Alien
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Montag, 21. August 2006

...

1.) Was liest du gerade?
Wie immer mehreres gleichzeitig:
Kassandra
Die Prophezeihungen von Celestine
Der Barfußdoktor

2.) Welches Buch hat dich zuletzt stark beeindruckt?
Medea von Christa Wolf

3.) Sammelst du irgendetwas?
Nö, nicht wirklich. Ein paar Muscheln, ein paar Steine, ein paar Federn, aber die nehme ich auch wieder als Geschenke zu irgendeinem Ort mit.

4.) Schreibst du Widmungen in Bücher?
Nur in welche mit eigenen Texten, aber das sehr ungern und nur wenn jemand unbedingt darauf besteht.

5.) Schreibst du deinen Namen in deine Bücher?
Nö, ich krakel, male und schreibe zwar gerne Bücher voll, aber nicht mit meinem Namen (und nicht mit Widmungen*gg*).

6.) Welches Buch hast du doppelt?
Beim Ordnen meines neu eingeräumten Bücherregales musste ich feststellen, dass ich das Buch "Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags" doppelt besitze (aber in zwei verschiedenen Ausgaben). Inzwischen habe ich eines meiner Mutter geschenkt.

7.) Von wem würdest du dir gern was vorlesen lassen?
Von Billy Idol, egal was... *ggg*

8.) Sitzt du im Kino lieber am Rand oder in der Mitte?
Mitte

9.) Welche ist deine liebste Romanfigur?
Harry Haller, der Steppenwolf

10.) Nach welchem System ordnest du deine Bücher daheim?
Das ist schwierig - vorrangig nach Themen, aber da ich nicht viel Platz habe, muss ich auch nach der Größe gucken (außerdem sieht's nach Größe besser aus *gg*)

11.) Lesen: Vor dem ins Bett Gehen oder nach dem Aufstehen?
Früher habe ich abends im Bett noch gelesen und oftmals probiere ich es auch heute, aber leider komme ich im Bett meist nur zwei Sätze weit, bevor ich eingeschlafen bin, weshalb ich es lieber lasse und tagsüber lese. Das aber in der Regel nur am Wochenende, weil ich nach der Arbeit beim Lesen auch immer einschlafe.

12.) Welches Buch würdest du deinem größten Feind schenken?
"Krieg und Frieden"

13.) Hardcover oder Paperback?
Mir egal, Hauptsache es hält.

14.) Zeitung aus Papier oder im Netz?
Nur noch sporadisch im Netz, Zeitungen aus Papier fasse ich schon seit Jahren nicht mehr an.

15.) Von welchem Buch bist du zum ersten Mal so richtig gefesselt worden?
Also das wirkliche erste Mal wird in der Kindheit gewesen sein, ich glaube, es war eines der Wolkow-Bücher, aber nach meiner Kindheit war es wohl "Rheingold".

16.) Deine liebste Literaturverfilmung?
Die James-Bond-Filme *gg*

17.) Tägliche oder wöchentliche Pflichtlektüre?
Akten.

18.) Bevorzugte UrlaubslektüreSemesterferienlektüre *g*?
Dicke Romane und esoterische Sachbücher

19.) Bester Romantitel ever?
"Schnee, der auf Zedern fällt" inspiriert mich immer ungemein, allerdings habe ich das Buch noch nicht gelesen.

20.) Welches Buch sollte jeder Mensch gelesen haben?
"Der Steppenwolf" von Hermann Hesse

Wieso Füllwörter so anhänglich sind....

Es gibt in einem Text großgeschriebene Wörter oder die von innerer Größe und Poesie, die aus sich selbst heraus in ihrer Einzigartigkeit leuchten, denen so gut wie jeder Lesende und Schreibende ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen läßt, wenn nicht gar Bewunderung, und es gibt da diese völlig unscheinbaren und nichtbeachteten Worte, die keiner bemerkt und die trotzdem stets irgendwo herumfleuchen. Was macht man in einem Fall ständiger Mißachtung? Was tun Kinder, wenn sie von ihren Eltern nicht beachtet werden? Sie zupfen immer aufdringlicher an deren Hosenbeinen und schrauben ihre feinen Stimmchen quengelig hinauf bis zu einem ungeahnt schrillen, sirenenartigem Geheul.
Wen will es wundern, wenn diese kleinen übersehenen Worte noch raffinierter und penetranter um den geplagten Schreiber herum scharwenzeln, sich ständig durch Masse versuchen in den Vordergrund zu drängen, teils, indem sie laut "HIER!" schreien, teils, indem sie die stille Machtübernahme eines Textes planen und völlig unbemerkt durch die schleichende, vielfache Okkupation scheinbarer Lücken und unwichtiger Posten erfolgreich ausführen. Fast könnte man darin sogar eine Form politischer Strategie erkennen: die wenigen Großen repräsentieren, während eine graue Masse ungesehener Elemente das eigentliche Gerüst bildet und die Macht hat, den gesamten Text in das Verderben zu führen. Vielleicht würde es ja helfen, wenn wir den Füllwörtern einfach etwas mehr Aufmerksamkeit und Liebe widmen?
Also wie wäre es also, wenn wir dem ALSO unseren Respekt für seine treuen Dienste zollen? Dann geben wir dem DANN unsere Hand und beglückwünschen es zu seiner fast unersetzlichen Präsenz. Dem IMMER versprechen wir immer wieder eine immer währende Freundschaft, und dem GERADE sagen wir gerade heraus, dass wir ihm gerade einen Heiratsantrag machen wollten. Auch das AUCH sollten wir nicht vergessen, denn schmückt es sich mit einem großen B haben wir auch gleich den allerschönsten Bauch - wenn das keine fantastische Idee ist! Und eigentlich finde ich, dass das EIGENTLICH in seiner sowohl sprachlich gefälligen dreisilbigen, als auch schriftlich gedrängten Form, einen Preis in Wortdesign erhalten sollte, eigentlich sogar den ersten. Schon höre ich das SCHON mit den anderen flüstern und auf einmal sitzen sie brav in einer Reihe und warten glücklich lächelnd auf ihren nächsten verantwortungsvollen Einsatz.

Toll!

Wenn eine meiner Kolleginnen heute zu mir meint, dass mich alle für viel jünger gehalten haben, dann lasse ich mir das ja noch gefallen, wobei ich sagen muss, dass ich das durchaus gemerkt habe.
Irgendwie ist es wohl mein Schicksal, die ewige Praktikantin zu sein, bzw. dafür gehalten zu werden.
Doch wenn sie dann zu mir marschiert kommen und mir viel Arbeit wünschen, dann hänge ich mir am besten eine Knoblauchkette um und kreuze meine Finger hinter dem Rücken. Selbst meine Chefin fragte entsetzt: "Was redet ihr denn da?"

Unternehmensidee

Schönen doppelten Geburtstag bei K. mit Blick über Berlin verlebt. Eigentlich ist für dieses Jahr auch ein Ausflug geplant, allerdings erst im Herbst und als Ziel ist jetzt Rheinsberg im Gespräch.

Doch bevor ich heute bei K. war, hatte ich noch eine Begegnung der dritten Art. Eine rundliche ältere Frau kommt an der Bushaltestelle auf mich zu, gerade als der Bus um die Ecke biegt, hält mir ihr Handgelenk und ein goldenes Kettchen hin und bittet mich, ihr das Armband umzumachen, da sie es selbst nicht hinbekommt - "Hauptsache, wir bekommen den Bus noch." setzt sie hinzu.
Ich also mit meinen Wurschtfingern versucht, den winzigen Verschluß aufzukriegen und noch rechtzeitig um ihren Arm zu schließen. Zum Glück ging das auch schnell und problemlos, sie bedankte sich fast überrascht, aber insgeheim fragte ich mich, was das soll. Ich meine, wenn ich an einer Bushaltestelle stehe und ein Armband nicht alleine geschlossen bekomme, dann stecke ich es in die Tasche und gut ist. So wichtig ist so ein Armband ja nun auch nicht.
Überhaupt werde ich nie verstehen, warum solche Leute immer ausgerechnet zu mir kommen. Da können hundert Menschen um mich herum stehen oder gehen, aber jeder steuert schnurstracks auf mich zu, wenn er irgendwas will. Es ist, als hätte ich ein rotes I auf der Stirn für INFORMATION oder ein A für AUSKUNFT. Und es ist wirklich teilweise seltsam, was manche wollen. Das ist nicht nur die normale Auskunft nach U-Bahn-Stationen, Straßennamen, Wegstrecken, oder die Bitte Geld zu wechseln, nein, da soll man außerdem Rollstuhlfahrer durch die Gegend kutschieren, denen das Selbstfahren zu anstrengend ist, man soll Einkaufsberatungen durchführen und solche Fragen beantworten, ob Grütze flüssig sein darf oder fest sein muss und was man sich zum Abendessen machen soll, und jetzt wollen sie auch noch Anziehhilfe.
Vielleicht sollte ich ein eigenes Gewerbe eröffnen und mich mit einer neuen Unternehmensidee als mobile Straßen-Anlaufstelle in Auskunfts-, Beratungs- und allgemeinen Dienstleistungsangelegenheiten selbständig machen.

Sonntag, 20. August 2006

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Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
(Franz Kafka)

Freitag, 18. August 2006

Sie blühten nur einen Tag....

Da komme ich ahnungslos in mein neues Zimmer und was muss ich sehen? Ein buntes Sommertupfenmeer vor dem Fenster! Gestern war es noch nicht da und morgen wird es wieder weg sein, denn die wenigen einzelnen Blüten, die sich bisher an den grünen Pflänzchen, welche ich aus im Frühjahr ausgesäten Samen großgezogen habe, gezeigt haben, sind schon nach einem Tag wieder in sich zusammengefallen. Es scheint eine fröhliche Eintagsblume zu sein.

Die andere Seite (dahinter)


Die andere Seite (dahinter)
Originally uploaded by Weltentanz - Fluchtpunkte im Blickwinkel.

Donnerstag, 17. August 2006

Nachdem ich letzte Woche das Fotobuch

reklamiert hatte, habe ich heute die Antwort erhalten, dass eine Gutschrift erstellt wurde, aber eine Neuproduktion nicht möglich ist. Ich müßte nochmals den ganzen Bestellvorgang durchlaufen.
Wenn es aber beim ersten Mal nicht geklappt hat, ist mein Vertrauen irgendwie futsch, dass es beim zweiten Mal fehlerfrei ist, ganz abgesehen davon, dass es bis zum Sonntag sowieso nicht mehr zu schaffen ist. Notgedrungen habe ich deshalb schon letzten Sonntag ein Buch als Geburtstagsgeschenk bestellt, welches ich als Weihnachtsgeschenk vorgemerkt hatte. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich das mit dem Fotobuch nochmal bei einem anderen Fotoservice versuchen soll, zumal ich beim Recherchieren nicht viele mit einer großen Auswahl an Fotobüchern und Gestaltungsmöglichkeiten gefunden habe.

Mittwoch, 16. August 2006

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Ich habe mir gerade die CD mit den mantrischen Gesängen aus Judentum und Islam angehört, die ich beim Ausmisten von den Sachen meines Vaters gerettet habe, und finde sie wunderschön. Ein richtiges kleines Juwel. Verstehe gar nicht, warum meine Mutter sie nicht behalten will, aber ich habe sowieso den Eindruck, dass sie beschlossen hat, sich nur noch auf Roger Whittaker zu beschränken, denn den hört sie Tag und Nacht. Allerdings würde ich für die CD trotzdem nicht so unverschämte Preise bezahlen, wie bei Amazon angegeben. Das muss sich wohl um einen Fehler handeln.

Salam Shalom

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Hab gerade mal wieder den Sonnenblumenhausmeister getroffen - er lief mir gleich in den Fahrstuhl nach und meinte zu mir, ob es schlimm gewesen wäre, wenn er neulich über den Hof gebrüllt hätte. Ich gucke dumm aus der Wäsche und frage: "Wie jetzt?", da erzählt er, dass er mich von seinem Küchenfenster aus auf dem Balkon gesehen und überlegt hat, was wohl passieren würde, wenn er jetzt "Blondie" zu mir hoch ruft. Er dachte sich dann, dass das wohl keine so gute Idee wäre und ich stimmte ihm darin uneingeschränkt zu. Das fehlte mir noch, dass er jedesmal, wenn er mich auf dem Balkon beobachtet, "Blondie" über den ganzen Hof schreit. *grusel*

Dienstag, 15. August 2006

Is ja 'nen Ding....

Da finde ich heute einen (weißen) Brief im Briefkasten mit dem Absender einer Apotheke aus meiner Nähe. Ich denke "Was wollen die denn von mir?" und finde im Umschlag eine Geburtstagskarte mit Geburtstagsglückwünschen. Das Lustige ist, dass ich bei dieser Apotheke bisher nur ein einziges Mal war, weil ich normalerweise immer zu einer anderen gehe, um meine Medikamente zu holen, aber von denen habe ich bisher noch nie eine Geburtstagskarte bekommen. Bei dem einzigen Mal müssen sie sich wohl gleich die Daten auf dem Rezept gekrallt haben und außerdem ist in der Karte auch noch der Gutschein für ein kleines Geschenk abgedruckt, welches man angeblich für mich bereit gelegt hat. Wer weiß was das ist - wahrscheinlich 'ne Probe Franzbranntwein zum Einreiben.*gg*

Im übrigen möchte ich, wenn auch völlig unwichtig, anmerken, dass ich, obwohl ich eigentlich kein Apfelkuchen-Fan bin, gerade eben drei Stück eines überaus köstlichen Spezies dieser Art gegessen habe und durchaus noch mehr davon vertragen könnte.

Montag, 14. August 2006

Astro-Zwillinge - geboren am 20.August mit Löwe-Aszendent

1. Benjamin Harrison, 20. Aug. 1833, 04:04, North Bend -OH-, USA
(G) Politiker, (Aszendent Löwe)
2. Andre Latarjet, 20. Aug. 1877, 05:00, Dijon -21-, F
(G) Mediziner, (Aszendent Löwe)
3. Gaston Le Morvan, 20. Aug. 1908, 03:30, Lambezellec -29-, F
(G) Sportler, Fliegerei (Aszendent Löwe)
4. Cesare Luporini, 20. Aug. 1909, 05:30, Ferrara, I
(G) Philosoph; 'Weiser', (Aszendent Löwe)
5. Charles Minter, 20. Aug. 1925, 05:25, Columbus -GA-, USA
(G) Militär, General (Aszendent Löwe)
6. Roger Miquel, 20. Aug. 1898, 05:00, Cahors -46-, F
(G) Militär, (Aszendent Löwe)
7. Ludwig Pösl, 20. Aug. 1903, 03:00, Scheinfeld -BAY-, D
(G) Politiker, (Aszendent Löwe)
8. Salvatore Quasimodo, 20. Aug. 1901, 04:10, Modica -RG-, I
(G) Schriftsteller, 1959 Nobelpreis für Literatur (Aszendent Löwe)
9. Hans Quest, 20. Aug. 1915, 04:00, Herford -NRW-, D
(G) (Film-) Schauspieler, (Aszendent Löwe)
10. * Gerves, 20. Aug. 1920, 06:00, Macon, F
(G) Nicht einzuordnende Fälle, Geheimagent (Aszendent Löwe)
11. Slobodan Milosevic, 20. Aug. 1940, 03:20, Pozarevac, YU
(G) Politiker, (Aszendent Löwe)
12. Arda Brokmann, 20. Aug. 1950, 05:30, Haarlem, NL
(G) (Film-) Schauspieler, (Aszendent Löwe)


Ist das jetzt eine Bildungslücke, dass ich außer Milosevic niemanden davon kenne? Und dass Milosevic mein sozusagen doppelter Astro-Zwilling ist, habe ich bisher auch noch nicht gewußt. Er hat sogar wie ich eine Sonne-Mars-Konjunktion. *urghs*
Überhaupt sind verdächtig viele Leute aus Politik und Militär dabei. *grusel*

Hier findet man die Zwillinge: http://www.astro.com/horoskop

"Ein richtiges Zimmer"

Ich ertappe mich nicht nur in letzter Zeit immer wieder dabei, wie ich mich freue, wenn ich mein kleines, neu eingerichtetes Zimmer betrete und dabei in Gedanken die Worte meines Kumpels wiederhole: "Ein richtiges Zimmer!". Damit hat es die Bewandnis, dass er das Zimmer nie gesehen hatte, wenn er bei mir war (wozu auch, da ja nur Nähmaschine, Leiter, Staubsauger und ein paar Kisten drin standen) und er mich einmal fragte, warum er nie in diesen Raum darf. Er unkte bei der Gelegenheit scherzhaft herum, dass ich vielleicht eine SM-Folterkammer in dem Zimmer verstecke oder meine verflossenen Liebhaber, fein säuberlich aufgereiht. Als er mir vor einigen Monaten als Telekommunikations-Fachmann geholfen hat, den DSL-Splitter und anderen DSL-Krempel mit einem selbstgebastelten Kabel in dieses Zimmer zu verlegen, bekam er es das erste Mal zu Gesicht, hielt die Luft an, als er es betrat, und meinte übertrieben erstaunt: "Ein richtiges Zimmer!" Und diesen Ausspruch wiederhole ich selbst nun regelmäßig, weil ich es immer noch so toll finde, dass ich nun ein bewohnbares zweites Zimmer habe, ja, ich habe mich sogar letztens dabei erwischt, wie ich mich an den Schreibtisch gesetzt habe, um einen Brief zu schreiben, und es war super.

Natürlich ist es noch nicht endgültig fertig, weil gerade provisorisch das Sideboard darin steht, welches später in das Wohnzimmer soll, und außerdem suche ich dringend einen passenden Drehstuhl (im Moment steht da nur ein alter Küchenstuhl) für meinen neuen Computer-Schreibtisch. Nun möchte ich aber nicht irgendeinen Drehstuhl, wer mich besser kennt, der weiß, dass Frau Zucker zweifellos ganz genaue Vorstellungen über ihren künftigen Thron hegt, und wie immer scheint diese Vorstellungen niemand mit mir zu teilen, denn das, was ich haben möchte, ist selbst in der kapitalistischen Marktwirtschaft unauffindbar. Zum einen frage ich mich, warum Bürodrehstühle meistens Schwarz oder Blau sein müssen. Glücklicherweise findet man ab und zu auch ein paar andersfarbige, da ist die Auswahl dann aber schon rar gesät. Und die Farbe, die mir vorschwebt, nämlich ein helles Beige, Elfenbein oder Weiß, scheint an Schreibtischen nicht sehr gefragt zu sein. Ich habe jetzt insgesamt nach monatelangem Recherchieren ganze vier Modelle ausgemacht. Leider sind diese Drehstühle aber Chefsessel, das heißt, sie haben eine extrahohe Lehne mit Kopfteil. Nicht dass ich mich nicht gerne wie ein Chef fühlen würde, aber in dem kleinen Zimmer, wo der Sessel sozusagen mittendrin und vor dem Fenster steht, ist das einfach zu wuchtig, schließlich soll ja auch noch ein bißchen Licht hineinfallen. Sucht man einen normalhohen bequemen Schreibtischstuhl in dieser Farbe, findet man nix mehr. Außerdem soll das Gestell des Stuhles nicht aus schwarzem Plastik sein - ich finde weiße Polster und ein schwarzes Plastikgestell sind eine schauderhafte Kombination -, sondern aus elegantem Stahl. Insgesamt soll der Stuhl bequem und gesund für den Rücken sein, aber auch nicht zu officemäßig aussehen, sondern gemütlich. Nun finde oder erfinde mal jemand so etwas! Langsam habe ich den Verdacht, ich muss auch noch anfangen, meine eigenen Stühle zu entwerfen und herstellen zu lassen. Und damit bewahrheitet sich einmal mehr, was ich schon zu DDR-Zeiten geahnt habe, nämlich dass an dem geflügelten Spruch "Drüben gibt's alles!", den man damals bei jeder Gelegenheit von anderen auf die Nase gebunden bekommen hat, nicht wirklich viel dran ist. Es gibt zwar in der Tat jede Menge mehr Schund, aber eben nicht ALLES und schon gar nicht immer das, was man sich als Frau mit gehobenen Design- und Qualitätsansprüchen wünscht. Damals habe ich es unterlassen, meinen Zweifeln über die oberflächliche Behauptung Ausdruck zu verleihen, um keine bösen Blicke zu ernten, wenn ich die Produktvielfalt des Westens in Frage stelle (was keinesfalls bedeutet, dass ich die DDR-Wirtschaft besser fand oder was gegen den Westen hatte, aber ich habe schon in jungen Jahren eine Abneigung gegen irreführende Verallgemeinerungen und Schubladendenken gehabt).
Nun ja, vielleicht geschieht noch ein Wunder und irgendwo, irgendwann, läuft, bzw. rollt mir mein angestrebtes Sitzmöbel über den Weg. Vorsichtshalber habe ich schonmal das Universum eingeschaltet, denn diese Bestellungen klappen in der Regel ganz gut.

Inzwischen merke ich, dass ich immer hibbeliger werde, wenn ich an meinen Urlaub denke. Ich stehe sozusagen bereits in den Startlöchern für einen neuen Kraftakt und kann mich kaum noch bremsen, obwohl mir auch ein bißchen davor graut, was mich in fünf Wochen für neuer Stress erwartet. Doch umso mehr freue ich mich jetzt schon auf die Freude danach, wenn ich mich ebenfalls in meinem Wohnzimmer endlich wieder wohlfühlen kann.

Sonntag, 13. August 2006

Neuer Einsatz des Räumkommandos

Heute war wieder Ausmisten bei meiner Mutter angesagt. Ich glaube, wir haben da noch zwei Jahre lang zu tun und was wir alles finden ist echt ein Ding. Mal abgesehen von bergeweise Büchern und CD's sind das Tausende von leeren Videokassetten, die mein Vater aber fein säuberlich nummeriert hat. Da sonst nichts weiter drauf steht, habe ich schon geunkt, dass das wohl die Pornofilme sein werden. Mein Bruder und K. haben sie zum Auslegen im Seniorenzentrum mitgenommen, wollen vorsichtshalber jedoch vorher nochmal reinschauen, damit sie keine Strafanzeige an den Hals kriegen wegen Verbreitung jugendgefährdender Filme. Weiterhin fanden wir eine ganze Kiste voller Taschenmesser, hundertfuffzig Batterietester, fast ebensoviele Kopfhörer, haufenweise Uhren (als ich ihn das letzte Mal zu Hause gesehen habe, hat er ja auch immer vier Armbanduhren gleichzeitig getragen), und allen möglichen billigen Tand, den er irgendwo mal als Werbegeschenk bekommen hat, unter anderem einen Alien-Schlüsselanhänger und ein Plastik-Skelett. Dann gibt es da auch noch diese netten exotischen Sachen, wie Gongs, Siegelringe, Spieluhren mit Tänzerinnen, jede Menge Murmeln, Kreisel und eine aserbaidchanische Puppe. Die Spielsachen hat K. bisher immer für ihre kleine Enkeltochter mitgenommen, unter anderem schon eine Batterie von Kuscheltieren, und die Kleine kommt aus dem Staunen nicht mehr raus, was ihre Oma ihr ständig für tolle Dinge mitbringt. Aber so haben sie wenigstens noch wirklich einem Nutzen und verstauben nicht in irgendwelchen Schränken. Außerdem haben wir noch eine ganze Kiste voller Räucherstäbchen gefunden. Die haben wir uns aufgeteilt und ich habe mir den steinernen Räucherstäbchenhalter mitgenommen, sowie jede Menge Briefbeschwerer für meinen neuen Schreibtisch - Glaskugeln, ägyptische Pyramiden und eine Edelsteinpyramide. Weiterhin fand ich ein Kugelschreiber-Set in Holzoptik, das ich ebenfalls zu schade fand, um es wegzuschmeißen.

Meine Mutter wirft jetzt rigeros auch Berge von CD's raus, sogar richtig schöne CD's mit Weltmusik aus allen möglichen Ländern. Ich habe mir davon schon einige CD's mit indischer, arabischer und japanischer Musik rausgesucht, heute vier CD's mit gregorianischen Gesängen, tibetanischer Tempelmusik und jüdischen Gesängen. Die CD's, die sonst keiner haben will, werden alle im Seniorenzentrum ausgelegt und K. meint, die finden dort reißenden Absatz, allerdings nicht so reißenden, wie die Bücher mit den nackten Frauen. Nachdem die Alkoholiker-Selbsthilfegruppe getagt hatte, waren diese innerhalb von Minuten weg.
Überhaupt die vielen Bücher. Mein Cousin hat letzte Woche vier Wagenladungen davon zum Altstoffhändler gefahren und für alle Ladungen zusammen 1, 50 € bekommen. Das reicht nicht mal für den Sprit, der dabei drauf geht. Deshalb werden die Bücher, die niemand haben will, ebenfalls entweder ausgelegt oder kommen in die Mülltonne. Teilweise sind ja sehr alte Bücher dabei, aus dem 18./19. Jahrhundert, und es ist anzunehmen, dass einige davon für Liebhaber und Sammler ziemlichen Wert besitzen, aber wenn man damit zum Antiquariat geht, bekommt auch nur 'nen Euro in die Hand gedrückt. Das lohnt den ganzen Aufwand nicht und schließlich hatten wir nicht vor, ein neues Handelsunternehmen zu eröffnen. Wir haben schon alle einen Job.
Meine Mutter hatte heute zwei große Stapel Bücher für mich rausgelegt, von denen sie meinte, dass ich von denen vielleicht welche haben will - unzählige Wälzer über Literaturgeschichte, Literatur- und Theaterkritik, Stilkunden aus allen möglichen Jahrzehnten usw. Ich habe mir als einziges davon nur den wirklich dicken Wälzer "Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen" mitgenommen, der zum Nachschlagen ganz brauchbar zu sein scheint. Wenn man die ganzen anderen Bücher lesen wollte, müßte man wahrscheinlich dreihundert Jahre leben, damit man überhaupt zum Schreiben kommt, falls man es dann noch kann und nicht wie paralysiert von dem ist, was andere sagen, wie man schreiben soll und sich damit unter jene einreiht, die über ihre Schreibblockade jammern.

Im übrigen hatte K. wohl eine sehr gute Pflaumenernte, denn sie hatte eine Kiste voll selbstgemachter Pflaumenmarmelade dabei, die sie an uns verteilte.
Drei Gläser davon und ein Teller voll frischer Pflaumen stehen jetzt bei mir zu Hause.

Samstag, 12. August 2006

Spielen mit einem Hund

Große Bälle, kleine Bälle, Murmeln und bunte Seifenblasen, die jedoch nicht ich geblasen habe, um mich herum, während ich mit einem zottigen, hellbraunen, ziemlich stattlichem Hund spiele, der auf putzige Weise und mit unglaublicher Energie umhertollt und den Bällen hinterherjagt, die ich ihm zuwerfe, oder nach den Seifenblasen springt. Lachen. Doch war das nicht ein Schulzimmer, in dem ich mit ihm tobte?

Kugel:
Die Kugel ist seit jeher ein Symbol für Vollständigkeit und Ganzheit und von daher ein stets positiv zu deutendes Traumbild. Durch die Kugel und alle kugelförmigen Gebilde wird im Traum stets eine psychische Antriebskraft verbildlicht. Der Traum von einer Kugel oder ähnlichen Formen wie Ball und Kreis drückt den Wunsch nach seelischem Gleichgewicht und Überwindung von Gegensätzen des Träumenden aus. Sie wird wie der Kreis, doch noch dynamischer, gewertet. Oft umschreibt sie den guten Kern des Träumers und seine Beziehung zur Umwelt, die sich erfreulich gestalten könnte. Der Traum von einer Kugel hat Macht und Würde zum Thema. Der Träumende spürt in sich die Kraft, eine lebenswerte Zukunft zu gestalten. Um diese Aufgabe zu bewältigen, muß der Träumende Verständnis aufbringen und sich eine globale Sichtweise aneignen. Spirituell: Auf der spirituellen Ebene symbolisiert die Kugel im Traum den Wunsch des Träumenden nach Ganzheitlichkeit. Sie ist Sinnbild des idealen Universums und der himmlischen Vollkommenheit.

Seifenblasen:
Vielleicht sind Seifenblasen im Traum ein Ausdruck des kindlichen Bedürfnisses, Spaß zu haben. Andererseits machen Seifenblasen dem Träumenden die vorübergehende Natur des Glücks und seine Sehnsucht nach Illusionen bewußt. Seifenblase symbolisiert die Vergänglichkeit; das bezieht sich meist auf Erwartungen, Hoffnungen oder Illusionen, die nicht erfüllt werden.

Hund:
Was immer im Traum mit dem Hund geschieht, er stellt die Triebhaftigkeit als solche dar. Als Angsttier im Traum ist der Hund oft nur die Umschreibung des eigenen schlechten Gewissens. Wo er uns begleitet, hält der Instinkt uns wach; wo er angekettet ist oder gequält wird, brodeln im Unbewußten Minderwertigkeitskomplexe, die im Wachleben hochkochen. Spirituell: Auf der spirituellen Ebene ist der Hund im Traum der Führer in die Unterwelt.
Mit dem Hund spielen bedeutet, daß man seine Gegner überwinden wird.
europ.: mit einem spielen: es stehen beträchtliche Gewinne und treue Freunde in Aussicht

Vor dem Urknall

Durch die Kombination von Quantenphysik mit der allgemeinen Relativitätstheorie konnten Ashtekar und zwei Mitarbeiter ein Modell entwickeln, das die Entwicklung unseres Universums durch den Urknall zurückverfolgt:

http://www.astronews.com/news/artikel/2006/05/0605-011.shtml

Ich finde diese Neuigkeiten aus der wissenschaftlichen Forschung ja immer ungemein spannend. Sie vermitteln eine unter die Haut gehende Heiligkeit, zumindest mir geht es so, weshalb ich Wissenschaft noch nie als unreligiös oder gar als Gegensatz zur Religion empfunden habe, denn so viel auch entdeckt und erkannt wird, es entstehen immer neue Fragen und Rätsel, die (ja, gerade die) als Ergebnis zu der letzten Erkenntnis führen, dass jedes Mysterium der Bestandteil eines noch größeren Mysteriums ist. Deshalb glaube ich, dass es nie ein endgültiges Wissen geben wird, sondern es, so lange die Menschheit etwas sucht, auch stets Neues zu finden geben wird. Obwohl ich manchmal über die Arroganz und den Dogmatismus einiger Wissenschaftler und ihrer Institutionen lächeln muss, so lache ich doch genauso über die Arroganz und den Dogmatismus mancher Gläubigen und ihrer religiösen Instutionen und Vereinigungen, egal welcher Religion sie angehören. Das Ego macht weder vor den einen noch vor den anderen halt (auch nicht vor Künstlern, wo es oft sehr stark aus geprägt ist - aber die sind ein eigenes Völkchen für sich), sondern kreiert, wenn es zugeschlagen hat, aus fragwürdigen Fakten einen persönlichen Glauben, der keine anderen Meinungen neben sich akzeptieren kann, weil dies dem Eingeständnis gleichkäme, dass nichts sicher ist. Dennoch ist mir in mancher Hinsicht die Wissenschaft mit ihrer bemühten und tiefgehenden Suche nach Wahrhaftigkeit, sowie dem Versuch der Schaffung einheitlicher Diskussionsgrundlagen lieber, als die teilweise sehr oberflächlichen und blind übernommenen Behauptungen mancher Glaubensrichtungen, wobei ich nicht nur die großen meine, die schlimmstenfalls anderen sogar unter Androhung von Strafe als Glaubenssatz aufgedrängt werden.

Und was die Meldung oben betrifft - warum sollte das Universum vor dem Urknall nicht dasselbe wie unseres gewesen sein? Das würde der Theorie von dem sich ausdehnenden und wieder zusammenfallenden Universum entsprechen, welche mir persönlich besonders gut gefällt, weil ich mir das Universum wie ein riesiges pochendes Herz vorstelle, dessen einzelner Herzschlag Abermilliarden von Jahren dauert. Vielleicht existiert hinter dem Universum noch etwas viel Größeres, etwas für das Milliarden Jahre nur so lang sind, wie für uns der Schlag unseres eigenen Herzens im Vergleich zu unserem Leben.

Freitag, 11. August 2006

Mein Elternhaus - Die Kirche

Natürlich spielten wir auch gerne neben der Kirche, an die sich ein kleiner Park anschloß, was aber unsere Eltern nicht gerne sahen. Sie wollten lieber, dass wir uns auf dem Hof aufhielten.
Die Kirche war so etwas wie ein spannendes Geheimnis und nur zu gerne, wären wir in alle ihre dunklen und unheimlichen Winkel gekrochen, um uns wie Helden zu fühlen und wohlig zu gruseln. Leider ging das nicht, weil sie meist geschlossen war und wir sie wie alle anderen in der Regel nur im Gottesdienst sahen. Um so eindrucksvoller war es für mich, wenn mein Vater als Pfarrer mich manchmal mit in die leere Kirche nahm, falls er dort etwas zu erledigen hatte oder der Kantor an der Orgel übte.
Die echte Kirche, die ich von meinen frühesten Erinnerungen her kenne, war ziemlich furchteinflößend, weil zum einen immer dunkel, vielleicht kam mir das auch nur so vor, und zum anderen mit einem wirklich gigantischem hölzernem Jesus an einem noch gigantischerem Holzkreuz ausgestattet. Und dabei handelte es sich um keine realistische oder gar verklärte Darstellung, sondern um ein expressionistisch anmutendes grobes menschliches Gebilde mit riesigen Augen, einem verzerrtem Gesicht, eckigen und kantigen Gliedmaßen und einer schweren, stachligen Dornenkrone, alles aus dunklem purem Holz, ohne jede Bemalung. Wahrscheinlich kam er mir kleinem Zwerg noch riesiger und furchteinflössender vor, als einem Erwachsenen und dennoch frage ich mich auch heute noch, wieso man in eine kalte, düstere Höhle mit diesem gräßlichen Anblick eines leidenden Menschen gehen soll, um Gott zu ehren.
Sollte bei aller Demut und Nachdenklichkeit ein Gottesdienst nicht auch fröhlich sein? Welcher wahre Gott wird sich durch bedrückte und furchtsame Menschen geehrt fühlen? Welche Mutter sieht ihre Kinder lieber weinen anstatt lachen?
Vielleicht ist dies der Grund, dass ich mich in der Natur Gott sehr viel näher fühle - sie kann grausam sein, aber auch schön, sie ist alles in einem, in ihr findet man alle Facetten Gottes.
Und doch mochte ich schon damals die Klänge der Orgel, die wie ein Wind zu mir herunter brausten, um mich herum und bis unter das Dach hinauf wehten, meinen Körper durchdrangen und in meinem Kopf etwas vibrieren ließen, ein Licht, das aus reinen Tönen bestand.
Früh schon in meiner Kindheit habe ich das große Kirchenschiff nie wieder gesehen, weil es wegen Bauarbeiten gesperrt wurde und die Gottesdienste in der kleinen Kapelle, die innerhalb der Kirche in einem Anbau lag, stattfanden. Diese war sehr viel freundlicher und heller, aber auch weniger beeindruckend. Erst nach der Wende wurde die Kirche nach den endlich abgeschlossenen Bauarbeiten wieder geöffnet. Im übrigen habe ich unzählige Male gegen die Kirchenmauern gepinkelt, weil sie, von dichtem Gestrüpp umstanden, bequemer waren als der Weg auf das Klo, aber das nur nebenbei.

Die Kirche war mindestens so unheimlich wie der Keller unseres Hauses, in dem wir ausnahmsweise nicht spielten, da er immer verschlossen war. Allerdings habe ich mich auch nie besonders wohl dort gefühlt. Dem Gebäude entsprechend war er ebenfalls ziemlich groß. Man stieg erst eine schmale Treppe hinab, die in einen ebenso schmalen und sehr langen dunklen Gang mündete, der genau unter dem Hinterhaus entlang führte. Am Anfang und am Ende befanden sich dicke Stahltüren mit Gucklöchern, da der Keller im Krieg natürlich als Luftschutzraum gedient hatte, und ich löcherte meine Mutter jedesmal mit Fragen über die Türen, wenn wir dort unten waren. Nachdem man durch diesen Gang gelaufen war, gelangte man in ein geräumiges, quadratisches Flurstück, von welchem nun im gleichen Winkel wie das Haus noch einmal ein langer dunkler Gang abging.
Diesen mußten wir glücklicherweise nie betreten, da unser Keller sich genau am mittigen Flurpunkt befand, allerdings war das gähnende schwarze Loch des unbeleuchteten Einganges um so gruseliger. Ich kann mich erinnern, dass ich mich lieber zusammen mit meiner Mutter in unserem Kellerraum aufhielt, der im übrigen riesig war und voller Gerümpel, als davor zu warten, wozu sie mich manchmal aufforderte. Denn da draußen sah ich immer allerhand unheimliche Gestalten und Dinge aus dem schwarzen Gang auftauchen, die sich bei Licht besehen als hervorstehende Brettertüren oder ähnliches entpuppten.

So wie jeder Ort meiner kindlichen Heimat mit anderen Erinnerungen verknüpft ist, so sind es auch die Jahreszeiten, die ich dort erlebte.
Zeitig im Frühjahr entdeckten wir im Wäschegarten die ersten Schneeglöckchen, danach die Hyazinthen und Maiglöckchen. Ihnen wurde stets besondere Aufmerksamkeit zuteil, vielleicht weil sie die Boten des nahenden Sommers waren.
Die Sommer waren das Schönste und ein Fest für uns Kinder. Endlich nicht mehr dick einmummeln, auf der Wiese herumtollen, unendlich lange Tage draußen verbringen und unserer Phantasie wurden nun keine Grenzen mehr gesetzt. Der Sommer ist für mich verbunden mit dem silbernen Rauschen des leichten Windes in den hohen Pappeln, mit der Stille der am Himmel vorbeiziehenden Wolken und mit dem so sehnsüchtig und wie aus weiter Ferne klingendem Ruf der Türkentaube.

Im Herbst verwandelte sich unser Haus in ein Farbenmeer. Denn, während es zur Straße hin eine gediegene, graublaue, bürgerliche Fassade hatte, war das Hinterhaus über und über bis zum Dach mit Weinranken bewachsen. Bevor ihre Blätter abfielen verfärbten sie sich knallig rot und als Kind habe ich besonders leuchtende Blätter oft aufgehoben, manchmal wurden auch welche in das Küchenfenster geweht, und wie einen Schatz bewundert. Außerdem hatten es uns die zusammengekehrten Laubhaufen angetan. Wir ließen uns gerne in sie hinein plumpsen oder bewarfen uns gegenseitig mit Armen voller Blätter, bis vom Laubhaufen nicht mehr viel übrig war. In einer Ecke des Kindergartenspielplatzes befand sich ein kleiner, durch einen niedrigen Holzzaun abgetrennter Verschlag, wo das Laub, sowie Erde neben einem Baum gelagert wurde. An dem Baum befand sich eine kleine Höhle, wo die zweite Hofkatze, mit der ich mich angefreundet hatte, einen Wurf Junge bekommen hatte. Um sie zu besuchen, kletterte ich über den Zaun direkt auf den schon festgetrampelten Haufen. Einmal hatte ich einen Lutscher dabei und um die Hände für die Kätzchen frei zu haben, steckte ich ihn mit dem Stiel hinter mir in die Erde. Als ich mich nach einer Weile umschaute, ich wollte wieder daran lutschen, sah ich so einen kleinen Racker von Kätzchen, das sich von den anderen weggeschlichen hatte, und während ich abgelenkt gewesen bin, fleißig an meinem Lolli leckte.
Leider verschwanden alle Katzennester schon nach kurzer Zeit, was mich heute nicht mehr wundert, weil M., mit dem ich zusammen spielte, es ebenfalls sofort mitbekam, wenn irgendwo Katzen waren und es wahrscheinlich dann auch gleich seinem Opa, dem Hausmeister erzählte.
Dieselbe Katze, die sich ab und zu in unserer Wohnung aufhalten durfte, bekam eines Tages auf dem Fernsehsessel einen weiteren Wurf Junge, drei an der Zahl. Meine Mutter trug sie vor Schreck alle auf die Wiese des Wäschegartens, doch die Alte packte eines nach dem anderen am Schlawittchen und trug sie wieder vor unsere Wohnungstür. So ging es eine Weile hin und her, meine Mutter schwitzte schon Blut und Wasser bei der Vorstellung, vier Katzen in der Wohnung zu haben, als die Alte es schließlich aufgab und bei den Kleinen auf der Wiese blieb. Irgendwann unterhielt sich meine Mutter darauf mit dem Hausmeister und er meinte kopfschüttelnd zu ihr, er habe es noch niemals erlebt, dass eine Katze ihre Junge auf der Wiese bekommen habe. Ich selbst vermute ja, dass er sich absichtlich ahnungslos gestellt hat, denn so oft wie die Katze mit ihren Jungen im Maul über den Hof und in den Hausflur hinein gewetzt ist, war es wohl kaum zu übersehen, woher sie kamen. Mir selbst tat es in der Seele weh, die Kleinen so schutzlos auf einer Wiese ausgesetzt zu sehen, weshalb ich mit den anderen Kindern ein Zelt für sie baute. Doch bald waren auch diese Katzen verschwunden.

Mit dem Herbst ist für mich ebenso das Geräusch der auf das Dach des kleinen Schuppens, in welchem die Spielgeräte des Kindergartens lagerten, knallenden Kastanien verbunden.
Der Winter zeichnete sich vor allem durch Kälte aus - unser Bad wurde nur mit einem kleinen Gasheizer dürftig erwärmt, meist war es eisig, insbesondere die Klobrille, und dekorative Eisblumen bedeckten das ganze Fenster. Auch die Küche war nur notdürftig beheizt und durch den kleinen Korridor, an den Küche und Bad angrenzten, zog es wie Hechtsuppe wegen der undichten hinteren Eingangstür.
Die anderen Zimmer hatten zwar Kachelöfen, kühlten aber durch ihre Größe schnell wieder aus. Mit dem Winter verbinde ich vor allem den in der Nase ätzenden Geruch voller Ascheeimer und qualmender Öfen, aber ebenso die wohlige Hitze, welche diese am Abend abstrahlten und die mir im Bett die Füße wärmte. Und natürlich das vollkommen ungehemmte und verschwitzte Herumtollen im Schnee. Ein echter Grißlibär kennt eben keine Kälte.( http://weltentanz.twoday.net/stories/2120854/ )