Die zerrissenen Seiten
ich vergaß noch zu erwähnen, daß ich, wenn man mit mir direkt und persönlich kommuniziert, zu einem männerverschlingenden Monster mutiere und niemanden wieder gehen lasse. Sobald ein persönliches Gespräch mit mir in Gang kommt, schwupps, ist man auch schon mit mir verheiratet und hat gaaanz viel Verantwortung und gaaaanz viel Belastung am Hals. Also hütet euch und vor allem, steht NIE, aber wirklich NIEMALS zu dem, was ihr äußert, denn ich könnte euch beim Wort nehmen. (Achtung, Ironie!)
Ja, ja, ich bin hinterhältig, schnippisch, sarkastisch, kritisch und unüberlegt, ich bin anstrengend, zurückgeblieben und niemand will etwas mit mir zu tun haben, aber ehrlich, ich kenne Leute, die sind ein ganzes Ende schlimmer als ich und seltsamerweise sind gerade diese es, die sich am liebsten darüber aufregen, wenn ich hier in meiner Blognische Ärger und Befindlichkeiten aus meinem eigenen Leben loswerde und verarbeite - und wenn ich mich freue, ist es ebenso falsch. Irgendwie ist es schon merkwürdig, daß einige ihr Leben anscheinend nur über die Gefühle von anderen zu leben vermögen, indem sie diese als überflüssig analysieren und brandmarken. Ärger gehört zum Leben wie die Freude, wer sich nicht ärgern kann, kann sich auch nicht freuen. Lieber habe ich echte Emotionen, als in so einem von allem angewiderten, überdrüssigen, kopfsüffisanten Dauerzustand dahinzuvegetieren. Wer so lebt, der ist schon tot. Im Prinzip könnte mir das ja egal sein, jeder soll so leben wie er will, aber wenn ich als zu prügelnde Projektionsfläche herhalten soll, gebe ich dir den guten Rat, schaue erst einmal in den Spiegel und überwinde den Ekel vor dir selbst. Dann kannst du immer noch andere verurteilen, falls du es noch nötig hast.
Was ist das?
Und das?
Tut euch keinen Zwang an...
Um auch sinnlich ein Verständnis für das Befinden meiner Mutter zu bekommen, starte ich einen Selbstversuch so wie ich mich in einen Charakter als Schauspielerin/Regisseurin einarbeiten würde. Ich trinke zwei Liter warmen Tee, nehme die Unterteile eines Besens und eines Schrubbers und schnalle sie mir unter die Sohlen von zwei verschieden hohen Schuhen, um die Arthrose zu simulieren. Nehme eine alte Brille meiner Großmutter, verkleinere das Sichtfeld mit dunklem Klebeband, beschmiere den Rest mit Spülmittel, lege eine Einlage aus dem Krankenhaus ein, stopfe mir die alten Hörgeräte meines Vaters in die Ohren, verstelle sie sinnlos, nehme Mutters Stock und schwanke so ins Treppenhaus. Wahrscheinlich sollte ich noch drei Cognac trinken, doch darauf verzichte ich. Dafür atme ich bewußt falsch, hyperventiliere fast. Nach der dritten Treppe stellt sich eine Unsicherheit ein. Ich halte die vermaledeiten 76 Stufen durch. Ungeduld und Wut kommen in mir hoch: Ich möchte es besser können. Scheiße, ich könnte schneller sein. Zurück nach oben spüre ich die Anstrengung, mir ist schwindelig und schlecht. Ich uriniere absichtlich in die Einlage, sie saugt nicht alles auf. Urin fließt an meinen Beinen herunter in meine Schuhe. Ich höre den Schlüssel meiner Nachbarn im Schloss, nee, ist mir das peinlich! Ich flüchte in die Wohnung zurück, werde das Malheur gleich aufwischen. Wie meine Mutter das ohne meine Kraft schafft, ist mir ein Rätsel, immerhin trennen uns 39 Jahre.
(aus "Hilfe, meine Eltern sind alt" von Ilse Biberti)
So genau würde ich nun gar nicht wissen wollen wie das ist. Ich fand es in den letzten Jahren schon beängstigend genug, wenn der Rücken streikt und man auf sich alleine gestellt ist.
Gestern lief als TV-Premiere das Remake des Filmes. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich damals in den Sommerferien in einem Kino in Dresden das Original mit meiner Freundin sah. Inzwischen habe ich das Original auch im Fernsehen einige Male gesehen und es gefällt mir noch immer besser. Mir kommt es vor, als würden die Filme heutzutage, je toller, aufwendiger und technisch perfekter die Effekte werden, um so weniger Persönlichkeit, Eigenart und Charme besitzen. Fast scheint es, als würde die Handlung den Effekten und Tricks auf den Leib geschrieben, statt umgekehrt und vermutlich ist es auch so. Da kann es dann schon mal vorkommen, daß Perseus mit ägyptischen Mumien durch die Gegend zieht, weil die wahrscheinlich noch von den Mumienfilmen übrig waren, und es entsteht kaum wirkliche Spannung. Wenn man sich das Original anschaut, mag dieses zwar mit den technicolorbunten Farben und den etwas eckigen und albernen Effekten antiquiert wirken, aber die Dramaturgie ist noch heute mitreißend. Es ist zwar schön, daß es jetzt so viele neue Möglichkeiten gibt, um realistische Tricks und Effekte zu generieren, doch ich möchte trotzdem keine Filme sehen, die ausschließlich mit diesen protzen und sonst nicht viel zu erzählen haben außer: oh ein Monster, oh eine Mumie, oh eine Explosion, oh ein Meeresungeheuer, oh ein Wirbelsturm usw. usf. Was den eigentlichen guten oder schlechten Film ausmacht, sind die scheinbar profanen menschlichen Geschichten, die diese Dinge zusammenfügen.
Idioten sterben nicht aus. Anscheinend besitzen sie eine bevorzugte evolutionäre Genmischung. Gut zu wissen, daß etwas im Leben Bestand hat.
Die Erschöpfung in ihren unterschiedlichen Ausprägungen stellt nicht nur für den Patienten, sondern auch für Partner, Familie und Freunde eine große Herausforderung dar. Nachdem bereits die Phase der Therapie viel Kraft, Rücksichtnahme und Unterstützung für den Patienten eingefordert hat, steht jetzt der Wunsch wieder zu einem normalen Alltag zurückzukehren an erster Stelle. Der betroffene Patient, und auch Partner und Angehörige sind froh, die Krankheit und Behandlung erst einmal überwunden zu haben und versuchen, wieder zu ihren alten Gewohnheiten zurückzukehren. Die Erschöpfung in ihrer chronischen Form erschwert nun gerade diesen Prozess der Suche nach Normalität im Alltag. Partner und Freunde müssen erkennen, dass gemeinsame Aktivitäten wegen mangelnder Energien nicht einfach umzusetzen sind. Bedingt durch die Folgen der Krankheit können sich zugleich die bisherigen Rollen verändern. Angesichts der massiven Lebensbedrohung werden die Partnerschaft und die Beziehungen neu definiert. Die sozialen Strukturen werden erneut auf den Prüfstand gestellt. Freunde bewähren sich oder ziehen sich aufgrund einer Überforderung mit dieser neuen Situation zurück, was von den Betroffenen selbst oft als eine Enttäuschung erlebt wird. In den Phasen der allmählichen Anpassung und Erprobung von notwendigen Veränderungen im persönlichen und sozialen Leben sind auch Fehlentwicklungen, Enttäuschungen und Rückschläge möglich. Wichtig für den Umgang miteinander ist es, dass man offen über die Einschränkungen durch die Erschöpfung sprechen kann.
Das kann ich nur unterschreiben...
Es geht doch nichts über ein ungestörtes, harmonisches und tiefgehendes Gespräch, bei welchem man sich ansehen, in die Augen schauen kann. Das kann weder eine Webcam noch ein Telefon ersetzen.
Die neue Sturmfrisur
Wer einen Twoday-Account hat und noch keine Einladung zum Blog, kann mich per Kommentar oder Email anschreiben.
Seit meinem letzten Krankenhausaufenthalt kann ich das Wort "Süppchen" nicht mehr ausstehen. Wenn mir jemand mit einem "Süppchen" kommt, dann renne ich schreiend weg.