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Samstag, 6. September 2008

Zur geheimen Stiege

Zur geheimen Stiege

Brauche ich einen seriöseren Bloggernamen?

Aber diese einzelne Frage umreißt die Weitläufigkeit des Problems nicht wirklich. Es geht auch darum: Bin ich überhaupt berechtigt, einen seriöseren Bloggernamen zu tragen? Bin ich seriös oder nur albern? Steht mir die Seriosität oder mache ich mich darin wie Charlie Chaplin mit zwei übergroßen Schuhen? Muß ich mich anstrengen, um seriös zu sein? Muß ich mit dem Spielen aufhören, um seriös zu sein? Darf ich seriös sein und gleichzeitig Spaß haben? Ist Seriösität den wirklich Erwachsenen vorbehalten? Ab wann ist man erwachsen? Und (das hätte ich fast vergessen) darf man, wenn man seriös ist, noch dumme Fragen stellen (also jetzt wirkliche, keine rhetorischen)? Darf man, wenn man seriös ist, Rechtschreibfehler machen?

Der zugemauerte Durchgang, der tanzende Mann aus Twin Peaks und die Enthüllung der Blogidentität

Mein Bruder möchte eine bestimmte Strecke auf der Straße nackt rennen. Nackt bedeutet bei ihm mit Shorts, aber barfuß. Warum er das unbedingt will, ist mir ein Rätsel, wahrscheinlich irgendein spielerischer Ehrgeiz. Ich verfolge eine Top 10 mit Bildern von ihm im Internet. Je länger er läuft, desto höher steigen einige der Bilder. Später sitze ich irgendwo mit F., seinem Sohn, auf dem Knie und "lese" diesem vor. Im Traum ist er noch ein Baby, das nicht sprechen kann. Er versteht auch nicht, was ich sage, weshalb ich eigentlich nur auf die Bilder zeige und sage: "Das ist ein Auto, das ist eine Biene, das ist ein Leuchtturm." Während ich das erzähle, amüsiert sich F. königlich und lacht immer wieder laut los, als würde ich die komischsten Witze reißen. Ich finde dies etwas sonderbar und auch eine Frau, die abseits steht, wird darauf aufmerksam und kommt näher heran, um zu hören, was ich dem Kleinen da erzähle. Ich mache weiter: "Das ist ein Käfer, das ist eine Taube, das ist ein Schiff." und sie scheint sowohl enttäuscht als auch verwundert. Wer weiß, was F. daran witzig findet. Vielleicht ist er ja auch nur so selbstvergnügt, weil er gerne bei mir ist.

Der nächste Traum beginnt damit, daß ich (mal wieder) aufwache. Ich liege in meinem Bett und höre Geräusche aus den anderen Teilen der Wohnung. Dort muß jemand sein. Mir fällt ein, daß doch der Wohnungvermieter angekündigt hatte, in die Wohnungen einzubrechen. Hastig ziehe ich mir etwas über und eile halbnackt auf den Korridor hinaus. Ich bin entsetzlich wütend. Das darf doch einfach nicht wahr sein, daß die ungefragt Leute in ihren Wohnungen überraschen! Im Bad finde ich eine Frau vor, die Wäsche auswringt. Sie ist von der Wohnungsverwaltung. Ich gehe sie an, weil sie eingebrochen ist, aber sie reagiert gar nicht darauf, sondern zeigt ungehalten auf das Waschbecken und die Wäsche, sagt irgendwas von "Das geht so nicht.". Ich weiß, das Waschbecken war nicht allzu sauber, ich hatte es schon seit mehreren Tagen putzen wollen, es aber nicht getan. Wo die viele Wäsche herkommt, ist mir aber ein Rätsel. Das gesamte Bad hängt voll davon, jedoch nur ein Teil davon ist meine. Der Rest muß anderen gehören. Trotzdem hat das Ablenkungsmanöver Erfolg und ich beginne mich stotternd zu rechtfertigen. Dabei fällt mir auf, daß die Wand hinter ihr (wo in der Wirklichkeit das Fenster ist) mit neuen grauen Fliesen bedeckt und der Zugang zum anderen Teil der Wohnung geschlossen wurde. Ich habe diese anderen Zimmer zwar nie genutzt, aber trotzdem ist es eine Frechheit, den Durchgang dazu einfach zuzumauern, schließlich habe ich die Wohnung so gemietet. Und wenn ich jetzt doch die Zimmer nutzen wollte, geht das nicht mehr. Welche Konsequenz dies genau für mich hat, kann ich nur erahnen. Gedankenwirrwarr in meinem Kopf, unter anderem ertappe ich mich dabei, daß ich trotz allen Ärgers mich klammheimlich freue, das jemand anderes die Hausarbeit für mich macht, denn sie Frau hat das Waschbecken geputzt und die Wäsche gewaschen. Diese Freude geht aber nicht soweit, daß ich mich bei ihr bedanke - die Wut ist stärker und als sie endlich die Treppen hinunter stiefelt, rufe ich ihr nach, daß ich das nicht auf sich beruhen lassen werde. Etwas später gehe ich vor das Haus, wo ich viele Nachbarn treffe, die an Bänken sitzen und sich unterhalten. Bei ihnen allen wurde eingebrochen und manche sind hart mit der Wohnungsverwaltung aneinandergerasselt, haben sich sogar geprügelt. Über dies alles wird nun hitzig debattiert. Ich stelle fest, daß nicht nur Veränderungen in den Wohnungen vorgenommen wurden, sondern auch eine Bank draußen verändert wurde, die ziemlich hoch ist, und auf der ich gerne sitze. Während ich mich vorher sicher darauf fühlte, ist sie nun so schmal und wacklig, daß ich bei jeder Bewegung fürchte, hinunterzufallen. Meine Mutter ist jetzt ebenfalls unter den Leuten und geht in das Haus hinein. Ich will hinterher, doch vor der geschlossenen Haustür fällt mir ein, daß ich wahrscheinlich meinen Schlüssel gar nicht dabei habe. Ich werde auf eine Person hinter mir aufmerksam und drehe mich um. Es ist der tanzende Mann aus Twin Peaks. Er steht in einiger Entfernung und starrt mich an. Dabei formt er mit dem Gesicht Grimassen, als bilde er Worte und wolle etwas sagen oder sage es lautlos vor sich hin. In seinen Händen sehe ich ein Schlüsselbund. Will er mir vielleicht einen Schlüssel geben, weil er wußte, daß ich keinen habe? Inzwischen habe ich jedoch an der Tür gezogen und festgestellt, daß sie offen ist. Na prima! Schnell schlüpfe ich hinein. Statt eines Treppenflurs erwartet mich ein ausgedehntes Foyer. Hier sehe ich meine Mutter, wie sie einen Arm um einen bärtigen Mann legt. Nanu? Sie wird doch nicht einen neuen Freund haben? Ich trete heran und sie stellt mich ihm vor. Dabei macht er die Bemerkung "Das ist also die Super-Schwester?" Super-Schwester? Dann kann er nur aus dem Kreis von meinem Bruder stammen.



Im letzten Traum komme ich durch Zufall bei einem Spaziergang in irgendeinen öffentlichen Treffpunkt, wo man Tische, Stühle, Spielecken und an den Wänden Tafeln findet. Jeder darf sich hier aufhalten. In der ersten Etage entdecke ich eine Tafel, auf welcher mit Kreide der erste Teil meines Nachnamens und dahinter mein Blogname "Zuckerwattewolkenmond" geschrieben steht. Ich bekomme einen Schreck. Das gibt es doch nicht. Wer hat das hier so öffentlich an die Tafel geschrieben und woher weiß derjenige das? Was bezweckt er damit? Zuerst kommt mir Gedanke, es wieder abzuwischen und ich warte auf eine Gelegenheit, in der ich alleine im Raum bin. Diese kommt jedoch nicht, stattdessen drei junge Männer, welche sich um einen Tisch gruppieren. Ich schleiche weiter im Raum umher und tue so, als würde ich mich mit dies und jenem beschäftigen. Dazu greife ich nach einem Zahnputzbecher und putze mir die Zähne. Schnell wird mir klar, daß die drei etwas damit zu tun haben, denn einer davon tritt an die Tafel und vervollständigt meinen Namen. Ich tue so, als ginge mich das alles nichts an, bleibe aber aufmerksam. Ich kenne die drei nicht und die mich offensichtlich auch nicht. Irgendwie ist es witzig , daß ich um sie herumschleiche, während sie meinen Namen an die Tafel schreiben. Wahrscheinlich sind das Leute, die sich ein Hobby daraus gemacht haben, die Betreiber von anonymen Blogs aufzudecken. Und wahrscheinlich ist das recht mühsam, denn nur so ist zu erklären, daß sie jeden Buchstaben eines Namens einzeln herausfinden müssen und nicht sofort den gesamten Namen wissen. Inzwischen putze ich mir schon das dritte Mal an einem dritten Waschbecken die Zähne und greife zu einem roten Behältnis, welches direkt neben einer der Personen auf dem Tisch steht. Diese kommt mir gleich hinterher und weil ich denke, sie meint damit mich, frage ich leicht aggressiv. "Ist irgendwas?" Dabei stellt sich heraus, daß es kein Mann sondern eine Frau ist. Sie schüttelt nur den Kopf und wirft etwas in den Abfalleimer, der unter dem Waschbecken steht. Ah, DEN meinte sie. Noch immer streife ich im Raum umher, tue als sei ich beschäftigt und versuche etwas mitzubekommen. Endlich gehen die drei. Auf der Tafel steht nun mein vollständiger Name inklusive Blogpseudonym. Aber nicht nur ich, auch andere Namen und ihre Blogs sind an der Tafel enthüllt. ich frage mich, ob die das nur hier preisgeben oder auch woanders. Wenn es nur hier wäre, ist es wahrscheinlich nicht so schlimm, weil so viel Leute hier nicht herkommen. Aber ich weiß es nicht und in Gedanken formuliere ich schon einen Blogeintrag, in welchem ich von diesem Erlebnis berichte und ankündige, daß ich meine Blogidentität ändern muß. Vor der Tafel, steht jetzt noch eine andere durchsichtige Tafel, so daß das Geschriebene kaum noch zu entziffern ist. Aber trotzdem. Abwischen wird nicht wirklich etwas nützen, sicherer ist, den Namen zu ändern. Während ich diese Überlegungen anstelle, staune ich immer wieder über diesen unglaublichen Zufall, der mich genau hierher geführt hat. Und ebenso irrwitzig ist, daß ich hier um die Leute herumgeschlichen und sie belauscht habe, ohne daß sie wußten, wer ich bin. So gesehen bin ich jetzt im Vorteil, denn ich kenne sie und kann alle Maßnahmen treffen, um mich zu schützen. Nebenbei überlege ich - wobei ich unschlüssig die Treppe hinunter und wieder hinaufgehe -, ob das alles vielleicht nur ein Traum ist, aber nein - ich bin doch gerade erst aufgewacht, dies muß also die Wirklichkeit sein. Daß es solche Zufälle wirklich gibt!

Bemerkung: Seit mehren Tagen nehme ich mir vor, das Bad gründlich zu putzen, habe es aber wegen des Rückens immer verschoben - und das schlechte Gewissen folgt im Traume. Mit der Wäsche übertreibt es allerdings gewaltig, den schmutzige Wäsche habe ich so gut wie kaum zu liegen, da ich T-Shirts, Hosen usw. meist sofort wasche und der kleine Rest in einem Wäschekorb hinter einer Schrankklappe auf die nächste Wäscheladung wartet, wo es absolut niemanden stören kann, nicht einmal die Wohnungsverwaltung. Außerdem frage ich mich, was für ein Teil da durch den verschlossenen Durchgang wohl von mir abgetrennt wurde, den ich nicht mehr betreten darf. :-/
Über eine Änderung der Blogidentität habe ich tatsächlich gestern nachgedacht, allerding nicht wegen einer Enthüllung, sondern weil ich mich fragte, ob dieses "Zuckerwattewolkenmond" nicht etwas zu verspielt wirkt und ein "seriöserer" Name langsam angebrachter wäre.

Freitag, 5. September 2008

Visualisierung

In meinem Bett sitzend (Bin ich gerade aufgewacht?) fällt mein Blick zuerst auf eine Bodenvase mit einem buschigen Strauß von Birkenzweigen. Sie steht genau neben dem Bett und obwohl die Zweige vom Baum abgeschnitten sind, glänzen die Blätter in einem satten, frühlingshaften Grün. Nur eine winzige kleine Zweigspitze ist abgestorben und trägt einige vertrocknete Blätter. Dies wird doch nicht der Anfang vom Ende sein? Werden die anderen Zweige frisch bleiben oder ebenfalls absterben? Mein Blick fällt jetzt auf den Tisch im gleichen Zimmer. Schmutzige Gläser und allerhand Kram findet sich darauf. Vor meinem inneren Auge entsteht träumerisch das Bild eines Tisches, welcher mit funkelnden Gläsern und strahlendem Geschirr ordentlich gedeckt ist. Auf einmal ist es so, als wäre dies die Wirklichkeit. Und mich überkommt die staunende Erkenntnis: Ich muß nur visualisieren. Sobald ich visualisiere wird das Visualisierte zur Realität.

Schlafes Bruder - Der Film

Mit diesem Film verbinde ich ein sehr imposantes und unvergessliches Kinoerlebnis vor vielen Jahren. Allerdings konnte ich mich nie an die Geschichte des Films erinnern, sondern immer nur an die Bilder und Töne. Nachdem ich die Erzählung gelesen habe, lieh ich mir den Film nochmals als DVD aus. Mir war schon klar, daß der Film auf dem heimischen Fernseher sehr viel weniger eindrucksvoll sein würde, da hier gute Storys mehr wirken als Bilder und Musik. Vor allem fiel mir aber auf, daß die Geschichte genaugenommen eine völlig andere ist und sich wirklich nur sehr frei an der Vorlage orientiert. Nun hat Robert Schneider selbst das Drehbuch geschrieben, spielt sogar eine kleine Nebenrolle im Film und auf Fragen diesbezüglich, antwortet er stets, daß dies ein Film nach Motiven des Buches sei, aber keine Verfilmung. Nun gut. Ein Vergleich sei trotzdem erlaubt - gegen das Buch wirkt der Film einfach nur nichtssagend, absolut nichtssagend. Kein Wunder, daß ich von der Story nichts behalten habe.

Donnerstag, 4. September 2008

Die Gedichte meines Vaters | Ende

Tagebuchauszug:

Es gibt aber wirklich erhebenere Dinge, und der Mensch verbraucht schon so viel zu viel Nerven für den Alltag; und man sollte den Verbrauch der Geisteskräfte nicht noch unnötig steigern.
Ich fand das ein gutes Schlußwort für die Serie, zumal mein Vater sein gesamtes Leben hindurch versucht hat, seine Geistes- und auch seine Körperkräfte nicht unnötig zu verbrauchen. Man könnte dies also sozusagen als sein Lebensmotto ansehen.

Die Gedichte meines Vaters | 13

Tagebuchauszug:

Neulich erlebte ich zwei seltsame Zufälle, die ich unbedingt festhalten möchte. Mir fielen plötzlich folgende Gedanken ein: "Nicht mir allein leb' ich" - "Ich werd' ein Teil von dem, was mich umgibt" - "Mir sind hohe Berge ein Gefühl". Ich hatte diese Bruchstücke von irgendwoher behalten, doch wußte ich weder den Dichter noch sonst einen Anhaltspunkt. Da trat ich spielerisch an meine Bücher. Ich nahm hier und dort eines heraus, schlug es wahllos auf und freute mich kindisch daran. (Nebenbei bemerkt: Ich bin ein großer Büchernarr.) Da fiel mir auch Schopenhauers "Welt als Wille und Vorstellung" in die Hände. Wie im Traume öffnete ich es. Mein erster Blick fiel auf die Übersetzung des englischen Textes von Byron: "Nicht in mir selbst leb' ich allein; ich werde ein Teil von dem, was mich umgibt, und mir sind hohe Berge ein Gefühl." [I live not in myself, but I become Portion of that arround me; and to me High Mountains are feeling.]

Ein andermal fielen mir plötzlich folgende Worte ein: "Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott, zu sagen, was ich leide."
Ich wußte: Goethe hatte diese Worte geschrieben. Aber WO standen sie? Aus einem Gedicht? Aus einem Drama? Wieder schlug ich wahllos Goethes Gedichte auf: Seltsam! Ich fand die Worte als Motto eines Gedichtes "Elegie". Ich sah näher hin, tatsächlich, es war die Elegie aus der Trilogie der Leidenschaft! War beides nur Zufall? Oder gibt es so etwas wie einen "literarischen Spürsinn"? Nun, ich werde die Sache ruhen lassen und auf weitere Beweise warten.

Das erste Mal im Leben auf einem Wasserbett.

Ok, der Anlaß ist weniger erfreulich. Erst verpaßte mir die Ärztin eine Spritze in den Rücken und kündigte an, daß ich gleich auch noch einen Stich ins Ohr bekommen würde. Ehe ich noch sagen konnte: "Hä? An den Ohren tut mir doch gar nichts weh." steckten mir schon zwei Nadeln links und rechts im Ohr. Akupunkturnadeln - daran hatte ich nicht gedacht. Danach durfte ich mich im Keller auf ein BEHEIZTES Wasserbett mit Massagefunktion legen. Man könnte sich daran gewöhnen, mit oder ohne Massagefunktion, allerdings wäre es ohne die Nadeln in den Ohren noch einen Tick lauschiger gewesen.

Die erste Festplatte der Welt

wurde am 13. September 1956 von IBM vorgestellt. Sie wog 1000 Kilo, hatte 50 Scheiben, war groß wie zwei Kühlschränke und hatte Platz für 5 MByte an Daten (Info aus der PC Magazin). Damals gab es mich noch gar nicht, aber bewußt nehme ich die Existenz von Festplatten erst seit ca. zehn Jahren wahr.

Mittwoch, 3. September 2008

Tja,

wenn man von zu viel erfreulicher Post und einem Geldsegen überrascht wird, sollte man ein wachsames Auge auf seine Waschmaschine haben - denn die ausgleichende Gerechtigkeit folgt auf dem Fuße in Form einer Küchenüberschwemmung. Zum Glück habe ich Terrazzoboden, der hat noch jedes Wasser von anderen Wohnungen ferngehalten, aber es ist ziemlich mühsam, den ganzen Swimmingpool wieder in den Abfluß zu bekommen, besonders wenn man es im Rücken hat. Witzigerweise hatte ich vor drei Stunden erst den Küchenboden gewischt. Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich mir dies gespart und beides sozusagen mit einem Aufwasch erledigt.

Also ich finde,

dieser Briefkastengang hat sich echt gelohnt - eine Gewinnbenachrichtigung über 315 €, eine Gehaltserhöhung über knapp 60 € und ein Bücherpäckchen von Elsa. Warum kann ich solche Post nicht jeden Tag bekommen?

Die Gedichte meine Vaters | 12

Wenn einer nur von Schummelei leben soll
und schwankendes Gefühl im Herzen tragen
und quälende Gedanken stets ihn plagen
ist immer ihm die Brust von Trauer voll.

Sein Leben fließt dahin nur noch in Moll
schon manchen Abend wollte er verzagen
und wollt' das Spiel am Morgen nicht mehr wagen
weil er befürchtete, er würde toll.

und doch hat immer wieder er begonnen
das Leben, sah er wohl auch keinen Sinn
hat er bei diesem Spiel auch nichts gewonnen

war doch Schicksal in der Sache drin.
Und langsam ist das Leben ihm zerronnen
und ehe er's gewahrt war es dahin.

Die Gedichte meines Vaters | 11

Ich küßte dich, ich küßte jene
und manchmal küßte ich auch keine
Ich machte mir schon viele Pläne
und war zum Schluß wie stets alleine.

*******

Sie stand und kämmte sich ganz eins
zurückgeneigt ihr Haar. Sie weiß
sie sieht ganz hübsch aus. Im Profil
des zarten Busens leichtes Spiel.

Die Gedichte meines Vaters | 10

Nun füllest du mit freudigen Gedanken
mein Herz, und gibst mir wieder meine Ruh';
Die Zeit ist hin, da alle Sterne sanken,
voll Glück denk ich an dich nun immerzu.
Oft seh die Welt vor meinem Blick ich schwanken,
wenn ich von jemand träum', so bist es du:
Ich will mit einem Rosenkranz dich schönen
und Lieder sollen dir zu Ehren tönen!

Des Abends Schatten auf die Erde fielen,
allmählich es zu dunkeln jetzt begann;
im Traume sah ich dich mit Blumen spielen,
ich ging zu dir und sprach dich leise an.
Und alle Wünsche meinem Sinn entfielen,
so daß ich nur auf einen mich besann:
sanft liebend möchte ich zu dir mich neigen
und herzlich küssen dich, der Rest ist Schweigen.

1/48

Dienstag, 2. September 2008

Was mich wirklich absolut nervt,

ist die Tatsache, daß man so ungefähr alle drei bis vier Jahre gezwungen ist, sich ein neues Notebook zu kaufen, weil das alte irgendwo nicht mehr will. An sich ist es nicht so, daß ich mir nicht gerne Neues kaufe, aber alle drei bis vier Jahre geht mir dann doch etwas gegen den Strich, was weniger eine Geldfrage ist, als eine der Arbeit, die damit verbunden ist. Würde ich genau dasselbe Notebook nur ein bißchen getunt, aufgemotzt und schon vollständig mit all meiner Software und meinen Einstellungen bekommen, hätte ich kein Problem damit, aber leider macht auch die Mode vor Notebooks nicht halt, so daß man sich drei Jahre später mit schwarzem Klavierlack und Breitbildschirmen konfrontiert sieht. (Es scheint wirklich Leute zu geben, die ihre technischen Geräte gerne ständig putzen und polieren. Bei mir muß die Staubansammlung auf ihnen vor allem unauffällig sein, weshalb ich Silber bevorzuge.) Außerdem habe ich so viel andere Hobbys, daß ich nicht sonderlich erpicht darauf bin, daß Notebook ebenfalls noch zu einem zu machen. Ich mein, Waschmaschinen laufen ja auch mindestens zehn Jahre, warum nicht Notebooks? Aber ich muß mich korrigieren - es gibt tatsächlich Laptops, die so lange wie Waschmaschinen laufen, sozusagen die Waschmaschinen unter den Notebooks, wie zum Beispiel mein altes Dell. Dieses läuft seit exakt zehn Jahren, obwohl man das dieser Klapperkiste kaum zugetraut hätte und sieht auch fast so aus wie eine Waschmaschine. Inzwischen hat es zwar natürlich ein paar Blessuren und Macken - der CD-Player streikt gerne mal, eine Schramme im LCD-Display und schreiben muß ich fast blind, weil die Buchstaben auf den Tasten runtergewetzt sind, aber es läuft. Und für den Preis, den ich damals gezahlt habe, ist das nur recht und billig. So kommt es dann in Notfällen wie diesem zu neuen Ehren und wird dankbar hervorgekramt. Jetzt könnte man sagen, ok, kauf ich wieder ein Dell, aber die Kundenmeinungen erzählen noch heute von liebloser Verarbeitung, viel scheint sich also nicht geändert zu haben, trotz ausgefallenen Designs, und laut sind sie auch immer noch. Gerade auf die Flüstertaste meines Samsung-Notebooks möchte ich nicht mehr verzichten. Leider zickt dieses in letzter Zeit rum. Erst ein mysteriöser Absturz, nach welchem ich zwei neue Speicherriegel einbaute und dabei den Speicher gleich verdoppelte. Danach lief es zwei Monate wieder, aber vor einigen Tagen schaltete es sich einfach ungefragt aus und ließ sich nicht mehr starten, und sogar nicht mehr neu installieren, weil es sich dabei ebenfalls immer ausschaltet. Nun hatte so ein komisches Hardwareprogramm bei der Festplatte dauernd "Gefahr" geschrien, aber ich hab das nicht so ernst genommen, weil es gar nichts getestet hat, sondern anscheinend nur nach dem Alter gegangen ist und die Festplatte vom Dell läuft ja nach zehn Jahren auch immer noch (übrigens eine IBM). Vorbildlicherweise besitzt das Notebook einen extra gekennzeichneten Schacht für die Festplatte, wo man von außen drankommt, so daß ich es jetzt auf einen Versuch ankommen lassen werde, die Festplatte auszutauschen. Sollte dies nichts nützen, werde ich wohl nicht umhin kommen, wirklich ein neues zu kaufen, auch wenn ich mich vom Samsung eigentlich nicht trennen will. Denn wo finde ich eines, das ebenso leicht, kompakt und flüsterleise, silber und gänzlich ohne Klavierlack ist? Bis dahin klapper ich auf dem alten Dell-. Das sieht zwar aus, als wenn es jeden Moment auseinanderfällt, aber läuft und läuft und läuft...

...

Tatsächlich ist ein wesentliches Erkennungszeichen kreativer Menschen eine extreme Empfindlichkeit gegenüber gewissen Nuancen des Gefühls, der Wahrnehmung und des Denkens. Eine Nuance ist eine Bedeutungsschattierung, eine Verknüpfung von Gefühlen oder eine Feinheit der Wahrnehmung, für die der Verstand keine Worte oder bewußten Kategorien besitzt. Wenn eine Nuance erscheint, so geschieht dem schöpferischen Menschen etwas, das wir als akute nichtlineare Reaktion bezeichnen können...
...Nuancen erinnern an den Reichtum des Grenzbereichs in der Mandelbrot-Menge, den Reichtum der vielen Skalen in einem Fraktal. Bei schöpferischen Menschen lassen die Nuancen überall die "Informationslücken" wahrnehmbar werden...
...Da ihr Reichtum nicht in den normalen Denkformen enthalten ist oder beschrieben werden kann, läßt sie sich nicht leicht anderen Menschen mitteilen. Um die eigene Erfahrung einer Nuance auszudrücken, muß das Individuum erst eine Gestalt schaffen, in der sie sich anderen mitteilen läßt...
...Nuancen hausen in den fraktalen Räumen zwischen unseren Gedankenkategorien. Nach der Theorie von Paul LaViolette und William Gray gehen von den Gefühls- und Wahrnehmungszentren unseres Gehirns ununterbrochen Nuancen aus, die im Gehirn umlaufen, aber dann sogleich durch die Hirnrinde vereinfacht werden, so daß Gedanken entstehen, die sich einordnen lassen und "organisatorisch abgeschlossen" sind...
...In der Erfahrung der Nuance betreten wir den Grenzbereich zwischen Ordnung und Chaos, und in der Nuance liegt unser Sinn für die Ganzheit und Unteilbarkeit der Erfahrung....
...Schöpferische Menschen pflegen ihre Fähigkeiten, in "Zweifel und Ungewißheit" zu leben, wie Keats das nannte, also in jener Welt, die durch eine Nuance geschaffen wird, die gerade lange genug anhält, um dort etwas Neues aufblühen zu lassen...
...Unsere normalen gedanklichen Muster organisieren sich um ihre Grenzzykel. Wird man gebeten, aus einem komplexen Materialangebot eine Gestalt zu schaffen oder ein Problem zu lösen, so reagiert man typischerweise mit einer reduktionistischen oder organisatorisch abgeschlossenen Struktur, statt dem Material zu erlauben, sich aus den fraktalen Dimensionen der Nuance heraus selbst zu entwickeln - wie ein schöpferischer Mensch es tun würde...
...Peter Senge sagt, auch unsere künftige gesellschaftliche Arbeit und das Handeln der gesellschaftlichen Gruppen sollten am besten in einer Atmosphäre der Ironie und der Nuancen ablaufen. Er nennt dies die Anerkennung der grundlegenden Ungewißheit..."Ich glaube, die Ehrfurcht vor der Ungewißheit macht den Unterschied zwischen einem kreativen Visionär und einem Fanatiker aus. Ein Fanatiker hält Ausschau nach etwas, das die Ungewißheit plattwalzt. Der schöpferische Mensch gibt die Ungewißheit zu..."

(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

Kartoffelpufferessen

Es war die schönste Zeit des Jahres, die Zeit, in welcher ich von früh bis abends draußen herumlungerte, weil ich zwei Monate Ferien hatte und es Sommer war. In dieser schönsten Zeit des Sommers geschah es, daß Kinder, mit denen ich sonst spielte, verreisten, und andere Kinder, mit denen ich sonst nicht spielte, ihre Oma in der großen Stadt besuchten. So auch T., der regelmäßig ein bis zwei Wochen im Sommer auftauchte und in der Wohnung über uns bei seiner Großmutter logierte. Wir freundeten uns an und so überbrückte ich einige der eher einsamen Ferientage. Ich erinnere mich, wie wir zusammen manchen Nachmittag auf den Stufen vor dem Küsteramt saßen, ein Tablett auf unseren Knien, mit Bergen von kleinen Kartoffelpuffern, die die Oma frisch zubereitet hatte und einer Schale weißen Zuckers. Der Duft von frischen Kartoffelpuffern mischte sich mit dem Duft von Sonne, kühlem Stein und Gras. Gerecht teilten wir sie uns, aßen sie genüßlich mit den Fingern, nachdem wir sie vorher in den Streuzucker getunkt hatten, und die Großmutter winkte uns freundlich aus dem Küchenfenster zu.

Die Gedichte meines Vaters | 9

Wie wenn nach langem Winter
der Frühling wieder blüht,
und neue Lebensfreude
in aller Herzen zieht -

so bin auch ich genesen
aus dunkler, trüber Nacht,
dein reines, offnes Wesen
hat dies an mir vollbracht.

So wie der Kelch der Blume
der Sonne Strahlen trinkt
mit seinen dann dem Menschen
göttlichen Gruß zuwinkt -

so zeigtes du Vertrauen
und Liebe mir - welch Glück,
ins Auge dir zu schauen,
in deinen offnen Blick!

Ja, nur durch dich zieht Frieden,
ins Herze mir hinein
vom Winter nun geschieden,
laß uns dem Glück uns weihn,

dem Glück, das nicht wie Wolken
das Menschenauge trügt,
dem Glück, das unentrinnbar
vom Schicksal wird gefügt!

20/3/51

Montag, 1. September 2008

Die Gedichte meines Vaters | 8

Winde rauschen, Blätter fallen,
Sommer stirbt den Herbstestod;
Menschen harte Fäuste ballen,
Schaffen für des Winters Brot.

Diesmal soll uns keiner hungern,
Allen Arbeit, Obdach, Brot,
Niemand in den Straßen lungern -
Ende sei nun jeder Not.

Eibenhof, Bad Saarow, 18/9/50

...

Je größer die Autonomie eines Organismus ist, um so mehr Rückkopplungsschleifen braucht er offenbar in sich selbst und in seinen Beziehungen zur Umwelt. Dies ist das autopoietische Paradox. Aus ihm folgt in gewissem Sinne, daß das Individuum eine Illusion ist.

(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

...

Kürzlich ist es Wissenschaftlern gelungen, die Strukturentstehung in "Belusow-Zhabotinsky" mittels irativer nichtlinearer Gleichungen auf dem Computer nachzuahmen. Im wirklichen Leben kommt die Reaktion zustande, wenn Malonsäure, Bromat und Cer-Ionen in einer flachen Schale mit Schwefelsäure vermischt werden. Die Konzentrationen und die Temperatur müssen die richtigen Werte haben, damit die Schnörkel sich entwickeln, und zunächst durchläuft die Reaktion eine Periode des Chaos. Die dann auftauchende Gestalt besitzt komplexe Details auf verschiedenen Stufen und kann ihre Struktur wie ein Lebewesen selbst reproduzieren...
...Astronomen, die sich mit der Galaxienentstehung beschäftigen, haben vermutet, daß dieses Thema wirklich sehr alt ist. Sie kamen nämlich zu dem Schluß, daß das autokatalytische (iterative) Modell, das die Schnörkel in der Belusow-Zhabotinsky-Reaktion erzeugt, auch die Schnörkelbildung in diesen uralten, Millionen von Lichtjahren großen Strukturen bestimmt...
...Obwohl die meisten Biologen dieser Idee zunächst skeptisch gegenüberstanden, stimmen sie nun Margulis darin zu, daß die Evolution einen plötzlichen Sprung machte, als sich Mikroben symbiotisch zusammenkoppelten, um damit auf den "Holocaust" zu antworten, den die weltweite Freisetzung eines Abfallprodukts der Zyanobakterien darstellte, das die meisten bakteriellen Lebensformen, einschließlich der Zyanobakterien selbst, zu vergiften begann. Dieses Umweltgift war der Sauerstoff. Dieser "Sauerstoff-Holocaust", wie man ihn nennt, führte zu einem Bakteriensterben und erzwang Mutationen, die neue Abstammungslinien hervorbrachten. Einige Bakterien gingen in den Untergrund, um sich vor dem tödlichen Gas zu schützen; andere entwickelten die Fähigkeit, den Sauerstoff zu "atmen"; andere ließen sich auf Rückkoppelungsbeziehungen ein, die zu einem ganz neuen evolutionären Schritt führten.
Margulis spekuliert, daß die Symbiose vorbereitet wurde, als eine der Zyanobakterien, die den Sauerstoff-Holocaust hervorriefen, auf der Suche nach Nahrung in ein anderes Bakterium eindrang. Die Gastgeberzelle ging daran, sich vor der plötzlichen Gegenwart von Sauerstoff zu schützen, indem sie eine Kernmembran um ihre DNS bildete - und so entstand die erste Zelle mit einem Zellkern.

(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

Reversibilität der Zeit

Beim Lesen in "Die Entdeckung des Chaos" schlummerte ich kurz ein und hörte eine Stimme, welche sagte: "Reversibilität ist Realität." Dies war bei dem Absatz, in welchem steht: "Sogar auf dem mikroskopischen Niveau, sagt er, ist die Reversibilität die Illusion."

Die Gedichte meines Vaters | 7

Noch immer denk ich dein
in bangen und in trüben Stunden;
Du warst mein:
Die Zeit, sie ist entschwunden.

Du warst mein...
Auch wenn nur in Gedanken.
O, wie allein
muß ich durch's Leben wanken.

Allein und nicht allein
und doch stets verlassen,
im Stillen glücklich sein;
leicht könnte ich dich hassen!

Laß mich allein!
Versuch mich nicht zu lieben!
Und doch bin ich dein...
von Sehnsucht getrieben.

Noch einmal?...nein!
Ich kann nicht mehr lieben!
Die Zeit ist nicht mein...
Und...nichts ist geblieben!

10/48

Die Gedichte meines Vaters | 6

Das Wasser glänzt, der Himmel blinkt,
ein Segel auf den Wellen winkt.

Der Wald steht düster in der Fern,
wie kommt's, dass ich dich hab' so gern?

Ein Paddelboot zieht leis dahin,
warum ich nur so traurig bin?

Bist neben mir und doch so weit,
im himmelblauen Sommerkleid.

Ein Windeshauch mich leis berührt,
hat Liebe je mein Herz verspürt?

War ich nicht einsam, stets allein,
und wird es ewig nicht so sein?

Das Wasser glänzt, der Himmel blinkt -
ein Mädchenmund mir niemals winkt.

Die Gedichte meines Vaters | 5

Ein Blick bis in die Augen, es war zu viel.
Noch taumelnd, o du himmlische, spüre ich's:
Mein Leben ist dir ganz verfallen.
Dir möcht' ich Liebe vom Munde saugen

durch heiße Küsse, schmachtend nach tiefem Glück.
Sei du mir alles, Freuden gewährend mir,
die stets das Schicksal mir versagte.
Ewige Liebe und viele Freuden

sind uns verschlossen, irdische Liebe doch
gewährt Gott uns. Lasset uns lieben, denn
der Tod kommt früh.

Sonntag, 31. August 2008

Die Gedichte meines Vaters | 4

Du bist mein Schicksal,
ich ahnt' es schon beim ersten Blick.
Du bist mein Schicksal,
es gibt für mich nie ein zurück.

Die Unschuld selbst, im Sommerkleide,
so sagtest du an jenem Tisch;
das dunkle Haar, die reinste Seide,
so wunderbar, so träumerisch.

Ein Blick aus deinen klaren Augen -
ich konnte ihm nicht widerstehn,
vom Mund die heißen Küsse saugen -
sei mein, laß mich umsonst nicht flehn.

Sei mein! Des Glückes schönste Stunde
erwartet uns, voll Seligkeit
reichst du mir deine Hand zum Bunde:
O höchstes Glück, werd' Ewigkeit!

Berlin, 30/7/50

Der Quietscher oder - Was bist'n du für'n Vogel?

Noch mit Schlaf in den Augen wankte ich ins Badezimmer, als ich durch das ständig offene Küchenfenster einen schrillen Schrei hörte. Es klang wie ein Kind, das quengelt und dabei immer höhere Töne trifft. Allerdings hörte das Quietschen schlagartig auf und kehrte dann in verschiedenen Abständen wieder. Jetzt begann ich mich zu wundern. Für ein Kind so völlig untypisch, denn die plärren ja die ganze Zeit und hören nicht mehr auf. Sollte das ein Vogel sein? Lange stand ich am Fenster und beobachtete die Straße und den Baum vor meinem Fenster. Mit seinem Quietschen übertönte er den gesamten Straßenverkehr und es klang sehr nahe, als wäre es direkt vor mir. Trotzdem dauerte es lange, bis ich ihn entdeckte, denn mit seiner grauen Rückseite war er im Baum gut getarnt. Allerdings verrieten ihn irgendwann seine orangen "Bäckchen". Das Fotografieren war nicht einfach, da er genau hinter einem Ast saß und ich warten mußte, bis der Wind diesen zur Seite wehte. Leider habe ich keinen Schimmer, was das für ein Vogel ist und bei Google habe ich noch nichts gefunden. Auf dem großen Bild bei Flickr kann man auch gut die gefiederte Haube erkennen.

Was bist'n du für'n Vogel?

Wer eine geheime Festnetznummer hat,

sollte sich NIEMALS an den Support der TELEKOM wenden. Da bekommt er nämlich wenig Hilfe, aber garantiert den Anruf eines Umfrageinstituts, das mit blödsinnigen vorgegebenen Fragen herausfinden will, wie man mit dem Support zufrieden war. Und um dem ganzen noch ein Krönchen aufzusetzen, wird die geheime Festnetznummer gleich weiter an andere Umfrageinstitute verkauft, so daß man ständig, sogar sonntags, Anrufe für blöde Umfragen bekommt, an denen man nicht einen Cent verdient. Schon interessant, wie gerade die TELEKOM mit den Daten ihrer Kunden umgeht. Auch interessant, daß man für eine neue Geheimnummer, mindestens 50 € Gebühren zahlen muß, falls diese inzwischen nicht schon teurer geworden sind. So kann man natürlich auch Geld machen.

Samstag, 30. August 2008

Die Gedichte meines Vaters | 3

Noch jetzt ich täglich mich entzünde
an deinem lieben Augenlicht.
Ich weiß: auch das ist keine Sünde,
DEIN Mund in meinem Herzen spricht.

Wann wirst du wieder mir erscheinen
bei mir zur Nacht? - die Couch ist weich -
und unsre Seelen sich vereinen -
die deine ist ein tiefer Teich.

Es wartet schon die Schokolade,
"Halbbitter", "Vollmilch", "Nuß", "Kakao";
die Liebe dein ist niemals fade;
drum nenne ich dich stets: Oh Frau!

Den Busen dein mit Küssen decken,
umfangend EIN Fleisch nur zu sein,
die Freuden höchster Wollust schmecken
- und dennoch bleiben herzensrein!

Die Couch ist sanft, dein Fleisch ist weich
- zwei Herzen Liebe sich gestehn -
die Seele dein ein tiefer Teich,
es dämmert schon? Auf Wiedersehn!

29/10/55

Das ist ja auch wieder absolut typisch, daß er von Schokolade schreibt. Er konnte schon immer von Süßem nicht genug bekommen. Im November 1955 wurde mein Bruder geboren. Wenn ich also davon ausgehe, daß er meine Mutter meint, läßt sich erahnen, warum er in diesem Gedicht Schokolade braucht. Das dürfte sein letztes Gedicht gewesen sein. Genau wie mein Großvater, sein Vater, hat er anscheinend ab dem Zeitpunkt, an welchem er Familie hatte, nichts mehr gedichtet. Wahrscheinlich fordert Familie einfach zu viel Realitätsbewußtsein und ist deshalb der Dichtkunst einigermaßen abträglich.

Fraktale Träume

Wie tief diese Begegnung reicht, das legen die bahnbrechenden Arbeiten des Psychiaters Montague Ullman und anderer nahe, aus denen sich ergibt, daß sogar die Struktur unserer Träume fraktal zu sein scheint. Die Forscher glauben, daß die "story" des Traums Wiederholungen der wesentlichen Probleme des Träumers enthält. Reflexionen dieser Probleme lassen sich sowohl in der gesamten "story" wie auch in ihren immer feineren Details finden.
Die Anziehungskraft des Fraktals liegt vermutlich darin, daß in jedem seiner "Teile" ein Bild des Ganzen enthalten ist, ein Spiegelbild gewissermaßen.

(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

Ab und zu soll man sich etwas gönnen,

und das habe ich getan, sozusagen als nachträgliches Geburtstagsgeschenk an mich selbst - ich habe mir ein Internetradio gekauft, nämlich das Revo Blik. Die Internetradios scheinen noch in den Kinderschuhen zu stecken und die Bedienung ist unter aller Sau, um das mal so zu sagen, denn wenn man sich mühsam Klick für Klick durch tausende von Radiosendern tippen muß und nur acht Stationsspeichertasten zur Verfügung hat, bekommt man ziemlich schnell einen Tennisarm. Und trotzdem ist das Teil auch irgendwie genial. Per WLAN und sogar bei ausgeschaltetem Computer empfängt man, wo man es möchte (bei mir steht es in der Küche) tausende von Radiostreams, ob öffentlich oder privat, ebenso Podcasts, vorbei die Zeiten, wo ich mit zwei UKW-Kultursendern vorlieb nehmen mußte ("Lärmradios" höre ich ja nicht). Außerdem kann man, wenn man den Musikordner auf dem Computer freigibt, seine MP3s ebenfalls über Radio streamen und Playlisten abspielen. Ok, ein MP3-Player tut es auch, aber beim Abwaschen und sonstigen Tätigkeiten, herven mich die Kabel und Ohrstöpsel, weshalb ich immer darauf verzichtet habe. (So ein Teil als Badradio mit Infrarotsensor hat wohl noch niemand erfunden?)Leider sieht es so aus, als müßte ich mir ungeplant und völlig unfreiwillig weitere "Geburtstagsgeschenke" besorgen, aber dazu später mehr.

EDIT: Wie ich gerade herausgefunden habe, kann man sich auf www.reciva.com registrieren und dort eine Favoritenliste anlegen, die auf das Radio gestreamt wird, d.h. ich muß mich nicht mehr durch 1000 Sender klicken, sondern nur noch durch 20. Na gut.

Freitag, 29. August 2008

Die Gedichte meines Vaters | 2

Du und das Zitherspiel-
dass es das noch gibt!
Verloren der Welt
wer nicht liebt.
Süsse Melodien
den zarten Händen entsprungen-
es war
als ob ein Engel gesungen.
Ich seh' deine Hand
über die Saiten
sanft zupfend gleiten
und mit herrlichen Tönen
dieser Welt mich versöhnen.
Dass es das noch gibt
in dieser Zeit-
und ich glaubte das Glück
so weit!

Ich erinnere mich, daß mein Vater in meiner Kindheit, einmal mit einer Zither ankam. Ich weiß nicht genau, woher er sie hatte, aber schätze, daß er sie von einem verstorbenen Gemeindemitglied geerbt hatte, so wie ihm oft Bibeln, Bilder oder Kunstgegenstände vermacht wurden. Über mehrere Jahre stand zum Beispiel ein "dicker Schinken" in unechtem Goldrahmen unter unserer Dielenkonsole, der einen in Andacht versunkenen Einsiedler zeigte und niemand wußte wohin damit, zumal meine Mutter sich standhaft weigerte, ihn in der Wohnung aufzuhängen. Zur Zither gehörte ein Packen Papiereinlagen, welche man unter die Saiten legen und so sehr einfach verschiedene Lieder und Melodien nachspielen konnte, indem man einfach die eingezeichneten Noten zupfte. Das Gedicht muß vor dieser Zeit entstanden sein. Mein Vater konnte sich schon immer für das Zitherspiel begeistern. Einer seiner Lieblingsfilme war "Der dritte Mann" und sobald irgendwo jemand Zither spielte, war er Feuer und Flamme. Ich frage mich, ob wohl die im obigen Gedicht besungene Situation Ursache dafür ist. Jedenfalls versuchte er tatsächlich eine gewisse Zeit lang, das Zitherspielen zu lernen. Irgendwann gab er es auf und die Zither verschwand wieder. Ich glaube, sie wurde verschenkt.

...

Goethes Interpunktion, bei Hecker nicht rein original wiedergegeben, wurde hier weitgehend beibehalten. Und dies nicht einer leeren äußeren Treue wegen, sondern weil der Dichter, wie man beim Lesen schnell verspüren wird, mit seinen Zeichen das Gedankengefüge und den Vortrag der Sprache sehr wohl bedacht und höchst sinnvoll phrasiert. Diese Deutlichkeit würde durch die moderne, sich auf bloße grammatikalische Sachbestände stützende Interpunktion verwirrt und zerstört werden.
(aus: "Goethe - Maximen und Reflexionen")

Goethe müßte man sein...

Aus der Rubrik "Wie man von einem Vogel zu einer Flunder wird"

Auf der Straße, direkt an der Ampel, lag heute ein toter Vogel, wobei das Wort "tot" die Situation nicht hundertprozentig trifft, denn genaugenommen war er platt wie eine Briefmarke. Wenn nicht obenauf eine ebenso platte Vogelkralle sichtbar gewesen wäre, hätte man ihn nicht mehr als Vogel erkannt, sondern sich gefragt: "Was klebt denn hier für Dreck?" Aber ich schätze mal, dem Vogel ist es längst egal und ich hoffe für ihn, daß er nicht in den Katzenhimmel gekommen ist.

Donnerstag, 28. August 2008

Die Gedichte meines Vaters

Meine Mutter gab mir heute einen Packen Zettel mit, die sie irgendwo gefunden hat und die Gedichte und kurze Tagebuchnotizen meines Vaters enthalten. Nicht sehr viel - ich weiß nicht, ob es davon noch mehr gibt -, aber das größte Problem ist seine Schrift. Es ist fast unmöglich, diese zu entziffern. Ein einzelnes Gedicht ist mit Schreibmaschine geschrieben, welches, wie ich finde, sein ganzes Leben und Dilemma sehr genau zusammenfaßt:

Einsam, immer wieder einsam,
ach, was hab' ich schon gebangt, gefleht;
einsam, immer wieder einsam,
nie ein Mensch an meinem Wege steht.
Nie ein liebes, holdes Mädchen,
das mit glücklich strahlendem Gesicht
spricht: ich liebe dich!

Einsam, immer wieder einsam,
warum lern' ich nie die Welt verstehn?
Steh' ich still und schau ich tiefer,
rufen dunkle Stimmen: weitergehn!
Niemals, niemals rührte mich im
Herzen fremdes, grauenvolles Leid,
ich bin Einsamkeit.

Einsam, immer wieder einsam,
schauderhaftes Schicksal meiner Nacht:
Du hast mich voll bittrer Kälte,
seelenlos und lebenskrank gemacht.
Wie ich sehne mich nach Liebe,
kann kein Mensch auf dieser Erd' versteh,
so soll's weitergehn?

Ich wußte, daß er es weiß. Und trotzdem hatte er in seinem Unglück auch sehr viel Glück. Er hatte eine Familie und eine Frau, die ihn trotz allem nie fallen gelassen hat. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er sich dessen bewußt ist oder es jetzt wird.

In einer Notiz schreibt er:

"Ofui, Teufel! Wie sind die Menschen alle so verlogen! Die ganze Welt wird durch sie verdorben! Und da soll es nicht gären? Was ich will, weiß ich noch nicht, auf jeden Fall aber etwas "anderes" - als das, was augenblicklich besteht...
...Als Christ würde ich es nicht aushalten, KEIN Theologe zu sein; da ich aber "Literat" (!) werden will, kann ich kein Christ sein, denn sonst müßte ich mein Berufsziel aufgeben."

Eine spontane Wunderheilung

hätte ich mir heute während der fünfstündigen Wartezeit beim Orthopäden gewünscht. "Versprochen" wurden mir sogar 5 bis 7 Stunden Wartezeit. Ich denke, daß dies durchaus Potential für spontane Wunderheilungen hat. Wer weiß, wieviele zwischendurch schon aufgestanden sind und gesagt haben: "Ich bin geheilt! Ich gehe jetzt!" Fehlt bloß noch ein Schild im Wartezimmer mit der Aufschrift: "Möchtest du geheilt sein, so stehe auf und wandle zur Tür hinaus!"
Nur leider stellte sich bei mir keine spontane Wunderheilung ein und ich mußte von nachmittags um 3 Uhr bis 20 Uhr abends durchhalten. Mir gelang dies ja noch relativ gut im Vergleich zu frisch wirbelsäulenoperierten Patienten, die nach vier Stunden fast vom Stuhl fielen und einer Patientin, die sogar im Keller auf einer Liege gebahrt werden mußte, weil sie nicht mehr sitzen konnte. Und das Ergebnis der ganzen Warterei war die Feststellung der Ärztin, daß wir das beobachten sollten, daß sie auch nicht genau sagen kann, was das ist, aber daß man da noch nicht viel unternehmen sollte. Im Grunde das, was ich selbst auch sagen würde. Na gut, da mir meine Hausärztin schon CT und diverse Maßnahmen wie Massagen, Bewegungstherapie usw. ankündigte, bin ich einerseits ganz froh, daß ich nächste Woche meine Ruhe habe und nicht irgendwo hinrennen muß. Aber andererseits darf das nicht mehr lange so weitergehen, weil ich auch irgendwann mal wieder Lebensmittel einkaufen, Müll wegbringen und andere Dinge machen müßte, die sonst niemand macht. Aber ok, notfalls kann ich mich auch vom Pizzaservice ernähren. Die Ärztin scheint eine ganz besondere Marke sein, jedenfalls schaute die Schwester, die bei der Untersuchung am Computer saß, manchmal so, als wolle sie sagen: "Was sagt sie denn jetzt schon wieder für Mist?". Und als die Ärztin meinte, ich solle einfach nächste Woche nochmal KURZ (inklusive fünf Stunden Wartezeit)irgendwann vorbeischauen, erklärte sie mir, sobald die Ärztin aus dem Zimmer war, ich solle einfach sagen, ich hole mir eine Spritze ab, dann müßte ich nicht so lange warten.
Ich mache normalerweise um Orthopäden einen großen Bogen, da ich komischerweise mit diesen speziellen Fachärzten noch nie klargekommen bin und ich frage mich gerade, ob dies an meinem schlechten Orthopädenkarma liegt, daß ich keine vernünftigen finde, oder ob die einfach ALLE so sind, warum auch immer.