Dicke Regenwolken, ein ständiges leichtes oder auch stärkeres Nieseln, jedoch knapp über 20 Grad Lufttemperatur luden heute dazu ein, es mir auf meinem Stammplatz auf dem Balkon bequem zu machen und mich in die unglaublichen Welten Castanedas voller anorganischer Wesen, selbstgefälliger Zauberer, brutzelnder Scouts und einem räuberischen Universum zu vertiefen, nur von einigen versprengten Regentropfen getroffen. Und bei dem gelben Nebel der Welt der Anorganischen fühlte ich mich unversehens an diesen gelben Nebel meiner Kindheit erinnert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_gelbe_Nebel
Ich bin mit einer Gruppe von Leuten in einem seltsamen fremden Land unterwegs. Wir trennen uns zwischendurch und irgendjemand von uns geht dort in die Politik und kandidiert. Sein erklärtes Ziel ist die Abschaffung der Asietten. Aus diesem Grund mag ihn ( bzw. sie, wie ich glaube) die Bevölkerung des Landes überhaupt nicht, weil sie nicht auf Asietten verzichten möchten. Während ich alleine weiterreise, fahre ich mit einer S-Bahn und werde dort von den Leuten feindselig angeschaut, weil sie mich als einen der Fremden erkennen, der in ihr Land gekommen ist. Ich fühle mich deshalb bemüßigt, ihnen zu erklären, dass Asietten Aluminium enthalten und Aluminium eventuell bei der Entstehung von Alzheimer mit beteiligt ist. Sie antworten nicht darauf und ich steige irgendwann aus. Und wieder versuche ich durch Fragen auf der Straße eine Unterkunft zu finden, so wie ich es schon die ganze Zeit mache. Ich bin nirgendswo zu Hause, sondern reise stets weiter und suche mir auf der Straße Unterkünfte. In dieser Stadt fallen mir vollkommen schwarze Gestalten auf, die anscheinend von oben bis unten mit schwarzem Fell bewachsen sind und auch die Augen sehen nicht menschenähnlich aus. Zuerst bin ich mir nicht sicher, ob es völlig "unmenschliche" Wesen sind und frage mich, in was für einem Land ich gelandet bin, doch dann beschließe ich einfach, ohne gefragt oder nachgeschaut zu haben, dass sich die Leute als schwarze zweibeinige Katzen verkleidet haben, weil sie anscheinend so Karneval feiern. Auf der Suche nach einer Unterkunft komme ich an einem Park vorbei, in welchem sich Flußpferde und Krokodile am Ufer eines schmalen Flusses aufhalten. Ich mache einen großen Bogen um sie. Endlich befinde ich mich in einer Unterkunft, die heimähnlich wirkt, denn ich bin dort in einer Art Schlafsaal. Eine Frau, die aus diesem Saal in das Freie tritt, wird plötzlich ohne Vorwarnung von jemandem erschossen und ein Mann mit einer Pistole kommt hereingestürzt. Ich wechsle einige Worte mit ihm, wobei ich wohl auch die Polizei erwähne und erfahre, dass er Polizist ist und dieses Vorgehen in dem Land üblich und gesetzlich ist.
»Sind Sie sicher? Sobald man mit der Energie verbunden ist, haben Gedanken oftmals andere Erscheinungsformen.« Ich sah ihn verwirrt an.
»Die Worte, die Sie gewöhnlich in Ihren Kopf zwingen, um Ereignisse mit Hilfe der Logik zu kontrollieren, versiegen, sobald Sie Ihr Kontroll-Drama aufgegeben haben. Während Sie sich mit Energie auftanken, manifestieren sich Gedanken einer anderen, höheren Qualität in Ihrem Bewußtsein. Hierbei handelt es sich um Ihre Intuitionen. Sie mögen fremdartig erscheinen und halten sich meistens im Hinterkopf auf, doch ab und an erscheinen sie in Form eines Tagtraumes oder einer Mini-Vision. Sie kommen auf direktem Wege, um Sie anzuleiten.«....
Du mußt verstehen, daß es im Leben nicht um Antworten geht. Es geht darum, die aktuellen Fragen zu erkennen. Hast du die richtige Frage erkannt, folgt immer auch die Anwort.
Sobald du ahnst, was als nächstes passieren wird, heißt es ausgesprochen aufmerksam und wach zu werden. Früher oder später werden scheinbare Zufälle auftauchen, die dafür sorgen, daß du dich tatsächlich in die Richtung bewegst....
»Indem wir unsere akuten Lebensfragen im Kopf behalten und dann auf Anweisungen warten, die uns in Form von Träumen oder Intuitionen erscheinen. Oder in der Form, daß unsere Umgebung uns erleuchtet.«
»Ja!« sagte Pablo. »Das ist der richtige Weg. Und jedes Mal führen diese Fügungen zu etwas Neuem.Wir wachsen, werden reifere Persönlichkeiten und existieren auf einer Ebene gesteigerter Schwingung.«...
Er bückte sich erneut und pflückte eine Blume.
»Sie sagt, daß wir nicht nur von Träumen geleitet werden, sondern auch von Gedanken und Tagträumen.«
»Ja, Pater Carl behauptete das auch. Erklär mir, wie Tagträume funktionieren.«
»Durch sie sind wir in der Lage, Szenen oder Ereignisse zu sehen, die sich tatsächlich ereignen können. Wenn wir aufmerksam genug sind, können wir uns durch sie auf eine Wendung in unserem Leben vorbereiten. Der Siebten Erkenntnis nach haben wir sie wesentlich häufiger, als wir annehmen. Um sie zu erkennen, müssen wir jedoch lernen, die Position eines Beobachters zu beziehen. Und taucht ein Gedanke auf, müssen wir fragen, warum er das tut und warum gerade jetzt? In welcher Beziehung steht er zu der Problematik unseres Lebens? Die Position des Beobachters hilft uns dabei, das Bedürfnis nach völliger Kontrolle aufzugeben. Sie bringt uns in Verbindung mit dem Fluß unserer Entwicklung.«
»Aber was ist mit den negativen Gedanken?« fragte ich. »Der Furcht davor, daß etwas Schreckliches geschehen wird, jemand, der uns nahesteht, verletzt werden könnte, oder wir nicht erreichen, was wir uns vorgenommen haben?«
»Ganz einfach«, sagte Pablo. »Die Siebte Erkenntnis sagt, daß Bilder der Angst bei ihrem Auftauchen angehalten und durch etwas Positives ersetzt werden. Daraufhin wird es bald so gut wie keine negativen Bilder oder Gedanken mehr geben. Du wirst nur mehr Ahnungen von positiven Ereignissen haben.
Sollten negative Bilder auftauchen, dann rät das Manuskript, sie unbedingt ernst zu nehmen, sie je doch nicht weiterzuverfolgen. Wenn du zum Beispiel ein Bild davon hast, wie du in einem Lastwagen verunglückst, und jemand bietet dir an, in seinem Wagen mitzufahren, so lehne das Angebot ab.«...
»Vergiß nicht, unterwegs so oft wie möglich zu halten und dich mit der Energie zu verbinden. Versuche erfüllt und voller Liebe zu bleiben. Hast du diesen Zustand einmal erreicht, kann nichts und niemand dir mehr Energie abziehen, als du imstande bist zu ersetzen. Um genau zu sein, schafft die Energie, die du abgibst, eine Art Strömung, die dafür sorgt, daß du ebensoviel Energie wieder aufnimmst. Du brauchst keine Angst zu haben, leerzulaufen. Doch mußt du dir dieses Vorganges die ganze Zeit bewußt bleiben, sonst funktioniert er nicht. Das gilt in verstärktem Maße, wenn du es mit anderen Menschen zu tun hast.«
»Meine Intuition rät mir, dir noch etwas mitzuteilen. Später wirst du es besser verstehen lernen: Laß dich durch deine Wahrnehmung des Schönen und Schillernden leiten. Menschen und Orte, die Antworten für dich bereithalten, werden dir leuchtender und attraktiver erscheinen.«...
»Ich werde dir die im Manuskript aufgeführten Klassifikationen aufzählen«, sagte Sanchez. »Jeder Mensch bemüht sich um Energie, entweder aggressiv, das heißt, er zwingt Leute mit direkter Gewalt ihre Energie an ihn abzugeben, oder passiv, indem jemand mit dem Mitleid oder der Neugierde anderer Menschen spielt, um auf diese Weise Aufmerksamkeit zu erregen. Bedroht dich zum Beispiel jemand körperlich oder verbal, so bist du aus Angst davor, daß dir etwas Schreckliches widerfahren könnte, gezwungen, ihm deine Beachtung zu schenken und damit auch deine Energie. Der dich Bedrohende zieht dich in das aggressivste aller Dramen, ein Typus, der in der Sechsten Erkenntnis als Einschüchterer bezeichnet wird.
Zählt dir jemand all die gräßlichen Dinge auf, die ihm, möglicherweise auch noch deinetwegen, zugestoßen sind, und erklärt, daß sich diese Schreckenserlebnisse fortsetzen werden, wenn du dich weigerst, ihm zu helfen, so versucht jemand auf der passivsten aller Ebenen Kontrolle zu erlangen.
Das Manuskript nennt dies das Drama des armen Ich.
Denk einen Augenblick darüber nach, bevor du antwortest. Warst du jemals mit Menschen zusammen, die dir ein Gefühl der Schuld vermittelt haben, obwohl es eigentlich keinerlei Grund dafür gab? ...Hat der Betreffende versteckte Aggressionen und untergräbt, um an deine Energie zu gelangen, deine Welt, indem er Fehler darin findet, wie dein Vater, so handelt es sich bei der Person um einen Vernehmungsbeamten.
Weniger passiv als das Drama des armen Ich ist deine eigene Unnahbarkeit. In ihrer Abstufung lauten die Typen: Einschüchterer, Vernehmungsbeamter, Unnahbarer und armes Ich. Leuchtet dir das ein?«
»Ich denke, schon. Meinen Sie, daß jeder unter einen dieser Typen einzuordnen ist?«
»Ich bin davon überzeugt. Manche benutzen allerdings mehrere Dramen, wenn die Situation es rechtfertigt, doch die meisten unterliegen einem einzigen dominanten Kontroll-Drama, das ständig wiederholt wird, da es sich vorher in der Familie bewährt hat.«
Allmählich dämmerte es mir. Ich sah Sanchez an.
»Jetzt fällt's mir ein. Meine Mutter war ebenfalls ein Vernehmungsbeamter.«
»Dann hast du eine zweifache Dosis abbekommen«, sagte Sanchez. »Kein Wunder, daß du so unnahbar geworden bist. Aber zumindest haben sie dich nicht eingeschüchtert, und du hast nie um deine Sicherheit bangen müssen.«
»Was wäre dann passiert?«
»Du wärst im Drama des armen Ich hängengeblieben. Ist dir jetzt klar, wie die Sache funktioniert?
Wenn dich als Kind jemand mit der Androhung körperlicher Gewalt um deine Energie bringen will, dann reicht Unnahbarkeit als Gegenwehr nicht mehr aus. Durch gespielte Schüchternheit bekommst du deine Energie nicht zurück - man kümmert sich dann einen Dreck darum, was in dir vorgeht. Der Druck von außen ist zu groß. Also bist du gezwungen, dich passiver zu verhalten und ins Drama des armen Ich zu flüchten, du appellierst an die Gnade der betreffenden Person und flößt ihr Schuld für ihre Untaten ein.
Wenn das nicht funktioniert, mußt du als Kind einfach durchhalten, bis du groß genug bist, um zu explodieren und gegen die Gewalt zu kämpfen. Aggression steht dann gegen Aggression.« Er hielt einen Moment inne. »Wie das Kind in der peruanischen Familie, von dem du mir erzählt hast.
Ein Mensch versucht alles, um in seiner Familie an Energie zu gelangen. Jedes Mittel ist ihm recht. Und ist er einmal erfolgreich, wird diese Strategie zum dominierenden Mittel, um den Energiezufluß aller anderen zu kontrollieren, und somit zu einem ständig wiederholten Drama.«
»Den Einschüchterer verstehe ich«, sagte ich, »aber wie entwickelt sich der Vernehmungsbeamte?«
»Was würdest du tun, wenn du als kleines Kind entweder ignoriert würdest oder deine Eltern nicht daheim wären, weil sie zum Beispiel ihrer Karriere nachgehen?«
»Ich weiß nicht.«
»Unnahbar spielen würde dir keine Aufmerksamkeit einbringen; es würde niemandem auffallen. Denkst du nicht, du müßtest anfangen, so lange zu bohren und zu schnüffeln, bis du einen Fehler bei diesen unnahbaren Leuten findest, um sie damit zu zwingen, dir etwas von ihrer Aufmerksamkeit und damit ihrer Energie zu geben? Genau das ist es, was ein Vernehmungsbeamter tut.«
Ich begann, den Inhalt der Erkenntnis zu verstehen.
»Unnahbare Leute schaffen Vernehmungsbeamte!«
»Genau das.«
»Und umgekehrt! Der Einschüchterer provoziert das Drama des armen Ich oder, falls das nicht zum Erfolg führt, einen weiteren Einschüchterer!«
»Exakt. Auf diese Weise setzen Kontroll-Dramen sich fort. Behalte aber im Auge, daß wir durchaus dazu neigen, diese Dramen in anderen zu erkennen, während wir uns selbst in diesen Belangen für unfehlbar halten. Jeder von uns muß diese Illusion aufgeben, bevor wir uns weiterbewegen können. Die meisten von uns hängen, zumindest einen Teil ihrer Zeit, in einem Drama fest, und unsere Aufgabe besteht darin, einen Schritt davon zurückzutreten und uns selbst lange genug zuzuschauen, um herauszubekommen, worin genau das Drama besteht.«
Ich schwieg einen Augenblick. Dann sah ich Sanchez wieder an und fragte: »Was geschieht, wenn wir unser Drama erkannt haben?«
Er verlangsamte die Fahrt, um mir in die Augen zu sehen. »Dann erst steht es uns wirklich frei, eine Rolle in einem anderen Stück zu spielen und nicht immer nur den gleichen Akt, den uns unser Unterbewußtsein vorschreibt. Wie ich schon sagte, können wir uns dann um die höhere Bedeutung unseres Lebens kümmern und möglicherweise einen spirituellen Grund dafür finden, warum wir in eine bestimmte Familie geboren wurden. Wir können uns endlich darüber klarwerden, wer wir wirklich sind.«...
Das Manuskript beweist, daß solche Versuche, Energie abzuziehen, nicht mehr funktionieren, sobald man sie zur Sprache oder ins Bewußtsein der jeweiligen Person bringt, weil sie nur verdeckt existieren können. Die Wahrheit wird sich in einem Gespräch schließlich immer durchsetzen. Danach
muß dein Gegenüber aufrichtiger und ehrlicher sein.«
»Das ergibt Sinn«, sagte ich. »Ich schätze, daß ich selbst bereits Dramen beim Namen genannt habe, ohne mir dessen bewußt zu sein.«
»Wir alle haben das getan. Wir begreifen jetzt langsam, was auf dem Spiel steht. Die Lösung liegt darin, auf die wahre Person hinter dem Drama zu schauen und soviel Energie wie möglich an diese Person abzugeben. Wenn sie merkt, daß Energie in ihre Richtung fließt, braucht sie nicht mehr mit allen Mitteln dafür zu kämpfen.«...
Pater Costous ist ein gutes Beispiel«, fuhr er fort. »Er war im Besitz einer wertvollen Botschaft für dich, und du hast ihm nicht geholfen, sie zu enthüllen. Du hast Antworten von ihm verlangt, was zu einer Art Wettbewerb zwischen euch führte und sein Kindheitsdrama, das des Vernehmungsbeamten, auf den Plan rief. Dadurch wurde dann auch das Gespräch bestimmt.«
»Das wirst du sein«, sagte er, »wenn du deine Fragen immer im Hinterkopf behältst. Selbst Menschen, die noch kein Bewußtsein darüber haben, können eine Botschaft tragen, die irgendwie zur Beantwortung deiner Fragen beiträgt. Das gilt insbesondere für sogenannte Unglücksfälle, wie wir sie nennen. Die Siebte Erkenntnis führt aus, daß die Herausforderung darin besteht, das Gute in jeder Begebenheit aufzufinden - egal wie negativ sie zunächst auch erscheinen mag. Zunächst dachtest du, daß deine Gefangennahme alles ruiniert habe. Doch jetzt siehst du, daß du hier am richtigen Ort bist. Hier lagen die Antworten auf deine Fragen.«
»Die Achte Erkenntnis warnt dich«, rief er mir hinterher. »Sie warnt dich davor, dein Wachstum aufzugeben... Das passiert, wenn du nach eine anderen Person süchtig wirst.«
»Am Anfang einer Liebe versorgen sich beide Partner unbewußt gegenseitig mit Energie, geraten als Folge davon in Hochstimmung und fühlen sich beflügelt. Dieses unwahrscheinlich intensive Hochgefühl nennen wir >Verliebtsein<. Wenn die Partner jedoch erwarten, der andere müsse ihnen dieses Gefühl vermitteln, so schneiden sie sich damit von der Energiezufuhr des Universums ab und werden im Lauf der Beziehung immer abhängiger von der Energie des Partners - unglücklicherweise ist sie dort zu diesem Zeitpunkt meistens nicht mehr im Überfluß
vorhanden. Und so wird an der eigenen Energie gespart. Die Beteiligten verfallen wieder in ihre alten Dramen und versuchen einander zu kontrollieren, um die Energie des anderen in die eigene Richtung zu lenken. An diesem Punkt verkommt die Beziehung zu dem ja bestens bekannten stinkgewöhnlichen Machtkampf.«....
»Wie ich vorhin schon sagte, behauptet die Achte Erkenntnis, daß wir zu Beginn unserer Bewußtseinsbildung automatisch mit der Energie des anderen Geschlechtes versorgt werden.
Sie hat ihren natürlichen Ursprung in der Schöpfungsgewalt.
Doch müssen wir achtgeben, denn wenn uns jemand den direkten Zugang zu dieser Energie anbietet, schneiden wir uns von der wahren Quelle ab..., und aus ist es mit der Weiterentwicklung. Wir fallen zurück.« ...
»Die Idee besteht darin, Hochgefühle und Euphorie,wie sie nur zu Beginn einer Abhängigkeitsbeziehung auftreten, auch allein empfinden zu können. Sie müssen Ihren Partner gewissermaßen in Ihrem Inneren entwickeln. Danach werden Sie Fortschritte machen und können sich endlich auf die Suche nach jener einmaligen romantischen Beziehung machen, die Ihnen auf den Leib geschneidert ist.«...
»Wann immer ein anderer Mensch unseren Weg kreuzt, trägt er eine Botschaft für uns. Zufällige Begegnungen gibt es nicht. Wie wir auf Begegnungen reagieren, entscheidet darüber, ob wir in der Lage sind, die Botschaft aufzunehmen oder nicht. Wenn wir in einer Unterhaltung mit jemandem keine Botschaft in bezug auf unsere aktuellen Fragen erhalten, so heißt das nicht, daß keine Botschaft für uns existiert, sondern nur, daß wir sie aus irgendeinem Grunde nicht verstanden haben.«
Sich unausgesetzt in diesem nahezu magischen Fluß aufzuhalten, darin lag das Geheimnis für Glück.
Letzte Nacht träumte ich, dass Herr Luchterhand auf mir drauf liegt und mich küssen will. Zumindest sah er genauso aus, wie ich mir den Herrn Luchterhand vorstelle. Erst als ich ihn höflich und kühl bat, er möge doch wieder von mir heruntersteigen, hat er das getan.
Das hab ich nun von dieser dämlichen Fortsetzungsgeschichte. Jetzt kriege ich schon Luchterhand'sche Albdrücke. :-/
Wer im Kinderzimmer nicht rebelliert, tut es später auf der Straße auch nicht mehr.
Aus einer Reportage über den neuen "Kuschelkurs" der Jugend.
Auf der POLYLUX-Seite findet man übrigens einen Überlebensleitfaden für unerfahrene Berlin-Besucher.
Hier geht's lang...
statt dem Wort "Saldenanerkenntnis" eine "Seidenanerkenntnis" liest, dann ist man wohl mit seinen Gedanken gerade irgendwo hinter der Seidenstraße.
einen schweren Ast in meinen Bau zu schleppen:
Wenn ich ein eigenes Land wäre....
hieße ich "Zuckerwolkenland";
wäre meine Nationalhymne "Tanz der Zuckerfee",
würde meine Flagge aussehen wie ein bunter Schmetterling;
wäre meine Währung leichtes Papiergeld mit viel Glitzer;
wäre meine Sprache international;
wäre meine Staatsform die Demokratie;
hätte ich 333. 666.999 Einwohner;
würde meine Wirtschaft sich darauf konzentrieren, Ideen zu exportieren und Dinge für den eigenen Bedarf zu produzieren. Und jeder Einwohner ist in beide Branchen involviert;
müßte auf Papier eine Abgabe entrichtet werden;
hätte mein Klima das ganze Jahr über 20-28 Grad, wäre sonnig, ab und zu von Regen und Sturm unterbrochen und nur im Dezember würden die Temperaturen bis auf -1 bis -5 Grad abfallen, gleichzeitig gefolgt von dichtem Schneefall;
mein Nationalfeiertag wäre eine Nationalfeierwoche zur Förderung der Unbeschwertheit;
würde mein Land vom Nordkap bis zum Äquator reichen;
hätte ich die Internet-Domain .lmaa;
wäre meine internationale Vorwahl 3333;
gäbe es eine "jede Familie nur ein Auto-Regelung".
Komischer Tag das heute. Obwohl schwer aus dem Bett gekommen, war ich gleich am frühen Morgen hochmotiviert und warf mich voller Elan auf meinen Poststapel. Ich habe dann auch so besessen gearbeitet, dass ich haufenweise weggeschaffte, wahrscheinlich so viel, wie andere in einer Woche. Doch ab Mittag hing ich plötzlich total in den Seilen, wie ausgepowert, was ich zum Anlaß nahm, etwas eher zu gehen und mal wieder dem Baumarkt einen Besuch abzustatten. Dort kaufte ich schon mal Farbe und Pinsel, und außerdem andere Utensilien, die man unbedingt braucht, wie Kleiderbügel, Gläser, einen neuen Klorollenhalter, eine Steckdosenleiste und zwei Halogenspots in dunklem Purpurrot - meinem Lieblingsrot.
Der ganze Tag war irgendwie sehr hektisch und telefonlastig, dieses klingelte am laufenden Band, fast wie in alten Zeiten, und ständig kam jemand und wollte irgendwas. Zum Beispiel meine Chefin, die jetzt schon wissen wollte, ob wir Interesse an einer Weihnachtsfeier haben. Ich hab sie angeschaut und meinte: "Ich weiß ja nicht mal, ob ich Weihnachten noch da bin." (weil ich im Moment immer nur Monat für Monat verlängert werde). Darauf erklärte sie, darüber mache sie sich keine Sorgen, da ich für eine Kollegin eingesetzt bin, die befristete EU-Rente erhält, und sie halte es eher für unwahrscheinlich, dass diese irgendwann wiederkommt. (Nun ja, ich würde mich nicht darauf verlassen.)
Als ich zu Hause war, musste ich an meinen Kumpel denken und überlegte, ob ich anrufen soll, da klingelte es schon im selben Augenblick und er war dran. Das war mal wieder Gedankenübertragung. Irgendwie scheinen zur Zeit alle im Einrichtungsfieber zu sein. Ob das an der kommenden Mehrwertsteuererhöhung liegt? Jedenfalls sind Nachbarn im Haus am Einrichten, ich und meine Mutter sowieso, und mein Kumpel will sich jetzt auch eine neue Küche zulegen. Außerdem berichtete ich ihm natürlich, wie es meinem Vater geht und da erzählte er, das eine Bekannte von ihm, die früher manchmal mit dabei war, wenn wir die Diskotheken unsicher gemacht haben, Darmkrebs hat. Es wurde ziemlich spät entdeckt, so dass sich schon Metastasen gebildet hatten und sie haben ihr den halben Darm und die Gebärmutter rausgenommen. Vor kurzem hatte sie außerdem eine Chemotherapie. Sie wird dieses Jahr gerade erst 40. (Komisch, jetzt, wo ich selbst darauf zugehe, schreibe ich "erst" und finde das jung. Früher dagegen hielt ich es zwar nicht für alt, aber auch nicht mehr für jung.)
Irgendwie habe ich ja die Befürchtung, dass sich diese Horrornachrichten mit zunehmenden Alter noch häufen werden, bis man dann dazu übergeht, sich darüber zu unterhalten, wer zuletzt gestorben ist.
Ich habe mich mit M. für den 9.9. zu einem Ausflug nach Potsdam verabredet. Darauf freue ich mich schon.
wieder den Sonnenblumenhausmeister vor dem Fahrstuhl getroffen. Er fragt mich, ob ich mit ihm in den Keller komme. "Nee" sage ich, "mit dir komme ich nicht in Keller." har har
Wir kann nicho beglaubigen die Bitte die Email-Adresse es gewüsst hätte besorgen.
Bitte, schreiben Sie das email und korrekt Schlüssel von Zugang und wieder holen machen.
Ich nicho machen rufen email. Lieber besorgen worttransmitter und anstrengen sich zu telefonieren nach hause.
Ich fragte den Diener Leo, warum das wohl so sei, daß die Künstler manchmal nur wie halbe Menschen erschienen, während ihre Bilder so unwiderleglich lebendig aussähen. Leo sah mich an, verwundert über meine Frage. Dann ließ er den Pudel los, den er auf dem Arm getragen hatte, und sagte: »Bei den Müttern ist es auch so. Wenn sie die Kinder geboren und ihnen ihre Milch und ihre Schönheit und Kraft mitgegeben haben, dann werden sie selber unscheinbar, und es fragt niemand mehr nach ihnen.«
Bei meinem Plan, so etwas wie eine Geschichte der Morgenlandfahrt zu schreiben, sehe ich allerdings den Egoismus mit jedem Tage deutlicher: zuerst schien mir, als unternähme ich da eine mühevolle Arbeit im Dienst einer edlen Sache, aber mehr und mehr sehe ich, daß ich mit meiner Reisebeschreibung nichts andres anstrebe als Herr Lukas mit seinem Kriegsbuch: nämlich mir das Leben zu retten, indem ich ihm wieder einen Sinn gebe.
Endlich vermochte er sich aber doch nicht länger zu verbergen und zu drücken, sein Leid wurde zu groß, und ihr wisset, sobald das Leid groß genug ist, geht es vorwärts......
Verzweiflung ist das Ergebnis eines jeden ernstlichen Versuches, das Leben mit der Tugend, mit der Gerechtigkeit, mit der Vernunft zu bestehen und seine Forderungen zu erfüllen. Diesseits dieser Verzweiflung leben die Kinder, jenseits die Erwachten.
(aus "Die Morgenlandfahrt" von Hermann Hesse)
HIER kann man die nach dem persönlichen Feng Shui günstigsten Himmelsrichtungen herausfinden. Ich habe schon immer gewußt, dass der Süden meine Glücksrichtung ist.
Allseits begann man mich wohl aufzugeben, das unvermeidliche Los dessen, der sich selbst aufgibt.
Heiterkeit, das ist das Wort für ihn, allmählich sah ich auch, woher sie kam: Er durchschaute die Leute, vor allem sich selbst, und hatte Spaß daran, nicht Ekel, wie Panthoos.
Doch Furcht alleine hält die Götter nicht, sie sind sehr eitel, man soll sie auch lieben; der Hoffnungslose liebt sie nicht.
(aus "Kassandra" von Christa Wolf)
Habe mir gerade das Remake von King Kong angeschaut und muss sagen, dies ist ein Film, bei dem ich bereue, ihn deshalb nicht im Kino gesehen zu haben, weil ich "Jurassic"-Filme und Remakes in der Regel stinklangweilig finde, insbesondere, wenn beides zusammentrifft. Im allgemeinen bin ich froh, dass die Dinosaurier ausgestorben sind und ich mir aussuchen kann, ob ich mir eine Eintrittskarte für zähnebleckende Riesenechsen kaufe oder nicht. Doch diesmal muss ich zugeben, dass das Remake, zumindest für meine Begriffe, tatsächlich das Original übertrifft. Als ob ich es geahnt hätte, erlebt man mitten im Film ein neues Jurassic, in welchem die Filmcrew von rasenden Sauriern verfolgt wird, bzw. mit ihnen vor anderen Sauriern flieht. Die Flucht endet schließlich in einer riesigen Saurier-Massenkarambolage. Auch erstaunlich viel andere Fauna, die nicht nur dem Erdfrühzeitalter, sondern anderen Filmen entsprungen scheint, kann man in dem Streifen erleben. Da gibt es zum Beispiel Riesen-Raketenwürmer, Riesen-Spinnen, Riesen-Moskitos, Riesen-Fledermäuse, Riesen-Kellerasseln, Riesen-Tausendfüssler und eine Kakerlake, die Filmregisseur ist. Das alles verzeihe ich dem Film, da ich wirklich noch nie so gut animierte Viehcher jeder Art gesehen habe. Bei den meisten Filmen kann man im Bild erkennen, dass es Trick ist, es sieht teils zusammengeschnipselt oder seltsam "eckig" aus, aber in diesem Film ist alles wie aus einem Guß, nichts erscheint hineinmontiert oder unecht. Das einzige, was in dem Streifen ein wenig deplaziert zwischen den vielen Jurassic-Sauriern wirkt, ist "der Pianist", aber irgendwie gibt er der Geschichte gerade deshalb etwas Besonderes. Und die teilweise sehr Hollywood-Musical-klischeehaften "Liebesszenen" zwischen Kong und dem Mädchen vergebe ich ebenfalls, einfach deshalb, weil es wirklich großartige und sehr gut gemachte Unterhaltung ist. Leider ist auch diesmal kein Happy-End für Kong drin, so dass es doch gut war, dass ich den Film nicht im Kino gesehen habe.....
PS: Im übrigen bin ich weiterhin ganz froh, dass das Zeitalter der kreischenden Frauen endlich beendet ist. Die nerven mich in den alten Filmen immer ungemein.
Gerade gefunden: ein großes Online DDR-Lexikon unter
http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl.
Interessant z.B. der Artikel über Medikamentenmißbrauch in der DDR, mir gut bekannt, allerdings nur aus Hörensagen.
http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Medikamentenmissbrauch
Ich habe mir letztens so ein kleines Audiofunksystem gekauft und heute ausprobiert. Ich kann damit super toll die mp3, die ich auf dem Computer abspiele, auf meiner Surroundanlage anhören. Das ist gut, denn der Ton meines Notebooks ist miserabel. Auf der Anlage ist der Klang 1A. Außerdem kann ich CDs, die ich auf dem Radiorecorder in der Küche abspiele, damit auf der Anlage im Wohnzimmer hören. Das ist auch gut, weil mein DVD-Player noch immer und wahrscheinlich für ewig den Dienst verweigert. Natürlich könnte ich die CD genauso auf dem Notebook abspielen. Aber einen großen Haken hat die ganze Sache - eigentlich wollte ich es genau umgekehrt haben. Ich hatte gehofft, damit die digitalen Kulturradios, die ich nur über den Kabelreceiver empfange, wie Bayer4Klassik, WDR, NDRKultur, die ich sehr gerne höre, auch an anderen Empfängern und Orten, wie Küche, kleines Zimmer usw. hören zu können. DAS geht nun leider nicht, weil die Empfangsstation einen Cincheingang haben muss und den haben mein Notebook und mein Radiorecorder nicht. Aber mich wundert irgendwie gar nichts mehr, denn so ist es ja meistens mit der Technik - man kriegt immer das, was man eigentlich nicht wollte und braucht.
Außerdem nervt mich dieser Blog hier langsam tierisch, also nicht der Blog an sich, sondern die Fein Freiheiten der Blogtechnik. Das hat mich schon von Anfang an beim Layoutgefrickel genervt, aber dann hatte ich nach dem großen Rausschmiß und Stunden des Bastelns endlich ein neues Zuhause und irgendwie habe ich keine große Lust, dieses schon wieder zu verlassen, um umzuziehen. Bereits in den ersten Wochen hier ist mir aufgefallen, dass irgendwas mit den Ping- und Feeddingensda nicht funktionieren kann und das Häkchen in den Einstellungen anscheinend nur eine Attrappe ist. Denn trotz gesetztem Häkchen wurde von meinem Blog nie irgendwas gepingt, so dass ich irgendwann anfing, fleißig (ist gelogen, nur ab und zu, da ich noch Besseres zu tun habe) zumindest Technorati manuell zu pingen. Auch der Feed scheint irgendwie eine Macke zu haben, denn gewisse auf dem Feed beruhende Applikationen und Seiten funktionieren nicht. Zum Beispiel wird nach einem Update meine neu zugelegte Tagwolke nicht mehr angezeigt, was nachweislich nicht am Server liegen kann, wie ich erst dachte, und auch bei Blogbox erscheinen keine Feeds. Also beim alten 20six hat sowas von alleine funktioniert, da brauchte man sich gar nicht drum zu kümmern. Ich will ja nicht jammern, und zuerst fand ich es auch ganz nett, hier so gewissermaßen halb versteckt in der Blogosphäre vor mich hinzuschreiben, ohne seltsame Besucher, die in mir die Wiedergeburt einer einstigen Geliebten zu finden glauben, die meine Seele retten und mich mit dem Heiligen Geist, der in Zungen spricht, bekehren wollen, oder die meinen Blog archivieren. Aber irgendwie reicht es langsam - es macht nicht wirklich Spaß in einem Haus zu leben, wo die Fenster klemmen und die Schlösser an den Türen vor sich hinrosten, selbst wenn man glaubt, sie nicht zu brauchen.
Bin nach der Arbeit mal auf eine kleine Tour um den Potsdamer Platz. K., die Freundin meines Bruders, hat mal in einem Immobilienbüro eines Typen gearbeitet, der am Sony-Center jede Menge Wohnungen besitzt und diese für horrende Preise vermietet. Aber ich muss ehrlich sagen, 1-2 Stunden in diesem Gewühl und ich bin froh, wenn ich wieder in meiner Rentner-Siedlung bin. Überhaupt ist dies ein unschätzbarer Vorteil meiner Wohnung - wenn ich in die eine Richtung fahre, lande ich mitten im Getümmel, und in der anderen Richtung bin ich genau so schnell mitten in den Feldern. Im Prinzip könnte ich sowohl in die Stadtmitte, als auch in die städtischen Vororte laufen, allerdings kommt mir der Weg in die Stadt hinein immer sehr viel länger vor. Außerdem habe ich heute das erste Mal gesehen, dass jetzt schon in den Bahntunneln Werbung geschaltet wird. Da fährt man mit hundert Sachen einen schwarzen Tunnel entlang und auf einmal saust am Fenster so ein halbnacktes Wrangler-Girl auf einem Bildschirm an einem vorbei. So schnell kann man gar nicht weggucken, aber man sieht auch nicht viel. Immerhin habe ich den Firmennamen mitbekommen, also funktioniert es wohl.
Bevor Herr Luchterhand ging, machte er mir den Vorschlag, einen der Schränke vor die Stelle mit dem Fleck zu rücken, der nun wie eine riesige schwarze Spinne an der Wand lauerte.
Wenn die sowieso da stünden, fiele die Wand dahinter ja nicht mehr auf. Eigentlich waren die Schränke nicht für diese Wand vorgesehen, aber in meiner Ratlosigkeit nickte ich nur. Hauptsache, dieses Monstrum war weg. In gemeinsamer Anstrengung zerrten wir gleich beide Möbelstücke hinüber. Danach verabschiedete sich Herr Luchterhand und ich blieb nur wenig beruhigt zurück. Fast schien es, als würde der Fleck, nun, da ich ihn nicht mehr beobachten konnte, in meiner Fantasie noch unheimlicher und größer zu werden. Krampfhaft versuchte ich mir, sein Bild wieder vor Augen zu projizieren. Ich fühlte mich nicht wohl und fröstelte leicht, obwohl es eine warme Nacht war. Das Zimmer hatte sich in der Sonne des Tages enorm aufgeheizt und noch war einiges von der Hitze darin gefangen. Sie hätte ausgereicht, um jedem den Schweiß aus den Poren zu treiben, und der Schweiß lief tatsächlich in kleinen Rinnsalen meinen Körper hinunter, jedoch hatte ich unerklärlicherweise dabei das Gefühl eisiger Kälte um mich herum. Ich wusste schon jetzt, dass es eine unruhige Nacht werden würde, dabei sehnte ich mich nach wirklich tiefem Schlaf.
Noch vor dem Morgengrauen wachte ich auf und glaubte eine Hand gespürt zu haben, die meinen Hals umfasste, danach schlief ich unruhig weiter, Bilder von grotesken Formen verfolgten mich, die sich aus winzigen Verstecken hervordrängelten. Und wieder erschien ein Gesicht über mir, das mir inzwischen fast vertraut ist, doch diesmal wollte sich stets der Anblick einer blonden, attraktiven Frau davorschieben, ihren Mund missmutig verziehend. Das Glitzern der Perlenohrringe bricht sich in hohen Kirchenglasfenstern und das Licht von Kerzen flackert trostlos in der Dunkelheit. Eine barsche Stimme spricht: „Bring mir das Zarengold! Bring mir das Zarengold oder du hast dein Leben verwirkt!“ Ich versuche zu antworten, doch nur ein Krächzen entringt sich meiner Kehle, bis es mir gelingt die Worte zu formen: „Ich weiß nichts vom Zarengold.“
„Schweig! Deine Großfürstin Sophie Alexejewna befiehlt es dir!“ Sie kommt näher und näher, ich blicke in graue, bösartige Augen, in welchen sich kleine Kerzenflämmchen wie das unbezwingbare Feuer der Hölle spiegeln.
Ich erwachte von dem kalten Schauder, der sich trotz erhöhter Zimmertemperatur und Überdecke von den Zehenspitzen bis in die Haarfollikel meiner Kopfhaut hinein ausbreitete. Als ich mit meiner Hand über die Augen rieb, war diese so blutleer, dass sie sich fast fremdartig anfühlte, weshalb ich sie schnell wieder auf das Bett fallen ließ. Sofort war mir klar, dass ich den Traum diesmal nicht mehr übergehen konnte. Irgendetwas musste er bedeuten und „Sophie Alexejewna“ – war das nicht der Name, den ich schon beim letzten Mal gehört hatte? Wollte mir jemand etwas mitteilen? Eine Sophie Alexejewna?
Doch was hatte ich mit ihr zu tun und wer war sie überhaupt? Moment mal, sie hatte heute noch mehr gesagt. „Großfürstin“ und „Zarengold“ – hört sich nach Russland an. In einer plötzlichen Eingebung sprang ich aus dem Bett und suchte in den Bücherstapeln nach dem dicken Geschichtslexikon mit Personenregister. Als ich es nicht fand, klappte ich das Notebook auf und wartete ungeduldig am unaufgeräumten Küchentisch, mit meinen nackten Beinen wippend, bis es sich schwerfällig nach oben gefahren hatte.
Tagebucheintragung vom 23.08.1979
Heute habe ich Olgalein, wir waren gerade bei einem Einkaufsbummel in den Rathaus-Passagen und haben nach einem Paar toller neuer Schuhe (hochhackige Pumps mit Goldapplikation) für sie angestanden, gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, mit mir zusammenzuziehen. Sie hat genickt und ist weggegangen, um sich eine Grilletta zu holen.
Unmengen von Spatzen umschwärmten sie, als sie auf dem Platz ihr Brötchen verfütterte.
Sie sah so niedlich aus in dem hellblauem Hosenanzug und mit den zu einem Zopf gebundenen blonden Haaren.& Als sie wieder zurückkam, schimpfte sie mit mir, weil wir noch nicht an der Reihe waren und ich tröstete sie. Ein bisschen ungeduldig ist sie ja manchmal und mir fällt immer häufiger auf, dass sie eine etwas verletzende Art an sich hat, mit mir zu reden. Ab und zu werde dann richtig wütend, diese Aggressivität, die dabei in mir aufsteigt macht mir Angst, deshalb lasse ich mir nichts anmerken. Aber eigentlich hat sie recht. Ich bin wirklich zu dumm.
Zum Beispiel im Schuhgeschäft, als sie verschiedene Schuhe anprobierte – einige davon machten keinen sehr haltbaren Eindruck und als ich die Schuhfachverkäuferin danach fragte, fuhr Olga mir über den Mund, ich solle still sein, ich verstünde nichts davon. Zur Verkäuferin meinte sie, sie solle gar nicht hinhören, ich rede den ganzen Tag nur Müll. Dieser Blick, bzw. Nichtblick – ich kann ihn nicht beschreiben – er bohrt sich in mein Herz. Nun ja, ich verstehe wohl tatsächlich nicht viel von Schuhen. Aber warum muss sie so mit mir und über mich vor anderen reden? Ich tue das doch auch nicht. Mit mir hat sie es wahrscheinlich nicht leicht und ich liebe sie, deshalb will ich geduldig sein. Ich werde mir nicht anmerken lassen, wie sehr es mich verletzt und einfach meine unintelligente Klappe halten. Sie kann sowieso viel besser reden als ich.
Jedenfalls freue ich mich riesig, dass wir bald eine gemeinsame Wohnung haben werden. Dann kann ich Tag und Nacht mit ihr zusammen sein und wir werden alles, Freud oder Leid, miteinander teilen. Ich wüsste gerne, ob sie sich genauso darauf freut wie ich, aber leider ist sie mir bisher bei dieser Frage immer ausgewichen. Egal! Es wird traumhaft werden, da bin ich sicher. Und an ihre kleinen Macken werde ich mich bald gewöhnen, wobei es ja eigentlich nicht ihre sind, sondern meine, denn ich bin es doch, der sich so dusselig anstellt. Ich werde mir viel Mühe geben mich zu bessern, damit sie keinen Grund mehr hat, mit mir böse zu sein.