Alien
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Donnerstag, 18. September 2008

Was spielt man hier?

Im Fernsehen läuft gerade irgendeine Live-Doku (oder wie die heißen) mit einer Frau, die in eine fremde Familie mit fünf Kindern gekommen ist. Da die Kinder den ganzen Tag an Fernseher, Gameboy oder Spielkonsole hingen, dachte sie sich, sie geht mit ihnen mal auf den Hof spielen. Sie standen dann also vor der Tür und was ich sah, brachte mich erst zum Lachen, später aber fand ich es wirklich erschreckend. Da standen sie also und die Kinder hingen wie bestellt und nicht abgeholt auf der Stelle, schauten sich gegenseitig an, schauten den Hof an, den sie gar nicht zu kennen schienen, und fragten sich anscheinend: Äh....Hof? Was macht man hier? Wie spielt man denn etwas? Was sollen wir hier tun?
In meiner Kindheit war draußen spielen das schönste überhaupt. Am liebsten von frühmorgens bis zum Einbruch der Dunkelheit. Die Mütter hatten jede Mühe, uns überhaupt wieder zum Abendessen einzufangen. Und ich kann mich an kaum einen Moment erinnern, in dem wir uns gelangweilt hätten. Selbst wenn, fiel uns relativ schnell irgendein neues Spiel ein. Ok, zu unserer Zeit gab es noch keine Computer und Gameboys und im Fernsehen liefen nur fünf oder sechs Programme. Im Nachhinein bin ich recht dankbar dafür. Besonders würde mich interessieren, woran sich diese Kinder denn später erinnern werden. Werden sie überhaupt noch irgendeine Erinnerung an ihre Kindheit haben? Oder wird diese Zeit in einem eintönigen Geflimmer versunken sein?

Wie sah Caesar wirklich aus?

Die Primaten feierten gerade eine riesen Fete (inklusive Konfrontationstherapie gegen Kommentarphobie) und beschlossen: Heute werden wir mit den lebenden Gläubigen Dave Hunt von der Post abholen. Dann wird die Spinne angekrabbelt kommen und sich friedlich schnurrend direkt südlich der Tür hängen. Wenn es sie in einer dunklen Nacht nicht weggeweht hat, besitzen wir den Schlüssel zum lebendem Mer-Ka-Ba-Feld, und diese Entdeckung könnte irgendwann beweisen, daß Caesar wie Alice im Fashionland aussah.
Gewiefte Primatenjournalisten haben einen Riecher für Ideen, die die Körperoberfläche umspannen.

Tarantino in Babelsberg

Tarantino dreht seinen nächsten Film "Inglorious Bastards" ab Mitte Oktober in Babelsberg. Komparsen werden noch gesucht, insbesondere Menschen mit amputierten Armen und Beinen. Wer also einmal in einem Tarantino dabei sein möchte, sollte sich auf den Weg nach Potsdam machen. (Rückengeschädigte kann er in einem Kriegsfilm sicher nicht gebrauchen, nehme ich an. *gg*)

Mittwoch, 17. September 2008

Adams Äpfel

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Die besten Filme laufen bekanntlich nachts. Ich glaube, das wird irgendwann der meistgeschriebene Satz in diesem Weblog werden, aber ich bestehe darauf, ihn immer wieder zu zitieren, denn manchmal finde ich es schon fast erschreckend, was für Kulturgut "normalschlafenden" Bürgern vorenthalten wird. Heute um 1:25 h lief auf arte eine Wiederholung des Filmes "Adams Äpfel", der irgendwann vorher mal um 22:55 h ausgestrahlt worden ist. Die Handlung dieser dänischen schwarzen Komödie ist nicht ganz so einfach zu umschreiben. Ein Skinhead trifft in einer Resozialisierungsanstalt auf einen Landpfarrer. (Das erste, was er dort tut, ist das Kreuz in seinem Zimmer abzunehmen und ein Hitler-Porträt stattdessen hinzuhängen.) Es entspinnt sich ein Wettkampf zwischen Gut und Böse, allerdings nicht in gewohnter Art auf der Ebene der Handlungen, sondern in der Wahrnehmung und Weltanschauung der Protagonisten. Es geht weiter um das Buch Hiob, um Gott und Teufel und darum, wer von beiden Apfelkuchen haßt. Der Film ist so aberwitzig, daß er einen trotz der äußeren Rauhheit, Härte und Tragik ständig zum Schmunzeln und Lachen bringt. Einfach nur wunderbar verrückt, verrückt, verrückt... (Ach ja, und es ist sicherlich kein Zufall, daß ausgerechnet der Song "How deep is your love" von Take That darin vorkommt.)

Dienstag, 16. September 2008

Day Night Day Night

Die besten Filme laufen bekanntlich immer nachts. Leider hat sich an dieser Feststellung bisher nichts geändert. Das ZDF strahlte heute um 0.20 h in der Reihe "Glaubenskrieger" den Film "Day Night Day Night" aus. Der Film läuft ab 25.9.08 auch in den Kinos an. Im Fernsehen lief er nur mit Untertiteln, ich weiß nicht, ob das bei der Kinoaufführung anders sein wird. Es geht um eine junge Frau, die sich freiwillig als Selbstmordattentäterin zur Verfügung stellt:

'Jeder muss sterben. Manche haben einen Autounfall. Andere werden erstochen, erschossen oder erwürgt.' So versucht sich eine junge Frau (Luisa Williams) selbst zu beruhigen. Sie nennt sich Leah Cruz, doch der Name ist falsch. Sie fährt nach New York, doch die Stadt interessiert sie nicht. Ihr bleiben zwei Tage und zwei Nächte, bevor sie stirbt und viele fremde Menschen mit in den Tod reißen wird: Leah hat sich einer Organisation als Selbstmord-Attentäterin zur Verfügung gestellt und soll auf dem Times Square eine Bombe zünden.'

Der Film packte mich deshalb, weil mir die Handlungen der jungen Frau ein Rätsel blieben, ich aber gleichzeitig in ihren letzten Stunden mitlitt. Rätselhaft blieb für mich nicht nur, wie man sich freiwillig in die Luft sprengen kann (wobei mir die Gründe, warum sie es tun, bewußt sind, aber ich kann es halt emphatisch nicht nachvollziehen), sondern auch einige ganz alltägliche Dinge, die in dem Film ausführlich erzählt werden. Zum Beispiel gab es eine lange Szene, in der sie sich am letzten Tag super gründlich die Zähne putzt. Ich fragte mich die ganz Zeit, ob sie tatsächlich glaubt, daß ihr Karies jetzt noch schaden könne. Die letzten Tage und Stunden werden fast in Zeitlupe dargestellt und dadurch tritt der Effekt auf, daß manche ansonsten normale Handlungen doch relativ widersinnig wirken. Als der Moment gekommen war, in dem sie die Bombe auslösen wollte, stand ich kurz vor einem Herzinfarkt. Für mich gab es nur zwei mögliche Wege der Geschichte - entweder sie tut es und der Film ist aus oder aber, sie läßt den Rucksack irgendwo auf dem Klo stehen und macht sich aus dem Staub. Letzteres fand ich eher unwahrscheinlich, da ja der Fanatismus und der Gehorsam dieser Leute bekannt sind, trotzdem ertappte ich mich dabei, daß ich dem Fernseher zurief: "Tu's nicht, Kleine!" und mir wirklich von Herzen wünschte, sie würde plötzlich zur Besinnung kommen. Beim ersten Versuch tat sie es tatsächlich nicht, sondern pinkelte sich in die Hose. Und dann beim zweiten Versuch - nun ja, jedenfalls endete der Film doch überraschend anders als erwartet. Eine Frage an das ZDF hätte ich jedoch noch: Wenn solche Filme mitten in der Nacht gezeigt werden, wie soll man danach bitte schlafen können?

Ich versuche

wie jedes Jahr dem beginnendem Herbst noch immer den Sommer abzutrotzen, indem ich das Wetter einfach ignoriere und barfuß in offenen Schuhen, kurzärmlig und mit leichtem Strickjäckchen herumlaufe. Nach meinem heutigen abendlichen Ausflug ahne ich es aber schon - der Herbst wird auch diesmal wieder Sieger bleiben. *bibber*

Montag, 15. September 2008

Edgar Wallace - Der zweite Versuch

Im Moment steht mir der Sinn nicht nach Hochgeistigem und "Dracula" hat mich wieder auf den Geschmack des guten alten entspannenden Schmökerns gebracht, dem ich mangels geeigneten Materials in den letzten 20 Jahren kaum noch nachgegangen bin. Nun scheine ich diesmal ebenfalls kein gutes Händchen zu haben, denn ich dachte mir, ich versuche es erneut mit der dicken Ausgabe von fünf Edgar Wallace-Romanen. Diese hatte ich bereits vor ca. 10 Jahren einmal angefangen zu lesen, sie aber nach weniger als 50 Seiten irgendwo vergessen und auch nicht vermisst. Ok, dachte ich also, du hast jetzt Zeit und kannst dich dem Teil ganz Ruhe widmen. Immerhin hat mich das schon auf Seite 105 von 940 möglichen Seiten gebracht, aber wenn mich jemand fragen würde, was bisher geschehen ist, würde ich dumm dastehen und in arge Bedrängnis kommen. Gefühlt habe ich nämlich den Eindruck, daß absolut nichts passiert ist, was aber so nicht stimmt. Denn wenn ich ganz scharf nachdenke, kann ich mich an eine Explosion und einen Garten erinnern, immerhin. Und stets, wenn ich weiterlesen möchte, muß ich mühsam und manchmal erfolglos rekapitulieren, was für eine Person dieser und jener ist, sogar die Namen vergesse ich sofort. Nun ja, es könnten die Symptome einer beginnenden Alzheimer sein, aber ich bin frech und schiebe die Schuld ganz einfach auf den Autor. Irgendwie ist die ganze Story so belanglos und hastig geschrieben, daß selbst eine Explosion einschläfernd wirkt und die Personen vollkommen farblos und austauschbar bleiben. Vielleicht habe ich ja nur das Pech, daß der schlechteste Roman am Anfang steht - ich möchte gerne daran glauben. Und ich möchte ungern das Buch wieder irgendwo vergessen, um nach mehreren Jahren einen dritten Anlauf zu wagen. Könnte ja sein, daß ich dann die Geduld verliere.

Samstag, 13. September 2008

Wer möchte nicht im Leben bleiben

Schon seltsam, aus welchen Winkeln des Gedächtnisses von einem Moment zum anderen Erinnerungen auftauchen können, die man längst vergessen glaubte. Ich hatte plötzlich den vollständigen Text und die Melodie eines Liedes im Kopf, das wir im Musikunterricht der Schule einige Male sangen, allerdings möchte ich meinen, daß dies eher selten vorkam - zumindest wurden die Internationale und das Einheitsfrontlied erheblich öfter angestimmt :

http://www.andreasferl.de/Lieder/Wer_moechte_nicht.htm

Windriders Bildschirmschoner und die Inschrift des alten Kaminofens

Ich unterhalte mich mit einer jungen blonden Frau. Sie ist scheinbar die Tochter von Windrider und führt mich in eine Küche (?). Dort sehe ich Windrider mit dem Rücken zu uns gewandt an einem Tisch sitzen und frühstücken. Neben ihr ein Computerbildschirm, auf dem ein Bildschirmschoner mit bunten Comicbildern läuft. Ich meine Spongebob Schwammkopf zu erkennen. Ist das tatsächlich ihr Lieblingsbildschirmschoner oder weiß sie nur nicht, wie sie den Bildschirmschoner ändern kann?

In einem fremden Zimmer alleine. Ich liege seitlich auf einer Couch und schaue dabei direkt auf einen sehr alten Kaminofen, ähnlich denen, wie man sie in alten Schlössern findet. Plötzlich fallen mir ganz hinten im Kaminschacht irgendwelche Zeichen auf. Oder ist das nur Dreck? Ich schaue genauer hin. Doch tatsächlich. Ganz hinten im Kaminschacht sind Buchstaben eingraviert. Allerdings lassen sie sich in der Dunkelheit des Schachtes kaum entziffern. Mit viel Mühe gelingt es mir. Dort steht: ER lebt! Ich weiß sofort, daß damit Gott gemeint ist, denn genau dieselbe Inschrift steht auch über dem Portal der Kirche, in der mein Vater Pfarrer war. Was für ein Zufall, daß in diesem alten Kaminofen dasselbe steht und daß ausgerechnet ich diese Inschrift hier in dem fremden Zimmer gefunden habe! Unglaublich! Irgendwie finde ich diese Inschrift aber auch ein wenig suspekt und komisch, denn jemand, der die Worte über der Kirche nicht kennt, könnte glatt glauben, daß mit "ER lebt!" der Kaminofen gemeint ist.

Während aller Träume kehre ich immer wieder zu meinem Küchenfenster zurück und betrachte die Aussicht. Je nachdem, was ich draußen sehe, entscheide ich, ob ich noch träume oder nicht. Da ich stets jedoch nur fremde Ausblicke habe, muß ich auch die ganze Zeit währenddessen träumen.

Bemerkung: Das mit der Kirche stimmt gar nicht. Über dem Portal steht: Setzt eure Hoffnung ganz auf den Herrn. Wie ich im Traum darauf komme, ist mir ein Rätsel.

Freitag, 12. September 2008

James Bond und das Geheimnis des Dachbodens

Ich habe den Auftrag, einen Beutel Sand an einen bestimmten Ort zu bringen. Dies ist aber nicht alles, der Auftrag beinhaltet noch mehr wichtige und geheimnisvolle Dinge. Dazu entdecke ich so eine durchsichtige formbare Vase, die man einfach wieder zusammenlegen kann, wenn man sie nicht braucht. Sie ist von einem zarten Altrosa und ich biege sie hin und her, bis sie eine passende Form hat. Den Sand muß ich noch suchen, jetzt setze ich aber erst einmal mit einem Kahn zu einer Insel mit Holzhäusern über, wie man sie im Spreewald findet. Was ich dort tue, bleibt unklar. Später fahre ich mit dem Kahn zurück und kaum bin ich an das Ufer gesprungen, bemerke ich, wie Roger Moore alias James Bond das Boot sofort übernimmt. Er hat anscheinend das gleiche Ziel wie ich. Ich vermute sogar, daß er an derselben Sache dran ist. Mir ist klar, daß wir auf derselben Seite stehen, also Verbündete sind, nur weiß er das nicht, da er mich und meine Absichten nicht kennt. Deshalb ignoriert er mich vollständig, was ich vorerst sogar besser finde, aber später werden wir uns vielleicht zusammenschließen müssen. Trotzdem macht es irgendwie Mut, jemanden wie ihn für die Aufgabe an der Seite zu haben. Eigentlich kann da nicht mehr viel schiefgehen. Ich weiß, daß ich zur Insel zurückkehren muß, allerdings werde ich das erst tun, wenn es etwas dunkler geworden ist und es nicht mehr so auffällt. Denn das, was ich vorhabe, verlangt Tarnung. Ich hoffe nur, daß James Bond den Kahn wieder ordentlich zurück bringt, so daß ich ihn dann erneut benutzen kann. Ganz sicher bin ich mir da nicht.

Nun befinde ich mich auf dem Spielplatz meiner Kindheit genau neben dem Sandkasten mit dem Klettergerüst. Spontan springe ich hinein und merke erst während des Sprungs, daß der Sandkasten enorm tief ist, viel tiefer als früher (so geschätzt 2 Meter). Auch scheint nicht viel Sand darin zu sein....o je, hoffentlich tue ich mir nicht weh. Unbeschadet lande ich unten und betrachte die Sache genauer. Auf dieser Seite befindet sich nur eine kleine Schicht Sand, während auf der gegenüberliegenden Seite der Sand um so höher steht, als schwappe er wie Wasser in diesem Sandbecken. Von der höheren Seite werde ich den Sand nehmen, den ich transportieren muß. Es scheint der richtige zu sein. Mir fällt am Rande des Spielplatzes ein Hügel auf, von dem nur noch eine einzelne schmale Vorderfront eines Gartenhauses aufragt. Standen hier nicht früher die Gartenhäuser dicht an dicht und lehnten sich aneinander an? Die müssen alle abgerissen worden sein. Ich frage jemanden neben mir und er erklärt, daß nur ein Besitzer die Erlaubnis bekommen hätte, einen Teil des Hauses sozusagen als Andenken stehen zu lassen.

Als nächstes muß ich für meine Aufgabe ganz unauffällig den Dachboden meines früheren Elternhauses erreichen. Mich darf dabei niemand sehen, denn es könnte jemand mißtrauisch werden und sich fragen, was ich dort suche. Ich schleiche also so lautlos wie möglich und im Dunkeln alle vier Treppen des Hausflurs hinauf. Genau neben der eisernen Dachbodentür bleibe ich stehen und lausche. Es ist, als hörte ich ein ganz leises Geräusch hinter der Tür, es erinnert an gedämpfte Schritte. Außerdem fällt mir vor der Tür ein unordentlich hingeworfener und beschrifteter Karton auf. Ich lausche erneut. Ja, da ist wieder das Geräusch. Fieberhaft überlege ich, was zu tun sei. Soll ich hineingehen mit dem Risiko, entdeckt zu werden? Oder soll ich gehen? Könnte ja sein, daß es James Bond ist, den ich höre und der schon vor mir da ist. Dann wäre alles bestens. Es könnte aber auch der Hausmeister sein - das wäre nicht so gut, bzw. blöd gelaufen. Endlich entschließe ich mich, lieber zu gehen. Dies versuche ich so lautlos und schnell wie möglich, indem ich mich auf dem Treppengeländer abstütze und mehrere Stufen auf einmal die Treppe hinunterspringe, dabei aber, dadurch daß ich mich aufstütze, langsam und fast lautlos den Boden berühre.
Als ich aus dem Haus trete, lande ich nun ganz woanders. Es ist mir alles fremd, es scheint ein völlig anderer Hof zu sein. Werkstätten, Einfahrten und Gänge sammeln sich rundherum. Am Ende eines längeren Ganges sehe ich einen Mann baumeln, der sich anscheinend genau unter der Toreinfahrt aufgehängt hat. Ich wende mich von diesem Gang ab und einem anderen zu, aber auch hier sehe ich jetzt genau denselben Mann baumeln. Wie seltsam! Aber mir bleibt nicht viel Zeit darüber zu grübeln, da ich die richtige Durchfahrt finden muß. Ich gehe jetzt eine entlang, die mich statt auf einen anderen Hof in ausgedehnte Büroräume führt. Überrascht sehe ich dort sehr viele prominente Frauen. Oh, ich bin doch tatsächlich in einer Filmproduktionsfirma aus Hollywood gelandet! Neugierig schaue ich mich um und scheine im lebhaften Getriebe gar nicht aufzufallen. Ja, mir ist beinahe so, als hielte man mich für einen Mitarbeiter dieser Firma!

Bemerkung: So wie im Traum beschrieben bin ich als Kind tatsächlich die Treppen hinuntergesprungen - mehrere Stufen auf einmal, die ich durch Aufstützen des Körpers auf dem Treppengeländer überbrückte. Dies fällt mir jetzt durch den Traum wieder ein und überhaupt erinnert mich dieser Traum verdächtig an die rasanten Abenteuerspiele, die ich mit Freunden gerne spielte. Außerdem fragte ich mich beim Aufschreiben - warum ausgerechnet Roger Moore? Sean Connery wäre viel folgerichtiger gewesen. Eine Antwort darauf hatte ich sofort - klar, Roger Moore war in der Zeit meiner Kindheit aktuell, Sean Connery war vor meiner Kindheit. Also konnte es nur Roger Moore sein.

Interessanter Beitrag zur neuen Steuer-ID

http://www.humanistische-union.de/themen/datenschutz/steuer_id/detail/back/steuer-id/article/schleichend-erfasst-von-der-wiege-bis-zur-bahre/

Mysteriöse Streifen in der Röntgenpraxis

Wegen des Rückens wurde ich heute in der Röntgenpraxis vorstellig und sollte dreimal durchleuchtet werden - zweimal im Stehen und einmal im Liegen. Zuvor mußte ich unterschreiben, daß ich nicht schwanger bin. Nachdem es vollbracht war, meinte die Frau, da heute so wenig Patienten da sind, solle ich in der Kabine warten, sie würde sich die Bilder gleich anschauen. Nach kurzer Zeit kam sie zurück und fragte mich überraschenderweise, ob ich irgendetwas am Körper trage. Ich schüttelte verdutzt den Kopf und schaute sie pikiert an, denn es war unschwer zu sehen, daß ich bis auf Slip und Schuhe nichts am Leibe hatte. Sie untersuchte mich trotzdem genauestens, fand jedoch bis auf vier Pflaster von den Spritzen am Rücken ebenfalls nicht mehr als ich und erklärte mir dann, daß das letzte Bild nicht zu gebrauchen wäre, da darauf so seltsame Streifen zu sehen wären. Das könne sie so nicht lassen und wir müßten die Aufnahme im Liegen wiederholen. Um sicherzugehen diesmal allerdings ohne Slip. (Im ersten Moment fragte ich mich wirklich, ob in meiner Unterwäsche irgendwelche strahlenschutztechnischen Komponenten eingebaut wurden). Außerdem riß sie mir auch noch die vier Pflaster vom Rücken. Nachdem die Aufnahme wiederholt worden war, sollte ich mich anziehen und im Wartezimmer noch einmal warten. Ich suchte mir einen Stuhl gleich neben der Anmeldung und bekam durch eine offene Tür folgendes Gespräch mit, wobei die Stimme der "Strahlenfrau" sehr deutlich zu vernehmen war:
(ungefähr vier bis fünf Ärzte und/oder Schwestern standen dabei um mein Röntgenbild herum)
"Ich hab sogar eine zweite Aufnahme gemacht, ich verstehe das nicht."
(rätselndes Gemurmel der anderen)
"Woher kommen denn bloß diese merkwürdigen Streifen, sowas ist mir noch nie untergekommen. Noch NIE!"
(erneut rätselndes Gemurmel der anderen)
"Sogar den Schlüpper mußte ich ihr ausziehen!"
"Was das für einer war? Na ganz normal eigentlich....so und so und so (nicht ganz verständlich)"
(wiederum rätselndes Gemurmel - ich sinke tiefer in meinen Stuhl)
"Was können denn diese Streifen nur sein? Vielleicht Luft?" (ein kurzes genervtes Lachen folgt - ebenso Gemurmel)
"Sowas hab ich ehrlich noch nicht gesehen."

Schließlich verläßt sie den Raum, Stille kehrt ein. Ich warte und warte, vor mir konnten sich schon fünf Patienten ihre Befunde abholen und ich werde immer unruhiger. Dann bekomme ich die Tüte auch endlich in die Hand gedrückt.

Da läuft so eine Röntgenpraxis über zehn Jahre "streifenfrei" und dann komme ich und verursache mit grestreiften Röntgenbildern einen Aufruhr. Vielleicht bin ich ja ein Cyborg oder habe von Aliens etwas implantiert bekommen und weiß das noch gar nicht?

Mittwoch, 10. September 2008

Graf Draculus nos Feratus

Die Sache mit einer Geschichte wie die von Dracula ist, daß sie jeder kennt. Jeder weiß, was ein Vampir ist, meist aus Horrorfilmen und Erzählungen, wie er aussieht, wie er lebt, was er mag und was er verabscheut, wie man sich gegen ihn wehrt, was mit seinen Opfern geschieht. Es will schon einiges heißen, wenn dieser Roman auch heute noch so viel Spannung aufbaut, daß man ihn nicht aus der Hand legt. Man merkt jedoch immer wieder, daß manche Höhepunkte des Buches durch dieses verbreitete Allgemeinwissen eher untergehen, weil man es ja schon vorher wußte. Trotzdem versuche ich mir vorzustellen, wie es wäre, wenn ich noch nie etwas von Vampiren gehört hätte oder nur mal einen Zeitungsausschnitt darüber gesehen hätte (in einer Doku wurde einmal erwähnt, daß man bei Stoker einen Zeitungsausschnitt über Vampire in Hampshire(?) fand). In diesem Fall wäre das Buch ein richtiger Knaller und das war es ja wohl damals auch. Daß es sich heute noch trotz bekannter Geschichte sehr gut liest, liegt sicher an den vielen intelligenten Details, die man durch den gesamten Roman hindurch findet, sowie das Gespür für Atmosphäre. Interessant sind auch hier wieder die Rezensionen auf Amazon. Die meisten sind durchweg positiv, aber vereinzelt kann man ebenfalls lesen, daß jemand das Buch langweilig fand. Bezeichnenderweise sind dies dann hartgesottene Vampirfilm- oder Christopher-Lee-Fans. Klar, wer nur auf plumpen Horror aus ist, wird sich bei diesem Buch tatsächlich langweilen. Es lebt von diesen kleinen Sätzen, die auf den ersten Blick völlig unscheinbar wirken, doch Menschen, die ein Faible dafür haben, eine interessante Tiefe der Beobachtung eröffnen. Auffällig ist außerdem die besonders übertrieben schwülstige und emotionale Redeweise der Beteiligten. Irgendwie erinnert mich dies, einschließlich des Professors Van Helsing, an die Sherlock-Holmes-Geschichten, denn ich meine mich zu erinnern, daß dort ebenso geredet wurde, wenn auch nicht so oft und übertrieben. Vielleicht war das das ja im Viktorianischen Zeitalter so, aber manchmal bekommt man ein bißchen den Eindruck, daß Stoker sich selbst darüber lustig macht, wenn er dann den Verrückten aus der Irrenanstalt ebenfalls so artig reden und alle Vampirjäger sich gegenseitig ständig ihre edle Gesinnung, ihre Güte und ihr gutes Herz bestätigen läßt. Doch Achtung! Ein Biß reicht und jederman, der heute noch artig redete, kann sich morgen in eine grausame Bestie verwandeln.

Dienstag, 9. September 2008

Das neue Notebook

ist da. Es ist wieder ein Samsung, gefällt mir aber nicht wirklich so sehr wie das alte, wobei das aber hauptsächlich Äußerlichkeiten sind - nicht mehr ganz so flach, keine Schnellstart-Buttons, eckig statt abgerundet und Touchpad zu nah an der (eckigen und hohen) Kante. Da Samsung fast nur noch schwarz oder Klavierlack unter den normalen "Notebooks" hat, wählte ich ein Business-Notebook, von denen es auch einige in Silber gibt. Wichtig war mir auch, daß ich die alte Dockingstation weiterverwenden kann, aber sogar die alten Akkus passen in das neue Notebook. Flüsterleise ist es wie gewohnt, nur die Flüstertaste ist umständlicher zu bedienen. Und die Tastatur ist etwas doppelt gemoppelt belegt. Witzigerweise erhielt ich eine Vista- UND XP-CD. Anscheinend wollte der Anbieter die 198 € Aufschlag nur für die Installation haben. Außerdem - ganz wichtig - hat es eine antibakterielle Tastatur. So kann ich mich wenigstens nicht an meinen eigenen bösen Bakterien anstecken. *augenroll*

Hilary Clinton und die kyrillischen Buchstaben

Um einen Tisch herum sitzen mit mir ehemalige Mitschüler und Hilary Clinton. Anscheinend findet ein Unterricht statt, den sie leitet. Dazu verteilt sie kleine Notizblöcke, auf denen auf jeder Seite etwas aufgedruckt wurde. Auch mir drückt sie einen in die Hand und fordert mich auf, laut vorzulesen. Ich schaue genauer auf das kleine Blättchen und erkenne, daß es kyrillische Buchstaben sind. Nun ja, ich hatte früher Russischunterricht - sooo schwer dürfte es also nicht sein, denke ich. Zuversichtlich lege ich los, doch mit einem Mal wird das Lesen immer zäher und zäher, bis ich nur noch wie ein Schulanfänger schwerfällig herumstottere. Das liegt vor allem daran, daß, wie ich feststelle, gar keine zusammenhängenden Wörter auf dem Blatt stehen, sondern nur einzelne Buchstaben. Stünden sie als Wort zusammen, würde ich sie wahrscheinlich automatisch lesen, aber so muß ich mich mühsam an jeden einzelnen Buchstabennamen erinnern. Trotzdem gebe ich nicht auf und versuche es weiter, bis schließlich M.K. ungeduldig dazwischen ruft: "Man, du hast doch Russisch gehabt." Ich beginne zu schwitzen und werde andererseits ärgerlich. Der muß das gerade sagen, der war ja nun auch nicht gerade ein As in Russisch.

Montag, 8. September 2008

Ein junger Grünfink

hat sich heute in mein Wohnzimmer verirrt. Erst flog er immer im Kreis an der Decke entlang, dann ließ er sich auf der Lampe nieder und von da flog er direkt auf die obere Kante der Balkontür. Diese stand weit offen, aber irgendwie verspürte er wohl keine Ambitionen hinauszufliegen, sondern äugte mich nur eine ganze Weile lang an, bis er sich blitzartig entschied, doch das Weite zu suchen. Seltsamerweise habe ich gar nicht mitbekommen, wie er in das Zimmer geraten ist, obwohl ich direkt vor der Tür auf dem Balkon saß. Und überhaupt muß heute bei den Grünfinken mächtig was losgewesen sein, man hörte sie den ganzen Tag aufgeregt im Baum schnattern und ständig schwirrten sie um die Regenrinnen. Flugprüfung? Was ich schon alles für Vögel in der Wohnung hatte...aber ok, wenn man 24 Stunden am Tag alle Türen und Fenster weit geöffnet hat und im vierten Stock wohnt, muß man sich wahrscheinlich nicht wundern, wenn dann mal nachts eine Brieftaube in der Küche übernachtet oder ein Mauersegler in der Wohnzimmergardine hängt.
(In der alten Wohnung von meinen Eltern hatten wir dafür einmal eine Fledermaus hinterm Ofen. Dies fällt mir gerade aufgrund des aktuellen Lesestoffs ein.)

...

Wer nie sah, sieht nimmermehr
wer nie sprach, spricht nimmermehr,
wer nie hörte, hört nimmermehr,
wer nie liebte, liebt nimmermehr,
wenn der graue Vogel des Leids
die Eingeweide frißt
und der rote Vogel des Schmerzes
die Wangen küßt,
der weiße Vogel des Friedens
aber fliegt einen Weg,
den niemand kennt.

Sonntag, 7. September 2008

Mein Traum lag richtig -

ich habe heute tatsächlich eine Kiste voller Bilder bekommen, allerdings in Form von vier gebrannten DVDs. Diese enthalten alte Familiendias und sind das geheimnisumwitterte Geburtstagsgeschenk für mich. Mit Dias hatte ich ja gerechnet, allerdings nicht damit. Witzig ist, daß ich meine Mutter immer gelöchert habe, sie möchte doch die Dias heraussuchen, weil ich diese am Computer einscannen wollte und diese mußte sich jede Mengen Ausreden einfallen lassen, weil die Dias natürlich beim Digitalisierungs-Service waren. Mal wollte sie alle noch einmal durchschauen, dann wußte sie wieder nicht, wo die sind, mir kam das ja alles sehr spanisch vor und ich habe es nicht wirklich geglaubt, konnte es aber nicht ändern. Die Dias enthalten Bilder, die es sonst nicht als Fotos gibt und da es nur zwei bis drei Diavorführungen gab, sind die meisten Bilder neu. Gut erinnern kann ich mich zum Beispiel an einen Ostseeurlaub, wo ich dauernd auf irgendwelchen Findlingen posieren mußte, weil mein Vater mich ständig fotografiert hat. Das gibt es alles nur auf den Dias. Aber noch viel mehr. Ich habe auch Bilder mit meinem früheren Spielfreund und dem alten Klettergerüst entdeckt. Ich wußte gar nicht, daß es davon Fotos gibt.

Hinweis: Wenn man im Widget "Notes" anklickt, bekommt man eine nähere Beschreibung.

Es war einmal ein Schmetterling,

der die Farbe seiner Flügel verloren hatte. Jetzt fragt ihr sicher, wie es dazu gekommen ist und das werdet ihr vielleicht noch erfahren, denn wer fragt, bleibt nicht dumm. Doch das Besondere an der Geschichte ist - der Schmetterling merkte überhaupt nicht, daß er die Farbe seiner Flügel verloren hatte. Stellt euch das einmal vor! Er fühlte sich wie jeder andere Schmetterling, breitete seine Flügel, um mit ihrer Glut die Sonne zu blenden, beglückte Blüte um Blüte mit seinem Besuch und tanzte sorglos den Wegesrand entlang, auf dem die Menschen an einem Sommermorgen zu Arbeit eilten. Wie? Ob sie ihn sahen? Wahrscheinlich die wenigsten, aber wie sollten sie auch. Er war ja grau wie der Morgennebel, der noch auf Dächern und Schornsteinen hing. Die Menschen waren nicht das Problem für den Schmetterling, denn die waren blind wie Maulwürfe. Das wirkliche Problem waren die Mitbewohner seiner Wiese, insbesondere die anderen Falter. Die sahen es gar nicht gerne, daß so ein grauer Sonderling unter ihnen weilte und sich noch nicht einmal darum scherte, daß er anders war. Sie wußten allerdings nicht, daß er es nicht wußte und weil er es nicht wußte, wußte er ebenfalls nicht, daß sie es wußten. Sie hielten ihn deshalb für ganz besonders hochmütig. Wie konnte er nur glauben, daß das Breiten seiner grauen Flügel irgendjemanden beeindrucken konnte? Und sein geziert anmutiges Gehabe, wenn er von Blume zu Blume tanzte - das paßte so überhaupt nicht zu seinem Aussehen. Wie konnte solch eine Person so unbekümmert sein? Noch bemerkte er nicht, wie sie zu ihm hinüberstarrten, ihm hinterherschauten und miteinander tuschelten. Auch dachte er sich nichts dabei, wenn sie kurz angebunden auf seine Grüße und Fragen antworteten. Bis zu jenem denkwürdigen Tag, an dem er für immer seine Unschuld verlor. Was Unschuld ist? Das erkläre ich später einmal.

Jedenfalls war es ein schöner Morgen nach einer langen Nacht und ein Schmetterlingshunger verlangte nach frischem Nektar. So suchte sich der Schmetterling eine besonders strahlende Blüte, die er schon immer einmal hatte kosten wollen. Leider hatten es zwei andere Falter ebenfalls auf diese Blüte abgesehen und als sie sahen, welch ein sonderbares Ding sie vor ihnen in Beschlag genommen hatte, begannen sie sich auszuschütten vor Lachen und sagten: "Was bist du denn für ein häßliches Monster! Schau erstmal in den Spiegel, bevor du hier den Schmetterling markierst und uns unsere Blüten wegnimmst!" Der Schmetterling war furchtbar erschrocken, so erschrocken, daß ihm keine Antwort einfiel und er die Blume freiwillig räumte. Der Appetit war ihm schlagartig vergangen. Was stimmte denn mit ihm nicht, daß sie ihn nicht für einen Schmetterling hielten? Und was war ein Spiegel? Stundenlang grübelte er über die beiden Sätze nach, die man zu ihm gesagt hatte. Dann dämmerte ihm endlich, daß er die Wahrheit wohl nur erfahren würde, wenn er so einen Spiegel suchte. Also machte er sich auf den Weg und es kostete ihn große Überwindung, immer wieder nach diesem Spiegel zu fragen, denn nun machte er lieber einen großen Bogen um seinesgleichen. Er fühlte sich zwar sehr einsam, wollte aber auf keinen Fall erneut ausgelacht werden. Und das komische Grinsen in den Gesichtern, wenn er nach dem Spiegel fragte, gefiel im ebenfalls überhaupt nicht. Mißtrauisch geworden, entging ihm kein belustigtes Wippen eines Fühlers, kein Zucken eines Augenwinkels, kein Verziehen des Kiefers mehr. Er fühlte sich schrecklich nutzlos und allein und bald dachte er, daß die beiden Falter wahrscheinlich recht haben und er ein häßliches Monster ist, schließlich wollte ja niemand mit ihm reden. Daran, daß er selbst allen aus dem Weg ging, dachte er nicht. Was habt ihr gesagt? Daß es so gemein von den beiden Schmetterlingen war? Ja, das stimmt, wir werden nie ermessen, wie sehr diese beiden Sätze das Leben des Schmetterlings verändert haben. Aber wartet's ab - zumindest hier auf dem Papier nimmt die Geschichte ein gutes Ende.

Nach einigen Tagen des Herumirrens traf er auf ein kleines Menschenmädchen, welches mit einem im Sonnenlicht gleißenden Ding spielte. Er umtanzte es neugierig, als die Mutter des Mädchens kam und sagte: "Hör auf, mit dem Spiegel herumzuspielen!" Oh! - dachte der Schmetterling - Dies ist also ein Spiegel! Er fühlte sich sehr ängstlich, als er an das gleißende Ding herantanzte. Eigentlich wußte er die Wahrheit doch längst, warum sollte er also noch da hinein schauen? Wer weiß, was ihn erwartete. Andererseits hätte er dann den weiten Weg umsonst gemacht, das wäre sehr ärgerlich. Also gab er sich einen Stubser und flog näher. Auf einmal erkannte er einen Schmetterling. Ja, es war ein Schmetterling, das war eindeutig zu erkennen. Und sehr schnell wußte er, daß er selbst dieser Schmetterling war. Aber was ist das? Er sah ja aus wie.....wie.....wie eine Motte, diese farblosen Dinger, die sich nur nachts heraustrauen und in ihrem Unglück sich von allem blenden lassen, das nur ein wenig heller strahlt als sie. Obwohl, er korrigierte sich, richtiger gesagt sah er aus wie ein Schmetterling, der die Flügel einer Motte hatte. Und das wiederum bedeutete - philosophisch zog er seine Stirn in Falten -, das bedeutete....das konnte nur bedeuten, daß er weder Schmetterling noch Motte war. O herjemine! Wie sollte es so weitergehen? Kein Wunder, daß ihn niemand mochte. Kurzzeitig überlegte er, ob er unter die Motten gehen sollte, aber da sein Körperbau der eines Schmetterlings war, würden sie ihn ebensowenig mögen. Völlig mutlos ließ er seine Flügel hängen, und versteckte sich in einem Baum, den er nur verließ, wenn der Hunger ihn dazu zwang. So vergingen viele Tage, der Schmetterling zählte sie nicht mehr, denn er war davon überzeugt, daß dies sein Leben sein würde, bis der Tod so gnädig wäre, ihn zu erlösen. Ab und zu, wenn er sich zu einsam fühlte, flog er ein Stückchen hinaus und beobachtete von weitem die vanillegelben Zitronenfalter, feuerroten Admirale und prächtigen Pfauenaugen. Wie beneidete er sie darum, daß sie ganz normale Schmetterlinge waren! Eines Tages, als er wieder seinen traurigen Gedanken nachhing, sprach ihn jemand von der Seite an. Es war ein lachendes Schmetterlingsmädchen. Oh nein, nicht schon wieder! - dachte der Schmetterling - Sie lacht mich aus! - und er wandte sich knurrend ab. Doch die Kleine ließ nicht locker und als sie ihn erneut ansprach, ihm ins Gesicht lachte, fuhr er sie böse an: "Hör auf, mich so dämlich anzugrinsen, du klappriges Gestell!" Das Lachen verstummte auf der Stelle. Verletzt und sichtlich verwirrt flog das Schmetterlingsmädchen von dannen. Plötzlich durchfuhr es den Schmetterling siedendheiß: Was habe ich getan? Es war genau dasselbe, was die beiden Falter taten.....ob sie je wieder lachen wird? Dabei hatte sie ein wirklich bezauberndes Lachen, nur schade, daß sie mich damit auslachen mußte. Und trotzdem will ich nicht, daß sie vielleicht so wird wie ich. Ich muß......
Und schon rief er ihr hinterher: "Warte!" Und noch einmal lauter: "Warte doch!" Mürrisch und mißtrauisch drehte sie sich um.

"Ich habe es nicht so gemeint, verzeih mir. Du hast ein ganz
bezauberndes Lächeln. Ich bin es nur so leid, mich ständig auslachen zu lassen."

"Wer lacht dich denn aus?"

"Na du zum Beispiel."

"Ich? Ich habe dich nicht ausgelacht. Ehrlich nicht. Und warum sollte man dich überhaupt auslachen?"

Die letzte Frage verwunderte den Schmetterling, weshalb er nicht auf sie einging.

"Aber du hast gelacht."

"Natürlich habe ich gelacht - weil ich dich nett fand!"

"Nett? Wie jetzt?"

"Na wenn man jemanden nett findet, dann lacht man ihn an. Außerdem sind mir deine schönen Flügel aufgefallen."

"Schöne Flügel? Sie sind grau."

"Ja." erneut Zutrauen fassend kam das Schmetterlingsmädchen näher. "Aber sie sind nicht nur von einem Grau. Sie sind außerdem auch noch schwarz und weiß und haben tausend verschiedene Schattierungen von Grau. Hier zum Beispiel - dieses strahlende Winterhimmelgrau, dann dort ein stürmisches Seegrau, und hier das zart-melancholische Taubengrau, das brüchige Steingrau, jenes dunkle Gewitterwolkengrau und hier das geheimnisvolle Anthrazit. Dann das silbrige Möwengrau, das glitzernde Schiefergrau, das milchige Mondgrau. Außerdem diese wunderschöne schwarze und weiße Fiederung, die Glanzpunkte wie kleine Sterne setzt und mit feinen Linien das Grau gleich verschlungenen Arabesken durchzieht. Du bist wirklich ein ganz außergewöhnlicher Schmetterling und wunderschön!"

Der Schmetterling hatte das Gefühl, als würde etwas sehr klebriges in seiner Brust schmelzen. Eine aufregende Wärme durchströmte seinen Körper.

"Oh!" sagte er sprachlos und errötete....


(Ich konnte es nicht lassen, den vielen "Es war einmal ein Schmetterling"-Geschichten noch eine hinzuzufügen. )

Es war einmal ein Schmetterling, der die Farbe seiner Flügel verloren hatte

Freitag-Nachmittag im Büro. Ich könnte nach Hause gehen, möchte aber Zeit aufbauen und freitags ist das am besten, weil man da (normalerweise) seine Ruhe hat. Noch stehe ich mit einigen anderen Kollegen zusammen. Im Prinzip ist schon Feierabend und niemand hat mehr Lust etwas zu tun. Da kommt der Leiter aus einem anderen Haus, Hr. B., und nennt den Namen Ch., er möchte wissen, wer diesen Klienten hat. Anscheinend steht dieser außerhalb der Sprechzeit auf der Matte. Ich habe zwar das C, aber keinen Ch., weshalb ich auf die Frage nicht reagiere. Hr. B. schaut mich jedoch ständig so an, als müßte ich es sein. Bin ich aber nicht. Und überhaupt sollte ich mich schnell aus dem Staub machen, gehe aber nur in meinen Büroraum zurück. Auch hier gibt es immer noch etwas zu tun, denn es wird nach der Beihilfe für eine Frau L. gefragt. Diese ist behindert und erhält regelmäßig einen Karton voll bestimmter Bilder. Wozu sie diese bekommt, ist mir schleierhaft, vielleicht sammelt sie die. In einer Ecke finde ich den Karton und schaue neugierig hinein. Die Bilder sind von einer Größe wie Dias und in länglichen Stangen verpackt. Eine ist auf einer Seite bereits geöffnet. Auf dem ersten Bild sieht man eine Menschenmenge und überrascht stelle ich fest, daß mein Gesicht darunter ist. Das bin doch ich? Ja, eindeutig. Auch auf den anderen Bildern bin ich zu sehen, wie seltsam. Vielleicht sind dies ja Bilder, die automatisch an einer Stelle das Abbild des Betrachters zeigen. Plötzlich kracht die Tür auf und mein oberster Chef mit einigen anderen Leitern stürzt herein. Schnell verstecke ich die ausgepackten Bilder, denn den Karton hätte ich sicher nicht aufmachen dürfen. Anscheinend ist irgendein Klient bei dem Chef und dieser fragt nach einer Stellenliste. Ich bin außer den Chefs die einzige im Büro, die anderen Schreibtische sind verlassen. Wo soll diese Liste sein? Ich zucke erst ahnungslos mit den Achseln, doch dann fällt mir etwas ein. Zu einem bestimmten Schrank gehend, finde ich sie auf Anhieb und reiche sie dem Chef. Dieser ist erst erfreut, was sich aber sofort ändert, als er auf das Datum schaut. "Die ist ja noch vom soundsovielten und nicht weitergeführt!" Seine Stimme klingt vorwurfsvoll, aber den Schuh ziehe ich mir nicht an. Schließlich ist das nicht meine Aufgabe. Frech sage ich deshalb: "Aber immerhin habe ich sie gefunden."

Kurz vor dem Aufwachen höre ich den Beginn einer Geschichte: Es war einmal ein Schmetterling, der die Farbe seiner Flügel verloren hatte...

Bemerkung: Nach dem Geschichtenbeginn habe ich gegoogelt und es gibt erstaunlich viele Geschichten, die mit "Es war einmal ein Schmetterling" beginnen, aber keine mit diesem Satz. Was macht ein Schmetterling, der die Farbe seiner Flügel verloren hat?
Ich bin mir nach dem ersten Traum irgendwie ziemlich sicher, daß ich heute Dias bekommen werde.