Meine erste Physiotherapeutin leitet im Traum einen Mal- und Bastelzirkel, der immer freitags um 12 Uhr nach Arbeit bzw. Fachhochschule in ebendieser stattfindet. Ich sitze dort gerade mit ihr und anderen um einen großen, rechteckigen Tisch. Es ist bereits dreiviertel eins ohne daß der Zirkel begonnen hat, als ich plötzlich völlig spontan aufstehe, meine Sachen zusammenpacke und sage, ich könne heute nicht. Sie ist ziemlich verärgert, zumal ich auch sonst nicht so regelmäßig da bin und meint, sie hätte doch vorher darüber informiert, daß der Zirkel später beginnt. Ja, entgegne ich, aber wer hat schon Lust, hier freitags ab um 12 Uhr sinnlos herumzusitzen - und gehe.
Eine neue Wohnung, im dritten Stock gelegen, also etwas niedriger, und mit großen Fensterflügeln, wie sie in Neubauten üblich sind. Im Schlafzimmer existieren zwei Heizungen, eine direkt am Bett und eine unter dem Fenster. Die am Bett habe ich auf 3 gedreht, damit mir nicht so warm wird, die am Fenster ist jedoch voll auf, da ich Tag und Nacht den Fensterflügel weit offen habe, um frische Luft zu bekommen, es mir aber sonst an der Glatze frieren könnte, die zum Fenster liegt. Denn es ist draußen kalt und kleine durchsichtige Schneeflocken tanzen in der Luft. Während ich sinnend am Fenster über diese Lösung nachdenke, fällt mein Blick hinaus und ich sehe den sonnenbeschienenen Hof meines früheren Elternhauses, als würde ich dort am Fenster stehen. Nein, das kann nicht sein, daß ich diesen Hof sehe. Das paßt nicht zusammen. Wenn ich jetzt die Augen schließe und wieder öffne, dann sehe ich die Realität, nehme ich mir vor. Und richtig, als ich die Augen öffne, sehe ich die Wandverkleidung meines Bettes vor mir, in dem ich wahrscheinlich gerade schlafe. Das ist die Realität.
Mit meiner früheren Schulfreundin zusammen in einem Bett. Wir lesen uns gegenseitig Geschichten vor. Sie zuerst eine Sherlock-Holmes-Story, danach bin ich dran. In der Geschichte kommt jede Menge Unterwäsche vor, welche nun als reale Unterwäsche zwischen den Seiten liegt und durch welche ich mich wühlen muß. Dies verwirrt mich, so daß die Geschichte stockt. "Hattest du auch so viel Unterwäsche?" frage ich meine Freundin, die hintereinanderweg und ohne Unterbrechungen gelesen hat. Sie schüttelt den Kopf. Klar, in Sherlock-Holmes-Stories kommt nicht viel Unterwäsche vor. Ich erwache irgendwann im Bett und spüre ein paar Katzenpfötchen auf der Bettdecke tapsen. Auch ein leises, behagliches Schnurren ist nun deutlich zu vernehmen. Die Katze sucht sich anscheinend ein gemütliches Plätzchen. Als ich genauer nachschaue, was sich auf der Bettdecke tut, finde ich jedoch nichts und niemanden. Da ich im Halbschlaf noch nicht sprechen kann, rufe ich nur im Gedanken "Miezi! Miezi!" und schon sehe ich neben dem Bett einen schwarzen Rücken heranschleichen. Ah, ich wußte doch, daß die Katze meine Gedanken verstehen kann. Ich kann mit ihr über die Gedanken kommunizieren. Als ich zur Seite schaue, sitzt da jedoch nicht meine Katze, sondern eine noch sehr junge, völlig schwarze Katze mit einer leuchtend blauen Nase.Wie witzig! Sowas habe ich noch nie gesehen. Ich strecke die Hand aus, um ihr Köpfchen zu streicheln. Sie ist ja so drollig.
Auf einem Sportplatz mit grünem Rasen. An einer Stelle im Rasen hat sich ein Rechteck aus blauen Gänseblümchen gebildet. Ich kann es nicht lassen, drei davon zu pflücken und denke daran, noch drei weiße Gänseblümchen dazu zu nehmen. Auf einer Seite des Sportplatzes marschieren Menschen im Gänsemarsch vorüber, alle von ihnen größere und kleinere weiße Gänseblümchen in den Händen. Wer weiß, was dies für eine Parade ist... Auf dem Weg um den Sportplatz passiere ich einige Leute, die am Rand auf dem Rasen sitzen. Jemand ruft mir hinterher. Als ich mich umdrehe, erkenne ich meine Kollegin K.H., die jetzt anscheinend woanders arbeitet. "Oh, ich habe dich gar nicht erkannt." erkläre ich. Vielleicht liegt das an ihren neuen dunklen und lockigen Haaren, die so überhaupt nicht zu ihr passen. Fast wirken sie wie eine Perücke. Ziemlich böse sagt sie zu mir, daß man sich einige Sachen über mich erzählt. Ich habe keinen Schimmer, was ich nun wieder verbrochen habe und worüber man sich das Maul zerreißt, aber es ist auch nicht viel aus ihr heraus zu bekommen, weshalb ich andere Themen anschneide und sie frage, wie es ihr an der neuen Arbeitsstelle gefällt. Sie scheint zwar versöhnlicher, erzählt aber auch jetzt nicht viel, sondern spricht eher kryptisch, wobei sie unzufrieden wirkt: "Ich denke oft an die Rhododendron-Büsche die 'oben' wachsen, und ich glaube, es hat einen Grund, daß sie genau dort wachsen."
Die Katze war so klein, daß sie in meine Kinderhand paßte, ihre Augen noch verklebt und blind, als sie zu mir kam. Viel zu früh der Mutter entrissen. Aber es ging nicht anders, da an diesem Tag die Tierfänger kommen sollten, um alle Katzen mitzunehmen. Als ich grünes Licht von meiner Mutter bekam, eines der Kätzchen zu holen, griff ich in der Aufregung das erste, das mir unter die Finger kam. Am nächsten Tag waren alle anderen weg. Mein Vater behauptete später, ich hätte mir das Häßlichste ausgesucht, weil sie eine unregelmäßige Zeichnung an der Stirn hatte. Sie war winzig, sah auf dem Puppenwagenkissen, das sie zum Schlafen bekam, aus wie ein verlorener Krümel und zitterte andauernd. Vielleicht vor Kälte, vielleicht vor Angst. Ich zog sie mit einem Liebesperlenfläschchen und Milch auf, und ich wundere mich heute noch, daß sie bei mir überlebt hat. Sie wurde tatsächlich eine große, gesunde Katze, allerdings immer sehr dünn und grazil. Ich vermute beinahe, meine Eltern hatten selbst nicht damit gerechnet. In Nächten wie diesen wache ich manchmal auf und denke daran, was ich alles falsch gemacht habe, was für eine schlechte Ersatzmutter ich ihr gewesen bin und was ich hätte besser machen können. Doch ich war klein, hatte die falschen Ratgeber und hätte ihr die Mutter wahrscheinlich sowieso nie richtig ersetzen können. Und ich wundere mich heute noch, daß sie überlebte. Aber man merkte ihr an, daß sie durch den Mutterverlust etwas gestört war. Sie zitterte auch später noch oft, war sehr ängstlich, mißtrauisch, stolz, einsam - selbst mit der Familie um sie herum, eigensinnig, kratzbürstig, und ihr Katzenleben lang sehr jugendlich und schlank. Erinnert mich irgendwie an mich selbst.
beim Googlen nach Schleimhautentzündungen bin ich gerade auf das Blog einer BKPatientin gestoßen, in welchem seit November 2009 nichts mehr geschrieben wurde. Ich frage mich, ob der Grund dafür das ist, was ich denke. Ich hoffe es nicht, aber wenn ich die Einträge lese, fürchte ich doch. Knochenmetastasen, Lungenmetastasen, und was sie über ihre behandelnden Ärzte und die Zustände in ihrer Onkologie schrieb ist ebenfalls erschütternd. Ich glaube wirklich, ich habe da mehr Glück, welches sich hoffentlich nicht irgendwann als Irrtum herausstellt, wie alles andere der letzten Jahre. Und trotzdem klingen die Einträge noch alle so optimistisch. Solche Fundstücke zwingen mich immer wieder dazu, darüber nachzudenken, ob mein Blog hier vielleicht auch in ein paar Jahren schon als führerloses Geisterschiff durch die Webmeere treibt, ab und zu von jemandem gefunden, der gerade erst seine Diagnose bekommen hat und versucht, zu überleben.
Da sitze ich bei meinen neuen Onkologen, wie ein Häufchen Unglück, begreife absolut nicht wirklich, was da alles abläuft, und höre, wie der Arzt sagt: Falsche Chemo- – unzureichende Therapie… können wir erstmal nicht umstellen, da macht die Krankenkasse nicht mit….
Er schickt mich wieder zum Radiologen – der soll entscheiden, ob noch mal bestrahlt werden kann.
Nö – geht nicht mehr…nichts geht mehr. Die Metastasen sind dort wiedergekommen, wo sie schon waren, wo sie schon bestrahlt wurden. Da kann nicht mehr bestrahlt werden. Und nu??
Tja.. irgendwann wird Ihr Oberschenkel zerbrechen – der Gammanagel kann nicht alles stützen, und dann brauchen Sie eine Krebsprothese. Die anderen, neuen Metastasen sind nicht soweit, dass sie diesen Schmerz verursachen könnten. Toll – hört sich nach Amputation an…
Meine Therapie wird umgestellt, nicht mehr alle 3 Wochen, sondern jede Woche, damit das Herceptin möglichst gleichmäßig wirkt. Irgendwie bin ich eigentlich gar nicht mehr bei mir.
Dem Onkologe aus dem Krankenhaus – dem kann ich nicht böse sein – immerhin hatte er die Größe, seine Unzulänglichkeit zuzugeben – und er hat mir damit das Leben gerettet.
Zwar ist der Roman "Gegen den Tag" für sich bereits 1600 Seiten lang, dennoch finde ich Thomas Pynchon hat etwas vergessen, das sozusagen wie die Feder auf das Papier in dieses Werk passen würde. Gemeint sind diese abstrusen Gesetze, die als Belustigung auf Parties sehr beliebt sind, wie zum Beispiel, daß in Kentucky kein Mann ohne Begleitung einer Frau einen Hut kaufen darf (diese Vorschrift allerdings finde ich ziemlich einleuchtend). Der Roman spielt ja zumindest in den ersten 500 Seiten, die ich bisher kenne, weitgehend im goldenen Westen, und irgendwie muß ich ständig beim Lesen an diese diversen Gesetzgebungen denken. Könnte natürlich sein, daß er sie eingebaut hat, ohne daß ich sie konkret erkenne, oder aber, sie folgen erst auf späteren Seiten. Tatsächlich scheint das Buch aber von ihnen zumindest inspiriert zu sein, anders kann ich mir diese seltsame Assoziation nicht erklären.
"Worum ging es denn da eben?", fragte Wren.
An dieser Stelle griff normalerweise die langgeübte Gewohnheit, Informationen zurückzuhalten, vor allem vor jungen Frauen, denen man aktuell den Hof machte. Einmal hatte Frank, als er draußen auf dem Uncompahgre-Plateau von Gunnison oder sonst wo zurückgeritten kam, meilenweit entfernt eine einzelne, dunkle und kompakte Sturmwolke erspäht und trotz des hellen Sonnenscheins und des weithin klaren Himmels gewusst, dass sein Weg und der der Wolke sich kreuzen würden, ganz gleich, in welche Richtung er sich nun wandte, und knapp eine Stunde später war es denn auch so dunkel geworden wie um Mitternacht, er war bis auf die Haut durchnässt worden, hatte, von den um ihn herum donnernd einschlagenden Blitzen vorübergehend taub, erbärmlich gefroren und sich tief über den Hals seines Pferdes gebeugt, um dem Tier zu versichern, dass alles in bester Ordnung sei, obwohl das Geschöpf, als echtes Weidepferd, schon weit Schlimmeres erlebt und gleich darauf versucht hatte, Frank zu beruhigen. An diesem Abend in Albanay erkannte Frank, dass Wren nach ungezählten Kilometern und Kreuzwegstationen genau hier angekommen war - im Licht des großen Spiegels war ihr Gesicht von einem sonderbar schattenlosen, celesten Blau, das Gesicht einer Sucherin, so erschien es Frank, die so weit gekommen war, wie sie musste, um zu fragen, was zu beantworten er am wenigsten bereit war. Er begriff, dass solche Wesen auf der Welt unterwegs waren und man vielleicht sein Leben lang keinem begegnete; falls aber doch, wurde es zur feierlichen Verpflichtung zu sprechen, wenn man angesprochen wurde.
Skurrile Begegnungen und Bilder in einem "Krankenhaus am Rande der Stadt". Ich glaube, es gab mal eine derartige Arztserie, die ich nie wirklich gesehen habe, doch im Traum bin ich mittendrin, als was genau, Patient, Mitarbeiter oder Besucher, ist nicht festzustellen. Das Haus selbst ähnelt der alten Büro-Villa, die in früheren Zeiten ein Sanatorium gewesen war. Mein Vater ist dort und noch quicklebendig. Irgendwo ziehe ich einen Vorhang zur Seite und erwische den Oberarzt mit mehreren Schwestern beim Gruppensex. Oh Verzeihung, wollte nicht stören. Bin mit einer Schwester in einem etwas unheimlichen Raum und kann nicht ausmachen, ob das Teil auf der Liege eine verwesende Leiche oder ein Roboter ist. Es trägt auf der Brust jedoch so etwas wie einen rot leuchtenden Knopf. Auf dem Weg nach Hause ist der Bürgersteig mit Weihnachtskugeln übersät. Hebe eine durchsichtige auf und betrachte sie. Sie ist an einer Seite verbeult. Abspann der Serie, in welchem nicht die Namen der Schauspieler genannt werden, sondern die Gesichter in neun kleinen Kästchen noch einmal gezeigt.
Die Chemo diese Woche wurde aufgeschoben, da ich nun schon seit fast zwei Wochen kaum noch irgendetwas essen oder trinken kann, ohne daß ich Bauchschmerzen bekomme und sogleich ein Date mit dem Klo habe. Erst dachte ich, es sei mal wieder Magen-Darm-Grippe, typische Zeit dafür, aber irgendwie ist es untypisch, daß es so lange dauert und ich einige wenige Sachen durchaus zu mir nehmen kann, die da wären: trockene Brötchen, Joghurt und Pfefferminztee. Wenn ich mich an diese Dinge halte, fühle ich mich relativ normal. Sobald ich nur eine andere Teesorte versuche, ist es vorbei und ich befürchte, daß es vielleicht doch eher Nebenwirkungen der Chemo sind. Die Ärzte haben gesagt, daß dies möglich ist, aber nicht, ob das dann auch wieder weg geht. Die Vorstellung, künftig nur noch von Joghurt, trocken Brot und Pfefferminztee zu leben ist nicht gerade sehr berauschend. Aber vielleicht bin ich auch mal wieder zu ungeduldig und sehe gleich schwarz. Jedenfalls war ich heute extra nochmal im Supermarkt, um mich mit genug Joghurt und Fladenbrot für das Wochenende einzudecken, mußte aber zwei Fladenbrote zurückgeben, weil trotz MHD vom 14.4. Schimmel drin war. Nicht gerade sehr appetitanregend...
Wenn ich in Familie und Bekanntschaft jetzt meine Geschichte vom drei Jahre lang verschleppten und falsch diagnostizierten Bandscheibenvorfall erzähle, ernte ich als Antwort so gut wie immer ein "man-sei-sprachlos". Wenn ich die Story von jemand anderem hören würde, wäre ich wahrscheinlich ebenso sprachlos. Die Geschichte löst allgemeine Sprachlosigkeit aus. Und in mir mit zunehmender Rückkehr der Lebensgeister nach der letzten Chemo nun doch Wut, vor allem, da ich schon ahne, daß ich wohl noch so einiges zu kämpfen haben werde, um mich ausreichend und angemessen behandelt zu fühlen. Ohne Kämpfen funktioniert es anscheinend nicht bei mir, egal wo ich bin und worum es geht, und wenn ich es nicht tue, fällt mir garantiert spätestens nach einigen Jahren auf, daß dies ein Fehler war. Nicht einmal wenn man krank ist geht es ohne Ellenbogen. Warrum hat mich nur nie jemand darauf vorbereitet?
Vielleicht bin ich süchtig. Poesie ist Honig auf einem wunden Herz, ein Heilmittel - vielleicht brauche ich mehr davon. Und ich stelle fest, daß ich auf solche Notfälle nicht eingerichtet bin. Jetzt verstehe ich den Sinn der traditionellen poetischen Hausschätze erst wirklich. Apotheken für die Seele. Ich habe zwar jede Menge ungelesener Bücher und vielleicht ist auch wenigstens eines darunter, das poetisch genug wäre, aber wie finde ich es? Bisher hänge ich nur ratlos vor dem Regal...
Ein Abend, den ich irgendwo in der Natur, an einem schimmernden See ausklingen lasse. Ich liege etwas erhöht auf einem Hügel, eine Decke zwischen mir und der Erde. Dies scheint ein beliebter Platz zu sein, in der Nähe von Oranienburg, denn auch andere Leute lassen sich hier nieder. Es kommen mehrere Asiatinnen, eine davon greift nach meiner Decke, als ich kurz aufgestanden bin. Dafür gebe ich ihr eine schallende Ohrfeige. Ich bin selbst über mich erstaunt und sie geht empört zu den anderen. Aufgeregt schnattern sie in ihrer Sprache durcheinander und werfen mir böse Blicke zu. Doch nach der Ohrfeige bin ich besänftigt und reagiere auf Bemerkungen von ihnen nur noch mit nett lächelnden Antworten, was auch sie besänftigt. Fast scheinen sie mich inzwischen zu mögen. Neben mir liegt nun eine Sportkollegin aus dem Gesundheitsverein. Wir reden nicht, ich habe sie noch nicht einmal gegrüßt, und ich hoffe, sie nimmt mir das nicht übel. Doch unser Schweigen ist einträchtig und vertraut. Irgendwann mache ich mich auf den Weg nach Hause und lande in einem fremden Schlafzimmer, wo ich den Weg durch einen der Kleiderschränke suche. Der Weg zurück nach Hause geht nämlich durch eine kleine versteckte Öffnung. Jemand macht mich darauf aufmerksam, daß ich im falschen Schlafzimmer bin und zeigt mir das richtige. Hier muß also irgendwo in den Kleiderschränken der Durchgang sein. Ich erwache in meinem Bett, neben mir ebendieselbe Sportkollegin, die gerade noch auf dem Hügel neben mir lag. Am Nachmittag klingelt das Telefon, ein Mann ist am Apparat. Sofort fällt mir alles wieder ein. Ich hatte gestern Abend einen Mann auf dem Hügel kennengelernt. Er heißt Gris und wir haben uns unterhalten. Er hat mir von seinem Lieblingsbuch erzählt und ich finde es auf meiner Anrichte. Hat er es mir geschenkt? Ich hoffe es, nicht daß ich es einfach eingesteckt habe. Es ist ein Kinderbuch über die Familie Eberlein und sieht aus wie die Ausgabe meines Struwelpeters, die ich als Kind hatte. Danach haben wir Fesselspiele gemacht, indem er mich mit dem Faden einer Garnrolle so sacht und fein einwickelte, daß ich mich jederzeit selbst daraus befreien hätte können. Ein wenig wundert es mich, daß er so schnell bei mir anruft. Am Telefon erzählt er mir, daß er mit mir sogar zur Oscarverleihung fahren würde. Hm, warum erzählt er mir das? Ich schweige und irgendwann schweigt er auch, was mir gar nicht gleich auffällt. Als ich das Gefühl habe, daß die Verbindung abgerissen ist, frage ich schnell: "Was hast du gesagt?" Ich lasse mich auf eine Verabredung bei ihm zu Hause ein. Es sind vier Freunde und Freundinnen von ihm dort, die in einer Couchecke sitzen und lebhaft diskutieren. Inzwischen würden wir gern alleine sein. Ich liege schon nackt und bäuchlings auf seinem Bett in der anderen Ecke des Raumes. Er betrachtet mich und macht begeisterte Bemerkungen über meinen angeblich kleinen, süßen Hintern. Zwischendurch sehe ich in einem Baum vor dem Fenster einen Affen, wie mir scheint, was mich sehr erstaunt. Ein Eichhörnchen ist es jedenfalls nicht, obwohl das Tier ein rotes Fell hat. Als ich Gris darauf aufmerksam mache, ist es ein kleinrassiger Bär, der aus dem Geäst springt. Auch Gris ist jetzt nackt und ölt meinen Rücken ein. Außerdem hat er ein schwarzes Kondom bereit gelegt. Doch seine Freunde scheinen unsere Aktivitäten gar nicht zu bemerken, bzw. sie stören sich nicht daran und machen keine Anstalten zu gehen. Deshalb zieht er sich wieder einen Bademantel über und wirft einen zweiten über mich drüber. Dann legt er sich halb auf mich drauf und beginnt mir aus seinem Kinderbuch über die Familie Eberlein vorzulesen. Dabei hält er eine andere Ausgabe in der Hand, die Ausgabe, die ich zu Hause habe, hat er mir tatsächlich geschenkt, wie ich erleichtert feststelle. Durch den Stoff der Bademäntel hindurch spüre ich seine Erektion, was mich so ablenkt, daß ich nichts von dem mitbekomme, was er mir vorliest. Stattdessen frage ich mich, wie lange er wohl an sich halten kann, ohne in den Bademantel zu ejakulieren.
Bemerkung: Da hat mich doch jemand offensichtlich umgarnt...
Ich weiß ja, warum ich eigentlich über dieses Thema nicht wirklich Literatur lesen möchte. Lieber tauche ich in ferne poetische Welten ab. Als ich dieses Buch "Überleben Glückssache. Was Sie als Krebspatient in unserem Gesundheitswesen erwartet" las, mußte ich dauernd weinen, weil ich vieles wiedererkannte. Aber wenn ich mich damit erst beschäftige, wenn alles vorbei ist, nützt mir das nichts mehr. Wobei in diesem Buch nicht viel Neues steht, interessant ist aber, daß das kritische Erleben der Patientin (Autorin) und die Meinung der Ärzte dazu gegenübergestellt werden. Vorbildlich auch das umfangreiche Glossar zum Nachschlagen verschiedener Fachbegriffe, vor allem jene, die Brustkrebs betreffen. Viele beschriebene Situationen sind wie von mir erlebt. Ebenso die Gefühle und Erfahrungen der Autorin, manches ist jedoch auch etwas anders gelaufen. Die Autorin hatte in einigen Dingen Glück, d.h. Dinge, die ich als Glück empfunden hätte oder empfinden würde: eine Ärztin als Freundin, die sie überallhin begleitet und ihr geholfen hat, eine Maskenbildnerin als Freundin, einen sehr guten Chirurgen und anscheinend bis auf Haarausfall null Nebenwirkungen bei den Chemos. Beneidenswert, doch dafür schlug die Chemo bei ihr nicht deutlich an. Vielleicht muß man sich ja richtig krank fühlen, damit es dem Tumor ebenfalls schlecht geht, so wie bei mir. Das Glück scheint mir in anderen Dingen hold zu sein, so zum Beispiel auch was die Klinik betrifft in der ich gelandet bin. Alles mußte ganz schnell gehen, bzw. sollte schnell gehen und ich hatte fast keine Möglichkeit und nicht den Kopf, um mich noch großartig umzuhören, zu vergleichen und zu entscheiden. Es war also Zufall oder Schicksal, daß es diese Klinik und diese Ambulanz geworden ist, aber ich habe das Gefühl, daß ich es, trotz der Ärgernisse, die es natürlich dort ebenfalls gibt, ganz gut getroffen habe. Ich höre jedenfalls täglich Schlimmeres und lese auch in diesem Buch davon. Ok, Klinik bleibt Klinik, Chemoambulanz Chemoambulanz, und ein Schulmediziner Schulmediziner. Man kann über bestimmte Dinge einfach nicht mit ihnen sprechen, da sie zu fach- und symptomfixiert sind, doch meine ich, daß sie sich in ihrem "Reich", ihrem Wirkungsrahmen, durchaus große Mühe geben, ebenso wie das Personal, wobei es selbstverständlich immer und überall solche und solche gibt. Auch fühle ich mich dort durchaus noch größtenteils als Mensch. Aber etwas, das in der Autorin in ihrer ganzen Geschichte durchweg Wut auslöst, ist auch hier ein genauso großes Problem, welches ich als ebenso kritisch erlebe, nämlich die fehlende Information. Immer und überall muß man fragen, nachbohren und muß immer wieder Grenzen setzen, was die Abnahme der eigenen Entscheidungen betrifft. Nur weiß man ohne Information nicht immer, wonach man eigentlich fragen, oder was man wissen muß. Es ist nötig, sich mühsam jedes Wissen Stück für Stück über andere Patienten, Bücher oder das Internet zusammenzusuchen. Und zwar echtes Hintergrundwissen und nicht nur den oberflächlichen Kram aus den Patientenratgebern, die auch noch meistens von Pharmafirmen herausgegeben werden. Einige Dinge würde ich bis heute nicht wissen, wenn ich nicht nachgefragt oder mich anderweitig informiert hätte. Und einige Dinge, besonders in der Klinik, lösen im Nachhinein bei mir ebenfalls Wut aus. Als ich anfangs gebeten hatte, die Befunde in Kopie zu bekommen, wurden mir diese nach Absegnung durch die Ärztin abkopiert, allerdings nicht alle, doch das merkte ich erst, als ich neues Wissen dazugewonnen hatte. Und wieder mußte ich fragen, als ich merkte, da fehlen noch Ergebnisse, und irgendwann kommt man sich schon blöd vor und wie ein Störenfried. Im Buch schreibt eine Ärztin, daß einfach die Zeit fehlt, um sich um solche "Sekretariatsarbeiten" zu kümmern, aber ich hätte eine ganz einfache Lösung dafür . Wenn jeder Arzt, der einen Befund schreibt, gleich einen Durchschlag für den Patienten ausdrucken würde, eine Sache von wenigen Sekunden, und er muß diesen ja nicht gleich dem Patienten in die Hand drücken, gäbe es dieses Problem nicht. Ich finde, die Ärzte verhalten sich völlig paradox. Denn wenn man ihren Meinungen, wie man sie im Buch lesen kann, glauben möchte, wünschen sie sich selbstverantwortliche und aufgeklärte Patienten, aber sie verhalten sich nicht so. Um selbstverantwortlich entscheiden und handeln zu können braucht man Informationen und genau die werden wie selbstverständlich zurückgehalten. Ich war schon immer der Meinung, jeder Patient sollte automatisch alle Befunde ausgehändigt bekommen, ob er sie nun haben möchte oder nicht. Mancher wirft sie vielleicht in die Ecke oder hat kein weiteres Interesse, sich damit auseinanderzusetzen, aber für andere ist dies vielleicht erst der Anstoß, sich auch selbst genauer zu informieren. Und siehe da - man höre und staune - es geht! Auf Grund dieses Buches wurde in der Klinik des behandelnden Arztes der Autorin das Verfahren eingeführt, daß jeder Patient eine Aktenmappe mit allen kopierten Befunden und Arztbriefen in die Hand gedrückt bekommt. Halleluja! Aber muß man als Patient eigentlich immer erst ein Buch schreiben, damit so etwas überall zum Standard wird?
Ich werde aufgefordert zu einer Besprechung mit einem der Ärzte in die Klinik zu kommen. Der Nachname beginnt mit St, weshalb ich denke, daß es Frau Dr. St. ist. In dem Raum mit großem, rechteckigen Konferenztisch sehe ich sie auch sitzen, allerdings ignoriert sie mich komplett und scheint mich gar nicht zu bemerken. Ich setze mich zu ihr an den Konferenztisch und warte. Wahrscheinlich ist sie zu beschäftigt und hat noch andere Patienten. Während des Wartens werde ich immer müder und schlafe ein. Als ich nach einer Stunde wieder erwache, verläßt sie gerade den Raum, was mich erst irritiert. Doch gleich darauf kommt ein männlicher Arzt, dessen Nachname ebenfalls mit St beginnt und begrüßt mich. Also habe ich wohl mit ihm die Besprechung. Es macht eine Bemerkung, daß ich aber sehr pünktlich sei und legt los, mir etwas zu erzählen. Leider ist seine Stimme so leise und undeutlich, daß ich ständig mit Achselzucken, und "Ich hab Sie nicht verstanden." reagieren muß, was mir selbst peinlich ist. Deshalb entschuldige ich mich damit, daß ich so müde sei, bin mir aber nicht sicher, ob dies wirklich der Grund ist. Ich bekomme mit, daß er mit mir einen Jahresvertrag abschließen möchte, verstehe aber nicht, was dies bedeutet. Scherzhaft sage ich deshalb, daß ich eigentlich nicht hier arbeiten wollte. Es macht mir Sorgen, daß ich irgendetwas unterschreiben und erfüllen soll, was ich zwischen Arzt und Patient eher ungewöhnlich finde. Er teilt mir nun mit, daß ich künftig woanders behandelt werde. Ich verstehe etwas von U-Bahnhof Brückenstraße. Das gefällt mir gar nicht, zumal ich wahrscheinlich mehrmals umsteigen muß, aber hierher nur 10 Minuten mit dem Bus fahre. Deshalb erhebe ich Einspruch und mache mein Argument geltend. Währenddessen ist eine Frau in grüner Operationskleidung in den Saal gekommen und hat den letzten Teil der Besprechung gehört. Sie mischt sich ein, indem sie mir sagt, ich solle bloß nicht dorthin gehen, das wäre nicht passend für mich. Dies bestärkt mich in meiner Meinung, weshalb ich nun definitiv ablehne. Der Arzt nimmt es gelassen, zerbricht sich jedoch um die Organisation den Kopf. Anscheinend ist der andere Behandlungsort für ihn günstiger, wenn er gleich danach Feierabend hat, und anscheinend ist er künftig bei den Behandlungen zugegen.
Bemerkung: Als ich heute wegen des Blutbilds in die Praxis kam, war dort Fr. Dr. St. anwesend, da sowohl die Chefärztin, als auch ihre Vertreterin erkrankt sind. Sie ignorierte mich jedoch keineswegs, sondern erkannte mich gleich wieder, obwohl ich sie seit dem Klinikaufenthalt nicht mehr gesehen habe.
Jedes Gebiet des menschlichen Wissens umfaßt auch unendlich viel Poesie. Viele Dichter hätten das längst begreifen müssen.
Um wieviel wirksamer und erhabener könnte das beliebte Thema des Sternenhimmels werden, wenn die Dichter, die darüber schreiben, mehr von der Astronomie wüßten!
Natürlich kann man von einer Nacht über den Wäldern schreiben und von einem Himmel ohne Gesicht; doch das bleibt ohne rechte Ausdruckskraft. Ganz anders hingegen erscheint uns die gleiche Nacht, wenn der Dichter die Bewegungsgesetze der Sternensphäre beherrscht und wenn sich im schwarzen Wasser der herbstlichen Seen nicht irgendein Sternbild im allgemeinen spiegelt, sondern der prachtvolle und traurige Orion.
(aus "Begegnungen mit Dichtern" von Konstantin Paustowski)
Die letzten drei Jahre sind ein einziger Irrtum. Wo ich hingegangen bin war ein Irrtum, wem ich vertraute war ein Irrtum, wo ich Hilfe gesucht habe war ein Irrtum, was ich glaubte war ein Irrtum, wem ich glaubte war ein Irrtum, wie ich mich durch die drei Jahre wurschtelte war ein Irrtum, auf wen ich mich verließ war ein Irrtum, was ich mir wünschte war ein Irrtum, vielleicht ist auch immer noch einiges von dem, was ich denke ein Irrtum, ohne daß ich es weiß. Nur das K, das ist kein Irrtum und weiterhin da. Das Abbild meiner Verwirrung und real gewordenes Urchaos. Das, was blieb. Doch selbst wenn man vorher weiß, daß es so oder ähnlich laufen wird, hat man keine Möglichkeit, es zu verhindern. Und was mache ich nun mit all diesen Irrtümern, die im Licht zappeln? Braten? An die Wand nageln? Mir hinter die Ohren schreiben? Etwas daraus lernen? Vielleicht noch mehr: Traue niemanden, wünsch dir nichts, glaube niemals etwas, verlasse dich auf niemanden und kaufe nix? Das wäre schrecklich. Kann man so leben? Dann doch lieber, daß das Leben eben so ist - immer für eine Überraschung gut, auch für die ganz perversen.
Neptunische Wendezeiten:
Jegliches Bemühen, einen Überblick und die Dinge in den Griff zu bekommen, ist mehr oder weniger zum Scheitern verurteilt...Neptun hat ganz anderes im Sinn als gutes Funktionieren...Tatsächlich fühlen wir viel tiefer mit anderen mit, weil unsere üblichen Schutz- und Abwehrmechanismen uns nicht mehr von ihnen abschotten. (Sich aus Mitgefühl zu verlieben ist allerdings ziemlich dumm.)
Chironische Wendezeiten:
Grundsätzlich nimmt uns Chiron die Illusion, unsere Lebensqualität durch spirituelle Techniken steigern zu können. Tatsächlich sind sie dazu auch gar nicht da - was manche Menschen gerne vergessen. Spiritualität ist keine Lebensverbesserungsmethode....denn jetzt gibt es nur einen Weg: Schmerz, Halbdunkel, und Hilflosigkeit aushalten. (aus "Ach, daher weht der Wind! Die astrologischen Wendezeiten im Leben" von Sitara Mittag)
Die Ratten raten nicht
mit Versen und mit Verben.
Es beginnt mit Trauen
und endet mit dem Rat.
Im Ver-lies des Urteils
der Selbstgerechtigkeit
ist Verlassen, doch kein Verlaß.
Moralische Grausamkeit
als Weg der Weltverbesserer
oder doch nur der Rache?
- Mein Achselhaarfoto ist immer noch sehr beliebt, nur habe ich keine Achselhaare mehr. Welch ein Glück, daß ich kein Gewerbe mit Achselhaarfotos angemeldet habe.
- Kein Tag ohne Rescue Pastillen Schwarze Johannisbeere mit Bach-Blüten. Aber die schmecken nun mal so gut.
- Manchmal wünschte ich mir mehr Blogs mit diesem praktischen facebook-Button oder etwas anderem in der Art. Denn Kommentare zu schreiben ist zur Zeit nicht meine Stärke und trotzdem würde ich ab und zu gerne bei bestimmten Einträgen etwas auf dem Blog zurücklassen.
hängt immer noch im Baum und trotzt standhaft allen Herbst- und Winterstürmen. Nur ist sie inzwischen völlig zerfetzt und zerfleddert, vom roten Teil ist auch nichts mehr zu sehen.
Heute Besuch bei meiner Hausärztin, die von meinem "Glück" noch gar nichts wußte. Aber ich wollte endlich den Befund des Rücken-MRT im Dezember wissen. Ich hatte zwar ganz früh einen Termin, doch es saßen bereits fünf Leute im Wartezimmer herum, einige davon schniefend. Mir wurde gesagt, ich solle wegen der niedrigen Leukozyten und der Infektionsgefahr Menschenansammlungen meiden, aber das ist beim Arzt etwas schwierig. Bald setzte sich rechts von mir ein älterer Herr mit einem wahren Terrorhusten, der tief aus den Lungen hinaufgurgelte. Ich wandte mein Gesicht also mehr nach links, doch ziemlich schnell fing der etwas jüngere Mann dort auch an zu husten. Zwischendurch hatte ich ein paar Male die Anwandlung, mir die Perücke vom Kopf zu reißen, damit sie vor mir zurückweichen. Schließlich holte ich ein Papiertaschentuch hervor und hielt es so unauffällig wie möglich vor Mund und Nase. Die Schwester bemerkte dies und schickte mich irgendwann zum Warten in eines der Sprechzimmer, kam hinterher und meinte, ihr sei aufgefallen, wie ich im Wartezimmer gesessen habe. Ich erklärte ihr erst einmal, daß ich Chemotherapie bekomme, was sie ganz schön umhaute und wir unterhielten uns eine Weile. Auch die Ärztin war sichtlich betroffen. Ehrlich gesagt irritiert mich das, weil ich lese, daß jeder Dritte in Europa an Krebs erkrankt, aber wenn man in so eine "normale" Praxis kommt, fühlt man sich trotzdem wie ein Exot, obwohl das eigentlich häufiger vorkommen müßte. Vielleicht ist es aber auch nur so, wenn man bereits 15 Jahre irgendwo in Behandlung ist. Der Befund des MRT haute dafür dann mich um - Bandscheibenvorfall. Das ist zwar nichts besonderes, aber wenn man den Bandscheibenvorfall erst nach fast drei Jahren an Arztbesuchen, Röntgen und mehreren MRT feststellt, und mir vorher immer erklärt, das sei Abnutzung, finde ich das schon etwas eigenartig. Ich fragte die Ärztin, wie das sein kann, und sie meinte nur, ich solle mir vielleicht besser einen anderen Orthopäden suchen. Leichter gesagt als getan, denn die sind anscheinend so rar wie eine Nadel im Heuhaufen und ein Völkchen für sich, wenn man andere so von ihren Orthopäden erzählen hört. Und das alles während der Chemo, wo man keine richtige Behandlung anfangen kann. Aber wenn ich drei Jahre lang damit herumgelaufen bin, macht ein dreiviertel Jahr mehr oder weniger den Kohl auch nicht mehr fett. Ich habe irgendwo gelesen, die Heilung von Bandscheibenvorfällen verläuft um so positiver, je eher man eine ausreichende Behandlung bekommt. Der Zug ist ja wohl abgefahren und mein Vertrauen noch ein wenig ramponierter, diesmal in die Ärzte. Eigentlich hätte ich Grund unglaublich wütend zu sein, aber ich kann das gar nicht, ich bin viel zu fertig dazu. Und in meinem Zustand wird man irgendwie bescheiden und ist über jeden Bandscheibenvorfall froh, der keine Knochenmetastase ist. Immerhin ist diese Wahrheit nun auch endlich an das Licht gekommen und ich weiß, daß mich mein Gefühl, es stecke mehr hinter den Beschwerden, nicht getäuscht hat. Nun habe ich schwarz auf weiß, daß es keine "normalen" Rückenschmerzen sind und ich weder Hypochonder, Jammerlappen oder Simulant bin. Das hat mir zwar niemand direkt gesagt, aber ich hatte trotzdem den Eindruck, daß es einige denken, zumal ich doch immer wie das blühende Leben aussehe, Verzeihung, aussah, und wenn ich Schmerzen habe meistens versuche, mir nichts anmerken zu lassen, bzw. wenigstens nur dann beim Händewaschen zu knien, wenn niemand zusieht (Ist das Eitelkeit?). Gibt es späte Gerechtigkeit? Mir geht immer ein Aussage Norman Mailers aus dem Roman "Das Schloß im Wald" durch den Kopf. Darin heißt es, daß Ungerechtigkeiten, die Menschen zugefügt werden, der beste Weg sind, diese zu Mandanten (des Teufels) zu machen. Doch es würde nicht funktionieren, wenn jeder sich bewußt machte, wieviel Unrecht anderen geschieht. Das stimmt. Und ich kann mir nicht einmal sicher sein, ob ich selbst nicht ebenfalls anderen Menschen Unrecht zufüge.
Ja, der Chirurg, der hat es fein,
der macht dich auf und schaut hinein.
Er macht dich nachher wieder zu
- auf jeden Fall hast du jetzt Ruh,
wenn mit Erfolg für längere Zeit,
wenn ohne für die Ewigkeit.
(Eugen Roth)
Ein hoher, sich nach oben verjüngender Turm, vielleicht auch mehr ein Schornstein mit vier Wänden, denn oben gibt es kein Dach, sondern nur eine Öffnung. Ich befinde mich mit einer Masse anderer Menschen eingeschlossen in diesen Mauern. Von oben fallen Gegenstände in die Öffnung auf uns herab, als würde jemand sie hereinwerfen. Ich greife mir zwei davon, es sind ein Schwert und ein Schild (?), nicht sehr schwer, was gut ist, denn als Erste beginne ich nun beherzt den Aufstieg bis zur Öffnung. Dazu benutze ich ein Seil, nehme aber auch das Schwert und das Schild mit, und glücklicherweise gibt es an der Mauer größere Vorsprünge und sogar ganze Plattformen, die das Klettern erleichtern. Die anderen Menschen am Boden zollen mir für meine Idee und meine mutige Vorhut hörbar Anerkennung und folgen mit einigem Abstand. Nach einer größeren Strecke, die Öffnung aber immer noch weit entfernt, treffe ich auf eine ausgedehntere Plattform und beschließe, hier erst einmal still liegen zu bleiben, da ich nicht schwindelfrei bin, und zu warten, bis die anderen mich eingeholt haben. Doch ich entdecke in der Mauer einen Zugang zu einem Raum mit gemauertem Swimmingpool und etwas versteckt noch einen zweiten identischen Raum mit identischem Swimmingpool. Ich begebe mich in das zweite, etwas versteckte Wasserbecken, weil ich denke, daß dieses nicht so schnell gefunden und überlaufen wird. Hier lasse ich mich nackt im Wasser treiben, außer mir ist nur noch ein seltsames Tier im Wasser, das auf den ersten Blick aussieht wie ein Hund. Jedoch stimmt etwas nicht, das Hundeaussehen ist künstlich und ich bemerke, daß darunter ein ganz anderes Tier steckt. Der Hund ist nur Verkleidung oder Maske und als ich sie wie einen Kaffeewärmer abreiße, kommt ein Murmeltier (oder doch Wasserratte?) zum Vorschein. Es springt auf den steinernen Beckenrand und schaut mir von dort vergnügt zu. Nun strömen einige der Nachzügler in den Raum, auch sie bleiben auf dem Beckenrand stehen und schauen mich an, als wäre ich ihr Held. Doch sie betreten nicht das Wasser, entweder aus Respekt oder um meine Privatsphäre zu wahren. Schließlich bin ich nackt.