Alien
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Sonntag, 6. Juli 2008

...

Du bist wie deine tiefen, drängenden Wünsche.
Wie deine Wünsche, so ist dein Wille.
Wie dein Wille, so ist deine Tat,
und wie deine Tat, so ist dein Schicksal.

(Upanishaden)

Freitag, 4. Juli 2008

Optische Täuschung

Kurz bevor ich heute morgen zur Tür hinaus wollte, fiel im Halbdunkel des Flures mein Blick auf den hohen Spiegel neben der Tür und meiner Gestalt darin, insbesonders die untere Hälfte. Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf fuhr, war: "Ich sehe ja so dünn aus, da kann doch irgendwas nicht stimmen!" Ich fand, daß ich das näher untersuchen sollte, auch wenn ich damit später zur Arbeit komme, und schaltete das Licht ein. Ich wendete mich nach links, wendete mich nach rechts, betrachtete mich von hinten und hätte schwören können, daß ich abgenommen haben müsse, denn mein Hintern sah in der Hüfthose, welche ihn sonst breiter scheinen lassen, als er ist, schmal wie der einer Gazelle aus und das kleine Bäuchlein, das immer aus den bescheuerten Hüfthosen hervorquillt, wirkte im Gegensatz zu meiner Erinnerung fast flach. Nun bin ich keineswegs dick, habe aber absolut keine Figur für Hüfthosen. Wenn ich sie trage, dann nur aus reiner Verzweiflung, weil ich sonst nichts anderes finde, worin ich mich nicht fühle wie meine eigene Großmutter. Warum es nicht möglich ist, auch modisch-lässige Hosen mit höherem Bund herzustellen, ist mir unbegreiflich. Jedenfalls war ich von dem Anblick im Spiegel angenehm überrascht und konnte es nicht wirklich glauben. Deshalb mußte ich das gleich nach der Arbeit noch einmal nachprüfen. Leider konnte ich die Gazelle vom frühen Morgen nicht mehr ganz so eindeutig im Spiegel erkennen. Vielleicht ist das morgendliche Licht anders, vielleicht war es auch mein Traum-Ich, welches ich im Spiegel sah, weil ich noch nicht wach gewesen bin, aber ich sollte generell nur noch zu dieser Zeit hineinschauen.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Zurück aus dem Loch

Knapp drei Wochen lang klemmte ich in einem schwarzen Loch, einem sehr perversen Loch, da mich gleichzeitig der Ohrwurm "Schön ist es auf der Welt zu sein" quälte, was gerade, wenn einem alles sinnlos erscheint, ungefähr genauso pervers ist, wie wenn man halb tot durch die Berge irrt, mit Boney M. im Kopf, und glaubt, dort mit Boney M. verrecken zu müssen. Jedenfalls muß nur in zwei Tagen der Urlaub anstehen und schon kann mich nichts und niemand mehr ärgern. Ich sollte öfters Urlaub haben. Ich machte mir sogar einen Spaß daraus, in all diesen verkorksten Situationen und Steinen der letzten Zeit das Gute zu suchen und zu finden, nicht weil es tatsächlich etwas Gutes gibt, sondern einfach aus reinem Trotz, um irgendjemandem da draußen die Nase zu zeigen.
Inzwischen habe ich auch wieder mehr Lust, etwas zu schreiben und mitzuteilen, während vorher jedes Wort zuviel war.
Letzte Woche hatte ich eine 24-Stunden-Rundumverkabelung, um den Blutdruck zu messen und dabei wurde festgestellt, daß mein Blutdruck, der ja schon mit Medikamenten eingestellt ist, zwar nicht besorgniserregend ist, allerdings nachts nicht absinkt. Dies ist wohl überhaupt nicht gut, da die Erholungsphase fehlt und deshalb wurde ich gleich wieder zur Ärztin zitiert. Selbst hätte ich sowas ja nie mitbekommen, da ich mir beim Schlafen schlecht den Blutdruck messen kann. Wenn ich so an meine Träume denke, wundert es mich andererseits überhaupt nicht, daß mein Blutdruck nachts nicht absinkt, allerdings frage ich mich, sinkt er nicht wegen der Träume oder träume ich so viel wegen des Blutdrucks?

Mittwoch, 2. Juli 2008

Science Fiction

Das waren Zeiten, als das alte Raumschiff Enterprise mit dem Vater aller Raumschiffkapitäne James T. Kirk durch die Weiten des Weltalls düste, denn damals, da verstand ich noch die Dialoge und entwickelte ein zumindest transitierendes Verständnis für die neuesten Technologien der Zukunft. Warpantrieb, Phaserwaffen, Beamen und Tricoder - alles kein Problem. Wurmlöcher gab es, so glaube ich, dort auch schon, aber es wurde nicht viel darüber geredet, sondern sie wurden einfach mit viel Ruckeln und Zuckeln und manchmal einigen Blessuren durchflogen. Wenn ich mir dagegen heute eine Folge "Stargate" anschaue, verstehe ich von den Dialogen nur Bahnhof. Da ist von Subräumen, Hyperräumen, Singularitäten, Replikatoren und Alpha-Basen die Rede und ich sitze mit drei Fragezeichen über dem Kopf im Fernsehsessel und denke "Äh....wie jetzt?". Aber ok, damit Science Fiction im Zeitalter der Quantenphysik des Genre-Titels gerecht wird, sollte das schon so sein. Schließlich können wir ja nicht für ewige Zeiten mit einem läppischen vorsintflutlichen Raumschiff durch die äußerst menschlichen Galaxien eines singularen Universums fliegen.

Montag, 30. Juni 2008

Die Wadenoperation

Während ich auf einer Arztliege liege, wuseln zwei Krankenschwestern um mich herum und ich erfahre, daß an mir eine Wadenoperation durchgeführt werden soll. Hm, eine Wadenoperation. Damit kann ich wahrscheinlich hinterher schlecht zur Arbeit laufen. Da ist eigentlich eine Krankschreibung nötig. Vorsichtshalber frage ich die Schwestern, um mich zu vergewissern, denn ansonsten müßte ich die Wadenoperation wohl abblasen. Aber sie nicken und bestätigen, daß ich bis zum 21. krankgeschrieben werde. Ich rechne nach - das ist genau eine Woche. Meine Ex-Chefin erfährt von der Wadenoperation, wie auch immer, vielleicht habe ich sie angerufen und fragt mich, ob ich jetzt etwa Ballack nacheifern will. Nein, natürlich nicht. Es ist reiner Zufall, daß ich es ebenfalls mit der Wade habe. Obwohl, ein wenig seltsam ist der Zufall schon. Ob da mehr dahintersteckt?

Samstag, 28. Juni 2008

Reduziert

Reduziert

Aufwachtraum mit Exzorzismus

Ich erwache in meinem Bett und stehe auf, um durch die Wohnung zu laufen. Schon bald wird mir klar, daß irgendetwas nicht stimmt. Dies muß ein Traum sein. Um diese Feststellung zu untersuchen, betrachte ich nun genau alle kleinen Details in der Wohnung. Ja, bestimmte Details stimmen nicht mit der Realität überein, also träume ich. Plötzlich schwebe ich unvorbereitet und mit so viel Schwung nach oben, daß ich mit dem Kopf gegen die Decke stoße. Diese gibt wie Gummi nach, so daß auf der anderen Seite wohl eine Beule zu sehen war. Merkwürdig. Es ist zwar ein Traum, aber gummiartige Wände scheinen mir selbst hier etwas deplaziert zu sein. Leider schwebe ich weiter zwischen Fußboden und Decke, ohne daß ich etwas dagegen unternehmen kann. Inzwischen habe ich im Rücken eine Wand und schwebe etwas niedriger, aber meine Füße hängen immer noch zu weit über dem Fußboden, als daß ich ihn erreichen könnte. Ich bekomme es mit der Angst zu tun, da ich absolut keine Kontrolle über die Situation habe und das Gefühl, einer unsichtbaren Macht absolut ausgeliefert zu sein. Diese Macht hebt mich in die Luft und läßt mich da baumeln, selbst mit aller Anstrengung gelingt es mir nicht, auf den Boden zu kommen. Allerdings fühle ich nicht, daß mich irgendjemand anpackt - ich spüre, während ich hänge, ganz genau an meinem Körper nach -, es ist eher, als würde ich in sehr tragendem Wasser schweben. Panisch überlege ich, wie ich der Situation entkommen kann, denn daß ständige Schweben wird mir immer unheimlicher, außer Beten fällt mir allerdings nichts ein. Nun verdächtige ich jedoch im Augenblick gerade Gott, der Übeltäter zu sein, weshalb ich mich frage, ob es überhaupt Sinn macht jetzt zu beten, wenn er solche Spielchen mit mir spielen will. Gleichzeitig fallen mir aber auch die Exzorzisten-Filme ein. Schweben die Besessenen da nicht auch in der Luft rum? Da ich absolut keine andere Idee habe und mir Beten in manchen Situationen schon oft geholfen hat, beschließe ich, es einfach zu tun. Erschreckt murmle ich ein paar Gebetsformeln und werde augenblicklich sanft auf dem Fußboden abgesetzt. Erst hinterher wird mir bewußt, daß ich in meiner Aufregung gar nicht zu Gott, sondern zu Maria gebetet habe. Upps.
Vor mir steht jetzt meine Haushaltsleiter, auf welcher eine seltsame Gestalt in langem, jägergrünem Gewand und schwarzem Hut hängt und mir den Rücken zukehrt. Hängen ist das richtige Wort dafür, denn eigentlich wirkt es so, als wären nur ein Hut und ein Gewand auf der Leiter drapiert, Trotzdem spüre ich, daß eine Kreatur darin steckt. Diese wendet sich nun unendlich langsam zu mir um. Ich vermute den Tod darin und fürchte mich vor dem Anblick des Gesichtes, denn dieser hat mich schon einige Male besucht und war nie besonders schön anzuschauen. Trotzdem schaue ich nicht weg, sondern ganz genau hin, schließlich möchte ich wissen, mit wem ich es zu tun habe. Doch ein ganz normales männliches Gesicht blickt mich jetzt an und sagt etwas zu mir. Ich habe vergessen, was gesagt wurde und wer das war.
Wieder gehe ich in der Wohnung umher und bin mir nicht sicher, ob ich inzwischen aufgewacht bin, oder ob dies immer noch ein Traum ist. Erneut versuche ich dies an den Details der Wohnung zu erkennen. Mein Blick fällt aus dem Fenster auf eine Straße, die von einer Allee von Bäumen gesäumt ist. An den Bäumen hängen unzählige schimmernde Objekte, es scheinen Glocken zu sein, welche aus einem weiß schimmernden Gespinst nur in den Umrissen flächig und zart dargestellt sind. Es ist ein überirdischer und zauberhafter Anblick. Ist denn etwa Weihnachten? Nein, es ist mitten im Sommer und das Leuchten der Objekte stammt nicht von Elektrizität. Dies kann nur ein Traum sein. Also träume ich immer noch.
Jetzt befinde ich mich mitten in einem Besuchskreis bei meiner Mutter. Ich kenne die Leute alle nicht, aber zu dieser Feier gehören auch zwei geschlossene Särge, die im Zimmer stehen. Es klingelt an der Tür, ein neuer Besucher kündigt sich an. Meine Mutter möchte, daß wir uns alle mitsamt der Särge in einem zweiten großen Zimmer, welches in der Wohnung etwas geheim liegt, verstecken. Anscheinend darf der neue Besucher uns nicht erblicken. Mit den Gästen meiner Mutter sitze ich nun in einem Schulungsraum an mehreren Computern. Ich werde darauf hingewiesen, daß ich drei Websites unbedingt wiederfinden und lesen soll. Diese scheinen ungemein wichtig zu sein und Hinweise oder Adressen dazu werden mir mitgeteilt. Ich finde die Websites und speichere sie als Favoriten. Dabei hoffe ich, sie nicht wieder zu verlieren, denn sie sind anscheinend für eine mir übertragene Aufgabe unabdingbar.

Bemerkung: Der zauberhafte und überirdische Schmuck an den Bäumen ist wahrscheinlich auf den gestrigen Anblick dieser Fotos von Licht zurückzuführen.

Mittwoch, 25. Juni 2008

...

In diesen Jahren, da ich meine Erinnerungen wachrufe, habe ich den wundersamen Zustand erreicht, dass mich keine Musik mehr beim Schreiben stört, während ich mir anderer Tugenden der Musik vielleicht nicht bewusst bin, denn zu meiner großen Überraschung haben zwei katalanische Musiker, beide sehr jung und scharfsinnig, gemeint, erstaunliche Verwandtschaften zwischen meinem sechsten Roman, Der Herbst des Patriarchen, und dem Dritten Klavierkonzert von Bela Bartok entdeckt zu haben. Tatsächlich habe ich es beim Schreiben erbarmungslos gehört, weil es mich in eine besondere und etwas seltsame Stimmung versetzte, aber ich hätte nie gedacht, dass es so sehr auf mich wirken könnte, dass es dem Text anzumerken wäre.
(aus "Leben, um davon zu erzählen" Gabriel Garcia Marquez)

Dienstag, 24. Juni 2008

Ich höre keine Stimmen, sondern sehe Gesichter -

mittlerweile sogar schon in auf den ersten Blick vollkommen harmlosen Fußabtretern.

Das Gesicht im Fußabtreter | 1

Ein furchteinflössender, böser Mann mit Bart wohnt in meinem Fußabtreter. Er erinnert mich an den großen Moloch, der auf Menschenopfer wartet. Oder an den strengen Saturn, bereit, seine Kinder zu verschlingen. Was hab ich mir da nur ins Haus geholt?

Das Gesicht im Fußabtreter | 2

Dienstag, 17. Juni 2008

"Warum

muss ein Schöpfer seine Schöpfung unnötig komplizieren bzw. extrem unwahrscheinlich gestalten?"

Ganz genau dieselbe Frage würde ich gerne so manchem Philosophen in Hinblick auf seine Ergüsse stellen.
Ich fand ja irgendwie schon immer, daß die Philosophie eine verblüffende Verwandschaft zur Juristerei aufweist.

Montag, 16. Juni 2008

Die Begegnung

Mal wieder etwas später dran, weil seltsamerweiser sich immer am Montag alles morgens an der Kreuzung staut, war ich ziemlich in Eile und lief ausnahmsweise eine andere Strecke, als ich an der Straße vor der Polyklinik, es war schon kurz vor 9 Uhr, ein bekanntes Gesicht zu sehen meinte. Ich war mir einen Moment lang nicht sicher, da die Haare raspelkurz waren, anders als in Erinnerung, doch die andere Person schaute genauso entgeistert. Es war eine ältere Kollegin, mit der ich lange zusammengearbeitet habe, bevor ich in die jetzige Abteilung kam und mit der ich mich gut verstanden hatte. Natürlich fragten wir sofort, wie es geht und aufgrund ihrer kurzen Haare ahnte ich schon etwas. Sie erzählte dann auch etwas zögernd, daß kurz nach Rentenantritt, als sie eigentlich geplant hatte, zu reisen, Krebs festgestellt worden ist und sie gerade eine Chemotherapie hinter sich hat und ihre Brust abgenommen worden ist. Inzwischen sei wohl alles durchgestanden, aber der Brustaufbau stehe noch bevor. Ich umarmte sie, da ich bei solchen Nachrichten immer nicht weiß, was zu sagen, und als ich sie losließ, merkte ich, daß sie ein bißchen weinte. Zufällig war sie nicht nur meine Kollegin, sondern ist auch die Mutter eines meiner Schulkameraden, was ich aber erst während unserer Zusammenarbeit herausfand. Aus ihren Erzählungen weiß ich, daß sie schon eine Menge im Leben mitgemacht hat. Jahrelang lebte sie mit einem Trinker und Säufer, der sie regelmäßig grün und blau schlug, so daß man sie im Krankenhaus bereits kannte. Wegen seiner schlechten Gesundheit und der Alkoholkrankheit starb er bald und es gibt Gerüchte, daß sie dabei etwas nachgeholfen haben soll. Wenn man mit ihr darüber spricht, möchte man das fast glauben, denn sie macht keinen Hehl daraus, daß sie ihn loswerden wollte und ihm extra ungesundes Essen gekocht hat, welches er nicht zu sich nehmen sollte. Ich bin mir nicht sicher, ob das alles war, aber ich frage nicht danach. Von ihren zwei Söhnen litt der zweite, der nicht in meine Klasse ging, an Schizophrenie und sie hatte während seines kurzen Lebens jede Menge Ärger und Sorgen mit ihm. Während unserer Zusammenarbeit stürzte er sich aus ungeklärten Gründen aus dem Fenster seiner Wohnung im sechsten Stock, in welcher er sich verbarrikadiert hatte. Das war damals ein großer Schock für sie. Pervers an der Krankheit ist, daß sie immer sehr gesundheitsbewußt gelebt hat, das Rauchen abgewöhnt, regelmäßig ärztlich überwachte Fastenkuren gemacht, nach 17 Uhr nichts mehr gegessen, stets Gemüse, Obst usw. verzehrt. Da mich eine Horrornachricht nach der anderen erreicht, komme ich mir manchmal vor, als stände ich mitten im Auge einer schleichenden Epidemie. Natürlich wollte sie auch von mir einiges wissen und ich erzählte von der neuen Arbeit, meinem Vater und was sonst noch so passiert ist. Zum Abschied meinte sie: "Machs gut, du mußt ja noch eine Weile durchhalten." Ja, ich muß noch eine Weile durchhalten bis zur Rente, aber die stelle ich mir nicht so vor, daß ich, kaum zu Hause, von Arzt zu Arzt und Krankenhaus zu Krankenhaus ziehen darf. Jedesmal, wenn ich so eine Geschichte höre, finde ich dieses Malochen bis zur Rente unsinniger. Durch die Begegnung kam ich eine Viertelstunde zu spät ins Büro. Besser spät als nie, oder doch besser - nie als spät?