Diesmal ein Tonfilm, ebenfalls von Arnold Fanck, doch trotzdem mit extrem sparsamen Dialogen. Man merkt geradezu, wie das Stummfilmen mit den wenigen geschriebenen Dialogen den Filmemachern noch in den Knochen steckt, was ich persönlich aber recht angenehm finde. Denn ich habe den Eindruck, dass man sich gerade weil früher der Ton fehlte, enorm viel Mühe mit der Kamerainszenierung und den Bildern gegeben hat, was mir gut gefällt. Heutzutage findet gerade in den Fernseh-Massenproduktionen die Handlung hauptsächlich über die Sprache statt, wobei die Dialoge meist kaum irgendwelchen erhebenden Inhalt haben, während die Einstellungen lieblos abgedreht werden. Allerdings könnten die sparsamen Dialoge auch was mit der etwas seltsamen und unlogischen Handlung zu tun haben. Fast hege ich den Verdacht, dass die Handlung nur mürrisch konstruiert wurde, um majestätische Eisberge und tollkühne Flugmanöver, natürlich wieder mit dem Flieger Udet und auch Leni Riefenstahl als Fliegerin, die ihr Flugzeug aber völlig unmotiviert in einen Eisberg krachen lässt (Frauen und Flugzeuge!), filmen zu können. Ich glaube, das würde zu Fanck passen, wenn man auf dieser
interessanten Seite über Eisbergklettern die eingestreuten Zitate von ihm über die lebensgefährlichen Dreharbeiten liest.
habe ich bei
subby gefunden. Leider bekomme ich hier gleich drei Zahlen mit der gleichen Anzahl an Punkten, nämlich 4, 5 und 9. Da ich in anderen Tests immer die 9 habe, nehme ich die mal weiterhin als meine Hauptpersönlichkeit und ich finde auch, dass sie von allen drei Möglichkeiten am meisten zutrifft. Jedenfalls sagte ich sogar selbst von mir schon immer, ohne diesen Test zu kennen, man kriegt bei mir, was man sieht. Manchmal möchte ich mich selbst schütteln und fragen: Wer bin ich eigentlich? Und über die Trägheit, nun ja, hatte ich erst vor zwei Tagen wieder einen Eintrag geschrieben. Nur das mit den Fußballstadien muss wohl ein gewaltiger Irrtum sein(ok, einmal in meinem Leben war ich auch in einem Fußballstadium, habe aber vom Fußballspiel nix mitbekommen, weil ich mich stattdessen gesonnt habe *gg*):
Die NEUN steht am "Gipfel" des Kreises, und zwar deshalb, weil es sich bei der NEUN in gewisser Weise um das ursprünglichste menschliche Wesen handelt, um Adam und Eva. NEUNer sind so, wie wir alle waren, bevor wir kompliziert wurden. Das ist der Grund, weshalb so viele andere die NEUNer mögen und beneiden. Andere sehnen sich nach ihrer Einfachheit und Geradlinigkeit, obwohl es ihre Mitmenschen auf die Palme treibt und ihnen auf die Nerven geht, was sie alles nicht machen.
NEUNern fällt es sehr schwer, ein klares Ziel zu finden und zu verfolgen. Sie sind überall und nirgends. Sie machen Elefanten zu Mücken: Selbst wirklich große Sachen können sie ganz klein machen. Nichts ist wirklich wahnsinnig wichtig. Und selbst wenn objektiv ein Problem vorliegt, weigern sie sich, es zu sehen. Das ist gemeint, wenn man von ihrer "Trägheit" redet. NEUNer wissen einfach nicht, wie sie Energie bündeln können.
NEUNer sind oft überaus aktiv bei einer Reihe von Hobbys und Tätigkeiten. Aber wenn man genau hinsieht, merkt man, daß viele dieser Aktivitäten ziemlich bedeutungslos sind und daß sie in keine dieser Sachen übermäßig viel Energie stecken. NEUNer füllen die Fußballstadien Europas - auf den Zuschauerrängen. Und sie können in die Luft springen und jubeln und sich begeistern - für nichts.
NEUNer sind besonders suchtgefährdet. In der Regel sind es eher kleinere Abhängigkeiten wie Nikotin oder Koffein. Aber sie brauchen immer irgendeine Stimulanz, die ihnen hilft, den eigenen Saft zu fühlen. Viele NEUNer fahren gern Motorrad oder Lastwagen. Es ist, als hätten sie keinen Motor in sich selbst und müßten sich deshalb einen Motor unter den Hintern klemmen. Dabei ist es nicht besonders wichtig, wohin die Fahrt eigentlich geht.
EINSer begeben uns auf dem kürzesten Wege von hier nach da. Eine NEUN weicht hier und da vom Weg ab, macht Umwege und Kurven, bleibt stehen, kehrt um. . . NEUNer sind nicht so sicher, daß sie da überhaupt hin wollen. Sie sind nicht sicher, ob sie überhaupt irgendwohin wollen. Deshalb können sie für andere so nervend sein. Manchmal will man sie schütteln und fragen: "Wer bist du und was willst du überhaupt?" Sie wissen nicht nur nicht, was sie wollen - es ist ihnen auch egal. Das ist unter anderem mit "Trägheit" gemeint.
Die meisten anderen mögen NEUNer. Das hängt damit zusammen, daß sie anderen Impulsen und anderen Energie folgen, wie immer die aussehen. Wenn du eine DREI bist, machen sie bei deiner "Dreierei" mit - wenn auch nicht im selben Tempo! Sie lassen sich auf das ein, was gerade gespielt wird. Deshalb sind sie "pflegeleicht" und quasi von Natur aus Freunde.
Wir nennen NEUNer auch "passiv-aggressive" Menschen. EINSer wollen die Wirklichkeit reformieren. ACHTer rebellieren gegen die Wirklichkeit. Aber NEUNer sitzen einfach da und sagen: "Das ist doch alles so ein Quatsch. Es lohnt doch überhaupt nicht, sich mit dem allen abzugeben!" Wenn man eine NEUN näher kennenlernt, wird man merken, daß dieses letzlich aggressive Potential (Bauch-Energie!) immer vorhanden ist. Es ist eine Art zynisch-passive Aggressivität im Blick auf die Welt.
Das heißt aber auch, daß NEUNer sehr viel bewirken können, wenn sie es schaffen, ihre Energie zu bündeln. Denn sie feuern niemals direkt. Die Person als solche ist nett und friedfertig, aber man beachte ihre beiden Flügel, EINS und ACHT! In beiden Flügeln steckt ein intensives Wertempfinden und viel Emotionalität. Und so kann es manchmal passieren, daß sie mitten in einem Gespräch, das so dahinplätschert, plötzlich etwas sagen, was eine ganz große Wahrheit enthält und zutiefst überzeugt. Und weil sie so nett und vertrauenswürdig sind, und weil man im Gespräch mit ihnen die Verteidigungsanlagen abgebaut hat, können NEUNer einen auf diese Weise plötzlich mitten ins Herz treffen.
NEUNer sind unkompliziert. Sie sind sehr einfach, und ihre Absichten sind ganz klar und durchschaubar. Urplötzlich gelangen sie zu einem Punkt, wo alles glasklar ist. Dann fällen sie eine Entscheidung, und zu dieser Entscheidung stehen sie, was immer es kostet. an kann den Esel als Symboltier der NEUN nehmen. NEUNer können stur sein. Wenn sie einmal die Hinterfüße in den Boden gerammt haben, dann bleiben sie stehen, wo sie sind und sind keinen Millimeter zu bewegen.
Die Faustregel lautet: Was man bei einer NEUN sieht, das kriegt man auch. Es gibt keine versteckten Absichten. Das ist ein weiterer Grund, weshalb NEUNer so beliebt sind. Denn man weiß, daß sie ihr wahres Gesicht zeigen - auch wenn nicht viel Energie da ist. Aber wenn man ihnen helfen kann, ihre Energie zu bündeln, machen sie in der Regel ein oder zwei Sachen in ihrem Leben wirklich gut. Und wahrscheinlich erwartet Gott von keinem und keiner von uns mehr als das.
Aber auch bei der
5 finde ich einiges zutreffendes, insbesondere das, dass bei mir Gefühle immer erst später kommen. Genau das ist eines meiner Probleme, worüber ich mich häufig ärgere. Wenn mir nämlich jemand dämlich kommt, mich verletzt oder sonstiges, bekomme ich direkt in der Situation nie etwas davon mit, bzw. ich bekomme es schon mit, spüre aber nichts, weshalb ich auch nicht reagiere. Erst zwei Stunden später, wenn der andere schon über alle Berge ist, könnte ich dann toben und die Wände hochlaufen, aber nicht nur aus Ärger über den anderen, sondern auch über mich selbst, weil ich mal wieder nix mitbekommen hab. Manchmal habe ich schon überlegt, wie es wäre, wenn ich jemanden nach vielleicht drei Wochen irgendwo wiedersehe und ihm dann sage, was ich hätte gleich sagen sollen. Doch wenn ich mir vorstelle, ich sehe z.B. nach Wochen eine Verkäuferin wieder, die mir blöd gekommen ist, und gebe ihr dann einen bissigen Kommentar zu unserer letzten Begegnung, die sie selbst wahrscheinlich schon vergessen hat, dann denke ich, die müssen mich ja für bescheuert halten. Also tobe ich mich lieber hinterher beim Bloggen aus.
Auch die Distanziertheit ist wohl eine meiner wichtigsten Eigenschaften. Niemand würde jemals auf die Idee kommen, mich als herzlich zu bezeichnen. Und die Informations-Sucht? In irgendeiner Form packt sie mich immer wieder.
Die wenigsten Übereinstimmungen kann ich mit der
4 finden. Ich habe mich zwar schon immer als anders empfunden, war aber in den seltensten Fällen stolz drauf. Im Gegenteil - es gab und gibt Zeiten, da würde ich alles dafür geben, ein stinknormales Leben zu führen und so zu sein, wie alle scheinbar sind. Es gab auch schon Zeiten, da habe ich so getan, als wäre ich stinknormal und alles in bester Ordnung, was dann letztendlich zu einem Burnout geführt hat.
Überhaupt scheint die 4 ein bißchen mehr meiner Vergangenheit zu entsprechen, denn das Ausprobieren und Spielen von Gefühlen gehörte mehr oder weniger zu meiner Jugend, wobei ich mich frage, ob das nicht bei jedem so ist. Und das Spielen bzw, Ausprobieren bedeutet keineswegs, dass die Gefühle nicht real sind. Sie sind verdammt real und doch nicht wirklich, so real, dass es mir irgendwann zu anstrengend wurde (Trägheit) und ich damit aufgehört habe.
Der Link zum Enneagrammtest:
http://neher.piranho.de/EnneagrammTypTest.html
auf einem anderen
Blog so verfolge, kommt mir der Gedanke, dass es doch ganz nett wäre, einstmals als heilige Zucker vom Blog allen Bloggerlein meinen Schutz vor bösen Hackern, abzockenden Blogbetreibern und hartnäckigen Würmern anzubieten. Allerdings wären dazu noch einige Voraussetzungen zu klären, von denen das Wunder nur eines ist. Als erstes wäre es nämlich wichtig zu wissen, ob auch Protestanten, Menschen ohne Konfession oder gar Buddhisten Heilige im Sinne der katholischen Kirche werden dürfen. Sollte sich nach meiner Recherche herausstellen, das dies der Fall ist, fehlt nur noch ein Wunder. Dazu wüsste ich gerne, was die Kriterien sind, die ein Wunder zu einem Wunder machen. Ich meine, dass Uri Geller Wunder vollbringt hat ja schon die ganze Nation gesehen - wird er deshalb heiliggesprochen? (Ok, manche denken, dass es ein Trick ist, aber das glauben andere von den Wundertaten Jesu ebenfalls.)
Und muss ein Wunder etwas sein, das von anderen bezeugt werden kann (völlig egal, ob die Zeugen nur bestochen, etwas naiv oder fanatische Anhänger sind), oder kann man sich so ein Wunder auch ganz privat "bauen"?
Wie wäre es zum Beispiel, wenn ich ausschließlich mit Gedankenkraft meinen DVD-Player wieder zum Laufen bringen würde? Gut, es wäre sicher nicht so ein anbetungswürdiges Wunder, wie einen Menschen gesund zu machen, aber trotzdem sehr viel schwieriger, da DVD-Player keinen Geist und keinen Glauben haben(glaub ich zumindest), um dabei mitzuhelfen.
Ich will damit nicht behaupten, dass ich es kann, denn wenn ich es könnte, müsste ich mir nicht jedes Jahr einen neuen kaufen. Und von DVD-Player bis zu Drucker und Computer ist es sicher nur noch ein kleiner Schritt, hoffe ich. Aber ich arbeite hart daran, wahrscheinlich härter als so mancher in Italien, dem Land, in dem das Wundern noch leicht fällt.
Ich habe herrlich saftige Apfelsinen in meiner Küche zu liegen und esse sie nicht, weil ich zu faul bin sie zu schälen. Ich brauche nicht nur einen Leibkoch, sondern auch noch einen Mundschenk, der mir das Essen in mundgerechten Häppchen reicht und den langen Weg von drei Metern in die Küche auf sich nimmt, um Nachschub zu holen.
"Ey, bring mir mal noch 'ne Apfelsine, geschält und segmentiert - ich nehme sie aber aber auch als Fruchtsalat mit Apfel, Banane und Walnüssen! Danke!" *Ausschau hält*
Eine Woche später brachte der Briefträger ein Päckchen von der Front. Vetter John schickte uns sechs Büchsen mit amerikanischem Corned Beef.
"Glaubt ja nicht, daß wir es beschlagnahmt haben", schrieb er.
"Der Krieg sieht schlecht aus für uns, aber die Männer auf der anderen Seite des Schützengrabens scheinen uns zu bedauern. Sie werfen Büchsen nachts herüber, wenn die Schießerei aufgehört hat."
Der Geschmack dieses Corned Beefs blieb märchenhaft, unvergeßlich und unübertroffen.
Auch war es eine beruhigende Tatsache für mich, daß Männer doch immer noch selbständig handelten, auch wenn ihre Gedanken nicht im Einklang mit den Massen oder ihren Führern standen.
(aus "Nehmt nur mein Leben" von Marlene Dietrich)
Heute ist die erste DVD aus dem Amazon-Verleih gekommen. Ein Stummfilm und dann auch noch mit Schnee - zwei Attribute, die Schlimmstes befürchten lassen. Es gibt von dem Film noch eine 1935 vertonte Version, die allerdings mehr als eine halbe Stunde kürzer ist. Die Original-Stummfilmversion gilt eigentlich als verschollen, wurde jedoch nach altem Nitromaterial wiederhergestellt und restauriert. Und trotz Stummheit ist der Film spannend, wenn man sich darauf einläßt, und hat jede Menge tolle Kameraaufnahmen vor allem von den Bergen zu bieten. Besonders das Wandern der Schatten über die Berge ist beeindruckend und wirkt bedrohlich. Auf einer Kinoleinwand wären die Bilder wahrscheinlich noch gigantischer. Leni Riefenstahl dagegen reizt mit einer feschen Windstoßfrisur, die mehr Stoß als Wind ist und erst mitten im Inferno ertragbar wird. Mir fiel auf, wie munter die jungen Leute im Film bloßärmelig und bloßbeinig im Schnee herumspringen. Selbst als Leni Riefenstahl mitgeht, um die Nordwand zu besteigen, trägt sie noch immer nur knielange, rockähnliche Hosen. Nun ja, vielleicht waren sie früher abgehärteter als wir in unseren ferngeheizten Wohnungen.
Die Geschichte: "Vor zehn Jahren verlor der Bergsteiger und Skifahrer Dr. Johannes Krafft seine Frau durch ein Unglück in den Alpen. Seitdem streift er ruhelos durch die Berge, ohne den Verlust je verkraftet zu haben. Eines Tages trifft er das junge Paar Karl und Maria, mit dem er in einen schweren Sturm gerät. Während sie auf Hilfe aus dem Dorf hoffen, bahnt sich in den Bergen ein Drama an."
Und sieh an - auf einmal schneit es bei uns auch....
Im Sommer 1945 wurde meine Mutter 11 Jahre alt und war das älteste von drei Kindern. Während der Zeit des zweiten Weltkrieges und nach seinem Ende musste meine Oma - ihre Mutter, die drei Kinder alleine über die Runden bringen, denn der Vater war in den Krieg gezogen und bei den Schlachten und der Einkesselung in Dünkirchen in Frankreich dabei. Dort geriet er 1944 in alliierte Kriegsgefangenschaft.
Als die Bombenangriffe auf Berlin begannen, harrten meine Großmutter und ihre drei Kinder wie alle anderen im Luftschutzbunker, bzw. Keller unter ihrem Wohnhaus aus. Sobald die "Weihnachtsbäume" am Himmel erschienen, wussten sie, dass Bomben folgen würden. Die Männer, die im Luftschutzkeller waren, gingen in regelmäßigen Abständen nach draußen, um nachzuschauen, was los ist. Eines Tages kam einer wieder und erklärte, dass vor dem Haus ein abgeschossener Panzer steht und alle aus dem Keller heraus müssten.
Sie wohnten in einem alten Mehrfamilienhaus am Ostbahnhof mit einem für diese Häuser typischen riesigen Hausflur. Um nach draußen zu gelangen mussten sie durch diesen Hausflur hindurch, der voller gefallener russischer Soldaten war. Sie stiegen über die unzähligen Leichen und als sie vor dem Haus standen und meine Mutter sich umschaute, sah sie, dass die gesamte Vorderfront des Hauses fehlte. Wie ein gewaltiges Puppenhaus sah es aus, mit brennendem Dachstuhl. Sie hatten jedoch keine Zeit sich um das Feuer oder ihre Habseligkeiten zu kümmern, sondern mussten einen anderen Unterschlupf finden. Das einzige, was sie noch besaßen, war eine Tasche mit ihren Papieren, sowie ein Pfund Schmalz. Dieses Schmalz hatte meine Großmutter bei den Plünderungen des Osthafens ergattert, der gleich in der Nähe des Ostbahnhofs liegt. Mütter hatten dort unter Beschuß die riesigen Speicher geplündert, um etwas Eßbares zu finden.
Während der nachfolgenden Flucht durch die zerbombte Straße sahen sie überall gefallene russische Soldaten auf Treppen und in Hausfluren liegen. Sie wurden sogar selbst von Deutschen beschossen, die sich irgendwo auf den Dächern verschanzt hatten. Diese schossen auf ihre eigenen (!), aus den zerbombten Häusern flüchtenden Landsleute, Frauen und Kinder. Da meine Tante, das jüngste Kind, erst vier Jahre alt war, kümmerte sich meine Großmutter um sie, während meine Mutter, als Älteste mit dem mittleren Bruder zusammenblieb. Bei der Flucht mit ihrem Bruder durch die von Deutschen beschossene Straße fielen sie bei jedem Schritt auf die Knie und standen wieder auf, und zwar wegen der Druckwellen der Geschosse, die über sie hinwegflogen. Sie wurden von diesen regelrecht nach unten gedrückt und umgeworfen. Sie wollten in eines der Eckhäuser flüchten, welches noch stand, aber wurden getrennt und meine Mutter und ihr jüngerer Bruder suchten Zuflucht im Hausflur eines anderen Hauses. Dort wurden sie von jemandem in den dortigen Luftschutzkeller geholt, der sie beide auf die oberste Etage eines Hochbettes verfrachtete. Sie blieben eine Weile da, wollten aber irgendwann wieder weg, um ihre Mutter zu suchen. Die Leute aus dem Keller gaben ihnen zwei Äpfel mit und sie zogen los. Auf der Straße fragten sie jeden, den sie trafen nach den Leuten aus dem Eckhaus und jemand sagte ihnen, dass die alle nach Friedrichfelde hinaus geflüchtet wären. Also machten sie sich auf in Richtung Lichtenberg, das zu damaliger Zeit noch kaum oder gar nicht bebaut war, Stadtrand. Irgendwo auf der Straße lag ein totes Pferd und die Menschen strömten in Scharen hin, um sich Stücke vom Fleisch herauszuschneiden. Sie waren mehrere Tage unterwegs, klopften zwischendurch an Türen und erbettelten Essen oder einen Schlafplatz.
Auch meine Oma machte sich auf die Suche nach den Kindern, doch statt der Kinder fand sie meine Urgroßeltern, welche von Küstrin nach Berlin geflüchtet, von dort zurück nach Küstrin gegangen - und weil dort alles dem Erdboden gleichgemacht war (auch heute besteht die Altstadt nur noch aus Ruinen, die man teilweise unter dem wuchernden Gestrüpp kaum noch erkennen kann), erneut nach Berlin gingen. Alles zu Fuß und in betagtem Alter. Hier standen sie ratlos an irgendeiner Ecke und die Großmutter nahm sie mit. Meine Mutter und ihr Bruder hatten inzwischen die große Chaussee erreicht, die damals noch zwischen Feldern und Laubengärten entlangführte. Aus der Ferne erkannten sie einen Mann mit einem Koffer auf der Schulter, der ihnen entgegen kam. Der fragte sie, wo sie hin wollen und es stellte sich heraus, dass es ein Nachbar aus ihrem Haus war. Als sie sagten, dass sie ihre Mutter suchten, sagte er, er könne sie zu ihr hinführen, was er auch tat.
Meine Oma und ihr jüngstes Kind hatten sich mit anderen zusammen in die Schrebergärten am Rande der Stadt geflüchtet, wo viele Sommerlauben leer standen. Dort quartierten sie sich in eine winzige Laube ein und hierher hatte meine Großmutter meine Urgroßeltern gebracht. Der Raum war nicht größer als sechs Quadratmeter und hierher führte der Nachbar nun ebenfalls die Kinder. Beide waren unglaublich glücklich, ihre Mutter wiedergefunden zu haben und meine Mutter bezeichnet es heute als eine Fügung des Schicksals.
Alle zusammen lebten nun einige Zeit in der Sechs-Quadratmeter-Laube, wo sie aber wenigstens ein Dach über dem Kopf hatten. Ganz in der Nähe hatten die Russen einen Stützpunkt und meine Mutter erzählt, dass die Russen gerade zu den Kindern sehr nett waren. Es gab an dem Stützpunkt eine Gulaschkanone zur Verpflegung der Soldaten und wenn eines der Kinder mit einer Kanne dort hin ging, bekam es immer die Kanne bis oben hin voll mit gesalzenem Grießbrei oder was es sonst gerade zu essen gab. Allerdings fielen auch andere Dinge mit den Russen vor. Die Frauen hatten große Angst vor ihnen, insbesondere vor den "Mongolen", die als besonders grausam galten. Der allererste Russe, den meine Mutter sah, war solch ein Mongole und kam in den Luftschutzkeller, in welchem sie sich aufhielten. Er hielt eine winzige blitzende Pistole genau auf meine Großmutter gerichtet und im Keller wagte in diesem Augenblick niemand mehr zu atmen. Dann verschwand er aber und andere Russen kamen. Meine Mutter meint, dass den russischen Soldaten die Angst ins Gesicht geschrieben stand. Ab und zu holten sie Frauen, um sie zu vergewaltigen, indem sie sagten: "Frau komm!" Manche der Frauen waren so clever, dass sie sich sofort an einen der Offiziere heranmachten. Dann waren sie "immun", weil andere sie nicht mehr anfassen durften.
Nach einiger Zeit in der Laube konnten sie in ein größeres Haus mit einem oberen Stockwerk umziehen. Dort hatten vorher die Russen gehaust, und zwar wie die Vandalen. Alle Federbetten waren aufgeschlitzt, die Federn lagen überall im ganzen Haus verteilt und in herumstehende Kannen war hineingeschissen worden. Teilweise fanden sie noch Silberlöffel und alles was sie irgendwie gebrauchen konnten, wurde eingesammelt. Vor dem Haus stand ein alter grüner Gartentisch und um diesen Tisch versammelten sich manchmal Russen, aßen salzigen Hering und tranken Wodka. Sie fragten erst gar nicht, sondern spazierten einfach in den Garten, schmissen den Hering auf den Tisch, hauten ihn in kleine Bissen und legten mit ihrem Gelage los. Die Kinder bekamen oftmals auch einige Bissen zugesteckt.
Später fand meine Großmutter eine Unterkunft in der Stadt, eine Kochstube in einem Haus, also eine größere Küche, in der man gleichzeitig wohnte. Ab jetzt hauste die ganze Familie hier. Meine Oma verdiente ihr Geld als Trümmerfrau und klopfte von früh bis abends Steine. Auch meine Mutter musste im Rahmen der Schule Steine klopfen. Dafür bekam sie Stempel in ein kleines Heftchen. Sie tranken Petersilienwasser, aßen Brennesselspinat und geröstete Brotscheiben mit Zucker.
Meine Oma war vor lauter Arbeit, Kummer und Sorgen nur noch ein Strich in der Landschaft und inzwischen war die Ruhr im Nachkriegs-Berlin ausgebrochen. Mein Urgroßvater erkrankte daran und meine Mutter erinnert sich noch, wie meine Großmutter ihn, der ebenfalls nur noch dünn wie ein Hering war, in einen kleinen Leiterwagen setzte und ihn so selbst mit der Hand in das Krankenhaus nach Lichtenberg zog. Dort verstarb er. Das Telegramm kam einige Tage später.
Endlich kam mein Großvater aus der Kriegsgefangenschaft. Er konnte sehr gut Sachen und Essen organisieren, so dass es eine große Erleichterung für die Familie war. Er ging oft früh los, hängte sich außen an einen der Züge, die auf das Land fuhren, wobei er nicht der einzige war - es hingen Trauben von Menschen an den Zügen, die sich irgendwo festhielten, und auf das Land fuhren -, und stahl dort z.B. Kartoffeln von den Feldern, was alle machten, oder klopfte bei den Bauern und bat um Essen. Die Bauern waren jedoch sehr knauserig und gaben kaum etwas. Manchmal kam er tagelang nicht mehr wieder. Außerdem war er sehr geschickt im Angeln und fing nicht nur kleine Fische, sondern riesige Hechte. Diese waren äußerst gefragt und wurden gegen alles mögliche eingetauscht. Auf diese Art kam meine Großmutter auch zu einer alten Singer-Nähmaschine, mit der sie Kleidung für die Kinder nähte. Sie fand irgendwo blau-karierte Bettwäsche und eine bestickte Trachtenweste, wie sie damals Mode war. Aus der Bettwäsche nähte sie ihrer Tochter einen Rock, welchen sie zu der bestickten Weste trug und für meine Mutter war es das Schönste, was sie bis dahin je besessen hatte.
Meine Urgroßmutter war inzwischen bei Verwandten in Wittenau in ihrer kleinen Wohnung aufgenommen worden und hat meinen Urgroßvater noch viele Jahre überlebt. Meine Großeltern konnten mit den Kindern bald in eine der Wohnungen über der Kochstube ziehen. Hier verfolgten sie die Suchmeldungen des Deutschen Roten Kreuzes, denn sie hatten nichts mehr von Onkel Walter gehört, dem Bruder meiner Großmutter, der zwar nur Stubenmaler war, aber sehr künstlerisch begabt und vor dem Krieg viele eigene Ölgemälde in seiner Wohnung zu hängen hatte. Dieser kehrte nie aus Stalingrad zurück, es kam jedoch auch nie eine Nachricht, dass er gefallen ist. Niemand weiß, wo er abblieb oder was mit ihm passierte. Das letzte, was sie von ihm hörten, war ein Brief, dem er die Bleistiftzeichnung eines Schlachtfeldes beigelegt hatte. Das Bild sagte mehr aus als tausend Worte, heißt es, doch auch von dem Bild weiß niemand mehr, wo es geblieben ist.
Laut Aussage meines Vaters existierte außerdem ein schriftlicher Bericht meines Großvaters väterlicherseits über Stalingrad und seine russische Kriegsgefangenschaft. Dieser Bericht scheint ebenfalls verschollen. Man könnte meinen, daß Menschen Dinge, die sie an unangenehme Ereignisse erinnern, besonders gerne 'verbummeln'.
Das war diesmal wirklich wie Weihnachten. Besonders das Geschenk von K. ist toll. Sie hat ein großes Glaswindlicht in Serviettentechnik bearbeitet und ein ganzes kleines Dorf mit Weihnachtsmarkt und viel Schnee hinaufgezaubert, das Glas mit künstlichem Rauhreif überzogen und mit Glitzerschnee geschmückt. Das ganze Windlicht ist größer als eine normale Vase, man könnte es fast als Bodenvase auf den Fußboden stellen, aber auch auf dem Highboard macht es sich gut, und es sieht wirklich klasse aus. Sie meinte, mit entzündeter Kerze darin, sieht es noch besser aus, aber das habe ich noch nicht ausprobiert. Ich habe im Moment auch keine Lust mehr, die Geschenke zu fotografieren, aber das hole ich nach. Ein Motiv mehr für meine Lichtrubrik. Ich bin immer wieder erstaunt, was für tolle Sachen man mit Serviettentechnik machen kann. Zuerst dachte ich sogar, das ist gekauft. Außerdem habe ich ein entzückendes Badeöl mit Orchideen und Perlen bekommen, zum Perlentauchen, wie es hieß, aber eigentlich ist es viel zu schade, um es zu benutzen. Und von meiner Mutter bekam ich wieder Selbstgetöpfertes, einen schönen Teller und ein höheres Gefäß, beide in einem warmen gemuscheltem Braun.
Meine Geschenke sind auch gut angekommen, allerdings habe ich nochmal Glück gehabt, denn K. wollte ursprünglich genau dasselbe kaufen und verschenken, was ich geschenkt habe. Das wäre ja was geworden, wenn wir uns gegenseitig die gleichen Geschenke gemacht hätten. Wie gut, dass sie es zeitlich nicht mehr geschafft hatte, die zu besorgen.
Und meine Mutter hat mir alles erzählt, was sie 1945 bei der Befreiung von Berlin erlebt hat. Ich hoffe, ich habe mir alles richtig gemerkt und kann es bald aufschreiben.
PS:
Ich habe noch Weihnachtsgeschenke abzugeben!
Madame Lila hat mich gerade gefragt, was wir als Kinder in Berlin im Winter gemacht haben. Also ich kann mich ehrlich früher an keinen Winter erinnern, in dem wir keinen Schnee hatten, wenn man auch manchmal etwas länger warten musste. Deshalb sangen wir dann immer "Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit?.....", was meistens gut half, denn spätestens zu oder nach Weihnachten war der Schnee da und die Freude um so größer. Jetzt traf man sich zum Schlittenfahren, Schneemannbauen oder einfach nur im Schnee spielen.
Wir hatten zwar keine Berge, aber einen großen und einen kleineren Hügel, die vollkommen ausreichten, um Spaß zu haben, entweder mit Schlitten, Ski oder Gleitern. Ich fuhr am liebsten Gleiter oder Ski, letztere besaß ich aber nicht, sondern nur mein Spielfreund, der sie mir aber glücklicherweise immer überließ und den Schlitten bevorzugte. Wenn die Hügel uns zu überfüllt waren, fuhren wir auch einfach auf der Straße oder spielten ganz andere Sachen.
Als meine Mutter einmal im Winter mit mir zum Arzt musste, da ich nach Entfernung der Mandeln dauernd Racheninfekte kam, verriet sie dort, dass ich mich den ganzen Tag mit Rock im Schnee wälze. Die Aussage "den ganzen Tag" war zwar etwas pauschal übertrieben, aber ansonsten stimmte es durchaus und es war mir furchtbar peinlich, dass sie es der Ärztin erzählte. Die sah mich etwas komisch an, sagte aber nichts.
Wenn wir uns nicht draußen trafen, gab es auch drinnen einiges, was man spielen oder entdecken konnte. Ich kann mich insbesondere erinnern, dass ich ernsthaft an der Verfeinerung meiner Weihnachtsnüsse arbeitete. Dazu kam ich nämlich eines Tages auf die Idee, die geschälten Nüsse in das Ofenfach des warmen Kachelofens zu legen, um sie zu "rösten". Natürlich waren sie nicht wirklich geröstet, aber ich bildete mir ein, dass sie so besser schmecken, weshalb ich nun stets alle geschälten Nüsse fein säuberlich im blanken Ofenfach aufreihte, liegen ließ und erst danach aß. Einmal testete ich auch, wie Schokolade auf diese Behandlung reagiert, kam aber nach dem Experiment zu dem Schluß, dass Schokolade löffeln nicht so das Wahre ist. Künftig durfte sie nicht mehr in das Ofenfach.
Außerdem hatten wir eine Katze, mit der man auch im Winter die lustigsten Sachen erleben konnte. Zum Beispiel fraß sie unheimlich gern Lametta, und wenn man sie mit dem Weihnachtsbaum alleine ließ, konnte es passieren, dass es einmal laut schepperte und der ganze Baum der Länge nach im Zimmer lag. Dies sorgte dafür, dass wir endlich von dem alten Weihnachtsschmuck wegkamen und neuen besorgten.
Meine Eltern fanden das meist aber weniger lustig. Überhaupt muss Weihnachten für die Katze wohl mehr Festzeit gewesen sein, als für uns alle zusammen. Nicht nur, dass es einen glitzernden Weihnachtsbaum gab, dessen Schmuck sie auffressen konnte, an dem sie sich die Krallen schärfen und den sie umschmeißen konnte, es gab auch noch jede Menge Kisten und Papier zu erforschen. Beim Geschenkeauspacken war sie immer die erste, die ihre Nase irgendwo hineinsteckte. Nicht zu vergessen, die leckeren Enten, Gänse und Kaninchen, von denen sie schon vor dem Weihnachtsessen ihren Teller voll bekam. Überhaupt ist so eine Katze im Winter noch kuschliger als im Sommer. Man kann sich mit ihr zusammen an den Ofen rollen und den Winter verschmusen.
Ich schaue mir gerade die neu überarbeitete Version von "Im Geheimdienst ihrer Majestät" auf der Ultimate Edition an. Obwohl ja die Bond-Filme mit Sean Connery zu meinen eigentlichen Favoriten zählen und Connery sowieso der beste Bond aller Zeiten ist, kommt dieser eine Film bei mir gleich danach. Das liegt weniger an George Lazenby, der als Bond-Darsteller zwischen all den anderen immer ein bißchen im Abseits steht und schnell vergessen wird. Trotzdem finde ich, dass er seine Sache gut gemacht hat, aber das eigentliche Highlight ist in diesem Film Diana Rigg, die ihn als Bondgirl mit Charme und Coolness an die Wand spielt. Nicht zu verachten ist auch Telly Savalas (Kojak) als Bösewicht Blofeld. Außerdem finde ich diesen Bond-Film so herrlich untechnisiert, soll heißen, wo es sonst knallt und röhrt, diverse Explosionen und Autoverfolgungen o.ä. stattfinden, kann man hier bei wahrlich rasanten Ski-Abfahrtsverfolgungen in stiller Winterlandschaft mitfiebern, was einen ganz eigenen Reiz hat, aber trotz gedrosseltem Lärms nicht weniger spannend ist. Und nicht zu vergessen ist es wohl auch die etwas menschlichere Seite des James Bond, die hier gezeigt wird, die mich den Film mögen läßt. Im übrigen ist der dazugehörige Bond-Roman dieser Story von Ian Fleming von allen Bond-Romanen mir der liebste. ;o)
EDIT nach DVD-Ende: Ja, ich liebe diese Verfolgungsjagden auf Ski und Schlitten, und überhaupt sieht man endlich mal ein bißchen Schnee - aber was bitte haben sie sich bei dieser DVD gedacht? Dass bisher unveröffentlichte Szenen nun mit dabei sind ist ja ganz schön und gut, aber die Synchronisation ist echt grausam. Da spricht ein und derselbe Mensch von einer Minute zur nächsten in einer völlig anderen Stimme, was besonders störend bei Bond selbst ist, weil sich seine Zweit-, bzw. Drittstimme nach der eines versoffenen Penners anhört. Bevor man das geschnallt hat, wundert man sich erst, wer das wohl war, der da gerade was gesagt hat. Schade ist auch, dass auf dem Weihnachtsmarkt das deutsche Lied hier in Englisch gespielt wird, aber zum Schluß hin überschneidet es sich mit der deutschen Version. Da auch noch der Ton der Neusynchronisierungen irgendwie sehr dumpf ist, erscheint es wie der Unterschied von Tag und Nacht, wodurch ständig kleine Brüche im Film entstehen.