Es ist ja sonst nicht so meine Art, aber ich möchte es doch einfach mal machen. Ich will es schon eine ganze Weile, aber ich dachte mir, Weihnachten ist vielleicht die beste Gelegenheit dafür. Ich möchte mich einfach mal bei allen meinen Lesern bedanken, insbesondere denen, die mich bereits seit vielen Jahren begleiten. Ich bedanke mich für die netten und aufmunternden Emails, die mich in unglaublicher Fülle erreichen, für den Zuspruch und die Unterstützung in schwierigeren Zeiten, durch jeden Sinn und Unsinn hindurch und trotz meiner teils suspekten Blogeinträge (ich bin mir manchmal selbst suspekt). Auch beim Bloggen gibt es Rück-, Nacken- und Tiefschläge, aber wenn ich all die Jahre Revue passieren lasse, überwiegt doch eindeutig das Positive über das Unerfreuliche und das ganz sicher wegen der Treue, Nachsicht und herzlichen Absichten der Mehrzahl von euch. Vielen Dank! Ich wünsche jedermann ein fröhliches und hoffentlich nach dem Vorweihnachtstrubel besinnliches Weihnachtsfest.
Ich erwache in meinem Bett und schaue zum Fenster, welches besonders groß ist und fast die gesamte Wand einnimmt. Es sind keine Vorhänge davor, sondern der schwache Schein einer straßenbeleuchteten Nacht fällt herein. Vor dem Fenster bemerke ich einen fremden Mann, der einige Blätter Papier in der Hand hält und interessiert darin liest. Das sind meine geschriebenen Texte. Erschreckt versuche ich mich zu bewegen, doch da ich noch in der Schlafstarre bin, gelingen mir nur ein paar ungeschickte Drehungen und Schlenker, die dem Mann jedoch anzeigen müßten, daß ich dabei bin, zu erwachen. Trotzdem kümmmert er sich gar nicht darum, sondern ist völlig in den Text vertieft. Anscheinend interessiere ich ihn nicht, sondern nur, was ich geschrieben habe, obwohl er meine hilflose Lage leicht ausnutzen könnte. Das ist beruhigend zu wissen, trotzdem mag ich es nicht, wenn fremde Leute einfach in meine Wohnung eindringen und ungefragt in meinen Sachen herumschnüffeln. Ich verhalte mich jetzt ruhig und warte, bis ich völlig wach bin, wobei ich jedoch wieder eingeschlafen sein muß. Denn als ich erneut aufwache, fällt kaltes Tageslicht durch das Fenster und der Mann ist verschwunden. Während ich wacher werde, bemerke ich schneebedeckte Dächer und dicke Schneeflocken, die in der Luft wirbeln. Oh! Es ist Weihnachtsmorgen und es schneit auch noch! Wie passend! Und ich erwache wirklich, völlig ohne Schnee.
Tagsüber schwebte ein richtig originaler pastelliger Canaletto-Himmel über der Stadt und der Weihnachtsmann ist auch schon unterwegs, wie man unschwer erkennen kann. Was für ein Zufall, daß ich ihn heute bereits getroffen habe! Etwas unvorsichtig der Gute, allerdings wirkte er auf mich ein klein wenig so, als hätte er zuviel dem Jack Daniel's zugesprochen. Er mußte deshalb tatkräftig von Frosty, dem Schneemann, gestützt werden. Das kann ja heiter werden!
Wiederum sah ich, wie es unter der Sonne zugeht: Zum Laufen hilft nicht schnell sein, zum Kampf hilft nicht stark sein, zur Nahrung hilft nicht geschickt sein, zum Reichtum hilft nicht klug sein; dass einer angenehm sei, dazu hilft nicht, dass er etwas gut kann, sondern alles liegt an Zeit und Glück.
Ich hab es geschafft. Ich habe meinen ersten Roman fertig. Wie ein Berserker schrieb ich heute die letzten Seiten, es ist wie ein Endspurt nach einem 1000m-Lauf, wenn das nahe Ziel noch einmal zusätzliches Adrenalin freisetzt, um es mit neuen Kräften endlich hinter sich zu bringen. Dafür fühle ich mich jetzt auch wie nach einem 1000m-Lauf. Mein Herz klopft wie verrückt vor Freude und Anspannung und ich bin mir nicht sicher, ob ich heute noch runterkomme und überhaupt schlafen kann. Das ganze Projekt lag schon wie ein Stein auf mir. Natürlich hätte ich diesen einfach zur Seite legen können, aber das wollte ich nicht, denn schließlich war es meine Herausforderung, wenigstens einmal im Leben einen Roman zu schreiben. Und das habe ich jetzt. Sogar einen mit 330 Seiten. Eine wirklich schöne runde Zahl, wie ich finde. Immer nur Kurzgeschichten und Gedichte wecken nicht unbedingt das Fieber im Blut. Zu behaupten, fertig zu sein, ist allerdings etwas übereifrig, denn eigentlich beginnt nun erst die wirkliche, weniger lustige Arbeit. Nämlich das Überarbeiten und Korrigieren. Am liebsten würde ich ja die gesamte Geschichte umarbeiten, weil die so dämlich ist, aber das werde ich nicht tun. Sie hat sich so entwickelt und bleibt auch so, egal wie blöd. Sonst werde ich Herrn Luchterhand gar nicht mehr los.
Over the hills and everywhere;
Go, Tell It On The Mountain
That Jesus Christ is born...
Die Große Christmas Gospel Night war toll. Eigentlich bin ich ja nicht so der Gospel oder Soul-Fan (das könnte sich jetzt ändern), aber die Musik war von Beginn an mitreißend. Alleine die Kirche ist schon ein Erlebnis, ein gotischer Backsteinbau mit unzähligen wunderbaren Wandgemälden. Die erste halbe Stunde saß das Publikum noch etwas steif auf den Kirchenbänken, bis der erste aufstand - und es war, als hätte jeder nur darauf gewartet -, denn plötzlich sprangen alle auf, um mitzuklatschen und zu tanzen. Ich gestehe, ich habe tatsächlich darauf gewartet, denn es zuckte mir von Anfang an in den Beinen, aber ich bin nicht so der Typ, der sowas als erster macht. Nun fing es richtig an Spaß zu machen. Nach der Pause kam dann leider so ein "Oh Happy Day"-Teil, der ewig ging und wo auch noch Leute aus dem Publikum auf der Bühne den Refrain mitsingen durften. Meine Schwägerin fragte mich schon, ob wir jetzt den Superstar wählen sollen. "Oh Happy Day" mag ich als Song eh nicht besonders und so ausufernd fand ich das etwas nervend. Aber ansonsten ein sehr schöner Abend. Leider scheint meine Stimme weder Diskotheken noch Gospelabende zu vertragen, denn danach war ich leicht ausgepowert und meine Stimme weg, dabei habe ich gar nicht so viel mitgesungen, da ich die meisten Texte nicht kenne.
Durch einen Kommentar wurde ich gerade wieder an die allererste Ursache meiner Wortspielfreude erinnert und diese kann natürlich nur in der allerfrühesten Kindheit liegen. Ich bekam zwei Bücher geschenkt, mit ca. 8 Jahren, nämlich "Die Wortspielwiese" (unschwer erkennt man, daß ich hier den Namen für meine Rubrik entlehnt habe) und ein zweites, dickeres Buch, an dessen Titel ich mich nicht mehr entsinnen kann, in welchem aber Nebukadnezar vorkam. Wahrscheinlich wegen des fehlenden, bestimmt völlig (un)sinnigen Titels, finde ich es nicht bei Amazon, während ich die Wortspielwiese tatsächlich aufgestöbert habe. Ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Ich beschäftigte mich stundenlang mit diesen Büchern und fand es unheimlich faszinierend, was man mit einfachen Wörtern alles anstellen kann. Inzwischen liegt für mich darin sogar so etwas wie eine höhere Philosophie, eine Art Kabbala der Sprache voller mystischer Rätsel. Irgendwie ist es doch sehr erfreulich, daß normale Kinderbücher so einen tiefen Eindruck bis in das spätere Leben hinein hinterlassen können und dabei helfen, nicht den Sinn für den Quersinn zu verlieren, der doch so wichtig ist....
Eine ca. 17 seitige astrologische Deutung der Fixsterne nach Bernadette Brady erhält man hier für zehn Pfund, was in etwa dasselbe in Euro ist. Leider nur in Englisch. Weder die Bücher von Brady noch die Deutungen gibt es bisher auf Deutsch.
With Alnilam in paran with your Mercury, the star's love of establishing or understanding the
connections between things will be influencing your thinking and your interests. Your intellectual
motivation will be to understand or explore the ways that ideas or philosophies can be linked together to yield a greater understanding. This may occur locally in your life, simply giving you an exploring mind, or a strong curiosity about the potentials of interconnected worlds or ideas. However, if Alnilam is influencing your public life via your Mercury, then your career will reflect this desire to establish links between disparate ideas, or to express things in new ways.
Gut, der Prügelmonat scheint vorüber zu sein. Und so wenig angenehm solche Zeitphasen auch sind, so hat mir diese doch ein relativ neues Bild von mir vermittelt, eines, das mich etwas erstaunt. Zäh war ich schon immer, allerdings gepaart mit einer besonderen Sensibilität, die nochmals vielmals verstärkte Zähigkeit im Aushalten verlangt. Doch das Studieren, Beobachten und Verstehen von menschlichen Verhaltensmustern trägt zumindest soweit Früchte, daß ich mir kaum noch irgendwelche fremden Schuhe anziehe, egal wie dämlich man mir kommt. Das ist ein ganz neues Verhalten meinerseits, welches mir erst jetzt, in dieser Zeit der Konflikte bewußt wird, und mir unterschwellig, unter allem Verdruß, ein Gefühl von Stärke und Stolz gibt. Es ist für mich, als hätte ich einen Sieg errungen, egal was von außen auf mich einstürzt und versucht mich zu brechen. Erst jetzt verstehe ich die Bedeutung des Wortes "Selbstbewußtsein" wirklich, jedoch in einem ganz anderen Sinne, als ich es ursprünglich benutzt habe. Die Änderung bezieht sich dabei weniger auf mein äußeres Auftreten, als viel mehr auf meine innere Einstellung zu mir selbst und zu anderen. Und ich rieche Angst. Überall, wohin ich komme, wen ich auch treffe, ich rieche Angst auch bei völlig unängstlich wirkenden Menschen. Es sind die Taten, welche die Angst verraten, die wirklich tiefe Angst, viel weniger die Körpersprache. Und ich glaube, oder sagen wir fühle, daß gerade die Ängstlichen die wahren Furchtlosen sind, die, die sich standhaft weigern, irgendetwas in sich ohne ihr Wissen häßlich handeln zu lassen, sondern sich getrauen, ihre Angst bewußt zu erleben und sie zur Kenntnis zu nehmen. Dies ist eine dieser Paradoxien, wie sie mir bei allem, was mich angeht, stets begegnen, in jedem Winkel meines innerlichen, vollkommen uneinsehbaren Wahrnehmens. Deshalb fällt es mir auch so schwer, wirklich über mich zu schreiben und nicht nur über einen winzigen Aspekt in einem winzigen, unwiderruflichen Moment. Würde ich es versuchen, würde es auf andere wohl wie der komplette Wirrsinn wirken, das reine Chaos. Und dennoch wäre eine Ordnung enthalten, die sich wahrscheinlich nur in meiner Wahrnehmung offenbaren würde, da sie sich Teil für Teil in meine Erfahrungen fügen würde, in mein großes Lebenspuzzle. Doch ich merke auch, daß alles Wissen über menschliche Verhaltensmuster zwar sehr gut hilft, sich im Gleichgewicht zu behaupten, aber nur relativ wenig gegen den partiellen Ärger ausrichten kann, der bei den absurden und verzweifelt anmutenden Aktivitäten mancher Mitmenschen immer wieder durchbricht.
Eigentlich könnte ich eine neue Männerrubrik aufmachen. Die würde bestimmt bald voll werden.
Heute: Kollegin K. kommt, um einige Überweisungen zu prüfen, hat ihren Stempel aber nicht mitgebracht. Sie fragt nach meinem. Den habe ich noch nie benutzt, deshalb sage ich zu ihr, als ich ihr den gebe, ohne mir irgendetwas bei den Worten zu denken: "Der ist sogar noch ganz jungfräulich."
Da wird Herr N. sogleich sehr freudig erregt und ruft aus:
"Jaaaaaa, jetzt kommt er dran! Jetzt ist er fällig!".
Kollegin K. und ich schauen uns an, mit diesem Blick.....
Mir ist, als träumte ich im Traum selbst den Traum einer Fremden. Der Traum im Traum, doch das Traum-Ich des "inneren Traumes" scheint eine völlig andere Person zu sein, was sowohl durch die Umgebung als auch durch die handelnden Personen bewußt wird. Meine Mutter hat zum Beispiel keine Ähnlichkeit mit meiner wirklichen Mutter und im Traum lebe ich in einem winzigen Ort mit Einfamilienhäusern, der nicht einmal befestigte Wege hat. Ich bin in einem Alter, in dem man sich entscheiden muß, welchem Beruf man später nachgehen will, allerdings scheine ich auch eine leichte Behinderung zu haben. Meine Mutter betreibt nun zufällig eine Werkstatt für Behinderte und will oder erwartet von mir, daß ich dort einen Job übernehme und eventuell sogar später ihre Position. Ich glaube, sie denkt, daß ich zu etwas anderem nicht in der Lage bin und dies der einfachste Weg für mich ist. Sie meint es nur gut und will mir Kämpfe ersparen. Bei ihr in der Werkstatt wäre ich am besten aufgehoben, doch ich versuche ihr klar zu machen, daß ich mir genau dies überhaupt nicht vorstellen kann. Ich möchte hinaus und einem richtigen Beruf nachgehen, so wie alle anderen auch. Ich möchte Herausforderung, auch auf die Gefahr hin, es schwerer zu haben als "Normale" oder sogar zu scheitern. Irgendwann habe ich sie überzeugt. Sie ist besorgt, sieht aber ein, daß sie mich nicht in eine von ihr vorgesehene Laufbahn zwingen kann, auch wenn es nur zu meinem Schutz wäre. Später holpere ich mit einem Wagen über die unbefestigten Wege des Dorfes. Einen Wagen braucht man dort, denn anders kann man sich nicht von Ort zu Ort bewegen, da alles so weitläufig ist. Der Weg gabelt sich, wobei eine Gabel schräg aufsteigt, die andere flach weiterläuft. Ich holpere den aufsteigenden Weg hinauf, das Auto springt gefährlich hin und her. Ein relativ steiler Abhang zwischen beiden Wegen, mit Bäumen bewachsen. Plötzlich springt der Wagen so unglücklich in die Höhe, daß er zu Seite kippt und sich den Abhang hinunter überschlägt. Dies bekomme ich jedoch nicht mehr im Auto sitzend mit, sondern das Überschlagen sehe ich von außen, als würde ich auf dem unteren Weg stehen und hinaufblicken.
Letzte Woche riß Herrn N. eine der Lamellen von unserem Lamellenvorhang ab. Man brauchte sie eigentlich nur oben wieder einzuhängen, allerdings haben wir sehr hohe Büroräume, geschätzt fünf Meter, und die Fenster sind fast genau so hoch. Selbst von der Oberkante des höchsten Schrankes neben dem Fenster (aber nicht ganz direkt daneben), sind es noch zwei Meter bis zur Vorhanghalterung. Ich sage also zu ihm, er soll die Lamelle zwischen die anderen stecken, damit sie nicht auf dem Boden schleift und den Hausmeister anrufen. Der hat eine Leiter und kommt in der Regel auch schnell, wenn etwas zu machen ist. Heute fiel mir im Laufe des Tages auf, daß die Lamelle wieder hängt, ich hatte aber keinen Hausmeister gesehen. Also frage ich Herrn N., wann dieser da gewesen sei. Jetzt sagt mir Herr N., er hätte die Lamelle selbst eingehängt. Etwas ungläubig und erstaunt will ich natürlich wissen, wie er da oben ran gekommen ist. Er erzählt mir, er wäre mit einem Stuhl auf den Schrank geklettert. Nun ist es mir trotz Stuhl, und trotz einer Kante in der Mitte des Schrankes ein Rätsel, wie er auf diesen hohen Schrank gekommen ist, und weiterhin, wie er von da noch zwei Meter und einiges an horizontaler Entfernung bis zur Vorhangkante gereicht hat. Ich will es mir ehrlich gesagt auch gar nicht so genau vorstellen, denn dann wird mir schon nur beim Denken daran schwindlig. Statt schnell und schmerzlos den Hausmeister anzurufen, schwingt man(n) sich lieber wie Tarzan oder Chita auf die Schränke, auch auf die Gefahr hin, sich dabei alle Knochen zu brechen. Unglaublich!