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Montag, 3. Juli 2006

...

Und seitdem ist mir ein Schauder geblieben vor diesen alten Zeiten und vor den Kräften, die sie in uns freisetzen und derer wir dann nicht mehr Herr werden können.
(aus "Medea. Stimmen." von Christa Wolf)

Ich bin zwar erst bei Seite 103, doch wage trotzdem schon das Urteil: besser als Ulysses. Viel besser sogar, aber leider auch viel kürzer. Lesbar ohne banal zu sein. Virtuos ohne gekünstelt zu sein. Anrührend ohne kitschig zu sein.
Endlich wieder ein Buch, das mich wirklich zu fesseln vermag und mich begeistert.
(Ich gebe ehrlich zu, auch wenn ich dafür vielleicht gesteinigt werde, "Per Anhalter durch die Galaxis" und Dan Brown konnten das nicht.)

Sonntag, 2. Juli 2006

Neues aus dem Krankenhaus

Das Drama geht weiter. Ich habe noch NIE erlebt, dass irgendjemand irgendwann mal gesund und überhaupt lebend wieder aus einem Krankenhaus herausgekommen ist. Ehrlich. In meiner näheren Umgebung war das bisher niemals der Fall. Alle sind stets nur noch als Leiche herausgekommen, selbst im weniger fortgeschrittenen Alter, wenn sie nur wegen einem Beinbruch oder einem Routineeingriff dort waren, ok, bis auf ich selbst, aber ich war ja auch noch ein Kind. Kinder lassen sie vielleicht leben. Fast könnte man eine Verschwörung glauben. Bei meinem Vater glaube ich langsam auch nicht mehr daran, dass er nochmal aus dem Krankenhaus raus kommt. Sie haben ihm zwar zuerst das Leben gerettet, aber die ganzen Sachen die jetzt danach kommen, sind so glaube ich, dem Koma und der Vielzahl an Narkosen und Medikamenten zu danken.

Jedenfalls macht jetzt sein Herz schlapp, er hat ständige Aussetzer und Herzstillstände, so dass die Ärzte meinten, er bräuchte einen Herschrittmacher. Dies hat mein Vater aber zuerst abgelehnt. Die Ärzte haben ihn sogar einige Tage festgebunden, weil er sich immer die Schläuche rausgerissen hat. Meine Mutter hat dann noch einige Male versucht, mit ihm zu reden, aber er hat überhaupt nicht reagiert, so dass die Ärzte schließlich einen Psychiater beauftragten, ein Gutachten zu fertigen. Dieser kam und stellte meinem Vater mit dem Laptop Fragen, der hat auch gelesen, aber dann die Augen wieder zugemacht und erneut nicht mehr reagiert. Für den Psychiater war das ein klares Zeichen, dass er nicht mehr für sich selbst entscheiden kann und ein dementsprechendes Gutachten verfasst, was nun bei einem Richter auf dem Tisch liegt. Ich glaube das allerdings nicht und meine Mutter auch nicht. Am nächsten Tag war mein Vater hellwach und als ihm meine Mutter einen Zettel hinhielt, auf dem stand, dass er mit einem Herzschrittmacher einverstanden ist, hat er ihn unterschrieben und auch alles verstanden, was man ihm erklärt hat. Ich denke wie auch meine Mutter, dass er einfach manchmal absolut abschaltet, weil er nicht entscheiden will und dann alles von sich schiebt oder so tut, als kriege er nichts mit. So hat er es früher schon immer gemacht, als er noch gesund war und der Oberarzt meinte ebenfalls, dass er manchmal den Eindruck hat, mein Vater höre viel besser, als er zugibt.

Nun hat er also am Donnerstag den Herzschrittmacher erhalten und jetzt bekommt er auf einmal so seltsame Schüttelanfälle. Als meine Mutter das das erste Mal gesehen hat, war sie ganz erschrocken, weil seine Augen verdreht waren, sein Mund offen stand und er am ganzen Körper zitterte. Als sie die Ärzte fragte, was das ist, konnten sie das nicht sagen und vermuteten irgendwas von Parkinson. Also mir kann keiner erzählen, dass jemand von heute auf morgen plötzlich Parkinson kriegt. Wäre ja erstaunlich genug, was für nette Krankheiten man so mir nichts dir nichts plötzlich noch im Krankenhaus dazu kriegt. Ich glaube eher, dass sein Gehirn inzwischen unter den vielen Narkosen stark gelitten hat, vielleicht haben sie ihm ja noch zusätzliche Beruhigungsmittel gegeben, wenn er randaliert hat. Was die da alles in ihn rein pumpen würde ja nicht mal ein Pferd verkraften. Ich kenne einen Fall einer älteren Frau die noch vollkommen rüstig und beisammen war, als sie ein neues Hüftgelenk bekam. Kurz darauf brach sie sich aber das Bein und wurde gleich noch einmal operiert. Dann war man im Krankenhaus der Meinung, dass man ihr auch noch die Gallenblase herausnehmen müsse und irgendetwas anderes. Im Ganzen waren es vier Operationen kurz hintereinander - danach war die Frau vollkommen dement. Sie haben sie also nicht tot operiert, sondern "nur" dement.

Meine Mutter hatte ein Gespräch mit der Krankenhausseelsorgerin in dem sie ihr die ganze Situation schilderte, auch die aggressiven Ausfälle meines Vaters. Diese meinte, dass dies ein Zeichen sei, dass er noch kämpfe. Leute die sich vollkommen aufgegeben haben, werden meistens absolut ruhig und still. Denselben Eindruck habe ich ebenfalls, nämlich dass er zwar denkt, nicht mehr leben zu wollen oder zu können, aber auch nicht sterben will oder kann. Ich glaube, wenn er wirklich sterben wollte, wäre er schon längst nicht mehr da, dann hätte er nicht mehr diese riesige Lebenskraft aufgebracht, um bis hier her alles zu überstehen.
Wir haben zu meiner Mutter heute gesagt, nachdem wir wieder einen ganzen Korridor voller Müll weggeschafft haben, dass sie jetzt endlich etwas kürzer treten und auch an sich denken soll. Sie ist immer noch am Aufräumen und Aussortieren, obwohl das Schlafzimmer fertig ist. Doch nun hat sie sich auch noch das andere Zimmer vorgenommen, obwohl das nicht wirklich wichtig ist, weil da keiner rein muss. Das kann sie sich also eigentlich ganz in Ruhe vornehmen, oder wie K. meinte: "Du wirst früh genug merken, dass dir der Müll nicht wegrennt."
Ansonsten hat sie jetzt ein eigenes Girokonto beantragt und ich habe mit ihr den Änderungsantrag für die Rente ausgefüllt, damit wenigstens die sicher hat, wenn das Konto meines Vaters gesperrt wird, falls ihm was zustößt.

Gebe Gott, dass ich nie wieder in meinem Leben in ein Krankenhaus muss. So langsam entwickle ich eine Allergie gegen die, gerade wenn ich sehe, dass nie jemand, der älter als 50 ist, daraus lebend oder gar bei klarem Verstand zurückkommt. Obwohl genaugenommen habe ich die Allergie schon durch meine beiden Krankenhausaufenthalte als Kind. Ich hoffe es bleiben meine letzten.

Freitag, 30. Juni 2006

Bundestag beschließt Förderalismusreform (oder was neben der WM sonst noch Beknacktes passiert)

In der heutigen Abstimmung wurde die notwendige Zweidrittelmehrheit für die Änderung des Grundgesetzes erreicht. Ich habe den Eindruck, dass dies im Fußballrausch und in den Debatte über die neuerliche Gesundheitsreform etwas untergeht, vielleicht war das Zusammentreffen dieser Ereignisse ja auch keinesfalls ein Zufall, aber man sollte sich vor Augen halten, dass es sich um die umfangreichste Änderung seit 1949 handelt. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es geht hier einfach nur um eine Neuverteilung der Aufgaben, also etwas, was scheinbar keine Auswirkungen auf das alltägliche Leben hat, doch dem ist nicht so. Jeder Bürger wird die Wirkungen sehr bals zu spüren bekommen. Um die ganze Reform mal etwas drastisch und grob zusammenzufassen: alles was Geld kostet und unmittelbar den Bürger betrifft, wird an die Länder abgegeben. Dies betrifft zum Beispiel die gesamte Bildung, nicht mehr nur die Schul-, sondern auch die Hochschulbildung, die Ausstattung von Pflegeheimen, die Unterbringung von Häftlingen und einiges mehr. Dem muss man gegenüberstellen, dass die Länder nun auch für die Finanzierung der jeweiligen Bereiche zuständig sind, doch wie es um die Finanzen vieler Länder bestellt ist, dürfte jedem bekannt sein. An finanzstarke Projekte ist nicht mehr zu denken, im Gegenteil. Es ist anzunehmen, dass es nun in den entsprechenden Bereichen zu mehr Einschränkungen, Kürzungen etc. kommen wird und sich der Standard in den einzelnen Bundesländern auf ein erheblich unterschiedliches Niveau entwickeln wird. Was das für Schaden anrichten kann, muß man sich gar nicht erst vorstellen, man kann es schon an dem länderbestimmten Schulsystem erkennen, das gerade in den letzten Jahren so oft bemängelt wurde. Der Bund dagegen baut fleißig weiter neue ultramoderne Ministerien für seine aufgeblähte und mit heißer Luft gefüllte Bundesverwaltung, während es auf Länderebene auf Grund der mangelnden Finanzen kaum noch Personal gibt, um die notwendigsten Aufgaben abzudecken. Ich finde, Deutschland hat langsam einen Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde als der Staat mit den sinnlosesten und schwachsinnigsten Reformen verdient (zumindest ist mir kein anderer bekannt, falls es doch einen gibt, kann man mich ja eines Besseren belehren).

Hier gibt es noch einige Links dazu:

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,383915,00.html

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,423886,00.html

http://www.n-tv.de/683993.html

Einen bunten Besucher

hatte ich heute wieder in meiner Wohnung. Es ist seltsam, dass sich die Schmetterlinge meistens dann dorthin verirren, wenn ich gar nicht so viel sperrangelweit auf habe. Da es gestern kühler war, hatte ich Türen und Fenster nur angelehnt und trotzdem scheinen sie sich durch irgendwelche Ritzen zu quetschen, aber nicht mehr nach draußen zu finden. Immerhin sind mir solche Besucher aber sehr viel lieber als Mücken oder Spinnen.

Donnerstag, 29. Juni 2006

Stöckchen bei Elfchen gefunden

Ein Geruch, auf den du sofort reagierst
Der Duft von reifen Pfirsichen. Manchmal kaufe ich mir sogar diese hochgezüchteten Pfirsiche, die nach gar nichts schmecken, nur um an ihnen zu riechen und sie, wenn sie vergammelt sind, wegzuwerfen, denn der Duft ist auch bei diesen Pfirsichen noch da.

Ein Geschmack, bei dem du schwach wirst
Also ich mag ja viel, aber der Geschmack, der mich immer wieder wirklich schwach macht, ist der des Fleisches von Wassermelonen tief aus dem innersten, süßen Kern.

Eine unglaubliche Nachspeise
Hm, also unglaubliche Nachspeisen kenne ich nicht, aber ich mag fast jede Art von Puddings und Cremes

Ein Buch, das Du gerne weiterempfiehlst
Ich empfehle eigentlich nur Bücher weiter, wenn mich jemand direkt nach einem Buch fragt. Es gibt genaugenommen auch nicht viele, die ich wirklich ganz uneingeschränkt empfehlen würde, da ich, so kommt es mir manchmal vor, doch einen im Vergleich zu anderen eher ungewöhnlichen Geschmack und tiefergehende Interessen habe und deshalb denke, dass meine Empfehlungen nicht so gut ankommen würden.

Ein Autor, der Dich bewegt hat
Also das Buch, dass mich bisher am meisten bewegt hat, war dieser Rheingold-Roman von Stephan Grundy. Heute kann ich das eigentlich gar nicht mehr so nachvollziehen, aber damals war es irgendwie magisch.

Ein Künstler, vor dessen Werk du grosse Achtung hast
Es gibt viele, vor deren Werk ich Achtung habe. Und oft sind es nicht einmal bekannte Künstler. Es reicht, dass mir die Sachen gefallen, die andere machen. Aber selbst, wenn sie mir persönlich nicht gefallen, habe ich immer noch besonders grosse Achtung, wenn ich sehe, dass jemand sein Handwerk wirklich kann.

Ein Spiel, das du gerne spielst (egal, ob Brettspiel und/oder PC)
Ich bin verrückt nach Federball und habe seit meiner frühen Kindheit alle meine Familienmitglieder und Freunde bis zur totalen Erschöpfung mit dem Federball herumgescheucht. *gg*

Der Platz, an dem du Zuhause am liebsten sitzt
Zur Zeit ist das mein neu designter Balkon. Dort eine Gartenbank in die schattige Ecke zu stellen, war echt der genialste Einfall, den ich seit langem hatte. Selbst in der glühenden Mittagshitze kann man da noch sehr angenehm sitzen, inzwischen habe ich auch eine Technik entwickelt, wie ich auf der nur ein Meter breiten Bank bequem liegen kann, und abends lässt es sich prima mit dem Laptop schreiben, surfen, DVD schauen oder sogar Fernsehen mit dem DVB-T-Notebook-Receiver.

Deine liebste Tageszeit
Jedenfalls nicht der frühe Morgen. Ansonsten hat jede Tageszeit irgendwie ihre Vor- und Nachteile. Jetzt im Sommer mag ich am liebsten die Zeit, wenn die Sonne langsam in atemberaubenden Farben untergeht und die Mauersegler immer tollkühner und verrückter durch die Lüfte jagen.

Ein Gebäude oder Monument , das du gerne von deinem Schlafzimmerfenster aus sehen möchtest
Also ein Gebäude oder Monument würde ich nicht von meinem Schlafzimmerfenster aus sehen wollen, ich bevorzuge Natur. Aber eventuell könnte ich mich mit einer alten Burgruine anfreunden. ;o)

Mittwoch, 28. Juni 2006

Wahlrede zur Kandidatur als Ober-Guru der neuen Hippie-Kommune Peace on Earth

Mehrfach wurde nun der Wunsch an mich herangetragen, ich möchte doch für die Besetzung der freien Guru-Stelle in unserer neuen schönen Hippie-Kommune Peace on Earth kandidieren. Dieser Bitte will ich nun nachkommen, darum höret meine Verkündigung, die wunderbare Vision, welche ich geschaut und die Offenbarung, die mir zuteil wurde. Es ist noch nicht lange her, ich stand mitten auf einer Straßenkreuzung in Berlin und meditierte über die Grün-Gelb-Rot-Ampelphasen, da erschien mir ein Geschöpf, herrlicher als ich es je gekannt. Und es sprach zu mir: "Tausend Jahre bin ich nun schon alt und kein bißchen weiser, doch als Engel der Herrin muß ich das auch nicht, denn mein Job ist es ausschließlich als Bote zu den Menschen zu gehen und ihnen Wort für Wort alles wiederzukäuen, was meine Herrin gesagt hat." Und er zog eine Schriftrolle aus seinem Ärmel. Und seine Arme waren so herrlich stark, seine Aura so strahlend, seine Rede so männlich, seine Haare so golden. Da küsste er mich auf meinem Mund, glühender Feueratem vermischte sich mit meinem, flammende Hände umfassten meinen Leib, mein Körper brannte an seinem und seine Flügel flügelten und wir vög... äh, nun der Rest tut nichts zur Sache. Und danach sprach er erneut zu mir und sagte: "Höre, was ich dir von meiner Herrin, der großen Göttin auf dem selbstbemalten Thron, die, die die Sterne stickt, den Himmel strickt und die Wolken häkelt, verkünden soll. Du sollst die Auserwählte sein, welche die gerechten und getreuen Menschenkinder, als da sind die Mitglieder der Hippie-Kommune Peace on Earth, in das gelobte Paralleluniversum Eden Delta Nord Gamma 1 führt. Denn groß ist das Wehklagen auf dieser Welt und groß ist auch das Geschrei der Fußballfans, das sich Tag für Tag in diesen Zeiten erhob, und ob diesen Lärms hat die große Göttin, die auf dem selbstbemalten Thron, eine Masche fallen lassen und immer, wenn sie eine Masche fallen lässt, stürzt ein Planet in ein schwarzes Loch. Dies wird mit der Erde geschehen. Der schwarze apokalyptische Himmelsreiter wird sie in seinen Schlund ziehen und es ist noch nicht entschieden, wo sie wieder herauskommt. Doch die Menschen und alle Lebewesen eurer Erde werden es nicht mehr erleben, denn sie werden dem Chaos anheimfallen, dem Urchaos, so wie es in den schwarzen Löchern herrscht, und sie werden alle vernichtet werden, weil sie gesündigt und so viel Lärm gemacht haben. Nur die wenigen Gerechten, die, welche der Hippie-Kommune Peace on Earth angehören, will die Göttin erretten und du sollst sie führen in die neue Welt und deine Anweisungen von ihr entgegen nehmen. Ein Schiff wird kommen, auf den Wellen der Wolken gesegelt, ein Himmelsschiff, welches euch zu einem noch nicht festgelegtem Zeitpunkt aufnehmen wird, und dieses Schiff wird in verschiedene Klassen unterteilt sein. Diejenigen, welche die großzügigsten Spenden und Geschenke an dich, die Auserwählte, geben, sollen die konfortabelsten Kabinen und den besten Service erhalten (Anmerkung der Prophetin: Die schönste Kabine mit All-inklusive-Service ist bereits für den Wilden Kaiser reserviert).
Und das Schiff wird euch bringen in das Paralleluniversum Eden Delta Gamma 1, welches eine fast originalgetreue Kopie der alten Erde ist. Nur einige kleine Abweichungen wird es geben, zum Beispiel ist die Spezies der Mückentiere dort vollständig ausgerottet, und ihr werdet den Planeten mit Hilfe modernster Technik in ein globales Paradies verwandeln. Ihr werdet fruchtbar sein und euch mehren und ihr sollt zahlreich werden wie die Kiesel am Meeresstrand, doch nichts Trennendes wird sich mehr zwischen euch stellen. Nationalitäten wird es nicht mehr geben, ihr werdet ein Volk sein, eine Sprache sprechen und bis an das Ende aller Zeit sollt ihr darin nicht verwirrt werden, sondern ihr werdet stark sein im Herzen und in eurem Glauben. Und ihr werdet glücklich sein alle Tage."

Hört, was ich vernommen habe, liebe Brüder und Schwestern! Vernehmt, das Wunder, welches mir verkündet wurde! Welche unfassbare Freude uns allen hiermit zuteil wird!
Wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubet, soll gerettet werden! Glaubet und ihr werdet leben. Glaubet und ihr werdet auferstehen. Glaubet und ich werde euch erlösen. Glaubet und ich werde euch in eine neue Welt führen!

Gesegnet sollt ihr sein! Gesegnet sind wir alle!
Omen Potenta Rucola!

Und ich will euch hören, meine geliebten Schwestern und Brüder:

Omen Potenta Rucola!

Lasst es mich noch einmal hören:

Omen Potenta Rucola!

Friede sei mit euch!

PS: Weitere Erlösungsanträge alias Aufnahmeanträge für die Hippie-Kommune bitte ich NICHT an meine Emailadresse, sondern weiterhin an Jon zu senden.

Dienstag, 27. Juni 2006

Die Geschichte, die NICHT "Willkommen im Paradies" heißt - Teil 21

Doch diesen Gedanken behielt ich für mich und ob er ihn ebenfalls dachte, konnte ich nur an dem leichten Zucken seiner Mundwinkel erahnen. Mit einem Glas Pils für ihn und einer Weißen mit Schuss für mich zogen wir uns auf eine Parkbank inmitten blühender Rosenbüsche und einer kleinen Wasserfontäne zurück. Der helle und eintönige Klang des bewegten Wassers übte eine angenehm entspannende Wirkung auf mich aus, welche von den ätherischen Rosenmolekülen, die ich mit vollen Zügen einsog, noch verstärkt wurde. Eine kurze Zeit lang sagten wir gar nichts. Jeder von uns schien vollauf damit beschäftigt, die vielfältigen Düfte, Klänge und Farben der Umgebung zu registrieren, einzuordnen und zu genießen. Die sinkende Sonne strahlte noch hell und warm, aber die Wucht ihrer Hitze hatte glücklicherweise nachgelassen. Die säuerliche Süße des Bieres perlte erfrischend auf meiner Zunge, Hummeln summten sich von Blüte zu Blüte und neben dem Papierkorb hatte jemand sein Eis fallengelassen. Ein bisschen stellte ich mir so das Paradies vor, allerdings ohne Papierkörbe. Warum eigentlich?
Leise fragte Robert mich schließlich, wie weit ich mit meiner Renovierung bin und was ich sonst noch tue. Eher lustlos erstattete ich Rapport und fügte gleich noch die Erzählung des Bratkartoffelessens bei Herrn Luchterhand hinzu, nicht ohne zu erwähnen, dass dieser auf der Spur der absolut vollkommenen und perfekten Bratkartoffel sei.

„Der hat ja 'nen Schatten!“ entgegnete Robert dazu nur trocken.

Was ich eigentlich bei meinem Nachbarn gesucht hatte verschwieg ich, ebenso meine seltsamen Erlebnisse im Keller.

„Duuhuuuu, sag mal, was macht man eigentlich mit einem Glasschneider?“ fragte ich stattdessen vorsichtig.

„Mit 'nem Glasschneider? Na damit kannst du Glas zuschneiden!“ sprach es und lehnte sich zurück.

„Ja, toll. Ich meinte eigentlich, wozu man ein Gerät braucht, welches Glas schneidet. Äh, warum sollte man Glas schneiden wollen? So als normaler Mensch?“

Robert wendete sein Gesicht zu mir und sah mich aufmerksam mit einem atemberaubenden Blau von der Seite an:
„Na damit kann man zum Beispiel Löcher in Fensterscheiben schneiden, wenn man irgendwo einbrechen will. So sieht man das manchmal im Fernsehen.“

Super. Genau das hatte ich eigentlich nicht hören wollen.

„Gibt es denn auch noch was anderes, wozu man die als Heimwerker benutzen kann?“

„Denke schon. Vielleicht zur Herstellung von Glasmosaiken?“ Vor meinem inneren Auge sah ich Herrn Luchterhand, mit Glasschneider und Brecheisen bewaffnet, bunte Glasstückchen zu einem orthodox-russischem Kirchenfenster zusammenpuzzeln. Vergnügt schlurfte ich demonstrativ laut mit dem Strohhalm den letzten Rest Weiße aus der kleinen Kuhle in der Mitte meines Trinkgefäßes und streckte meine nackten Füße in die Abendsonne.

„Wieso? Brauchst du einen?“ fragte er mich spöttisch.

Geschickt lenkte ich nach einem albernen Lachen das Gespräch auf seine Erlebnisse der letzten Tage und sofort begann er übersprudelnd von den Strapazen zu berichten, denen er als Finanzverwalter ausgeliefert war. Bürokratische Banken, launische Kunden, schwankende Kurse und ein unüberblickbares Steuerdickicht.

„Für wen verwaltest du denn seine Finanzen?“ wollte ich wissen.

„Hauptsächlich für meinen Schwiegervater, ähm, ehemaligen Schwiegervater.“

„Ach?“ sagte ich, „Der Albert von der Taubeninsel?“

„Ja, genau der.“

„Der muss ja ein ziemliches Vermögen haben, wenn er es extra verwalten lassen muss und dann kommt ja noch der Grundbesitz dazu.“

„Ja, es reicht, dass ich ebenfalls gut davon leben kann.“ Robert grinste.

„Und das, obwohl du von Annette geschieden bist?“

„Ja, klar! Ich wohne sogar noch dort. Annette ist mit ihrem neuen Ägyptologie-Professor für ein Jahr nach Ägypten gegangen. Der alte Herr vertraut mir weiterhin vollkommen. Nächstes Wochenende findet übrigens ein großer Ball statt, weil er seinen 96. feiert. Wenn du Lust hast, lade ich dich dazu ein...“ er lachte und setzte hinzu: „....bist ja auch so was wie Verwandtschaft - entfernte.“

„Ein Ball? Ach du Schreck. Bestimmt alles piekfein und gezwungen, wah?“

„Ach Quatsch. Er besteht darauf, es Ball zu nennen, in Erinnerung an alte Zeiten, aber eigentlich ist es eine ganz normale Gartenfete. Und vor allem bin ich dort.“ Sein Grinsen wurde breiter.

„Aber sag mal, 96? Ich dachte, er ist schon längst so alt?“

„Nein.“ antwortete Robert und legte mir seinen Arm um die Schulter, „Er wird es erst übermorgen. Was ist nun?!“

„Uhhh, ich hab’ schlechte Erinnerungen an Gartenfeten. Ich komme nur, wenn ich da keine Luftballons um die Wette aufblasen oder an so ’nem dämlichen Seil ziehen muss.“

„Neee, garantiert nicht. Kindergeburtstag ist das nicht. Jeder darf machen, was er möchte.“

Meine Neugier überwog trotz anfänglichen Zögerns, schließlich gab es nur wenige Menschen, die schon einen Fuß auf die Taubeninsel gesetzt hatten, und ich sagte zu.

Als wir gegen 22 Uhr den Park verließen war es noch immer taghell und in der kleinen Nische an der Mauer lag nun ein altes Bügelbrett. Dies erschien mir als symbolisches und vorausschauendes Omen weit weniger günstig. Es mit Nichtachtung strafend marschierte ich daran vorbei.

...

...und die Hälfte aller Schwierigkeiten in der Welt geht auf die Tatsache zurück, dass diese höheren Prinzipien, die mit Liebe und Weisheit in all ihrer Fülle zu tun haben, erst jetzt allmählich von der breiten Masse der Menschheit begriffen werden. Aus der schnellen Erkenntnis ihrer Richtigkeit und dem Versuch, sie zu Tatsachen werden zu lassen, ohne dass die Umwelt vorher diesen Idealen angepasst wird, ergibt sich das häufige Aufeinanderprallen und der Kampf zwischen denen, die angetrieben werden von den Prinzipien, welche die Persönlichkeit beherrschen, und denen, die ihre Impulse von den Prinzipien des höheren Selbstes erhalten.
(Alice Bailey)

Seit dem Wochenende

habe ich in regelmäßigen Abständen immer so ein seltsames Gefühl genau hinter der Halskuhle. Das fühlt sich an, als würde mich jemand von innen dort kitzeln. Muß ich mir jetzt Sorgen machen? *hypochondrisch ist*

Hab gestern erfahren,

dass es morgen schon wieder eine Geburtstagslage eines Kollegen gibt. (Wer hat bloß den Geburtstag erfunden? Hätte ein Zehn-Jahres-Jubiläum nicht gerreicht?) Bei uns ist es üblich, dass zu solchen Anlässen jeder etwas zum Essen mitbringt. Diesmal bin ich mit dem Käse dran. Normalerweise kaufe ich für sowas gerne kleine, extra abgepackte Käsestückchen, wie z.B. Le Tartar. Bei Netto hatten sie den heute nicht, aber dafür ein Netz mit in kleinen Ecken abgepackten französischen Käsespezialitäten, in welchem sich außerdem auch noch ein Plastikfußball befindet. Und in diesem Plastikfußball soll eine Trillerpfeife versteckt sein. Ja, bin ich denn verrückt und kaufe das? Damit mir meine Kollegen auch noch die Ohren voll trillern? Sorry, aber das kommt mir nicht in die Tüte....

Montag, 26. Juni 2006

Die Welt braucht mehr Blümchen! (oder wie ich das Linoleumparkett meiner Eltern mit Streublümchen verzierte)

Als offizielles Mitglied der virtuellen Hippie-Kommune Peace On Earth und in Hinblick auf die gestrige Frage, ob ich meine Schuhe selbstbemalt hätte, ist mir ein weiterer Beweis meines bunten und blumigen Hippieherzens eingefallen.
Alles begann mit dem neuen Linoleumfussboden meiner Eltern. Dies war eine scheußliche Holzparkettimitation. In den Wohnungen meiner Eltern gab es immer nur Linoleum, nie Teppich und Parkett oder Laminat sowieso nicht. Warum meine Eltern nur Linoleum kauften, weiß ich nicht. Vielleicht aus Sparsamkeit, vielleicht aus praktischen Erwägungen, vielleicht kannten sie aus dem Krieg nicht anderes. Diese Linoleumböden wurde in den seltensten Fällen erneuert. Meistens lag der Bodenbelag so lange, bis er fast durchgelatscht war. Der Kauf und die Verlegung des nagelneuen Linoleums für das Wohnzimmer war daher ein ganz besonderes und auch einmaliges Ereignis, soweit ich mich erinnern kann, meine Mutter war unheimlich stolz auf ihr edles Kunststoffholzparkettimitat.
Ich dagegen konnte schon damals Linoleum eigentlich nur zum Zwecke von Linolschnitten etwas abgewinnen.

Ich weiß nicht, welches Teufelchen oder welche höhere Intuition mich darauf brachte, dass dem neuen Linoleum ein paar Blümchen ganz gut stehen würden, aber rein zufällig hatte ich entdeckt, dass es sich mit einem bestimmten bunten Marker besonders satt und schön auf dem Fussbodenbelag malen ließ. Also suchte ich mir eine eher unauffällige Stelle unter dem Couchtisch (ich ahnte wohl schon, das meine spannende Idee nicht ganz mit dem Geschmack meiner Eltern konform gehen würde) und begann den Fußboden mit kleinen Streublümchen zu verzieren. Leider war die Stelle nicht unauffällig genug, denn schon bald darauf entdeckte mein Vater diese "riesen Schweinerei", wie er sich ausdrückte. Sonst waren sich meine Eltern nie einig, aber bei dieser Standpauke hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel. Und zum Abschluß fragte mich mein Vater, warum ich den ausgerechnet auf dem Fussboden malen müsse und mich nicht wie jeder andere an den Tisch setzen und auf einem Stück Papier zeichnen könne. Tja, wenn ich auf einem Stück Papier Blümchen gemalt hätte, dann wüsste ich heute nicht, dass dieser Spezialmarker wirklich absolut scheuerfest, essigreinigerbeständig, fleckentfernerresistent und bombensicher ist. Meinen Eltern blieb nichts anderes übrig als sich wohl oder übel an den Gedanken zu gewöhnen, dass unter ihrem Couchtisch Blümchen wachsen.
(Sie können froh sein, dass ich nicht ein riesiges geniales Linolschnittfresko aus dem Fussboden gemacht habe....pfff)

Ich habe eine springende Zebraspinne

auf meinem Balkon! Ehrlich jetzt! Ich hab's genau gesehen!
Da wollte ich ahnungslos meine Blumen gießen und sehe diese kleine, dicke, schwarz-weiß gestreifte Spinne auf dem Balkongeländer krabbeln. Die sah irgendwie putzig aus und ich dachte mir - ok, fotografierste mal (ich fotografiere ja eh alles, was mir unter die Linse kommt). Ich also mit dem Makro ran und plötzlich sprang die doch vom Balkongeländer auf den Blumenkastenrand. Das war mindestens das Hundertfache ihrer Körpergröße! Hilfe! Ich will keine springenden Spinnen auf meinem Balkon, auch nicht wenn sie putzig aussehen....

EDIT:
Das ist der Rest, den ich von der Spinne erwischt habe. Wenn das keine Schönheit ist, dann weiß ich nicht, aber das Springen sollte sie sich abgewöhnen...:-/



Seltsamer Friedrichshain

Normalerweise finde ich ja den Friedrichshain nur energetisch merkwürdig, doch der Traum eines Spaziergangs durch den Friedrichshain hat das irgendwie in Bilder umgesetzt. Es beginnt damit, dass ich an einer Bushaltestelle warte, wo meine Mutter mich in meiner Traumerinnerung früher mal "ausgesetzt" hat und ich ewig gebraucht habe, um irgendwas zu finden (das Grab meiner Oma?). An der Bushaltestelle sieht man nur Unkraut wachsen und etwas weiter hinten beginnen Gärten. Etliche Leute ziehen Kabel einen Weg entlang. Ich laufe den Park suchend im großen Bogen am Friedhof vorbei und komme auf einer Straße heraus, wo sehr alte und wuchtige Häuser stehen. Die Straße ist ziemlich schmal, fast wie eine Gasse, aber an ihrem Ende steht der Stalinbau vom Frankfurter Tor in dessen Säulenunterbau ich mit meinem Cousin immer Fange spielte. Die Häuser auf der rechten Seite sind noch älter, vielleicht Mittelalter, und dunkel - ich betrachte sie interessiert. Irgendwie habe ich auch das unbestimmte Gefühl schon einmal in einem Traum dort gewesen zu sein. Hinter dem Ende der Gasse befindet sich der Eingang zum Park. Bevor ich hineingehe, treffe ich einen Mann und eine Frau, ich nehme an ein Ehepaar, welche ich auch schon einmal getroffen zu haben glaube. Ich habe irgendwie den Eindruck, nicht willkommen zu sein und gleich darauf sprechen sie mich an und sagen wörtlich zu mir, nicht unfreundlich, aber bestimmt, dass ich ihr Dorf wieder verlassen soll. Ich denke bei mir, dass das wohl ein Kiez ist, wo sie unter sich sein wollen und keine Besucher dulden. Ich sage, dass ich gleich in den Park gehe und sie sind zufrieden, fragen mich aber auch, ob ich einen Erzieher als Begleiter habe. Anscheinend darf man in den Park nicht ohne Begleitung eines Diplom-Pädagogen, ich werde mir nun bewußt, dass es in dem Park fast nur behinderte Kinder gibt. Ich sage, dass ich alleine bin, aber das scheint auch ok zu sein. Sie nicken und sagen, dass ich ja schon dort war, aber sonst keiner von den Bewohnern und Erwachsenen einen Fuss in den Park setzt. Ich gehe durch das niedrige schwarze Metallgartentor, welches ich erst aufklinken muß und befinde mich nun im Park. Kurz darauf gehe ich durch ein Zelt, in welchem Kaninchen oder Hasen gehalten werden, vielleicht als Streichelzoo. Danach rase ich im Auto einen steilen Berg hinunter, wo links und rechts Bäume stehen. Da mir das zu gefährlich ist, klemme ich mir den weißen Trabi unter den Arm und laufe damit hinunter, bin aber immer noch genausoschnell wie im Auto, nur dass ich jetzt sicher bin, dass dem Wagen nichts passiert. Schließlich spaziere ich, die S-Bahn suchend, durch ein Viertel mit sehr abgerissenen Hinterhofhäusern, die aber seltsam anders aussehen als ich es von solchen Häusern gewohnt bin. Alle stehen hinter abgeschlossenen hohen Mauern, welche Quadrate bilden und die Häuser selbst sind nur vier-bis fünfgeschossig. Hinter den Mauern sehe ich völlig abgerissene und trostlose Fassaden, mit winzigen Balkonen. Hier überlege ich mir im Traum, dass meine Oma wohl auch in einem dieser Häuser gewohnt hat und dass ich den Friedrichshain wirklich eigenartig finde, weil irgendwie alles so anders ist. In der Ferne sehe ich nun schon den Eingang zu einer S-Bahn-Station, doch bevor ich sie erreiche, muss ich noch an einer riesigen, aus irgendetwas aufgestapelten, altertümlichen Mauer, bzw. Wand vorbei.

Sonntag, 25. Juni 2006

Die (immer noch) namenlose Geschichte - Teil 20

Vielleicht waren meine Augenringe etwas zu tief, meine Haut etwas zu blass, meine Fingernägel etwas zu zersplittert und mein Gesichtsausdruck etwas zu lustlos, doch Robert schien es nicht zu bemerken. Freudig begrüßte er mich vor dem baufällig-barocken Tor eines städtischen Naherholungsgebietes. Die Jacke hatte er diesmal weggelassen. Er trug ein sommerlich-legeres weißes Baumwollshirt zu einer knielangen Bermudahose, welche den Blick frei gab auf außerordentlich schön geformte und optimal behaarte Waden. Selbst in meinem jetzigen Zustand konnte mir das nicht entgehen. Sogleich fühlte ich etwas durch meine Adern fließen, ich will es Leben nennen, und die nette Art von Begrüßung tat ein übriges, dass ich mich mit einem Mal überhaupt nicht mehr müde fühlte.
Warmer Wind wehte übermütig durch mein Haar und der süße Duft des gelb-hängenden Geißblatts stieg mir verheißungsvoll in die Nase. Robert plauderte sofort drauflos, er hatte eine sehr unterhaltsames und souveränes Verhalten an sich, welches mir die Illusion meiner eigenen Persönlichkeit um so stärker ins Gedächtnis brachte. Mir war jetzt schon klar, dass ich ihm unter den Händen zerrinnen würde wie schmutziger Staub und es würde ihm nicht einmal auffallen. Aber daran wollte ich jetzt nicht denken. Bereit alles hinter mir zu lassen, schlenderte ich mit ihm auf den Eingang zu, wobei ich auf einem kleinen Mauervorsprung eine buntbemalte afrikanische Buschtrommel wie ein wundersames Omen in einer Ecke stehen sah. „Merkwürdig“ dachte ich, „was man in dieser Stadt so alles findet...“

Wir kreuzten die Allee mit den blühenden Apfelbäumen und steuerten geradewegs auf den Biergarten zu, aus welchem gedämpftes Gemurmel und gelegentliches Gläserklirren, unterbrochen von mehrmaligem Lachen klang. Schnell hatten wir uns einen freien Tisch neben einer alten Linde gesucht, die angenehmen Halbschatten spendete, und sofort untersuchten wir genauestens die Speisekarte. Ich orderte einen großen Salat und er ein überbackenes Steak (warum wusste ich das schon vorher?), die würzige Luft machte Appetit - genießerisch ließ ich die zitronige Marinade auf der Zunge zergehen, nachdem ein untersetzter, kraushaariger Kellner uns das gewünschte gebracht hatte. Robert hatte sich sofort über sein Steak her gemacht, erinnerte sich aber zwischendurch netterweise an mich und fragte, ob ich mal davon kosten möchte. Wir einigten uns auf den Tausch von einem Stückchen Steak und einem Kartoffelschnitz gegen ein Tomatenviertel und einen Würfel Fetakäse, die Handlung des Herübereichens der Kostprobe mit der Gabel seinerseits wurde von ihm mit dem Wort „Raubtierfütterung“ begleitet. Erleichtert stellte ich fest, dass ich nicht rot wurde. Er konnte mich nun bis an sein Lebensende mit unserer ersten Begegnung in seinem Wagen aufziehen, er würde kein Vergnügen daran haben.

„Ist nett hier.“ stellte er fest. „Gemütlich. Kommst du oft hier her?“

„Nö, eigentlich nicht. Ich bin niemand, der sich oft in Biergärten und Cafes herumtreibt. Und du?“

„Na ja, sagen wir so: es ist nicht mein Lebenssinn.“

Wir lachten und beschlossen mit einen großen Eisbecher für jeden nachzulegen, jedoch erst nachdem er mich gefragt hatte, ob ich nicht lieber ein Stück Sahnetorte möchte. Ich hörte diese Neckereien kaum noch und winkte nur grinsend ab. Kleine weiße Fallschirmchen tanzten überall in der Luft, ließen sich in unseren Haaren, auf den Armen und Schultern nieder. Deutlicher konnte man niemanden darauf aufmerksam machen, dass wir uns mitten in der Paarungszeit befanden.

Durst

Licht bricht sich
am bleichen Silber
meiner Traurigkeit
und fliegt vorbei,
jahrzehnteschnell,
- der Schatten bleibt
Ein Stern versinkt,
erlischt im Nimmermehr,
stirbt ungekannt
in den Wassern der Nacht,
welche ich schöpfe
mit vollen Händen

Samstag, 24. Juni 2006

Ich weiß nicht, was ich letzte Nacht getan habe,

aber ich muß ziemlich gewütet haben. Als ich aufwachte, hatte ich Puschel wie eine Aktentasche unter'm Arm geklemmt, die Kissen lagen alle auf dem Fußboden verstreut und das Fußende der Decke befand sich am Kopfende. Dunkel kann ich mich erinnern, Tischtennis um mein Leben gespielt zu haben....

Freitag, 23. Juni 2006

Aushilfe auf der Geburtsstation

Ich bin völlig neu mit noch jemand anderem als Aushilfe auf einer Geburtsstation. Eine ehemalige Kollegin von mir ist auch dort und zeigt mir alles.
Wir haben da sowas wie ein Internat, wo wir die ganze Woche über wohnen. Auf der Geburtsstation geht es hoch her, allerdings sieht es mehr aus wie in einem Büro. Und es herrscht totales Chaos hinsichtlich der Termine. Wir wissen eigentlich nicht genau, wann wir frei haben und wann wir anwesend sein müssen. Ein junges Paar, die Frau ist Bulgarin, besteht darauf, dass das Kind heute schon (im Traum am 27.) kommen soll, obwohl der Geburtstermin erst der 28. ist. Sie diskutieren mit den Ärzten hin und her und lassen sich nicht überzeugen, bis morgen zu warten. Schließlich mische ich mich mit ein, obwohl ich noch gar keine Ahnung habe, und sage laut: "Das Kind will erst morgen kommen.", worauf der Vater mit mir anfängt zu diskutieren (wobei ich überhaupt das Gefühl habe, dass es ihm wichtiger als der Mutter ist, dass das Kind heute kommt) und mich fragt, was ich damit meine. Ich antworte, dass es doch besser wäre, auf den natürlichen Termin zu warten, als die Geburt mit Gewalt einzuleiten.

Vielleicht sollte ich über einen Berufswechsel nachdenken. *fg*