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Montag, 16. Januar 2006

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 5 - Seite 103-145

Die Geschichte nimmt langsam Formen an. Dank Bloom ganze zehn Seiten keine Fremdwörter.

Eunuch. Auch ein Ausweg.

Tagesfazit: Im Vergleich zu Marcel Proust's recherche du temps perdu kann man dem Werk schon fast Hochspannung und Esprit bescheinigen.

Sonntag, 15. Januar 2006

Säureangriff

Heute bemerkte ich zufällig, dass an der Unterseite meines Spiegelschrankes im Bad ein Fetzen Creme klebte. Zumindest glaubte ich, es sei ein Fetzen Creme und wollte ihn abwischen, doch da merkte ich, dass das Zeug so zäh war wie Gummi. Daraufhin schaute ich in den Spiegelschrank hinein und stellte fest, dass eine Dose Mückenschutz-Hautspray leckte und das Zeug sich am unteren Kranz der Dose direkt in das Plastik hineingefressen hatte, und zwar so tief, dass der Boden in einem kreisförmigen Muster schon fast durchgebrochen ist und unten jetzt diese Plastiktropfen hängen.

Um den Spiegelschrank finde ich es nun nicht weiter schade. Nach fünfzehn Jahren Dienst wollte ich mir sowieso einen neuen zulegen. Allerdings gestaltete es sich bisher verdammt schwierig in der kapitalistischen Wirtschaft einen Spiegelschrank zu finden, der von seiner Tiefe her so reduziert ist, dass auch ich dann noch in mein Liliputaner-Bad passe, wenn er an der Wand hängt.
Viel mehr bewegt mich jedoch die Frage, was diesem Mückenschutzspray wohl für Säure beigemengt worden ist, die sich selbst durch Plastik hindurchfrisst. Die paar Male, die ich bisher das Spray benutzte, konnte ich keine derartigen Wirkungen an meiner Haut feststellen, doch ich glaube, nach diesem Anblick, den der Boden meines Spiegelschranks bietet, sehe ich von weiteren Anwendungen lieber ab.

Samstag, 14. Januar 2006

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 4 - Seite 45-102

Zwar zügig gelesen, doch von Seite 45 bis Seite 70 keine auffälligen emotionalen oder intelektuellen Anregungen. Danach wieder besser. Einmal laut gelacht. Hinter viele Sätze würde ich gerne meine geliebten drei Punkte statt des einen nur setzen.
Mit Bloom habe ich zwar nicht den Antisemitismus, aber die besondere Vorliebe für Nieren gemeinsam.

Da inzwischen weiter fortgeschritten als mein Vater, diesmal eine (gedankliche) Hervorhebung von mir:

Unter seiner Krempe schaute er durch pfauenhaft zwitschernde Wimpern der südenden Sonne nach.
Tagesfazit: Wo kriege ich heute Nieren her?

Freitag, 13. Januar 2006

...

Mir ist es heute wie Schuppen von den Augen gefallen, dass ich irgendetwas falsch machen muss. Während ich in meiner letzten Abteilung, wo es relativ wenig wirkliche Arbeit gab, unangenehm auffiel, weil ich nur die wirkliche Arbeit tat und mich bei diesem allgemeinen Blala hier, BlaBla dort, Leitbilddiskussion und Erfolgsberichterstattung - Wir sind so wichtig und haben so viel zu tun - Aufgeblase immer zurückhielt, werde ich hier, in meiner alten neuen Abteilung wieder mit (wirklicher und enorm dringender) Arbeit zugeschüttet. Ist ja auch kein Wunder, da man mich vermutlich inzwischen schon als Arbeitspferd handelt, als den Bauer, der als erstes in die Schlacht geschickt wird, um die Drecksarbeit zu verrichten. Ich sollte wirklich so langsam mal die BlaBla-Sprache lernen. Wer nämlich diese Sprache beherrscht und den ganzen Tag geschäftig durch die Gegend rast, um BlaBla zu sprechen, bekommt automatisch keine richtige Arbeit mehr, weil jeder denkt, wer so viel von Leitbildern, Quotienten, Organigrammen, Serviceeinheiten, Konfliktmanagement und Statistikauswertungen zu erzählen hat und pausenlos durch die Flure rennt, müsse einfach schon in Arbeit versinken.

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 3 - Seite 14-45

Von den Seiten 15-17 unverhofft gefesselt. Ertappte mich dabei, manche Absätze zweimal zu lesen, nicht nur wegen des Verständnisses.

Zwei bis drei Male laut gelacht. Das Buch ist ja lustig. Na sowas.

Angenehmes Lesetempo. Nicht glatt und fliehend, sondern stolpernd und schweifend. Ein Zeichen, dass das Gehirn zu anderem als Routinearbeit gefordert wird. Kein Schlingen, sondern Kauen. Der Geschmack macht sich nach und nach bemerkbar. Zugang erhält man nach dem Lösen von Rätseln, doch wenn das System ansatzweise durchschaut ist - auch wenn man nur glaubt, es durchschaut zu haben - wird man eingelassen und es liest sich trotz allem relativ flüssig. Genaugenommen ist, bis auf die Fremdwörter und spezielle Textpassagen, nicht einmal wirklich Wissen nötig, sondern hauptsächlich Phantasie. Stichwort Grüne Beine.

Auch mein Vater konnte aus diesen Seiten eine fundamentale neue Erkenntnis gewinnen, die er deshalb dick unterstrich:

"Rothaarige Weiber sind bocksgeil wie die Ziegen."

Tagesfazit: Zuversichtlich.

Donnerstag, 12. Januar 2006

Hund oder Schwein?

Als ich heute wie stets donnerstäglich auf dem Weg zum Supermarkt war, lief kurz hinter mir ein Pärchen mit zwei Hunden. Zumindet glaubte ich, dass es Hunde waren, während ich sie im Dunkeln überholt hatte. Doch hinter meinem Rücken hörte ich plötzlich so ein lautes Grunzen, dass ich hätte schwören können, irgendjemand führt ein fettes Schwein spazieren und mich schon von einem wilden Eber verfolgt fühlte. Schließlich konnte ich meine Neugier nicht mehr zügeln und sah mich demonstrativ um. Doch was ich sah, war ein Hund, ein massiger Bullterrier mit platter Nase, der beim Laufen grunzte wie eine Sau.

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 2 - Seite 1-13

Es ist soweit. Endlich beginnt er wirklich, mein neuer atemberaubender Selbsterfahrungsbericht in Fortsetzungen. Ich mache darauf aufmerksam, dass dieser Selbstversuch einiges an Risiken birgt, sowohl für mich, als auch für meine werten Leser. Partikulare geistige Verwirrtheit, verzweifelte Besäufnisse und/oder unüberwindliche schlafhypnotische Zustände sind nicht ausgeschlossen und können eventuell zum vorzeitigen Abbruch des Experiments führen.

Auf den ersten Seiten faszinierten mich die Bleistifthervorhebungen meines Vaters fast noch mehr als der Text (im übrigen bemerkt man beim Blättern aber, und an dem Lesezeichen, welches immer noch dort steckt, dass er bei Seite 61 aufgegeben hat):

"...die grüne zähe Gallenmasse, die sie unter lautem Stöhnen in Brechanfällen ihrer verfaulenden Leber entrissen hatte."

..."was für ein syphilitischer Saufkopp da den Hintern drin gehabt hat."


Also ich wüsste ernsthaft keinen Grund, der irgendjemanden dazu bewegen sollte, diese Stellen zu unterstreichen und ein dickes Ausrufezeichen dahinter zu kritzeln.

Lustig ist auch das Latein-Raten. Ich habe ja nun während meines Studiums nur das kleine Latinum gebraucht, besitze aber auch in einigen romanischen Sprachen ein paar Grundkenntnisse, sowie einen Semesterabschluss in allgemeiner Sprachwissenschaft. Wenn ich das alles zusammenkratze, kann ich die Lateinbegriffe ziemlich gut enträtseln. Aber für den Fall, dass es mal nicht klappt, gibt es da dieses hinreissende kleine Begleit-Vokabelheft zum Buch.

Tagesfazit: Noch immer voll motiviert.

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 1, Stunde 0 - Die letzte Seite

Ein jungfräulicher Blick in die beiden Bände und schon ergeben sich die ersten bohrenden Fragen, die allerdings noch gar nicht das Werk des Autors, sondern nur die Anmerkung des Übersetzers auf der letzten Seite betreffen:

Es gibt zur Zeit (mit zur Zeit ist hier 1980 und eine Ausgabe aus der Deutschen Demokratischen Republik gemeint - Anmerk. von Zucker) immer noch keinen zuverlässigen, fehlerfreien englischen Text des Ulysses: alle Ausgaben des Originals sind unverhältnismäßig korrupt.
(Hä? Was soll mir das denn jetzt sagen? Muss ich etwa sozialistische Zensur befürchten? *verwirrt ist*)

Die Herausgeber haben aber alle ihnen bekannten, d.h. publizierten oder von Joyce-Forschern in Textstudien vorgelegten, Emendationen geprüft und nach und nach Möglichkeit einbezogen, so daß der Text in Einzelheiten von anderen gängigen Texten abweicht. Besonders im letzten und vorletzten Kapitel konnten dadurch Ergänzungen gebracht werden.
(Aha!)

An die Übersetzung und ihre Durchsicht sind rund fünf Jahre verwendet worden, - dem hohen Schwierigkeitsgrad des Buches glauben es allerdings Übersetzer und Herausgeber schuldig zu sein, weiter an der Übersetzung arbeiten zu sollen.
(Ist sich der Übersetzer wirklich sicher, dass er Deutsch kann?)

Es ist denkbar, daß sie in einer späteren Auflage an einzelnen Stellen zu anderen Lösungsvorschlägen als den hier gemachten gekommen sein werden.

Hm, sollte diese Bemerkung auf der letzten Seite tatsächlich aus der Feder des Übersetzers stammen, so habe ich den klitzekleinen Verdacht, dass es wahrscheinlich nicht die Schuld des Autors sein wird, wenn ich das Buch nicht verstehe.

Mittwoch, 11. Januar 2006

Ulysses - der isses oder besser gesagt, soll es sein, und mein Kampf mit dem Müll

Ausnahmsweise ist diesmal mit Müll nicht der Roman gemeint, was einige meiner Leser sicher aufatmen lassen wird, sondern der Müll meiner Eltern, genauer gesagt, der meines Vaters. Ich durfte mir heute das Werk bei meinen Eltern abholen, meine Mutter machte mich aber gleich darauf aufmerksam, dass sie es nicht gefunden habe. Ich solle selber schauen. Nun mache man das mal bei ca. zehn doppelreihigen und deckenhohen Regalen mit tausenden von Büchern, vor denen meterhoch Kisten und Gerümpel gestapelt sind. An einige Regale bin ich nicht mal bis auf einen Meter herangekommen, da hätte ich schon fliegen müssen, aber das kann ich leider nicht.

Mir tut es im Herzen weh, wenn ich sehe, wie meine Eltern hausen, aber mein Vater, ein typischer Messie, kann sich von absolut überhaupt nichts trennen, nicht einmal von alten Dosen und Zeitungen. Leider ist er so aggressiv, dass Überredungsversuche oder Tricks aussichtslos sind. Allerdings glaube ich, dass er sich selbst nicht wohl fühlt zwischen den ganzen Müllbergen und mir kommt es so vor, als ob er, seit er jetzt an einer Depression leidet, auch nicht wirklich mehr so viel Interesse an seinen "Reichtümern" zeigt. Vielleicht musste es erst so weit kommen, damit er merkt, dass materieller Besitz allein nicht glücklich oder sicher macht, selbst wenn man für sämtliche Notfälle und Gelegenheiten die passenden Döschen zu Hause hat. Oder aber, er war vorher schon depressiv, hat es jedoch mit diesem ganzen Schnickschnack kompensiert. Da er sich nicht helfen lassen will, wird es wohl nicht mehr besser werden und meine Mutter leidet darunter. Manchmal habe ich aber den Verdacht, dass sie selbst auch etwas vermüllt ist, es jedoch allein meinem Vater in die Schuhe schiebt.

Jedenfalls musste ich heute, als ich zum Abendessen blieb, das mindestens fünfzig Jahre alte und völlig stumpfe Besteck wiedererkennen, mit welchem schon mein 15 Jahre älterer Bruder seinen ersten Grießbrei aß. Dabei besitzen sie seit langer Zeit ein neues Besteckset, welches zu den Feiertagen auch regelmäßig aufgelegt wurde (und es ist NICHT etwa kostbares Tafelsilber, sondern lumpiger Edelstahl). Ob meines sehr ungläubigen und fassungslosen Gesichtes raste meine Mutter dann gleich hinaus, um das neue Besteck zu holen, was aber nichts mehr half. Ich fragte mich trotzdem, warum um alles in der Welt meine Eltern das neue, überhaupt nicht kostbare Besteck nur an Feiertagen benutzen. Für was um Gottes Willen wollen sie es denn schonen? Etwa für die Erbschaft? Für was in Gottes Namen heben sie dieses alte, unansehliche Aluminiumzeug auf? Wenn das alte Besteck mehr als fünfzig Jahre überstanden hat, wird es das neue sicher auch für etliche Generationen, es besteht also keinen Grund, vorsichtig damit umzugehen. Genau deshalb entfuhr mir spontan die fassungslose Frage: "Habt ihr das immer noch nicht verschrottet?"

Na ja, die Chance, das gewünschte Buch zu finden, war also ziemlich gering. Ich glaube, ehe ich sämtliche Regale ausgeräumt hätte, um an die hinteren Reihen zu kommen, oder ehe ich irgendwie über all die Kisten und das Gerümpel geklettert wäre, um überhaupt an einige Regale ranzukommen, hätte ich es mir dann wohl lieber selbst gekauft. Würde mich ja nicht gerade in den finanziellen Ruin stürzen. Ich sah die Regale durch, so gut wie das ging, versuchte es hinter Marcel Proust, weil ich dachte, dass es gut dorthin passen würde und als das alles nichts brachte, wollte ich schon fast aufgeben. Doch dann, im letzten Moment, fand ich es. Zwei Bände. Ich halte das für ein gutes Omen.

Als ich aber mit meiner Beute in die Küche kam, meinte mein Vater gleich mit Blick auf die beiden Bücher zu mir: "Na, das wirst du sowieso nicht verstehen.", worauf meine Mutter mit ironisch spitzer Zunge zu mir sagte: "Er ist der einzige, der das versteht, weißt du...."
Trotzdem ließ sie es sich nicht nehmen, mir zum Abschied an der Tür noch einmal Mut zu machen:
"Lass dir Zeit, lies schön langsam. Du wirst es schon verstehen. Bist ja klug."
Seltsam, warum beruhigen mich diese Worte nu gerade überhaupt nicht?

Dienstag, 10. Januar 2006

Ich habe es ja geahnt....

von wegen fleißiges Bienchen oder emsige Ameise. Alles Lüge. Faul sind sie, und die einzigen Lebewesen, die sich Tag für Tag ohne Unterlass abrackern und schuften, sind die Menschen. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass Bienen gerade einmal dreißig Prozent des Tages nutzen, um Nektar zu sammeln. Und die Ameisen verbringen sogar 78 Prozent ihrer gesamten Lebenszeit mit Ausruhen. Und das, obwohl sie staatenbildend sind. In einem Staat so meint man, muss es immer die Dummen geben, die den ganzen Tag für andere arbeiten. Und deshalb wird uns tagtäglich eingetrichtert, dass Faulheit eine Sünde und ein Laster ist und das Leben nicht zum Faulsein eingerichtet wurde. Uns werden selbst noch nach einem kraftzehrenden Arbeitstag die Bienen und die Ameisen als verehrungwürdige und glänzende Vorbilder dargestellt, aber falsch.....fleißige Menschlein muss es heißen. Wenn schon, denn schon. Die Bienen tun es, die Hummeln tun es, die Ameisen tun es, alles anderen Lebewesen tun es, nur wir nicht oder viel zu selten - faul sein.

Montag, 9. Januar 2006

Zur Abwechslung mal kein Blondinenwitz...

"Sie haben Herrn Huber gestern eine widerliche Wanze genannt. Wir sind seine Sekundanten und überbringen die Forderung nach einem Duell. Welche Waffen wählen Sie?" -
"Ich wähle Insektenspray!"

Sonntag, 8. Januar 2006

Wie gut, dass es Mütter gibt....

...denn so kommt man wenigstens zu einem begeistertem Leser.

Da ich von Loriotta ja gleich zwei Exemplare unseres Müll-Romans erhielt, schenkte ich eines davon kurzerhand meinen Eltern zu Weihnachten.

Heute rief nun meine Mutter an und schwärmte in den höchsten Tönen. Sie habe das Buch inzwischen fast bis zum Ende gelesen, ein bißchen fehlt noch, aber sie findet es doll, was wir da zusammengeschrieben haben, muss beim Lesen immer lachen und bescheinigt uns, also mir und meinen zwei Mitautoren eine blühende Phantasie. Desweiteren ist sie der festen Überzeugung, dass man daraus ein irre spannendes und gutes Drehbuch für einen richtig tollen Film machen könnte. (Na ja, ich glaube, Mütter übertreiben manchmal etwas.)

Nur einen Kritikpunkt hatte sie anzumerken: Sie findet, dass für einen Roman, der "Müll" heißt, das Papier von der Qualität her viel zu gut ist, auf dem er gedruckt wurde. Für einen "Müll"-Roman hätte man ganz anderes Papier nehmen müssen (Redakteure und ihre Ideen).

Im übrigen bemerkte sie noch, dass wir für dieses Buch in der DDR sofort im Knast gelandet wären. Da sie länger in der DDR lebte als ich, muss sie es wohl wissen.

Sie versprach mir dann auch, in einem geeigneten Moment meinen Vater nach Ulysses zu fragen.

...

Diese Kundenrezension hat mich doch enorm neugierig gemacht. Schade, dass die Bibel nicht auch im betrunkenen Zustand geschrieben wurde. (Obwohl - weiß man's?) *lol*

eigentlich würde james joyce von mir alle punkte dieser welt bekommen.

er ist nämlich das größte schlitzohr der literaturgeschichte. so genial die idee des buches auch ist - ich bin der überzeugung, das joyce mit diesem werk alle literarturkritiker - man verzeihe mir den ausdruck - verarscht hat. und alle, alle hat er sie getäuscht!

ich bin mir sicher, dass sich joyce gesagt hat: ich schreibe jetzt mal einen ganzen dicken wälzer lang totalen nonsens. schauen wir mal, welche wogen sowas schlagen kann. irgendwo wird er sitzen und sich heute noch ins fäustchen lachen ob den preisen, die dieses sammelsurium des nonsens eingeheimst hat.

gut möglich, dass joyce auch sturzbetrunken war, als er das geschrieben hat. lesen tut sich's jedenfalls so. ich habe versucht, das buch im betrunkenen zustand zu lesen (in verschiedenen stadien - von leicht angesäuselt bis schwer angeschlagen) - es hat auch das nichts geholfen. im nüchternen zustand habe ich das buch mehrmals versucht zu lesen. ich habe es immer wieder - schweren herzens - aufgegeben. und immer wieder angefangen, weil ich mir gesagt habe: das darf doch nicht wahr sein, dass dir dieses meisterwerk der literatur (als das es bezeichnet wird) verborgen bleibt. irgendwann bin ich zu obigem entschluss gekommen.

lesen muss spass machen. lesen darf keine qual sein. wenn jemand glaubt, stolz sein zu müssen, sich durch diesen wälzer gewälzt zu haben: okay. ist seine sache. meine nicht. heute schlafe ich wieder gut, weil ich mir sicher bin, gar nichts versäumt zu haben. und ich bin froh, nicht noch mehr zeit mit diesem unsinn verbracht zu haben.

Samstag, 7. Januar 2006

Unergründlich

Ich möcht' die Welt entdecken -
nein, besser noch sie retten!
Doch ach, zu groß ist sie für mich.
Auch in den kühnsten Träumen
wird sie doch stets bleiben
ein Abbild meiner selbst.