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Mittwoch, 14. Oktober 2009

Das neue Neue Museum

Bald ist es soweit. Am 17.Oktober öffnet das wieder aufgebaute Neue Museum in Berlin seine Pforten. Die Nachricht allein würde mich nicht vom Hocker hauen, allerdings sah ich heute im RBB eine Doku über den Wiederaufbau und die architektonischen Kamerabilder haben mich ganz heiß gemacht. Ich glaub, ich muß es mir unbedingt ansehen - weniger wegen der Exponate als wegen der Architektur. Und dankenswerterweise hat die Homepage des Neuen Museums zur Überbrückung, bis sich für mich die Gelegenheit ergibt, einen architektonischen Rundgang ins Netz gestellt:

http://www.neues-museum.de/nm/index.html?r=vestibuel

Aber sorry, die grünen Teppiche gefallen mir nicht besonders. Sie erinnern mich so an ausgebleichten Kunstrasen.

Sag mal, Zickchen...

wo finde ich das Haus soundso? - sprach mich heute auf dem Betriebsgelände eine ältere Frau an. Ich mußte zweimal überlegen, ob ich tatsächlich richtig gehört hatte. Es gab ja schon so einiges, als das mich fremde Leute betitelt haben, einschließlich "junger Mann", aber "Zickchen" hatte ich noch nicht.

Soll ich dich gleich küssen oder später?

Mein Traum-Ich ist eine jüngere Frau, ca. 21 Jahre, in einer fremden Umgebung und anderen Zeit. Eine Veranstaltung mit vielen Menschen findet in einem vornehmen Haus mit breiter geschwungener Treppe statt. Ein wenig erinnern mich die Örtlichkeit und die Kleidung der Leute an "Vom Winde verweht". Bei dieser Veranstaltung ist mein Vater zugegen, den ich bisher nicht kannte. Er sieht mich hier zum ersten Mal, bzw. erfährt sogar erst hier, daß ich seine Tochter bin. Er ist schwarzhaarig, trägt einen schwarzen Anzug und ist ein Abenteurer, mutig, furchtlos, aber auch freiheitsliebend. Kleidung und Haare erinnern an Rhett Butler. Da er nun weiß, daß ich seine Tochter bin, läßt er mich nicht mehr aus den Augen und beobachtet mich unentwegt, während ich die breite, geschwungene Treppe in einer Masse von Besuchern hinunterschreite. Er ist sehr neugierig auf mich und möchte wissen, ob es wohl Ähnlichkeiten mit ihm gibt. Insbesondere aber, ob ich genauso mutig bin. Am Fuße der Treppe befindet sich eine Art Foyer mit einem Garderobenständer aus poliertem, schwarzen Marmor. Mein Vater und ich haben bisher noch kein einziges Wort gewechselt, obwohl wir voneinander wissen, wer wir sind, doch hier am Garderobenständer spricht er mich plötzlich an, zeigt auf den schwarzen, glatt polierten Stein und sagt: "Das wirst du einmal werden.", als könne er meine Zukunft anhand seines eigenen Lebens vorhersagen. Ich verstehe jedoch nicht wirklich, was er damit sagen will, ein wenig empfinde ich die Bemerkung auch als abwertend, vielleicht weil ich sie nicht verstehe. Was habe ich mit schwarzem Marmor zu tun? Jetzt kommt der Küchenchef dazu und möchte unbedingt ein ganz besonderes Essen für mich kochen, wahrscheinlich nicht wegen mir, sondern weil ich die Tochter von meinem Vater bin. Ich selbst habe gerade erst alle meine Habseligkeiten als Strafe für irgendetwas abgeben müssen, und nichts als 20 Mark übrig behalten, die ich in einer Tasche bei mir führe. Meine Mutter steht neben mir und rät mir dringendst davon ab, meine letztes Geld dafür auszugeben, aber ich mache kurzen Prozeß und sage mutwillig, ob ich nun 20 Mark noch besitze oder nicht, ist in dieser Situation völlig egal. Ich hätte Lust, mich einmal richtig bekochen zu lassen und den Rest an Zahlungsmitteln auf den Kopf zu hauen. Als das Essen kommt, erscheint mir von außen das Bild, wie meine Mutter und ich, gemeinsam unter einer Decke oder einem Tuch hockend, auf den Knien jeweils einen Teller mit verschiedenen Köstlichkeiten, neugierig alles auf den Tellern betrachten und einträchtig probieren. So exquisit haben wir nämlich noch nie gespeist und einiges ist recht neu für uns. Der Küchenchef, stolz mich bewirtet zu haben, möchte nur als Andenken daran eine Karte in einem künstlichen Bachbett mit Wasser anpinnen. In diesem Bachbett befinden sich bereits viele andere Karten. Anscheinend ist es das Hobby des Küchenchefs, bestimmte Leute mit einem exklusiven, besonderen und kostenlosen Menü zu erfreuen und dafür als Gegenleistung eine Karte als Andenken aufzuhängen. Wahrscheinlich eine andere Form von Werbung, wobei mir nicht ganz klar ist, wen er mit mir werben möchte.
Später treffe ich irgendwo den Sänger der Gruppe "Right Said Fred". Er hat wohl lange keine Frau mehr gesehen, denke ich. Jedenfalls wirkt er etwas "untervögelt", zumal er auf mich, als einzige Frau im Raum sofort anspringt. Während ich an der Wand lehne, stellt er sich dicht vor mich hin, neigt seinen Kopf zu mir, als wolle er mich küssen, macht jedoch einen Zentimeter vor meinem Mund halt und fragt betont kess: "Soll ich dich gleich küssen oder später?" Fehlt nur noch das 'Baby' am Ende. Ich antworte nicht, sondern wende mich ab und ziehe eine angewiderte Schnute. Kurz darauf sitze ich aber friedlich mit den Jungs von "Right Said Fred" zusammen und betrachte die Designentwürfe für ein Magazin mit Bildern von ihnen. Sie wünschen nämlich, daß ich sie beim Gestalten des Magazins und bei der Auswahl der Bilder berate.

Bemerkung: Ich dachte eigentlich, die Typen von "Right Said Fred" sind schwul. -
Aus der Wikipedia: "Marmore haben unter hohem Druck und/ oder hoher Temperatur eine Metamorphose erfahren."


Dienstag, 13. Oktober 2009

Lichtsprünge

Lichtsprünge

Synchrone Zufälle

Als ich heute morgen glaubte, Thomas Herrmanns an der Straßenbahnhaltestelle gesehen zu haben, dachte ich mir noch nicht viel dabei. Dann hielt ich jedoch mittags überraschenderweise eine Umlaufmappe über die geplante Betriebs-Weihnachtsfeier im Quatsch Comedy Club in der Hand und dachte bei mir, daß diese Begegnung ja fast eine Vorhersehung gewesen ist. Bald zweifle ich schon daran, ob ich wirklich Thomas Herrmanns gesehen habe, oder nur eine Vision von ihm. Wie dem auch sei, jedenfalls scheint die heutige Zeitqualität eine starke Affinität zum Quatsch Comedy Club zu haben.

Montag, 12. Oktober 2009

Riesenrad und legasthenischer Freund

Auf dem Balkon eines Hauses westlich der Pfarrkirche der väterlichen Gemeinde. Ich sitze, bzw. liege im Balkon wie in einem Liegestuhl und er ist genauso wackelig, schwankt unter meinem Gewicht bei jeder Bewegung hin und her. Es ist bereits völlig dunkel, da wird meine Aufmerksamkeit plötzlich auf bunte, funkelnde Lichter am Himmel östlich über und hinter der Kirche gelenkt. Was ist das denn? Ein Feuerwerk? Langsam erkenne ich es. Es ist ein Riesenrad! Zwar nicht ganz so hoch wie der Kirchturm, aber ebenfalls ziemlich groß. Es muß um die Kirche herum ein Weihnachtsmarkt aufgebaut worden sein. Das ist an diesem Platz neu. Normalerweise lassen mich ja Weihnachtsmärkte kalt, aber so von oben auf die vielen funkelnden Lichter zu schauen ist ein tolles Erlebnis - bei dieser schwankenden Höhe allerdings auch riskant. Was für ein Ausblick!

In einer therapeutischen Einrichtung. Ich befinde oder befand mich in einer Gruppe, in welcher kreative Tätigkeiten zur therapeutischen Behandlung genutzt werden. Wir sind ca. zehn Leute in der Gruppe. Mit einer Frau bin ich etwas enger befreundet. Ich nenne sie Ch. K., wie eine Klientin von mir. Außerdem gibt es in der Gruppe einen Mann, mit dem ich nicht so viel zu tun habe, der aber immer wieder Kontakt zu uns sucht. Er ist geistig behindert und stottert, beachtet habe ich ihn bisher kaum. Eines Tages erklärt man mir bei einer Aussprache, daß ich eine große, verwerfliche "Sünde" begangen hätte und man mich deshalb aus der Gruppe ausschließt. Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, worum es ging, allerdings bin ich mir weder dieser speziellen Schuld bewußt, noch empfinde ich die entsprechende Sache tatsächlich als so verwerflich. Ich versuche deshalb darüber eine Diskussion zu führen und spreche einzelne Leute an, warum sie so denken, doch die Meinungen stehen felsenfest, wenn auch für mich unverständlich. Dann wende ich mich an Ch. K., sie weiß genau, daß der Vorwurf nicht stimmt und kann es bestätigen. Aber statt zu sagen, was sie weiß, schließt sie sich der Meinung der anderen an und erklärt, wenn die es sagen, müsse es stimmen.
Seltsam ist die umfassende innere Ruhe bei dieser Szene. Weder bin ich verärgert, noch enttäuscht, traurig, erschrocken oder sonst etwas. Ich bemühe mich zwar ernsthaft, den Vorwurf zu entkräften, doch ähnelt es mehr den liebevollen Bemühungen, das Denken der anderen für eine neue Betrachtungsweise, einen anderen Blickwinkel zu öffnen, und dazu, die tieferen Gründe für ihre Meinung zu hinterfragen. Erfolglos, wie ich irgendwann feststelle.
Also ziehe ich mich allein in mein Heimzimmer zurück und bemerke überrascht, daß von jemandem überall an die weißen Wände kleine Zettelchen gespickt wurden. Es sind winzige Kopien meiner Werke, Zeichnungen, Bilder und sonstigen kreativen Erzeugnisse. Nanu? Wer hat dies getan und wozu? Da erscheint der geistig behinderte Mann und lüftet das Rätsel. Er ist völlig überzeugt davon, daß mir Unrecht getan wurde und möchte sich für mich einsetzen, aber vor allem, da er wahrscheinlich ebenfalls nichts erreichen kann, möchte er mir eine Freude machen, die mich wieder aufmuntert. Dazu hat er sich überlegt, alle meine Werke schön gerahmt auf diesen Wänden zu präsentieren. Die Anordnung hat er bereits festgelegt, und um sie sich nicht zu vergessen, die kleinen Kopien mit Reißzwecken an der entsprechenden Stelle befestigt. Zuerst bin ich völlig überwältigt und sprachlos. So etwas Schönes hat sich noch niemand für mich ausgedacht. Dann kommen wir ins Gespräch. Je mehr ich mich mit ihm unterhalte, um so stärker empfinde ich hinter seinem äußeren "Idiotentum" eine unglaubliche innere Schönheit. Ich spüre sie so körperlich und faszinierend, daß sich das spontane und starke Bedürfnis meldet, ihn zu umarmen. Da wir bisher, halb sitzend, halb liegend auf einer Couch geredet hatten, jeweils einen Arm aufgestützt, muß ich ihn erst etwas ungelenk mit einer Berührung seiner Schulter und einer entsprechenden Bemerkung auf meinen Wunsch aufmerksam machen. Wir ändern die Sitzposition so, daß wir uns umarmen können und ich drücke ihn fest und lange. Danach erheben wir uns und er kommt irgendwann mit einem Brief wieder, den er mir reicht. Es ist ein Brief, den er geschrieben hat, um sich für mich einzusetzen. Ich versuche ihn zu entziffern, aber es ist fast unmöglich, denn er strotzt vor Rechtschreibfehlern und die einzelnen Wörter erscheinen in einer völlig absurden Lautsprache, die man mehrmals langsam wiederholen muß, um zu erraten, was es heißen soll. Anscheinend ist er also auch Legastheniker. Im ersten Moment entgeistert, muß ich gleich darauf schon lächeln. Es ist sowas von egal und völlig bedeutungslos, genauso wie seine geistige Behinderung. Es macht den Menschen etwas anderes aus.
Und mitten im Traum die Erkenntnis: Die Kreativitäts-Therapie bekommt mir gut. Ich sollte meinen Arzt unbedingt davon überzeugen, mir weitere Verordnungen zu geben.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Подмосковные Вечера



Den Chor finde ich ja anfangs etwas übertrieben, aber man bekommt den Text und schöne Bilder mitgeliefert.

Von Kuckucksuhren und verpaßten Sonnenaufgängen

Da es auf dem Balkon zu dunkel geworden war, zog ich mich mit Twain in die Badewanne zurück und las von dessen (inzwischen in der Schweiz angekommen) vergeblichen Bemühungen, einen alpinen Sonnenaufgang zu erleben. Ein wenig erinnerte mich das an unsere Mondscheinkahnfahrt ohne Mond, besonders auch in den gegenseitigen Schuldzuweisungen. Alsbald mußte ich Wasser aus der Wanne lassen, weil ich Tränen lachte.

Über Kuckucksuhren schreibt er indessen wie folgt:

Jahrelang hatte meine eifrigste Abscheu der Kuckucksuhr gegolten; nun befand ich mich hier zu guter Letzt mitten in der Heimat dieses Geschöpfes; und so lag mir immer, wohin ich mich auch wandte, dieses zermürbende "Huhu! Huhu! Huhu!" in den Ohren. Ein schöner Zustand für einen nervösen Menschen. Manche Töne sind abstoßender als andere, aber kein Ton ist so unsinnig, albern und unangenehm wie das "Huhu" der Kuckucksuhr, meine ich. Ich habe eine gekauft und nehme sie für eine gewisse Person mit nach Hause; denn ich habe immer gesagt, daß ich diesem Manne eins auswischen würde, wenn sich je die Gelegenheit dazu ergeben sollte. Ich hatte zwar gemeint, daß ich ihm ein Bein brechen würde, oder etwas in dieser Art; aber in Luzern erkannte ich sofort, daß ich seinen Geist zerrütten könnte. Das wäre dauerhafter und in jeder Beziehung befriedigender. Also kaufte ich die Kuckucksuhr; und wenn ich jemals damit nach Hause komme, ist er "geliefert", wie man in den Silbergruben sagt. Ich dachte an einen weiteren Kandidaten - einen Literaturkritiker, den ich nennen könnte, wenn ich wollte -, aber nachdem ich es mir überlegt hatte, kaufte ich ihm doch keine Uhr. Seinem Geiste könnte ich keinen Schaden mehr zufügen.
(aus "Bummel durch Europa")

Man nehme

Mark Twain (natürlich nicht ihn selbst, sondern sein gesammeltes Wandersmanngarn), setze sich damit lesend auf den Balkon, und bald werden sich die Nachbarn neiderfüllt fragen, was man da wohl die ganze Zeit zu kichern, glucksen, prusten und in lauthalse Lachanfälle auszubrechen hat. Wenn ich Twain lese, fühle ich mich stets sehr stark an mich selbst und die Dinge, die ich schreibe, erinnert. Nicht daß ich mich mit ihm vergleichen würde, aber ich habe immer den Eindruck, daß wir einen ziemlich ähnlichen Humor haben, sowie das gleiche Vergnügen daran, aus Kleinigkeiten mit Humor und Sarkasmus höchst ausufernde Abenteuer zu gestalten (man nehme nur seine Geschichte über die nächtliche Wanderung rund um den Eßtisch). Vielleicht sind wir so etwas wie Humorgefährten. Eigentlich würde ich ihn tatsächlich gerne einmal persönlich auf meinem Balkon begrüßen.

Der Sarg meines Vaters und Michael Jackson als rasender King Kong (Venus tr Konjunktion Pluto r)

Ein Klassenzimmer, in dem der Sarg mit meinem Vater steht. Es ist nicht mehr üblich, die Särge in der Erde zu vergraben, sondern man bewahrt die Toten in einem Sarg voll Erde auf. Da die Körper dabei von Erde umgeben sind, ist man von den Auswirkungen der Verwesung ziemlich geschützt, kann den Sarg mitten irgendwo im Zimmer aufstellen und muß nicht erst auf den Friedhof gehen, um den Toten zu besuchen. Bei meinem Vater ist allerdings einer der Füße aus der Erde gerutscht und schaut ein wenig aus dem Sarg heraus, dies stört jedoch keine der zahlreichen Personen um mich herum. Verwesende Gliedmaßen sind inzwischen etwas ganz Normales. Ihnen begegnet man überall, da auch andere Särge, die in Zimmern stehen, nicht unbedingt so streng verschlossen sind. Irgendwie stört mich der Sarg, weil er den Platz für einen Schreibtisch für mich wegnimmt. Ich habe keinen Platz zum Sitzen und zum Arbeiten, und versuche das jemandem klar zu machen, damit dieser erlaubt, den Sarg hinausbringen zu lassen. Meine ehemalige Chefin schwebt herein, d. h. sie läuft trotz ihrer Körperfülle in einer seltsam affektierten Art, und bekommt den Disput mit.
Gerade sage ich, daß ich Tag für Tag am Grab meines Vaters gewesen bin - hier korrigiere ich mich, da mir einfällt, daß es so nicht stimmt -: Ich sei oft am Grab meines Vaters gewesen, aber jetzt wäre es an der Zeit, den Sarg zu entfernen, um Platz zu schaffen, damit ich an einem vernünftigen Schreibtisch sitzen kann und auch vernünftig arbeiten kann. Meine Chefin signalisiert hier mit einer Bemerkung ihre absolute Zustimmung zu meiner Meinung, hält sich aber nicht weiter auf, sondern schwebt an mir vorbei zu den anderen Leuten im Raum. Ich bin froh, daß ich wenigstens sie mit meinem Wunsch hinter mir habe, denn anscheinend ist man hier über solche Vorschläge nicht sehr erbaut. Während ich ihr nachschaue, fällt mir auf, daß sie eine unnatürlich gelbe Haut hat. Sie steht jetzt vor den anderen, öffnet ihre Bluse und präsentiert ihnen etwas, das ich selbst nicht sehen kann, aber aus den Reaktionen in hellsichtiger Weise erkenne: Ein tellergroßes Geschwür an ihrem Oberkörper.

In einem anderen Zimmer, wieder in ein Gespräch vertieft. Eine Wand des Zimmers fehlt und der Raum geht direkt in die Umgebung über. Aus dem Augenwinkel beobachte ich eine dichte schwarze Wolke, welche immer größer und größer wird, sich bis hoch in den Himmel ausdehnt. Aus dieser Wolke materialisiert sich eine Gestalt, eine Mischung aus Michael Jackson und einem Gorilla, in der Größe von King Kong. Der allererste Blick, mit gewendetem Kopf, schräg über die Schulter, mit unheimlichen, tierischen Augen, fällt genau auf mich. Nun bin ich diesem Wesen gegenüber winzig klein und überlege deshalb, ob es mich überhaupt gesehen hat. Vielleicht hat es mich ja gar nicht wahrgenommen. Andererseits weiß ich doch genau, daß es nicht so ist, sondern daß diese Mischung aus Michael Jackson und King Kong allein mich sucht, mich überall hin verfolgen wird und mich ganz sicher auch erkannt hat. Also beschließe ich sogleich zu flüchten. Während ich mich eilig vom Ort entferne, überlege ich fieberhaft, wo ich mich verstecken könnte. Am sichersten erscheint mir, mich in einem Kleiderschrank zu verstecken, da winzige Schränke dieses Geschöpf vielleicht nicht interessieren. Ich bin mir allerdings nicht klar darüber, wie es mit seinem Geruchssinn aussieht. Eventuell kann er mich ja "erschnüffeln". Doch ein Schrank ist sowieso weit und breit nicht in Sicht. Stattdessen gehe ich die Treppen zu einem Schwimmbad hinunter. Seltsamerweise sehe ich um das erhöhte Schwimmbecken herum sich sehr lange Besen bewegen. Nanu? Was ist das? Doch mit einigen Schritten weiter lüftet sich schon das Geheimnis. Eine Putzkolonne fährt lautlos auf Weinachtschlitten um das Becken herum und auf jedem Schlitten befindet sich ein Besen, die ich in der Länge auf mindestens drei bis vier Meter schätzen würde. Nun ist die Putzkolonne aus den Schlitten gestiegen und kommt mir auf der Treppe entgegen. Die Chefin ist eine ältere, verhärmt aussehende Frau mit feuerroten kurzen Haaren. Sofort vermute ich, daß es eine Hexe ist. Das würde auch die merkwürdigen Besen erklären. Sie ruft jemandem aus der Kolonne etwas zu und nennt ihn "Stefan". Es gibt zwar jede Menge Personen, die Stefan heißen, aber etwas in der Art ihrer Aussprache, eine kleine Betonung nur, läßt mich sofort wissen, daß es ein Stefan ist, den ich kenne. Nur woher? Es will mir nicht recht einfallen. Vielleicht einer meiner Blognachbarn? Aber ich habe keine Zeit, mich mit diesem Stefan weiter zu beschäftigen, denn ich muß mich vor King Kong in Sicherheit bringen.

Bemerkung: Ein Traum wie ein Abstieg ins Totenreich. Samhain ist doch noch gar nicht...

Samstag, 10. Oktober 2009

Kafka, rein subjektiv

Stets schaudert es mich, wenn ich Kafka lese, doch sobald ich versuche, dem eigentlichen Grund dafür nachzuspüren, verwässert er sich und wird ungreifbar. Es ist etwas in seinen Texten, das mich intuitiv ein Warnsignal empfangen läßt, so wie ein Bauchgefühl einem sagt, daß man diesen Weg besser meiden oder jenem Menschen nicht vertrauen sollte. Auch hier sagt das Signal: Es stimmt etwas nicht. Doch es sind nicht die mysteriösen Handlungen und "kafkaesken" Situationen, denn diese erwarte ich ja, wenn ich Kafka lese. Solch albtraumhaftes Erleben fürchte ich nicht, es fördert nur die Spannung. Da ich Träume liebe, liebe ich auch sie - je absurder, desto besser. Es ist etwas außerhalb der Geschichten, das sich jedoch als unsichtbares Ding über jeden Satz, jedes Wort legt und sich zwischen die Zeilen drängt. Mal umschrieb ich es als Kälte, das Führen der Schreibfeder im Stil eines Pathologen, der Leichen seziert. Dann wieder meinte ich, Kafka hätte seine Texte ausschließlich mit der linken Gehirnhälfte und dem Verstand geschrieben, das Gefühl aber, nein, nicht weggelassen, sondern als Ausgangspunkt für sein Seziermesser benutzt, bis nichts mehr davon übrig ist, außer einer wagen Ahnung, um welche alle Protagonisten und Personen mit emsiger, berechnender Bemühtheit konversieren und aktionieren, während die Ungeheuerlichkeit des Erlebens als etwas Unausgesprochenes im Raume hängen bleibt. Natürlich könnte man annehmen, Kafka hätte dies als Stilmittel benutzt, aber etwas läßt mich daran zweifeln. Ist es wirklich möglich solch eine Distanz und Unerbittlichkeit auf Dauer als Stilmittel aufrechtzuerhalten, ohne mit dieser Art des Erlebens sehr vertraut zu sein? Jede seiner Geschichten könnte man anders, emotionaler erzählen, und sie würde etwas von ihrem Zynismus, ihrem typischen Charakter verlieren, ohne deshalb zerstört zu sein. Doch auch das beschreibt es noch nicht ausreichend. Und heute kam ich endlich darauf, was ich bisher übersehen hatte. Es ist nicht nur Distanz und Unemotionalität, sondern Grausamkeit. Pure Grausamkeit, die sowohl gegen andere als auch gegen sich selbst gerichtet ist, in ganz besonderem Maße gegen sich selbst. Keine Person in seinen Texten wird irgenwie bevorzugt oder empathischer beschrieben als eine andere, auch nicht die, bei denen man Ähnlichkeiten mit dem Verfasser zu bemerken meint. Über allen scheint derselbe Fluch eines herzlosen Schöpfers, in ihrem Falle Autors, zu liegen, der nicht das geringste Mitempfinden zeigt und damit auch das Mitfühlen der Leser auf wirksame Art unterbindet, ohne dabei die Spannung zu verringern. Der Leser wird in den Sog eines kühlen wissenschaftlichen Interesses gezogen, das aus reiner Neugier beobachten will, was mit diesen fremdartigen und doch so vertrauten Geschöpfen in seltsamen Situationen weiter geschieht. Was bleibt, ist ein stetiges Unbehagen, aber ebenfalls ein Lenken aller übrigen Gefühlsreserven auf die vermeintliche Hölle dessen Verursachers.

Freitag, 9. Oktober 2009

...

Es ist ein fades Städtchen, überall trifft mann auf leeren Schein, kleinlichen Betrug und Aufgeblasenheit, aber die Bäder sind gut. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, und sie waren sich alle darin einig. Drei Jahre lang hatte ich dauernd rheumatische Schmerzanfälle, aber der letzte verschwand, nachdem ich vierzehn Tage dort gebadet hatte, und ich habe seither nie wieder welche durchgemacht. Ich glaube fest daran, daß ich meinen Rheumatismus in Baden-Baden gelassen habe. Er steht Baden-Baden gern zur Verfügung. Es war wenig, aber mehr hatte ich nicht zu geben. Ich hätte gern etwas Ansteckendes zurückgelassen, aber das lag nicht in meiner Macht.
(aus "Bummel durch Europa" von Mark Twain)

vergelesen

Heute im Schreiben der IT-Abteilung:

"Zugang-spaßwort" statt "Zugangs-paßwort"

Und ich dachte schon, wir würden endlich mal Spaß im Büro haben...

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Fahrstuhl des Grauens

Der Fahrstuhl in unserem Bürogebäude ist eine Klasse für sich. Gerade stand er seit Monaten still und war gesperrt, da das passende Ersatzteil fehlte. Die Behinderten, besonders Rollstuhlfahrer, blieben draußen und guckten dumm aus der Wäsche, wenn sie sich nicht selbst drei Treppen hinauf schleppen konnten oder jemanden hatten, der sie trug. Herr N. unkte, daß sie bestimmt das Ersatzteil aus Asien einfliegen müssen und kam damit der Sache ziemlich nahe. Als ich den Sonnenblumenhausmeister befragte, bestätigte er, daß erst ein Ersatzteil aus Norwegen beschafft werde müsse. Irgendwann war das Ersatzteil da und man stellte fest, daß die passende Software fehlt. Der Fahrstuhl blieb weiter gesperrt und unserer oberster Guru schrieb eine böse Email an die Immobilienverwaltung, ob sie vielleicht nächstens bemerkten, daß die Software erst noch programmiert werden müsse.
Dann vor zwei Wochen das große Wunder: Der Fahrstuhl funktionierte wieder. Doch schon nach drei Tagen kam Herr N. einmal von einem Ausflug zurück und erklärte, es stimme mit dem Fahrstuhl etwas nicht. Er verhalte sich so komisch. Na ja, damals dachte ich mir noch nicht viel dabei, aber seit heute weiß ich es selbst. Es stimmt tatsächlich etwas nicht mit ihm. Zum heutigen Feierabend, das Haus schon größtenteils verlassen und leer, trat ich nichts Böses ahnend in den Fahrstuhl und drückte auf die 1. Der Fahrstuhl fuhr hinunter, hielt aber in der zweiten Etage, ohne jedoch, daß dort irgendjemand war oder sich die Tür öffnete. Ich drückte nochmals die 1, aber der Fahrstuhl zeigte konsequent weiter die 2, wie eingefroren, und sagte die zweite Etage wiederholt an. Ich dachte für einen Moment schon, ich sei stecken geblieben, und spürte, wie sich meine Poren auf vermehrten Schweißfluß vorbereiteten. Zum Glück konnten sie diese Vorbereitung abbrechen, denn nachdem ich das nächste Mal auf die 1 drückte, fuhr er endlich wieder. Nun ruckelte er allerdings einfach an der ersten Etage vorbei und landete mit mir im Keller, erneut ohne daß weit und breit irgendeine Person war. Abermals wählte ich nun die 1 und netterweise fuhr er auch hoch und hielt sogar richtig. Heilfroh, ihm glücklich entkommen zu sein, verließ ich den Fahrstuhl und verwünschte mich selbst dafür, daß ich damals unbedingt "Fahrstuhl des Grauens" im TV sehen wollte, weil diesen Film alle meine Klassenkameraden gesehen hatten.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Mein Physiotherapeut

hat zu mir gesagt, ich solle viel hängen. Das kann man nun so oder so verstehen.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Private Ausstellungsführung mit Herrn Schneck

Herr Schneck hat eine eigene Ausstellung eröffnet, in welcher nicht nur sein gesamtes Bilderwerk zu besichtigen ist, sondern ebenfalls bunt mit den Bildern durcheinandergewürfelte historische Funde untergebracht sind. Zusammen mit Audrii bin ich zu einer privaten Führung mit Herrn Schneck persönlich eingeladen. Wir betreten dazu das Ausstellungsgebäude, das von außen wie ein kleines weißes Schlößchen aussieht. Die große Halle mit einem Kuppeldach ist bis auf einige Vitrinen vor allem an den Wänden meterhoch bis zur Decke mit Bildern gepflastert. Da diese recht hoch ist, muß man den Kopf in den Nacken legen, um die oberen Gemälde zu betrachten. Ich bin absolut überrascht von der überwätigenden Fülle an Exponaten, allerdings frage ich mich auch insgeheim, ob es nicht ein bißchen sehr viel auf einmal ist. Doch dann wird mir klar: Keineswegs. Da die Räumlichkeit architektonisch sehr barock wirkt (im Traum denke ich an ein barockes Refektorium), ohne dabei bunt zu sein, sondern mit rein weißen Wänden, paßt die Überladung mit Bildern irgendwie perfekt und es macht Spaß, in dieser Fülle immer wieder neue Schätze zu entdecken. Dazu muß man jedoch wirklich hinsehen, sehr genau hinsehen, um zu finden. Man bekommt die Bilder nicht auf dem goldenen Tablett serviert, sondern es ist nötig durch die Fülle, die wie eine Tarnung und ein Versteck funktioniert, zu ihnen hindurchbrechen.

Montag, 5. Oktober 2009

...

Wie sind wir nur auf die Idee gekommen, die Deutschen seien ein stures, phlegmatisches Volk? Tatsächlich sind sie weit davon entfernt. Sie sind warmherzig, gefühlvoll, impulsiv, begeisterungsfähig, beim zartesten Anstoß kommen ihnen die Tränen, und es ist nicht schwer, sie zum Lachen zu bringen. Es sind wirklich Kinder des Impulses. Im Vergleich zu den Deutschen sind wir kühl und verschlossen. Sie umarmen und küssen sich, weinen, jubeln, tanzen und singen; und wo wir einen liebenden, kosenden Ausdruck anwenden, verströmen sie gleich zwanzig. Ihre Sprache ist voller zärtlicher Diminutive; nichts von dem, was sie lieben, entgeht der Anwendung einer kosenden Verkleinerungsform - weder das Haus noch der Hund, noch das Pferd, noch die Großmutter, noch irgendein anderes Geschöpf, ob beseelt oder unbeseelt.
(aus "Bummel durch Europa" von Mark Twain)

Das Horroskop behauptet,

mir fällt diese Woche alles in den Schoß, aber die Woche beginnt mit schlechten Nachrichten, einer Ablehnungs-Voraussage und dem Zerplatzen des letzten Hoffnungsschimmers. Nun gut, die Sterne haben ja noch sechs Tage Zeit, es sich anders zu überlegen....

Urlaub im August – Die Gegend (und Heimat meiner Ahnen)

 Urlaub 19         Urlaub 18         Urlaub 28

Kleine, blitzsaubere Dörfchen an blitzsauberen Landstraßen mit in der Sonne zusammengerollt

schlafenden Katzen und Eidechsen, meistens viel zu großen Dorfkirchen, blitzsauberen, aufgeräumten

Gärtchen und funktionierender Straßenbeleuchtung, welche jedoch keinesfalls das nächtliche Ausstreuen

einer atemberaubenden Milchstraße stört. Jedes Dorf hat mindestens ein Exemplar der typischen Lausitzer

Dorfdeko aufgestellt, bestehend aus einem ausrangierten Spreewaldkahn mit Heuschober und Bepflanzung.

Wenn das Dorf Glück hat, gibt es auch einen dorfeigenen Storch, der jährlich in seine Spreewaldresidenz

zum Brüten zurückkehrt und ebenfalls eine Art Markenzeichen der Lausitz ist.

 

Urlaub 17  Urlaub 16  Urlaub 29

Urlaub 3  Urlaub 7  Urlaub 13

Am Dorf, wenige Meter über die Dorfstraße, ein blitzsauberer See mit eigenem Yachthafen und einem

verlassenen, dem Verfall preisgegebenen DDR-Ferienlager. Natürlich auch jede Menge glückliche Hühner,

Enten und Kühe, allerdings sind die qualitativ hochwertigen Metzgereien ebenfalls nie weit. Besonders

beliebt im Spreewald: die Grützwurst. Darüber müssen sich die Schwalbenschwärme aber keine Gedanken

machen, die in wahren Massen die ländlichen Stromleitungen bevölkern, abends tief fliegen und über den

See jagen, morgens mir jedoch im Dachfenster sitzend Geschichten erzählten. Doch auch Kreuzspinnen

fühlen sich in der Gegend sehr wohl und sind fast ebenso kuschelbedürftig wie die Tagpfauenaugen, die sich

gerne mal neben einem auf der Sonnenliege niederlassen, um in trauter Zweisamkeit Sonne zu tanken.

 

                          Urlaub 5       Urlaub 30 

Urlaub 8  Urlaub 9  Urlaub 22

Nicht vergessen werden darf die riesige Pferdekoppel mit vielen glücklichen und neugierigen Pferden,

zentral auf einem verwunschenen, sich “Berg” nennenden Hügel gelegen, in dem angeblich ein Schatz

vergraben ist, den man jedoch nur finden kann, wenn man dreizahnig geboren wurde (alte Lausitzer Sage).

Das bin ich leider nicht. Und ringsherum blitzsaubere, aufgeräumte Felder mit endlos vielen gerollten Heuballen,

sowie einige bewaldete Hügel, die der flachen Landschaft einen Hauch von Mittelgebirge geben – wenn man

beide Augen zudrückt.

 

                         Urlaub 25                   Urlaub 21