Tja, eigentlich sollte auch dieser Tag anders verlaufen. Ich wollte mir einen neuen Termin zur Nachsorge sowie die letzten Befunde holen, und danach ins Kino gehen. Leider hab ich jedoch in der Nacht nur fünf Stunden geschlafen, obwohl ich um 23 Uhr ins Bett gegangen bin, und fühlte mich viel zu fertig. Der Blick aus dem Fenster hat es nicht besser gemacht und am Nachmittag, als erneut ein Herbstgewitter tobte, war ich froh, zu Hause geblieben zu sein. Vormittags mußte ich auf die Lieferung der Norwegen-Fotobücher warten. Diesmal habe ich einen der preiswertesten Fotoservices eines Discounters mit A gewählt, denn bei dem Service, den ich für die letzten Fotobüchern hatte, hätte ich pro Buch um die 70 Euro mit den vielen Fotos gezahlt. So viel kann ich mir pro Weihnachtsgeschenk, bei insgesamt drei Personen, nicht leisten. Genau einen Tag bevor ich begann, das Fotobuch zusammenzustellen, wurde der Preis beim neuen Anbieter sogar nochmals gesenkt. Mit einem anderen preiswerten Discounter bin ich ja einmal ziemlich auf die Nase gefallen, aber hier ist die Qualiät trotz der Ersparnis wirklich top. Und groß gedruckt sehen viele der Natur-Fotos gleich dreimal schöner aus, so daß man sie dauernd anschauen muß. Ich bin sehr froh, daß ich das mit den Fotobüchern so früh erledigt habe, denn im Netz findet man viele Kommentare erboster Kunden, die Ende November/Anfang Dezember bestellten und ihre Sachen erst im Januar erhielten. Anscheinend habe ich etwaige Engpässe erfolgreich umgangen und die Weihnachtsgeschenke für die Familie nun sicher.
Am 20. Oktober endet das diesjährige Festival Of Lights und ich werde es bis dahin wohl auch nicht mehr hinbekommen, dort vorbeizuschauen. Doch um beim 20. Oktober zu bleiben, beim Fernsehsender Sixx ist an diesem Tag der Tag der Heldinnen. Den Titel finde ich ja irgendwie etwas verstörend, denn es geht um ein anderes Thema als man sich darunter vorstellt, nämlich um das Thema Brustkrebs. Um 20:15 h wird der Spielfim "Five" gezeigt, um 21:45 h der Film "Ob ihr wollt oder nicht" und um 23:35 h der Film "Meine nackte Wahrheit – Leben nach dem Brustkrebs".
Zehn Minuten vor der regulären Zeit des Weckerklingelns schreckte ich frühmorgens aus dem Schlaf auf, weil ich Geräusche aus Richtung meiner Balkontür hörte. Es klang wie ein Scharren und Kratzen. Eine Katze, die ausgesperrt vor der Tür sitzen könnte, habe ich nicht. Und daß Einbrecher sich die Mühe machen, zu mir in den vierten Stock zu klettern, glaube ich auch weniger. Trotzdem ist man vorsichtig. Es soll ja alles schon vorgekommen sein. Als ich schließlich hinter dem Vorhang durch das Fenster spähte, sehe ich eine Kohlmeise von der Tür davonfliegen. Was die an der Tür gemacht hat, um solchen Lärm zu veranstalten, möchte ich mir nicht vorstellen. Kaum zwei Stunden später höre ich ein Trippeln auf dem Fensterbrett. Und als ich durch das Fenster schaue, sehe ich gerade noch wie die Kohlmeise mit ihrem Schnabel im Spalt zwischen Fensterbrett und Fensterflügel steckt, welchen ich nie richtig fest zumache. Keine Ahnung was sie da suchte. Ich möchte nichts darauf verwetten, aber es würde mich nicht erstaunen, wenn dies dieselbe Meise ist, die ich bereits aus meinem Holzzaun befreit habe, als sie darin feststeckte. Wenn man überall seinen Schnabel oder seinen Kopf hereinsteckt, muß man sich nicht wundern, daß so etwas passiert. Jedenfalls war das für mich die Erinnerung, endlich wieder Vogelfutter zu kaufen. Doch in meinem nahgelegenen Discounter, wo ich immer einkaufen gehe, gab es nichts - weder Vogelfutter noch irgendwelche Nüsse. Tja, Pech gehabt, Meise! Da mußt du wohl mal ordentlich beim Supermarkt trapsen.
Tja, eigentlich sollte der Tag anders verlaufen. Vor einigen Monaten fand ich in einem der vielen ungelesenen Bücher, die sich bei mir stapeln, und in welchem ich blätterte, ein tolles Rezept für ein Sauerteigbrot. Allerdings keines der üblichen Rezepte, wie man sie massenhaft im Internet findet, mit Sauerteigextrakt und anderen Zusätzen, sondern vollständig selbst gemacht, und dabei aber so verblüffend einfach, daß sogar ich mir vorstellen konnte, es auszuprobieren. Im Sommer hatte ich jedoch keine Lust zu backen, war mir irgendwie zu heiß, also verschob ich es auf später. Nachdem dann gestern in der Folge von "Weissensee" die Rede von Schmalz-Stullen mit Spreewälder Gürkchen war, kam wie ein Geistesblitz die Erinnerung an dieses Rezept wieder und ich dachte mir, daß morgen ein guter Tag zum Backen wäre. So weit, so gut. Leider erinnere ich mich überhaupt nicht mehr, in welchem Buch ich das Rezept gefunden hatte und in den Büchern, in die ich heute auf Verdacht schaute, war nichts davon zu finden. So weit, so schlecht. Also kein Brotbacken. Jedenfalls habe ich mir sowieso schon strengstes Bücherkaufverbot erteilt. Schließlich hat es gar keinen Zweck, ständig mehr Stapel ungelesener Bücher herumzuschieben, wenn man viel weniger Bücher regelmäßig liest. Und wenn ich nur noch die Bücher lese, die schon in meinem Regal stehen, finde ich irgendwann hoffentlich das Rezept wieder. So lange gibt es jetzt kein Brot.
Nach zwei Wochen Zumbaferien waren heute die Choreografien, die ich vorher schon einigermaßen drauf hatte, völlig im A..., man merkt richtig, wie man sofort wieder einrostet. Wirklich erstaunlich ist es dagegen, wie viel man dabei schwitzt. Sogar am Fußrücken schwitze ich beim Zumba! Ich habe noch nie erlebt, daß man am Fußrücken schwitzen kann, wahrscheinlich habe ich bisher einfach den falschen Sport getrieben.
Mit der Hornhaut fällt der Panzer,
so wird Hornhautraspeln zur Meditation
und nebenan zupft das Suppenhuhn
am Suppengrün im großen Suppentopf
manch einer wäre gerne Hahn im Topf,
wenn heißer gegessen als gekocht
und ich klaube kunterbunte Wortknödel
dort hinein - denn mir ist nach Blödeln
auf Spurensuche nach der Ernsthaftigkeit,
aber Ernst ist in Haft und schreibt
an tiefgründelnden Romanen
Tja, da kann man nichts machen,
jetzt gewinnt die Hühnersuppe
Sowohl reinlich als auch kleinlich
konnten nicht ohne das andere,
und so beschlossen sie heimlich
sich zu reimen für alle Tage.
So blieb es bis gestern neulich,
doch allein mit ihnen verbunden,
fühlte sich peinlich sehr treulich
und schloß sich den beiden an.
Seemannsschmaus: Carpaccio - geschnittener Kräuterfiletbraten vom Rentier auf Pinienkernsalat und Preiselbeerensirup Saibling mit Sauce Hollandaise, Spargel, Rote-Beete-Püree und Roswald Kartoffeln Brownie mit Orangenschokolade & Haselnüssen, serviert mit Sorbet
Auch am achten Tag war Ruhetag, zumal es den gesamten Tag über so verhangen gewesen ist, daß nicht wirklich viel zu sehen war. Am Abend lagen wir vor Tromsø und dicker Nebel senkte sich wie ein Schnellzug über die Stadt, so daß bald nicht einmal mehr die große Eismeerkathedrale aus dem Kajütenfenster zu erkennen war. Aus diesem Grund ist die nachfolgende Skizze vorrangig aus meinem Gedächtnis und Vorstellungsvermögen entstanden, denn zum Entstehungszeitpunkt konnte man nur noch die Brücke schemenhaft erahnen.
Ein Großteil der Zeit wurde mit Scrabbeln herumgebracht und als ich mich später des Nachts im Nebel an Deck aufhielt, war es überhaupt nicht windig oder kalt, nur etwas feucht. Trotzdem bin ich an diesem Abend das erste und einzige Mal völlig allein an Deck gewesen.
"Die meisten Personen, die sich von mir psychisch beraten lassen, kommen in der Absicht, durch die Therapie Frustrationen besser ertragen zu können und ein "dickeres Fell" zu bekommen. Ihr dünnes Fell aber ist gerade ein Zeichen für ihre Gesundheit, denn ihre Leidensfähigkeit zeigt, dass sie noch nicht abgestumpft sind und sich gedankenlos mit der Frustrationsweitergabe begnügen. Die meisten psychisch Leidenden zeigen mit ihren Symptomen, dass sie ein moralisches, humanes Potenzial haben, das überangepasste Egoisten nicht mehr besitzen. Diese Egoisten denken nicht mehr moralisch, sie leiden deshalb auch weniger bewusst psychisch...
...Auch in Magengeschwür und anderen psychosomatischen Symptomen können sie meist keine psychische Verursachung sehen...
Der Durchschnittsmensch ist im moralischen Sinn charakterlos. Im psychologischen Sinn ist der Normalcharakter ein dressierter, programmierter Automat, der vorhersagbares Verhalten zeigt, als Handelsware seiner selbst...
Er wird als Arbeitskraft, als Konsument und politischer Stimmfaktor verplant. Wer einmal Normalcharakter erreicht hat, kann der Manipulation seiner Person kaum mehr entrinnen...
Die zivilisierte Gesellschaft geht weiter den Weg in die kollektive Neurose. Der Neurotisierungsprozess nimmt in der Bevölkerung ständig zu. ...
Die psychische Krankheit ist zur Norm geworden. Nur wer sich weigert, im Sinne der Norm normal zu sein, hat noch eine Chance, seine Seele zu retten."
(aus "Lassen Sie sich nichts gefallen" von Peter Lauster)
Den ersten Teil sagt die Psychoonkologin auch immer zu mir, aber ich finde, es ist auf Dauer kein großer Trost.
Mit mehreren Leuten zu Besuch bei der Mutter von jemandem, zeigt sie uns in ihrem Garten ein ganz neues, von ihr erstandenes Produkt - ein Haarschneidezelt (vielleicht auch in Hinblick auf meine lang heruntergewachsenen Haare). Man klappt und stellt es ganz einfach auf, legt sich dann hinein, den Kopf in einer Art Stufe fixiert, und ritschratsch, fitzfatz hat man einen Haarschnitt. Sie führt das alles direkt an sich vor - das Hineinquetschen in das Zelt ist vielleicht ein wenig unbequem, scheint es - doch wow, es kommt tatsächlich eine frisch geschnittene Frisur dabei heraus und sogar mit Locken, wie ich feststelle, die sie vorher nicht hatte. Die werden wohl auch gleich automatisch eingedreht. Doch obwohl das Ergebnis wirklich beeindruckend ist, lehne ich das Angebot ab, es ebenfalls zu versuchen, denn diese Frisur möchte ich selbst nicht tragen.
Seemannsschmaus: Rahm-Schellfisch-Spieß Marinierter Schweinenacken in scharfer Soße, serviert mit Sauerkraut, Schinken & Petersilie, Portweinsoße und frittierten Amandine Kartoffeln Limetten-Postet mit Keks, serviert mit frischen Beeren
Am siebenten Tag ruhte Gott und auch wir taten dies mehr oder weniger. Es fand zwar ein kurzer Ausflug durch Kirkenes und zur russischen Grenze statt, doch bis auf eine Holzhütte mit russischen Souvenirs und einen Herrn mit Rasputin-Bart, gab es dort nicht allzu viel zu sehen. Natürlich konnte man einen Blick über den Grenzfluß auf die russische Seite werfen, aber im Grunde sah es hinter dem Fluß genauso aus wie vor dem Fluß. Keine golden winkenden Zwiebeltürme, keine Baba-Jaga-Hexenhäuser, keine singenden und tanzenden Kosakenchöre, keine Balalaika-Klänge, nur in der Hütte ein paar bunte Matrjoschkas, die man kaufen sollte. Wenn ich nach Norwegen reise, kaufe ich mir aber sicher keine Matrjoschka und außerdem habe ich schon eine. Der Höhepunkt war das samische Lied, welches uns unser samischer Reiseleiter vorgesungen hat und welches ich mit meiner Kamera aufnahm.
Während der Fahrt genossen wir noch richtig viel Sonnenschein, aber am Nachmittag wurde es immer diesiger und verhangener als Vorgeschmack auf den nächsten Tag, so daß ich auch eine Foto-Pause gezwungenermaßen einlegte.
Lichtkratzer in den Serpentinen,
verzauberte Orte, und gemieden,
wo die Ölgötter die Nacht aufrissen,
die mit einer Wolkendecke rastete,
darniederlag ist das bessere Wort,
beworfen mit Schein und Sein.
Fluchend bebte und versiegte
sie - die lichterfach Zersiebte
und zerfloß in Schnelligkeit.
Hund, Ratte, Ente in Hosen! Neben Zucker ist auch Alkohol in Norwegen ein Feiertag, wurde mir mitgeteilt. Ich als Feiertag! Der Vermieter guckt etwas unsicher, wahrscheinlich, weil er mir zeigt, daß er rein überfließen mußte, sich Tropfen für Tropfen verlor, in die Kirche und sogar in den Geiranger-Fjord hinein, der relativ lang ist. Das Duft-Erinnerungszentrum massiv betäuben, um den Geruch nach Infusionen zu verlieren.
Die Anthologie dürfte auch schon im Schonwaschgang stecken. Geduld und Ungeduld haben keinen Wert an sich, man fühlt sich schnell aus dem Gedächtnis gezeichnet, inklusive zwei großer wuchender Traumblätter. Sie schleicht umher mit wirrem Blick, schleicht sie herum rund um den Plötzensee und der Mittelpunkt der Blüten erinnert an Zistrosen, die einzige noch frei laufende Mahlzeit auf diesem Planeten. Erst werden ihre Augenbrauen gezupft, dann beginnt ihre Wachsbehandlung - could it be magic?