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Donnerstag, 24. Februar 2011

Traumsplitter

Mit einer Person, die ich im Traum ganz selbstverständlich für Jesus halte, in einer kargen und fast vollständig leeren Lehmhütte. Ich biete ihm an, sich auf den Boden schlafen zu legen, es ist mir allerdings etwas peinlich, daß ich nichts anderes als den Boden anzubieten habe. Nicht gerade sehr gemütlich. Doch ihn scheint das nicht zu stören. Er schaut den Lehmboden an und macht eine Bemerkung in der Art, als wäre der Lehmboden zum Schlafen hervorragend geeignet. Jetzt gilt es noch eine Suppe für ihn zu organisieren. Dazu brauche ich ein Gefäß, welches ich außerhalb der Hütte suche. Ich finde ein blaues Schüsselchen, gerade einmal so groß wie ein Aschenbecher. Satt wird man daraus nicht, aber besser als gar nichts. Eine richtige Eßschüssel ist wohl nicht aufzutreiben. Doch Sorgen mache ich mir deshalb keine mehr, denn mein Gast, der er anscheinend ist, wirkt nicht so, als stelle er hohe Ansprüche.

Traumfragmente mit einer Blaumeise, die ziemlich anhänglich ist und ein Stück Weg mit mir fliegt, sowie drei langsam in der Luft schwebenden tellergroßen Schmetterlingen.

Bemerkung: Das erinnert mich an das Tischgebet aus meiner Kindheit "Komm Herr Jesus sei du unser Gast, und segne was du uns bescheret hast. Amen."

Mittwoch, 23. Februar 2011

Meine Mutter

bespaßte mich heute mit einer Menge Geschichten über Männer, die während der Chemotherapie ihrer Partnerinnen zu tragischen Säufern geworden sind, und beglückwünschte mich zu meinem Singledasein. Wo immer sie die her hat, unwahrscheinlich ist das nicht, allerdings scheint das bei Prominenten, wenn man sich so umschaut, eher nicht der Fall zu sein. Vielleicht gibt es auch in dieser Hinsicht einen Promibonus. Wenn ich mir jedoch überlege, wie geruchsempfindlich ich geworden bin, ist das schon bedenklich. Seit der letzten Chemo kann ich Puschel nicht mehr riechen, und Desinfektionsmittel, Infusionsbeutel u.ä. sowieso nicht. Ganz besonders von Wasser bekomme ich beim puren Anblick oder nur bei dem Gedanken, es zu trinken, einen Brechreiz. Ebenso verursachen Sitcoms und das Mark-Twain-Buch inzwischen Übelkeit, die Sitcoms, weil ich sie während der dritten und vierten Chemo in der Ambulanz gesehen habe. Weiterhin ist Zähneputzen ohne Brechreiz kaum noch möglich und an diverse Dinge wie kandierter Ingwer o.a., die ich direkt nach den Chemos gegessen habe, mag ich nicht einmal denken. Auch der Anblick oder der Geruch der Toilette ist kritisch, oder der Geruch der Tagesdecke. Man stelle sich vor, man hätte einen Mann zu Hause und könnte DIESEN plötzlich nicht mehr riechen ohne einen Brechreiz zu bekommen...wie schrecklich! Da wäre es verständlich, wenn er zum Säufer wird. Puschel purzelt gerade in der Waschmaschine und riecht hinterher wieder anders, aber einen Mann kann man nicht einfach in den Schonwaschgang stecken, und selbst wenn, würde es nichts helfen.

Dämonenquell

Dämonenquell

Bei genauerem Hinsehen scheint es im Zwinger Dresden von Dämonen nur so zu wimmeln.

vergelesen

zum Thema Brust-OP von einem Oberarzt:

"Das andere Extrem sind die Patientinnen, die sagen: "Machen Sie mal." Das gefällt mir auch nicht. Ich finde, die Frauen sollten kritisch sein und sie sollten auch mitschneiden..."

statt

"Das andere Extrem sind die Patientinnen, die sagen: "Machen Sie mal." Das gefällt mir auch nicht. Ich finde, die Frauen sollten kritisch sein und sie sollten auch mitentscheiden..."

Dienstag, 22. Februar 2011

Frühherbst in Dresden

Frühherbst in Dresden

Montag, 21. Februar 2011

Rotschopf an der Elbe

Rotschopf an der Elbe

Elbblick

Elbblick

Die ganze Nacht

hindurch war die Sprechstunde geöffnet und ich habe Nachtschicht im Job gemacht, hintereinander weg Klienten empfangen, die zahlreich erschienen und dachte dauernd: "Boah, warum müssen die alle heute kommen?" Der einzige Unterschied zur Wirklichkeit war der, daß es im ehemaligen Schlafzimmer meiner Eltern stattfand und ich die Akten in der Wäschekommode suchte. Einen Klienten habe ich kaum verstanden, weil er aus einem anderen Bundesland nach Berlin gezogen ist und einen seltsamen Dialekt sprach. Im Nachhinein würde ich fast meinen, daß es Schweizerisch war, also nicht nur ein anderes Bundesland. Und dann wacht man früh auf, wirklich früh, weil man sich noch eine neue Krankschreibung holen muß, und fühlt sich, als hätte man einen ganzen Arbeitstag hinter sich. Toll, wahrscheinlich fehlt mir dieser Genuß zur Zeit. Und von der Ärztin muß ich mir anhören, daß ich blaß aussehe. Ich bin es ja gewohnt, daß mir das ständig gesagt wird, auch von Ärzten und vor der Chemotherapie, aber wenn mir jetzt eine Ärztin sowas sagt, denke ich mir a) sie untertreibt und meint, ich sehe aus wie eine Heroinleiche und b) sie hat wohl noch nicht viele Chemotherapiepatienten gesehen. Ohne Perücke und in weißem Sackleinen könnte ich fantastisch kleine Kinder erschrecken, und nicht nur die. Bisher hat gegen die Blässe nur monatelange Erholung und viel Schlaf gewirkt, aber gegen Chemoblässe richten auch dieses Geheimwaffen nichts aus. Schon gar nicht, wenn man die ganze Nacht hindurch schuftet.

Sonntag, 20. Februar 2011

Dämonisch

Dämonisch

Traumsplitter

In diesem großen Klinikbetrieb mit ineinander übergehenden mehrfach belegten Krankenzimmern gibt es mehr als genug Patienten. Und trotzdem fühle ich mich hier ziemlich verloren und allein. Die Zeit zieht sich träge zwischen Aufstehen und Hinlegen, endlos. Ab und an sitzt man am Tisch und unterhält sich. Männer und Frauen sind zusammen und bunt gemixt untergebracht. Dadurch freunde ich mich mit einem blonden, etwas kleineren Mann im gleichen Zimmer an. Er ist verheiratet und hat eine Familie zu Hause. Wir sitzen öfter auf seinem Bett und führen lange Gespräche. Während ich mal wieder ziellos und etwas gelangweilt durch das Zimmer geistere, kommt die Oberschwester und erzählt mit kopfschüttelnd, Rudi Völler wäre in der Klinik und hätte von ihr gewollt, daß sie noch um 16 Uhr jemanden anruft. Als ob man um 16 Uhr noch jemanden erreichen würde, wenn alle längst Feierabend machen. Aber er tat so, als sei es früh am Morgen. Nun ja, antworte ich, vielleicht ist er einer der Menschen, die lange schlafen. Sie nickt und geht. Erneut laufe ich ziellos zwischen Tisch und Tür umher, mal ein Wort da und dort anbringend. Verloren in einer Zeitschleife des Klinikbetriebs wie alle anderen Patienten in Nachthemden um mich herum. Sex hatte ich auch lange nicht mehr. Wenn man so viel Zeit in einer Klinik verbringt, gibt es kaum bis gar nicht Gelegenheit dazu. Ok, Sex ist keine Lösung, täte aber mal wieder gut. Doch der einzige Mann, der dafür in Frage käme, von denen, die mir hier zur Verfügung stehen, wäre mein neuer Bekannter, und der könnte es vielleicht falsch auffassen, wenn ich ihn frage. Schließlich will ich nur ein wenig körperliche Zuwendung, und er ist ja ebenfalls lange genug hier begraben. Irgendwann frage ich ihn, so wie man jemanden darum bitten würde, eine Zeitung mitzubringen: Schläfst du mit mir? Und er läßt sich nicht zweimal bitten. Es ist ein Akt der Nächstenliebe, eine Hilfsaktion zwischen Freunden, aber es ist warm und gut, wenn er seine Arme um mich legt und in mich eindringt.

Samstag, 19. Februar 2011

Die Rubrik "Unversöhnliche Lyrik" - Gedichte meines Vaters

kann wieder eröffnet werden, denn meine Mutter hat noch ein ganzes Büchlein voll früher Jugendgedichte meines Vaters gefunden. Diese sind im Alter zwischen 17 und 19 Jahre entstanden und meist eine Mischung aus jugendlich naiver Liebeslyrik und akademischem Versmaß. Fast interessanter als die Gedichte sind jedoch die Bleistiftanmerkungen meines Vaters dazu. Anscheinend hat er zu jedem Gedicht, das er über eine seiner Angebeteten geschrieben hat, die Initialien derjenigen welcher dazu vermerkt, aber auch mit den Initialien anderer Männer die Zeilen gespickt, in denen er sich über einen Mitbewerber beklagt. Und bei den Angebeteten dürfte es sich nicht um meine Mutter gehandelt haben, da die am häufigsten erwähnten Initialien (H.D.) einen gemäß den Gedichten blonden Engel bezeichnen, während meine Mutter schwarzhaarig war. Dann taucht mal eine "Heimliche Liebe" auf (K.Z.), oder eine Wanderin (C.U.), die aber nicht dauerhaft inspirierend waren. Mit Bleistift ist auch das erste Gedicht meines Vaters von ihm in der Nachlese gekennzeichnet worden, sowie ein Gedicht, welches er scheinbar tatsächlich der Empfängerin vorgetragen hat, "vorgetragen am 10.07.1948 in Cottbus" steht darunter. Ob er wohl Erfolg damit hatte? Interessieren würde mich aber auch, wo die Gedichte meines Großvaters abgeblieben sind, die ich einmal in den Händen hielt. Diese sind bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Speed

Speed

Traumsplitter

Ich sitze neben meiner ehemaligen Chefin. Diese hält ein Schreiben in ihren Händen. Meine Augen gleiten neugierig hinüber und ich erkenne, daß es um mich geht. Anscheinend ist es meine neue Beurteilung. Einen Satz kann ich ganz lesen. Er lautet in etwa: "Zuckerwattewolkenmond ist niemals mürrisch (o.ä.), sondern streut überall wo sie hinkommt Zucker." Oh, wow....ich bin von der positiven Meinung über mich ziemlich beeindruckt.
Mein Wohnzimmer, völlig leer bis auf einen Büroteppichboden und verschiedene Fax- und Bürogeräte, die herumstehen. An dem einen blinken plötzlich die Wähltasten, ohne daß irgendetwas klingelt oder sich weiter tut. Ich bemerke, daß etwas auf dem Balkon vorgeht und glaube, daß dies in Zusammenhang mit den seltsamen Blinkzeichen steht. Als ich nachschauen will, fliegt eine große Ringeltaube in mein Wohnzimmer, spaziert ein wenig herum, und macht sich dann wieder aus dem Staub. Das Bürowohnzimmer wandelt sich nun in mehrere Büroräume auf Arbeit. Aber alles ist so seltsam anders und vor allem neu. Neue Büromöbel, neue, viel kleinere Schreibtische, neue Arbeitsgeräte, aber nirgendwo Arbeit oder Akten. Ich laufe eine ganze Weile umher, zwischen neuen Möbeln und vielfach unbekannten Kollegen, um einen Platz zu finden, der wohl für mich vorgesehen ist, finde aber keinen. Weder gibt es einen Schreibtisch für mich, noch Arbeit. Ich sollte mich bei den Vorgesetzten beschweren. Wie soll man denn so arbeiten?

Freitag, 18. Februar 2011

Seltsame Suchbegriffe

Heute kam jemand mit dem Suchbegriff "reha mafia" auf mein Survival-Abenteuer. Daß es in der Reha-Branche aber inzwischen sogar schon eine Mafia gibt, ist mir neu (würde mich jedoch nicht wundern).

Weitere Begriffe des letzten Monats:

Sehr beliebt bereits seit Jahren - "Mumie basteln" und diverse Abarten. Es scheint einen hohen Bedarf an Mumien zu geben.

"Papst isst öffentlich"

"Gähnen eine versteckte Krankheit"

"Friedhofsgärtner Fridolin" - wer immer das ist

"was macht die tänzerin aus dem schokoladenmädchen heute"

"neue red bull werbung wie zu verstehen" - Wetten das war ein Mann?

Abschreckender Auftritt

In einer neuen Wohnung bei einem anderen Vermieter liege ich wach in meinem Bett. Ich trage eine weiße Zipfelmütze und dazu ein wadenlanges weißes Männernachthemd, so wie man sie von früher kennt. Damit dürfte ich aussehen wie eine Mischung aus Wilhelm-Busch-Karikatur und Blacky Fuchsberger in seiner legendären Nachthemdsendung, aber natürlich alles ohne Haare. Es klingelt an der Tür. Ich jedoch bleibe liegen und habe nicht vor zu öffnen. Es klingelt ein zweites Mal, ich reagiere nicht. Dann höre ich plötzlich verdächtige Geräusche und Stimmen. Eine Stimme kommt mir sehr bekannt vor, sie klingt wie die eines jungen Angestellten des Vermieters. Ich ahne bereits, was vor sich geht und beschließe, gleich zum Gegenangriff über zu gehen und mich nicht erst im Bett erwischen zu lassen. Als ich die Schlafzimmertür öffne, stehe ich mehr als dreißig Leuten gegenüber, die gemächlich durch meine Wohnung wie durch ein Museum schlendern. Wohnungsbesichtigung mit potentiellen Mietern. Da ich in einer schwächeren und dazu noch sehr lächerlichen Position bin, weiß ich mir nicht anders zu helfen, als mit einer wütenden Schimpftirade vorzupreschen. Ich schreie den Mann von der Vermietung an, was ihm einfällt, ungebeten und heimlich in meine Wohnung einzudringen und daß er ja wohl einen Termin hätte mit mir vereinbaren müssen. Die ersten Leute, die mich anfangs wie die Erscheinung eines Geistes angestarrt haben, schütteln empört die Köpfe und verlassen entsetzt von der Dreistigkeit des Vermieters die Wohnung. Sie wissen bereits, daß sie bei so einem Vermieter nicht anmieten wollen. Andere gehen zwar aus der Wohnung, sammeln sich aber unschlüssig im Hausflur. Auch als alle Eindringlinge meinen Privatbereich verlassen haben, lasse ich mit dem Schimpfen nicht nach. In einige Nebensätze baue ich dabei die Chemo ein und beschwere mich darüber, daß man von jemanden, der gerade eine Chemo mitmacht wohl nicht erwarten könne, ständig zur Verfügung zu stehen. Zwar sieht man das an meinem Äußeren, aber manche Leute erkennen es vielleicht doch nicht so offensichtlich, wenn man sie nicht darauf hinweist. Und tatsächlich ziehen jetzt die restlichen Besichtiger ab, entsetzt darüber, daß man eine "arme krebskranke Frau" so in ihrer Wohnung überfällt. Ich bin sehr zufrieden mit mir und meinem Auftritt. Alle potentiellen Mieter sind vergrault und der Vermieter wird es sich sicher überlegen, ob er so etwas ohne offizielle Teminabsprache mit mir noch einmal veranstaltet. Ich bin so zufrieden, daß ich für die letzten Fliehenden schnell noch ein paar Tränchen verdrücke, damit ihnen mein zufriedenes Gesicht nicht auffällt. Denn die Schlacht ist längst geschlagen und alle Eindringlinge sind verjagt.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Mangelnde Hygiene und die Folgen in deutschen Kliniken

http://wstreaming.zdf.de/zdf/300/110214_keime_wis.asx

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1260256/Gefährliche-Keime-in-deutschen-Kliniken?flash=off

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/sendung-verpasst/#/beitrag/video/1260256/Gef%C3%A4hrliche-Keime-in-deutschen-Kliniken

Ich weiß schon, warum ich nicht ins Krankenhaus möchte. Allerdings würde ich auch in den Niederlanden nicht gerne in eine Klinik gehen, obwohl man es dort mit Hygiene anscheinend etwas ernster nimmt. Und daß man ohne richtige Nachversorgung von Operationsnarben wieder nach Hause geschickt wird, scheint mir wohl nach meiner Erfahrung der Standard zu sein. (WISO-Sendung vom 14.2.2011)

...

Die Psychologie des Schaffensprozesses ist heutzutage noch wenig erforscht. Das erklärt sich aus der ungewöhnlichen Kompliziertheit dieses Prozesses, der bei verschiedenen Schriftstellern sehr unterschiedlich verläuft und sich nur schwer in die Grenzen irgendwelcher genauen Formeln oder Gesetze zwängen läßt. Mitunter ist er auch den Schriftstellern selbst unerklärlich. Die meisten von ihnen können nur wiedergeben, was sie empfinden, während sie etwas schaffen, aber sie sind nicht in der Lage, das, was dabei in ihnen vorgeht, zu erklären; sie können den Schaffensprozeß einfach nicht nüchtern analysieren und sein Wesen ergründen. Das weist diesen schöpferischen Vorgang als eine so unmittelbare Funktion unseres Bewußtseins aus, daß er selbst seinen Trägern oft unfaßbar bleibt. Viele Schriftsteller wird man vergeblich nach dem Wesen des Schaffensprozesses fragen. Sie vermögen nicht zu antworten, wie ja auch die Vögel nicht erklären können, wie sie ihre Lieder singen.
(aus "Begegnungen mit Dichtern" von Konstantin Paustowski)

Mittwoch, 16. Februar 2011

Manchmal

habe ich ja den Verdacht, daß meine Zahnärztin in diesem Blog mitliest. Kaum hatte ich hier darüber sinniert, wie unheimlich gerne ich mal wieder eine dieser ursprünglichen, puren und archaischen Zahnbehandlungen ohne Betäubung genießen würde, bekomme ich knapp eine Woche später eine nette Einladung von ihr. Anscheinend schickt sie mir jetzt jedes Jahr eine Karte, wobei die letzte noch nicht ganz ein Jahr her ist, sondern erst vom Mai. Danke, sehr aufmerksam, aber was ich schrieb war nicht wirklich ernst gemeint.
Und in der Arztpraxis belauschte ich heute ein Gespräch zwischen zwei anderen Chemo-Patientinnen. Die eine, ganz neu und vor der ersten Chemo, will wissen, was denn nach den Behandlungen mit dem Port passiert. Die andere antwortet, eine Ärztin hätte gesagt, die meisten würden den Port behalten, weil er so schön praktisch wäre. Oh ja, ich kann mir nichts Praktischeres vorstellen, als so ein buckliges Implantat unter der Haut zu tragen, das aussieht, als würde da jeden Moment ein Alien rausschlüpfen. Im Sommer sieht man das sogar unter dem T-Shirt. Und wer weiß, was da noch drin ist. Vielleicht kann man mich inzwischen schon über GPS orten und ich weiß noch gar nichts davon. Elektronische Brustfesseln sozusagen...

Gleichung mit Unbekannten

Es ist früh um 7 Uhr und ich sitze bereits in einem Seminar an der Fachhochschule. Der Seminarraum ist klein, mit wenigen Studenten und wir alle starren schweigend an die Tafel. Auf dieser wurde eine mehrere Zeilen lange Gleichung mit vielen Unbekannten, Brüchen und Klammern hinterlassen. In meinem Kopf herrscht gähnende Leere. Weder habe ich solch eine Gleichung schon einmal gesehen noch irgendeinen Schimmer, was das alles bedeuten soll. Den anderen scheint es ähnlich zu gehen. Es ist mucksmäuschenstill und auch der Dozent sagt kein Wort. Schließlich geht ihm aber die Geduld aus und er bemerkt lächelnd, wir sollen doch bitte nicht so tun, als hätten wir sowas noch nie im Leben gesehen. Echt jetzt? Also ich könnte beinahe schwören, daß es so ist. Dann muß ich wohl entweder nicht aufgepaßt haben oder ich fehlte gerade. Vielleicht ist das auch wieder diese verdammte Differentialrechnung. Die habe ich noch nie kapiert. Um 8 Uhr verlasse ich das Seminar und beschließe, erst einmal ein Frühstück zu benötigen. Es ist noch dunkel draußen und die Kantine der Fachhochschule leider zu dieser frühen Stunde geschlossen. Da der Unterricht aber erst um 9 Uhr weitergeht, hätte ich genug Zeit, irgendwo in die Stadt zu fahren, wo ich mir ein Frühstück besorgen kann. Gleich in der Nähe muß eine U-Bahn-Station sein. Etwas ziellos irre ich durch eine Stadt, die Berlin sein soll, aber wenig Ähnlichkeit mit ihr hat. Auf dem schmalen Weg über einen Hinterhof laufen langsam und gemächlich zwei alte Frauen vor mir. Während ich sie überhole, höre ich sie von blauen Schmetterlingen reden. Auf einer riesigen Kreuzung angekommen, finden sich hier nun tatsächlich mehrere U-Bahn-Eingänge. Doch ich gehe stattdessen durch einen Hauseingang und Torbogen, welcher auf eine kleinere hintere Straße führt. Während ich noch die Straße weiter hinunterlaufe, drehe ich mich um und bemerke, daß sie von hinten wie eine Sackgasse aussieht. Dunkle Häuser mit hohen Giebeln versperren scheinbar den direkten Weg und von dem Durchgang ist von hier aus gar nichts mehr zu sehen. Wer weiß, ob ich ihn wiederfinden würde. Plötzlich möchte ich doch wieder zur Kreuzung und mache kehrt. In einer Nische finde ich ziemlich schnell den Zugang, aus dem ich gekommen bin, doch anscheinend führt der Weg zurück durch ein Krankenhaus. Labyrinthähnlich führen viele Türen von einem Raum zu anderen Räumen. Ab und zu stehen Krankenbetten mit regungslosen Kranken in irgendeiner Ecke. Den Weg hinaus zu finden ist nicht ganz einfach. Immer wieder öffne ich Türen zu Krankenzimmern und entschuldige mich schnell für die Störung. Schließlich frage ich eine Krankenschwester, die mir die richtige Tür zeigt und augenblicklich stehe ich erneut an der großen Kreuzung.

Montag, 14. Februar 2011

Die Kathedrale in Dresden

Kathedrale 2

Nichts bleibt

wie es ist. Während früher (und damit meine ich vor ca. sieben Jahren) ein Blogbeitrag über das Bloggen an sich noch lange und mehr oder weniger aufgeregte Diskussionen hervorrief, loggt lockt er heute keinen Blogger mehr hinter der Tastatur hervor. Das ist verständlich und war vorherzusehen. Anscheinend hat man sich endlich stillschweigend darauf geeinigt, daß es ungefähr so viele Gründe und Arten des Bloggens gibt, wie Gründe und Arten zu leben.

Erdbeeren im Februar und moderne Kunst

Manchmal habe ich den Verdacht, es ist ein verdammt abgekartetes Spiel, daß die ersten, noch halb grünen Erdbeeren jedes Jahr pünktlich zum 14.2. auf den Markt geworfen werden. Aber egal, heute sind sie genau das Richtige, wenn auch das Aroma nie an das der echten Sommererdbeeren heranreicht. Sie sind wie ein Versprechen, von dem man noch nicht weiß, ob es gehalten werden wird oder nicht, aber nichtsdestotrotz tröstlich. Und sie erinnern mich an eine Szene des unvergleichlichen Films "Immer Ärger mit Harry" des unvergesslichen Alfred Hitchcock, die, in welcher ein junger Künstler als großes Kunstgenie entdeckt und gefragt wird, was er für seine Werke haben möchte. Er will darauf von seiner Angebeteten wissen, was sie am liebsten auf der ganzen Welt mag und sie antwortet: "Erdbeeren! Erdbeeren mag ich am liebsten!" Und er bestimmt, daß sie ab jetzt jeden Monatsersten zwei frische Kartons Erdbeeren bekommen soll. Großartige Szene.