Letzte Nacht träumte ich, dass Herr Luchterhand auf mir drauf liegt und mich küssen will. Zumindest sah er genauso aus, wie ich mir den Herrn Luchterhand vorstelle. Erst als ich ihn höflich und kühl bat, er möge doch wieder von mir heruntersteigen, hat er das getan.
Das hab ich nun von dieser dämlichen Fortsetzungsgeschichte. Jetzt kriege ich schon Luchterhand'sche Albdrücke. :-/
Wer im Kinderzimmer nicht rebelliert, tut es später auf der Straße auch nicht mehr.
Aus einer Reportage über den neuen "Kuschelkurs" der Jugend.
Auf der POLYLUX-Seite findet man übrigens einen Überlebensleitfaden für unerfahrene Berlin-Besucher.
Hier geht's lang...
statt dem Wort "Saldenanerkenntnis" eine "Seidenanerkenntnis" liest, dann ist man wohl mit seinen Gedanken gerade irgendwo hinter der Seidenstraße.
einen schweren Ast in meinen Bau zu schleppen:
Wenn ich ein eigenes Land wäre....
hieße ich "Zuckerwolkenland";
wäre meine Nationalhymne "Tanz der Zuckerfee",
würde meine Flagge aussehen wie ein bunter Schmetterling;
wäre meine Währung leichtes Papiergeld mit viel Glitzer;
wäre meine Sprache international;
wäre meine Staatsform die Demokratie;
hätte ich 333. 666.999 Einwohner;
würde meine Wirtschaft sich darauf konzentrieren, Ideen zu exportieren und Dinge für den eigenen Bedarf zu produzieren. Und jeder Einwohner ist in beide Branchen involviert;
müßte auf Papier eine Abgabe entrichtet werden;
hätte mein Klima das ganze Jahr über 20-28 Grad, wäre sonnig, ab und zu von Regen und Sturm unterbrochen und nur im Dezember würden die Temperaturen bis auf -1 bis -5 Grad abfallen, gleichzeitig gefolgt von dichtem Schneefall;
mein Nationalfeiertag wäre eine Nationalfeierwoche zur Förderung der Unbeschwertheit;
würde mein Land vom Nordkap bis zum Äquator reichen;
hätte ich die Internet-Domain .lmaa;
wäre meine internationale Vorwahl 3333;
gäbe es eine "jede Familie nur ein Auto-Regelung".
Komischer Tag das heute. Obwohl schwer aus dem Bett gekommen, war ich gleich am frühen Morgen hochmotiviert und warf mich voller Elan auf meinen Poststapel. Ich habe dann auch so besessen gearbeitet, dass ich haufenweise weggeschaffte, wahrscheinlich so viel, wie andere in einer Woche. Doch ab Mittag hing ich plötzlich total in den Seilen, wie ausgepowert, was ich zum Anlaß nahm, etwas eher zu gehen und mal wieder dem Baumarkt einen Besuch abzustatten. Dort kaufte ich schon mal Farbe und Pinsel, und außerdem andere Utensilien, die man unbedingt braucht, wie Kleiderbügel, Gläser, einen neuen Klorollenhalter, eine Steckdosenleiste und zwei Halogenspots in dunklem Purpurrot - meinem Lieblingsrot.
Der ganze Tag war irgendwie sehr hektisch und telefonlastig, dieses klingelte am laufenden Band, fast wie in alten Zeiten, und ständig kam jemand und wollte irgendwas. Zum Beispiel meine Chefin, die jetzt schon wissen wollte, ob wir Interesse an einer Weihnachtsfeier haben. Ich hab sie angeschaut und meinte: "Ich weiß ja nicht mal, ob ich Weihnachten noch da bin." (weil ich im Moment immer nur Monat für Monat verlängert werde). Darauf erklärte sie, darüber mache sie sich keine Sorgen, da ich für eine Kollegin eingesetzt bin, die befristete EU-Rente erhält, und sie halte es eher für unwahrscheinlich, dass diese irgendwann wiederkommt. (Nun ja, ich würde mich nicht darauf verlassen.)
Als ich zu Hause war, musste ich an meinen Kumpel denken und überlegte, ob ich anrufen soll, da klingelte es schon im selben Augenblick und er war dran. Das war mal wieder Gedankenübertragung. Irgendwie scheinen zur Zeit alle im Einrichtungsfieber zu sein. Ob das an der kommenden Mehrwertsteuererhöhung liegt? Jedenfalls sind Nachbarn im Haus am Einrichten, ich und meine Mutter sowieso, und mein Kumpel will sich jetzt auch eine neue Küche zulegen. Außerdem berichtete ich ihm natürlich, wie es meinem Vater geht und da erzählte er, das eine Bekannte von ihm, die früher manchmal mit dabei war, wenn wir die Diskotheken unsicher gemacht haben, Darmkrebs hat. Es wurde ziemlich spät entdeckt, so dass sich schon Metastasen gebildet hatten und sie haben ihr den halben Darm und die Gebärmutter rausgenommen. Vor kurzem hatte sie außerdem eine Chemotherapie. Sie wird dieses Jahr gerade erst 40. (Komisch, jetzt, wo ich selbst darauf zugehe, schreibe ich "erst" und finde das jung. Früher dagegen hielt ich es zwar nicht für alt, aber auch nicht mehr für jung.)
Irgendwie habe ich ja die Befürchtung, dass sich diese Horrornachrichten mit zunehmenden Alter noch häufen werden, bis man dann dazu übergeht, sich darüber zu unterhalten, wer zuletzt gestorben ist.
Ich habe mich mit M. für den 9.9. zu einem Ausflug nach Potsdam verabredet. Darauf freue ich mich schon.
wieder den Sonnenblumenhausmeister vor dem Fahrstuhl getroffen. Er fragt mich, ob ich mit ihm in den Keller komme. "Nee" sage ich, "mit dir komme ich nicht in Keller." har har
Wir kann nicho beglaubigen die Bitte die Email-Adresse es gewüsst hätte besorgen.
Bitte, schreiben Sie das email und korrekt Schlüssel von Zugang und wieder holen machen.
Ich nicho machen rufen email. Lieber besorgen worttransmitter und anstrengen sich zu telefonieren nach hause.
Ich fragte den Diener Leo, warum das wohl so sei, daß die Künstler manchmal nur wie halbe Menschen erschienen, während ihre Bilder so unwiderleglich lebendig aussähen. Leo sah mich an, verwundert über meine Frage. Dann ließ er den Pudel los, den er auf dem Arm getragen hatte, und sagte: »Bei den Müttern ist es auch so. Wenn sie die Kinder geboren und ihnen ihre Milch und ihre Schönheit und Kraft mitgegeben haben, dann werden sie selber unscheinbar, und es fragt niemand mehr nach ihnen.«
Bei meinem Plan, so etwas wie eine Geschichte der Morgenlandfahrt zu schreiben, sehe ich allerdings den Egoismus mit jedem Tage deutlicher: zuerst schien mir, als unternähme ich da eine mühevolle Arbeit im Dienst einer edlen Sache, aber mehr und mehr sehe ich, daß ich mit meiner Reisebeschreibung nichts andres anstrebe als Herr Lukas mit seinem Kriegsbuch: nämlich mir das Leben zu retten, indem ich ihm wieder einen Sinn gebe.
Endlich vermochte er sich aber doch nicht länger zu verbergen und zu drücken, sein Leid wurde zu groß, und ihr wisset, sobald das Leid groß genug ist, geht es vorwärts......
Verzweiflung ist das Ergebnis eines jeden ernstlichen Versuches, das Leben mit der Tugend, mit der Gerechtigkeit, mit der Vernunft zu bestehen und seine Forderungen zu erfüllen. Diesseits dieser Verzweiflung leben die Kinder, jenseits die Erwachten.
(aus "Die Morgenlandfahrt" von Hermann Hesse)
HIER kann man die nach dem persönlichen Feng Shui günstigsten Himmelsrichtungen herausfinden. Ich habe schon immer gewußt, dass der Süden meine Glücksrichtung ist.
Allseits begann man mich wohl aufzugeben, das unvermeidliche Los dessen, der sich selbst aufgibt.
Heiterkeit, das ist das Wort für ihn, allmählich sah ich auch, woher sie kam: Er durchschaute die Leute, vor allem sich selbst, und hatte Spaß daran, nicht Ekel, wie Panthoos.
Doch Furcht alleine hält die Götter nicht, sie sind sehr eitel, man soll sie auch lieben; der Hoffnungslose liebt sie nicht.
(aus "Kassandra" von Christa Wolf)
Habe mir gerade das Remake von King Kong angeschaut und muss sagen, dies ist ein Film, bei dem ich bereue, ihn deshalb nicht im Kino gesehen zu haben, weil ich "Jurassic"-Filme und Remakes in der Regel stinklangweilig finde, insbesondere, wenn beides zusammentrifft. Im allgemeinen bin ich froh, dass die Dinosaurier ausgestorben sind und ich mir aussuchen kann, ob ich mir eine Eintrittskarte für zähnebleckende Riesenechsen kaufe oder nicht. Doch diesmal muss ich zugeben, dass das Remake, zumindest für meine Begriffe, tatsächlich das Original übertrifft. Als ob ich es geahnt hätte, erlebt man mitten im Film ein neues Jurassic, in welchem die Filmcrew von rasenden Sauriern verfolgt wird, bzw. mit ihnen vor anderen Sauriern flieht. Die Flucht endet schließlich in einer riesigen Saurier-Massenkarambolage. Auch erstaunlich viel andere Fauna, die nicht nur dem Erdfrühzeitalter, sondern anderen Filmen entsprungen scheint, kann man in dem Streifen erleben. Da gibt es zum Beispiel Riesen-Raketenwürmer, Riesen-Spinnen, Riesen-Moskitos, Riesen-Fledermäuse, Riesen-Kellerasseln, Riesen-Tausendfüssler und eine Kakerlake, die Filmregisseur ist. Das alles verzeihe ich dem Film, da ich wirklich noch nie so gut animierte Viehcher jeder Art gesehen habe. Bei den meisten Filmen kann man im Bild erkennen, dass es Trick ist, es sieht teils zusammengeschnipselt oder seltsam "eckig" aus, aber in diesem Film ist alles wie aus einem Guß, nichts erscheint hineinmontiert oder unecht. Das einzige, was in dem Streifen ein wenig deplaziert zwischen den vielen Jurassic-Sauriern wirkt, ist "der Pianist", aber irgendwie gibt er der Geschichte gerade deshalb etwas Besonderes. Und die teilweise sehr Hollywood-Musical-klischeehaften "Liebesszenen" zwischen Kong und dem Mädchen vergebe ich ebenfalls, einfach deshalb, weil es wirklich großartige und sehr gut gemachte Unterhaltung ist. Leider ist auch diesmal kein Happy-End für Kong drin, so dass es doch gut war, dass ich den Film nicht im Kino gesehen habe.....
PS: Im übrigen bin ich weiterhin ganz froh, dass das Zeitalter der kreischenden Frauen endlich beendet ist. Die nerven mich in den alten Filmen immer ungemein.
Gerade gefunden: ein großes Online DDR-Lexikon unter
http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl.
Interessant z.B. der Artikel über Medikamentenmißbrauch in der DDR, mir gut bekannt, allerdings nur aus Hörensagen.
http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Medikamentenmissbrauch
Ich habe mir letztens so ein kleines Audiofunksystem gekauft und heute ausprobiert. Ich kann damit super toll die mp3, die ich auf dem Computer abspiele, auf meiner Surroundanlage anhören. Das ist gut, denn der Ton meines Notebooks ist miserabel. Auf der Anlage ist der Klang 1A. Außerdem kann ich CDs, die ich auf dem Radiorecorder in der Küche abspiele, damit auf der Anlage im Wohnzimmer hören. Das ist auch gut, weil mein DVD-Player noch immer und wahrscheinlich für ewig den Dienst verweigert. Natürlich könnte ich die CD genauso auf dem Notebook abspielen. Aber einen großen Haken hat die ganze Sache - eigentlich wollte ich es genau umgekehrt haben. Ich hatte gehofft, damit die digitalen Kulturradios, die ich nur über den Kabelreceiver empfange, wie Bayer4Klassik, WDR, NDRKultur, die ich sehr gerne höre, auch an anderen Empfängern und Orten, wie Küche, kleines Zimmer usw. hören zu können. DAS geht nun leider nicht, weil die Empfangsstation einen Cincheingang haben muss und den haben mein Notebook und mein Radiorecorder nicht. Aber mich wundert irgendwie gar nichts mehr, denn so ist es ja meistens mit der Technik - man kriegt immer das, was man eigentlich nicht wollte und braucht.
Außerdem nervt mich dieser Blog hier langsam tierisch, also nicht der Blog an sich, sondern die Fein Freiheiten der Blogtechnik. Das hat mich schon von Anfang an beim Layoutgefrickel genervt, aber dann hatte ich nach dem großen Rausschmiß und Stunden des Bastelns endlich ein neues Zuhause und irgendwie habe ich keine große Lust, dieses schon wieder zu verlassen, um umzuziehen. Bereits in den ersten Wochen hier ist mir aufgefallen, dass irgendwas mit den Ping- und Feeddingensda nicht funktionieren kann und das Häkchen in den Einstellungen anscheinend nur eine Attrappe ist. Denn trotz gesetztem Häkchen wurde von meinem Blog nie irgendwas gepingt, so dass ich irgendwann anfing, fleißig (ist gelogen, nur ab und zu, da ich noch Besseres zu tun habe) zumindest Technorati manuell zu pingen. Auch der Feed scheint irgendwie eine Macke zu haben, denn gewisse auf dem Feed beruhende Applikationen und Seiten funktionieren nicht. Zum Beispiel wird nach einem Update meine neu zugelegte Tagwolke nicht mehr angezeigt, was nachweislich nicht am Server liegen kann, wie ich erst dachte, und auch bei Blogbox erscheinen keine Feeds. Also beim alten 20six hat sowas von alleine funktioniert, da brauchte man sich gar nicht drum zu kümmern. Ich will ja nicht jammern, und zuerst fand ich es auch ganz nett, hier so gewissermaßen halb versteckt in der Blogosphäre vor mich hinzuschreiben, ohne seltsame Besucher, die in mir die Wiedergeburt einer einstigen Geliebten zu finden glauben, die meine Seele retten und mich mit dem Heiligen Geist, der in Zungen spricht, bekehren wollen, oder die meinen Blog archivieren. Aber irgendwie reicht es langsam - es macht nicht wirklich Spaß in einem Haus zu leben, wo die Fenster klemmen und die Schlösser an den Türen vor sich hinrosten, selbst wenn man glaubt, sie nicht zu brauchen.
Bin nach der Arbeit mal auf eine kleine Tour um den Potsdamer Platz. K., die Freundin meines Bruders, hat mal in einem Immobilienbüro eines Typen gearbeitet, der am Sony-Center jede Menge Wohnungen besitzt und diese für horrende Preise vermietet. Aber ich muss ehrlich sagen, 1-2 Stunden in diesem Gewühl und ich bin froh, wenn ich wieder in meiner Rentner-Siedlung bin. Überhaupt ist dies ein unschätzbarer Vorteil meiner Wohnung - wenn ich in die eine Richtung fahre, lande ich mitten im Getümmel, und in der anderen Richtung bin ich genau so schnell mitten in den Feldern. Im Prinzip könnte ich sowohl in die Stadtmitte, als auch in die städtischen Vororte laufen, allerdings kommt mir der Weg in die Stadt hinein immer sehr viel länger vor. Außerdem habe ich heute das erste Mal gesehen, dass jetzt schon in den Bahntunneln Werbung geschaltet wird. Da fährt man mit hundert Sachen einen schwarzen Tunnel entlang und auf einmal saust am Fenster so ein halbnacktes Wrangler-Girl auf einem Bildschirm an einem vorbei. So schnell kann man gar nicht weggucken, aber man sieht auch nicht viel. Immerhin habe ich den Firmennamen mitbekommen, also funktioniert es wohl.
Bevor Herr Luchterhand ging, machte er mir den Vorschlag, einen der Schränke vor die Stelle mit dem Fleck zu rücken, der nun wie eine riesige schwarze Spinne an der Wand lauerte.
Wenn die sowieso da stünden, fiele die Wand dahinter ja nicht mehr auf. Eigentlich waren die Schränke nicht für diese Wand vorgesehen, aber in meiner Ratlosigkeit nickte ich nur. Hauptsache, dieses Monstrum war weg. In gemeinsamer Anstrengung zerrten wir gleich beide Möbelstücke hinüber. Danach verabschiedete sich Herr Luchterhand und ich blieb nur wenig beruhigt zurück. Fast schien es, als würde der Fleck, nun, da ich ihn nicht mehr beobachten konnte, in meiner Fantasie noch unheimlicher und größer zu werden. Krampfhaft versuchte ich mir, sein Bild wieder vor Augen zu projizieren. Ich fühlte mich nicht wohl und fröstelte leicht, obwohl es eine warme Nacht war. Das Zimmer hatte sich in der Sonne des Tages enorm aufgeheizt und noch war einiges von der Hitze darin gefangen. Sie hätte ausgereicht, um jedem den Schweiß aus den Poren zu treiben, und der Schweiß lief tatsächlich in kleinen Rinnsalen meinen Körper hinunter, jedoch hatte ich unerklärlicherweise dabei das Gefühl eisiger Kälte um mich herum. Ich wusste schon jetzt, dass es eine unruhige Nacht werden würde, dabei sehnte ich mich nach wirklich tiefem Schlaf.
Noch vor dem Morgengrauen wachte ich auf und glaubte eine Hand gespürt zu haben, die meinen Hals umfasste, danach schlief ich unruhig weiter, Bilder von grotesken Formen verfolgten mich, die sich aus winzigen Verstecken hervordrängelten. Und wieder erschien ein Gesicht über mir, das mir inzwischen fast vertraut ist, doch diesmal wollte sich stets der Anblick einer blonden, attraktiven Frau davorschieben, ihren Mund missmutig verziehend. Das Glitzern der Perlenohrringe bricht sich in hohen Kirchenglasfenstern und das Licht von Kerzen flackert trostlos in der Dunkelheit. Eine barsche Stimme spricht: „Bring mir das Zarengold! Bring mir das Zarengold oder du hast dein Leben verwirkt!“ Ich versuche zu antworten, doch nur ein Krächzen entringt sich meiner Kehle, bis es mir gelingt die Worte zu formen: „Ich weiß nichts vom Zarengold.“
„Schweig! Deine Großfürstin Sophie Alexejewna befiehlt es dir!“ Sie kommt näher und näher, ich blicke in graue, bösartige Augen, in welchen sich kleine Kerzenflämmchen wie das unbezwingbare Feuer der Hölle spiegeln.
Ich erwachte von dem kalten Schauder, der sich trotz erhöhter Zimmertemperatur und Überdecke von den Zehenspitzen bis in die Haarfollikel meiner Kopfhaut hinein ausbreitete. Als ich mit meiner Hand über die Augen rieb, war diese so blutleer, dass sie sich fast fremdartig anfühlte, weshalb ich sie schnell wieder auf das Bett fallen ließ. Sofort war mir klar, dass ich den Traum diesmal nicht mehr übergehen konnte. Irgendetwas musste er bedeuten und „Sophie Alexejewna“ – war das nicht der Name, den ich schon beim letzten Mal gehört hatte? Wollte mir jemand etwas mitteilen? Eine Sophie Alexejewna?
Doch was hatte ich mit ihr zu tun und wer war sie überhaupt? Moment mal, sie hatte heute noch mehr gesagt. „Großfürstin“ und „Zarengold“ – hört sich nach Russland an. In einer plötzlichen Eingebung sprang ich aus dem Bett und suchte in den Bücherstapeln nach dem dicken Geschichtslexikon mit Personenregister. Als ich es nicht fand, klappte ich das Notebook auf und wartete ungeduldig am unaufgeräumten Küchentisch, mit meinen nackten Beinen wippend, bis es sich schwerfällig nach oben gefahren hatte.
Tagebucheintragung vom 23.08.1979
Heute habe ich Olgalein, wir waren gerade bei einem Einkaufsbummel in den Rathaus-Passagen und haben nach einem Paar toller neuer Schuhe (hochhackige Pumps mit Goldapplikation) für sie angestanden, gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, mit mir zusammenzuziehen. Sie hat genickt und ist weggegangen, um sich eine Grilletta zu holen.
Unmengen von Spatzen umschwärmten sie, als sie auf dem Platz ihr Brötchen verfütterte.
Sie sah so niedlich aus in dem hellblauem Hosenanzug und mit den zu einem Zopf gebundenen blonden Haaren.& Als sie wieder zurückkam, schimpfte sie mit mir, weil wir noch nicht an der Reihe waren und ich tröstete sie. Ein bisschen ungeduldig ist sie ja manchmal und mir fällt immer häufiger auf, dass sie eine etwas verletzende Art an sich hat, mit mir zu reden. Ab und zu werde dann richtig wütend, diese Aggressivität, die dabei in mir aufsteigt macht mir Angst, deshalb lasse ich mir nichts anmerken. Aber eigentlich hat sie recht. Ich bin wirklich zu dumm.
Zum Beispiel im Schuhgeschäft, als sie verschiedene Schuhe anprobierte – einige davon machten keinen sehr haltbaren Eindruck und als ich die Schuhfachverkäuferin danach fragte, fuhr Olga mir über den Mund, ich solle still sein, ich verstünde nichts davon. Zur Verkäuferin meinte sie, sie solle gar nicht hinhören, ich rede den ganzen Tag nur Müll. Dieser Blick, bzw. Nichtblick – ich kann ihn nicht beschreiben – er bohrt sich in mein Herz. Nun ja, ich verstehe wohl tatsächlich nicht viel von Schuhen. Aber warum muss sie so mit mir und über mich vor anderen reden? Ich tue das doch auch nicht. Mit mir hat sie es wahrscheinlich nicht leicht und ich liebe sie, deshalb will ich geduldig sein. Ich werde mir nicht anmerken lassen, wie sehr es mich verletzt und einfach meine unintelligente Klappe halten. Sie kann sowieso viel besser reden als ich.
Jedenfalls freue ich mich riesig, dass wir bald eine gemeinsame Wohnung haben werden. Dann kann ich Tag und Nacht mit ihr zusammen sein und wir werden alles, Freud oder Leid, miteinander teilen. Ich wüsste gerne, ob sie sich genauso darauf freut wie ich, aber leider ist sie mir bisher bei dieser Frage immer ausgewichen. Egal! Es wird traumhaft werden, da bin ich sicher. Und an ihre kleinen Macken werde ich mich bald gewöhnen, wobei es ja eigentlich nicht ihre sind, sondern meine, denn ich bin es doch, der sich so dusselig anstellt. Ich werde mir viel Mühe geben mich zu bessern, damit sie keinen Grund mehr hat, mit mir böse zu sein.
„Du hast doch eben aus einer Dachluke geschaut?“
„Ja, das habe ich. Ich hatte wie gesagt etwas gehört und rausgeschaut.“
„Und was ist mit meiner Wand? Hast du damit etwas zu tun?“
Klaus schaute mich groß an und fragte: „Was ist mit deiner Wand?“
„Das gleiche, was ich dir heute schon erzählte, nur dass es jetzt wieder da ist, obwohl ich es überstrichen hatte. Du glaubst gar nicht, wie ich mich erschreckt habe.“
Herr Luchterhand kaute an einem seiner Finger und wirkte sehr nachdenklich. „Und deshalb bist du durchgedreht?“ Die Frage hatte die Betonung einer Feststellung.
„Ähm, ja, ich weiß nicht...“ stotterte ich verwirrt und drehte verlegen an einer Haarsträhne, versuchte mich zu erinnern, wie es dazu gekommen ist, „da war noch so viel anderes.“
„Was denn?“ Die nackte Glühbirne warf einen hellen Fleck auf den nackten Boden, während dessen die Schatten aus den Ecken krochen.
„Ich hatte den Eindruck, du spionierst mir hinterher. Ich habe doch gemerkt, wie du immer an deiner Tür standest oder einmal von der Treppe heruntergeschaut hast, als ich im Hausflur war. Auch das Treffen heute halte ich nicht für einen Zufall.“
Herr Luchterhands Ohren bekamen eine ungesunde purpurne Farbe, doch er nickte mir zu, wobei er die Augen schloss. „Stimmt, tut mir leid. Ich habe mir einfach Sorgen gemacht.“
„Aber warum denn, verdammt noch mal? Ich werde aus deinem Gerede nicht schlau.“
Statt zu antworten bat er mich, sich die Wand anschauen zu dürfen. Gemeinsam stiefelten wir zu meiner Wohnung hinab, deren Tür noch immer weit offen stand. Ohne jede Regung starrte er auf den grauen Fleck, schien über etwas nachzusinnen, fern mit seinen Gedanken.
Plötzlich schaute er hoch, sein Blick fiel auf das kleine Püppchen, das noch immer auf dem Fensterbrett saß. Er nahm es und wieder glaubte ich seine Gedanken auf eine weite Reise gehen zu sehen. So abwesend, wie er war, fragte ich mich innerlich, was es wohl bei diesen Sachen so viel nachzudenken gäbe und sogleich beantwortete er die Frage, indem er vollkommen ernst behauptete: „An irgendjemanden erinnert mich diese Puppe.“
Ich erwiderte nichts, hielt das für unnötig, zumal ich nicht verstand, dachte jedoch gleichermaßen an meine spontane Namensgebung. Ihm eine Stuhl in der Küche anbietend, bat ich ihn gleichzeitig um völlige Offenheit und eine umfassende Erklärung, sowohl des Ursprunges seiner Sorgen als auch seiner Worte. Mit einem Glas Grapefruitsaft in seinen Händen überlegte er, vielleicht darüber, wie er am besten beginnen solle, und räusperte sich.
„Weißt du, es ist so – ich wohne schon sehr viele Jahre in diesem Haus. Und früher, das war noch mit meiner Partnerin, wohnten wir hier in deiner Wohnung. Nachdem Olga verschwunden war, zog ich einige Jahre darauf in die andere daneben, weil die etwas kleiner und preiswerter ist.“
„Eha.“ sagte ich, nicht wirklich sicher, was ich davon halten sollte.
„Und das Kuriose ist, dass der Mieter, der danach in dieser Wohnung lebte, ebenfalls verschwand.“
Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, doch meinen Lippen entrang sich nur ein schwaches „Aha.“. Dann legte ich noch mit einem trockenem „Soll das jetzt ein Scherz sein, oder was?“ nach.
Er schüttelte den Kopf. „Nein, es ist kein Scherz. Es war wirklich so. Er war von einem Tag zum anderen verschwunden und seine Möbel und Sachen befanden sich noch alle in der Wohnung. Das wurde allerdings erst Wochen später bemerkt, als wir, die Mieter des Hauses, ihn schon ziemlich lange nicht mehr gesehen hatten.“
Ich glaubte das einfach nicht, wollte es nicht glauben, und dennoch fühlte ich mich seltsam beunruhigt. „So was gibt es gar nicht. Es können doch nicht gleich zwei Leute, die in derselben Wohnung lebten, völlig unabhängig voneinander verschwinden. Das ist doch Unsinn.“
„Verstehst du jetzt, warum ich mir Sorgen mache?“ erwiderte er langsam und mit überdeutlicher Betonung, zwei große Schlucke aus dem Glas hinterhernehmend.
„Zufällig war dieser Mieter, als er verschwand, ebenfalls beim Renovieren.“
In meinem Kopf wirbelte alles durcheinander. Sollte ich das ernst nehmen? Und wenn ja, welche Rolle spielten dann die Wand und die Puppe in dieser Geschichte? Ich konnte beim besten Willen keine logischen Zusammenhänge erkennen, aber zum Denken war ich sowieso viel zu aufgewühlt. Und zwar so sehr, dass ich anscheinend nicht mitbekommen hatte, wie ich die Frage laut vor mich hinsagte.
„Jetzt weiß ich es!“ platzte Herr Luchterhand heraus, „Diese Puppe erinnert mich an jenen Mieter, merkwürdig......“
Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Mich erinnerte sie an Robert, also wer weiß, was ich davon halten durfte. Dann bemerkte ich, dass Herr Luchterhand irgendwie in sich zusammengefallen war und fast verzweifelt wirkte. Er machte auf mich den Eindruck eines kleinen Jungen, der seinen Haustürschlüssel verloren hat und sich nun bemühte der Schelte zu entgehen, indem er ihn wiederfindet. Er schien tatsächlich etwas verloren zu haben, nur war es nicht der Schlüssel.
„Es ist so seltsam. All diese Jahre alleine ist mir, als lebe ich in einem Traum. Ich habe ständig das beängstigende Gefühl, etwas sehr Wichtiges vergessen zu haben, doch so viel ich auch nachdenke, mir fällt nichts ein. Es ist wie ein Traum, in dem man sich an einen Traum zu erinnern versucht.“ Seine Worte verhallten leise in der Nacht, welche vor dem geöffneten Fenster noch immer ihr schwarzes Samt über der Stadt ausgebreitet hatte.
Ich dagegen starrte weiter dem verloschenem Stern hinterher, nur von blitzartig vorbeischießenden, sich vor dem schwarzen Himmel noch schwärzer abhebenden Flatterviehchern in meinen Gedanken unterbrochen, als ich auf einmal ein dumpfes Geräusch von oben hörte. Verwirrt schaute ich zu dem im Sternenlicht dunkelsilbern leuchtendem Blechdach gleich neben der großen Schubkarre hinauf, doch konnte nicht ausmachen, woher das Knarren und Scharren kam. Für einen kurzen Augenblick hatte ich den Eindruck, dass aus einer der Dachluken der Umriss eines Kopfes hing, der sich sofort wieder zurückzog. Endlich merkte ich, dass das Knarren aus dem Zimmer kam und als ich hineingegangen war, hörte ich deutlich Schritte über mir auf dem Dachboden. Rastlos liefen sie kreuz und quer über mich hinweg, während die Balken unter ihnen ächzten und wankten. Normalerweise war der Dachboden immer abgeschlossen und nur der Hausmeister hatte einen Schlüssel.
Mit einem leisen Klicken machte ich Licht im dunklen Zimmer und erstarrte augenblicklich wie vom Donner gerührt. Ein noch durchsichtiger grauer Fleck breitete sich wie das Delta eines breiten Flusses über die erst gestern mit Farbe übertünchte Wandstelle aus.
Ich spürte eine leise Panik in mir aufsteigen, die mich fast handlungsunfähig machte, so dass ich mehrere Minuten reglos verharrte. Dabei spürte ich, wie sich nicht nur die feinen Härchen meiner Arme, sondern auch die an meinen Beinen senkrecht aufstellten. Erst die Schritte über mir, noch immer ruhelos, brachten mich zur Besinnung. Ich weiß nicht, ob das, was ich tat, logisch war – das mögen meine inzwischen mit Recht ungeduldigen Leser entscheiden -, jedenfalls tat ich es, rannte Hals über Kopf aus der Wohnung, sie weit geöffnet zurücklassend, sprintete die Treppe hinauf und fiel sozusagen mit der Tür in den Dachboden.
Herr Luchterhand schaute mich mit großen hellen Augen an, als ich, ich kann mich selbst nur noch sehr schwach an diesen Moment erinnern, auf ihn zuraste und ihn am Kragen packte: „Du perverser Spanner! Du mieser A....., lass mich endlich zufrieden, hörst du! Ich weiß nicht, was du hier oder in meiner Wohnung oder im Keller machst, warum du es machst, was du damit bezweckst, aber ich sage es dir das letzte Mal: Hör auf damit!“
Klaus Luchterhand war reichlich blass um die Nase geworden und fühlte sich unter meinen Händen an, wie ein nasses Plüschtier, dass man hin- und herbiegen konnte, soviel man wollte. In meinem Zorn hörte ich kaum sein leises Stimmchen, mit welchem er sich betroffen versuchte zu rechtfertigen: „Ich habe doch gar nichts gemacht!“
„Ha! Denkst du ich merke nicht was du tust? Es ist ja nicht zu übersehen, vor allem in meiner Wohnung, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie du das anstellst!“
„Ich weiß gar nicht, wovon du redest, ich...ich...habe nichts getan, außer hier nach dem Rechten zu sehen.“
Seine vollkommen überraschtes Gestammel brachte mich wieder zu mir und sofort kam ich mir leicht dämlich vor. Meine Hand löste sich von seinem Kragen, als wäre sie nicht meine und ich trat einige Schritte zurück, um sie wie ein unbenötigtes Werkzeug irgendwo zu verstauen. Nun erst begann ich zu zittern und mich an der Wand abstützend, ließ ich mich auf den abgewetzten Holzfußboden plumpsen, wo ich einige Minuten schweigend saß.
Als ich mich gesammelt hatte, fragte ich sehr viel leiser, doch mit jeder Menge Skepsis in meiner Stimme, ob es wahr ist, was er sagt. Herr Luchterhand nickte und wie, um seine Erklärung nochmals zu unterstreichen bestätigte er wieder, dass er nur zufällig hier oben sei, weil er etwas gehört habe und ansonsten nicht wisse, wovon ich da eben geredet habe.
Heute - ich stand gerade an meiner Heimatstraße, in welcher es alle 50 m eine Tankstelle gibt, und wartete an der Ampel - kamen ein weiblicher und ein männlicher Tramp winkend auf mich zugelaufen, beide schwarzhaarig und weißgesichtig, mit großen Rucksäcken und einem Pappschild in den Händen, auf welchem "Hamburg" mit schwarzem Filzmaler geschrieben war, und fragten mich in gebrochenem Deutsch nach einer Tankstelle. Zufällig befanden wir uns just in diesem Moment vor einer, wie man sich dort eigentlich fast überall vor einer befindet, weshalb ich etwas befremdet mit meinem Finger hinter mich zeigte. Da stellte sich allerdings heraus, dass sie, aus welchem Grund auch immer, eine andere Tankstelle wollten. Weil mir vor Schreck keine andere einfiel, zumal ich ja gewöhnlich keine Tankstellen frequentiere, schickte ich sie bis an das Ende der Straße und zur nächsten großen Kreuzung, obwohl es zwischendrin ebenfalls genug Tankstellen gibt. Aber egal - nach Hamburg ist es jedenfalls schon mal die richtige Richtung....