Privatpatient. Das Gespräch kam auf die Schmerzen in den rechten Rippen zu sprechen, die ich schon seit Monaten habe und weshalb mir die Klinikärztin eigentlich den Termin verschafft hatte. Nun hatten die Nachsorgeuntersuchungen ergeben, daß alles schön ist - schöne Lunge, schöne Leber, schöne Milz und überhaupt alles bestens. Ich erzählte ihr, daß die Schmerzen immer stärker werden, wenn ich Ärger, Streß oder Sorgen habe. Sie rätselte sichtlich herum, kam auf die Galle (wegen der Sprüche "Da läuft einem die Galle über", "Galle spucken" usw. hatte ich daran ebenfalls schon gedacht), aber bei der Sonographie war auch in der Galle alles bestens. So richtig konnte sie mir nicht sagen, was die Ursache ist und ich bot ihr meine Erklärung dafür an, daß es von der verkorksten Wirbelsäule kommt und den Nerven die davon abgehen, und sich bei Ärger oder Streß verstärkt, weil sich meine Muskeln dann verhärten und verkrampfen. Das hielt sie für gut möglich. Ich finde es ja allgemein angenehm bei Ärzten, wenn sie auch mal zugeben können, etwas nicht zu wissen, statt einem das Gefühl zu geben, nicht für voll genommen zu werden. Ich kenne das von meiner Allgemeinärztin her - wenn ich Beschwerden habe, die irgendwie untypisch sind und nicht passen (was bei mir fast die Regel ist als die Ausnahme, warum auch immer), bekomme ich generell erst einmal zu hören: "Das geht nicht! Das kann nicht sein! Das passt nicht!" und sie hat einen richtig bösen Gesichtsausdruck. Wahrscheinlich guckt sie gar nicht böse, sondern einfach nur angestrengt, aber es reicht, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Ich fühle mich dann tatsächlich schuldig, obwohl ich nichts anderes getan habe, als Beschwerden zu haben, die nicht in das medizinische Fachbuch passen. Und das mache ich ja nun nicht mit Absicht.
Das Gespräch kam weiter auf das Angebot der Psychoonkologin und ich war erstmal nicht sehr begeistert. Ich sagte, ich hätte schon Gespräche in der Klinik gehabt, ohne weiteres von meinen einschlägigen Erfahrungen zu berichten. Das tat sie stattdessen, indem sie meinte, sie hätte schon von anderen gehört, daß diese Psychoonkologin in der Klinik nicht besonders gut angenommen werden würde. Aber der Ansatz der Praxis-Psychoonkologin sei ganz anders. Das, was sie mir über den Ansatz erzählte, klang zwar eigentlich genauso wie der Ansatz aus der Klinik, aber Ansätze kann man ja auch unterschiedlich bearbeiten. Also dachte ich mir, es kann ja nicht schaden, es mit dieser anderen Psychoonkologin noch einmal zu versuchen und bekam einen Termin. Überhaupt sagte mir die Ärztin Sachen, die ich selbst nicht wage zu sagen, da man ja nicht weiß, ob man dann nicht noch ein paar paranoide Störungen angehängt bekommt. Aber wenn ich von einer Ärztin höre, daß die Gesellschaft krank ist und das Gesundheitssystem krank ist, und wir nur versuchen, das Beste daraus zu machen, würde ich das so keinesfalls abstreiten. Weiterhin empfahl sie mir das Buch "Krebszellen mögen keine Himbeeren" und ich konnte ihr vermelden, daß ich das Buch bereits besitze und auch schon gelesen habe. Zum Abschied dann bekam ich gleich vier oder fünf Umarmungen, sowie das Kompliment, daß ich eine zauberhafte und hübsche junge Frau sei. Na ja, ich hatte ja bereits von den Fahrern des Fahrdienstes gehört, daß sowas in der Praxis dort üblich ist, aber ganz so exzessiv hätte ich es mir nicht vorgestellt. Doch ich finde, an so eine Komplimente-Umarmungs-süße-Teilchen-Therapie könnte man sich gewöhnen.
Eigentlich hatte ich geplant, nach dem Arztbesuch noch rauszufahren, aber da es inzwischen viel zu spät war, beschloß ich mir die Beine auf dem jüdischen Friedhof zu vertreten, der auf dem Weg liegt. Zwar habe ich im Moment einige Abneigungen gegen Friedhöfe, doch dieser Friedhof ist so alt und verwachsen, daß er trotzdem immer wieder schön ist. Das erste, was mir auf dem Friedhof entgegen kam, war ein Mann, der mir irgendwie bekannt vorkam. Als er mich sogar grüßte, erkannte ich einen früheren Klienten von mir. An den Knasttätowierungen am Auge ist er sowieso relativ leicht zu erkennen, allerdings hat er inzwischen einen Schnurrbart. Erstaunlich fand ich, daß er mich auch erkannt hat, obwohl es mindestens elf bis zwölf Jahre her ist und ich außerdem eine völlig andere Frisur habe. Wahrscheinlich macht er diese 3-EUR-Jobs auf dem Friedhof. Das nächste, was mir begegnete, war eine schwarze Katze auf einem Grabstein. Sicher die Friedhofskatze, die dort Mäuse fangen soll. Leider konnte ich mich nicht allzu lange mit ihr aufhalten, da ich keine Uhr hatte, und nicht wieder an der verschlossenen Friedhofspforte kratzen wollte, wie beim letzten Mal. Was bedeutet eigentlich eine schwarze Katze auf dem Friedhof, die weder von links nach rechts, noch von rechts nach links läuft?

Friedhof 1

Friedhof 2

Friedhof 3

Sonntag, 16. Oktober 2011

Die besten Gründe, seine Eltern nicht zu erschießen | 2

Hier nun auf Wunsch die vollständige Version des Artikels mit allen Elterntypen zum Herunterladen:

Der Psychotherapeut von Marilyn Monroe

Völlig überraschend erfahre ich, daß ich mit den Bestrahlungen noch längst nicht fertig bin, sondern weitere 14 Tage bestrahlt werden muß. Allerdings ist mein körperlicher Zustand so miserabel, daß ich überhaupt nicht mehr in der Lage bin, mich um irgendetwas zu kümmern. Kaum selbst laufen oder mich anziehen kann ich mehr, und anscheinend auch keine Entscheidungen treffen. Meine Mutter übernimmt die Betreuung für mich, eine amtliche, die alle Entscheidungsfragen umfaßt, und spricht sich mit meinem Bruder, der inzwischen Heilpraktiker geworden ist, ab. In dessen Nähe befindet sich ein Psychotherapeut, welcher einen eigenen Fahrdienst hat. Das trifft sich gut, denn für die Bestrahlungen brauche ich einen neuen Fahrdienst, da ja der Einsatz des früheren Dienstes bereits beendet ist. Man entscheidet also, es zur Aufgabe des Psychotherapeuten zu machen, mich durch die restlichen Behandlungen zu bringen. Dazu werde ich in eine Wohnung gebracht, die sich in der Nähe des Psychotherapeuten befindet und ebenfalls zu seiner Praxis gehört, wahrscheinlich für besondere Patienten. Regelmäßig kommt hier der beim Arzt angestellte Mann vom Fahrdienst, um mich abzuholen und zurückzubringen. Es ist ein Bär von einem Mann, italienisches Aussehen, mit vielen Kettchen am Arm und einer fiesen Visage. Irgendwoher weiß ich, daß der Psychotherapeut früher Marilyn Monroe behandelt hat. Es wundert mich zwar, daß er immer noch praktiziert, denn eigentlich müßte er dann ziemlich alt sein, aber vielleicht war er damals noch sehr jung. Und er ist mir einschließlich seiner Leute vom "Fahrdienst" sehr suspekt, denn es scheint mir, als würden die alle zur Mafia gehören. Das aber nicht nur, weil sie mit ihren "'Mafiagesichtern' so aussehen, sondern es geschehen außerdem merkwürdige Sachen. Da es die Wohnung des Psychotherapeuten ist, hat er einen Schlüssel dafür, und oft merke ich nachts, daß ich von jemandem wachgemacht werde, ohne allerdings richtig wach zu werden, da ich mit Schlafmitteln vollgestopft bin, die ich anscheinend von ihnen verabreicht bekomme. So orientierungslos und noch fast bewußtlos gibt man mir einige Papiere, die ich völlig im Nebel unterschreibe, ohne daß ich mich hinterher genau erinnern kann, was eigentlich vorgefallen ist und was ich getan habe. Meiner Mutter vertraue ich zwar noch, aber ich finde es seltsam, daß sie mich so einem Arzt anvertraut. Merkt sie davon nichts? Jedenfalls finde ich es tröstlich, daß es ja nur für 14 Tage sein soll und sie mich hinterher sicher wieder weglassen. Irgendwo in der Wohnung finde ich schließlich ein Videoband, welches ich mir anschaue. Es zeigt die Großaufnahme des Kopfes einer blonden Frau, so als wäre es ein Interview. Erst meine ich, die Frau nicht zu kennen, doch dann dämmert mir, daß es Marilyn Monroe sein könnte, obwohl es nicht das Gesicht ist, das ich von ihr kenne. Es ist ohne jede Schminke - abgehärmt, mit trockenen Hautschüppchen überzogen und leicht gealtert. Fältchen ziehen sich um die Augen, eine große Falte zieht sich mitten über die Stirn, und aus dem blassen, leicht geöffneten Mund schauen bräunlich verfärbte Zähne hervor. Nur die großen Augen und die platinblonden Haare erinnern an Marilyn Monroe.

Samstag, 15. Oktober 2011

Die besten Gründe, seine Eltern nicht zu erschießen

(aus einer alten Zeitschrift, die ich gerade gefunden habe - bei mir der Typ 'Streit-Eltern')
"Der durchschnittliche Lärmpegel im elterlichen Wohnzimmer hatte Flughafen-Frankfurt-Niveau, und Türen wurden nie einfach geschlossen, sondern immer geworfen. Unsere ersten Worte waren nicht 'Mama' und 'Papa', sondern 'Ssseiße' und 'A-loch'. Streit-Eltern haben sich mehr in den Haaren gehabt, als über unsere gestreichelt. Sie waren so damit beschäftigt, sich gegenseitig vorzuwerfen, wie schlecht sie sich benommen hätten, dass wir inzwischen unbemerkt mit dem Finger in der Steckdose bohren konnten. Natürlich hat das Folgen: Wir sind relativ unausgeglichen, manchmal cholerisch, sehr lärmempfindlich und vermeiden direkten Hautkontakt mit Stromquellen aller Art. Jetzt können wir in alter Freud-Tradition die Eltern verteufeln - aber von wegen:
1.) Durch jahrelange Dauerbelastung sind wir als Kinder von Streit-Eltern besonders tolerant (wen stört es heute, wenn zwei sich streiten?). 2.) Wir sind diplomatisch (auf Grund lang geübter Lärmvermeidungs-Strategien). Und 3.) kennen wir, Scheißendreck, verdammt viele Schimpfwörter!"

Heilige Scheiße, ich finde, da ist verdammt viel Wahres dran! Und meine Lärmvermeidungs-Strategien werden von Jahr zu Jahr immer ausgefeilter. *lol*

Unsichtbare Kommunikation

Ein wunderschönes Gefühl der Nähe und Verbundenheit mit K., doch bald darauf bin ich allein, vor mir ein Behälter mit bunten Stiften. Sie stehen ziemlich wild durcheinander, manche von ihnen nur locker zwischen die anderen gesteckt und ohne dabei den Boden zu berühren. So ganz nebenbei und ohne mir etwas dabei zu denken, klopfe ich dreimal auf das obere Ende eines von ihnen bis dieser völlig nach unten gerutscht ist. Gleich darauf sehe ich, wie ein zweiter Stift ebenfalls drei Schläge erhält und nach unten rutscht. Jedoch habe ich diesen zweiten Stift nicht angefaßt und es ist auch niemand neben mir zu sehen. Sofort weiß ich, daß es K. war. Dort, wo er ist, kann ich ihn nicht sehen und er nicht mich. Aber dieser Behälter mit den Stiften ist an beiden Orten völlig gleich. Eine geniale Idee, darüber zu kommunizieren! Jeder von uns sieht sofort, daß der andere nicht weit weg ist, sondern ganz im Gegenteil sehr nah, wenn auch nicht sichtbar. Begeistert klopfe ich einen dritten Stift in die Dose als Zeichen, daß ich verstanden habe.

Freitag, 14. Oktober 2011

Endlich mal

ein leckerer Adventskalender, der nicht dick macht. Aber irgendwie reizt mich Schokolade mehr. Noch besser Schokolade mit Marzipan. Warum gibt es eigentlich keine Adventskalender mit Männern UND Schokolade UND Marzipan?

Donnerstag, 13. Oktober 2011

War ja klar,

daß man, geht man an einem Saturn-Tag auf einen Spaziergang und auf die Suche nach idyllischen Orten, nur Mülldeponien findet. Sie säumten meinen Weg, die Bilder zeigen bei weitem nicht alle.

Müllhalde 1

Müllhalde 3

Der abgetakelte Reiher, den jemand in eine morsche Baumwurzel drapiert hatte, war wenigstens noch ganz witzig:

Müllhalde 2

Doch dann - ein klarer Bergsee mitten in Berlin (muß ja niemand wissen, daß diese Berge ebenfalls nur Mülldeponien sind).

Müllhalde 4

Ich glaube, das war sogar der See, an dem ich vor zwanzig Jahren mit meinen Kumpels zum Angeln gewesen bin. Jedenfalls muß das irgendwo dort in der Nähe sein.