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Dienstag, 18. September 2007

Aus dem Nachwort zu den Hesse-Gedichten

Ähnlich ungebrochen antwortet Hesse selbst im Januar 1934 einem Kritiker seiner Verse: "Ich habe in der Tat vor 'Herz und Schmerz' nicht die mindeste Scheu. Ich bin der Meinung, dass diese Reime, ständige Ornamente im Volkslied, schon den Eichendorff oder den Goethe keineswegs durch ihre Originalität erschüttert haben, sondern daß sie von allen deutschen Dichtern einige Jahrhunderte lang ebenso natürlich und harmlos gebraucht wurden, wie wir uns der Buchstaben und Interpunktion bedienen. So wenig ich das Bedürfnis habe, plötzlich das Komma oder das Fragezeichen durch irgendwelche neue Zeichen in irgendeinem persönlichen Jugendstil ersetzen zu wollen, habe ich Bedenken, diese alten heimeligen Reimpaare immer wieder zu verwenden. Die Sprach-Turnereien heutiger Originale werden altes Blech sein, noch ehe ihre Schöpfer graue Haare kriegen."...
...Die Liedhaftigkeit, die das Inhaltliche auf eine Weise in Klang und Rhythmus zu verwandeln vermag, daß es im Hörer auch unbewußt wirkt und weiterlebt, gehört zu den Geheimnissen der Lyrik und unterscheidet sich deutlich von Epik und Prosa. Doch geht jedes Abweichen von den traditionellen Effekten des Reims und Rhythmus auf Kosten des spezifisch Lyrischen und nimmt dem Gedicht etwas von dem, was es ausmacht, seine Mehrdimensionalität.
Deshalb kann Hesse den Vorwurf, artistisch einfallslos oder gar ein Epigone zu sein, getrost in Kauf nehmen, solange in den Gedichten seiner kritischen Kollegen das Neue einzig darin besteht, einen mehr oder weniger klaren Prosasatz schon dann als Gedicht auszugeben, wenn er in die äußere Form eines Gedichtes gebracht worden ist....
....Daß solche Gebilde, um noch als Gedicht begriffen werden zu können, geradezu angewiesen sind auf Interpretations-Prothesen, ist nicht verwunderlich. Ihre philologische Eingemeindung in die Gattung der Lyrik ist denn auch schwierig und macht sie abhängig vom Einfallsreichtum der jeweiligen Auslegung, zumal das einzige poetische Element, das solche "Gedichte" dann im Idealfall noch haben, aus komplizierten Analogien besteht, die entschlüsselt und begreiflich gemacht werden müssen.

(Volker Michels)

Die alte Shoppingmeile

Just (Hab ich heute einen niederdeutschen Bauern gefrühstückt?) mußte ich an die Einkaufsrunden aus meiner DDR-Kindheit denken, die ich immer mit meiner Mutter zusammen absolvierte. Diese begannen bei dem Gemüseladen, in welchem man Gemüse kaufte, führten die Straße entlang zum Käseladen, wo man Käse kaufte, weiter zum Fleischer, bei welchem man Wurst und Schnitzel holte, um die Ecke herum zum Fischladen, wo eventuelle Fischgelüste befriedigt wurden und nochmals um die Ecke zum Bäcker. Hier bekam man ofenfrisches Brot und Brötchen. Im Gemüseladen roch es meist erdig, mit einem Hauch Suppengrün, im Käseladen duftete es würzig-pikant, so dass einem sofort beim Eintritt das Wasser im Mund zusammenlief, beim Fleischer war die Luft ebenfalls würzig, allerdings weniger pikant, als vielmehr mit einem Schuß Blut vermengt, im Fischladen roch es keineswegs stark nach Fisch, sondern überwiegend nach Meerwasser. Dort gab es noch Bottiche mit lebenden Fischen. Wenn man einen davon wollte, wurde er mit dem Kescher herausgefischt und mit der Holzhammermethode erledigt. Und beim Bäcker duftete es herrlich nach Frischgebackenem. Für mich fiel immer sofort etwas ab: im Gemüseladen noch nicht so viel, außer es gab mal Bananen oder anderes rares Obst. Die ollen Äpfel wollte ich nie. Im Käseladen erhielt ich eine Scheibe butterweichen Käse in die Hand gedrückt und beim Fleischer eine frische Wiener. Aus dem Fischladen zog ich nie ab ohne meine geliebte Anchovispaste (die ich natürlich nicht aus der Hand aß) und beim Bäcker bekam ich ein Schweineohr, Mürbeplätzchen oder ähnliches. Manchmal erlaubte mir meine Mutter sogar, das ofenfrische Brot mit der verführerischen Kruste anzuknabbern, welches ich im Arm trug. Meist war ich nach solch einer Einkaufstour seelig und satt.
Wenn ich heute im Supermarkt bin, riecht es, wenn ich Glück habe, nach gar nichts, und wenn ich Pech habe, nach verfaulten Kartoffeln.

Montag, 17. September 2007

Herr N. ist wirklich drollig -

heute mußte ich ihm erklären, welcher Mitarbeiter aus dem Rechnungsbüro, mit denen wir täglich zu tun haben, welchen Nachnamen trägt. Ich arbeite zwar erst seit drei Monaten dort und er seit mehreren Jahren, trotzdem wußte er nicht, wie die einzelnen Mitarbeiter mit Nachnamen heißen.
Außerdem erinnert er mich immer mehr an meinen früheren Nachbarn, der sich stets für alles im Haus verantwortlich gefühlt hat und alles kontrollieren mußte. Herr N. ist nicht mehr nur Verantwortlicher für meine Jacke, sondern auch für das Fenster, für die Heizung und anscheinend hat er sich jetzt auch zum Verantwortlichen für meinen Hibiscus gemacht. Er kontrolliert die Heizungen, damit sie runtergedreht sind, wenn das Fenster offen ist und dreht sie wieder auf, schließt die Fenster, natürlich immer selbst, auch wenn er dafür durch das halbe Zimmer bis auf meine Seite laufen muss und stellt die Thermostate auf die seiner Meinung nach optimale Stellung, ebenfalls nicht nur auf seiner, sondern auch auf meiner Seite. Vielleicht traut er mir nicht zu, dass ich selbst das Thermostat rauf oder runter drehen kann. Obwohl es draußen relativ warm war, fror ich im Büro und zog meine Strickjacke über, worauf er sich meines Thermostates annahm und es auf 3 drehte. Ich allerdings hatte gedacht, es wäre aufgedreht gewesen, da ich es so verlassen hatte. Er erklärte mir aber, er hätte es früh abgedreht - und dann wundere ich mich die ganze Zeit, dass ich friere, sage ich zu ihm. Und heute morgen, als ich den Hibiscus gießen wollte, fiel mir auf, dass meine Wasserflasche, in der ich immer das Blumenwasser habe, bis oben hin gefüllt war. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ICH das nicht gewesen bin, außer ich hätte die Flasche in einem Anfall geistiger Umnachtung nachgefüllt. Am Freitag war nur ein Viertel Wasser drin. Ich habe aber nichts dazu gesagt. Letzte Woche wunderte ich mich schon immer, dass die Erde des Hibiscus so lange feucht blieb. Ich habe den Verdacht, dass er ihn gießt, und zwar sogar dann, wenn ich da bin. Wenn ich nicht an der Erde nachfühlen würde, könnte das aber auch konkret in die Hose gehen.

Mutter zu Kind:

"Ich weiß es besser - ich bin erwachsen."

Tolles Argument. *gg*

Sonntag, 16. September 2007

Ein strahlender Spätsommertag,

oder wie mein Kumpel sagte: Altweibersommer - genau das richtige für uns; fast ein bißchen zu warm, ich war allerdings auch ziemlich warm angezogen, da man das ja nicht ahnen kann, dass die Temperaturen von einem Tag zum nächsten so schwanken. Mit meinem Wandervorschlag bin ich jedoch ganz schön reingefallen, da ich hätte schwören können, bei meinem letzten Besuch in Bernau dort einen entsprechenden Wegweiser gesehen zu haben. Heute war er nicht mehr da, wie auch einiges andere. Als erstes fiel mir auf, dass der blaue historische Briefkasten fehlte. Eines der alten verfallenen Häuser fehlte und auch der große alte Baum vor der evangelischen Kirche mit den Bänken drum herum. Da ist man nur ein Jahr nicht mehr dort gewesen und schon fehlt die Hälfte. Fast kommt es mir im Nachhinein vor, als sei der Tag dort im letzten Jahr irgendwie verzaubert gewesen. Sogar die Glocken der katholischen Kirche klangen damals anders. Vielleicht war das ja alles nur für einen verwunschenen Tag so, wie ich es erlebt habe. Zum Glück besitze ich aber noch ein hieb- und stichfestes Beweisfoto vom blauen Briefkasten. Die Sache mit dem Wegweiser erinnerte mich auch sehr an diesen verhexten Wegweiser aus Mörikes Novelle "Der Schatz", der den armen Wanderer im Kreis herumschickte, indem er heimlich stets seine Richtung wechselte. Uns blieb nichts anderes übrig, als einen anderen Weg einzuschlagen.
Ich höre in letzter Zeit immer häufiger, dass Pächter von Grundstücken enorme Pachterhöhungen aufgedrückt bekommen, bzw. irgendwelche wahnwitzigen und pingeligen Auflagen für ihre Gärten. Manche vermuten, dass damit die Leute von den Grundstücken vertrieben werden sollen. Auch mein Kumpel hat sowas vom Garten seiner Mutter erzählt. Und er meinte, es ist irgendwie ganz richtig, dass das Ding Parzelle heißt - halt ein kleiner Knast. Sie wissen jedenfalls nicht, ob sie den Garten behalten werden.

Bei diesem Bild war M. irritiert, weil ich so stand, dass man den Bernauer Funkturm nicht sehen konnte. Ich meinte darauf, dass ich ihn (bildtechnisch) hinter einem Baum verstecke, worauf er lästerte: "Mensch, das kannst du doch nicht machen, du kannst ihn doch nicht einfach verstecken, die suchen ihn doch...." *gg*

Entartete Würdenträger

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,505960,00.html

Kann es sein, dass diese alten Männer hinter ihrem Ritualismus aus katholischen Traditionen noch nicht mitbekommen haben, dass der Nationalsozialismus seit mehr als 60 Jahren nicht mehr gefragt ist? Dass Künstler heute weder "artfremd" noch "rassisch minderwertig" sind, wenn ihre Kunst nicht in irgendjemandens Konzept passt? Fragen über Fragen....

...

Nein, ist das schön,
wollten wir doch Wandern gehn
dass am blauen Himmel ist
(als Zeichen von Bereitschaft)
ein Complize ist zu sehn
in strahlender Begleitschaft
Ich sag dir, Sonne
schienest du nur halb so hell
schminkt ich mir die Fratze grell
und zöge selbst die Bahnen,
die alleine vorbehalten dir,
du unrühmlich verließest.

Samstag, 15. September 2007

Nach Norden

Palmström ist nervös geworden;
darum schläft er jetzt nach Norden.

Denn nach Osten, Westen, Süden
schlafen, heißt das Herz ermüden.

(Wenn man nämlich in Europa
lebt, nicht südlich in den Tropen.)

Solches steht bei zwei Gelehrten,
die auch Dickens schon bekehrten -

und erklärt sich aus dem steten
Magnetismus der Planeten.

Palmström also heilt sich örtlich,
nimmt sein Bett und stellt es nördlich.

Und im Traum, in einigen Fällen,
hört er den Polarfuchs bellen.

(Christian Morgenstern, Galgenlieder)

Ah ja,

so überleben Spinnen den Winter: Hier.

Besonders interessant:
So können die meisten Kreuzspinnen Wintertemperaturen von –20°C auch in ungeschützten Standorten gut überstehen.
Das Erzeugen von Nachkommen vor dem Winteranbruch verhindert, dass manche Spinnenarten gefährdet werden oder gar aussterben.
Unsere Gartenkreuzspinne zum Beispiel ist im August reif. Die Paarungszeit zieht sich bis in den September hinein, und die Männchen sterben danach. Im Körper der Weibchen entwickeln sich die Eier, die im September/Oktober abgelegt werden. Danach sterben auch die Weibchen, während in großen Mengen die Jungtiere schlüpfen und sich geschützte Orte zum Überwintern suchen.

Also entweder ist sie jetzt gerade dabei, Unmengen von kleinen Babyspinnen zur Welt zu bringen, oder sie ist schon in die Kältestarre gefallen. Ich tippe auf letzteres. *gg*

Was ist der Mensch,

wenn seiner Zeit Gewinn, sein höchstes Gut
nur Schlaf und Essen ist? Ein Vieh, nichts weiter.
Gewiß, der uns mit solcher Denkraft schuf,
vorauszuschaun und rückwärts, gab uns nicht
die Fähigkeit und göttliche Vernunft,
um ungebraucht in uns zu schimmeln.

(aus "Hamlet" von Shakespeare)

Das Problem mit diesem Bücherkatalogisieren ist, dass ich immer kreuz und quer beginne in den Büchern zu schmökern, besonders wenn es Verse sind. *seufz*

Freitag, 14. September 2007

Seit die Post

ihr unternehmerisches Leitbild geändert hat, wartet man zwar doppelt so lange am Schalter als früher, aber dafür inmitten Unmengen blauer Luftballons und gelber Fußbälle. So kann man dieses aufregende designtechnische und eloquente Flair demnach extra lange genießen, welches schließlich seinen Höhepunkt in der besorgten Frage der Postmitarbeiterin findet, ob man denn schon ein Postbankkonto sein eigen nenne oder gerne Lotto spielen möchte. Gute Frau, wenn ich Lotto spielen möchte, dann würde ich mich gewiss nicht ausgerechnet bei der Post stundenlang in die Schlange stellen.

Donnerstag, 13. September 2007

Ein neuer Spion

flatterte heute zum Fenster herein, allerdings diesmal kein Spatz, sondern eine Blaumeise. Ich weiß gar nicht, was die Vögel an unserem Zimmer immer so interessant finden, dass sie dauernd so neugierig hineingucken. Und Herr N. hat alles verpasst. Als ich ihm das mit den Spatzen erzählte, stand er ja dauernd am Fenster und hat auf die Spatzen gewartet. Doch bevor er die Meise gesehen hatte, war sie natürlich schon wieder weg. Tja, Pech für ihn.

Außerdem erzählte ich ihm, dass ich nachts eine neue Karriere als Verkäufer für Fitnessgeräte anstrebe. Daraufhin meinte er nur, zum Glück könne ihm das nicht passieren, da er nie träumt. Na ja, wahrscheinlich bin ich wirklich natur-stoned und träume deshalb so viel. Zum ersten Mal dachte ich sogar daran, dass eventuell die Hirnhautentzündung in meiner Kindheit was damit zu tun haben könnte. Vielleicht hat sie ja doch bleibende Schäden hinterlassen, nur keine so sichtbaren, sondern mehr "traumhafte". :-/

Mittwoch, 12. September 2007

...

Das Fest war ein großer Erfolg. Am Ende fiel Franz Werfel betrunken in den Gartenteich, und Carl Zuckmayer übernachtete in der Hundehütte.
(aus "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes)

Dienstag, 11. September 2007

13 Stichpunkte und die Sache mit dem Langzeitgedächtnis

A. ist bei mir zu Besuch und übernachtet. Wie immer schnarcht er laut und schläft tief und fest. Irgendwann geht er aufs Klo, doch kaum ist er wieder da, ist er direkt gleich im Sitzen wieder eingeschlafen. Sein Körper ist viel muskulöser als ich ihn in Erinnerung habe. Warum muss er eigentlich so viel schlafen? Bin ich nicht interessant genug? Ich könnte ihn wecken, aber vielleicht ist er ja wirklich sehr müde. Oder ob er nur so tut, als schlafe er? Als ich herankomme, scheint es mir, als würde sich ein Grinsen auf seinem Gesicht formen. Und tatsächlich, jetzt kann er nicht mehr an sich halten, lacht und schlägt die Augen auf. Er geht im Zimmer zu einem Tisch, nimmt ein Stück Papier und beginnt zu schreiben. Es ist etwas, das ich lesen soll. Schön, wenn er schon nicht mit mir reden will, dann schreibt er wenigstens etwas. Er reicht mir das Blatt Papier und ich sehe darauf dreizehn(?), völlig zusammenhanglose Stichpunkte. Es geht zum Beispiel um den öffentlichen Nahverkehr in Berlin und seine "Unterhaltungszüge". Ihm zuliebe lese ich die Stichpunkte interessiert und stelle Fragen. Sein ganzes Gebaren wandelt sich nun in das eines Dozenten, aber nicht nur sein Gebaren, sondern auch sein Äußeres. Auf einmal trägt er Schnauzer und Brille und sitzt lässig schräg auf dem Tisch. Er ist jetzt völlig munter und seine Rolle scheint ihm Spaß zu machen. Es gefällt ihm wohl, mir etwas beizubringen. Also tue ich ihm den Gefallen und gehe die Stichpunkte weiter mit ihm durch, obwohl ich lieber etwas anderes getan hätte. Zum Beispiel zähle ich jetzt alle "Unterhaltungszüge" auf, die ich in Berlin kenne. Das wären U-Bahn, S-Bahn - Busse vielleicht auch? Er kennt noch einige mehr. Ich deklamiere mit seiner Hilfe sämtliche Stichpunkte mehrmals hintereinander bis ich sie verinnerlicht habe, bzw. meine sie zu können. An diesem Punkt breche ich die Sache ab und sage, dass ich jetzt alles auswendig kann. Er ist zufrieden, gleichzeitig relativiere ich aber wenig später meine Aussage mit der Bemerkung, dass mein Langzeitgedächtnis nicht besonders gut funktioniert, wobei ich mir innerlich dazudenke, dass ich spätestens in ein paar Tagen die Stichpunkte wieder vergessen haben werde, ohne dies aber auszusprechen. Es schwebt als lautlose Schlußfolgerung im Raume. Auf seinen fragenden Blick hin setze ich hinzu, dass ich dafür aber ein sehr gutes Kurzzeitgedächtnis habe. Da lächelt er, scheint beruhigt und antwortet: "Na das ist doch schon mal was."

Montag, 10. September 2007

Einen höllischen Heißhunger

auf den Kartoffelsalat meiner Mutter habe ich schon den ganzen Tag. Sie macht den immer ganz anders als normalen Kartoffelsalat, mit Öl und Apfelstückchen, das schmeckt superlecker, zumindest mir. Meine Schwägerin sagt immer, wenn sie selbst diesen Salat zu einer Feier macht, dann will den außer mir niemand essen. Ich aber mag dieses Mayozeugs weniger. Da ich aber zu keinem Kartoffelsalat dieser Art heute komme, habe ich mir zum Abendessen eine Räucherfischplatte besorgt (der Kartoffelsalat würde allerdings gut dazu passen).
Doch nicht nur Heißhunger plagt mich, sondern auch ein Ohrwurm, nämlich dieser:



und das, obwohl ich den Film gestern gar nicht gesehen habe. Sechsmal reicht, dachte ich mir. Wenn ich jetzt Ohrwürmer habe, muss ich automatisch immer an den Film Sturz ins Leere denken. Darin berichten Bergsteiger, wie sie ein Unglück in den Bergen überlebt haben und der eine erzählte, dass er, als er total am Ende mit seinen Kräften war, immer Musik von Boney M. in seinem Kopf hörte, ich glaube, es war der Song "Ma Baker". Und er war überzeugt davon, dass er mit dieser Musik in seinem Kopf sterben würde, ohne sie vorher noch einmal loszuwerden. Grauenhafte Vorstellung!

...

Wer seine Wünsche zähmt, ist immer reich genug.

(Voltaire)

Sonntag, 9. September 2007

Der Vater - tiefgekühlt und gebraten; der Weihnachtsgeist

Elsa gibt mir einen Auftrag, nicht irgendeine Aufgabe, sondern eine sehr verantwortungsvolle und wichtige. Eventuell hat diese etwas mit ihrem Tod oder mit ihrem Verschwinden/Auswandern zu tun. Ich habe versprochen, sie zu erfüllen, obwohl ich nicht weiß, warum sie gerade mich darum gebeten hat, da ich überhaupt nicht kochen kann. Und diese Aufgabe sieht vor, dass ich etwas koche. Aber gut, ich werde das schon irgendwie hinkriegen. Ich stopfe also einige panierte Fischfilets und ein tiefgekühltes Spanferkel in die kleine Backröhre und lasse sie dort braten. Als ich zwischendurch mal hineinschaue fällt mir ein, dass ich die Fischfilets ja noch gar nicht gesalzen oder gewürzt habe. Um Gottes Willen, das bei Elsa! Die merkt das doch sofort. Wie peinlich. Glücklicherweise ist es nicht zu spät. Ich kann noch ein wenig salzen und vielleicht sollte ich nicht nur Salz nehmen, sondern auch ein paar Kräuter dazutun. Ich gehe also auf die Suche nach Gewürzen und als ich sie habe, öffne ich abermals die Backröhre. Da bemerke ich, dass sich das Spanferkel bewegt. Es ist jetzt aufgetaut und angebraten, aber es lebt noch! Jetzt plumpst es aus dem Ofen und torkelt, bzw. kriecht im Schneckentempo über den Fußboden. Eine mittlere Panik erfasst mich. Oh Gott, oh Gott, oh Gott, was mache ich denn nun? Es lebt noch, obwohl es schon halb durchgebraten ist. Es muß doch höllische Schmerzen haben. Bei der Vorstellung wird mir fast schlecht und meine Gedanken überschlagen sich. Mir ist klar, dass ich es schnell töten muß, aber ich weiß auch, daß ich das nicht kann. Ich denke daran, es einfach lebend zurück in die Backröhre zu stopfen, aber dieser Gedanke entsetzt mich so, dass mir bewußt ist, dass mich diese Tat mein Leben lang verfolgen würde. Die Situation überfordert mich derart, dass ich flüchte und das Ferkel sich selbst überlasse, wobei ich hoffe, dass es schnell stirbt. In meinem Fluchtwinkel, meinem inneren Dunkel, dem Schlafbewußtsein spüre ich noch das schlechte Gewissen, zum einen, weil ich das Ferkel habe leiden lassen und zum anderen, weil ich meinen Auftrag, mein Versprechen nicht erfüllt habe.
In meinem Bewußtsein wandelt sich nun das Geschehene langsam in eine andere Geschichte. Es war kein Ferkel, das ich in der Backröhre gebraten habe, sondern mein Vater. Den Auftrag dazu gab meine Mutter. Er war tiefgefroren und halb durchgebraten, trotzdem lebte er noch. Und statt ihn zu töten, bin ich weggelaufen. Jetzt kehre ich zurück, und zwar in das Seniorenheim. Ich rechne ganz fest damit, dass man mir sagt, dass er tot ist, denn das Braten kann er einfach nicht überlebt haben, aber als ich durch die Gänge gehe, sagt niemand etwas und alles ist ganz normal. Ich komme in sein Zimmer. Eine Menschenmenge, darunter auch meine Mutter, betrachtet meinen Vater durch eine Glasscheibe. Er schläft friedlich und trägt meine rote Kuscheljacke, die ich im realen Leben immer im Büro trage. Es ist tatsächlich alles in bester Ordnung. Unglaublich! Ich bin nun froh, dass ich ihn nicht getötet habe. Nicht auszudenken, wenn ich ihn nochmal in die Backröhre gestopft hätte. Besonders auch für meine Mutter. Diese hatte mir zwar den Auftrag gegeben, aber ist dabei wohl von anderen Vorausetzungen ausgegangen. Im übrigen dürfte das wohl eine erstmalige medizinische Sensation sein, dass ein Mensch tiefgekühlt und halb durchgebraten war, aber trotzdem noch lebt und sich wieder erholt. Dass es sich dabei um meinen Vater handelt, wundert mich gar nicht so sehr. Er scheint wirklich unverwüstlich zu sein. Mit diesen Überlegungen erwache ich endlich aus dem Alptraum.

Wieder eingeschlafen, schließt der nächste Traum damit an, dass ich meinen Vater im Seniorenheim besuche. Er schläft fest und wacht trotz meiner Weckversuche nicht auf. Also lasse ich ihn in Ruhe und komme in ein anderes Zimmer, wo ein junger Mann seine alte Mutter pflegt. Allerdings wundert es mich, dass er diese von den Füßen bis zum Scheitel mit einem hellblauen Handtuch bedeckt hat, so dass nichts von ihr zu sehen ist. Sie liegt ganz ruhig da und scheint sich nicht daran zu stören. Erst als ich gehe, beginnt sie unter dem Handtuch wegen irgendetwas zu wimmern. In meinem Bewußtsein wandelt sich nun das große Haus, in welchem ich mich befinde, sowie die Gegend ringsherum, zu einem Computerspiel, bei welchem ich mittendrin mitspiele. Das Haus ist eine riesige Villa und nun so etwas wie ein Internat, wo Unterricht stattfindet, aber auch gewohnt wird. Außerdem wird erzählt, dass in diesem Haus ein roter Geist umgeht. Er wird der Weihnachtsgeist genannt und taucht besonders an bestimmten Orten auf, wie zum Beispiel der Bibliothek. Er hat eine rote Erscheinung, weshalb er wohl auch der Weihnachtsgeist genannt wird. In meiner Phantasie habe ich zwei verschiedene Vorstellungen von diesem Geist. Nämlich zum einen, ein rotes menschliches Gerippe, aber zum anderen frage ich mich, ob es nicht vielleicht nur ein roter Weihnachtsmann ist, der umgeht. So genau möchte ich das aber gar nicht wissen, weshalb ich in Situationen, in denen der Geist eventuell auftauchen könnte, meine Auge in Richtungen fixiere, in denen ich davon nichts wahrnehme. Das Computerspiel an sich funktioniert so, dass ich mich in der unmittelbaren Umgebung frei bewege und ganz normal lebe, aber immer mal wieder bestimmte Aufgaben gestellt werden. Dazu müssen die Mitspieler des Spieles, also alle, die in der Villa wohnen, sich zum Beispiel in einem Saal einfinden und dort bestimmte Fragen beantworten oder Klausuren schreiben. An der Villa fließt auf einer Seite hinter dem Garten ein Fluß vorbei und hinter dem Fluß befindet sich eine Baumallee. Als ich einmal im Garten um die Villa herum spazierengehe, sehe ich flüchtig eine rote Gestalt die Baumallee entlanggehen und in der Ferne verschwinden, wobei ich allerdings durch die Bäume hindurch außer das Rot nicht viel wahrgenommen habe. Ich denke mir, dass dies wohl der Geist gewesen ist und dass es sehr raffiniert von den Spielentwicklern war, diesen wiederholt und auch nur als kleines Detail, in verschiedene Situationen einzubauen. Schließlich befinde ich mich am Fluß, wo ich eine Plattform betrete, die wie ein längsgeteilter Schleppkahn aussieht. Dieser längsgeteilte Schleppkahn wurde am Ufer befestigt und hat auch noch eine geteilte Schiffsführerkabine hinter Glas. Sogar ein Schiffsführer macht sich in der Kabine zu schaffen. Auf einer höhergelegenen Bohle des Kahns sehe ich von weitem ein rotes Männchen liegen. Aus der Perspektive, sehe ich nur die Beine, die herunterbaumeln und den Körper, der sich flach nach hinten gelegt hat. Es erscheint mir merkwürdig klein. Ob das vielleicht der Geist ist? Zumindest ist die Kleidung, bzw. das Hemd rot. Jetzt bewegt sich das Männchen und richtet sich auf. Ich erkenne es sofort. Es ist der kleine Mann aus der schwarzen Hütte, bzw. dem roten Raum, aus "Twin Peaks".

Bemerkung: Das Bild des halb gebratenen, über den Fußboden taumelnden Ferkels erinnert mich sehr stark an den Anblick diesen fetten Hundes, der sich kaum fortbewegen konnte.