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(Stendhal in einem Brief an seine Schwester Pauline)
Seemannsschmaus:
Rucola-Salat mit geröstetem Räucherschinken, Forelle und Spargel
Lammrücken mit Gremolata, serviert mit geröstetem Kürbis, Süßkartoffeln, gerösteter Gemüse-Terrine und Rosmarin
Eis-Parfait mit Kornflocken und Schokoladenstreuseln verfeinert
Am fünften Tag war es so naß, wie es auf einer Seereise sein sollte, denn es goß in Strömen. Da wir ausflugsfrei hatten, richteten wir uns auf einen eher ruhigen Tag ein. Kurz nach dem Mittagessen, als wir faul herumlagen, gongte der Bordfunk und der Kapitän gab durch, daß wir in Kürze backbords die Yacht des norwegischen Königs passieren würden, auf der zur Zeit das schwedische Königspaar zu Gast sei, weil beide Königspaare befreundet sind. Das interessierte nicht viele, aber ich packte mich trotzdem so wetterfest wie möglich ein und ging auf Deck, um eventuell einen Blick auf den norwegischen König zu erhaschen. Den jungen Rezeptionisten hatte man ebenfalls an Deck geschickt. Er sollte dort mit einer norwegischen Fahne winken. Vielleicht tat er es aber auch freiwillig und undienstlich, Norweger können recht patriotisch sein. Die Yacht fuhr vorbei, erwiderte unser Getute und Gewinke mit ein paar Gruß-Quiekern, doch von den Passagieren war nichts zu sehen. Kein Wunder, bei diesem Wetter gehen Königspaare bestimmt nicht extra an Deck, um ihre Untertanen zu sehen.

Die königliche Yacht
Nachmittags legten wir für einige Stunden in Tromsø an und obwohl es immer noch in Strömen regnete, gingen mein Bruder und ich ohne die anderen an Land. Bei meinem Bruder lag es auch daran, daß er seinen Rasierschaum vergessen hatte und nun unbedingt welchen brauchte, denn meine Schwägerin wollte ihn nicht mit einem Seebären-Vollbart. So flitzten wir erst umher, um eine Drogerie zu finden, was gar nicht so einfach war, und fanden schließlich ein Einkaufscenter mit einem Supermarkt, wo er Rasierschaum erstehen konnte. Zwischendurch schauten wir ein bißchen auf dem Markt vorbei, der gerade stattfand, und wo sie schöne norwegische Pullover und Strickjacken hatten, allerdings alle zu teuer für mich. An Tromsø fielen mir zwei Dinge auf, die ich schon in Trondheim bemerkt hatte, nämlich die Sauberkeit und die üppigen kommunalen Bepflanzungen. Und während die Besonderheit in Trondheim die alten Schiffsdocks waren, waren es hier in Tromsø die dicken Katzen, die überall herumsaßen, was ich richtig putzig fand. Man sagt ja im allgemeinen, daß die Menschen im Norden größer sind als die Menschen im Süden. Ich sah in Tromsø eine echte Walküre, ein bis zwei Köpfe größer als ich (und ich zähle mit 1,76 schon als groß), stämmig und blond. Aber das mit der Größe scheint nicht nur auf Menschen zuzutreffen, sondern auch auf Pflanzen. Ich habe bisher nirgends solche riesenhaften Löwenzahnpflanzen gesehen wie an jeder Ecke in Tromsø. Da es weiterhin aus Kannen regnete und ich fleißig fotografierte, machte meine Kamera langsam schlapp. Immer mehr Wasser kam in die Linse, so daß die Fotos nach und nach verwässerten, bis überhaupt nichts mehr scharf abzubilden war. Ab da mußte ich aufhören zu fotografieren, weshalb die Kirchenbesichtigung nicht dokumentiert ist. Auf vielen Fotos sieht man verwischte und verlaufene Stellen - das ist das Wasser in der Kamera, aber dafür sind sie absolut authentisch. Seewetterfotos eben.



Ziemlich begossen und nass kehrten wir auf unser Schiff zurück, welches hier zwischen zwei Häuserzeilen zu sehen ist. Doch zum Abend klarte es auf und eine strahlende Mitternachtssonne leuchtete durch die Nacht. So war es oft, wenn es tagsüber regnete.

Blick auf Sklervøy



Seemannsschmaus:
Grüne Erbsensuppe mit Schinkenwürfeln und Sahneschaum
Geröstetes Forellenfilet mit Kräutern und Parmesan, dazu Fenchel und Spinat, Amandine Kartoffeln und Buttersoße
Erdbeermousse mit Gebäck
Wir sind beim vierten Tag unserer Reise angelangt und da steht besonders frühes Aufstehen auf dem Plan, weil der gebuchte Ausflug zum Svartisen-Gletscher bereits um 8.30 Uhr beginnt. Immerhin bekam auch ich es so mit, als wir um 7.12 Uhr den Polarkreis überquerten, allerdings sieht es hinter dem Polarkreis nicht viel anders aus als vor dem Polarkreis, eigentlich erinnert nur ein kleiner Globus mitten im Meer daran, daß man gerade eine mystische Linie überschritten hat. Vom Autodeck aus wurden wir in ein stark schwankendes Schnellboot überführt, mit welchem wir Richtung Gletscher rasten.

Am Gletscher hatten wir etwas längeren Aufenthalt, so daß wir das Ufer des klaren Bergsees erkunden konnten. Man findet dort sehr viele stark glitzernde Steine, von denen ich mir einige als Souvenir einsteckte, selbst die Steine um den Gletscher herum glitzerten ungewöhnlich im Sonnenlicht, und größere Felsbrocken, sowie kleine Glockenblumen und Wildorchideen.


Auf der Rückfahrt mit dem Schnellboot mußten wir unser Schiff einholen, welches inzwischen weiter gefahren war, und das dauerte mehrere Stunden, in denen wir über die See sprengten, wobei wir meist auf dem offenen Deck saßen. An einer Seite hatten wir das endlose Meer, auf der anderen Seite die Schärenküste Norwegens. Während ich so in Richtung Küste spähte, sprang in der Ferne plötzlich etwas Schwarzes aus dem Meer und tauchte gleich darauf wieder unter. Ich dachte nur "Da war was!" und auch meine Nachbarin hatte etwas gesehen, gleich noch ein zweites Mal, als der Reiseleiter, so ein kleiner Italiener, der uns erzählte, wie zahlreiche Bambini er schon in Norwegen gemacht hätte, mit seinem riesigen Fernglas auf das Deck gestürzt kam und erklärte, man hätte Wale gesichtet. Das Boot drehte bei, näherte sich der Stelle und stellte alle Motoren ab, aber leider hatten die Wale keine Lust mehr, sich zu zeigen. Weil wir unser Mutterschiff einholen mußten und nicht viel Zeit hatten, fuhren wir bald weiter. Als wir unser Schiff schließlich erreicht hatten, dockten wir an und wurden über das Autodeck wieder hineingeschleust.


Am frühen Abend des Tages erreichten wir Svolvær, wo es direkt am Hafen eine Eisgalerie und - bar gibt, was wir uns nicht entgehen ließen, obwohl das Schiff nicht lange Aufenthalt hatte. Und kurz vor Mitternacht schipperten wir in den kurzen, aber prächtigen Trollfjord hinein. Wie man sieht, war es noch taghell, die Fotos sind alle um Mitternacht herum entstanden. In den hohen zerklüfteten Felsen des Trollfjords meint man überall Gesichter zu erkennen, oder Trolle, wahrscheinlich heißt er deshalb so. Man findet aber auch kleine Graffiti, mit denen sich Bootsreisende an den Wänden verewigt haben.
Auf den Lofoten gibt es in einem kleinen Fischerdorf eine Eisgalerie und -bar. Da sie direkt am Hafen liegt, also "um die Ecke", lohnt es sich dort hinzugehen, auch wenn das Schiff in diesem Ort nur 30 oder 45 Minuten Aufenthalt hat. Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Die Metallgestelle auf den Tischen sind übrigens "Ablagen" für die Gläser, welche ebenfalls aus Eis bestehen, allerdings keinen flachen Boden haben, sondern einen spitz zulaufenden, so wie eine Schultüte. Nicht aus Eis sind die Rentierfelle, welche den Po warm halten und das erstaunlich effektiv, während man auf den Eisbänken sitzt. Die dicken dunklen Capes mußte man sich vor dem Eintritt überziehen, weil dort nämlich -6 Grad Celsius herrschen.



Keine Ahnung, warum ich auf dem einen Foto so eine komische Schnute ziehe oder was ich da gerade doziere, erinnert mich aber sehr an dieses gelungene kindliche Porträt von mir. Wahrscheinlich hat sich für Sekunden und ganz heimlich mein inneres Kind zu Wort gemeldet.

