
.
Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich eine große, sich sonnende, Krähe. Wonnig auf dem Rücken liegend, den Kopf mit halb geöffnetem Schnabel genußvoll in die Sonne gereckt, die Füße von sich gestreckt, sieht das schon einigermaßen ulkig aus. Jetzt braten also sogar die Krähen in der Sonne! Wie lustig!
(Ich hoffe, daß sollte kein dezenter Hinweis auf die Bildung von Krähenfüßen sein.)

.
haben mir vorhin meinen neuen eisigen Freund gebracht. Er sieht nicht so aus, als ob er gleich explodieren will, muß nie mehr abgetaut werden und ist nun auch im Stehen zu öffnen, zumindest wenn man nur an den Kühlschrank will. Wenn man sich zum Gemüsefach bis zum Fußboden bücken muß, überlegt man es sich dreimal, ob man Gemüse essen will. Purer Luxus und eine wahre Freude für die rückengeplagte Hausfrau. Weniger freudig war es noch, als mir die Männer das Teil in die Küche getragen haben. Ich kann sowas nicht sehen, mir schmerzt der Rücken alleine schon vom Zuschauen und die Leute tun mir in der Seele leid. Die Männer meinten zu mir, wenn er nicht richtig steht und kippelt, soll ich meinem Mann bescheid sagen, damit der die Stellschrauben justiert. Ja, sage ich, ich werde es ihm ausrichten.
Ich schenke dem Geld ja nicht allzuviel Aufmerksamkeit, aber muß immer wieder feststellen, gerade weil ich auch die andere Seite kenne, es beruhigt und tröstet doch ungemein, wenn man es sich angenehm machen kann. Schließlich habe ich jahrelang, als ich noch drei Schichten für einen Hungerlohn in der Fabrik gearbeitet habe, meine Wäsche mit der Hand gewaschen, weil ich beim bezuschussenden Sozialamt keine Waschmaschine beantragen wollte. Dann habe ich die Seiten gewechselt und festgestellt, daß ich schön blöd war so bescheiden zu sein. Immerhin ist es aber wunderbar zu sehen, wie sich das Leben in manchen Punkten wenden kann. Und es ist auch toll, wenn man 20 Jahre später seiner Psychologin, die nach der finanziellen Situation fragt, sagen kann: "Das ist das EINZIGE Problem, das ich nicht habe." Ok, jemand der seine Sozialisation in einer Villa und mit drei Autos durchgemacht hat, würde dies an meiner Stelle sicher anders sehen, aber sowas würde ich gar nicht wollen, selbst wenn man es mir auf den Bauch binden würde. Jeder entscheidet selbst, wo die Probleme beginnen und wo sie aufhören.
Lachyoga kann man nicht wirklich beschreiben. Irgendwie lacht man sich die ganze Zeit bei den Übungen scheckig und hinterher fragt man sich, worüber man eigentlich gelacht hat. Ich mußte schon bei den anfänglichen Lockerungsübungen an mich halten, um nicht laut loszulachen. Aber ich muß ehrlich sagen, nach den anderthalb Stunden hat man dann auch wirklich genug von den Albernheiten, fast finde ich es schon ein bißchen zu lang. Das ist wie wenn man sich am Lieblingsessen überfrißt, dann schmeckt es nicht mehr so richtig. Man wird jedoch ordentlich durchgeschüttelt und es ist auch irgendwo anstrengend. Ich bin aber ein bißchen im Zweifel, ob die Übungen, falls es in der nächsten Woche die gleichen sein sollten, noch so ziehen wie beim ersten Mal. Und es ist schon ein wenig eigenartig, wenn man mit fremden Menschen zusammen in der Käferstellung herumzappelt und sich krüpplig lacht, Grimassen zieht oder sich auf italienische Art begrüßt.
Beim letzten Termin wurde mir bei der Onkologin Blut für ein Blutbild abgenommen und auch der Eisen-, Vitamin B12- und Vitamin D-Status wegen meiner Müdigkeit überprüft. Es hieß, wenn irgendetwas wäre, würde ich das schriftlich erfahren. Als ich vom Lachyogakurs nach Hause kam, fand ich tatsächlich einen Brief der Ärztin im Briefkasten und dachte nur - ach du Sch...! Es ist glücklicherweise "nur" ein Vitamin-D-Mangel. 11,4 ng/ml statt mindestens 30 ng/ml. Und das überrascht mich nun doch ziemlich, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Ich esse viel Fisch (vielleicht habe ich auch wegen des Mangels immer Appetit darauf), gehe nicht unbedingt selten raus und hatte über den Winter extra Lebertran-Kapseln genommen. Aber anscheinend reicht das alles nicht. Die Ärztin hat auf den Befund geschrieben, ich soll mir Tabletten mit 1000 IE kaufen und täglich nehmen und natürlich Sonne (wenn die mal vorkommen und nicht dauernd hinter einer Smogglocke hängen würde).
Also doch noch ein Sommer mit Flugzeugen. Letztens telefonierte ich mit meiner Mutter, als sie auf dem Balkon saß, und wir mußten alle zwei Minuten unterbrechen, weil gerade ein Flugzeug vorbeiflog und sie am Telefon nichts mehr verstand. Sie war ebenfalls total glücklich, daß dies bald ein Ende hat und sie dann besser schlafen kann. Aber gut, nach 22 Jahren in der Einflugschneise macht ein Jahr den Kohl auch nicht mehr fett.
Nachher habe ich meinen ersten Lachyoga-Kurs und fühle mich total humorlos und unlustig. Grübelyoga wäre gerade passender. Das kann ja heiter werden.
Die dunkle Erinnerung an ein leuchtendes Wunder. Eine seltsame Wohngemeinschaft in einem seltsamen Haus. Es handelt sich um eine Hexengemeinschaft so wie in "Charmed". Eine der anderen Hexen berichtet mir, sie hätte gesehen, daß ich den Tod an mich gebunden hätte. Dies sei durch meinen ersten Roman geschehen, der die Kraft hatte, den Tod anzuziehen. Die einzige Möglichkeit diesen jetzt wieder loszuwerden wäre, einen zweiten Roman zu schreiben. Dieser würde dann den Lösungszauber enthalten.
Von irgendjemanden oder irgendetwas verfolgt, flüchte ich in eine große Halle, in der durch Trennwände einzelne Büroabteile eingerichtet wurden. Die Halle ist menschenleer und sieht aus, wie nach einem Vorfall verlassen, denn überall auf dem Boden liegen, Papiere, Akten und Ordner wild verstreut. Ich verstecke mich hinter einer der Trennwände und suche nach einer Möglichkeit, mich so unsichtbar zu machen, daß der Verfolger mich nicht sieht. Zuerst kauer ich mich dazu auf den Fußboden und bedecke mich selbst über und über mit Papieren und Akten. So falle ich als Papierberg hier in der Unordnung vielleicht nicht auf. Der Verfolger ist noch nicht auszumachen und hinter mir in der Wand bemerke ich eine Klappe. Es ist eine Klappe wie bei den Kleidersammelstellen. Was man vorne hereinlegt, wenn man sie hinunterklappt, fällt beim Zuklappen hinten herunter. Ich denke mir, warum nicht, wenn ich mich in die Klappe begebe, lande ich vielleicht an einem Ort, an dem ich in Sicherheit bin. Also lege ich mich hinein und lasse mich mit meinem Gewicht auf der anderen Seite hinunterpurzeln. Anfangs ist nur Dunkelheit um mich herum, doch langsam erkenne ich schemenhafte Umrisse. Anscheinend befinde ich mich hier in einer großen dunklen Halle, vielleicht eine Turnhalle, in welcher regelmäßig verteilt graue Gestalten still und stehend verharren. Ich versuche einzelne davon anzusprechen, doch sie reagieren gar nicht und gehen wortlos weg, als würde ich sie stören. Es ist ein wenig unheimlich und ich fühle mich nicht sehr willkommen. Sie erscheinen mir wie schlafende Geister und wirken ferngesteuert. Bald darauf habe ich deshalb die Halle verlassen und gehe eine Straße entlang, an deren rechten Seite sich ein Holzzaun befindet. An einer Stelle ist eine Lücke im Zaun. Eine weißgekleidete, freundliche Frau mit einem Besen in der Hand zeigt einladend darauf und sagt: "Geh doch ein Stückchen hier auf dem Sand. (Das wird dir gut tun. - Letzteres schwingt nur als unterschwellige Botschaft mit)" In der Tat wurde hier auf einer Fläche feinster Meeressand aufgeschüttet. Ich folge der Einladung, ziehe die Schuhe aus und stapfe barfuß ein Stück in die Sanddünen hinein, die nicht allzu ausgedehnt sind und bald enden. Der Sand fühlt sich seidenweich und warm unter den Füßen an, doch nachdem ich das Gefühl ausreichend genossen habe, kehre ich wieder um in Richtung Straße. Lächelnd fragt die Frau mehr rhethorisch, ob sich der Sand nicht herrlich anfühle und ich bestätige nickend. Als ich die Stelle verlasse und der Straße weiter folge, fegt sie hinter mir mit dem Besen die Fußspuren aus dem Sand, allerdings nur meine, die restlichen Fußspuren läßt sie, wie sie waren. Ich finde das einen cleveren Einfall, denn so kann der Verfolger mich nicht anhand meiner Fußspuren ausmachen, kommt aber auch nicht auf die Idee, daß hier Spuren beseitigt wurden. Schließlich erreiche ich ein seltsames Haus und werde von einer wichtigen Persönlichkeit empfangen. Danach befinde ich mich in meiner Wohnung und beschäftige mich mit einem Computerproblem. Gerade habe ich eine Email an den Support geschrieben, als im selben Moment des Abschickens mein Handy klingelt. Ich lasse es klingeln und gehe nicht dran, weil ich denke, das wäre bestimmt nur wieder Werbung, doch irgendwie scheint mir, als höre ich in diesem Klingeln Stimmen. Es ist wie ein weißes Rauschen, wenn verschiedene Frequenzbereiche sich überlagern und je aufmerksamer ich horche, um so deutlicher höre ich sie. Zuerst Frauenstimmen, welche mitteilen, daß mich jemand sprechen möchte und danach eine Männerstimme, welche sagt: "Hallo, ich bin Jesus. Geh doch mal ran!" Vor Schreck über diese seltsamen Botschaften melde ich mich nun doch am Hörer. Eine Männerstimme stellt sich mit dem Namen Dennis vor und erklärt, er wolle mir mit Rat zur Seite stehen. Ich bin zuerst etwas verblüfft, doch dann fällt mir ein, daß das wohl schon ein Mitarbeiter des Supports sein muß. Die sind aber schnell! Wie zur Bestätigung erklärt er nun, daß er erst noch mit dem Systemtechniker telefonieren muß. Dies wird er über mein Handy tun. Ich habe zwar keine Vorstellung, wie er aus der Ferne mit meinem Handy telefonieren will, aber ich hoffe, das Gespräch dauert nicht zu lange. Und ich erwache so gegen 3:40 h.
fand ich gerade einen Werbeflyer für ein neueröffnetes Fitnessstudio ganz in der Nähe. Es wirbt unter anderem mit "T-Shirt-Pflicht für Männer". Na hallo? Wozu gehe ich denn in so ein schnurzlangweiliges Fitnessstudio, wenn da nur Männer mit T-Shirts herumlaufen? Die sehe ich überall.
(Franziskanerkloster in der Klosterstrasse, Berlin)
Im alten Kloster blüht die Freiheit
der Regen wusch die Mauern stumm,
die noch von Gesängen schwangen
die Vögel bau'n ein Nest im Turm
In Felsenhof und Distelbeet
fallen Sonnenstrahlenschnuppen
auf die Grillen, die beisammen
in ihrer Gottesandacht hocken
Die Vögel sind die Prediger,
die Grillen sind die Fiedler,
so feiern sie den guten Franz
und die Jahreszeit des Flieders
ich vergaß noch zu erwähnen, daß ich, wenn man mit mir direkt und persönlich kommuniziert, zu einem männerverschlingenden Monster mutiere und niemanden wieder gehen lasse. Sobald ein persönliches Gespräch mit mir in Gang kommt, schwupps, ist man auch schon mit mir verheiratet und hat gaaanz viel Verantwortung und gaaaanz viel Belastung am Hals. Also hütet euch und vor allem, steht NIE, aber wirklich NIEMALS zu dem, was ihr äußert, denn ich könnte euch beim Wort nehmen. (Achtung, Ironie!)
Bei einer Frau wurde eine Herz-Lungen-Transplantation vorgenommen. Nach dem Erwachen aus der Operation musste sie verblüfft feststellen, dass sie großen Appetit auf Pommes frites und Chicken McNuggets hatte, obwohl sie doch diese Speisen zutiefst ablehnte! Sie war so verunsichert, dass sie Nachforschungen anstellte. Dabei kam heraus, dass der Organspender auf dem Weg zu McDonald's gewesen war, als er bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Auto verstarb.
Dies blieben allerdings nicht die einzigen Erinnerungen von dem Verstorbenen, die in ihr nach oben drängten. Sie bekam innere Bilder von Familienmitgliedern dieses Mannes und seiner Partnerinnen. Als sie später seine Familie kennenlernte und ihr von verschiedenen Erinnerungen erzählte, bestätigten die Verwandten und Freunde alle Einzelheiten ihrer Wahrnehmungen.
(aus "Wie der Tod dem Leben dient" von Thomas Schäfer)
Ja, ja, ich bin hinterhältig, schnippisch, sarkastisch, kritisch und unüberlegt, ich bin anstrengend, zurückgeblieben und niemand will etwas mit mir zu tun haben, aber ehrlich, ich kenne Leute, die sind ein ganzes Ende schlimmer als ich und seltsamerweise sind gerade diese es, die sich am liebsten darüber aufregen, wenn ich hier in meiner Blognische Ärger und Befindlichkeiten aus meinem eigenen Leben loswerde und verarbeite - und wenn ich mich freue, ist es ebenso falsch. Irgendwie ist es schon merkwürdig, daß einige ihr Leben anscheinend nur über die Gefühle von anderen zu leben vermögen, indem sie diese als überflüssig analysieren und brandmarken. Ärger gehört zum Leben wie die Freude, wer sich nicht ärgern kann, kann sich auch nicht freuen. Lieber habe ich echte Emotionen, als in so einem von allem angewiderten, überdrüssigen, kopfsüffisanten Dauerzustand dahinzuvegetieren. Wer so lebt, der ist schon tot. Im Prinzip könnte mir das ja egal sein, jeder soll so leben wie er will, aber wenn ich als zu prügelnde Projektionsfläche herhalten soll, gebe ich dir den guten Rat, schaue erst einmal in den Spiegel und überwinde den Ekel vor dir selbst. Dann kannst du immer noch andere verurteilen, falls du es noch nötig hast.