Alien
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Mittwoch, 10. September 2008

Graf Draculus nos Feratus

Die Sache mit einer Geschichte wie die von Dracula ist, daß sie jeder kennt. Jeder weiß, was ein Vampir ist, meist aus Horrorfilmen und Erzählungen, wie er aussieht, wie er lebt, was er mag und was er verabscheut, wie man sich gegen ihn wehrt, was mit seinen Opfern geschieht. Es will schon einiges heißen, wenn dieser Roman auch heute noch so viel Spannung aufbaut, daß man ihn nicht aus der Hand legt. Man merkt jedoch immer wieder, daß manche Höhepunkte des Buches durch dieses verbreitete Allgemeinwissen eher untergehen, weil man es ja schon vorher wußte. Trotzdem versuche ich mir vorzustellen, wie es wäre, wenn ich noch nie etwas von Vampiren gehört hätte oder nur mal einen Zeitungsausschnitt darüber gesehen hätte (in einer Doku wurde einmal erwähnt, daß man bei Stoker einen Zeitungsausschnitt über Vampire in Hampshire(?) fand). In diesem Fall wäre das Buch ein richtiger Knaller und das war es ja wohl damals auch. Daß es sich heute noch trotz bekannter Geschichte sehr gut liest, liegt sicher an den vielen intelligenten Details, die man durch den gesamten Roman hindurch findet, sowie das Gespür für Atmosphäre. Interessant sind auch hier wieder die Rezensionen auf Amazon. Die meisten sind durchweg positiv, aber vereinzelt kann man ebenfalls lesen, daß jemand das Buch langweilig fand. Bezeichnenderweise sind dies dann hartgesottene Vampirfilm- oder Christopher-Lee-Fans. Klar, wer nur auf plumpen Horror aus ist, wird sich bei diesem Buch tatsächlich langweilen. Es lebt von diesen kleinen Sätzen, die auf den ersten Blick völlig unscheinbar wirken, doch Menschen, die ein Faible dafür haben, eine interessante Tiefe der Beobachtung eröffnen. Auffällig ist außerdem die besonders übertrieben schwülstige und emotionale Redeweise der Beteiligten. Irgendwie erinnert mich dies, einschließlich des Professors Van Helsing, an die Sherlock-Holmes-Geschichten, denn ich meine mich zu erinnern, daß dort ebenso geredet wurde, wenn auch nicht so oft und übertrieben. Vielleicht war das das ja im Viktorianischen Zeitalter so, aber manchmal bekommt man ein bißchen den Eindruck, daß Stoker sich selbst darüber lustig macht, wenn er dann den Verrückten aus der Irrenanstalt ebenfalls so artig reden und alle Vampirjäger sich gegenseitig ständig ihre edle Gesinnung, ihre Güte und ihr gutes Herz bestätigen läßt. Doch Achtung! Ein Biß reicht und jederman, der heute noch artig redete, kann sich morgen in eine grausame Bestie verwandeln.

Dienstag, 9. September 2008

Das neue Notebook

ist da. Es ist wieder ein Samsung, gefällt mir aber nicht wirklich so sehr wie das alte, wobei das aber hauptsächlich Äußerlichkeiten sind - nicht mehr ganz so flach, keine Schnellstart-Buttons, eckig statt abgerundet und Touchpad zu nah an der (eckigen und hohen) Kante. Da Samsung fast nur noch schwarz oder Klavierlack unter den normalen "Notebooks" hat, wählte ich ein Business-Notebook, von denen es auch einige in Silber gibt. Wichtig war mir auch, daß ich die alte Dockingstation weiterverwenden kann, aber sogar die alten Akkus passen in das neue Notebook. Flüsterleise ist es wie gewohnt, nur die Flüstertaste ist umständlicher zu bedienen. Und die Tastatur ist etwas doppelt gemoppelt belegt. Witzigerweise erhielt ich eine Vista- UND XP-CD. Anscheinend wollte der Anbieter die 198 € Aufschlag nur für die Installation haben. Außerdem - ganz wichtig - hat es eine antibakterielle Tastatur. So kann ich mich wenigstens nicht an meinen eigenen bösen Bakterien anstecken. *augenroll*

Hilary Clinton und die kyrillischen Buchstaben

Um einen Tisch herum sitzen mit mir ehemalige Mitschüler und Hilary Clinton. Anscheinend findet ein Unterricht statt, den sie leitet. Dazu verteilt sie kleine Notizblöcke, auf denen auf jeder Seite etwas aufgedruckt wurde. Auch mir drückt sie einen in die Hand und fordert mich auf, laut vorzulesen. Ich schaue genauer auf das kleine Blättchen und erkenne, daß es kyrillische Buchstaben sind. Nun ja, ich hatte früher Russischunterricht - sooo schwer dürfte es also nicht sein, denke ich. Zuversichtlich lege ich los, doch mit einem Mal wird das Lesen immer zäher und zäher, bis ich nur noch wie ein Schulanfänger schwerfällig herumstottere. Das liegt vor allem daran, daß, wie ich feststelle, gar keine zusammenhängenden Wörter auf dem Blatt stehen, sondern nur einzelne Buchstaben. Stünden sie als Wort zusammen, würde ich sie wahrscheinlich automatisch lesen, aber so muß ich mich mühsam an jeden einzelnen Buchstabennamen erinnern. Trotzdem gebe ich nicht auf und versuche es weiter, bis schließlich M.K. ungeduldig dazwischen ruft: "Man, du hast doch Russisch gehabt." Ich beginne zu schwitzen und werde andererseits ärgerlich. Der muß das gerade sagen, der war ja nun auch nicht gerade ein As in Russisch.

Montag, 8. September 2008

Ein junger Grünfink

hat sich heute in mein Wohnzimmer verirrt. Erst flog er immer im Kreis an der Decke entlang, dann ließ er sich auf der Lampe nieder und von da flog er direkt auf die obere Kante der Balkontür. Diese stand weit offen, aber irgendwie verspürte er wohl keine Ambitionen hinauszufliegen, sondern äugte mich nur eine ganze Weile lang an, bis er sich blitzartig entschied, doch das Weite zu suchen. Seltsamerweise habe ich gar nicht mitbekommen, wie er in das Zimmer geraten ist, obwohl ich direkt vor der Tür auf dem Balkon saß. Und überhaupt muß heute bei den Grünfinken mächtig was losgewesen sein, man hörte sie den ganzen Tag aufgeregt im Baum schnattern und ständig schwirrten sie um die Regenrinnen. Flugprüfung? Was ich schon alles für Vögel in der Wohnung hatte...aber ok, wenn man 24 Stunden am Tag alle Türen und Fenster weit geöffnet hat und im vierten Stock wohnt, muß man sich wahrscheinlich nicht wundern, wenn dann mal nachts eine Brieftaube in der Küche übernachtet oder ein Mauersegler in der Wohnzimmergardine hängt.
(In der alten Wohnung von meinen Eltern hatten wir dafür einmal eine Fledermaus hinterm Ofen. Dies fällt mir gerade aufgrund des aktuellen Lesestoffs ein.)

...

Wer nie sah, sieht nimmermehr
wer nie sprach, spricht nimmermehr,
wer nie hörte, hört nimmermehr,
wer nie liebte, liebt nimmermehr,
wenn der graue Vogel des Leids
die Eingeweide frißt
und der rote Vogel des Schmerzes
die Wangen küßt,
der weiße Vogel des Friedens
aber fliegt einen Weg,
den niemand kennt.

Sonntag, 7. September 2008

Mein Traum lag richtig -

ich habe heute tatsächlich eine Kiste voller Bilder bekommen, allerdings in Form von vier gebrannten DVDs. Diese enthalten alte Familiendias und sind das geheimnisumwitterte Geburtstagsgeschenk für mich. Mit Dias hatte ich ja gerechnet, allerdings nicht damit. Witzig ist, daß ich meine Mutter immer gelöchert habe, sie möchte doch die Dias heraussuchen, weil ich diese am Computer einscannen wollte und diese mußte sich jede Mengen Ausreden einfallen lassen, weil die Dias natürlich beim Digitalisierungs-Service waren. Mal wollte sie alle noch einmal durchschauen, dann wußte sie wieder nicht, wo die sind, mir kam das ja alles sehr spanisch vor und ich habe es nicht wirklich geglaubt, konnte es aber nicht ändern. Die Dias enthalten Bilder, die es sonst nicht als Fotos gibt und da es nur zwei bis drei Diavorführungen gab, sind die meisten Bilder neu. Gut erinnern kann ich mich zum Beispiel an einen Ostseeurlaub, wo ich dauernd auf irgendwelchen Findlingen posieren mußte, weil mein Vater mich ständig fotografiert hat. Das gibt es alles nur auf den Dias. Aber noch viel mehr. Ich habe auch Bilder mit meinem früheren Spielfreund und dem alten Klettergerüst entdeckt. Ich wußte gar nicht, daß es davon Fotos gibt.

Hinweis: Wenn man im Widget "Notes" anklickt, bekommt man eine nähere Beschreibung.

Es war einmal ein Schmetterling,

der die Farbe seiner Flügel verloren hatte. Jetzt fragt ihr sicher, wie es dazu gekommen ist und das werdet ihr vielleicht noch erfahren, denn wer fragt, bleibt nicht dumm. Doch das Besondere an der Geschichte ist - der Schmetterling merkte überhaupt nicht, daß er die Farbe seiner Flügel verloren hatte. Stellt euch das einmal vor! Er fühlte sich wie jeder andere Schmetterling, breitete seine Flügel, um mit ihrer Glut die Sonne zu blenden, beglückte Blüte um Blüte mit seinem Besuch und tanzte sorglos den Wegesrand entlang, auf dem die Menschen an einem Sommermorgen zu Arbeit eilten. Wie? Ob sie ihn sahen? Wahrscheinlich die wenigsten, aber wie sollten sie auch. Er war ja grau wie der Morgennebel, der noch auf Dächern und Schornsteinen hing. Die Menschen waren nicht das Problem für den Schmetterling, denn die waren blind wie Maulwürfe. Das wirkliche Problem waren die Mitbewohner seiner Wiese, insbesondere die anderen Falter. Die sahen es gar nicht gerne, daß so ein grauer Sonderling unter ihnen weilte und sich noch nicht einmal darum scherte, daß er anders war. Sie wußten allerdings nicht, daß er es nicht wußte und weil er es nicht wußte, wußte er ebenfalls nicht, daß sie es wußten. Sie hielten ihn deshalb für ganz besonders hochmütig. Wie konnte er nur glauben, daß das Breiten seiner grauen Flügel irgendjemanden beeindrucken konnte? Und sein geziert anmutiges Gehabe, wenn er von Blume zu Blume tanzte - das paßte so überhaupt nicht zu seinem Aussehen. Wie konnte solch eine Person so unbekümmert sein? Noch bemerkte er nicht, wie sie zu ihm hinüberstarrten, ihm hinterherschauten und miteinander tuschelten. Auch dachte er sich nichts dabei, wenn sie kurz angebunden auf seine Grüße und Fragen antworteten. Bis zu jenem denkwürdigen Tag, an dem er für immer seine Unschuld verlor. Was Unschuld ist? Das erkläre ich später einmal.

Jedenfalls war es ein schöner Morgen nach einer langen Nacht und ein Schmetterlingshunger verlangte nach frischem Nektar. So suchte sich der Schmetterling eine besonders strahlende Blüte, die er schon immer einmal hatte kosten wollen. Leider hatten es zwei andere Falter ebenfalls auf diese Blüte abgesehen und als sie sahen, welch ein sonderbares Ding sie vor ihnen in Beschlag genommen hatte, begannen sie sich auszuschütten vor Lachen und sagten: "Was bist du denn für ein häßliches Monster! Schau erstmal in den Spiegel, bevor du hier den Schmetterling markierst und uns unsere Blüten wegnimmst!" Der Schmetterling war furchtbar erschrocken, so erschrocken, daß ihm keine Antwort einfiel und er die Blume freiwillig räumte. Der Appetit war ihm schlagartig vergangen. Was stimmte denn mit ihm nicht, daß sie ihn nicht für einen Schmetterling hielten? Und was war ein Spiegel? Stundenlang grübelte er über die beiden Sätze nach, die man zu ihm gesagt hatte. Dann dämmerte ihm endlich, daß er die Wahrheit wohl nur erfahren würde, wenn er so einen Spiegel suchte. Also machte er sich auf den Weg und es kostete ihn große Überwindung, immer wieder nach diesem Spiegel zu fragen, denn nun machte er lieber einen großen Bogen um seinesgleichen. Er fühlte sich zwar sehr einsam, wollte aber auf keinen Fall erneut ausgelacht werden. Und das komische Grinsen in den Gesichtern, wenn er nach dem Spiegel fragte, gefiel im ebenfalls überhaupt nicht. Mißtrauisch geworden, entging ihm kein belustigtes Wippen eines Fühlers, kein Zucken eines Augenwinkels, kein Verziehen des Kiefers mehr. Er fühlte sich schrecklich nutzlos und allein und bald dachte er, daß die beiden Falter wahrscheinlich recht haben und er ein häßliches Monster ist, schließlich wollte ja niemand mit ihm reden. Daran, daß er selbst allen aus dem Weg ging, dachte er nicht. Was habt ihr gesagt? Daß es so gemein von den beiden Schmetterlingen war? Ja, das stimmt, wir werden nie ermessen, wie sehr diese beiden Sätze das Leben des Schmetterlings verändert haben. Aber wartet's ab - zumindest hier auf dem Papier nimmt die Geschichte ein gutes Ende.

Nach einigen Tagen des Herumirrens traf er auf ein kleines Menschenmädchen, welches mit einem im Sonnenlicht gleißenden Ding spielte. Er umtanzte es neugierig, als die Mutter des Mädchens kam und sagte: "Hör auf, mit dem Spiegel herumzuspielen!" Oh! - dachte der Schmetterling - Dies ist also ein Spiegel! Er fühlte sich sehr ängstlich, als er an das gleißende Ding herantanzte. Eigentlich wußte er die Wahrheit doch längst, warum sollte er also noch da hinein schauen? Wer weiß, was ihn erwartete. Andererseits hätte er dann den weiten Weg umsonst gemacht, das wäre sehr ärgerlich. Also gab er sich einen Stubser und flog näher. Auf einmal erkannte er einen Schmetterling. Ja, es war ein Schmetterling, das war eindeutig zu erkennen. Und sehr schnell wußte er, daß er selbst dieser Schmetterling war. Aber was ist das? Er sah ja aus wie.....wie.....wie eine Motte, diese farblosen Dinger, die sich nur nachts heraustrauen und in ihrem Unglück sich von allem blenden lassen, das nur ein wenig heller strahlt als sie. Obwohl, er korrigierte sich, richtiger gesagt sah er aus wie ein Schmetterling, der die Flügel einer Motte hatte. Und das wiederum bedeutete - philosophisch zog er seine Stirn in Falten -, das bedeutete....das konnte nur bedeuten, daß er weder Schmetterling noch Motte war. O herjemine! Wie sollte es so weitergehen? Kein Wunder, daß ihn niemand mochte. Kurzzeitig überlegte er, ob er unter die Motten gehen sollte, aber da sein Körperbau der eines Schmetterlings war, würden sie ihn ebensowenig mögen. Völlig mutlos ließ er seine Flügel hängen, und versteckte sich in einem Baum, den er nur verließ, wenn der Hunger ihn dazu zwang. So vergingen viele Tage, der Schmetterling zählte sie nicht mehr, denn er war davon überzeugt, daß dies sein Leben sein würde, bis der Tod so gnädig wäre, ihn zu erlösen. Ab und zu, wenn er sich zu einsam fühlte, flog er ein Stückchen hinaus und beobachtete von weitem die vanillegelben Zitronenfalter, feuerroten Admirale und prächtigen Pfauenaugen. Wie beneidete er sie darum, daß sie ganz normale Schmetterlinge waren! Eines Tages, als er wieder seinen traurigen Gedanken nachhing, sprach ihn jemand von der Seite an. Es war ein lachendes Schmetterlingsmädchen. Oh nein, nicht schon wieder! - dachte der Schmetterling - Sie lacht mich aus! - und er wandte sich knurrend ab. Doch die Kleine ließ nicht locker und als sie ihn erneut ansprach, ihm ins Gesicht lachte, fuhr er sie böse an: "Hör auf, mich so dämlich anzugrinsen, du klappriges Gestell!" Das Lachen verstummte auf der Stelle. Verletzt und sichtlich verwirrt flog das Schmetterlingsmädchen von dannen. Plötzlich durchfuhr es den Schmetterling siedendheiß: Was habe ich getan? Es war genau dasselbe, was die beiden Falter taten.....ob sie je wieder lachen wird? Dabei hatte sie ein wirklich bezauberndes Lachen, nur schade, daß sie mich damit auslachen mußte. Und trotzdem will ich nicht, daß sie vielleicht so wird wie ich. Ich muß......
Und schon rief er ihr hinterher: "Warte!" Und noch einmal lauter: "Warte doch!" Mürrisch und mißtrauisch drehte sie sich um.

"Ich habe es nicht so gemeint, verzeih mir. Du hast ein ganz
bezauberndes Lächeln. Ich bin es nur so leid, mich ständig auslachen zu lassen."

"Wer lacht dich denn aus?"

"Na du zum Beispiel."

"Ich? Ich habe dich nicht ausgelacht. Ehrlich nicht. Und warum sollte man dich überhaupt auslachen?"

Die letzte Frage verwunderte den Schmetterling, weshalb er nicht auf sie einging.

"Aber du hast gelacht."

"Natürlich habe ich gelacht - weil ich dich nett fand!"

"Nett? Wie jetzt?"

"Na wenn man jemanden nett findet, dann lacht man ihn an. Außerdem sind mir deine schönen Flügel aufgefallen."

"Schöne Flügel? Sie sind grau."

"Ja." erneut Zutrauen fassend kam das Schmetterlingsmädchen näher. "Aber sie sind nicht nur von einem Grau. Sie sind außerdem auch noch schwarz und weiß und haben tausend verschiedene Schattierungen von Grau. Hier zum Beispiel - dieses strahlende Winterhimmelgrau, dann dort ein stürmisches Seegrau, und hier das zart-melancholische Taubengrau, das brüchige Steingrau, jenes dunkle Gewitterwolkengrau und hier das geheimnisvolle Anthrazit. Dann das silbrige Möwengrau, das glitzernde Schiefergrau, das milchige Mondgrau. Außerdem diese wunderschöne schwarze und weiße Fiederung, die Glanzpunkte wie kleine Sterne setzt und mit feinen Linien das Grau gleich verschlungenen Arabesken durchzieht. Du bist wirklich ein ganz außergewöhnlicher Schmetterling und wunderschön!"

Der Schmetterling hatte das Gefühl, als würde etwas sehr klebriges in seiner Brust schmelzen. Eine aufregende Wärme durchströmte seinen Körper.

"Oh!" sagte er sprachlos und errötete....


(Ich konnte es nicht lassen, den vielen "Es war einmal ein Schmetterling"-Geschichten noch eine hinzuzufügen. )

Es war einmal ein Schmetterling, der die Farbe seiner Flügel verloren hatte

Freitag-Nachmittag im Büro. Ich könnte nach Hause gehen, möchte aber Zeit aufbauen und freitags ist das am besten, weil man da (normalerweise) seine Ruhe hat. Noch stehe ich mit einigen anderen Kollegen zusammen. Im Prinzip ist schon Feierabend und niemand hat mehr Lust etwas zu tun. Da kommt der Leiter aus einem anderen Haus, Hr. B., und nennt den Namen Ch., er möchte wissen, wer diesen Klienten hat. Anscheinend steht dieser außerhalb der Sprechzeit auf der Matte. Ich habe zwar das C, aber keinen Ch., weshalb ich auf die Frage nicht reagiere. Hr. B. schaut mich jedoch ständig so an, als müßte ich es sein. Bin ich aber nicht. Und überhaupt sollte ich mich schnell aus dem Staub machen, gehe aber nur in meinen Büroraum zurück. Auch hier gibt es immer noch etwas zu tun, denn es wird nach der Beihilfe für eine Frau L. gefragt. Diese ist behindert und erhält regelmäßig einen Karton voll bestimmter Bilder. Wozu sie diese bekommt, ist mir schleierhaft, vielleicht sammelt sie die. In einer Ecke finde ich den Karton und schaue neugierig hinein. Die Bilder sind von einer Größe wie Dias und in länglichen Stangen verpackt. Eine ist auf einer Seite bereits geöffnet. Auf dem ersten Bild sieht man eine Menschenmenge und überrascht stelle ich fest, daß mein Gesicht darunter ist. Das bin doch ich? Ja, eindeutig. Auch auf den anderen Bildern bin ich zu sehen, wie seltsam. Vielleicht sind dies ja Bilder, die automatisch an einer Stelle das Abbild des Betrachters zeigen. Plötzlich kracht die Tür auf und mein oberster Chef mit einigen anderen Leitern stürzt herein. Schnell verstecke ich die ausgepackten Bilder, denn den Karton hätte ich sicher nicht aufmachen dürfen. Anscheinend ist irgendein Klient bei dem Chef und dieser fragt nach einer Stellenliste. Ich bin außer den Chefs die einzige im Büro, die anderen Schreibtische sind verlassen. Wo soll diese Liste sein? Ich zucke erst ahnungslos mit den Achseln, doch dann fällt mir etwas ein. Zu einem bestimmten Schrank gehend, finde ich sie auf Anhieb und reiche sie dem Chef. Dieser ist erst erfreut, was sich aber sofort ändert, als er auf das Datum schaut. "Die ist ja noch vom soundsovielten und nicht weitergeführt!" Seine Stimme klingt vorwurfsvoll, aber den Schuh ziehe ich mir nicht an. Schließlich ist das nicht meine Aufgabe. Frech sage ich deshalb: "Aber immerhin habe ich sie gefunden."

Kurz vor dem Aufwachen höre ich den Beginn einer Geschichte: Es war einmal ein Schmetterling, der die Farbe seiner Flügel verloren hatte...

Bemerkung: Nach dem Geschichtenbeginn habe ich gegoogelt und es gibt erstaunlich viele Geschichten, die mit "Es war einmal ein Schmetterling" beginnen, aber keine mit diesem Satz. Was macht ein Schmetterling, der die Farbe seiner Flügel verloren hat?
Ich bin mir nach dem ersten Traum irgendwie ziemlich sicher, daß ich heute Dias bekommen werde.

Samstag, 6. September 2008

Zur geheimen Stiege

Zur geheimen Stiege

Brauche ich einen seriöseren Bloggernamen?

Aber diese einzelne Frage umreißt die Weitläufigkeit des Problems nicht wirklich. Es geht auch darum: Bin ich überhaupt berechtigt, einen seriöseren Bloggernamen zu tragen? Bin ich seriös oder nur albern? Steht mir die Seriosität oder mache ich mich darin wie Charlie Chaplin mit zwei übergroßen Schuhen? Muß ich mich anstrengen, um seriös zu sein? Muß ich mit dem Spielen aufhören, um seriös zu sein? Darf ich seriös sein und gleichzeitig Spaß haben? Ist Seriösität den wirklich Erwachsenen vorbehalten? Ab wann ist man erwachsen? Und (das hätte ich fast vergessen) darf man, wenn man seriös ist, noch dumme Fragen stellen (also jetzt wirkliche, keine rhetorischen)? Darf man, wenn man seriös ist, Rechtschreibfehler machen?

Der zugemauerte Durchgang, der tanzende Mann aus Twin Peaks und die Enthüllung der Blogidentität

Mein Bruder möchte eine bestimmte Strecke auf der Straße nackt rennen. Nackt bedeutet bei ihm mit Shorts, aber barfuß. Warum er das unbedingt will, ist mir ein Rätsel, wahrscheinlich irgendein spielerischer Ehrgeiz. Ich verfolge eine Top 10 mit Bildern von ihm im Internet. Je länger er läuft, desto höher steigen einige der Bilder. Später sitze ich irgendwo mit F., seinem Sohn, auf dem Knie und "lese" diesem vor. Im Traum ist er noch ein Baby, das nicht sprechen kann. Er versteht auch nicht, was ich sage, weshalb ich eigentlich nur auf die Bilder zeige und sage: "Das ist ein Auto, das ist eine Biene, das ist ein Leuchtturm." Während ich das erzähle, amüsiert sich F. königlich und lacht immer wieder laut los, als würde ich die komischsten Witze reißen. Ich finde dies etwas sonderbar und auch eine Frau, die abseits steht, wird darauf aufmerksam und kommt näher heran, um zu hören, was ich dem Kleinen da erzähle. Ich mache weiter: "Das ist ein Käfer, das ist eine Taube, das ist ein Schiff." und sie scheint sowohl enttäuscht als auch verwundert. Wer weiß, was F. daran witzig findet. Vielleicht ist er ja auch nur so selbstvergnügt, weil er gerne bei mir ist.

Der nächste Traum beginnt damit, daß ich (mal wieder) aufwache. Ich liege in meinem Bett und höre Geräusche aus den anderen Teilen der Wohnung. Dort muß jemand sein. Mir fällt ein, daß doch der Wohnungvermieter angekündigt hatte, in die Wohnungen einzubrechen. Hastig ziehe ich mir etwas über und eile halbnackt auf den Korridor hinaus. Ich bin entsetzlich wütend. Das darf doch einfach nicht wahr sein, daß die ungefragt Leute in ihren Wohnungen überraschen! Im Bad finde ich eine Frau vor, die Wäsche auswringt. Sie ist von der Wohnungsverwaltung. Ich gehe sie an, weil sie eingebrochen ist, aber sie reagiert gar nicht darauf, sondern zeigt ungehalten auf das Waschbecken und die Wäsche, sagt irgendwas von "Das geht so nicht.". Ich weiß, das Waschbecken war nicht allzu sauber, ich hatte es schon seit mehreren Tagen putzen wollen, es aber nicht getan. Wo die viele Wäsche herkommt, ist mir aber ein Rätsel. Das gesamte Bad hängt voll davon, jedoch nur ein Teil davon ist meine. Der Rest muß anderen gehören. Trotzdem hat das Ablenkungsmanöver Erfolg und ich beginne mich stotternd zu rechtfertigen. Dabei fällt mir auf, daß die Wand hinter ihr (wo in der Wirklichkeit das Fenster ist) mit neuen grauen Fliesen bedeckt und der Zugang zum anderen Teil der Wohnung geschlossen wurde. Ich habe diese anderen Zimmer zwar nie genutzt, aber trotzdem ist es eine Frechheit, den Durchgang dazu einfach zuzumauern, schließlich habe ich die Wohnung so gemietet. Und wenn ich jetzt doch die Zimmer nutzen wollte, geht das nicht mehr. Welche Konsequenz dies genau für mich hat, kann ich nur erahnen. Gedankenwirrwarr in meinem Kopf, unter anderem ertappe ich mich dabei, daß ich trotz allen Ärgers mich klammheimlich freue, das jemand anderes die Hausarbeit für mich macht, denn sie Frau hat das Waschbecken geputzt und die Wäsche gewaschen. Diese Freude geht aber nicht soweit, daß ich mich bei ihr bedanke - die Wut ist stärker und als sie endlich die Treppen hinunter stiefelt, rufe ich ihr nach, daß ich das nicht auf sich beruhen lassen werde. Etwas später gehe ich vor das Haus, wo ich viele Nachbarn treffe, die an Bänken sitzen und sich unterhalten. Bei ihnen allen wurde eingebrochen und manche sind hart mit der Wohnungsverwaltung aneinandergerasselt, haben sich sogar geprügelt. Über dies alles wird nun hitzig debattiert. Ich stelle fest, daß nicht nur Veränderungen in den Wohnungen vorgenommen wurden, sondern auch eine Bank draußen verändert wurde, die ziemlich hoch ist, und auf der ich gerne sitze. Während ich mich vorher sicher darauf fühlte, ist sie nun so schmal und wacklig, daß ich bei jeder Bewegung fürchte, hinunterzufallen. Meine Mutter ist jetzt ebenfalls unter den Leuten und geht in das Haus hinein. Ich will hinterher, doch vor der geschlossenen Haustür fällt mir ein, daß ich wahrscheinlich meinen Schlüssel gar nicht dabei habe. Ich werde auf eine Person hinter mir aufmerksam und drehe mich um. Es ist der tanzende Mann aus Twin Peaks. Er steht in einiger Entfernung und starrt mich an. Dabei formt er mit dem Gesicht Grimassen, als bilde er Worte und wolle etwas sagen oder sage es lautlos vor sich hin. In seinen Händen sehe ich ein Schlüsselbund. Will er mir vielleicht einen Schlüssel geben, weil er wußte, daß ich keinen habe? Inzwischen habe ich jedoch an der Tür gezogen und festgestellt, daß sie offen ist. Na prima! Schnell schlüpfe ich hinein. Statt eines Treppenflurs erwartet mich ein ausgedehntes Foyer. Hier sehe ich meine Mutter, wie sie einen Arm um einen bärtigen Mann legt. Nanu? Sie wird doch nicht einen neuen Freund haben? Ich trete heran und sie stellt mich ihm vor. Dabei macht er die Bemerkung "Das ist also die Super-Schwester?" Super-Schwester? Dann kann er nur aus dem Kreis von meinem Bruder stammen.



Im letzten Traum komme ich durch Zufall bei einem Spaziergang in irgendeinen öffentlichen Treffpunkt, wo man Tische, Stühle, Spielecken und an den Wänden Tafeln findet. Jeder darf sich hier aufhalten. In der ersten Etage entdecke ich eine Tafel, auf welcher mit Kreide der erste Teil meines Nachnamens und dahinter mein Blogname "Zuckerwattewolkenmond" geschrieben steht. Ich bekomme einen Schreck. Das gibt es doch nicht. Wer hat das hier so öffentlich an die Tafel geschrieben und woher weiß derjenige das? Was bezweckt er damit? Zuerst kommt mir Gedanke, es wieder abzuwischen und ich warte auf eine Gelegenheit, in der ich alleine im Raum bin. Diese kommt jedoch nicht, stattdessen drei junge Männer, welche sich um einen Tisch gruppieren. Ich schleiche weiter im Raum umher und tue so, als würde ich mich mit dies und jenem beschäftigen. Dazu greife ich nach einem Zahnputzbecher und putze mir die Zähne. Schnell wird mir klar, daß die drei etwas damit zu tun haben, denn einer davon tritt an die Tafel und vervollständigt meinen Namen. Ich tue so, als ginge mich das alles nichts an, bleibe aber aufmerksam. Ich kenne die drei nicht und die mich offensichtlich auch nicht. Irgendwie ist es witzig , daß ich um sie herumschleiche, während sie meinen Namen an die Tafel schreiben. Wahrscheinlich sind das Leute, die sich ein Hobby daraus gemacht haben, die Betreiber von anonymen Blogs aufzudecken. Und wahrscheinlich ist das recht mühsam, denn nur so ist zu erklären, daß sie jeden Buchstaben eines Namens einzeln herausfinden müssen und nicht sofort den gesamten Namen wissen. Inzwischen putze ich mir schon das dritte Mal an einem dritten Waschbecken die Zähne und greife zu einem roten Behältnis, welches direkt neben einer der Personen auf dem Tisch steht. Diese kommt mir gleich hinterher und weil ich denke, sie meint damit mich, frage ich leicht aggressiv. "Ist irgendwas?" Dabei stellt sich heraus, daß es kein Mann sondern eine Frau ist. Sie schüttelt nur den Kopf und wirft etwas in den Abfalleimer, der unter dem Waschbecken steht. Ah, DEN meinte sie. Noch immer streife ich im Raum umher, tue als sei ich beschäftigt und versuche etwas mitzubekommen. Endlich gehen die drei. Auf der Tafel steht nun mein vollständiger Name inklusive Blogpseudonym. Aber nicht nur ich, auch andere Namen und ihre Blogs sind an der Tafel enthüllt. ich frage mich, ob die das nur hier preisgeben oder auch woanders. Wenn es nur hier wäre, ist es wahrscheinlich nicht so schlimm, weil so viel Leute hier nicht herkommen. Aber ich weiß es nicht und in Gedanken formuliere ich schon einen Blogeintrag, in welchem ich von diesem Erlebnis berichte und ankündige, daß ich meine Blogidentität ändern muß. Vor der Tafel, steht jetzt noch eine andere durchsichtige Tafel, so daß das Geschriebene kaum noch zu entziffern ist. Aber trotzdem. Abwischen wird nicht wirklich etwas nützen, sicherer ist, den Namen zu ändern. Während ich diese Überlegungen anstelle, staune ich immer wieder über diesen unglaublichen Zufall, der mich genau hierher geführt hat. Und ebenso irrwitzig ist, daß ich hier um die Leute herumgeschlichen und sie belauscht habe, ohne daß sie wußten, wer ich bin. So gesehen bin ich jetzt im Vorteil, denn ich kenne sie und kann alle Maßnahmen treffen, um mich zu schützen. Nebenbei überlege ich - wobei ich unschlüssig die Treppe hinunter und wieder hinaufgehe -, ob das alles vielleicht nur ein Traum ist, aber nein - ich bin doch gerade erst aufgewacht, dies muß also die Wirklichkeit sein. Daß es solche Zufälle wirklich gibt!

Bemerkung: Seit mehren Tagen nehme ich mir vor, das Bad gründlich zu putzen, habe es aber wegen des Rückens immer verschoben - und das schlechte Gewissen folgt im Traume. Mit der Wäsche übertreibt es allerdings gewaltig, den schmutzige Wäsche habe ich so gut wie kaum zu liegen, da ich T-Shirts, Hosen usw. meist sofort wasche und der kleine Rest in einem Wäschekorb hinter einer Schrankklappe auf die nächste Wäscheladung wartet, wo es absolut niemanden stören kann, nicht einmal die Wohnungsverwaltung. Außerdem frage ich mich, was für ein Teil da durch den verschlossenen Durchgang wohl von mir abgetrennt wurde, den ich nicht mehr betreten darf. :-/
Über eine Änderung der Blogidentität habe ich tatsächlich gestern nachgedacht, allerding nicht wegen einer Enthüllung, sondern weil ich mich fragte, ob dieses "Zuckerwattewolkenmond" nicht etwas zu verspielt wirkt und ein "seriöserer" Name langsam angebrachter wäre.

Freitag, 5. September 2008

Visualisierung

In meinem Bett sitzend (Bin ich gerade aufgewacht?) fällt mein Blick zuerst auf eine Bodenvase mit einem buschigen Strauß von Birkenzweigen. Sie steht genau neben dem Bett und obwohl die Zweige vom Baum abgeschnitten sind, glänzen die Blätter in einem satten, frühlingshaften Grün. Nur eine winzige kleine Zweigspitze ist abgestorben und trägt einige vertrocknete Blätter. Dies wird doch nicht der Anfang vom Ende sein? Werden die anderen Zweige frisch bleiben oder ebenfalls absterben? Mein Blick fällt jetzt auf den Tisch im gleichen Zimmer. Schmutzige Gläser und allerhand Kram findet sich darauf. Vor meinem inneren Auge entsteht träumerisch das Bild eines Tisches, welcher mit funkelnden Gläsern und strahlendem Geschirr ordentlich gedeckt ist. Auf einmal ist es so, als wäre dies die Wirklichkeit. Und mich überkommt die staunende Erkenntnis: Ich muß nur visualisieren. Sobald ich visualisiere wird das Visualisierte zur Realität.

Schlafes Bruder - Der Film

Mit diesem Film verbinde ich ein sehr imposantes und unvergessliches Kinoerlebnis vor vielen Jahren. Allerdings konnte ich mich nie an die Geschichte des Films erinnern, sondern immer nur an die Bilder und Töne. Nachdem ich die Erzählung gelesen habe, lieh ich mir den Film nochmals als DVD aus. Mir war schon klar, daß der Film auf dem heimischen Fernseher sehr viel weniger eindrucksvoll sein würde, da hier gute Storys mehr wirken als Bilder und Musik. Vor allem fiel mir aber auf, daß die Geschichte genaugenommen eine völlig andere ist und sich wirklich nur sehr frei an der Vorlage orientiert. Nun hat Robert Schneider selbst das Drehbuch geschrieben, spielt sogar eine kleine Nebenrolle im Film und auf Fragen diesbezüglich, antwortet er stets, daß dies ein Film nach Motiven des Buches sei, aber keine Verfilmung. Nun gut. Ein Vergleich sei trotzdem erlaubt - gegen das Buch wirkt der Film einfach nur nichtssagend, absolut nichtssagend. Kein Wunder, daß ich von der Story nichts behalten habe.

Donnerstag, 4. September 2008

Die Gedichte meines Vaters | Ende

Tagebuchauszug:

Es gibt aber wirklich erhebenere Dinge, und der Mensch verbraucht schon so viel zu viel Nerven für den Alltag; und man sollte den Verbrauch der Geisteskräfte nicht noch unnötig steigern.
Ich fand das ein gutes Schlußwort für die Serie, zumal mein Vater sein gesamtes Leben hindurch versucht hat, seine Geistes- und auch seine Körperkräfte nicht unnötig zu verbrauchen. Man könnte dies also sozusagen als sein Lebensmotto ansehen.

Die Gedichte meines Vaters | 13

Tagebuchauszug:

Neulich erlebte ich zwei seltsame Zufälle, die ich unbedingt festhalten möchte. Mir fielen plötzlich folgende Gedanken ein: "Nicht mir allein leb' ich" - "Ich werd' ein Teil von dem, was mich umgibt" - "Mir sind hohe Berge ein Gefühl". Ich hatte diese Bruchstücke von irgendwoher behalten, doch wußte ich weder den Dichter noch sonst einen Anhaltspunkt. Da trat ich spielerisch an meine Bücher. Ich nahm hier und dort eines heraus, schlug es wahllos auf und freute mich kindisch daran. (Nebenbei bemerkt: Ich bin ein großer Büchernarr.) Da fiel mir auch Schopenhauers "Welt als Wille und Vorstellung" in die Hände. Wie im Traume öffnete ich es. Mein erster Blick fiel auf die Übersetzung des englischen Textes von Byron: "Nicht in mir selbst leb' ich allein; ich werde ein Teil von dem, was mich umgibt, und mir sind hohe Berge ein Gefühl." [I live not in myself, but I become Portion of that arround me; and to me High Mountains are feeling.]

Ein andermal fielen mir plötzlich folgende Worte ein: "Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott, zu sagen, was ich leide."
Ich wußte: Goethe hatte diese Worte geschrieben. Aber WO standen sie? Aus einem Gedicht? Aus einem Drama? Wieder schlug ich wahllos Goethes Gedichte auf: Seltsam! Ich fand die Worte als Motto eines Gedichtes "Elegie". Ich sah näher hin, tatsächlich, es war die Elegie aus der Trilogie der Leidenschaft! War beides nur Zufall? Oder gibt es so etwas wie einen "literarischen Spürsinn"? Nun, ich werde die Sache ruhen lassen und auf weitere Beweise warten.

Das erste Mal im Leben auf einem Wasserbett.

Ok, der Anlaß ist weniger erfreulich. Erst verpaßte mir die Ärztin eine Spritze in den Rücken und kündigte an, daß ich gleich auch noch einen Stich ins Ohr bekommen würde. Ehe ich noch sagen konnte: "Hä? An den Ohren tut mir doch gar nichts weh." steckten mir schon zwei Nadeln links und rechts im Ohr. Akupunkturnadeln - daran hatte ich nicht gedacht. Danach durfte ich mich im Keller auf ein BEHEIZTES Wasserbett mit Massagefunktion legen. Man könnte sich daran gewöhnen, mit oder ohne Massagefunktion, allerdings wäre es ohne die Nadeln in den Ohren noch einen Tick lauschiger gewesen.

Die erste Festplatte der Welt

wurde am 13. September 1956 von IBM vorgestellt. Sie wog 1000 Kilo, hatte 50 Scheiben, war groß wie zwei Kühlschränke und hatte Platz für 5 MByte an Daten (Info aus der PC Magazin). Damals gab es mich noch gar nicht, aber bewußt nehme ich die Existenz von Festplatten erst seit ca. zehn Jahren wahr.

Mittwoch, 3. September 2008

Tja,

wenn man von zu viel erfreulicher Post und einem Geldsegen überrascht wird, sollte man ein wachsames Auge auf seine Waschmaschine haben - denn die ausgleichende Gerechtigkeit folgt auf dem Fuße in Form einer Küchenüberschwemmung. Zum Glück habe ich Terrazzoboden, der hat noch jedes Wasser von anderen Wohnungen ferngehalten, aber es ist ziemlich mühsam, den ganzen Swimmingpool wieder in den Abfluß zu bekommen, besonders wenn man es im Rücken hat. Witzigerweise hatte ich vor drei Stunden erst den Küchenboden gewischt. Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich mir dies gespart und beides sozusagen mit einem Aufwasch erledigt.

Also ich finde,

dieser Briefkastengang hat sich echt gelohnt - eine Gewinnbenachrichtigung über 315 €, eine Gehaltserhöhung über knapp 60 € und ein Bücherpäckchen von Elsa. Warum kann ich solche Post nicht jeden Tag bekommen?

Die Gedichte meine Vaters | 12

Wenn einer nur von Schummelei leben soll
und schwankendes Gefühl im Herzen tragen
und quälende Gedanken stets ihn plagen
ist immer ihm die Brust von Trauer voll.

Sein Leben fließt dahin nur noch in Moll
schon manchen Abend wollte er verzagen
und wollt' das Spiel am Morgen nicht mehr wagen
weil er befürchtete, er würde toll.

und doch hat immer wieder er begonnen
das Leben, sah er wohl auch keinen Sinn
hat er bei diesem Spiel auch nichts gewonnen

war doch Schicksal in der Sache drin.
Und langsam ist das Leben ihm zerronnen
und ehe er's gewahrt war es dahin.

Die Gedichte meines Vaters | 11

Ich küßte dich, ich küßte jene
und manchmal küßte ich auch keine
Ich machte mir schon viele Pläne
und war zum Schluß wie stets alleine.

*******

Sie stand und kämmte sich ganz eins
zurückgeneigt ihr Haar. Sie weiß
sie sieht ganz hübsch aus. Im Profil
des zarten Busens leichtes Spiel.

Die Gedichte meines Vaters | 10

Nun füllest du mit freudigen Gedanken
mein Herz, und gibst mir wieder meine Ruh';
Die Zeit ist hin, da alle Sterne sanken,
voll Glück denk ich an dich nun immerzu.
Oft seh die Welt vor meinem Blick ich schwanken,
wenn ich von jemand träum', so bist es du:
Ich will mit einem Rosenkranz dich schönen
und Lieder sollen dir zu Ehren tönen!

Des Abends Schatten auf die Erde fielen,
allmählich es zu dunkeln jetzt begann;
im Traume sah ich dich mit Blumen spielen,
ich ging zu dir und sprach dich leise an.
Und alle Wünsche meinem Sinn entfielen,
so daß ich nur auf einen mich besann:
sanft liebend möchte ich zu dir mich neigen
und herzlich küssen dich, der Rest ist Schweigen.

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Dienstag, 2. September 2008

Was mich wirklich absolut nervt,

ist die Tatsache, daß man so ungefähr alle drei bis vier Jahre gezwungen ist, sich ein neues Notebook zu kaufen, weil das alte irgendwo nicht mehr will. An sich ist es nicht so, daß ich mir nicht gerne Neues kaufe, aber alle drei bis vier Jahre geht mir dann doch etwas gegen den Strich, was weniger eine Geldfrage ist, als eine der Arbeit, die damit verbunden ist. Würde ich genau dasselbe Notebook nur ein bißchen getunt, aufgemotzt und schon vollständig mit all meiner Software und meinen Einstellungen bekommen, hätte ich kein Problem damit, aber leider macht auch die Mode vor Notebooks nicht halt, so daß man sich drei Jahre später mit schwarzem Klavierlack und Breitbildschirmen konfrontiert sieht. (Es scheint wirklich Leute zu geben, die ihre technischen Geräte gerne ständig putzen und polieren. Bei mir muß die Staubansammlung auf ihnen vor allem unauffällig sein, weshalb ich Silber bevorzuge.) Außerdem habe ich so viel andere Hobbys, daß ich nicht sonderlich erpicht darauf bin, daß Notebook ebenfalls noch zu einem zu machen. Ich mein, Waschmaschinen laufen ja auch mindestens zehn Jahre, warum nicht Notebooks? Aber ich muß mich korrigieren - es gibt tatsächlich Laptops, die so lange wie Waschmaschinen laufen, sozusagen die Waschmaschinen unter den Notebooks, wie zum Beispiel mein altes Dell. Dieses läuft seit exakt zehn Jahren, obwohl man das dieser Klapperkiste kaum zugetraut hätte und sieht auch fast so aus wie eine Waschmaschine. Inzwischen hat es zwar natürlich ein paar Blessuren und Macken - der CD-Player streikt gerne mal, eine Schramme im LCD-Display und schreiben muß ich fast blind, weil die Buchstaben auf den Tasten runtergewetzt sind, aber es läuft. Und für den Preis, den ich damals gezahlt habe, ist das nur recht und billig. So kommt es dann in Notfällen wie diesem zu neuen Ehren und wird dankbar hervorgekramt. Jetzt könnte man sagen, ok, kauf ich wieder ein Dell, aber die Kundenmeinungen erzählen noch heute von liebloser Verarbeitung, viel scheint sich also nicht geändert zu haben, trotz ausgefallenen Designs, und laut sind sie auch immer noch. Gerade auf die Flüstertaste meines Samsung-Notebooks möchte ich nicht mehr verzichten. Leider zickt dieses in letzter Zeit rum. Erst ein mysteriöser Absturz, nach welchem ich zwei neue Speicherriegel einbaute und dabei den Speicher gleich verdoppelte. Danach lief es zwei Monate wieder, aber vor einigen Tagen schaltete es sich einfach ungefragt aus und ließ sich nicht mehr starten, und sogar nicht mehr neu installieren, weil es sich dabei ebenfalls immer ausschaltet. Nun hatte so ein komisches Hardwareprogramm bei der Festplatte dauernd "Gefahr" geschrien, aber ich hab das nicht so ernst genommen, weil es gar nichts getestet hat, sondern anscheinend nur nach dem Alter gegangen ist und die Festplatte vom Dell läuft ja nach zehn Jahren auch immer noch (übrigens eine IBM). Vorbildlicherweise besitzt das Notebook einen extra gekennzeichneten Schacht für die Festplatte, wo man von außen drankommt, so daß ich es jetzt auf einen Versuch ankommen lassen werde, die Festplatte auszutauschen. Sollte dies nichts nützen, werde ich wohl nicht umhin kommen, wirklich ein neues zu kaufen, auch wenn ich mich vom Samsung eigentlich nicht trennen will. Denn wo finde ich eines, das ebenso leicht, kompakt und flüsterleise, silber und gänzlich ohne Klavierlack ist? Bis dahin klapper ich auf dem alten Dell-. Das sieht zwar aus, als wenn es jeden Moment auseinanderfällt, aber läuft und läuft und läuft...

...

Tatsächlich ist ein wesentliches Erkennungszeichen kreativer Menschen eine extreme Empfindlichkeit gegenüber gewissen Nuancen des Gefühls, der Wahrnehmung und des Denkens. Eine Nuance ist eine Bedeutungsschattierung, eine Verknüpfung von Gefühlen oder eine Feinheit der Wahrnehmung, für die der Verstand keine Worte oder bewußten Kategorien besitzt. Wenn eine Nuance erscheint, so geschieht dem schöpferischen Menschen etwas, das wir als akute nichtlineare Reaktion bezeichnen können...
...Nuancen erinnern an den Reichtum des Grenzbereichs in der Mandelbrot-Menge, den Reichtum der vielen Skalen in einem Fraktal. Bei schöpferischen Menschen lassen die Nuancen überall die "Informationslücken" wahrnehmbar werden...
...Da ihr Reichtum nicht in den normalen Denkformen enthalten ist oder beschrieben werden kann, läßt sie sich nicht leicht anderen Menschen mitteilen. Um die eigene Erfahrung einer Nuance auszudrücken, muß das Individuum erst eine Gestalt schaffen, in der sie sich anderen mitteilen läßt...
...Nuancen hausen in den fraktalen Räumen zwischen unseren Gedankenkategorien. Nach der Theorie von Paul LaViolette und William Gray gehen von den Gefühls- und Wahrnehmungszentren unseres Gehirns ununterbrochen Nuancen aus, die im Gehirn umlaufen, aber dann sogleich durch die Hirnrinde vereinfacht werden, so daß Gedanken entstehen, die sich einordnen lassen und "organisatorisch abgeschlossen" sind...
...In der Erfahrung der Nuance betreten wir den Grenzbereich zwischen Ordnung und Chaos, und in der Nuance liegt unser Sinn für die Ganzheit und Unteilbarkeit der Erfahrung....
...Schöpferische Menschen pflegen ihre Fähigkeiten, in "Zweifel und Ungewißheit" zu leben, wie Keats das nannte, also in jener Welt, die durch eine Nuance geschaffen wird, die gerade lange genug anhält, um dort etwas Neues aufblühen zu lassen...
...Unsere normalen gedanklichen Muster organisieren sich um ihre Grenzzykel. Wird man gebeten, aus einem komplexen Materialangebot eine Gestalt zu schaffen oder ein Problem zu lösen, so reagiert man typischerweise mit einer reduktionistischen oder organisatorisch abgeschlossenen Struktur, statt dem Material zu erlauben, sich aus den fraktalen Dimensionen der Nuance heraus selbst zu entwickeln - wie ein schöpferischer Mensch es tun würde...
...Peter Senge sagt, auch unsere künftige gesellschaftliche Arbeit und das Handeln der gesellschaftlichen Gruppen sollten am besten in einer Atmosphäre der Ironie und der Nuancen ablaufen. Er nennt dies die Anerkennung der grundlegenden Ungewißheit..."Ich glaube, die Ehrfurcht vor der Ungewißheit macht den Unterschied zwischen einem kreativen Visionär und einem Fanatiker aus. Ein Fanatiker hält Ausschau nach etwas, das die Ungewißheit plattwalzt. Der schöpferische Mensch gibt die Ungewißheit zu..."

(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

Kartoffelpufferessen

Es war die schönste Zeit des Jahres, die Zeit, in welcher ich von früh bis abends draußen herumlungerte, weil ich zwei Monate Ferien hatte und es Sommer war. In dieser schönsten Zeit des Sommers geschah es, daß Kinder, mit denen ich sonst spielte, verreisten, und andere Kinder, mit denen ich sonst nicht spielte, ihre Oma in der großen Stadt besuchten. So auch T., der regelmäßig ein bis zwei Wochen im Sommer auftauchte und in der Wohnung über uns bei seiner Großmutter logierte. Wir freundeten uns an und so überbrückte ich einige der eher einsamen Ferientage. Ich erinnere mich, wie wir zusammen manchen Nachmittag auf den Stufen vor dem Küsteramt saßen, ein Tablett auf unseren Knien, mit Bergen von kleinen Kartoffelpuffern, die die Oma frisch zubereitet hatte und einer Schale weißen Zuckers. Der Duft von frischen Kartoffelpuffern mischte sich mit dem Duft von Sonne, kühlem Stein und Gras. Gerecht teilten wir sie uns, aßen sie genüßlich mit den Fingern, nachdem wir sie vorher in den Streuzucker getunkt hatten, und die Großmutter winkte uns freundlich aus dem Küchenfenster zu.

Die Gedichte meines Vaters | 9

Wie wenn nach langem Winter
der Frühling wieder blüht,
und neue Lebensfreude
in aller Herzen zieht -

so bin auch ich genesen
aus dunkler, trüber Nacht,
dein reines, offnes Wesen
hat dies an mir vollbracht.

So wie der Kelch der Blume
der Sonne Strahlen trinkt
mit seinen dann dem Menschen
göttlichen Gruß zuwinkt -

so zeigtes du Vertrauen
und Liebe mir - welch Glück,
ins Auge dir zu schauen,
in deinen offnen Blick!

Ja, nur durch dich zieht Frieden,
ins Herze mir hinein
vom Winter nun geschieden,
laß uns dem Glück uns weihn,

dem Glück, das nicht wie Wolken
das Menschenauge trügt,
dem Glück, das unentrinnbar
vom Schicksal wird gefügt!

20/3/51

Montag, 1. September 2008

Die Gedichte meines Vaters | 8

Winde rauschen, Blätter fallen,
Sommer stirbt den Herbstestod;
Menschen harte Fäuste ballen,
Schaffen für des Winters Brot.

Diesmal soll uns keiner hungern,
Allen Arbeit, Obdach, Brot,
Niemand in den Straßen lungern -
Ende sei nun jeder Not.

Eibenhof, Bad Saarow, 18/9/50

...

Je größer die Autonomie eines Organismus ist, um so mehr Rückkopplungsschleifen braucht er offenbar in sich selbst und in seinen Beziehungen zur Umwelt. Dies ist das autopoietische Paradox. Aus ihm folgt in gewissem Sinne, daß das Individuum eine Illusion ist.

(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

...

Kürzlich ist es Wissenschaftlern gelungen, die Strukturentstehung in "Belusow-Zhabotinsky" mittels irativer nichtlinearer Gleichungen auf dem Computer nachzuahmen. Im wirklichen Leben kommt die Reaktion zustande, wenn Malonsäure, Bromat und Cer-Ionen in einer flachen Schale mit Schwefelsäure vermischt werden. Die Konzentrationen und die Temperatur müssen die richtigen Werte haben, damit die Schnörkel sich entwickeln, und zunächst durchläuft die Reaktion eine Periode des Chaos. Die dann auftauchende Gestalt besitzt komplexe Details auf verschiedenen Stufen und kann ihre Struktur wie ein Lebewesen selbst reproduzieren...
...Astronomen, die sich mit der Galaxienentstehung beschäftigen, haben vermutet, daß dieses Thema wirklich sehr alt ist. Sie kamen nämlich zu dem Schluß, daß das autokatalytische (iterative) Modell, das die Schnörkel in der Belusow-Zhabotinsky-Reaktion erzeugt, auch die Schnörkelbildung in diesen uralten, Millionen von Lichtjahren großen Strukturen bestimmt...
...Obwohl die meisten Biologen dieser Idee zunächst skeptisch gegenüberstanden, stimmen sie nun Margulis darin zu, daß die Evolution einen plötzlichen Sprung machte, als sich Mikroben symbiotisch zusammenkoppelten, um damit auf den "Holocaust" zu antworten, den die weltweite Freisetzung eines Abfallprodukts der Zyanobakterien darstellte, das die meisten bakteriellen Lebensformen, einschließlich der Zyanobakterien selbst, zu vergiften begann. Dieses Umweltgift war der Sauerstoff. Dieser "Sauerstoff-Holocaust", wie man ihn nennt, führte zu einem Bakteriensterben und erzwang Mutationen, die neue Abstammungslinien hervorbrachten. Einige Bakterien gingen in den Untergrund, um sich vor dem tödlichen Gas zu schützen; andere entwickelten die Fähigkeit, den Sauerstoff zu "atmen"; andere ließen sich auf Rückkoppelungsbeziehungen ein, die zu einem ganz neuen evolutionären Schritt führten.
Margulis spekuliert, daß die Symbiose vorbereitet wurde, als eine der Zyanobakterien, die den Sauerstoff-Holocaust hervorriefen, auf der Suche nach Nahrung in ein anderes Bakterium eindrang. Die Gastgeberzelle ging daran, sich vor der plötzlichen Gegenwart von Sauerstoff zu schützen, indem sie eine Kernmembran um ihre DNS bildete - und so entstand die erste Zelle mit einem Zellkern.

(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

Reversibilität der Zeit

Beim Lesen in "Die Entdeckung des Chaos" schlummerte ich kurz ein und hörte eine Stimme, welche sagte: "Reversibilität ist Realität." Dies war bei dem Absatz, in welchem steht: "Sogar auf dem mikroskopischen Niveau, sagt er, ist die Reversibilität die Illusion."

Die Gedichte meines Vaters | 7

Noch immer denk ich dein
in bangen und in trüben Stunden;
Du warst mein:
Die Zeit, sie ist entschwunden.

Du warst mein...
Auch wenn nur in Gedanken.
O, wie allein
muß ich durch's Leben wanken.

Allein und nicht allein
und doch stets verlassen,
im Stillen glücklich sein;
leicht könnte ich dich hassen!

Laß mich allein!
Versuch mich nicht zu lieben!
Und doch bin ich dein...
von Sehnsucht getrieben.

Noch einmal?...nein!
Ich kann nicht mehr lieben!
Die Zeit ist nicht mein...
Und...nichts ist geblieben!

10/48

Die Gedichte meines Vaters | 6

Das Wasser glänzt, der Himmel blinkt,
ein Segel auf den Wellen winkt.

Der Wald steht düster in der Fern,
wie kommt's, dass ich dich hab' so gern?

Ein Paddelboot zieht leis dahin,
warum ich nur so traurig bin?

Bist neben mir und doch so weit,
im himmelblauen Sommerkleid.

Ein Windeshauch mich leis berührt,
hat Liebe je mein Herz verspürt?

War ich nicht einsam, stets allein,
und wird es ewig nicht so sein?

Das Wasser glänzt, der Himmel blinkt -
ein Mädchenmund mir niemals winkt.

Die Gedichte meines Vaters | 5

Ein Blick bis in die Augen, es war zu viel.
Noch taumelnd, o du himmlische, spüre ich's:
Mein Leben ist dir ganz verfallen.
Dir möcht' ich Liebe vom Munde saugen

durch heiße Küsse, schmachtend nach tiefem Glück.
Sei du mir alles, Freuden gewährend mir,
die stets das Schicksal mir versagte.
Ewige Liebe und viele Freuden

sind uns verschlossen, irdische Liebe doch
gewährt Gott uns. Lasset uns lieben, denn
der Tod kommt früh.