habe ich es gehasst, Aufsätze zu schreiben. Und ich hasse es heute noch, über Dinge zu schreiben, über die ich nicht schreiben möchte. Insbesondere, wenn diese bereits anderswo geschrieben worden sind. Als Journalist wäre ich eine Katastrophe. Zum Glück hat das auch meine Mutter als Redakteurin rechtzeitig erkannt, wenn ich quengelnd und völlig unausstehlich über meinen Hausaufsätzen saß. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Ebenfalls sehr dankbar bin ich meinem Vater, daß er mich nicht gezwungen hat, Pastorin zu werden. Predigen hasse ich nämlich ebenso.
Als ich heute im büro auf den fahrstuhl wartete, standen zwei klienten vor mir, die sich angeregt über ihre schufa-einträge unterhielten. Da es ewig dauerte bis der fahrstuhl kam, blickte ich schnell an dem einen vorbei auf die anzeige, um zu sehen, ob sie leuchtet. Das war der auslöser dafür, dass sie mich inmitten ihres gespräches auf einmal wahrnahmen und einer von den beiden nun einen flirtvorstoß wagte, in dem er anfing, was von meinen augen zu faseln. Unter anderem sagte er, dass ich augen wie Terence Hill hätte. Na ja, mit einem gewissen pegel alkohol im blut wird es wahrscheinlich schwierig, blau von grün zu unterscheiden. Weil er auch seinem kumpel gleich die großartige entdeckung meiner augen mitteilen mußte, starrten mich schließlich beide während des fahrstuhlfahrens an und redeten über meine augen, während ich mir einen grinste und bei mir dachte: Ich warte auf den tag, an dem jemand zu mir sagt, ich hätte augen wie Terence Hill und sehe aus wie Bud Spencer.
And I say heyyy heyyy heyyy heyyyyyyyyyyy, heyyy heyyy heyyy, I say heyyyyyyyyyyyyyyy - ist das echt schon wieder so lange her, daß man die ersten nostalgiesendungen über die 90iger im fernsehen sehen kann?
Und ich gestehe - ich war auch dabei. Aber das ist für mich kein grund, mich unter dem wohnzimmersofa zu verstecken, auch wenn ich fast alles mitgemacht habe, 'cause I'm Mrs. Vain. Da ich jedes wochenende mit meinen bekannten um die häuser, bzw. in die diskos gezogen bin, ließ sich das eben kaum vermeiden....groove is in the heart, yeahhhhh.
Es gab zum beispiel so tolle dinge wie die leggings, die ich am liebsten zum rock trug....unbelieveable. Glücklicherweise hielt dieser trend nicht lange an und ich trieb im silber-glitzer-fummel mit dem boot in die weiten des trance-himmels. Techno Technoooo....go to the moon. Ab da hieß die disko dann nicht mehr disko, sondern club.
In der zeit des cult of snap traf ich R., dessen herz ich brach und meines gleich mit dazu. Aber the show must go on und bald darauf war ich herz an herz mit A.. Baby, I still got the blues for you. Etwas später, R.no.2 justified my love, nachdem er sich mehrere monate nicht getraut hatte.
Allerdings hatte ich damals nicht viel geld und um the rythm of the night an den wochenenden zu spüren, legte ich mir anfang des monats das dafür benötigte geld zur seite und hatte ende des monats manchmal nur noch 5 DM in der woche zur verfügung, um mich davon zu ernähren, it's no good. An einen computer war auch in sweet dreams nicht zu denken und meine wäsche wusch ich mit der hand. Mayday, mayday! Aber weggehen mußte sein. Das war ne coole zeit und ich glaube, ohne den spaß an den wochenenden mit meinen freunden, hätte ich den anderen mist wohl nicht überlebt.....sing hallelujah. Welcome to tomorrow - das fürs feiern zurückgelegte geld war sozusagen meine überlebensinvestition, u got 2 know.
Deshalb kann ich guten gewissens sagen - let the music move your body!
Wiedergefunden und ausgebuddelt - ich glaube, ich habe den Brief schon einmal gepostet, aber weil er so schön ist und ich immer vergesse, daß ich mal Grizzlybär hieß, schadet es nichts, es noch einmal zu tun. Welch ein Glück, daß mein Vater den Brief aufgehoben hat.
Die Stille ist fort und auch die Weite. Eine blasse Erinnerung an einen Frieden, der meine Welt wieder geradegerückt hat. Die Sehnsucht danach bleibt. Die Sehnsucht nach allumfassender Liebe und dem Ruhen in dem was ist. Das Wollen ist stark. Zu stark. Der Wunsch nichts anderes mehr zu wollen. Dabei ist es doch gerade dieses Wollen, das die Einheit wieder zerstört. Wie schwer ist es doch, still zu werden, ohne etwas zu wollen, zu erwarten, zu erdenken. Und um wieviel schwerer ist es doch, still zu bleiben, wenn um einen herum die inneren wie äußeren Machtkämpfe toben. Manchmal ist es anscheinend nötig, daß der Verstand sich endlos um sich selbst dreht, um zu begreifen, daß dort nichts ist, das er begreifen könnte. Wirklich verstehen kann nur das Herz. Was bleibt ist die Gewißheit, daß es etwas gibt, das die Antwort auf alle Fragen ist, rein, klar und ursprünglich, und wodurch alles unauflöslich miteinander verbunden ist.
Als Kind bin ich, schon aufgrund meiner Herkunft, regelmäßig in die Christenlehre gegangen. Dies war zu den damaligen DDR-Zeiten relativ ungewöhnlich. Meist gab es an einer Schule nur sehr wenige Kinder, welche dies taten und meist waren sie allgemein bekannt, obwohl man von seinen Eltern immer dringenst ermahnt wurde, nicht zu viel über solche Aktivitäten an der Schule zu erzählen. Schließlich wollte man sich möglichst nicht ins Kreuzfeuer für gesellschaftliche Repressalien begeben. Von diesen eventuellen Repressalien hörte ich zwar von meinen Eltern, glücklicherweise erlebte ich sie selbst aber nie, zumindest nicht bewußt. Sogar zum Abitur wurde ich zugelassen, was in der Regel nur für 2-3 Schüler einer Klasse möglich war, allerdings erst auf Widerspruch meines Vaters hin. Natürlich redete man trotzdem, die anderen Kinder waren ja immer neugierig und wollten wissen, was wir in der Christenlehre so tun. Wir saßen dort in einem kleinen Grüppchen um den Tisch herum, bekamen Geschichten aus der Bibel vorgelesen, spielten lustige Spiele (auch welche aus dem Westen, was besonders spannend für uns war) oder sangen Lieder wie "Geh aus mein Herz und suche Freud". Es gab weder Hausaufgaben, zumindest nur ganz selten mal was auswendigzulernen, wie das Glaubensbekenntnis, noch war es sehr anstrengend. Es war eigentlich der einzige Unterricht, bis auf den Kunst- und Englischunterricht, in den ich gerne gegangen bin. Auch lernte es sich in dieser kleinen Gruppe viel gemütlicher, als in den 25-30köpfigen Schulklassen. Außerdem hatte ich noch den großen Vorteil, um den man mich beneidete, nur von unserer Wohnung aus eine Treppe höher bis in den Gemeinderaum zu müssen. Nach der Christenlehrestunde schloß sich oft ein gemeinsames Spielen auf dem Hof an. Unsere Katechetin war nett, rundlich und selten aus der Ruhe zu bringen. Wie ich gehört habe, ist sie bereits verstorben. Ich erinnere mich daran, daß wir einmal gemeinsam am Saalfenster standen, auf die anderen warteten und ich ihr von oben meine damals angelachte Katze zeigte (während meiner Kindheit lockte ich ständig Katzen an und meine Eltern hielten nicht lange stand, die Wohnung katzenfrei zu halten), die gerade unten herum streunte. Sie fragte mich, ob sie einen Namen hätte und als ich verneinte, erzählte sie etwas von einem Kater Kasimir. Dieser Moment ist fest in meinem Gedächtnis verankert. Die Hofkatze, die wir von oben betrachtet hatten, wurde bald zusammen mit ihren Jungen abgeholt. Meine Mutter erzählt heute noch, ich hätte am Fenster gestanden und Rotz und Wasser geheult. Ich selbst kann mich daran nicht erinnern, manchmal frage ich mich, ob das nicht eine zu späterem Leben erwachte Dichtung meiner Mutter ist, aber irgendwie muß ich es ja geschafft haben, sie zu erweichen. Kurz bevor die bösen Männer kommen sollten, gab sie mir einen Schubs und sagte im rüden Tonfall "Hol dir eine!" Ich verstand erst nicht. "Los! Hol dir eine Katze! Schnell!" Ich preschte die Treppen hinunter wie ein Wirbelwind, kroch atemlos hinter die Bretter, wo das Katzennest war und griff das erste beste murkelige kleine Fellbündel, was mir vor die Füße taumelte. Es tat mir weh, es von den anderen wegzureißen, aber zumindest würde es gerettet sein. Fest hielt ich es an die Brust gedrückt, als ich die Treppen wieder herauf stürmte, um es in Sicherheit zu bringen. Am nächsten Tag besorgte meine Mutter ein Katzenklo und einen Termin beim Tierarzt. Sie sagt heute, sie dachte an diesem Tag, ich würde es ihr nie verzeihen, wenn man mir alle Katzen wegnehmen würde. Ich will nicht sagen, daß die kleine Katze einen Glücksstern hatte, als genau sie in meine Fänge geriet. Sie paßte in einen Handteller, war noch so winzig und klein und völlig ohne Mutter. Die ersten Wochen fütterte ich sie mit einem mit Milch gefülltem Fläschchen und sie schien völlig verloren, wenn sie sich auf der Matratze aus meinem Puppenwagen, die ich für sie geopfert hatte, in eine Ecke zusammenrollte. Als ich gefragt wurde, wie sie heißen soll, dachte ich sofort an den Moment im Gemeinderaum und nannte sie Kasimira. Mein Vater fand den Namen total blöd. "Was soll das denn für ein Name sein? Das ist doch gar kein richtiger Name. Sowas Doofes!" Er nannte sie deshalb auch nur "Mulle", bei meiner Mutter hieß sie "Mieze" oder "Miezchen". Ich war die einzige, die sie wirklich Kasimira nannte, allerdings kürzte ich oft auf "Kasi" ab, nicht zu verwechseln mit "Hasi". So ist das, wenn man ignorante Eltern hat. Für mich ist das noch heute ein völlig normaler Name. Warum ich das alles schreibe? Weil ich heute einen Klienten bekam, der Kasimir heißt.
Jugendherberge auf verschneitem Berg. Verschneite einsame Höfe zwischen stillweißen Bäumen. Meine Freundin, ich und vier Doppelstockbetten für uns alleine. Jede Nacht ein anderes Bett, tagsüber, neben rasanten Schlittenabfahrten im menschenleeren Wald, Orgien mit Jojos, auswendig gelernten Aha-Liedern und Sahnetorte aus der heimischen Bäckerei. Dazu drei Kilometer durch den Schnee hinunter ins Dorf stapfen. Bei mindestens sechs Kilometer Fußmarsch oder mehr und klirrender Kälte braucht man schließlich Energie, viel Energie. Kichern und Lachen über unsere geheimen Sahneentgleisungen. Die Eltern wissen ja nicht, wovon wir uns während der Ferien ernähren. Die sind weit, weit weg im fernen Berlin. Und kein Wort wird jemals über unsere Lippen kommen.
Ich glaube, ich habe das schon einmal geschrieben, aber ich finde, mein Ahn sieht aus wie Nosferatu. Er war übrigens Arbeiter in einer optischen Anstalt (ja, ja, das sagen sie alle), neben dem Bäckerhandwerk (von dergleichen Fähigkeiten aber nichts auf mich übergesprungen ist) das traditionelle Gewerbe unserer Familie. Inwieweit dies damit zusammen hängt, daß die meisten auch dicke Brillen tragen, wage ich nicht zu beurteilen.
Ich mag Jim Morrison nicht besonders. Ehrlich jetzt. Jeder denkt, wenn man gerne The Doors hört, müsse man Jim Morrison mögen. Das stimmt nicht. Zum Beispiel finde ich ihn nicht besonders gutaussehend und attraktiv (ok, bis auf die Hüften, als er noch schlank war - aber das Gesicht ist doch wirklich gruselig). Vielleicht habe ich aber auch nur so ein gespaltenes Verhältnis zu ihm, weil ich in meinen ersten vier Schuljahren einen Mitschüler hatte, der genauso wie ein kleiner Jim Morrison aussah. Er hatte dieselben Schlupfaugen, dasselbe flache Gesicht und denselben Trotzmund. Außerdem auch noch genau die gleiche Frisur, was die Eltern wohl absichtlich so wollten. Er war ein Rabauke wie Jim Morrison, nur an Intelligenz mangelte es ihm völlig (ganz im Gegensatz zum Vorbild). Ich mag zum zweiten die Stimme und den Gesang von Jim Morrison nicht besonders, sondern war schon immer der Meinung, daß viele der Doors-Songs instrumental sehr gut kommen, weshalb ich mich meistens mehr auf die Begleitung konzentriere. Das ist ungefähr so wie bei den Wagner-Opern, nur mit dem Unterschied, daß bei den Doors der Gesang die Songs nicht sehr viel schlechter macht und man das halt wegen der Lyrics akzeptiert. Allerdings gibt es auch hier eine einzige Ausnahme, nämlich diese paar Zeilen "When the music's over, when the music's over, yeeeeaaaaahhh....turn out the lights, turn out the lights", von ihm gesungen mit diesem Timbre wie tropfender zähflüssiger Sirup in der Stimme, die ich immer wieder hören könnte.
meinen Vater in "Verkleidung" habe ich ja noch erkannt, aber seit ich die gescannten Familiendias das erste Mal gesehen habe, ständig überlegt, wer wohl dieser junge Mann ist, der zwischen ihm und meiner Mutter steht. Heute fiel mir gänzlich unerwartet ein, daß es wohl am wahrscheinlichsten wäre, meinen Bruder dort zu finden. Also schaute ich es nochmals genauer an - tatsächlich mein Bruder mit Bürstenschnitt! Hilfe! Aber ok, zu meiner Konfirmation trug ich einen französischen Zopf. Auch nicht viel besser.