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Freitag, 19. Juli 2013

Ebook-Variationen

Der Selfpublishing-Anbieter meines Ebooks schrieb mich an, weil sie sich darüber wundern, daß es sich nicht in dem Maße verkauft, wie sie es erwartet hätten. Sie finden es "erstklassig" und meinen, daß es "verdient hätte, reißenden Absatz zu finden" (ihr Wort in irgendwessen Gehörgang). Deshalb überlegten sie, woran das wohl liegt und kamen darauf, daß eventuell das Ende ja etwas dramatischer sein könnte. Hm, hätte ich vielleicht noch eine blutige Schießerei oder Messerstecherei einbauen sollen? Oder hätte ich Herrn Luchterhand, mit dem Messer sich selbst richtend, über den Zeugnissen seiner Tat tot zusammenbrechen lassen sollen? Ich bin nun mal keine Drama-Queen und mag lieber die leisen Töne, während es in anderer Art und Weise durchaus rasant zugehen darf. Außerdem schlugen sie vor, daß das Buch einen anderen Titel bekommen könnte, z. B. "Der Fluch des Zarengoldes". Oh je, das klingt verdammt nach einem B-Horror-Movie. Trotzdem finde ich es gut, daß sie sich überhaupt Gedanken darüber machen und mich unterstützen. Es ist aber natürlich auch in ihrem Interesse. Leider scheint niemand Rezensionen schreiben zu wollen, aus denen man Rückschlüsse über die Ursachen ziehen könnte. Es ist weiterhin nur eine vom Juni vorhanden, obwohl etliche Leute mehr das Buch gekauft haben. Bei mir ist es so, daß ich eigentlich nur dann Lust habe, Rezensionen zu schreiben, wenn ich entweder enttäuscht bin von einem Buch und dem, was mich stört, Luft machen möchte, oder aber, weil ich total begeistert bin. Wenn ich von mir also auf andere schließe, obwohl das sicher nicht bei jedem so ist, ist das Einordnen meines Buches weniger optimistisch, aber gleichzeitig nicht niederschmetternd genug, um wenigstens damit Aufmerksamkeit zu bekommen. Es wäre natürlich ebenfalls möglich, daß die Leser einfach alle in Schockstarre gefallen sind. Man könnte nun spekulieren, was der Auslöser für diesen Schock gewesen ist...

Komm ins Land,

wo die Abkühlung ist:

Norwegen

Norwegen

Norwegen

Mittwoch, 17. Juli 2013

Seemannsgarn - Trondheim bis Rørvik

Seemannsschmaus:
Spargel und Parmesankäse in geräucherten Schinken gewickelt
Entrecote Kalbskarree mit Kräuterbutter, grünen Bohnen, gebackenen Tomaten und Rahmkartoffeln
Orangen - Crème Brulee mit Erdbeer- & Ananas-Salsa und Pfefferminzgeschmack

In Trondheim legten wir während des Aufstehens an, nämlich um ca. 8 Uhr, aber da wir dort ganze vier Stunden Aufenthalt hatten, blieb nach dem Frühstück noch etwas Zeit, um von Bord zu gehen. Weil die Innenstadt, anders als bei vielen Hafenstädten, weiter entfernt vom Hafen ist und man länger laufen muß, braucht man auch mehr Zeit. Trondheim gefiel mir nicht auf Anhieb, aber in der Innenstadt war es um mich geschehen. Das lag nicht nur an den erstaunlich großzügigen kommunalen Bepflanzungen, die mir ähnlich in Tromsø aufgefallen sind. Verkehrsschilder, Laternen und andere Dinge werden mit bunten Blumen bepflanzt. In Trondheim gibt es sogar eine ganze Brücke, die zu beiden Seiten mit Blumenkästen bestückt und mit Stiefmütterchen begrünt ist, was den Fotos von dieser Brücke hinunter ein Aussehen gibt, als hätte man von einem Balkon fotografiert.

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Sobald man diese Brücke überquert hat, wundert man sich leicht irritiert, warum in Trondheim so viel verrosteter Schrott herumliegt, bis man realisiert, daß es sich um alte Schiffsdocks handelt, die geschickt und charmant in das Stadtbild integriert werden. Irgendwo liegt das Gerippe eines alten Schiffsrumpfes, dessen verrostete Streben hoch aufragen, doch dazwischen wurde aus Holz eine Plattform gebaut und ein Sommer-Cafè mit Tischen und Stühlen fand dort seinen Platz. Ähnliche Kombinationen entdeckt man immer wieder.

"Im Grunde war die Stadt viel zu gemütlich für Hochschulen und Forschungszentren. Besonders in Bakklandet oder auf dem Mollenberg wollte sich das Bild einer Technologiemetropole partout nicht einstellen. Inmitten der bunten Idylle aus modernisierten Holzhäusern, Parks und dörflich anmutenden Kirchen, Stelzenbauten am Fluss und pittoresken Hinterhöfen kam jedes Gefühl für Fortschritte abhanden, obschon die NTNU, Norwegens große technische Universität, gleich um die Ecke lag. Kaum eine Stadt wob Vergangenes und Kommendes so kongenial ineinander wie Trondheim..." (aus "Der Schwarm" von Frank Schätzing)

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Leider reichte die Zeit nicht mehr, um es noch bis zur alten Stadtbrücke und zum Nidaros-Dom zu schaffen, weshalb sie auf dem Foto nur in der Ferne zu sehen sind.

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Als wir von Trondheim ablegten, fuhren wir an Munkholmen vorbei, einer vor Trondheim gelagerten Insel mit einer alten Festung.

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Und noch einige andere Dinge begegneten uns auf der anschließenden ruhigen Fahrt, wie zum Beispiel ein alter Leuchtturm oder die "Lofoten", eines der frühesten Hurtigrutenschiffe vor Rørvik liegend. Doch von Bord gingen wir an diesem Tag nicht mehr.

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Dienstag, 16. Juli 2013

TV-Tip

Heute um 20.15 Uhr auf arte: "Unser täglich Gift", eine Dokumentation.

Seit 30 Jahren ist eine ständige Zunahme von Krebserkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer, Immunschwächekrankheiten sowie Diabetes und Fortpflanzungsstörungen zu beobachten. Wie lässt sich diese beunruhigende Situation erklären, die sich vor allem in den Industrieländern feststellen lässt? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, recherchierte Filmemacherin Marie-Monique Robin zwei Jahre lang in Nordamerika, Asien und Europa. Zahlreiche wissenschaftliche Studien verdeutlichen: Die Hauptursache ist in Umwelt und Ernährung des Menschen zu suchen. Diese These bestätigen auch Vertretern der Zulassungsbehörden für Lebensmittel in den USA und Europa. Der Dokumentarfilm beleuchtet, unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert, verarbeitet und konsumiert werden. Und zwar vom Feld bis auf den Teller, von den verwendeten Pestiziden bis hin zu Zusatzstoffen und Kunststoffen, mit denen die Lebensmittel in Berührung kommen. Am Beispiel von verschiedenen Pestiziden, vom Süßstoff Aspartam und von der in vielen Verpackungen enthaltenen Substanz Bisphenol A wird deutlich, wie mangelhaft und ungeeignet die Bewertungs- und Zulassungsverfahren für chemische Lebensmittelzusätze sind. Der Dokumentarfilm zeigt außerdem, mit welchen Mitteln die Industrie Druck ausübt und manipuliert, um weiterhin hochgiftige Produkte vermarkten zu können. Schließlich wird vor allem deutlich gemacht, wie der Mensch sein Immunsystem durch gesunde Ernährung stärken kann. Dass dies möglich ist, beweisen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen.

Montag, 15. Juli 2013

Trolloscope - Ein Trollshop-Nachtrag

Wie ich gerade gesehen habe, gibt es sogar Internet-Trollshops und in einem von ihnen kann man sich Trolle in das Email-Postfach holen: http://www.trolloscope.com/trolloscope/trolloscope.htm

Ich habe das allerdings nicht ausprobiert und kann deshalb nicht sagen, was die Trolle dort im Postfach für Unfug anrichten. Deshalb nur auf eigene Gefahr!

Sonntag, 14. Juli 2013

Seemannsgarn - Trollshop, Trollwarnung und Trollunfug

Der Trollshop verkauft, wie der Name schon sagt, Trolle. Trolle sind häßliche, stark behaarte und kleine Kreaturen mit vier Fingern und langen Nasen, die ihre Klopapiervorräte in großen weißen Rollen auf den Feldern aufbewahren und sich nur in der Dunkelheit aufhalten. Wenn sie bei Tagesanbruch nicht rechtzeitig in ihre finsteren Verstecke flüchten und von der Sonne getroffen werden, explodieren sie mit einem lauten Knall und bleiben als ein Felsbrocken liegen. Demzufolge muß es gerade an der Trollstigen, die sicher nicht umsonst diesen Namen hat, viele Trolle geben, denn die Felsen, die man dort sieht, sind unzählig. Im Dunkeln aber richten die Trolle sehr viel Unfug an, denn irgendjemand muß die Steine ja ins Rollen bringen, wenn sie auf die Straße prasseln und diese unpassierbar machen. Aus diesem Grund werden die Trolle gejagt, eingefangen und in Trollshops an ahnungslose Touristen verscherbelt, welche sich um diese kleinen grinsenden Dinger reißen, als hätten sie Zuhause noch nicht genug Ärger und ungekämmte Verwandte. Ich jedoch weigerte mich, so ein Ding mit in die Heimat zu nehmen, sondern schickte mir stattdessen eine Trollwarnung:

TrollwarnungTrollwarnung 2

Trolle

Die Trollwarnung ist ein echtes Verkehrsschild, das allerdings nur ein einziges Mal an der Trollstigen steht. Auf dem Dach des Trollshops ist es ebenfalls zu sehen. Das Dach ist wie viele Dächer in Norwegen mit Torf gedeckt, auf welchem allerlei Pflänzchen wachsen. Früher, erklärte uns der Reiseleiter, hatte man auf dem Dach gleichzeitig seine Apotheke, also Heilpflanzen, als auch seine Versicherung gegen Blitzeinschlag, davor sollen nämlich bestimmte Kräuter außerdem schützen.

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Ob es gewirkt hat, ist nicht überliefert bzw. wurde uns zumindest nicht erzählt. Dafür erfuhren wir, daß die rote Farbe, die man an sehr vielen Häusern und Hütten sieht, früher die billigste Farbe war, denn sie wurde aus Tierblut und Walfischtran hergestellt. Die teuerste Farbe war Weiß. So ist es zu erklären, warum es sich einbürgerte, Stallungen und Fischerhütten rot zu streichen, während die Wohnhäuser weiß aussehen sollten. Es kam jedoch vor, daß bei ärmeren Leuten das Wohnhaus zum Fjord hin weiß gestrichen war und nach hinten hinaus rot. Fassade halt. Übrigens gibt es in Norwegen keine Grundstücksgrenzen und keine Zäune, da das Gemeinrecht des Bodens gilt. Das scheint erstaunlich gut zu klappen, aber wenn man die Farbe seines Hauses wechseln will, braucht man dafür die Unterschrift der umliegenden Nachbarn, ansonsten muß es die Farbe behalten, die es bisher hatte. In den Bergen kamen wir an einem uralten Hof vorüber, auf welchem bis vor einigen Jahren drei Schwestern lebten. Als die letzte von ihnen starb, wollte man den Haushalt auflösen und fand in dem Haus Gerätschaften, wie sie im 18. Jahrhundert verwendet wurden, sowie eine noch vollständig eingepackte Waschmaschine, welche den Schwestern von Bekannten aus Amerika geschickt wurde, die damit aber nichts anfangen konnten, da sie keine Wasseranschlüsse, sondern einen Brunnen hatten. Außerdem fand man in einer Kiste 700 000 Kronen, welche die Schwestern anscheinend nicht brauchten, da sie sich ja vollständig auf ihrem Hof selbst versorgten. Norwegen ist im Grunde ein Paradies für Selbstversorger, denn das Angeln in Salzwasser ist für jeden frei und erlaubt, es gibt sogar extra eingerichtete Angelplätze für Menschen mit Einschränkungen. Und ebenso gehört alles, was in der Natur wächst, wie Beeren, Pilze usw., jedem, das heißt, jeder hat das Recht, sich davon zu ernähren. Und da ein Gemeinrecht des Bodens gilt, ist es theoretisch auch überall erlaubt zu campen. Ob das praktisch tatsächlich so ist, darin habe ich leider keine Erfahrungen.

Wenn man so durch die Berge fährt, fallen einem überall an den Wegen und auf Felsformationen kleine Türmchen von übereinandergestapelten Steinen auf. Der Reiseleiter behauptete erst, dies sei das Werk der Trolle, doch rückte dann mit der Wahrheit heraus: Diese Türmchen werden von Touristen gebaut und bedeuten, daß man gerne hierher zurückkommen möchte. Und schon war die halbe Reisegruppe angefixt und stürzte sich beim nächsten Halt auf umherliegende Steine, um sie übereinander zu stapeln. Ich nicht, denn ich wollte die kurze Zeit doch lieber dafür verwenden, mir die Landschaft anzuschauen und zu fotografieren. Überhaupt habe ich den Verdacht, daß dies einfach nur eine ganz ausgebuffte Beschäftigungstherapie für Touristen ist, um sie davon abzuhalten, zu viel Unfug anzustellen. Manchmal sind Touristen und Trolle eben dasselbe.

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Freitag, 12. Juli 2013

Seemannsgarn - Alesund bis Molde

Seemannsschmaus:
Salat mit getrocknetem Hammelfleisch und Erdbeeren
Brathähnchen mit Gemüse-Risotto, Linsenragout und Paprikasoße
Joghurt-Panna Cotta mit norwegischer Schokolade verfeinert und Erdbeersoße dazu

Doch halt! Ich durfte dieses Menü leider nicht probieren, da ich zu den Ausflüglern gehörte und Molde nicht über das Wasser, sondern über das Land erreichte. Uns wurde in einem Hotel in Molde Kabeljaufilet mit Kartoffelpüree und Speck, sowie Apfelkuchen mit Sahne zum Abendessen serviert.

Ungefähr um die Frühstückszeit herum ankerten wir in Alesund (wird übrigens eigentlich mit einem Kuller über dem A geschrieben und wie O ausgesprochen). Als die Maschinen erneut stampften und das gesamte Schiff vibrierte, wie es das immer tat, sobald es versuchte, aus einem Hafen herauszukommen, glitten wir von nun an durch sich immer höher erhebende Kulissen aus Bergen, Wald, häufig sichtbaren Wasserfällen und einsamen Holzhäuschen direkt in den Geiranger-Fjord hinein, der relativ lang ist, so daß wir an seinem Endpunkt Geiranger erst am Nachmittag eintrafen. Wenn ich die Landschaft als Kulisse bezeichne, so meine ich das auch so, denn vom Schiff aus wirkt jeder Baum wie ein kleines Streichholzbäumchen und jedes Haus wie ein Spielzeughäuschen und man mag nicht glauben, daß dort tatsächlich Menschen herumlaufen bzw. herumklettern. Es wirkt wie aufgebaut und hin gemalt und man sagt sich selbst, daß man erst persönlich dieses Ufer besucht und alles angefaßt haben muß, bevor man realisiert, daß es wirkliches Land ist. Die Anzahl der Wasserfälle steigerte sich kontinuierlich bis hinauf zu den Sieben Schwestern, die natürlich so heißen, weil es gleich sieben nebeneinander liegende Fälle sind.

Das Wetter an diesem Tag war bewölkt und regnerisch, aber das bemerkten wir kaum, als wir in Geiranger mit einem Schnellboot ausgetendert wurden und zu unserem ersten Busausflug aufbrachen, während das Mutterschiff den Fjord wieder verließ und Richtung Molde steuerte. Als sich unser Bus immer höher hinauf durch die engen Kurven der Serpentinenstraße schlängelte, konnten wir es in der Ferne auf dem glänzend tief unter uns liegenden Fjord entschwinden sehen.

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Halt gemacht wurde kurz an einer Aussichtsplattform, an einem schäumenden Gebirgsbach,

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auf einer felsigen Bergplatte, auf der teilweise noch Schnee lag,

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bis der Bus schließlich über die Trollstigen fuhr, eine spektakuläre Serpentinenstraße, welche nur im Sommer geöffnet und wegen der Steinschläge und Lawinen generell nicht ganz ungefährlich ist.

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(Man sieht hier einen unserer Busse, wie er sich die Serpentinen entlang fädelt.)

Dann ein schneller Fotostopp, um die Trollstigen von unten zu bewundern und ein weiterer Halt im Trollshop, wo ein kleiner Imbiß auf uns wartete.

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(Oben ganz klein die Brücke, über welche wir fuhren.)

Danach ging die Fahrt weiter nach Molde, wo wir schon von weitem einen Koloss im Hafen liegen sahen, nämlich die Aida, welche wie ein schwimmendes Hochhaus alle Häuser der Umgebung überragte.

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(Sitzbank am Hafen in Molde)

Unser Reiseleiter erzählte uns, daß wir jetzt ein Abendessen bekämen und unser Schiff hinter der Aida liege, dann machte er sich blitzschnell aus dem Staub. Während des Essens ahnte noch niemand etwas, doch als sich die uns durchgestellte Abfahrtzeit von 21.15 Uhr näherte, strömten die ersten zum Hafen hinunter und wunderten sich, daß dort zwar die "Trollfjord" lag, ein anderes Hurtigruten-Schiff, aber von unserem Mutterschiff weit und breit nichts zu sehen war. Irgendwann standen alle in Grüppchen verloren am Hafen herum, die Aufregung wurde immer größer, man rannte hierhin, rannte dorthin, spekulierte, schimpfte oder fragte irgendwen. Jemand erzählte, ihm wurde gesagt, man müsse zwanzig Minuten bis zu einem anderen Anlegeplatz laufen, aber glücklicherweise hörte darauf niemand. Endlich tauchte am Horizont heiß ersehnt und mit einer halben Stunde Verspätung unser Mutterschiff auf. Wir waren zwar nicht hungrig, aber durchgefroren und müde. Nun durften wir wieder in unser schwimmendes Zuhause.

Pflegenotstand in deutschen Krankenhäusern

Wenn die Feuerwehr ins Krankenhaus einrücken muß, weil ein Notfall vorliegt, aber kein Pflegepersonal anwesend ist:

http://www.ardmediathek.de/das-erste/kontraste/pflegenotstand-krankenhaeuser-gegen-personalschluessel?documentId=15819690

In dem Video kommt eine Statistik vor, nach der in Deutschland auf eine Pflegekraft 10,3 Patienten kommen, während es in Norwegen als patientenfreundlichstes Land 3,8 Patienten sind. Jetzt verstehe ich auch, warum uns vor der Reise gesagt wurde (ich glaube, es war sogar ein Mitarbeiter der Krankenkasse), daß man, sollte man während der Reise wegen eines Notfalls ins Krankenhaus müssen, es an unserer Stelle überhaupt nicht eilig haben würde, sich nach Deutschland überführen zu lassen. Lieber so lange in Norwegen bleiben und sich dort behandeln lassen wie möglich.

Ich muß sagen, daß ich höchste Achtung vor dem Pflegepersonal habe, welches trotz dieser Umstände noch versucht, die Patienten menschlich zu behandeln und zu begleiten. Aber Versuche schaffen leider kein Vertrauen, das schaffen nur Tatsachen.

Mir ist dazu dieser Traum von mir wieder eingefallen:

http://weltentanz.twoday.net/STORIES/das-automatisierte-krankenhaus/

Ich hoffe sehr, dies war keine vorausschauende Zukunftsvision.

Dienstag, 9. Juli 2013

Seemannsgarn - Die Ankunft in Bergen

Seemannsschmaus: Bergen-Buffet mit viel Obst

Auf dem Hinflug hatte ich einen Fensterplatz, so konnte ich erst Berlin unter mir entschwinden, und als die Wolkendecke nach anderthalb Stunden mit einem sehr trockenen Sandwich und einem halb gefüllten Becherchen Cola erneut aufbrach, eine völlig neue Landschaft unter mir auftauchen sehen, der man ihre Andersartigkeit und Besonderheit bereits von oben ansah. Vom Flughafen aus wurden wir mit dem Bus zum Hurtigruten-Terminal gefahren, wo wir unsere Sicherheitslektion absolvierten und eincheckten. Im Terminal bemerkt man es gar nicht richtig, wann man das Schiff betritt, denn es funktioniert wie ein Flughafen-Terminal. Erst bei den einzelnen Häfen wird ganz normal eine Gangway heruntergelassen, auf der man deutlich sieht, daß man das Schiff betritt oder verläßt. Ab 18 Uhr konnten die Kabinen bezogen werden, dann gab es Abendessen und danach waren wir damit beschäftigt, das Schiff zu erkunden und die Landschaft zu bestaunen, die noch gar nicht so großartig war, wie sie später werden sollte, aber eben für uns völlig unentdeckt. Doch da ich mich vor der Reise bereits etwas mit den Tagesstrecken und Sehenswürdigkeiten beschäftigt hatte, wußte ich, daß wir gleich am nächsten Tag früh in den Geiranger-Fjord einlaufen würden, weshalb wir relativ zeitig zu Bett gingen und uns in den Schlaf wiegen ließen, um davon nichts zu verschlafen.

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Montag, 8. Juli 2013

Unterm Rettungsboot

Unterm Rettungsboot

Im Geiranger-Fjord

Sonntag, 7. Juli 2013

Hurtig reisen - Die Fortsetzung

Die Richard With, so hieß unser Schiff, wird als schwimmendes Kunstmuseum gehandelt. Der Grund dafür ist, daß im Schiff überall Gemälde und Zeichnungen von norwegischen Künstlern hängen. Das größte Bild dürfte sich im Restaurant-Deck befinden, nämlich eine ganze Wand voll wilder Wikinger in Booten. Doch auch in den Treppenaufgängen und sogar in den kleinsten Winkeln findet man Bilder, manche sind allerdings vervielfältigt und häufiger zu sehen, zum Beispiel die Werke in den Kabinen. In meiner Kajüte hingen diese beiden schönen Bilder, eine wilde Seeszene vor dem Torghatten, dem Berg mit Loch, und eine stille Bergszene. Die Bergszene gab es an anderen Orten mit gelben Blumen davor:

Bild in SchiffskabineBild in Schiffskabine


Neben dem Kunstgenuß wurde für leibliche Genüsse ebenfalls gut gesorgt. Zum Frühstück und Mittagessen trug man jeweils ein sehr reichhaltiges Buffet auf und zum Dinner abends ein kulinarisch verbrämtes Drei-Gänge-Menü. Wenn sich das jetzt ein wenig sarkastisch anhört, hat dies die Ursache darin, daß der äußere Anschein in allem mit dem übereinstimmte, was man von der Haute Cuisine so kennt, aber das Geschmackserlebnis dem oft leider nicht entsprach. Genauer gesagt waren die Gänge zum einen winzig (zum Beispiel gab es zum Lammfleisch genau abgezählt fünf grüne Bohnen), zum anderen sehr kunstvoll und dekorativ angerichtet, aber von der Qualität des Essens selbst kam es mir ein wenig vor wie gewollt und nicht gekonnt. Eigentlich macht es mir nichts aus, kleine Portionen zu essen, wenn ich dafür wirklich besondere und exquisite Geschmackserfahrungen machen kann, doch hier fand ich das Getue um das Essen fast lächerlich, weil sich die Passagiere dieser Haute Cuisine-Attitüde anpassten, aber oft mit ziemlich angepissten Gesichtern auf dem Essen herumkauten. Hätte ich nicht mitten unter ihnen gesessen, sondern das als Szene in einem Film gesehen, hätte ich wahrscheinlich schallend losgelacht. Ich weiß nicht, ob die Norweger generell auf Kriegsfuß mit Gemüse stehen oder nur dieser spezielle Küchenchef, aber egal welches Gemüse, ob Spargel, Bohnen, Rosenkohl oder was auch immer, es war stets so roh, als hätte man es nur im Vorbeigehen kurz in warmes Wasser getaucht, und schmeckte meistens nach gar nichts. Es ironisch "bißfest" zu nennen, wie es einige Gäste taten, war da ziemlich kompromissbereit. Wenn man allerdings weiß, daß in Norwegen kaum Gemüse angebaut wird, weil dort ab August bereits wieder die Nachtfröste beginnen, wird das Ganze verständlicher.
Glücklicherweise wurden zum Mittags-Buffet zwei bis vier warme Mahlzeiten angeboten, so daß ich mir stets mittags den Bauch vollschlug und das Dinner, den "Firlefanz" wie es mein Bruder nannte, mehr als Showeinlage genoß, denn neugierig war ich natürlich, da die Gänge sich meist viel besser und exotischer anhörten, als sie schließlich waren. Weniger schmackhaft ist in Norwegen, neben Bier und Wein, was ich bereits erwähnte, weiterhin das Brot. Sehr gut waren dagegen die Soßen, auch im Buffetangebot, und die Desserts. Es gab Passagiere, munkelte man, die sich ausschließlich vom Dessertangebot ernährten. Zu jedem Mittagsbuffet fand man bis zu zehn verschiedene Nachtische - Kuchen, Eis, Cremes, Götterspeise, Kompott, Pudding - wenn man sich da durch essen wollte, mußte man sich seine Verdauungsreserven gut einteilen. Reichlich im Angebot waren außerdem Fisch, Kaviar, Meeresfrüchte und exotisches Obst. Zu den Mahlzeiten trank man exzessiv Wasser, denn außer zum Frühstück gab es nur das schiffseigene Wasser kostenlos, welches auf dem Schiff selbst hergestellt und in Plastikkaraffen gereicht wird. Natürlich konnte man auch andere Getränke kaufen,aber bei diesen Preisen überlegte es sich die Mehrheit sehr genau, denn 0,33 l Saft kosten umgerechnet 6 EUR und 0,33 l Bier ungefähr 10 EUR. Daher sagt man wahrscheinlich, Norwegen sei teuer, was man so allerdings nur für Touristen stehen lassen kann. Die Norweger selbst verdienen im Schnitt das Dreifache von dem, was wir verdienen, und unter diesem Gesichtspunkt sind es für die Norweger humane Preise. Daher rührt sicher die Diskrepanz, daß ich für den von uns bezahlten stattlichen Preis den Service doch eher mittelmäßig fand, vergleichbar einem Zwei-Sterne-Hotel. Zudem hatten wir das Pech, daß bei unserer Fahrt nicht einmal kostenlose Wolldecken zur Verfügung gestellt wurden, wie in den Katalogen angekündigt, sondern Decken ebenfalls gekauft werden sollten, wenn man eine benötigte.

Da wir gerade von Pech reden, zwei Tage vor der Reise ereilte mich ein viel größeres, denn ich bekam mal wieder einen Hexenschuß, einen besonders gemeinen. Ich konnte mich nur noch an den Türrahmen klammern mit dem Gedanken, nie wieder irgendeine Bewegung machen zu können, und ließ mich schließlich, als ich nicht mehr klammern konnte, wie ein Käfer auf den Fußboden fallen. Dort versuchte ich mich mit Yogaübungen zu dehnen, um irgendwie auf die Beine zu kommen, allerdings sahen die Übungen mehr aus nach "Überfahrene Katze, die noch nicht ganz tot ist und hilflos herumzappelt". Wenn man so auf allen Vieren herumkriecht, weil das die einzige Fortbewegung ist, die noch geht, hat man wirklich viel Zeit darüber nachzudenken, wie bescheuert die Menschheit doch war, sich auf zwei Beine zu stellen. Ich war total fertig und dachte zuerst, ich muß die Reise sausen lassen. Zum Glück hatte ich diverse starke Schmerzmittel zu Hause, bei denen ich nur schnell schaute, wieviel ich davon nehmen kann, ohne eine Überdosis zu riskieren, und so gedopt gelang es mir doch, die Reise anzutreten und die erste Woche zu überstehen, allerdings wäre es schöner gewesen, sich frei bewegen zu können und beim Sitzen in den Ausflugsbussen und auf dem Sonnendeck nicht ständig den trotz Schmerzmitteln pochenden und ziehenden Nerv zu spüren. Der erste Ausflug am zweiten Tag dauerte gleich acht Stunden, die zum größten Teil aus Sitzen bestanden. Am Ende dieses Ausflugs war mein Rücken total steif, aber irgendwie auch taub, so daß ich scherzhaft zu den anderen sagte, ich hätte meinen Nerv wohl tot gesessen. Ich erzähle das alles nur, um nicht zu viel Neid aufkommen zu lassen. Abgesehen von diesen Unannehmlichkeiten finde ich, daß ich mir das Gute, das mir zur Zeit widerfährt, redlich verdient habe.

Aus oben genannten Gründen kaufte ich mir in Norwegen einen Schmerzbalsam (Pilegrimsbalsam), den ich als Souvenir mit nach Hause brachte, was mich jetzt ärgert, denn leider erinnert mich dieses Souvenir genau an den unschönen Teil der Reise. Wenn der Schmerzbalsam Wunder wirken würde, würde ich ja sofort wieder nach Norwegen fahren, wenn er aufgebraucht ist, aber es ist nur einer von vielen, der höchstens bei kleineren Blessuren etwas nützt. In meinem geführten Reisetagebuch, in welchem man viele Tips für besondere Andenken findet, steht der Vorschlag, man solle von seiner Reise einen beliebigen Hygieneartikel mitbringen und auf jeder weiteren Reise einen neuen Artikel dieser Art kaufen, um eine andere Art der Souvenir-Sammlung aufzubauen. Das heißt, dieser Schmerzbalsam könnte der Beginn einer großartigen Sammlung von Schmerzbalsamen aus aller Herren Länder werden, ganz gewiß eine ganz neue und heilsame Art der Andenken-Sammlung. Aber nein, ich kann mich beherrschen, solch eine Souvenir-Sammlung will ich nicht haben.
Ein etwas schöneres Andenken sind die Handstulpen, die ich mir kaufte, und die glitzernden Steine, die ich am Svaritsen-Gletscher einsammelte. Ich habe den Gletscher komplett abgeräumt, die nachfolgenden Touristen werden sich wundern, weil keine Steine mehr da sind.

Souvenir NorwegenSouvenir Norwegen


Dieses Video ist übrigens rein zufällig am Gletscher entstanden, ich muß wohl auf den Videoauslöser gekommen sein:

Freitag, 5. Juli 2013

Walwetter

Ferne Begleiter bleiben sie -
als wollten sie nicht ängstigen,
sondern schwerelose Tänzer
auf der diamantenen Bühne sein,
die ihnen die wogende Flut bereitet

Folgen meinem Weg über das Meer,
folgen mir bis an den Ort,
wo die Sonne in zwei Teile fällt,
zerbrochen von dem Spiegel,
der Welten voneinander trennt

Wo das Blau noch blau sein darf,
Vergißmeinnicht nicht vergessen sind
von Seelen, die einen Hafen suchen.
In ihren glänzenden Bäuchen
das Urwissen des Lebens, prall.

Schlafen die Riesen (sicherlich),
treiben sie in ihren Wellenkissen,
träumen von der Glut der Sonne
jenseits der Grenzen ihrer Heimat
und den Rätseln des Kontinents

Looking for the whales

Als wir vom Svaritsen-Gletscher aus mit dem Schnellboot unserem Mutterschiff folgten und zum ersten Mal Wale sahen.

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Norwegen 7

Norwegen 5