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Montag, 22. September 2008

USA muß sich selbst helfen

Es gibt so seltene Tage, an denen man sich nicht über die Nachrichten ärgern muß. Der US-Finanzminister plant ein Rettungspaket in Höhe von 700 Milliarden Dollar zur Sanierung amerikanischer Banken, an dem sich, so die Idee Henry Paulsons, die G7-Partnerländer beteiligen sollten. Dies ist ab heute vom Tisch. Bravo! So langsam nimmt der Größenwahn der USA immer dreistere Formen an. Die Leute, welche die Finanzmärkte kontrollieren, kriegen den Hals nicht voll und wir schieben mal schnell ein paar Milliarden hinterher, um die selbstgemachten Krisen und deren Ausbreitung abzuwenden. Das grenzt ja schon an Erpressung.

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,579723,00.html

Dieses Haus Gott bewahr' vor falschen Freunden und Gefahr

Dieses Haus Gott bewahr'

Ich wollte ja schon fast

an mir zweifeln, weil die Rückenschmerzen trotz all der Spritzen noch immer nicht weg sind und nur sehr langsam besser werden. Ich dachte schon, es ist wieder so eine psychosomatische Sch...., bei der man erst noch Depressionen kriegen und kurz davor sein muß, aus dem Fenster zu springen, damit einem geholfen wird, aber nein - als sich die Orthopädin die Röntgenbilder anschaute, meinte sie zu mir:
"Bei diesen Befunden darf es Ihnen noch weh tun."

Gut zu wissen, daß es mir noch weh tun darf, besser wäre natürlich, es täte es nicht. Dabei diktierte sie der Schwester, was diese in den Computer eintragen soll und erwähnte auch irgendeine IS-Arthrose, was immer das ist:

"Und vielleicht noch eine IS-Arthrose, oder? Ja....nein, lieber doch nicht. In diesem Alter gibt es noch keine IS-Arthrose." Schluß. Punkt.

Ich habe also die Erlaubnis, daß es mir weh tun darf, aber keine Erlaubnis für eine IS-Arthrose, ich mein, nicht daß ich scharf darauf bin. Allerdings hat die Arthrose der Wirbelgelenke ja auch nicht Halt vor meinem Alter gemacht, was letzten Endes wohl der Instabilität durch einen nicht zugewachsenen Gelenkbogen zu danken ist. Nachdem sie die Befunde diktiert hatte, erklärte sie noch: "In Ihrem Alter kommt sowas natürlich eher selten vor. Aber so ist das Leben."

Ja, so ist das Leben. Irgendwann kriegt es mich auch noch gebeugt.

Trotz Wind und Wetter

lasse ich mich noch immer nicht von draußen vertreiben. Die letzten Sonnenstrahlen, das letzte Licht tanken, bis die Finger klamm und blaugefroren sind, bis die Regentropfen zu hartnäckig auf das Gesicht prasseln. Krähenschwärme ziehen vorüber unter grauen Wolkenbänken, ein langer Abschied von der Freiheit des Sommers bis die Kälte mich wieder freiwillig in meinen beheizten Käfig treibt, dort, wo der Himmel so fern ist und das Leben so eng. Von den anderen Balkons ist nichts zu hören und auch aus den meisten Fenstern dringt kein Ton mehr. Während im Sommer eine Kulisse von menschlichen Lauten im Hof mitschwingt, ist jetzt alles still - nur die Krähen krächzen melancholisch oder aufgeregt. Die vielen kleineren Vögel rechnen nicht mehr mit menschlicher Besetzung. Manchmal fliegen sie bis zu einem Meter heran, bevor sie mich entdecken und sich erschrocken auf die Regenrinne retten. Von da äugen sie mißtrauisch, fast ärgerlich herunter. Ich fühle mich als Störfaktor in den emsigen Winter- und Reisevorbereitungen.

Sonntag, 21. September 2008

...

Der Sitz der Fantasie ist zugleich der Sitz der Furcht.
(Leo Perutz)

Aus der Rubrik "Coole Sprüche"

"Sie haben mich in meinem Schönheitsschlaf gestört!"

"Ja, das sehe ich. "


*lol*

Samstag, 20. September 2008

...

Trotz dieser Einschränkung der Analogie bringt der Begriff einer göttlichen persona gut zum Ausdruck, wie die Götter in Interaktion mit ihren Anhängern entstehen: Sie sind idealisierte Projektionen der Charaktermerkmale dieser Anhänger und gleichzeitig Manifestationen des WIRKLICHEN....
...Diese beobachtbaren Tatsachen legen den Schluß nahe, daß Mystiker innerhalb der verschiedenen Traditionen nicht unabhängig von ihrer kulturellen Konditionierung sind. Sie bleiben verkörperte Geister, die in ihrer Zeit und an ihrem Ort verwurzelt sind. Sie tragen auf dem mystischen Pfad ihre hinduistischen, buddhistischen, jüdischen, christlichen, muslimischen oder Sikh-Vorstellungen und Erwartungen mit sich und werden von ihnen zu jener Erfahrung hingeführt, die ihre Tradition ihnen verheißt. Dies untermauert die Hypothese, daß selbst in der tiefsten Einigungsmystik der Geist mit kulturspezifischen Begriffen operiert und die gemachte Erfahrung demgemäß eine Manifestation des WIRKLICHEN, nicht das postulierte WIRKLICHE an sich ist...
...Der Wert religiöser Traditionen und ihrer verschiedenen Elemente (Überzeugungen, Erfahrungsmodi, Schriften, Rituale, Schulungswege, Ethik und Lebensformen, sozialer Regeln und Organisationen) bemißt sich daran, ob sie die erlösende Transformation fördern oder behindern....
...Die soteriologische Transformation geschieht normalerweise im Kontext einer bestimmten Tradition (was in der Vergangenheit wohl praktisch immer der Fall war) und nimmt eine Form an, die durch die Tradition ermöglicht und anhand von in dieser entwickelten Kriterien identifiziert wird. Es gibt demzufolge buddhistische Heilige, muslimische Heilige, christliche Heilige und so weiter, nicht einfach nur Heilige. Es gibt allerdings ein entscheidendes gemeinsames Merkmal, das sowohl heute zu beobachten als in den Aufzeichnungen aus der Vergangenheit festzustellen ist. Dies ist die Transzendenz des Ich-Standpunktes, an dessen Stelle Hingabe an eine Manifestation des WIRKLICHEN oder eine konzentrierte Ausrichtung auf diese tritt, die dann Mitleid und Liebe zu anderen Menschen oder allem Leben hervorbringt.

(aus "Religion" von John Hick)

Das Osterkörbchen vom Wilden Kaiser

Der Wilde Kaiser beschwert sich, daß das Osterkörbchen, welches ständig an seinem Eßplatz steht und das er einmal von jemanden geschenkt bekommen hat, inzwischen leer ist. Es ist nur noch etwas Ostergras darin, aber keine Ostereier mehr. Ich frage ihn, warum er dann das Körbchen nicht wegwirft oder zumindest wegstellt. Er bedeutet mir daraufhin, daß er auf das Osterkörbchen auf seinem Frühstückstisch nicht mehr verzichten möchte, weil er sich so daran gewöhnt hat. Anscheinend mag er es sehr, obwohl keine Eier mehr darin sind, ob nun wegen des Körbchens selbst oder der damit verbundenen Erinnerungen, wage ich nicht beurteilen, vermute aber, daß es vor allem die Geste ist, die ihn daran hängen läßt.

Freitag, 19. September 2008

Von Glaubensfundamentalisten besetztes Verlagshaus

Mit einem leeren Einkaufswagen suche ich den Eingang zu einem Haus. Ich fahre eine kleine Rampe hinunter und lande auf einer großzügigen Treppe, wo die Rampe allerdings endet. Da es etwas schwierig sein dürfte, mit dem Einkaufswagen die Treppe hinunterzukommen, suche ich einen anderen Weg und finde im Haus neben der Treppe eine Fahrstuhltür. Oh prima! Dann stell ich mich jetzt mit dem Wagen in den Fahrstuhl, auch wenn ich noch nicht weiß, wo ich damit lande. Statt nach unten fährt der Fahrstuhl nach oben und ich steige in einem Flur aus. Anscheinend bin ich in einem Verlagshaus gelandet. Ich schlendere den mit Teppich ausgelegten Flur entlang (den Einkaufswagen habe ich wohl irgendwo stehen gelassen, denn der ist nicht mehr dabei) und mir fällt auf, daß überall auf dem Flur stehend oder sitzend Araber herumlungern. Der Flur macht eine Biegung nach links und auch hier steht eine dunkelhaarige, wahrscheinlich palästinensische Frau herum. Sie trägt vor sich auf der Brust das Foto von irgendjemanden angeheftet. Es scheint so, als würde sie für oder gegen etwas protestieren. Mir kommt es auch so vor, als würde sie einen Sprengstoffgürtel tragen, aber ich wage nicht, genauer hinzusehen, sondern mache, daß ich weiterkomme. Hauptsache, sie sprengt die Bombe nicht gerade jetzt. Der Flur macht erneut eine Biegung nach links und hier findet sich so eine Art Wartezimmer, welches ebenfalls voller Araber mit Turbanen auf dem Kopf ist. So langsam dämmert es mir, daß sie das Verlagshaus besetzt haben, wenn ich auch nicht weiß, was sie weiter planen. Eine Bombe? Friedliche Demonstration? Geiselnahme? Ich sollte machen, daß ich weg komme. Der Flur macht wieder eine Biegung nach links und mir wird klar, daß das gesamte Haus quadratisch ist und man, wenn man einmal durch den Flur gelaufen ist, an derselben Stelle herauskommt, wo man den Flur betreten hat. Inzwischen muß ich das Haus verlassen haben, da unterhalte ich mich mit jemanden. Eigentlich wollte ich von dem Verlag ein bestimmtes Buch oder Manuskript haben, das fällt mir aber jetzt erst ein. Die Stimme des Gesprächspartners, den ich nicht sehe, sondern der irgendwie nur in meinem Kopf ist, fragt mich, was ich mache, wenn man mir das Buch oder Manuskript nicht gibt. Ganz einfach, sage ich, ich werde über meine Mutter gehen, die in dem Verlag arbeitet, bzw. gearbeitet hat. Für mich ist es in diesem Moment so sicher wie das Amen in der Kirche, daß ich dann zu dem Buch oder Manuskript kommen werde. Also absolut kein Grund, sich über irgendwelche Eventualitäten den Kopf zu zerbrechen.

Donnerstag, 18. September 2008

Was spielt man hier?

Im Fernsehen läuft gerade irgendeine Live-Doku (oder wie die heißen) mit einer Frau, die in eine fremde Familie mit fünf Kindern gekommen ist. Da die Kinder den ganzen Tag an Fernseher, Gameboy oder Spielkonsole hingen, dachte sie sich, sie geht mit ihnen mal auf den Hof spielen. Sie standen dann also vor der Tür und was ich sah, brachte mich erst zum Lachen, später aber fand ich es wirklich erschreckend. Da standen sie also und die Kinder hingen wie bestellt und nicht abgeholt auf der Stelle, schauten sich gegenseitig an, schauten den Hof an, den sie gar nicht zu kennen schienen, und fragten sich anscheinend: Äh....Hof? Was macht man hier? Wie spielt man denn etwas? Was sollen wir hier tun?
In meiner Kindheit war draußen spielen das schönste überhaupt. Am liebsten von frühmorgens bis zum Einbruch der Dunkelheit. Die Mütter hatten jede Mühe, uns überhaupt wieder zum Abendessen einzufangen. Und ich kann mich an kaum einen Moment erinnern, in dem wir uns gelangweilt hätten. Selbst wenn, fiel uns relativ schnell irgendein neues Spiel ein. Ok, zu unserer Zeit gab es noch keine Computer und Gameboys und im Fernsehen liefen nur fünf oder sechs Programme. Im Nachhinein bin ich recht dankbar dafür. Besonders würde mich interessieren, woran sich diese Kinder denn später erinnern werden. Werden sie überhaupt noch irgendeine Erinnerung an ihre Kindheit haben? Oder wird diese Zeit in einem eintönigen Geflimmer versunken sein?

Wie sah Caesar wirklich aus?

Die Primaten feierten gerade eine riesen Fete (inklusive Konfrontationstherapie gegen Kommentarphobie) und beschlossen: Heute werden wir mit den lebenden Gläubigen Dave Hunt von der Post abholen. Dann wird die Spinne angekrabbelt kommen und sich friedlich schnurrend direkt südlich der Tür hängen. Wenn es sie in einer dunklen Nacht nicht weggeweht hat, besitzen wir den Schlüssel zum lebendem Mer-Ka-Ba-Feld, und diese Entdeckung könnte irgendwann beweisen, daß Caesar wie Alice im Fashionland aussah.
Gewiefte Primatenjournalisten haben einen Riecher für Ideen, die die Körperoberfläche umspannen.

Tarantino in Babelsberg

Tarantino dreht seinen nächsten Film "Inglorious Bastards" ab Mitte Oktober in Babelsberg. Komparsen werden noch gesucht, insbesondere Menschen mit amputierten Armen und Beinen. Wer also einmal in einem Tarantino dabei sein möchte, sollte sich auf den Weg nach Potsdam machen. (Rückengeschädigte kann er in einem Kriegsfilm sicher nicht gebrauchen, nehme ich an. *gg*)

Mittwoch, 17. September 2008

Adams Äpfel

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Die besten Filme laufen bekanntlich nachts. Ich glaube, das wird irgendwann der meistgeschriebene Satz in diesem Weblog werden, aber ich bestehe darauf, ihn immer wieder zu zitieren, denn manchmal finde ich es schon fast erschreckend, was für Kulturgut "normalschlafenden" Bürgern vorenthalten wird. Heute um 1:25 h lief auf arte eine Wiederholung des Filmes "Adams Äpfel", der irgendwann vorher mal um 22:55 h ausgestrahlt worden ist. Die Handlung dieser dänischen schwarzen Komödie ist nicht ganz so einfach zu umschreiben. Ein Skinhead trifft in einer Resozialisierungsanstalt auf einen Landpfarrer. (Das erste, was er dort tut, ist das Kreuz in seinem Zimmer abzunehmen und ein Hitler-Porträt stattdessen hinzuhängen.) Es entspinnt sich ein Wettkampf zwischen Gut und Böse, allerdings nicht in gewohnter Art auf der Ebene der Handlungen, sondern in der Wahrnehmung und Weltanschauung der Protagonisten. Es geht weiter um das Buch Hiob, um Gott und Teufel und darum, wer von beiden Apfelkuchen haßt. Der Film ist so aberwitzig, daß er einen trotz der äußeren Rauhheit, Härte und Tragik ständig zum Schmunzeln und Lachen bringt. Einfach nur wunderbar verrückt, verrückt, verrückt... (Ach ja, und es ist sicherlich kein Zufall, daß ausgerechnet der Song "How deep is your love" von Take That darin vorkommt.)

Dienstag, 16. September 2008

Day Night Day Night

Die besten Filme laufen bekanntlich immer nachts. Leider hat sich an dieser Feststellung bisher nichts geändert. Das ZDF strahlte heute um 0.20 h in der Reihe "Glaubenskrieger" den Film "Day Night Day Night" aus. Der Film läuft ab 25.9.08 auch in den Kinos an. Im Fernsehen lief er nur mit Untertiteln, ich weiß nicht, ob das bei der Kinoaufführung anders sein wird. Es geht um eine junge Frau, die sich freiwillig als Selbstmordattentäterin zur Verfügung stellt:

'Jeder muss sterben. Manche haben einen Autounfall. Andere werden erstochen, erschossen oder erwürgt.' So versucht sich eine junge Frau (Luisa Williams) selbst zu beruhigen. Sie nennt sich Leah Cruz, doch der Name ist falsch. Sie fährt nach New York, doch die Stadt interessiert sie nicht. Ihr bleiben zwei Tage und zwei Nächte, bevor sie stirbt und viele fremde Menschen mit in den Tod reißen wird: Leah hat sich einer Organisation als Selbstmord-Attentäterin zur Verfügung gestellt und soll auf dem Times Square eine Bombe zünden.'

Der Film packte mich deshalb, weil mir die Handlungen der jungen Frau ein Rätsel blieben, ich aber gleichzeitig in ihren letzten Stunden mitlitt. Rätselhaft blieb für mich nicht nur, wie man sich freiwillig in die Luft sprengen kann (wobei mir die Gründe, warum sie es tun, bewußt sind, aber ich kann es halt emphatisch nicht nachvollziehen), sondern auch einige ganz alltägliche Dinge, die in dem Film ausführlich erzählt werden. Zum Beispiel gab es eine lange Szene, in der sie sich am letzten Tag super gründlich die Zähne putzt. Ich fragte mich die ganz Zeit, ob sie tatsächlich glaubt, daß ihr Karies jetzt noch schaden könne. Die letzten Tage und Stunden werden fast in Zeitlupe dargestellt und dadurch tritt der Effekt auf, daß manche ansonsten normale Handlungen doch relativ widersinnig wirken. Als der Moment gekommen war, in dem sie die Bombe auslösen wollte, stand ich kurz vor einem Herzinfarkt. Für mich gab es nur zwei mögliche Wege der Geschichte - entweder sie tut es und der Film ist aus oder aber, sie läßt den Rucksack irgendwo auf dem Klo stehen und macht sich aus dem Staub. Letzteres fand ich eher unwahrscheinlich, da ja der Fanatismus und der Gehorsam dieser Leute bekannt sind, trotzdem ertappte ich mich dabei, daß ich dem Fernseher zurief: "Tu's nicht, Kleine!" und mir wirklich von Herzen wünschte, sie würde plötzlich zur Besinnung kommen. Beim ersten Versuch tat sie es tatsächlich nicht, sondern pinkelte sich in die Hose. Und dann beim zweiten Versuch - nun ja, jedenfalls endete der Film doch überraschend anders als erwartet. Eine Frage an das ZDF hätte ich jedoch noch: Wenn solche Filme mitten in der Nacht gezeigt werden, wie soll man danach bitte schlafen können?

Ich versuche

wie jedes Jahr dem beginnendem Herbst noch immer den Sommer abzutrotzen, indem ich das Wetter einfach ignoriere und barfuß in offenen Schuhen, kurzärmlig und mit leichtem Strickjäckchen herumlaufe. Nach meinem heutigen abendlichen Ausflug ahne ich es aber schon - der Herbst wird auch diesmal wieder Sieger bleiben. *bibber*

Montag, 15. September 2008

Edgar Wallace - Der zweite Versuch

Im Moment steht mir der Sinn nicht nach Hochgeistigem und "Dracula" hat mich wieder auf den Geschmack des guten alten entspannenden Schmökerns gebracht, dem ich mangels geeigneten Materials in den letzten 20 Jahren kaum noch nachgegangen bin. Nun scheine ich diesmal ebenfalls kein gutes Händchen zu haben, denn ich dachte mir, ich versuche es erneut mit der dicken Ausgabe von fünf Edgar Wallace-Romanen. Diese hatte ich bereits vor ca. 10 Jahren einmal angefangen zu lesen, sie aber nach weniger als 50 Seiten irgendwo vergessen und auch nicht vermisst. Ok, dachte ich also, du hast jetzt Zeit und kannst dich dem Teil ganz Ruhe widmen. Immerhin hat mich das schon auf Seite 105 von 940 möglichen Seiten gebracht, aber wenn mich jemand fragen würde, was bisher geschehen ist, würde ich dumm dastehen und in arge Bedrängnis kommen. Gefühlt habe ich nämlich den Eindruck, daß absolut nichts passiert ist, was aber so nicht stimmt. Denn wenn ich ganz scharf nachdenke, kann ich mich an eine Explosion und einen Garten erinnern, immerhin. Und stets, wenn ich weiterlesen möchte, muß ich mühsam und manchmal erfolglos rekapitulieren, was für eine Person dieser und jener ist, sogar die Namen vergesse ich sofort. Nun ja, es könnten die Symptome einer beginnenden Alzheimer sein, aber ich bin frech und schiebe die Schuld ganz einfach auf den Autor. Irgendwie ist die ganze Story so belanglos und hastig geschrieben, daß selbst eine Explosion einschläfernd wirkt und die Personen vollkommen farblos und austauschbar bleiben. Vielleicht habe ich ja nur das Pech, daß der schlechteste Roman am Anfang steht - ich möchte gerne daran glauben. Und ich möchte ungern das Buch wieder irgendwo vergessen, um nach mehreren Jahren einen dritten Anlauf zu wagen. Könnte ja sein, daß ich dann die Geduld verliere.

Samstag, 13. September 2008

Wer möchte nicht im Leben bleiben

Schon seltsam, aus welchen Winkeln des Gedächtnisses von einem Moment zum anderen Erinnerungen auftauchen können, die man längst vergessen glaubte. Ich hatte plötzlich den vollständigen Text und die Melodie eines Liedes im Kopf, das wir im Musikunterricht der Schule einige Male sangen, allerdings möchte ich meinen, daß dies eher selten vorkam - zumindest wurden die Internationale und das Einheitsfrontlied erheblich öfter angestimmt :

http://www.andreasferl.de/Lieder/Wer_moechte_nicht.htm

Windriders Bildschirmschoner und die Inschrift des alten Kaminofens

Ich unterhalte mich mit einer jungen blonden Frau. Sie ist scheinbar die Tochter von Windrider und führt mich in eine Küche (?). Dort sehe ich Windrider mit dem Rücken zu uns gewandt an einem Tisch sitzen und frühstücken. Neben ihr ein Computerbildschirm, auf dem ein Bildschirmschoner mit bunten Comicbildern läuft. Ich meine Spongebob Schwammkopf zu erkennen. Ist das tatsächlich ihr Lieblingsbildschirmschoner oder weiß sie nur nicht, wie sie den Bildschirmschoner ändern kann?

In einem fremden Zimmer alleine. Ich liege seitlich auf einer Couch und schaue dabei direkt auf einen sehr alten Kaminofen, ähnlich denen, wie man sie in alten Schlössern findet. Plötzlich fallen mir ganz hinten im Kaminschacht irgendwelche Zeichen auf. Oder ist das nur Dreck? Ich schaue genauer hin. Doch tatsächlich. Ganz hinten im Kaminschacht sind Buchstaben eingraviert. Allerdings lassen sie sich in der Dunkelheit des Schachtes kaum entziffern. Mit viel Mühe gelingt es mir. Dort steht: ER lebt! Ich weiß sofort, daß damit Gott gemeint ist, denn genau dieselbe Inschrift steht auch über dem Portal der Kirche, in der mein Vater Pfarrer war. Was für ein Zufall, daß in diesem alten Kaminofen dasselbe steht und daß ausgerechnet ich diese Inschrift hier in dem fremden Zimmer gefunden habe! Unglaublich! Irgendwie finde ich diese Inschrift aber auch ein wenig suspekt und komisch, denn jemand, der die Worte über der Kirche nicht kennt, könnte glatt glauben, daß mit "ER lebt!" der Kaminofen gemeint ist.

Während aller Träume kehre ich immer wieder zu meinem Küchenfenster zurück und betrachte die Aussicht. Je nachdem, was ich draußen sehe, entscheide ich, ob ich noch träume oder nicht. Da ich stets jedoch nur fremde Ausblicke habe, muß ich auch die ganze Zeit währenddessen träumen.

Bemerkung: Das mit der Kirche stimmt gar nicht. Über dem Portal steht: Setzt eure Hoffnung ganz auf den Herrn. Wie ich im Traum darauf komme, ist mir ein Rätsel.

Freitag, 12. September 2008

James Bond und das Geheimnis des Dachbodens

Ich habe den Auftrag, einen Beutel Sand an einen bestimmten Ort zu bringen. Dies ist aber nicht alles, der Auftrag beinhaltet noch mehr wichtige und geheimnisvolle Dinge. Dazu entdecke ich so eine durchsichtige formbare Vase, die man einfach wieder zusammenlegen kann, wenn man sie nicht braucht. Sie ist von einem zarten Altrosa und ich biege sie hin und her, bis sie eine passende Form hat. Den Sand muß ich noch suchen, jetzt setze ich aber erst einmal mit einem Kahn zu einer Insel mit Holzhäusern über, wie man sie im Spreewald findet. Was ich dort tue, bleibt unklar. Später fahre ich mit dem Kahn zurück und kaum bin ich an das Ufer gesprungen, bemerke ich, wie Roger Moore alias James Bond das Boot sofort übernimmt. Er hat anscheinend das gleiche Ziel wie ich. Ich vermute sogar, daß er an derselben Sache dran ist. Mir ist klar, daß wir auf derselben Seite stehen, also Verbündete sind, nur weiß er das nicht, da er mich und meine Absichten nicht kennt. Deshalb ignoriert er mich vollständig, was ich vorerst sogar besser finde, aber später werden wir uns vielleicht zusammenschließen müssen. Trotzdem macht es irgendwie Mut, jemanden wie ihn für die Aufgabe an der Seite zu haben. Eigentlich kann da nicht mehr viel schiefgehen. Ich weiß, daß ich zur Insel zurückkehren muß, allerdings werde ich das erst tun, wenn es etwas dunkler geworden ist und es nicht mehr so auffällt. Denn das, was ich vorhabe, verlangt Tarnung. Ich hoffe nur, daß James Bond den Kahn wieder ordentlich zurück bringt, so daß ich ihn dann erneut benutzen kann. Ganz sicher bin ich mir da nicht.

Nun befinde ich mich auf dem Spielplatz meiner Kindheit genau neben dem Sandkasten mit dem Klettergerüst. Spontan springe ich hinein und merke erst während des Sprungs, daß der Sandkasten enorm tief ist, viel tiefer als früher (so geschätzt 2 Meter). Auch scheint nicht viel Sand darin zu sein....o je, hoffentlich tue ich mir nicht weh. Unbeschadet lande ich unten und betrachte die Sache genauer. Auf dieser Seite befindet sich nur eine kleine Schicht Sand, während auf der gegenüberliegenden Seite der Sand um so höher steht, als schwappe er wie Wasser in diesem Sandbecken. Von der höheren Seite werde ich den Sand nehmen, den ich transportieren muß. Es scheint der richtige zu sein. Mir fällt am Rande des Spielplatzes ein Hügel auf, von dem nur noch eine einzelne schmale Vorderfront eines Gartenhauses aufragt. Standen hier nicht früher die Gartenhäuser dicht an dicht und lehnten sich aneinander an? Die müssen alle abgerissen worden sein. Ich frage jemanden neben mir und er erklärt, daß nur ein Besitzer die Erlaubnis bekommen hätte, einen Teil des Hauses sozusagen als Andenken stehen zu lassen.

Als nächstes muß ich für meine Aufgabe ganz unauffällig den Dachboden meines früheren Elternhauses erreichen. Mich darf dabei niemand sehen, denn es könnte jemand mißtrauisch werden und sich fragen, was ich dort suche. Ich schleiche also so lautlos wie möglich und im Dunkeln alle vier Treppen des Hausflurs hinauf. Genau neben der eisernen Dachbodentür bleibe ich stehen und lausche. Es ist, als hörte ich ein ganz leises Geräusch hinter der Tür, es erinnert an gedämpfte Schritte. Außerdem fällt mir vor der Tür ein unordentlich hingeworfener und beschrifteter Karton auf. Ich lausche erneut. Ja, da ist wieder das Geräusch. Fieberhaft überlege ich, was zu tun sei. Soll ich hineingehen mit dem Risiko, entdeckt zu werden? Oder soll ich gehen? Könnte ja sein, daß es James Bond ist, den ich höre und der schon vor mir da ist. Dann wäre alles bestens. Es könnte aber auch der Hausmeister sein - das wäre nicht so gut, bzw. blöd gelaufen. Endlich entschließe ich mich, lieber zu gehen. Dies versuche ich so lautlos und schnell wie möglich, indem ich mich auf dem Treppengeländer abstütze und mehrere Stufen auf einmal die Treppe hinunterspringe, dabei aber, dadurch daß ich mich aufstütze, langsam und fast lautlos den Boden berühre.
Als ich aus dem Haus trete, lande ich nun ganz woanders. Es ist mir alles fremd, es scheint ein völlig anderer Hof zu sein. Werkstätten, Einfahrten und Gänge sammeln sich rundherum. Am Ende eines längeren Ganges sehe ich einen Mann baumeln, der sich anscheinend genau unter der Toreinfahrt aufgehängt hat. Ich wende mich von diesem Gang ab und einem anderen zu, aber auch hier sehe ich jetzt genau denselben Mann baumeln. Wie seltsam! Aber mir bleibt nicht viel Zeit darüber zu grübeln, da ich die richtige Durchfahrt finden muß. Ich gehe jetzt eine entlang, die mich statt auf einen anderen Hof in ausgedehnte Büroräume führt. Überrascht sehe ich dort sehr viele prominente Frauen. Oh, ich bin doch tatsächlich in einer Filmproduktionsfirma aus Hollywood gelandet! Neugierig schaue ich mich um und scheine im lebhaften Getriebe gar nicht aufzufallen. Ja, mir ist beinahe so, als hielte man mich für einen Mitarbeiter dieser Firma!

Bemerkung: So wie im Traum beschrieben bin ich als Kind tatsächlich die Treppen hinuntergesprungen - mehrere Stufen auf einmal, die ich durch Aufstützen des Körpers auf dem Treppengeländer überbrückte. Dies fällt mir jetzt durch den Traum wieder ein und überhaupt erinnert mich dieser Traum verdächtig an die rasanten Abenteuerspiele, die ich mit Freunden gerne spielte. Außerdem fragte ich mich beim Aufschreiben - warum ausgerechnet Roger Moore? Sean Connery wäre viel folgerichtiger gewesen. Eine Antwort darauf hatte ich sofort - klar, Roger Moore war in der Zeit meiner Kindheit aktuell, Sean Connery war vor meiner Kindheit. Also konnte es nur Roger Moore sein.

Interessanter Beitrag zur neuen Steuer-ID

http://www.humanistische-union.de/themen/datenschutz/steuer_id/detail/back/steuer-id/article/schleichend-erfasst-von-der-wiege-bis-zur-bahre/

Mysteriöse Streifen in der Röntgenpraxis

Wegen des Rückens wurde ich heute in der Röntgenpraxis vorstellig und sollte dreimal durchleuchtet werden - zweimal im Stehen und einmal im Liegen. Zuvor mußte ich unterschreiben, daß ich nicht schwanger bin. Nachdem es vollbracht war, meinte die Frau, da heute so wenig Patienten da sind, solle ich in der Kabine warten, sie würde sich die Bilder gleich anschauen. Nach kurzer Zeit kam sie zurück und fragte mich überraschenderweise, ob ich irgendetwas am Körper trage. Ich schüttelte verdutzt den Kopf und schaute sie pikiert an, denn es war unschwer zu sehen, daß ich bis auf Slip und Schuhe nichts am Leibe hatte. Sie untersuchte mich trotzdem genauestens, fand jedoch bis auf vier Pflaster von den Spritzen am Rücken ebenfalls nicht mehr als ich und erklärte mir dann, daß das letzte Bild nicht zu gebrauchen wäre, da darauf so seltsame Streifen zu sehen wären. Das könne sie so nicht lassen und wir müßten die Aufnahme im Liegen wiederholen. Um sicherzugehen diesmal allerdings ohne Slip. (Im ersten Moment fragte ich mich wirklich, ob in meiner Unterwäsche irgendwelche strahlenschutztechnischen Komponenten eingebaut wurden). Außerdem riß sie mir auch noch die vier Pflaster vom Rücken. Nachdem die Aufnahme wiederholt worden war, sollte ich mich anziehen und im Wartezimmer noch einmal warten. Ich suchte mir einen Stuhl gleich neben der Anmeldung und bekam durch eine offene Tür folgendes Gespräch mit, wobei die Stimme der "Strahlenfrau" sehr deutlich zu vernehmen war:
(ungefähr vier bis fünf Ärzte und/oder Schwestern standen dabei um mein Röntgenbild herum)
"Ich hab sogar eine zweite Aufnahme gemacht, ich verstehe das nicht."
(rätselndes Gemurmel der anderen)
"Woher kommen denn bloß diese merkwürdigen Streifen, sowas ist mir noch nie untergekommen. Noch NIE!"
(erneut rätselndes Gemurmel der anderen)
"Sogar den Schlüpper mußte ich ihr ausziehen!"
"Was das für einer war? Na ganz normal eigentlich....so und so und so (nicht ganz verständlich)"
(wiederum rätselndes Gemurmel - ich sinke tiefer in meinen Stuhl)
"Was können denn diese Streifen nur sein? Vielleicht Luft?" (ein kurzes genervtes Lachen folgt - ebenso Gemurmel)
"Sowas hab ich ehrlich noch nicht gesehen."

Schließlich verläßt sie den Raum, Stille kehrt ein. Ich warte und warte, vor mir konnten sich schon fünf Patienten ihre Befunde abholen und ich werde immer unruhiger. Dann bekomme ich die Tüte auch endlich in die Hand gedrückt.

Da läuft so eine Röntgenpraxis über zehn Jahre "streifenfrei" und dann komme ich und verursache mit grestreiften Röntgenbildern einen Aufruhr. Vielleicht bin ich ja ein Cyborg oder habe von Aliens etwas implantiert bekommen und weiß das noch gar nicht?