Das Tageslicht wird immer rarer und in der Küche habe ich keine besonders helle Lampen, deshalb meinte ich, daß es mal wieder an der Zeit wäre, den kleinen Computertisch aufzuräumen, um einen Platz mit gutem künstlichen Licht zu haben. In einem Gedankenblitz kam mir außerdem der Einfall, einen kleinen klappbaren Notebookhalter in den kleinen Zwischenraum zwischen Tisch und Fenster, bzw. Heizung zu stellen, der verstaubt in einer Ecke herumstand. Gut, daß ich ihn nicht weggeworfen habe, denn er macht sich jetzt ausgesprochen super als zusätzlicher Platz für meinen großen Stiftebunker. In meiner Kindheit war es ja immer so, daß auf meinem Schreibtisch ein riesiger Berg von Krempel lag und ich auf dem Fußboden meine Hausaufgaben gemacht habe. Sooo viel hat sich daran bis heute nichts geändert, nur daß ich jetzt nicht mehr auf dem Fußboden herumkrieche. Dann doch lieber aufräumen. Stellt mir hundert Tische in die Wohnung und ich kriege sie alle voll! Ich bin jedoch nicht ganz so schlimm wie mein Bruder, denn der räumt seine Tische niemals auf, wenn er sie mal voll belegt hat und stellt auch gerne den Fußboden zu. Was aber langsam überhand nimmt bei mir und ich gerne loswerden würde, sind die Tausende von Röntgen- und MRT-Bilder, die ich inzwischen aufbewahre. Wenn ich noch eine Weile lebe und das so weiter geht, dann muß ich eine extra Garage anmieten, um sie zu archivieren. Oder ich frage im Literaturarchiv Marbach an, ob die auch gerne meine Röntgen- und MRT-Bilder sammeln möchten. Es gibt sogar welche von meinem Gehirn, aber wenn man nicht gerade Einstein ist, interessiert das wahrscheinlich niemanden.

Als ich das Krankenhaus verlasse, melde ich mich bei der diensthabenden Schwester, welche mir noch irgendwelche Informationen mit auf den Weg gibt, die ich aber überhaupt nicht verstehe. Dann befinde ich mich in einem See, in welchem ich nackt herumschwimme, was wohl Teil einer Therapie ist. Doch neben einigen anderen Leuten gibt es darin auch hölzerne Ungetüme von Fischen, die immer wieder unseren Weg kreuzen. Manchmal so groß wie ein Wal, manchmal kleiner, muß man aufpassen, nicht mit ihnen zu kollidieren, denn sie schwimmen sehr schnell, genauer gesagt schießen sie direkt durch das Wasser. Jetzt kommt ein riesiges Tier auf mich zu, welches einen Stierkopf hat, der in einen Fischkörper übergeht. Dazu steht dieser Stierkopf auch noch in Flammen - selbst im Wasser brennt das Holz gut. Schnell schwimme ich aus dem Weg, während es an mir vorüberzischt.
Interessiert schaue ich auf dem Bildschirm einem Computerspiel zu. In diesem Spiel wird jeweils von einer Schwangeren immer wieder ein neues Spiel geboren, in welchem dann weitergespielt wird. Während ich das Spiel verfolge unterhalte ich mich mit einer jungen Frau, die beeindruckend lange, schwarz getuschte Wimpern hat. Doch nicht nur das, in ihren Wimpern kleben kleine, silbern glitzernde Kügelchen, die in den Wimpern aussehen wie winzige Christbaumkugeln. Wir sind uns darin einig, daß wir auf Statussymbole oder Namedropping keinen gesteigerten Wert legen.
Wie ich gerade las,
hat der Komet mit dem vielversprechenden Namen Lovejoy, welcher Anfang diesen Jahres am Himmel zu sehen war, große Mengen Alkohol ins Weltall abgegeben. Ja, das habe ich gemerkt. Manchmal hatte ich in diesem Jahr das Gefühl, das ganze Universum ist beschwipst. Mir ist immer noch schwindelig. Ist zwar etwas früh für Jahresrückblicke, aber das sagt irgendwie alles aus. Und was Adventskalender betrifft, beschloss ich, auch etwas vorzuziehen und habe schon mal fünf Türchen des einen Teekalenders geplündert. Warum soll ich damit bis Dezember warten, wenn ich noch einen zweiten Teekalender habe? Schließlich ist jetzt ebenfalls eine gute Zeit, um Tee zu trinken. Die Ausbeute waren vier Grüntees, dreimal aromatisiert in den Geschmacksrichtungen Erdbeer-Johannisbeere, Erdbeer-Ananas und Gebrannte Mandel und einmal Matetee. Matetee mag ich überhaupt nicht. Die Grüntees sind süffig, aber nicht so lecker wie der Mango-Grüntee vom letzten Jahr. In meinem Monatshorroskop steht: "Natürlich denken Sie nicht permanent an Sex." Darauf noch einen Tee und abwarten.
Irgendjemand hat mein Baby aus der Wiege genommen und es auf den Teppich gelegt, um es dort wiederzubeleben. Doch anscheinend waren diese Bemühungen ohne Erfolg, denn jetzt ist der Säugling ganz von einem Frotteehandtuch bedeckt, so daß nicht viel von ihm zu sehen ist. Trotzdem laufe ich weiter um ihn herum und versuche mit ungeschickten Handgriffen, Leben festzustellen. Vielleicht atmet es ja doch noch? Nur langsam realisiere ich den Verlust und daß es der zweite Verlust in diesem Jahr ist. Ich kann es nicht wirklich fassen, daß mir das passiert.
Jedes Jahr bin ich schockiert darüber, wenn es plötzlich um 17 Uhr schon zappenduster draußen ist. Dabei weiß man das ja eigentlich vorher, aber irgendwie scheine ich es immer so lange zu verdrängen, bis ich unsanft daran erinnert werde, daß im Winter der Hase anders läuft. Bei Dunkelheit aktiv zu werden ist eher schwierig, bisher habe ich mich daran noch nicht gewöhnt.
Mit vollen Einkaufstüten komme ich an einer Kirche vorbei, in welcher ich einige wenige Male zu einem Chorsingen war und bleibe an der offenen Eingangstüre stehen, um meine Taschen abzustellen. Dabei erhasche ich einen Blick in das Innere und denke, daß ich Lust hätte, mal wieder mitzumachen. Doch es scheint sehr voll zu sein, einige stehen schon hinten und mit dem ganzen Gepäck von mir ist das nicht so praktisch. Deshalb überlege ich, daß es besser wäre, mir das für die nächste Woche vorzunehmen, und gehe weiter. Während ich durch ein Einkaufzentrum laufe, geht mir weiterhin das Chorsingen durch den Kopf und ich denke daran, daß man sich, wenn man regelmäßig mitmachen will, irgendwo außerhalb der Kirche registrieren lassen muß. Dies hatte ich bisher vermieden, da ich dachte, regelmäßig würde ich das nicht tun.
Dann gibt es einen Bruch im Traum und ich merke, daß ich auf dem Bauch liegend erwache. Erst glaube ich mich in meinem Bett, doch während ich noch mit geschlossenen Augen so liege, merke ich, daß um mich herum jemand hantiert und herumläuft. Ich merke auch, daß ich nackt bin und nur mit einem dünnen Frotteetuch bedeckt. Dann höre ich auf einmal ein Surren und spüre, daß mir warme Luft auf den Rücken geblasen wird, wie von einem Fön. Das ist eigentlich sehr angenehm, erinnert mich durch das Surren aber unangenehm daran, daß ich mal wieder zum Zahnarzt müßte. Und überhaupt bin ich gerade am rätseln, wo ich bin und was hier vorgeht. Schließlich schlage ich die Augen auf und schaue mich um. Eine Ärztin steht neben meiner Liege und als sie sieht, daß ich wach bin, sagt sie zu mir, daß man mir Natriumhydrogencarbonat mitgeben wird, das ich zu Hause nehmen soll. Ich rätsel immer noch, wofür und weshalb. Sie redet weiter und sagt nun wiederum, daß ich nachts kein Natriumhydrogencarbonat nehmen soll. Was denn nun? Nehmen oder nicht? Dabei zeigt sie mir ein Glas mit Brocken davon, die wie kleine Lebkuchen aussehen und sagt, daß dies meinen Rachen reizen würde. Außerdem erfahre ich, daß ich einen Hexenschuß hätte mit gleichzeitiger Einschränkung oder Störung der Niere. Ich versuche immer noch, mir einen Reim zu machen, so langsam dämmert es mir aber, daß mir wohl ein Teil meiner Erinnerung fehlen muß. Deshalb frage ich sie direkt, ob ich ohnmächtig gewesen bin. Sie verdreht die Augen und meint "Das kann man wohl sagen." Ich frage sie erneut, wo ich umgekippt bin und sie nennt einen Namen, den ich auf das Einkaufscenter beziehe. Aha. So langsam beginne ich zu verstehen, frage mich aber trotzdem, wieso ich durch einen Hexenschuß weggetreten bin.
(Ärzte und Hexenschuß - genau die richtige Wahl zum Gruseln)
'Lieben' kann ich nicht konjugieren
und unter Wasser nicht atmen,
doch ich gebe mich hin,
gebe mich weg wie einen Mantel,
der zu warm geworden ist,
bis ich alle Umlaufbahnen
verlassen habe
Hier muß ich nicht konjugieren
und nicht deklinieren
und auch nicht tauchen
Hier ist Zärtlichkeit für das Leben,
allem was es verschenkt,
jedem dieser Stürze und Flüge,
dem das ist und sein darf,
nichts muß hier gebeugt werden -
Zärtlichkeit macht alles vollkommen
Im Traum höre ich jemanden sagen, daß ich meine Grenzen überschreite, was auf mich eher einen negativen Unterton hat. Ich befinde mich nun im Wohnzimmer einer Bekannten, wo ich mit ihrer Familie Kaffee trinke. Doch bald darauf sind alle verschwunden und ich bin allein in der Wohnung. Ich frage mich, wohin sie gegangen sind und warum sie mich nicht mitgenommen haben, mache aber trotzdem keine Anstalten zu gehen. Im Grunde finde ich es sogar recht interessant, in der Wohnung ein wenig herumzustöbern. Unter anderem finde ich mehrere neue und ungeöffnete Fläschchen mit Mischungen aus Bachblüten und homöopathischen Pflanzenmitteln. Neugierig öffne ich jedes einzelne Fläschchen, denn nur so kann ich erfahren, welches Mittel genau darin enthalten ist, da sich die Deklaration in der Innenseite des Deckels befindet. Auf dem Etikett stehen immer nur zwei Vertreter des Inhalts. Gemerkt habe ich mir nicht, was da überall drin war, obwohl ich die Listen gründlich studierte. Ich weiß nur noch, daß auf einem Etikett 'Bärentraube(?) - Mohn' stand. Und als ich eines der Fläschchen öffne, ertönt mit einem Mal eine Musik, als sei sie darin eingeschlossen gewesen. Sie fängt eher klassisch an, wird aber folkloristisch und flotter und ich beginne zu tanzen. Mitten in dem vollgestellten Wohnzimmer mache ich weit ausholende Schritte und drehe mich im Kreis, habe dabei aber die Augen zu. Mir ist bewußt, daß ich jederzeit 'anecken' und mich irgendwo stoßen oder über etwas stolpern könnte, aber ich lasse die Augen trotzdem die ganze Zeit geschlossen, weil es sich so gut anfühlt. Ich weiß, wenn ich sehen würde, wohin ich tanze, würde ich ständig auf meine Umgebung achten und nur noch die Hälfte von mir und der Musik spüren. Doch es ging alles gut und ich kam ohne blaue Flecken davon.