Es gibt Tage, da fühle ich mich sowas von lebendig, aber sowas von lebendig, dass ich den Eindruck habe, in mir lebt eine Menagerie von wilden, aufmüpfigen kleinen Viehchern. Da zappelt das Herz, springt das Ei, knurrt der Magen, kneift die Niere, rumort der Darm, läuft die Nase, pfeifen die Ohren, spuckt die Lunge und bocken die Muskeln. Hurra, ich lebe noch!
Ein sonniger Tag, frühlingswarm, die letzten Herbstblätter strahlen golden unter dem blauen Himmel. Aufgrund
dieses nächtlichen Traumes beschloß ich, insbesondere wegen der Gestalt in der schwarzen Kutte - ein Kleidungsstück, das mir inzwischen als Lieblingsbekleidung des Herrn Tod in meinen Träumen bekannt ist -, statt mit der U-Bahn mal mit der S-Bahn zu fahren. Ein bißchen albern kam mir das schon vor, aber zum Glück ist es zeitlich kein großer Unterschied und auch kein Umweg....dachte ich.
Als ich jedoch auf dem S-Bahnhof stand und wartete, wartete, wartete, erfuhr ich endlich eine Viertelstunde später über die Ansage, dass mal wieder vorübergehend kein Zugverkehr stattfindet. Also ging ich nun doch zur U-Bahn und mit mir stieg eine Trauergesellschaft in den Waggon.
Zwei Herren in schwarzen Anzügen, der eine mit weißem Hemd, der andere mit schwarzem, der mit weißem trug außerdem ein weißes Pflaster genau in der Mitte seines Nackens. Erinnerte mich spontan an Akte X. Ein Cyborg, von Außerirdischen ferngesteuert? Außerdem zwei Damen in schwarzen Röcken und Stiefeln, Goldkettchen tragend, mit Trauerblumen in Papier gewickelt.
Und das war alles.....
.....manchmal fühle ich mich hier in der Blogosphäre schon wie so eine Art Urgestein oder sagen wir besser Urkiesel. Das verflixte erste Jahr, nach welchem laut ausgedehnten Befragungen eine Vielzahl der Blogger wieder aufhört einen Blog zu führen, habe ich ohne Zweifel und Ungewissheit überstanden - inzwischen sind es schon viele Jahre, ich habe sie nicht gezählt - und immer wieder sieht man Blogger kommen und gehen, bzw. schreiben und nichtschreiben. Letzteres bemerkt man manchmal kaum und dann wieder bedauert man es sehr, doch egal wie und was und warum - das Bloggen geht weiter, stetig folgen neue Leser und Schreiber, denn auch das Bloggen ist Wasser und Wind. Und wie im richtigen Leben gibt es Leute, die einen nicht leiden können, einen großen Bogen um den Blog machen (so lange sie nur dies tun, ist das vollkommen ok und beruht meist auf Gegenseitigkeit) oder aber diejenigen, auf deren Blogs man sich immer willkommen, freundlich empfangen und fast wie zu Hause fühlt, wobei ein Gegenbesuch natürlich ebenso willkommen ist.
Und dann denke ich manchmal, egal ob ein ganzes Jahr lang kein Schwein...äh....sorry.... Leser, mehr deine Seiten besucht und sich für deinen Blog interessiert - es reichte einen einzigen zu treffen, der dir völlig neue Perspektiven und Sichtweisen der Welt eröffnet, dich beflügelt, es schafft, dass du dich trotz teilweise verschiedener Meinungen gut fühlst, und es hat sich trotzdem gelohnt!
Wir müssen bereit sein, das von uns geplante Leben loszuwerden, um das Leben zu erlangen, das schon auf uns wartet.
(Joseph Campbell)
Pünktlich mit der Dunkelheit im November beginnt ebenfalls wie jedes Jahr die Leere in meinem Kopf. Aber nicht nur die. Mir ist aufgefallen, dass spätestens ab Mitte November eine massive Jahresabschlußhektik losgeht. Auf einmal kann man sich vor Terminen kaum noch retten und es scheint tatsächlich so, als wenn alle das ganze Jahr über geschlafen hätten und erst jetzt aktiv würden. Schlimm genug, dass irgendjemand die Verjährungsfristen mit dem 31.12. jeden Jahres hat enden lassen - als wenn man da nicht schon genug Stress hat - warum also nicht den 30.6. oder meinetwegen auch den 2.2.? Aber selbst wenn man sich rechtzeitig vorbereitet und darauf hinarbeitet, dass man die entsprechenden Akten bis November unter Dach und Fach hat, ist es vollkommen unmöglich, dem Jahresabschlussstress zu entkommen, weil nämlich GARANTIERT die meisten in der Umgebung das nicht getan haben und einen so fröhlich und ungefragt wieder mit in diese ekelhafte hektische Dezemberbetriebsamkeit reißen, bis man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Das bezieht sich allerdings nicht nur auf den eigenen Arbeitsplatz, sondern auf so gut wie jede gesellschaftliche Aktivität. Meinem Vermieter fällt kurz vor Weihnachten ein, dass er ja mal ein Stückchen Weg neu pflastern müsste, so dass wir jetzt erneut sechs Wochen lang keinen Zugang zu den Mülltonnen haben. Das macht sich besonders gut, wenn man gerade dabei ist, seine Wohnung neu einzurichten. Und während sich mein Weiterbildungs-beauftragter das ganze Jahr über ausgeruht hat, fällt ihm jetzt ein, dass ich mal wieder ein Seminar belegen sollte. Also bekam ich gestern kurzfristig die Einladung zu einem fünftägigen Seminar, das schon in der übernächsten Woche beginnt. Nun habe ich grundsätzlich nichts dagegen, mich weiterzubilden, zumal das gegenüber dem acht- bis zehnstündigem Arbeitstag eine nette Erholung ist (der Unterricht geht zwar auch über acht Stunden, aber meist werden die Pausen so gelegt, dass man trotzdem eher geht) und außerdem kann ich dann mal wieder meine Tiger im Tierpark besuchen, der gleich in der Nähe ist, aber dieser Zeitpunkt, in dem alle plötzlich in Fristenpanik verfallen und
drängeln, ist wirklich äußerst ungünstig.
Dazu kommt, dass meine Chefin es sich in ihrem Kontrollwahn, mit ein paar der wenigen Mitarbeiter verscherzt hat, die noch hier sind. Zwei davon sind schon seit Wochen krank und ihre Arbeit fällt zusätzlich auf die anderen. Ich hab den Anranzer wegen meines fünfminütigen Zuspätkommens weggesteckt und mich nur still hier im Blog geärgert. Eigentlich müßte gerade ihr klar sein, dass diese pingeliche Bevormundung nicht gerade motivationsfördernd ist und sowieso kann jeder Vorgesetzte in unserem Haus froh sein, wenn überhaupt noch einer seiner Sklaven zur Arbeit erscheint. Heute kommt sie also und bringt mir einen Bestattungsfall, der schon seit 2004 vor sich hingammelt und durch zich Hände gegangen ist, ohne dass jemals einer wirklich etwas daran gemacht hätte, eigentlich gar nicht meine Zuständigkeit, und sagt zu mir "Ich hab ja nur noch dich. Du bist meine letzte Rettung."
Super, denkt sie jetzt, weil sie die Mitarbeiter vergrault, kann ich jetzt die Arbeit für drei machen (genauer gesagt vier, denn meine eigene Arbeit würde schon für zwei reichen)? Jedenfalls kann ich es nicht abstreiten, dass es mir eine kleine Genugtuung gab, als ich heute morgen ganz ernst das Papier mit der Seminareinladung hervorholte und ihr sagte, dass ich etwas mitzuteilen habe. Sie wurde sofort ganz blass und aufgeregt, weil sie dachte, ich bekäme die Stelle, für die ich das Vorstellungsgespräch hatte. Als ich sie dann beruhigte, dass es nur ein einwöchiges Seminar ist, hörte man es förmlich plumsen. So habe ich jetzt auch meine Rache gehabt. Zudem passierte etwas Ungewöhnliches, als ich, (nachdem ich den Bestattungsfall in zwanzig Minuten geklärt hatte) bei dem Mahnenden anrief, und als derjenige, der die Drecksabeit letztendlich machen musste, nicht wie sonst üblich angeranzt wurde in der Art wie "Na wird ja endlich mal Zeit!", sondern ein juchzendes "Sie sind ein Schatz!" zu hören bekam.
Aber auch die anderen Mitarbeiter drehen immer mehr am Rad. Mir war das schon die ganze Zeit lästig, dass sie sich jeden Tag hinsetzen und elend lange Mittagspausen machen, in denen sie fressen wie die Scheunendrescher und immer dieselben abgedroschenen Späße reißen. Ich habe mich deshalb, bis auf die Gelegenheiten der Geburtstage davon zurückgezogen, zum einen, weil ich sonst mit dem Berg von Arbeit noch weniger voran kommen würde und zum anderen, weil ich eigentlich mittags nie viel esse und mich das ewig gleiche anzügliche Geschwätz langweilt. Bei den Massen an fetten und ungesunden Sachen, welche sie wegschaufeln, wäre ich danach außerdem gar nicht mehr fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Doch während meine lieben Kollegen nur immer fetter werden (und zwar wortwörtlich, man kann ihnen regelrecht zuschauen dabei!), macht sich meine Zurück-haltung natürlich immer negativ bemerkbar. Jetzt sind sie sogar auf die Idee gekommen, dass jeden Tag reihum jemand für alle kocht und das Essen mit ins Büro nimmt. Da die Männer Fleisch bevorzugen, gibt es dann also Schweinepfötchen, Eisbein, Blutwurst u.ä. Nicht, dass ich sowas nicht auch ab und an essen würde, aber mir fällt es im Traum nicht ein, mich abends hinzustellen und für meine gesamte Arbeitsgruppe so'n Zeug zu kochen, es mit U-Bahn und Bus in der Gegend herumzukutschieren und ins Büro zu schleppen. Ich habe ihnen heute, als es darum ging, wer morgen mit kochen dran ist, auch nochmal deutlich gesagt, dass ich weder kochen noch eingeladen werden
möchte. Es ist mir ziemlich egal, dass ich damit das heilige Gemeinschaftsgebot missachte und als Ungeselle Minuspunkte bei meiner Chefin sammle.
Aber das Beste ist, dass nachdem ich erst gestern über die erstklassige Bürosatire in des Kaiser's Blog den Kopf geschüttelt habe, heute ein Kollege erschien und da sprach, dass ein Gruppenfoto gemacht werden solle (liegt das gerade in der Luft?) und wir uns zu finden hätten zum Zwecke des Fotografierens in unserer besten Arbeitspose. Immerhin wurde ich hier, anders als der Kaiser, auf mein Vetorecht in Verbindung mit dem Recht auf das eigene Bild hingewiesen...
Ich habe auf meinem Schreibtisch genau DREI mehr oder weniger hohe Aktenstapel zu liegen, die ich unentwegt versuche abzuarbeiten, sowie eine Postkiste mit Akten. Nun ist so natürlich nicht viel Platz auf dem Schreibtisch, weshalb ich immer froh bin, wenn es mir gelungen ist, die Zahl der Stapel von drei auf zwei zu reduzieren. Leider dauert die Freude nie lange, denn GARANTIERT kommt IMMER spätestens zehn Minuten später jemand herein und bringt neue Akten. IMMER! Hier scheint das alte Feng Shui-Prinzip zu wirken, dass, sobald man Altes loslässt, Neues seinen Platz einnimmt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich das bei den Akten unbedingt so gut finde. Es bewahrheitet sich wieder einmal, dass jedes Prinzip positive und negative Auswirkungen zeitigen kann. Und beim nächsten Mal, wenn ich den dritten Stapel weggearbeitet habe, werde ich einfach die beiden anderen auf drei Stapel umverteilen. Vielleicht hilfts ja....
....und ich muss mich damit abfinden, dass ich nie in meinem Leben viel Platz haben werde, weder in einer Wohnung noch auf dem Büroschreibtisch. Irgendeine Art schlechtes Karma? Oder eine Spiegelung meines inneren begrenzten Horizonts? Gestehe ich mir unbewußt selbst zu wenig Raum zu? Was hatte Sisyphus eigentlich verbrochen?
Eine seltsame Stimmung liegt seit einigen Tagen in der Luft. Abgesehen von einer leichten Reizbarkeit, die man allerorten bemerkt, ist es die geplante Unvorhergesehenheit, die überraschend das Zepter schwingt.
Wahrscheinlich der gestrigen
Blogunterhaltung zu danken ist folgender Traum:
Ich bin mit Elsa an mir unbekannten Orten unterwegs. Zuerst sitzen wir irgendwo in der Sonne, um uns Massen von Menschen, die ebenfalls herumsitzen. Danach beschließen wir, in einem Hotel einen Tee zu trinken. Das Hotel-Cafe befindet sich gleich in der riesigen Eingangshalle. Es besteht aus kleinen runden Tischen mit passenden Stühlen, dahinter liegen die Rezeptionen. Wir suchen uns einen leeren Tisch, aber der ganze Fußboden ist merkwürdigerweise mit Papier zugemüllt, so dass man sich dort gar nicht hinsetzen kann. Ich bücke mich und beginne das Papier wegzuräumen, wobei ich mir erst genauer anschaue, was dort liegt. Es sind kleine rechteckige Zettel aus dünnem Papier mit aufgedruckten Blumenfotos. Ich halte sie im Traum für Werbezettel aus Pralinenschachteln. Beim Wegräumen bemerke ich unter ihnen eine beschriebene Ansichtskarte. Ich hebe sie auf und gebe sie Elsa mit den Worten: "Guck mal, eine Postkarte. Die hat anscheinend jemand verloren." Dann fordere ich sie auf, mal vorzulesen, was darauf steht, kann mich aber nicht erinnern, ob sie es getan hat. Nachdem ich den gröbsten Müll beseitigt habe, fege ich den restlichen Schmutz mit Handfeger und Müllschippe auf. Während ich mich am Fußboden zu schaffen mache, steht die ganze Zeit ein mausgrauer Mann in einer mausgrauen Jacke daneben und schaut mir zu. Es kommt mir vor, als wolle er etwas von mir, traue sich aber nicht mich anzusprechen, weil ich gerade beschäftigt bin, und ich kümmere mich nicht weiter um ihn. Schließlich hat er genug, dreht sich um und redet mit der Rezeptionistin. Ich höre wie sie sagt: "Es gibt auch noch andere."
Ich weiß nicht mehr, ob wir endlich dazu gekommen sind, Tee zu trinken, aber später gehen wir in eine Location (Diskothek?), wo wir irgendwo hinunter steigen müssen und einen langen, schummrigen Gang betreten. Der Gang ist ebenfalls voller Menschen, die dort laufen oder herumstehen, aber besonders auffällig ist der Fußboden, welcher zwischen den vielen Beinen in der Dunkelheit hell schimmert. Seine Grundfarbe ist weiß und aus dem Weiß leuchten viele große bunte stilisierte Blüten. Es kommt mir so vor, als ob es ein Steinfußboden ist und die Blüten ebenfalls aus Stein als Muster eingelegt sind.
Das Lustige ist, dass heute morgen in der U-Bahn ein Typ saß, der fast haargenau wie der mausgraue Typ im Traum aussah, nur dass er eine dunkelblaue Jacke trug.
So langsam lerne ich die Sushi-Fremdsprache. Surimi ist falsch und Sashimi ohne Reis, Wasabi höllisch scharf und Suzuki keine Automarke. Besonders begeistern mich die traditionellen Nigiri-Sushi mit zarten Sake-Filets, wobei Sake hier Lachs bedeutet und nicht Reiswein.
Neuerdings empfinde ich den Geruch von gekochtem oder gebratenem Fisch als krank (obwohl ich ihn früher ganz gerne mal gegessen habe), was mir eine leichte Übelkeit verursacht, während mir der Duft von rohem Fisch das Wasser im Mund zusammenlaufen läßt, auch wenn sich die Sushi-Kochbücher wie eine Anleitung zu Folter und Massenmord lesen, insbesondere was den entsetzlichen Krebstod betrifft. Da bekommt man dann den Rat, wenn man davor zurückschreckt, lebende Krebse in kochendes Wasser zu werfen, sollte man sich für bereits gekochtes Krebsfleisch entscheiden. Ich glaube allerdings kaum, dass mir das mit diesem Wissen besser schmecken würde. Ich bleibe lieber bei Fisch und lade meinem Konto von ermordeten Spinnen und Mücken nicht auch noch lebend gekochte Krebse auf. Aber Fisch muss es sein! Man kann zwar, wie ich inzwischen weiß, Sushi auch mit Gemüse, Omelett und anderen Zutaten bereiten, was ich vielleicht etwas früher hätte wissen müssen, bevor ich dem rohen Fisch auf den Leim gegangen bin, doch jetzt will ich nichts anderes mehr als Fisch - roh, frisch und zart.*miau*
kommt auch schon eine Kollegin ins Zimmer gestürzt: "Hey Süße!" meint sie, "Wir frühstücken jetzt!"
Aha, denke ich, normalerweise ist es zwar nicht üblich, dass wir frühstücken, denn es gibt nur eine Mittagspause, aber ok, ich greife meinen Teller und eile in den Versammlungsraum. Unsere Chefin hat Brötchen und Marmelade mitgebracht, sie meint, sie möchte noch einmal das Gemeinschaftsgefühl fördern, so lange noch wenigstens ein paar Leute da sind. Wir frühstücken also bis um 10 Uhr und nebenbei erfahre ich, dass die Telefone alle lahmgelegt sind und die Techniker seit dem frühen Morgen daran arbeiten. Ich hatte mich schon gewundert, warum es so ruhig ist. Außerdem erzählt mir M., dass sie sich ebenfalls woanders beworben hat und nächste Woche ein Termin stattfindet, wo nicht sie sich vorstellen muss, sondern wo ihr das Arbeitsgebiet vorgestellt wird. Na das ist ja auch mal nett. Warum passiert mir sowas nicht?
Ich glaube, wenn ich nicht bald wieder Zeit und Muße zum Fotografieren finde, werde ich zur tickenden Zeitbombe. Jedenfalls wächst meine Aggressivität stündlich. Aber bis Ende Dezember ist kein Licht in Sicht und ich trage jede Menge Ideen mit mir rum (nicht nur für's Fotografieren, auch für's Schreiben), die mich zwicken und zwacken und meinen Kopf zu einem brodelnden Hexenkessel machen. Ich hab nicht mal mehr Lust, die alle zu notieren, weil ich dann ständig am kritzeln und von den eigentlichen Notwendigkeiten abgelenkt wäre. Was wichtig ist, wird sich wohl von allein wieder melden.
...da treffe ich im Fahrstuhl eine Kollegin, mit der ich nicht sehr viel zu tun habe. Wir grüßen uns, wechseln ab und zu mal ein paar Worte im Fahrstuhl, sehen uns aber eher selten. Auch diesmal beginne ich mit einem "Na, wie läuft's?", um einen kurzen Fahrstuhl-Smalltalk einzuleiten, da sagt sie zu mir: "Ich habe eine Geschichte von dir gelesen." Ich bekomme einen Schreck und ahne sofort Intrigen und Gerüchte. "Hä? Eine Geschichte von mir?" frage ich deshalb ganz verwirrt und ängstlich. Natürlich denke ich überhaupt nicht daran, dass ich Geschichten schreibe und eine davon sogar "preisgekrönt" ist, wie sich K. immer ausdrückt. Das ist zwar übertrieben, aber immerhin ist sie veröffentlicht. Und eben die meinte meine Kollegin, wie sie mir dann zu verstehen gab. Beim Aussteigen aus dem Fahrstuhl rief sie noch: "Hat mir gut gefallen. Weiter so!" - So wird man von seinen eigenen Untaten eingeholt.*gg*
Jetzt sind es nicht nur die Meisen, die traurig durch's Fenster schauen und mir ein schlechtes Gewissen machen, sondern auch noch die Elstern. Den ganzen Sommer hindurch haben sie sich nicht blicken lassen, aber schlau wie sie sind, erinnern sie sich anscheinend an die Futterstelle vom letzten Winter, die eigentlich nicht für sie gedacht war, kommen jetzt immer angeflogen und starren auf die Stelle, wo das Meisenfutter hing. Wenn sie dort nichts finden, dann trippeln sie zur anderen Seite des Fensters und starren da an die Wand, als würden sie denken, ich hätte diesmal zur Abwechslung mal die linke Seite genommen. Das finde ich faszinierend und ziemlich ungewöhnlich, das die Elstern von selbst auf diese Idee kommen, aber Elstern sind ja bekanntlich sehr intelligent. Sie sollen sich sogar selbst im Spiegel erkennen können und das können nur die wenigsten Tiere.
- ein blutunterlaufenes Auge glotzt mich aus dem Spiegel an. Prima, tut zwar nicht weh, aber macht sich bei einem Vorstellungsgespräch wirklich gut, wenn man aussieht, als hätte man eine auf's Auge bekommen. Vielleicht gibt es sogar Pluspunkte, wenn man sich im Äußerlichen seinen Klienten angenähert hat. Die Omi im Bus jedenfalls hat sich gleich wieder von mir weggesetzt, als sie mich mit schwarzer Lederjacke und rotem Auge gesehen hat.
Das Vorstellungsgespräch selbst war zum Glück lässig, nicht so eine sechsköpfige Prüfungskommission wie vor zwei Jahren. Allerdings wollte der eine dann von mir wissen, wie lange ich gefahren bin und als ich antwortete: "Genau eine Stunde." ließ das Interesse spürbar nach. Er fragte mich darauf auch, ob ich das wirklich will. Ja, klar, es ist mein Traum jeden Tag zwei Stunden durch Berlin zu fahren. Was macht man nicht alles für eine feste Stelle....
Immerhin habe ich bei meiner Stadtrundreise nun die Schloßstrasse in Steglitz gesehen. Da war ich nämlich noch nie.
Dinge, die mir auf meiner Reise aufgefallen sind:
- Es gibt auch heute Unterschiede zwischen Ost und West. Im Osten sind die U-Bahnen besser beheizt als im Westen.
- Ein Internetcafe im Wedding mit der Werbung "Billiger telefonieren", darunter kleiner "Türkei nur geht". Bei genauerem Hinsehen entpuppte es sich jedoch als "Türkei nur cent". Wieviel Cent stand nicht dran.
- Wie extrem tief die Flugzeuge im Wedding fliegen. Wenn ich dort wohnen würde, würde ich eine Macke kriegen, denn mir reichen schon die Flugzeuge bei mir, die noch relativ hoch sind. 2011 soll der Flughafen Tegel ja geschlossen werden und ich bete darum. Aber bis dahin kann noch viel passieren, wie zum Beispiel ein Bombenangriff auf den Flughafen Schönefeld.
aber dass es Fische gibt, die beide Augen auf der linken Kopfseite tragen, war mir bisher neu. Was man alles so lernt, wenn man Sushi-Kochbücher liest....*fasziniert ist*
Gelernt habe ich weiterhin, dass sich Besucher der Sushi-Buden in Japan früher ihre Finger an einem Vorhang der Bude abgewischt haben. Je dreckiger der Vorhang war, als um so besser galt der Imbiss-Stand. Leider haben sie nicht dazu geschrieben, ob das heute auch noch so ist. Ich meine, wäre ja schon wichtig zu wissen, wenn man mal nach Japan kommt, wobei ich meine Griffel sicherlich von dem Vorhang fernhalten würde.
Auch die stärkste Zahl braucht die Unterstützung der Nullen.Zarko Petan
Jetzt frage ich mich gerade, wie das wohl gemeint ist, zu welcher Kategorie ich gehöre, zu den Nullen oder zu den stärkeren Zahlen, was auch immer die sind.