Traumnotizen (vollständiges Traumtagebuch im Zweitblog)
Donnerstag, 5. November 2009
Mittwoch, 4. November 2009
Umgehend Heiraten! -
Ein längeres Fragment handelt von einer Veranstaltung. Ich sitze mit vielen Leuten im Publikum, neben mir Elsa. Vor uns eine Bühne, auf der irgendjemand etwas erzählt. Es wird ein Satz gesagt, der vom "katholisch werden" handelt. Ich finde etwas an diesem Satz so unmöglich, daß ich spontan aufspringe und die Bühne betrete, allerdings nicht aufgeregt, sondern völlig gelassen und ruhig. Es ist weniger Protest, als mehr eine Demonstration des Sinns dieses Satzes. Obwohl ich weiß, daß ich mir damit Feinde mache, weiß ich auch, daß ich so handeln muß und es keine andere Wahl für mich gibt. Auf der Bühne hocke ich mich still auf den Boden, an die Rückwand gelehnt. Mehr braucht es meinerseits nicht, aber es fehlen noch ein paar andere Personen, um den Sinn dieses Satzes vollständig zu machen. Vorerst sitze ich alleine vor aller Augen und etwas unbehaglich schaue ich in Elsas Richtung, weil ich mir nicht sicher bin, ob sie sich auf den Schlips getreten fühlt. Maximal erwarte ich tödliche Blicke. Aber nein, sie ist ganz entspannt und lächelt. Fast scheint es ein aufmunterndes Lächeln zu sein. Gut. Nach und nach gesellen sich überraschenderweise weitere Frauen zu mir, bis sie an allen Wänden entlang sitzen. Die erste von ihnen, jetzt neben mir hockend, hat vorher auf dem Dach eines Hauses gestanden, das sich neben der Bühne befindet, und erzählt mir von einem See, den sie auf der anderen Seite, hinter dem Haus, gesichtet hat. Diese andere Seite hat keiner der Anwesenden im Saal je gesehen. Sie war nur vom Dach aus zu erkennen.
Dienstag, 3. November 2009
Sekundentraum
Dienstag, 27. Oktober 2009
Körper-Erkundungen
Später sitzen wir in seinem Auto, auf dem Weg zu irgendeinem Ziel. Er fährt immer langsamer und langsamer, bis der Wagen nur noch wie eine Schnecke dahinkriecht. Mir ist klar, daß er das mit Absicht macht, um das Zusammensein mit mir auszudehnen, und da ich mich in seiner Anwesenheit ganz genauso wohl fühle, sage ich nichts zu dem Manöver. Wenn er den Wagen anhält, bleibt vielleicht auch die Zeit stehen.
Danach hörte ich, noch im Halbschlaf, langsam aus dem Traum auftauchend, ein leises Flattern. Ich knipste das Licht an und entdeckte über meinem Bett einen Schmetterling, der die Decke entlangflatterte. Ich wunderte mich, woher er gekommen war und schlief wieder ein. Nach dem Aufstehen suchte ich überall in der Wohnung nach dem Schmetterling, aber fand keinen mehr.
Freitag, 23. Oktober 2009
Traumsplitter
Eine Handvoll silbrig und golden glänzender Münzen, welche mit Fossilien und urzeitlichen Tieren geprägt sind. Sie sind nicht aus echtem Gold oder Silber, deshalb auch nicht besonders wertvoll, jedoch befinde ich mich in einem Haus (Naturkundemuseum?), in welchem man in einer Art Tresorraum diese Münzen hinterlegen kann. Wenn man dies tut, dann steigt ihr Wert automatisch mit der Zeit, und zwar durch eine Maschine, in welcher die Münzen liegen (Umwandlung in Gold und Silber?). Außerdem hat man einen Notgroschen außerhalb des eigenen Haushalts, auf den man zurückgreifen kann. Eine gute Idee, weshalb ich einige Münzen im Tresorraum in einen Kasten stecke. Jedoch nicht alle. Von einigen besonders schön glänzenden möchte ich mich nicht trennen.
Bemerkung: Das soll mich wohl daran erinnern, den Koffer mit Goldmünzen, eine Hinterlassenschaft meines Vaters, abzuholen.
Donnerstag, 22. Oktober 2009
Schwäbisch
Später befinde ich mich in Polen bei unseren polnischen Bekannten. Unglaublich viele leckere Kuchen und Torten, so daß ich mich kaum entscheiden kann. Auf einem Baum zwei große und zwei kleine Katzen, etwas versteckt hinter den Blättern. Vielleicht eine Katzenfamilie.
Irgendwo zwischen den Reisen lese ich mit lauter Stimme etwas von einem Blatt vor. Ich lese es in einer fremden Mundart, die ich nicht kenne, und wundere mich selbst ein wenig darüber. Doch der Dialekt fließt mir wie selbstverständlich von der Zunge. Nach dem Aufwachen dachte ich sofort, daß es Schwäbisch gewesen sein müsse, obwohl ich nicht weiß, wie ich darauf komme. Ich kenne mich nicht besonders mit Mundarten aus und kann gerade mal Berlinerisch, Sächsisch, Bayrisch und Hamburger Dialekt unterscheiden und überhaupt keine nachahmen. Ich finde den Gedanken interessant, daß ich in meinem Unterbewußtsein anscheinend in der Lage bin, fließend Schwäbisch(?) zu sprechen, aber diese Fähigkeit im Wachsein sofort wieder verliere.
Sonntag, 18. Oktober 2009
Fremde Planeten und Rosa Luxemburgs Todestag
Für einen Zwischenstopp auf einem anderen Planeten. Der Name des Planeten beginnt mit Sa...(aber nicht Saturn, sondern eher Saturnisse o.ä.). Auf diesem Planeten ist alles in Blau und glitzerndem Weiß. Weite Ebenen sehen aus, als seien sie mit Styroporkümeln übersät. Die Wesen diesen Planeten sind unsichtbar, aber einen sehe ich trotzdem. Er hat sich nur im Oberkörper materialisiert. Wenn sie sich materialisieren sehen sie genauso aus wie Menschen, sind allerdings ohne Kleidung.
Ein Spaziergang durch meinen Bezirk. Die Sonne scheint und es ist für den späten Oktober erstaunlich warm. Ich sehe sogar Kinder in Badeanzügen spielen und überlege selbst, einen anzuziehen. Unterwegs treffe ich meine Mutter, die mir begeistert von ihrem Urlaub in einer Berghütte erzählt. M. und K. wurden, als sie krank waren, dort sogar von einem Mädchen gepflegt und im Bett aufgerichtet. So etwas findet man woanders gar nicht mehr. Ich knabbere an meiner wahrscheinlich letzten Eistüte für dieses Jahr und höre mir ihren Bericht an. Da wird sie von einer Frau (hochgesteckte, braune Haare) auf einer Bank angesprochen. Die beginnt: "Letzte Woche, wo doch Rosa Luxemburg gestorben ist...." Sie meint wahrscheinlich den Todestag, aber in meiner trockenen Art und Weise unterbreche ich und sage, mehr als Scherz: "Ich glaube, das ist schon ein bißchen länger her." Sie nimmt es völlig ernst, überlegt und erklärt bestimmt, daß es letzte Woche gewesen sei, allerdings mit einem Blick und einem Tonfall, als würde sie mir nicht zutrauen, überhaupt etwas über Rosa Luxemburg zu wissen. Also verstumme ich, lasse sie reden und gehe weiter.
Hier auch Elefanten - nicht nur in meiner Wohnung nehmen sie langsam Überhand.
Samstag, 17. Oktober 2009
Avatara Negri
Noch immer im Hochhaus, doch diesmal ist es ein Büro in den Wolken. Ich sitze am Schreibtisch und gleiche telefonisch Zahlungen mit einem Träger ab. Die Frau sagt, sie müsse sich die Buchungen noch einmal anschauen und rufe zurück. Das macht sie auch sehr schnell, es verging kaum eine Minute. Da ich abgelenkt bin, spricht sie auf den Anrufbeantworter: "Stimmt. Sie haben recht. Bitte rufen Sie mich an." Das möchte ich auch - ich wähle erst die 90 und dann ihre Nummer, 1277..... - doch so viel ich es auch versuche, immer kommt etwas dazwischen. Es will mir einfach nicht gelingen, ihre Nummer richtig einzutippen. Mal vertippe ich mich, dann ist es zu dunkel, um die Zahlen zu erkennen, ein weiteres Mal flutscht das Telefon dauernd weg. Ich versuche es so hinzustellen, daß es fest steht und nicht verrutscht, aber nun lösen sich irgendwelche Teile, das ganze Telefon fällt fast auseinander. Ein Mann ist hereingekommen, wohl ein Vorgesetzter, und mir ist das sehr peinlich. Wenn der sieht, wie dämlich ich mich dabei anstelle, eine Nummer zu einzutippen, sagt er mir doch gleich, ich bin für den Job nicht geeignet. Irgendwann gebe ich es auf, lasse Telefon Telefon sein, und verlasse genervt das Zimmer.
Noch immer im Ort mit den Hochhäusern. Ich bin jetzt ein kleiner Junge, der regelmäßig von zwei oder drei älteren Männern mißbraucht wird. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Während andere Kinder mit ihren Klassenkameraden spielen, sind die Männer meine Spielgefährten. Allerdings ist es immer wieder demütigend, wenn sie mit mir hinter ein Haus gehen und sich ein anderes Kind beim Spiel dorthin verirrt. Meistens gucken die dann ganz komisch und ich möchte doch nicht, daß es jemand mitbekommt. Außerdem glaube ich nicht, daß ich noch lange lebe. Wenn ich älter werde, werden mich die Männer sicherlich umbringen, weil ich dann zu gefährlich bin. Irgendwo wird man mich verscharrt finden, bzw. nur meinen Kopf. Ich bin mir sicher, daß man nur meinen Kopf findet. Ich überlege, wie ich wohl am liebsten gefunden werden möchte. Vielleicht darf ich mir ja etwas wünschen. Während sich die Männer an mir zu schaffen machen, werfe ich eine Eichel, die ich irgendwo gefunden und in meiner Hand gehalten hatte, weit von mir. Dabei beobachte ich ein winziges Eichhörnchen, das einen gigantischen Sprung hinterher macht und sich auf die Eichel stürzt. Für einen kleinen Moment muß ich lachen, denn es wirkt sehr witzig - ein hungriges fliegendes Eichhörnchen.
Mittwoch, 14. Oktober 2009
Soll ich dich gleich küssen oder später?
Später treffe ich irgendwo den Sänger der Gruppe "Right Said Fred". Er hat wohl lange keine Frau mehr gesehen, denke ich. Jedenfalls wirkt er etwas "untervögelt", zumal er auf mich, als einzige Frau im Raum sofort anspringt. Während ich an der Wand lehne, stellt er sich dicht vor mich hin, neigt seinen Kopf zu mir, als wolle er mich küssen, macht jedoch einen Zentimeter vor meinem Mund halt und fragt betont kess: "Soll ich dich gleich küssen oder später?" Fehlt nur noch das 'Baby' am Ende. Ich antworte nicht, sondern wende mich ab und ziehe eine angewiderte Schnute. Kurz darauf sitze ich aber friedlich mit den Jungs von "Right Said Fred" zusammen und betrachte die Designentwürfe für ein Magazin mit Bildern von ihnen. Sie wünschen nämlich, daß ich sie beim Gestalten des Magazins und bei der Auswahl der Bilder berate.
Bemerkung: Ich dachte eigentlich, die Typen von "Right Said Fred" sind schwul. -
Aus der Wikipedia: "Marmore haben unter hohem Druck und/ oder hoher Temperatur eine Metamorphose erfahren."
Montag, 12. Oktober 2009
Riesenrad und legasthenischer Freund
In einer therapeutischen Einrichtung. Ich befinde oder befand mich in einer Gruppe, in welcher kreative Tätigkeiten zur therapeutischen Behandlung genutzt werden. Wir sind ca. zehn Leute in der Gruppe. Mit einer Frau bin ich etwas enger befreundet. Ich nenne sie Ch. K., wie eine Klientin von mir. Außerdem gibt es in der Gruppe einen Mann, mit dem ich nicht so viel zu tun habe, der aber immer wieder Kontakt zu uns sucht. Er ist geistig behindert und stottert, beachtet habe ich ihn bisher kaum. Eines Tages erklärt man mir bei einer Aussprache, daß ich eine große, verwerfliche "Sünde" begangen hätte und man mich deshalb aus der Gruppe ausschließt. Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, worum es ging, allerdings bin ich mir weder dieser speziellen Schuld bewußt, noch empfinde ich die entsprechende Sache tatsächlich als so verwerflich. Ich versuche deshalb darüber eine Diskussion zu führen und spreche einzelne Leute an, warum sie so denken, doch die Meinungen stehen felsenfest, wenn auch für mich unverständlich. Dann wende ich mich an Ch. K., sie weiß genau, daß der Vorwurf nicht stimmt und kann es bestätigen. Aber statt zu sagen, was sie weiß, schließt sie sich der Meinung der anderen an und erklärt, wenn die es sagen, müsse es stimmen.
Seltsam ist die umfassende innere Ruhe bei dieser Szene. Weder bin ich verärgert, noch enttäuscht, traurig, erschrocken oder sonst etwas. Ich bemühe mich zwar ernsthaft, den Vorwurf zu entkräften, doch ähnelt es mehr den liebevollen Bemühungen, das Denken der anderen für eine neue Betrachtungsweise, einen anderen Blickwinkel zu öffnen, und dazu, die tieferen Gründe für ihre Meinung zu hinterfragen. Erfolglos, wie ich irgendwann feststelle.
Also ziehe ich mich allein in mein Heimzimmer zurück und bemerke überrascht, daß von jemandem überall an die weißen Wände kleine Zettelchen gespickt wurden. Es sind winzige Kopien meiner Werke, Zeichnungen, Bilder und sonstigen kreativen Erzeugnisse. Nanu? Wer hat dies getan und wozu? Da erscheint der geistig behinderte Mann und lüftet das Rätsel. Er ist völlig überzeugt davon, daß mir Unrecht getan wurde und möchte sich für mich einsetzen, aber vor allem, da er wahrscheinlich ebenfalls nichts erreichen kann, möchte er mir eine Freude machen, die mich wieder aufmuntert. Dazu hat er sich überlegt, alle meine Werke schön gerahmt auf diesen Wänden zu präsentieren. Die Anordnung hat er bereits festgelegt, und um sie sich nicht zu vergessen, die kleinen Kopien mit Reißzwecken an der entsprechenden Stelle befestigt. Zuerst bin ich völlig überwältigt und sprachlos. So etwas Schönes hat sich noch niemand für mich ausgedacht. Dann kommen wir ins Gespräch. Je mehr ich mich mit ihm unterhalte, um so stärker empfinde ich hinter seinem äußeren "Idiotentum" eine unglaubliche innere Schönheit. Ich spüre sie so körperlich und faszinierend, daß sich das spontane und starke Bedürfnis meldet, ihn zu umarmen. Da wir bisher, halb sitzend, halb liegend auf einer Couch geredet hatten, jeweils einen Arm aufgestützt, muß ich ihn erst etwas ungelenk mit einer Berührung seiner Schulter und einer entsprechenden Bemerkung auf meinen Wunsch aufmerksam machen. Wir ändern die Sitzposition so, daß wir uns umarmen können und ich drücke ihn fest und lange. Danach erheben wir uns und er kommt irgendwann mit einem Brief wieder, den er mir reicht. Es ist ein Brief, den er geschrieben hat, um sich für mich einzusetzen. Ich versuche ihn zu entziffern, aber es ist fast unmöglich, denn er strotzt vor Rechtschreibfehlern und die einzelnen Wörter erscheinen in einer völlig absurden Lautsprache, die man mehrmals langsam wiederholen muß, um zu erraten, was es heißen soll. Anscheinend ist er also auch Legastheniker. Im ersten Moment entgeistert, muß ich gleich darauf schon lächeln. Es ist sowas von egal und völlig bedeutungslos, genauso wie seine geistige Behinderung. Es macht den Menschen etwas anderes aus.
Und mitten im Traum die Erkenntnis: Die Kreativitäts-Therapie bekommt mir gut. Ich sollte meinen Arzt unbedingt davon überzeugen, mir weitere Verordnungen zu geben.