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Donnerstag, 15. November 2007

Unter Eisenmangelzuständen

dürfte ich definitiv nicht leiden, denn wir haben erfahren, daß in dem Wasser, welches aus unseren denkmalgeschützten Bürorohren kommt, beim ersten Ablassen ein über den Grenzwerten liegender Eisengehalt gemessen wurde. Herr N. ist allerdings der Meinung, daß dies das Eisen ist, mit dem man Rostflecken ansetzt und nicht das gute. Uns wurde empfohlen, das Wasser lange abfließen zu lassen.
Wenn ich alledings unseren unbelüfteten Kopierraum betrete, der schon durch die Türritzen hindurch so stinkt, als würde darin jemand verwesen, bin ich mir ziemlich sicher, daß der Ozongehalt in meinem Körper um einiges höher liegen dürfte, als der Eisenwert, auch wenn ich stets beim Hineingehen versuche, die Luft anzuhalten. Wenn man aber eine ganze Akte kopieren muß, macht sich das mit dem Luftanhalten so ganz ohne Sauerstoffmaske ziemlich schlecht.

Ansonsten habe ich heute so ca. vier Stunden lang 0,25 Cent ohne Erfolg hin und her gebucht, da diese aus einem falschen Topf geflossen sind und wir Auflage von oben haben, alles was falsch verbucht wurde zu korrigieren, damit unserem Budget für nächstes Jahr keine Gelder verlorengehen. Leider will unsere nette Software aber ganz anders als wir und so, daß man es mit einem menschlichen Gehirn nicht mehr nachvollziehen kann. Ich habe es mit allem versucht, mit Rücklauf, Einbehaltung, Ausbuchung und was weiß ich. Inzwischen, würde ich sage, liegen die Personal- und Verwaltungskosten höher als der eventuelle, sich damit abzeichnende Nutzen für unser Budget, aber gut, mir ist ja egal, wofür ich bezahlt werde.

Mittwoch, 14. November 2007

Hey, super!

Ich erfahre gerade, daß wieder eine Geschichte von mir, die ich zu einem Schreibwettbewerb eingereicht habe, demnächst in einer Anthologie erscheinen wird. Und diesmal sind es sogar ein paar mehr Seiten als beim letzten Mal, ich glaube, es sind 16 oder 20 Word-Seiten. *freu*

Außerdem wird meine Keule heute 51 und ich wüßte nur zu gerne, wer sich in Berlin diesen beknackten Begriff für "Bruder" ausgedacht hat. Auf die riesige Geburtstagsparty am Samstag freue ich mich allerdings überhaupt nicht. Am liebsten schwänze ich sowas ja, aber das sieht auf Dauer ein bißchen blöd aus und meine Schwägerin ist leider enorm partybegeistert und läßt keine einzige ausfallen. Mein Bruder wirkt dagegen immer gestreßter von Jahr zu Jahr und manchmal habe ich den Eindruck, er würde ebenfalls lieber seine Ruhe haben.

Meine Mutter erzählte mir ebend, daß sie beim Ohrenarzt war, weil sie auf dem rechten Ohr kaum hören konnte, und es wurde festgestellt, daß sie auch ohne Ohrenschmalz nicht mehr sehr gut hört. Die normale Altersschwerhörigkeit. Ich fand schon letztens immer den Fernseher ziemlich laut bei ihr, aber wenn ich was gesagt habe, wollte sie das nicht glauben. Als ich sie am Telefon darauf hinwies, meinte sie, daß sie glaubt, ich sei extrem hörempfindlich. Und da hat sie recht, das war ich schon immer. Allerdings ist sie auch der Meinung, daß dies mit der Menningitis zusammenhängt, die ich als Kind hatte. Auf diese Idee bin ich bisher gar nicht gekommen.

Zucker sagt,

zwei große Schöpfungen werden erwähnt - die Klügeren und die Dummen.

Dienstag, 13. November 2007

Verräucherte Geisterstunde

Es sind Geister aus dem Computer lebendig geworden und erschienen. Daß es Geister sind, ist mir nicht gleich klar. Es wird mir erst bewußt, als ich versuche, mit ihnen wie mit normalen Menschen zu sprechen. Ich befinde mich in einem Gebäude, das ein bißchen wie ein Krankenhaus wirkt, mit langen Gängen und einzelnen Zimmern. In einem dieser Zimmer haben sich die Geister versammelt. Was sie dort genau tun, kann ich nicht mehr erinnern. Ich versuche sie zu verjagen, indem ich ihnen erst bestimmt sage, daß sie gehen sollen, und dann etwas handgreiflich werde, was aber beides keinen Erfolg zeigt. Die Geister sind völlig unbeeindruckt. Ich greife einfach durch sie hindurch. Da fallen mir einige Methoden ein, die ich in schlechten Exzorzistenfilmen gesehen habe. Ich gehe also, um Weihrauch oder Räucherstäbchen zu holen. Das mit dem Weihrauch gestaltet sich schwierig, da ich nicht weiß, wie ich ihn so schnell zum Brennen bekommen soll und auch kein Gefäß dafür finde. Also greife ich in aller Eile nach Räucherstäbchen und hoffe, daß es Weihrauchstäbchen sind, bin mir dessen aber nicht sicher, ebensowenig, ob andere Räuchermittel wirksam sind. Versuchen kann man es ja mal. Immerhin bekomme ich sie schnell angezündet, sie sehen allerdings eher aus wie Zeichenkohle - ein Stäbchen schmal und schwarz, das andere ziemlich dick und ungleichmäßig, als wären mehrere Stäbchen umeinander gedreht. Mit den beiden brennenden Stäbchen in den Händen gehe ich zurück in das Zimmer, fuchtel damit vor den Geistern herum und sage irgendwas, was mit gerade einfällt, wie : Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes (übrigens drei) - Geister verschwindet! Amen! Dabei ziehe ich ein Kreuz in die Luft. Doch auch das beeindruckt die Geister nicht sehr. Sie schauen mich nur etwas pikiert an und ich komme mir reichlich albern vor. Ich versuche es mit noch ein paar anderen "Zaubersprüchen", doch dann erlahmt mein Widerstand langsam, als ich merke, daß anscheinend alles ziemlich fruchtlos ist und ich mich vor den Geistern nur zum Clown mache. Ich ziehe mich deshalb in den Gang zurück, aber auch da laufen jetzt überall Geister herum, genauso wie in den anderen Zimmern. Es scheint ganz normale Normalität zu sein und ich hab da wohl irgendwas über Geister falsch verstanden. Na gut, dann muß ich mich eben damit abfinden.

Bemerkung: Als hätte ich es in der Nacht schon geahnt, daß ein Fotograf der fc und seine Kollegin heute Unmengen von Geistern in meinem verzauberten Heidschnuckenfell finden würden. Inzwischen hätten wir eine nackte Frau, eine Frau mit Rock, ein Gesicht, eine Frau mit Kopfkissen, den Golem und ich sehe inzwischen auch dauernd ein Liebespaar, das da vorher noch nicht war. Hilfe!

Heimlich, still und leise, wie Politiker erfolgreich an ihren Privilegien feilen

Wenn ich sowas lese, dann platzt mir echt die nicht vorhandene Hutkrempe:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,516891,00.html.

Diese Taktik der Ablenkung scheint absolut üblich, wie ja schon die schnell mal während der Fußball-WM durchgesetzte hirnrissige Förderalismusreform zeigte, als sich jeder gerne auf die gebotenen "Brot und Spiele" konzentrierte. Auch heute gibt es eben noch vieles für Politiker, was man vom Römischen Reich lernen kann.
Als einfacher Bürger ist man kaum in der Lage so schnell zu schauen, wie einem wieder irgendwelche untragbaren Gesetzentwürfe vor der Nase hindurchgeschmuggelt werden. Klar, die Informationsfluten und Ablenkungen erreichen heute ein solches gigantisches Maß, daß einem nicht anderes übrig bleibt als grob zu sondieren und auszublenden. Und da man ja von überall auf Konsum gedrillt wird, hat die neueste 8-Pixel-Foto-Handy-Kamera bessere Chancen in unser Bewußtsein zu dringen, als einige langweilige Gesetzentwürfe, die sowieso in so einem Deutsch abgefaßt sind, daß man ganze Gerichtshöfe damit beschäftigen muß, zu entscheiden, wie dieses Gesetz nun gemeint war. Nach einem langen Arbeitstag und stundenlanger Beschäftigung damit, welche angebotenen neuesten Hardwarekomponenten man unbedingt für einen funktionsfähigen Computer benötigt und wo man diese am preiswertesten erhält, ist man eh so fragmentiert im Kopf, daß man weder Zeit noch Nerven hat, um sich noch mit dem zu befassen, was eigentlich der Job der Abgeordneten ist. Schließlich heißen sie ja "Abgeordnete", weil sie von uns abgeordnet wurden, um sich stellvertretend in der Politik und Gesetzgebung zu engagieren, während wir unbescholtene Bürger mit anderen Tätigkeiten unser Brot verdienen.
Wenn ich den Abgeordneten aber jede Sekunde auf die Finger schauen muß, damit sie auch tatsächlich meine Interessen vertreten und nicht nur ihre, dann frage ich mich ernsthaft, welchen Nutzen sie noch haben. Ich mein, so gesehen könnte man auch jedem Bürger mit dem 18. Lebensjahr ein Abgeordnetenmandat geben, ihn nach Lust und Laune über Gesetzentwürfe abstimmen lassen und mit einer kleinen Aufwandsentschädigung abspeisen. Ob nun die Abgeordneten nicht zu den Sitzungen gehen oder die Bürger, macht ja eh keinen großen Unterschied.

Zucker sagt,

auf dünnen Drahtgittern und -zäunen herumgeklettert und balanciert, einen Theaterbesuch gemacht, in der Wolfsschanze bei einem Totalverschluß der Luftröhre verschüttet worden, aber die Synchronisation ist echt cool.

Müll wirkt immer -

konnte ich mal wieder feststellen. Womit allerdings nicht der dreckige und stinkende Müll in meiner Küche gemeint wäre, sondern der SERIAL HARDBOILED COMEDY CRIME SUSPENSE ROMANCE SURPRISE Roman, den ich die Ehre hatte mit zwei Mitautoren zu komödieren. Eigentlich hatte ich nur wegen der staubsaugenden Katze danach gegriffen, weil ich der Meinung war, diese sei darin vorgekommen, aber jetzt bin ich schon wieder daran hängen geblieben und lache mich scheckig. Ich weiß ja, Eigenlob stinkt, aber je mehr ich aus dem Inhalt vergessen habe, um so mehr finde ich bei erneutem Lesen, daß uns doch ein richtig cooles und abgefahrenes Stück Mega-Trash gelungen ist. *gg*

Montag, 12. November 2007

Kindheitserinnerungen im Fünferpack


drops
Originally uploaded by Weltentanz - Fluchtpunkte im Blickwinkel.

gab es heute im Supermarkt. Die existieren also noch. Ich glaube, die Verpackung ist sogar dieselbe, aber damals konnte man die Stangen einzeln kaufen und eine Stange Zitro oder Pfeffis kostete, wenn ich mich recht entsinne, 0,10 Ost-Pfennig. Genau das richtige für schmale Taschengeldbeutel. Die Drops selbst hatten jedoch eine etwas andere Form, zwar auch rechteckig, aber mit einem ganz dünnen überstehenden Rand, den man mit den Zähnen "abratzen" konnte. Der Rand ist jetzt dicker und die Fläche der Vertiefung kleiner.
Ich vermisse noch immer die Pfefferminzkluten - ich bin zwar kein großer Pfefferminzfan, aber diese Pfefferminzstangen habe ich manchmal ganz gerne gegessen - und das Waffel-Zitroneneis.

Die Liebesbotschaft und der Wohnungseinbruch

Ich habe irgendwelchen Unterricht, wo mein ehemaliger Mitschüler R. aus meiner Abiturklasse der Dozent ist. Wir erhalten eine Klausur zurück. Auf meiner Klausur steht als Bewertung drunter die "Note 3" , was mich etwas enttäuscht, und daneben, abgegrenzt durch ein "privat" - als würde es so niemand anderes lesen können -: Ich hab dich lieb.

Zu Hause in meinem Bett. Plötzlich kommen Frau H., eine Nachbarin, und eine fremde Frau mit Staubsauger zur Tür herein. Vor Schreck stehe ich wie eine Eins und decke schnell ein wenig Kram zu, der herumliegt. Die Frau will bei mir staubsaugen, denn neuerdings ist dieses Sache des Vermieters und der schickt dafür eine Putzkraft. Sie war auch schon zweimal da, allerdings nervt mich gewaltig, daß sie einfach so Zutritt zu meiner Wohnung hat und vorher weder klingelt noch klopft. Zum einen erschrecke ich jedes Mal und zum anderen ist es mir auch etwas peinlich, daß es nicht immer ganz ordentlich bei mir ist. Heute geht es zum Glück. Außer, daß der ganze Couchtisch voller Schokoladenostereier liegt, ist es relativ aufgeräumt. Trotzdem bin ich durch meinen Schreck ziemlich aufgebracht und wütend, so daß ich den beiden Frauen unmißverständlich klar mache, daß sie verschwinden sollen und daß ich sie in meiner Wohnung nicht mehr sehen will. Dabei überlege ich bei mir, daß ich wohl ab jetzt den Schlüssel von innen in der Tür stecken lassen muß. Als sie durch den Korridor zum Ausgang gehen, bestätigt die Putzfrau noch einmal, daß es auf meine Art ja recht ordentlich in der Wohnung ist.

Bemerkung: Erstaunlich diese Träume. Da hatte ich gestern mal wieder den mehrmals im Jahr obligatorischen großen "Keiner-mag-mich"- Jammer und erhalte dann solche Traumbotschaften. Für bessere Noten scheint es aber nicht zu reichen, wobei mir jetzt endlich auffällt, daß die 3 in letzter Zeit ziemlich häufig in meinen Träumen vorkommt. Die dreigeteilte Wohnung, die drei Hunde, drei Putzfrauenbesuche und die Note 3. Anscheinend mußte ich schwarz auf weiß darauf gestoßen werden und noch immer hab ich keinen Schimmer, was mir die 3 sagen soll.
Der zweite Traum erinnert mich an den Traum mit der staubsaugenden Katze und jedesmal, wenn mir der Traum in Erinnerung kommt, könnte ich mich wieder wegschmeißen vor Lachen.

Zucker sagt,

daß Michael einfach Jehovah selber war, im besten Fall einer der Ärzte.

Sonntag, 11. November 2007

Toller Roman.

Wirklich. Ich frage mich nur, warum er als Sachbuch verkauft wird. Soviel Phantasie hätte ich dem Autor des Buchs "Die Blume des Lebens" gar nicht zugetraut. Aber das ist ja sowieso alles, bzw. zum Teil, gar nicht von ihm sondern von Thot aka Hermes. Und der muß es ja wissen. Bisher hatte er immer recht, wie der Autor versichert. Immerhin weiß ich jetzt, daß wir diese ganzen Probleme wie Krieg, Umweltverschmutzung und raffgierige Kapitalisten nur deshalb haben, weil sich in grauer Vorzeit einige Marsianer auf der Erde breit machten, deren kaltblütige und rationalen Gene sich schnell unter unseren eigentlichen Vorfahren ausbreiteten. Die Marsianer beschlossen irgendwann (nachdem sie auf die anderen gehört hatten und darauf durch einen Kometeinschlag fast ausgerottet wurden), die Weltherrschaft an sich zu reißen, was ihnen ziemlich gut gelungen ist. Nun kann ich mir endlich auch sicher sein, daß ich wohl nicht die geringsten Spuren des Marsianer-Gens besitze, denn dann wäre ich mindestens Millionär.
Sehr interessant finde ich auch die Aussagen über die ägyptischen Bauwerke. Ich meine, über die Pyramiden gibt es ja jede Menge sinnige und unsinnige Theorien, aber daß die Cheopspyramide Landeplatz für ein riesiges untertassenähnliches Luftschiff gewesen sein soll, ist mir neu. Ebenso absonderlich erscheint mir die Aussage, daß die Figuren vor dem Tempel von Abu Simbel in ihrer natürlichen Größe dargestellt wurden und der Eingang dazu, in welchen noch nicht einmal ihr Fuß passen würde, nur deshalb so klein ist, weil er nur für die Venusier gebaut wurde, welche noch die Größe der dritten Dimension hatten. Diese Dame übrigens

http://www.aegyptologie.com/forum/cgi-bin/YaBB/YaBB.pl?board=wuh&action=display&num=1182076600,

- die mit dem obersten Bild auf der Seite ebenfalls im Buch abgebildet wird -, ist ja ziemlich einfach als Königin Teje zu erkennen, zumindest wenn man sich bereits etwas mit Ägyptologie beschäftigt hat. In diesem Buch heißt sie jedoch Tiya und hat mit ihrem Ehemann Ay heiliges Tantra praktiziert und interdimensional ein Kind gezeugt, was alle drei für immer unsterblich machte, weshalb sie heute noch auf unserer Erde leben. Nun ja, vielleicht führte Königin Teje ja ein Doppelleben und hatte noch einen heimlichen inoffiziellen Ehemann, mit dem sie dieses geheime Tantra praktizierte. Möglich ist alles und ich will keinesfalls behaupten, daß ich es besser weiß. Sollte dieses Kind Echnaton gewesen sein, müßte auch dieser heute noch auf der Erde leben. Ich kann dieses Kind aber wohl eindeutig nicht gewesen sein, auch wenn Amenophis III. mein Vater war und Teje somit evtl. meine Mutter. *pfeif*

Bäckereisuche, Lammfellhaare und Romanidee

Es ist vormittags und ich habe noch etwas Zeit, um durch die Straßen zu gehen und mir vielleicht irgendwo vom Bäcker frischen Kuchen zu holen. Erst bin ich am S-Bahnhof, laufe drumherum und lande irgendwie in der Straße meiner Kindheit. Ich weiß nicht so recht, in welche Richtung, überall gibt es was zu sehen, dann biege ich ab und laufe in Richtung meines jetzigen Kiezes. Doch je weiter ich komme, um so mehr verändern sich die Straßen. Ich erkenne sie jetzt nicht mehr wieder und frage mich, wo ich bin, denn sowas habe ich hier noch nie gesehen. Die Häuser werden immer älter und schöner, schließlich fast rokokoartig, Rosenspaliere und Gärten sieht man an verschiedenen Ecken, alte Laternen, Säulen, runde Dachkuppeln - es kann doch nicht sein, daß ich hier in der Nähe wohne und davon gar nichts weiß? Schließlich schaue ich auf eine prachtvolle Allee mit hohen alten Bäumen, die allerdings nur auf einer Seite stehen, während sich auf der anderen Seite verzierte Hausfassaden reihen. Den Fotoapparat habe ich natürlich nicht dabei und ein Bäcker findet sich hier auch nicht.
In der S-Bahn steht ein Mann mit einer riesigen lammfellartigen Mähne an der Tür, die gleiche Farbe, lang und etwas filzig. Auf einmal überkommt mich von einem Moment zum anderen eine tiefe Leidenschaft, weniger für den Mann, als vielmehr für die Haare. Fast möchte ich mich in sie hineinkuscheln wie in einen Lammfellteppich, aber als ich wieder zur Tür blicke, hat der Mann plötzlich eine Glatze.
Im nächsten Traumfragment kommt mir die Idee für einen neuen Roman, indem ich die Handlung direkt vor mir sehe, zuschaue, was passiert und denke: ja, genauso müßtest du es aufschreiben. Das meiste davon habe ich vergessen, aber es ging um einen Mann, der einer Frau irgendeine Aufgabe gab und ihr heimlich folgte und sie beobachtete, ob sie das auch wirklich so tut.
Schließlich liege ich zu Hause in meinem Bett und mir fällt ein, daß ich noch immer keinen Bäcker gefunden habe. Ich überlege mir, daß ich im Notebook nachschauen könnte, welches auf dem Tisch steht, doch als ich aufstehen will, merke ich, daß ich gelähmt bin und mich nicht bewegen kann. Gut, denke ich, anscheinend schlafe ich noch und bin nicht wirklich so wach, wie ich dachte, also warte ich, bis ich richtig wach bin. Ich liege also da und warte. Irgendwann hebe ich den Kopf und sehe am Fußende des Bettes ein in ein Netz gesponnenes Tier, das wie eine grün-gezuckerte Lakritzstange aussieht. Es sieht zwar nicht so gefählich aus wie eine Spinne, trotzdem möchte ich nicht, daß es vielleicht auf mir rumkrabbelt. Deshalb werde ich jetzt zappeliger und möchte mich endlich bewegen können, was aber immer noch nicht gelingt, bzw. nur ein bißchen mit Kopf und Händen. Irgendwie dauert das alles ziemlich lange und langsam werde ich panischer, weil ich mich noch immer nicht bewegen kann. Dann, mit unmenschlicher Anstrengung, ich schaffe es gerade einmal, mit meinen Händen etwas zu wedeln, erwache endlich tatsächlich aus dem Traum.

Samstag, 10. November 2007

Zucker sagt,

die Welt wird eine Rasse hervorbringen, welche den Stelen im Holocaust-Mahnmal ähnelt.

...

Gerade Tiere, Pflanzen und Mineralien aber spielen dort eine große Rolle, wo von der Wohnung Gottes, dem Tempel erzählt wird, oder bei der Beschreibung von Gottes Thronwagen, der »merkawa«, in der Vision des Ezechiel.
(aus "Die Kabbala im Traumleben des Menschen" von Friedrich Weinreb )

Außerdem haben Physiker an der University of Rochester der University of Kansas Belege dafür gefunden, die an dem lange bewahrten Glauben rütteln, der Weltraum sei in allen Richtungen gleich. Der Forscher John Ralston berichtete: "Es scheint eine absolute Achse, eine Art von kosmologischem Nordstern zu geben, an dem sich das Universum orientiert." Diese Arbeit wurde in der Ausgabe der Physical Review Letters vom 21. April 1997 publiziert. Außerdem hat man entdeckt, dass Licht an dieser Achse anders wandert als überall sonst. Es gibt also nun zwei uns bekannte Lichtgeschwindigkeiten! Die Achse ist der Schlüssel zum lebendem Mer-Ka-Ba-Feld, und diese Entdeckung könnte irgendwann beweisen, dass das ganze Universum wirklich nur ein gigantisches lebendes Mer-Ka-Ba-Feld ist.
(aus " Die Blume des Lebens, Band 1" von Drunvalo Melchizedek)

Freitag, 9. November 2007

Wo sind all die Spielplätze geblieben?

Eisiger Wind und Regen, grau und wolkenverhangen - eigentlich ist das nicht das Wetter, an welchem man freiwillig vor die Tür geht. Ich normalerweise auch nicht, aber ab und zu zieht es mich doch zu einer echten Sturmregenwanderung, zumindest wenn ich schnell gehen kann und mich nicht im Schneckentempo fortbewegen muß. Ich finde, wenn dann so langsam meine Nase und meine Gusche abfrieren, während mir der Wind um die Ohren weht, und ich völlig durchgeweicht bin, hat das irgendwie etwas energetisierendes.
Eigentlich wollte ich ja nur vom Büro nach Hause laufen, aber als ich am Wohnhaus meiner ehemaligen Schulfreundin vorbeikam, hatte ich plötzlich die Idee, hinten über die kleinen Höfe und Straßen zu gehen und zu schauen, ob ich aus meinem "Kindheitskiez" noch irgendetwas wiedererkenne. Das war kaum der Fall. Natürlich ist in meiner Erinnerung alles viel größer und unbewachsener. Jetzt sind die Bäume richtig hoch gewachsen und die Rasenflächen sehen kleiner aus. Außerdem sind die beiden großen Spielpätze verschwunden, der mit der komischen Steinraupe, durch welche man hindurchkrabbeln konnte, und auch der andere, auf welchem wir manchmal mit dem Hort waren. Nur die kleine Wäscherei gibt es immer noch. Da ich nun schon einmal dort war, dachte ich mir, jetzt könnte ich auch gleich zu meiner ehemaligen Schule, wobei ich über die Höfe der damals neugebauten Häuser ging, wo wir uns während des Wehrerziehungsunterrichts versteckten, als wir uns an unseren Physiklehrer anrobben sollten. Einmal bei der Schule meinte ich, jetzt könne ich auch noch zur Kirche laufen, und so bin ich einmal kreuz und quer durch fast alle Straßen, Ecken und Winkel, die ich in meiner Kindheit durchstöberte.
Dabei fand ich es ziemlich erschreckend, daß wirklich sämtliche Spielplätze verschwunden sind, die ich aus meiner Kindheit kenne. In meiner Erinnerung gab es überall Spielplätze. Zwar hatten wir auch einen eigenen auf dem Hof, aber wenn man raus auf die Straßen ging, fand man stets in der Nähe, auf Höfen, Straßen und in Ecken, kleinere oder größere Spielplätze. Keiner davon ist mehr da, nicht mal der Spielplatz auf dem Hof der Schule. Auch den Spielplatz in Prenzlauer Berg mit der Elefantenrutsche gibt es nicht mehr, wie ich vor zwei Jahren feststellte. Es scheint tatsächlich so, als seien Parkplätze inzwischen wichtiger geworden als Spielplätze, mal ganz abgesehen davon, daß die Straße, in der wir wohnten, in meiner frühen Kindheit sogar eine SPIELSTRASSE war, auf der ich Rollschuhlaufen konnte. Sowas gibt es heute gar nicht mehr. Das wäre wohl lebensgefährlich.
Aber nicht nur in Berlin ist das so, im Dorf meiner Großeltern finde ich ebenfalls keinen Spielplatz wieder. Es ist ja jetzt sowieso kein Dorf mehr, sondern ein KURORT - da braucht es Parkplätze und Sendemasten statt Buddelkästen und Klettergerüste. Jetzt ist nur noch ein einziger Spielplatz übrig, der mit den tröpfelnden Wasserspielen, den ich noch nicht wieder aufgesucht habe, was ich mir aber unbedingt vornehme. Und ich bin mir fast sicher, daß ich dort wahrscheinlich auch nur Parkplätze finden werde. Bin ich froh, daß ich in heutiger Zeit kein Kind sein muß!

Der ehemalige Sportplatz erscheint mir heute ziemlich klein. Klar, wenn man da zehn Runden drumherum laufen soll, ist es ganz natürlich, daß sich die Strecken ziehen. Aber auch dieser seitliche Hügel, von dem wir früher mit Schlitten gerodelt sind, wirkt heute nur noch wie ein größerer Laubhaufen.

Der Anblick der Kirche überraschte mich, da ich feststellen mußte, daß es an der hinteren Seite der Kirche tatsächlich eine Plattform gibt, wie ich sie in diesem Traum sah. Ich hätte schwören können, daß es sowas nur vorne gab. Wie man sieht ist mein Gedächtnis beim Träumen sehr viel besser als beim Wachen.

Auf dem Gelände in der Nähe standen vor langer langer Zeit einmal Schrebergärten, welche, als ich kaum laufen konnte, also vor ca. 35 Jahren, platt gemacht wurden, weil man Platz zum Bauen brauchte. Allerdings stellte man erst hinterher fest, daß sich der Boden nicht zum Bauen eignet, und so liegt diese Brache seit 35 Jahren zwischen Zäunen eingefercht, und natürlich kommt auch niemand auf die Idee, dort vielleicht einen Spielplatz oder Park anzulegen. Sowas braucht ja keiner. Manchmal ist es doch ganz gut, daß es die Erinnerung gibt, denn in meinen inneren Bildern ist alles noch wie früher - mit Schrebergärten, Spielstraße und den abenteuerlichsten Spielplätzen an jeder Ecke.

Zucker sagt,

diese Flüstertaste an meinem Jungfrau-Merkur tut sich schwer mit dem Spiel der Identitäten.

Donnerstag, 8. November 2007

Auszüge aus "Die Kabbala im Traumleben des Menschen" von Friedrich Weinreb - Teil 2 - die vier Schichten des Träumens, Traumdeutung Prüfungsangst

Wir sehen also eine Entwicklung: Zu Beginn spricht Gott selbst mit dem Träumer; dann entfernt sich die Deutung gleichsam immer mehr und kommt beim Pharao auf dessen ausdrückliche Frage via die Traumdeuter und den Schenken, der sich erinnert, »von jenseits«. Joseph, der Jenseitige, gibt ihm eine Deutung, die nicht nur für Ägypten, sondern für alles entscheidend ist, was die weitere Geschichte erzählt....

...Die 7 Träume gliedern sich in 4 Gruppen: Jakob, Joseph, Bäcker und Schenke, Pharao. Wir finden also auch hier die 4heit wieder, die unsere Welt bestimmt in den 4 Elementen, den 4 Exilen, den 4 Himmelsrichtungen usw. Die 4heit im Traum erscheint als Stufung. Die vierte Schicht, Pharao, ist uns am nächsten; dort heißt es: »Ich habe geträumt und will eine Deutung.« Bäcker und Schenke sind von uns schon weiter entfernt; nur deren verstimmte, traurige, gedrückte Gesichter »sprechen«. Joseph - wieder eine Stufe tiefer, also noch weiter entfernt - sucht keine Deutung; er erzählt nur den Traum, und die anderen werden dadurch unruhig und irritiert, als ob es sie anginge. Und in der tiefsten Schicht, bei Jakob, ist Traum und Leben eine Einheit; Jakob nennt dann auch den Ort mit dem Stein, an dem er geträumt hat, »bethel «, »Haus Gottes«....

...Der Ort der Verbindung zwischen Himmel und Erde, die Leiter, auf der Engel auf- und herabsteigen, ist Ursprung und Wurzel des Traums. In einer alten, in aramäischer Sprache abgefaßten Mitteilung wird gesagt, der Traum solle in vier Schichten gedeutet werden. Weiteres steht dort allerdings nicht, weder werden die 7 Träume genannt, noch wird eine Anleitung gegeben, wie mit den vier Schichten umzugehen sei. Es wird - und das ist sehr charakteristisch für alle Mitteilungen des alten Wissens - als selbstverständlich vorausgesetzt, daß man die 4 Schichten in sich kennt und erlebt.... ....In der tiefsten Schicht wird, wie man sagt, für den Menschen die »Leiter« sichtbar. Dann ist er wirklich der Freie, hat keinen Zwang mehr, weil er spürt und weiß, daß überall dort, wo er ist, die Wohnung Gottes ist....

....Er träumt aber nur, wenn er den anderen flieht, Esau im Stich läßt, fortgeht. Das Unsichtbare im Menschen begibt sich woandershin, deshalb kann der Mensch träumen. Im Schlaf, erzählt das alte Wissen, verläßt die »neschamah«, das Göttliche der Seele, den Körper und erfährt den Traum. Bist du als Mensch imstande, dich vom nur Werdenden zu distanzieren, dann erfährst du den Traum und die Deutung in einem. Hat sich der Mensch aber in seinem Sein noch nicht erkannt, ist er noch nicht bis zur Kernschicht durchgedrungen, dann meldet sich der Traum......
Diesem »Traum im Kern« gegenüber steht Pharaos Traum in der äußersten Schicht hier. Pharao ist sein Traum bewußt, und er weiß, daß er ihn nicht deuten kann....

...Im bunten Rock und allen seinen Farben können alle Situationen des Lebens zu gleicher Zeit sein: Sein und Werden in einem. Der Fingerabdruck, die Schrift, das Horoskop und alles, was man sonst vom Menschen kennen und erklären kann, reicht nur bis zur 10. Dann kommt das andere, wovon gesagt wird, daß es kausal und rational auf keine Art bestimmbar ist. Das 11te spottet aller Tests und verhält sich »antihoroskop«. Die Astrologie gilt für alles, heißt es, nur nicht für Israel im Menschen; Israel steht über den Sternen. Beim Auszug aus Ägypten stehen die Sterne für Israel - so die Überlieferung - ganz schlecht. Israel aber entzieht sich dem Zwang der Sterne, etwas im Menschen durchbricht das Gesetz des Kausalen.....

...Der Haß der Brüder auf Joseph will sagen: Wir, unser eigenes kausales Denken, ertragen das andere bei uns nicht. Gerade heute gibt es viele Versuche, es kausal eingängig zu machen, zum Beispiel mit Hilfe der Parapsychologie. Man versucht, das andere zu messen, zu wägen, zu photographieren, im Glauben, dadurch erst werde es salonfähig, universitätsbekannt und damit wissenschaftlich. Auch in einer solchen Form kann sich der Haß der Welt auf das andere äußern. Es handelt sich hier nicht um Schlechtigkeit, vielmehr: In uns lebt ständig dieser Haß; nur wenn wir träumen, können wir das ganze Bild des Menschen in uns erfahren. Vielleicht verstehen Sie jetzt auch, daß das alte Wissen einen, der nicht träumt, einen »rascha«, einen »Bösen« nennt (wobei wir wissen, daß man durchaus träumen kann, ohne sich daran zu erinnern). Kranke oder Menschen, die in Not sind, träumen sehr viel und intensiv. Man könnte sagen, Joseph reklamiert in ihnen und meldet, daß er lebt. Wenn man sich klar an die Träume erinnert, ist es ein Zeichen dafür, daß man die Traumwelt nicht dergestalt mit dem Leben in Verbindung bringen kann, daß es sich lebt nach dem Traum. Du mußt dann erst den Traum erfahren, und nach dem Verstehen der Deutung kannst du es leben.....

...Mensch kann er erst sein, sagen die alten Mitteilungen, wenn er den Josephs-Traum hat, wenn er spürt: Alles um mich herum hat in und zu mir Beziehung, lebt durch mich; wie ich alles in mir habe, so - und genauso - lebt es auch außerhalb....Der Mystiker allein vernichtet die Welt, auch der Politiker oder Wissenschaftler allein vernichtet sie. Joseph träumt dort, wo der Mensch beide in einem erfährt. Dort erfährt er auch, daß er sich nicht nur unwichtig fühlen kann; gewiß, du bist unwichtig, gleichzeitig aber bist du der Wichtigste von allen. Beides ist wahr. Im selben Maße, in dem du dich unwichtig erfährst, rufst du hervor, daß du wichtig bist. Du mißt dich an der anderen Seite....

....Die alte Traumdeutung sagt dazu: Wenn einer dir keine Träume erzählen kann, macht das gar nichts. Es tut sich ja auch im Leben. Schau also, wo dieser Mensch ohne Zwang lebt. Danach frage ihn gleichsam. Das soll dir sein Traum sein, denn weil er es träumt, tut es sich...

...Ich möchte jetzt dazu übergehen, Traumsituationen zu besprechen, die den meisten Menschen vertraut sind. Beginnen will ich mit einer Situation, die wohl jeder im Traum wie im Leben erfährt: der Prüfungs- oder Examensangst. Man sieht sich vor ein Prüfungsgremium gestellt und hat Angst, entweder weil man nichts weiß oder weil man alles wieder vergessen hat oder weil man überhaupt das Gefühl hat, einer Willkür ausgeliefert zu sein. Eine derartige Lage ist eng mit der kausalen Seite des Menschen verknüpft, mit dem starren Glauben an Ursache und Wirkung. Jeder wache Mensch kennt diese Angst und lebt in Unsicherheit, denn er weiß nie, wie sein Planen sich auswirken wird. Etwas in uns ist so überzeugt von Ursache und Wirkung, daß es uns ständig einredet, es gäbe gar nichts anderes als das. Daher glaubt man, viel wissen zu müssen, um bestehen zu können. In der Meinung, alles sei abhängig von dem Moment, in dem man vor den Prüfern steht, setzt man alles daran, einen guten Eindruck zu machen. Wir hatten schon von den beiden Wirklichkeiten gesprochen, die zum Menschen gehören; die eine nannten wir die kausale, die andere — die Kausales und Akausales m einem enthält - die akausale Wirklichkeit. Zwischen beiden besteht die Spannung, daß man jeweils m betonter Einseitigkeit entweder glaubt, nichts tun zu können, da es doch komme, wie es kommt, oder alles tun zu müssen, da sonst nichts geschehe......

Angst also kommt dem Menschen, wenn eine Einengung des Lebens aufs Kausale stattfindet. Prüfungs- oder Examensträume - unter dieser Bezeichnung fasse ich der Einfachheit halber eine Vielzahl von Traumsituationen zusammen - weisen den Menschen auf sein Weltbild hin; im Traum zeigt es sich, wie es wirklich ist, da kann man sich nichts mehr vormachen. Solche Träume drücken das Gefangensein im Glauben an eine kausale Weltmacht aus. Es mag schon sein, daß du viel von Wundern sprichst, der Traum aber zeigt, daß du eigentlich nicht daran glaubst. Typisch für diese Träume sind die Gefühle von Beengung und Bedrängung, ihr Angelpunkt ist: Du kannst auf das Leben keine Antwort finden, jeder Versuch hat den Charakter des Sich-selbst-etwas-Vormachens, eines Sotuns, als ob alles kausal zusammenhinge. Der Traum zeigt die Vergeblichkeit..

....Der Prüfungstraum meldet dir: Dein Weltbild ist voller Drängnis, daß du nicht bestehen wirst. Der Traum zeigt es dir untrüglich, wenn du auch im Bewußten glaubst, eine ganz andere Weltansicht zu haben. Diesem Zwang steht die Möglichkeit der Überraschung gegenüber: Daß es eine akausale Kraft gibt, die nicht an Ursache und Wirkung gebunden ist, sondern die dich unvermutet überrascht. Träume, die das zum Ausdruck bringen, nennt man im alten Wissen Elia-Träume.....Der Elia-Traumtypus ist dem zuvor besprochenen genau entgegengesetzt; er zeigt, daß eine vollkommen unerwartete Überraschung eintritt.....Nach den Erkenntnissen der Psychologie kommt der Typus der Elia-Träume heutzutage in der westlichen Welt sehr selten vor. Häufig dagegen sind Träume, die auf Weltbildern beruhen, welche das andere Leben als eine Art Gerichtshof vorstellen....

In der Enge des kausalen Weltbildes verhält man sich dem Himmel gegenüber, wie man sich vor einer strengen Prüfungskommission verhält: angstvoll und in Unsicherheit, vielleicht doch der falschen Gruppe oder Religion anzugehören. Man glaubt an eine Macht, die sozusagen rechnet und Buchhaltung führt, und weiß nie genau, ob das, was man einzahlt, dort dasselbe wert ist wie hier; hier kennt man die Währung, aber dort...? Durch Jahrhunderte, ja, vielleicht Jahrtausende hat sich dieses Weltbild immer stärker herauskristallisiert und jenes von der Überraschung, der »guten Nachricht« fast völlig verdrängt....

....Es ist immer die Einseitigkeit, die zu Besessenheit führt. Vom Wahnsinn Besessene würden alle kausal-bedingten Vernünftigen einsperren, weil sie ihr Weltbild störten. Im Dritten Reich zum Beispiel fingen viele kausal-bedingte Vernünftige an, wahnsinnig zu reden und sich besessen zu verhalten. Sie schrien, bis sie heiser waren. Der Wahnsinn war Norm geworden, die Vernunft war ausgebannt. - Kausal- bedingte Vernunft läßt den Menschen an der einen Seite zugrunde gehen und Wahn an der anderen Seite. Wir müssen einsehen, daß wir unseren Tag nicht in Stunden der Rationalität und Stunden für die Mystik einteilen können. Wir können nicht entweder Verantwortung tragen oder verantwortungslos sein. Das Merkwürdige ist: Du trägst Verantwortung und bist verantwortungslos. Wenn man vom Menschen »im Bilde Gottes« spricht, meint man auch: Das, was der Mensch tut, ist bei Gott. Sieht man das Sprichwort »Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott« im kausalen Sinn, dann ist es eine Blasphemie; versteht man es im kausalen und akausalen Sinn, dann bedeutet es: Was du tust, wird getan. Es wird getan, aber wir müssen tun. Unser Tunmüssen ist an der anderen Seite die Freiheit vom Tun. Unser Gesetz hier ist die Freiheit dort, unsere Bewegung hier die Ruhe dort. Es ist nicht entweder Bewegung oder Ruhe. Es ist das gleiche. Wir tun, atmen, essen, trinken, schlafen, -weil es mit uns getan wird. Wir können nichts dafür, werden schläfrig, das Atmen geht von selbst, die Peristaltik beim Schlucken auch. Erst in dem Moment, in dem du es selbst und bewußt tun willst, geht's nicht mehr, verschluckst du dich, kommt die Nervosität und die Angst, daß du ersticken könntest.

Zucker sagt,

Bond ist ein junges Mädchen mit Topfschnitt und rotem Pullover.

Mittwoch, 7. November 2007

Stonehenge-Dorf war Steinzeit-Großstadt

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,515857,00.html

Zucker sagt,

das ganze Wesen der Wahrheit kann nicht nur deren Bücher katalogisieren.

Dienstag, 6. November 2007

Die Vögel sind meine Verbündeten

Eine liebreizende Eigenheit des Herrn N. ist ja, daß das Büro alles seins ist und ich natürlich nur der Gast. Das heißt, er ist der Herrscher über die Heizung, der Herrscher über die Fenster, der Herrscher über die Wände, der Herrscher über die Möbel und der Herrscher über das Licht. Mit der Zeit hat er mir jetzt immerhin schon einen Teil der Heizung zugesprochen und auch sonst kann ich mich einigermaßen mit ihm arrangieren, allerdings erklärte er mir bereits mitten im Hochsommer, daß er meist den ganzen Tag die Deckenbeleuchtung an hat, da das Zimmer so dunkel sei. Nun mag ich dieses Leuchtstoffröhrenlicht überhaupt nicht, ich versuche immer so lange wie möglich mit der Schreibtischlampe auszukommen. Nur im allernötigsten Notfall mache ich das Deckenlicht an, da ich es nicht mag, es ist ungemütlich, bzw., um es im Esojargon zu benennen, es hat irgendwie so unangenehme Schwingungen. Und gerade im Sommer fand ich es nun überhaupt nicht so schrecklich dunkel, schließlich schien die Sonne noch um die Ecke. Damals wunderte ich mich schon, warum die Spatzen nur kommen, wenn Herr N. nicht da ist. Als jetzt letztens dieser Spatz am Fenster sein Mimikri machte, fiel mir auf, daß diesmal Herr N. anwesend war, aber das Deckenlicht aus. Es kam mir der Gedanke, daß die Vögel vielleicht gar nichts gegen Herrn N. haben, sondern nur etwas gegen die Leuchtstoffröhren. Wenn ich allein war, hatte ich diese nämlich immer aus. Und wie es der Zufall so will, als Herr N. heute extra einen trockenen Kanten für die Spatzen von zu Hause mitbrachte, aber sich weit und breit kein Vogel blicken ließ, kam er, etwas beleidigt, ebenfalls auf genau diesen Gedanken. Und es sieht so aus, als hätten die Vögel ihn jetzt überzeugt. Ich glaube, künftig werde ich wohl im Dunkeln sitzen müssen. *gg*

Auszüge aus "Die Kabbala im Traumleben des Menschen" von Friedrich Weinreb - Teil 1

Viele glauben, sie seien nur normal, wenn sie wach sind und aus wachem Bewußtsein denken, sprechen und handeln. Die Überlieferung aber sieht gerade darin das Nichtnormale. Wer so denkt, von dem heißt es, daß er als Mensch nicht funktionieren kann, denn er hat die andere Wirklichkeit bei sich getötet, erstickt, still gemacht. Er ist dann nur ein halber Mensch. In meinem Esther-Buch habe ich von diesem König Achaschwerosch erzählt, dem König der Meder und Perser, der nur ein König der halben Welt ist, nicht der ganzen. Von ihm wird auch gesagt, daß er der König des halben Menschen ist, nicht des ganzen. Das gleiche aber gilt auch vom Mystiker, der sagt: »Ich versenke mich nur in Mystik, alles andere ist mir nicht so wichtig.« Der ist auch nur ein halber Mensch, denn wozu ist dann »alles andere«, diese Welt und diese Wirklichkeit? Viele sagen auch: Das sind zwei Dinge, die man gut auseinanderhalten muß wie Geschäft und Privatleben, Alltag und Ferien. Manchmal komme ich in Meditation und bin dann sehr gesammelt und in einer höheren Welt; dann wieder mache ich gute Geschäfte, gönne mir Luxus und bin auch sehr zufrieden dabei, nämlich wieder »normal«. - So aber geht es nicht, die Einheit fehlt, es ist eine Trennung da. Eine störende Unehrlichkeit, die so tut, als sei der Genuß der »höheren Sphären« am Festtag, was im Alltag als gelungener Geschäftsabschluß befriedigt. Das Heilige und das In-der-Welt-Sein ist aber eins...

...Ich möchte mythologische Begriffe von einer ganz anderen Seite her darstellen und versuchen, aus den sehr alten Quellen neues Leben hervorströmen zu lassen. Die Traumbilder können uns dann Wichtiges mitteilen, vor allem auch in unserem Wachsein, wo doch das Doppelte auch da ist. Wir fragen uns dann vielleicht eher: Warum habe ich jetzt diese Phantasie? Phantasie steht in der heutigen Zeit nicht sehr hoch im Kurs. Kinder sollen nicht phantasieren, sondern rechnen lernen. Im Hebräischen ist »rechnen« und »denken« das gleiche Wort: kausal funktionieren. Gewiß, man muß auch kausal funktionieren. Wird es aber überbetont oder gar ausschließlich gefordert, entsteht eine schreckliche Langeweile, weil alles gebunden wird. Kausalität ist ein Zwang. Die Menschen führen heute so viele Zwangshandlungen aus, weil sie soviel denken müssen. Denken Sie doch nur, woran Sie alles denken müssen, wenn Sie umziehen oder Ihre Steuererklärung ausfüllen oder Ihren Urlaub vorbereiten! So kommen Sie in Zwang, weil alles kausal ist, und es öffnet sich nichts im Leben nach einer anderen Seite...

...Im Hebräischen hat das Wort für Krankheit die gleiche Wurzel wie das Wort für normal, und das Wort für Gesundheit hat die gleiche Wurzel wie das Wort für Schöpfung und schöpferisch. Norm heißt: gebunden, Zwang. Der Norm muß man entsprechen. Schöpferisch heißt: Ich durchbreche ständig den Zustand, ich schöpfe, erschaffe Neues. Wenn der Mensch also immer nur denkt und gut rechnet, dann ist er in einem krankhaften Zustand. Ist er schöpferisch, dann empfindet er keinen Zwang, fühlt sich gesund, ohne darauf bedacht zu sein. Eigentlich geht die Welt des Zwanges immer vor lauter Langeweile unter. Man denke nur an die zwanghaften Förmlichkeiten der Konversation und der Gesellschaftskleidung. Der Mensch will auch im Wachsein gern frei sein, gern phantasieren, gern träumen - viel mehr, als wir denken. Da will er gern, wie auf Chagalls Bildern, eine Figur in der Luft herumschweben lassen, die eigentlich auf den Boden gehört. Träumen sollten wir also nicht nur als Nachtgeschehen sehen....

...Sie kennen die Geschichte »vom Sündenfall«, wie das theologisch so schön heißt - die Bibel kennt keinen Sündenfall, nur die Theologie; wenn der Mensch vom Baum der Erkenntnis genommen hat, sieht er, daß er nackt ist. Er bekommt dann ein »Fell«, wie es in der Übersetzung heißt; in der Ursprache steht »or«, »Haut«. Es könnte auch Fell heißen, Tierfell. Die alten Kommentare sagen auch: Die Haut des Menschen ist ein Tierfell, er ist sozusagen ein Tier geworden, er ist begrenzt worden. Jedenfalls bekommt er diese Haut, und es fängt an, was man den »Weg des Menschen « nennt. Der Mensch beginnt seinen Weg durch sein Leben, durch die Geschichte, durch die Welten. Es beginnt nun das, was er als Entwicklung, als Wachstum erfährt, wo er fortwährend Änderungen erlebt. Stillstand ist unmöglich, der Weg zwingt zum Weitergehen. Erstarren würde bedeuten, der Weg ist zu Ende, d. h., eine Seite im Menschenleben ist ausgeschaltet. Ständig ist das ganze Leben in dieser Gefahr. Die Schlange bringt den Menschen also auf den Weg. Nun wird gesagt: Wenn dir eine Schlange erscheint, bedeutet das, du erlebst den Weg des Menschen. Du erlebst dann auch das Gesetzmäßige des Weges, denn Weg bedeutet: Ursache - Wirkung...

...Ich hoffe, diese einführenden Beispiele zeigen schon, daß Träumen und Wachsein eins sind. Weder kann man den Traum deuten und dann für das Wachsein benutzen, noch ist der Traum eine Folge deiner Handlungen im Wachsein. Vielmehr: Du erlebst beides, weil Träumen und Wachsein dein Leben sind. Im Träumen: das Leben im Sein, im Wachsein: das Leben im Werden. Aber das Sein enthält das Werden, und das Werden enthält das Sein - nur der Nachdruck ist verschieden...

....Der Mensch, der ständig im Bann des Gefühls lebt, er müsse dies und jenes erreichen, der in einem Netz von »Versicherungen« zappelt, erträgt das Leben nicht, weil er nicht mehr richtig träumen kann. Die alten Mitteilungen - und auch neuere Erkenntnisse - sagen, daß der Mensch so träumt, wie er tagsüber lebt, und so lebt, wie er träumt. In unserer Zeit träumt er rational, es treten kaum mehr Engel oder mythologische Wesen auf. Man träumt von Autos, Flugzeugen, Häusern, Zusammenstößen usw. Bis in den Traum hinein soll es stimmen! Vielleicht kommt es daher, daß uns der Traum diesen stimmenden, rationalen Tag in die Nacht bringt und nicht mehr einen anderen Tag, in dem die Freiheit der Phantasie herrscht....

...Es heißt, der Traum, an den man sich erinnert, meldet sich, weil etwas nicht ganz in Ordnung ist. So träumen zum Beispiel Menschen, die mit den Nerven fertig sind, sehr viel. Das viele Träumen - keineswegs nur auf nervliche Erschöpfungszustände beschränkt - signalisiert, daß etwas nicht stimmt. Ist ein Mensch zum Beispiel zu rational, dann meldet sich das andere wie eine Krankheit, Kopfweh oder Magenverstimmung. Es meldet sich und sagt: »Hier stimmt etwas nicht. So geht es nicht.« Es kann aber auch sein, daß ein Mensch sich der alltäglichen Welt entzieht, sie für einen Fehler in der Schöpfung hält, keinen Sinn in ihr sieht und nur in »höheren Welten« leben will, in Meditation und Versenkung zum Beispiel. Auch dann meldet es sich im Träumen: »Laß das. Hier ist keine Einheit, die Einheit von Tag und Nacht fehlt.«...

....In Indien sagte man mir: Nur unseren schon sehr weit fortgeschrittenen Schülern erzählen wir das Geheimnis von dem einen Gott, denn die vielen Götter sind alle in dem Einen. Wir aber können nur die Vielheit sehen und erfahren. Wir sind nicht imstande, von hier aus den Einen zu erfahren. Daher ist auch in unseren heiligen Schriften von ihm nicht die Rede. Im Hebräischen steht das Wort für Gott, »elohim«, in der Mehrzahl; aber auch Götter heißt »elohim«. Man müßte also aus dem Kontext erschließen, ob der Eine oder die Götter gemeint sind....

....Eine der alten Mitteilungen sagt, daß gerade die Ruhigen, Guten und Gerechten - die Zaddikim - von bösen Träumen heimgesucht werden. Auch die also, die während des Tages weder etwas Böses tun noch erleben, tragen das Leid der Welt....

...Wenn du in der Welt bist, hast du auch die Verantwortung für die Welt. Du hast doch die Umhüllung von Licht, wo Zeit und Raum nicht existieren, und die Umhüllung von Haut, die beschränkt, an einen Ort und an einen Moment bindet (vgl. S. 30ff.). Beides ist da. Dann gilt die Verantwortung auch für dich in der Umhüllung von Licht, in der du Raum und Zeit beherrschst, also die Verantwortung für die ganze Welt hast; gleichzeitig trägst du Verantwortung für den Moment jetzt und hier, die Verantwortung für dich...

...Bei Tage dagegen, im Lichte der Sonne, im Lichte der Wahrnehmungen, kann alles nur kausal sein. Dort nur besteht die Enge, die Beschränkung, weil das Kausale nicht zuläßt, daß zwei zugleich am selben Ort sind, oder daß du hier und an einem anderen Ort zugleich bist. Bei Tage bist du gefangen im Entweder-Oder; in der Nacht dagegen bist du frei. Tag und Nacht - es ist eine Zweiheit im Menschen da. Diese Zweiheit ist auch mit den Begriffen der beiden Bäume zu Beginn der Genesis gemeint. Der Baum des Lebens, so heißt es, enthält das Werden und das Sein, das Akausale; der Baum der Erkenntnis dagegen hat nur das Werden, die endlos verpflichtende Reihe von Ursache und Wirkung, die Kausalität. Beide Bäume haben eine Wurzel. Die Sünde des Menschen, wird gesagt, besteht darin, daß er diese Wurzel durchtrennt. Also kann man auch sagen: Die Sünde des Menschen ist es, Tag und Nacht in seinem Leben zu trennen. Wir haben schon gesagt, daß der Traum erlösend ist, wenn man sich nicht an ihn erinnert. Dann wirkt der Traum am Tag so, daß das Leben am Tag Spiegel vom Leben der Nacht ist. Dann spiegelt das Kausale das Akausale, wie der Mensch am Ende seines Weges sich selbst gegenübersteht. Dann ist Tag und Nacht eine Einheit, wie die zwei Cherubim auf dem Deckel der Bundeslade einander ansehen und eine Einheit sind. Der Traum aber, der sich meldet, meldet sich immer in einer Geschichte, die irgendwie kausal aussehen muß, da das Bild sonst gar nicht erinnert werden könnte. Und da es sich kausal zeigen muß, bedeutet es: Hier ist etwas krank, nicht in Ordnung. »Krank« meint »nicht heil«, »nicht ganz«, »nicht eins«. In diesem Sinn kranke Leute träumen sehr viel. Wer gesund ist, hat auch den Traum, aber er weiß nichts davon, sein Leben bei Tag ist Widerspiegelung seines Lebens in der Nacht. Dann ist die Wurzel heil und ganz, die Wurzel der beiden Bäume, die Wurzel von Tag und Nacht. Ist die Wurzel heil, kannst du den Traum weder kennen noch erklären....

...Nachdem Jakob von Esau fort ist, glaubt man, er habe einen langen Weg, bis er an den Ort kommt, wo er den Traum hat. Aber die Überlieferung sagt: ganz im Gegenteil! Die Erde geht ihm sogar entgegen, plötzlich ist er am Ort, wo er sein sollte. - Wir glauben doch auch immer, wir müßten, wenn wir das Kausale verlassen, eine lange Schule durchmachen, um das Akausale zu lernen, Meditation, Yoga und dergleichen. Alle möglichen Theorien und Praktiken gibt es, um uns glauben zu machen, es sei ein langer Weg. (Erfolgreich vor allem für die Lehrer, die einem das einreden.) In Wirklichkeit aber ist es so, daß die Erde förmlich entgegenkommt. Es geht so schnell, die Erde rennt unter ihm weg, und er ist schon am Ort. Dort, heißt es, sind 12 Steine. Die Zahl 12 meint hier ganz allgemein »viele«. Und wie er die vielen Steine hinlegt, werden sie ein Stein: Die Vielheit wird eins. Plötzlich öffnet sich dem Menschen das andere. Das ist die Erfahrung wirklicher Meditation. Eine Erfahrung, die man immer spüren könnte, den ganzen Tag über, und eben nicht Pseudomeditation für einen exklusiven Kreis durch mühevolle Rituale Eingeweihter! Der Alltag ist Meditation, ist genauso Geheimnis. Daher heißt es, die vielen Steine werden eins, der Himmel öffnet sich, und Gott spricht mit ihm. Es geschieht ganz plötzlich; nur der Zwang des Kausalen läßt uns glauben, es sei ein weiter Weg...

....Sie kennen doch die Geschichte von der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies, nachdem er vom Baum der Erkenntnis gegessen hat. Nun ist das, wie Sie wissen, kein historischer Vorgang, der sich irgendwann einmal ereignet hat, sondern eine immerwährende Situation im Menschen. Der Mensch nämlich kann es nicht lassen, vom Baum der Erkenntnis zu nehmen, das heißt, Gut und Böse nach seiner Wahrnehmung zu beurteilen. Wer das Böse sieht, ist irritiert und denkt: »Das sollte doch gar nicht sein.« Und schon hat man ein Urteil von hier aus gefällt, von der Sichtbarkeit her, in der man lebt. Nun gibt es den vielbenutzten Ausweg, das Böse dem Menschen oder dem Teufel zuzuschieben; Gott jedenfalls habe es nicht gewollt. Das hieße dann aber, daß es eine selbständige Macht gäbe, die imstande wäre, Gottes Allmacht zu brechen. Dem aber wird immer ausdrücklich entgegengehalten: Du kannst nicht zwei Herren haben; du hast einen Herrn, und das ist der Herr von Gut und Böse. So heißt es auch beim Propheten Jesaja, wo Gott von sich sagt: »Ich, der Herr, und keiner sonst, der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, der ich Heil wirke und Unheil schaffe, ich bin's, der Herr, der dies alles wirkt« (Jes. 45,6-7). Es will also sagen: »Ich erschaffe das Böse und bringe das Gute« - beides von einem aus...

....Es heißt, daß für Adam die Nacht unerträglich wird, und zwar gerade dann, wenn die Nacht so tief ist, daß sie schon fast zu Ende ist. Gerade dann kann man es nicht mehr ertragen. Gerade dann ist der Mensch sehr schwach, wie wir auch aus der Statistik wissen, denn gerade dann, wenn es bald Morgen ist, sterben die meisten Menschen. »Halte doch noch ein wenig aus«, möchte man sagen, »dann ist es vorüber.« Das aber kann der Mensch gar nicht glauben im Zustand der tiefsten Finsternis, in seinem schwersten und schwächsten Moment. Deshalb ist das hebräische Wort für Morgen das gleiche wie für »schwarz«: »schachar«....

...Der Zustand der Nacht, der Angst im Menschen, gipfelt im Moment der Mitternacht. Dem einen ist es der point of no return, dem anderen die Wende; der eine glaubt, daß jetzt alles zugrunde geht, der andere weiß, daß der Schrecken zu Ende ist. (Behalten wir gegenwärtig, daß der eine und der andere in uns sind.) Deshalb heißt es auch, daß die Erlösung immer um Mitternacht stattfindet, dann also, wenn die Nacht am tiefsten ist. Wer von der Erlösung weiß, für den ist die zweite Hälfte der Nacht ein Erwarten des Kommenden. Auch die Nacht also erfahren wir als Zweiheit...

...Dann entsteht das Leben im Zwang mit seinen Zwangshandlungen. Immer denkst du dann: »Wenn ich's nicht tue, wird's nicht geschehen, wird keiner es tun, und es wird vielleicht verlorengehen.« Es kommt die ständige Unsicherheit dann und das Gefühl, daß nichts im Leben richtig ist. Das ist die Gefahr, wenn der Mensch Tag und Nacht, Absicht und Absichtslosigkeit trennt. Leben im Paradox hat aber das Merkwürdige, daß du zwar Feder und Papier suchen und schreiben mußt, aber doch auch weißt: Es ist schon da und schreibt sich selbst. Wir spüren, da ist etwas da im Leben, das wir nicht verstehen können. Und das ist es eigentlich, was kreativ ist. Sobald das im Menschen lebt, ist er kreativ. Wenn dieses Gefühl des Paradoxen im Leben ist, hast du das Gefühl des Durchbruchs. Es heißt: Abend und Morgen - zusammen erst der Tag. Im Menschen braucht es diese Einheit. Und der Mensch ist oder wird krank, wenn er nur eine Seite hat. Er ist dann traurig und untröstlich, weil er glaubt, von ihm müsse es gemacht werden; oder aber er ist traurig, weil er glaubt, alles ist schon da und er kann gar nichts tun. Der Mensch kann weder nur im Mysterium noch nur im Kausalen leben, beide Male ist die Einheit zerbrochen....

...Unser Leben des wachen Bewußtseins ist die Nachthälfte, denn wir kommen in der Übersicht nicht weit. Immer werden wir sofort wieder gebremst, können nicht durchdringen. Wir leiden unter der Beschränkung, bekommen Kopfweh, werden nervös. Wir leiden wie Adam, als er sieht, daß ihm das Paradies, das er kannte, verlorengegangen ist, und der nach der Vertreibung die Nacht schwerer und schwerer auf sich lasten fühlt. Das ist das Schreckliche: Er versteht es nicht und glaubt doch, nach der Art seines Wahrnehmens urteilen zu müssen. In der Nacht aber, heißt es, sollst du schlafen, träumen. Es bedeutet, daß du es in der Nacht sein läßt, daß du aufhörst, Erklärungen und Deutungen mit der Sicht der Nachtwelt aufzubauen. In der Nacht sollst du die ganze Wahrnehmung lassen...

...Im Leben in der Nachtwelt müßten wir Verbindung suchen zum Schlaf. Schlaf ist doch ein Über-sich-kommen- Lassen. Man sollte keine technischen Mittel - Konzentrationsübungen oder pharmazeutische Mittel - benutzen müssen, um schlafen zu können, sondern sich einfach im Leben hingeben - dem Schicksal und allem, was begegnet -, dann kann man auch schlafen. Wer zwingen will, braucht auch Zwang zum Schlaf....

...Ist der Tag eine Projektion dessen, was in der Nacht geträumt wird, dann ist der Mensch - so sagt es das alte Wissen - ausgeglichen, königlich, göttlich, menschlich; dann ist der Mensch »kascher«, was man mit »richtig«, »recht« übersetzen kann und was mit »kascher«, »recht zum Essen« identisch ist. Dem ausgeglichenen Menschen geschieht während des Tages, was er in der Nacht geträumt, »gesehen« hat; nicht im Sinne einer Kausalität, sondern im Sinne einer Spiegelung: Am Tag spiegelt sich, was in der Nacht ist. Es sind die zwei Seiten des Lebens, die, wie die zwei Cherubim, einander gegenüberstehend und sich anschauend, ein Fundament haben. Es sieht aus wie ein Gegensatz, ist aber eins, wie Tag und Nacht im Menschen eins sind. So ließe sich auch sagen: Weil du am Tag richtig bist, ist die Nacht ausgeglichen. Beides ist aus dem Paradox in einem....

...Der Mensch kommt in die Form, damit er ist. Wie Christus in die Welt kommt, um zu sein. Was alles dann geschieht, soll man aus dem Sein verstehen. Er kommt nicht mit der Absicht, dies und jenes zu tun. Er ist da, und dann geschieht schon manches. Die Natur, die Gewächse und Tiere sind entspannt. Nur beim Menschen, im Kontakt mit dem Menschen, werden Hunde, Katzen, Pferde, ja sogar Vögel neurotisch. Ausdruck der Spannung des Menschen ist auch die Architektur der Städte; man fährt »aufs Land«, um zu entspannen...

...Hier lebt der Mensch nun in der Welt der vier Grundlagen, der vier Elemente. Das alte Wissen spricht auch von den vier Reichen, den vier Exilen. Immer ist hier eine Vierheit, wie es auch die vier Richtungen des Kreuzes zeigen. Das erste Exil heißt das Exil von Babel, das zweite das von Persien und Medien, das dritte ist das Exil von Jawan (Griechenland), und das vierte ist das Exil von Edom (Rom). Das Hinuntersteigen endet auf der Erde, die das vierte Element ist und wie Edom, das vierte Exil, auf »tönernen Füßen« steht. Das Bild wird beim Propheten Daniel im 2. Kapitel gegeben: ganz oben Gold, dann Silber, dann Kupfer, ganz unten aber Ton, Erde für den Töpfer. Durch die vier Welten steigt der Mensch, wie erzählt wird, hinunter. Die Welt nahe bei Gott, die erste, heißt auf Hebräisch »aziluth«. Dann folgen die Welt der Schöpfung, »bria«, und die Welt der Formwerdung, »jezira«. Die vierte, unsere Welt des Tuns und Begehrens, heißt »assia«; aber in dieser vierten Welt sind alle anderen auch mit da, erscheinen mit. Hier unten leben wir in der Welt der vier Exile. Durch alle vier Exile müssen wir hindurch, bis wir zur Erde kommen, zum Ton. Das Bild bei Daniel zeigt, daß alles auf dem Ton fußt, auf »tönernen Füßen« steht. Die vier Exile zeigen dem Menschen: So ist dein Leben, es ist wie die Nacht. Exil bedeutet Gefangensein unter Mächten, die man nicht verstehen kann....

...Man sagt, wie man Krankheiten heilen muß, so muß man auch den Traum heilen, der von einem Bruch herrührt. In der Überlieferung nennt man einen Traum deuten eine Krankheit heilen. Die Deutung des Traumes wäre, daß du den Traum, der sich meldet, ins Leben hinüberbringst. Der Traum wird dabei wieder Leben, das Gleichgewicht, die Harmonie, wird wiederhergestellt....

....Das Sichmelden eines Traumes wurde als unvollkommene Kommunikation zwischen dem Erscheinungsbereich (Leben des wachen Bewußtseins, Leben im Kausalen) und dem Traumbereich (Leben aus dem Nichtkausalen) charakterisiert. Lebte der Mensch, wie er eigentlich gedacht ist, käme der Traum kaum vor. Sein Leben ist aber wie das Gehen, das mit linkem und rechtem Bein abwechselnd geschieht, nie ist dabei nur Gleichgewicht. Daher melden sich Träume oft. Wir wollen versuchen herauszufinden, was die Bilder aus der akausalen Welt hier bedeuten. Immer besteht dabei die Neigung, diese Bilder kausal, also »gescheit« zu erklären; damit allerdings werden sie auch gleich getötet, denn sie sind eben Ausdruck eines Bereiches, von dem kausal nichts erklärt werden kann. Eine Welt, die betont der naturwissenschaftlichen Denkweise huldigt, verbaut sich oft selbst den Weg zu Möglichkeiten, die ihr gegeben wurden. Das wird zum Beispiel auch deutlich, wenn man das alte Wissen von den Sternen mit der modernen Astrologie vergleicht.

....Das hebräische Wort für Schöpfung hat denselben Stamm wie das Wort für Gesundsein. Darin zeigt sich ein wichtiger Zusammenhang. Was ist schöpferisch? Wenn du etwas hier zur Erscheinung bringst, was zuvor nur im verborgenen, im Kopf, in der Idee - wie wir sagen - da war. Hier weise ich auf das Wort »Bereschith« hin, mit dem die Bibel beginnt; übersetzt wird es mit »im Anfang«, wörtlich bedeutet es aber »im Haupt« oder in der »Haupt-Sache«. Wenn ein Künstler eine Zeichnung macht, dann bringt er das, was im Kopf, im Kern da ist, aufs Papier; was ihn zeichnen läßt, ist im verborgenen Kern da. Dieses In-Verbindung-Bringen des Verborgenen mit dem Erscheinenden ist »schöpferisch «. Schaffen heißt Imstandesein, aus der Wirklichkeit des Verborgenen ewas hervorzubringen, das tatsächlich Verbindung hat. Eine Zeichnung kann natürlich auch verbindungslos sein, nur etwas Äußerliches, Dekoratives zeigen; andererseits kann in ganz wenigen Strichen sofort der Zusammenhang sehr stark empfunden werden. Schöpfen verbindet die beiden Wirklichkeiten. Wenn das geschieht, spricht man von Gesundheit. Nicht dem Entweder- Oder verfallen, sondern beide Möglichkeiten leben. Kranksein bedeutet ein Zerbrochensein, eine Gespaltenheit. Heilen aber meint immer ein Zusammenbringen, ein Ganzmachen....

...Auch die alten indischen Überlieferungen kennen dieses Doppelte des Weges. Indem er hinaufgeht, heißt es dort, geht er hinab. Das Wissen vom Zusammenhang von Ursprung und Ziel ist in den heiligen Schriften vieler Kulturen ausgedrückt. Weil wir einen Weg haben, erscheinen uns Anfang und Ende getrennt. Die Überlieferung aber spricht »vom Anfang, wo kein Anfang ist, zum Ende, wo kein Ende ist«....

Zucker sagt,

da erfasste ein Windstoß mich so, dass ich in die Parallelwelt eintrat und Visionen von Mückenscharen sah.