eine geschlagene dreiviertel Stunde in einem blickdicht verschlossenem Raum zugebracht, um einen kleinen Film auf eine Entwicklerspirale zu fädeln. Die Sache entpuppte sich als schwieriger als gedacht, zumal ich vorher extra dreimal mit geschlossenen Augen und einem bereits entwickelten Film geübt hatte. Schon nach dem zweiten Mal ging es fast problemlos und ratzfatz. Allerdings scheinen unentwickelte Filme ein anderes Verhalten zu zeigen und etwas störrischer zu sein. Es ist auch gar nicht so einfach, im völlig Dunkeln die Sachen wiederzufinden, die man gerade weggestellt oder -gelegt hat. Außerde entzieht es sich bisher total meiner Kenntnis, wie ich diese ganze Prozedur durchführen kann (besonders das Kapselaufbrechen), OHNE mit den Fingern ständig auf dem Film herumzugrapschen.
Was blieb mir jetzt übrig, als die Geschichte von der Errettung der Gottesmutter zu erzählen, um anschließend meine Zuhörer als qualifizierte Kunstkenner zu bitten, mir das Phänomen der Doppelgesichtigkeit der alten Ikone zu erklären, das ich mit Nikolajew im nächtlichen Dunkel der Klosterkirche erlebt hatte. Im Gegensatz zu Kruschinski nahmen die beiden die Sache ernst.
"Eine Projektion mit der Laterna magica ist ausgeschlossen?" fragten sie nach einigem Nachdenken.
"Ausgeschlossen. Wir haben alles ringsum gründlich untersucht."
"Die Maler des Mittelalters verstanden sich darauf, die Augen so zu malen, als folgten sie den Bewegungen des Beschauers", sagte der eine Wissenschaftler. "Eine einfache Erklärung, kein mystisches Geheimnis. Sie malten das Gesicht streng en face und erzielten so den Eindruck wandernder Pupillen. Im Fall Czestochowna aber veränderte sich doch das ganze Gesicht?"
"Das Antlitz des Erlösers auf einer großen Freske an der Kuppel der Nerediza-Erlöserkirche in Nowgorod wechselt seinen Ausdruck je nach Beleuchtung". sagte der andere.
"Einmal wirkt er zart und gütig, dann wieder streng und zornig, und die Rechte des Erlösers hebt sich bald segnend, bald drohend. Ein uraltes Gemälde. Nach einer Legende soll der See über die Ufer treten und die Stadt unter seinen Fluten begraben, wenn die Faust sich öffnet. Viele Geheimnisse haben die alten Maler mit ins Grab genommen....."
(aus "Berlin 896 km" von Boris Polewoi)
Die schwarze Madonna von Czestochowna
Der General setzte den Kneifer auf und übergab mir lächelnd die Übersetzung des aufgezeichneten letzten Gesprächs zwischen der Nachrichtenzentrale des Oberkommandos des Heeres und deutschen Heerführern in Süddeutschland und noch besetzten Ländern. An einem Ende der Leitung sprachen die aufgeschreckten militärischen Satrapen Hitlers, am anderen vier im Bunker begrabene betrunkene Nachrichtensoldaten, die mit dem Leben abgeschlossen hatten...
....
"Edelweiß: An General Krebs. Sofort auszuhändigen. Da ohne jede Information, bin ich gezwungen, mich an englischen Rundfunksendungen zu orientieren. Melden Sie die Lage und informieren Sie mich über weitere Handlungen. Gezeichnet A-19.
Antwort: Kann das Fernschreiben weder weitergeben noch jemanden rufen. Bin lebendig begraben. Ende der Durchsage.
Edelweiß: Was sind das für dumme Scherze? Wer ist am Apparat? Rufen Sie sofort Ihren leitenden Offizier!
Antwort: Der Offizier hat sich davongemacht. Alle sind geflitzt. Halt den Mund, mir langt's.
Edelweiß: Welch besoffenes Schwein spricht da. Rufen Sie sofort den diensthabenden Offizier. Ein General ist an der Leitung!
Antwort: Leck deine Großmutter am A.... du Scheißhaufen.... Halt die Fresse.
Edelweiß: Den U-16 an den Apparat. M-11 verlangt ihn. Es ist dringend.
Antwort: Du kommst noch früh genug an den Galgen.
Edelweiß: Nicht verstanden, wiederholen!
Antwort: Kommst noch früh genug an den Galgen, stinkender Idiot... Alle sind ausgerissen. Die Iwans sind über uns. Sind sie noch nicht bei dir?
Edelweiß: Ich bestehe auf einer Verbindung mit Krebs. Melden Sie die Lage in Berlin, M-11.
Antwort: In Berlin nieselt es. Hau ab.
Edelweiß: Wer spricht da? Nennen Sie Namen und Dienstgrad.
Antwort: Ersticken sollst du.... Jetzt langt mir's. Alle sind geflitzt. Verstanden? Über uns rollen die Panzer der Iwans."
(aus "Berlin 896 km" von Boris Polewoi, Frontkorrespondent der russischen Armee)
Bayern4Klassik hat heute "Das Rheingold" von Wagner aus dem Bayreuther Festspielhaus übertragen. Ich wollte die Oper schon immer einmal hören, für einen Opernbesuch war sie mir aber zu lang und zu riskant, da ich bisher mit Wagner nicht wirklich etwas anfangen konnte. Der Walkürenritt, den wohl jeder kennt, ist einfach nur grausam und die Ausschnitte aus diversen Opern rauschen bei mir zum einen Ohr hinein und zum anderen hinaus, ohne daß ich dabei viel Beachtenswertes finde. Die Hintergrundmusik ist manchmal ganz nett, aber die Gesangspartien dagegen irgendwie rudimentär. Die Overtüre zu Parsifal gefällt mir, aber das war es dann auch schon. Das Rheingold konnte daran nicht viel ändern. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, was die alle mit diesem Wagner hatten - König Ludwig, Hitler....Nicht daß ich gerne denselben Geschmack wie Hitler hätte, aber ich würde es gerne verstehen, wie Wagners Musik auf diese Männer so viel Faszination ausüben konnte. Doch dafür fehlt mir wohl etwas.
Bei diesen Temperaturen hält man es am optimalsten im Freibad aus. Zum Glück habe ich noch Urlaub und deshalb Gelegenheit, den neuen Jeans-Bikini zu testen, wie gut er im Wasser hält. Das Wasser war allerdings a....kalt und man wurde erst warm, wenn man ein paar Bahnen hinter sich gelassen hat. Witzig ist es zuzuschauen, wie sich "Neueinsteiger" minutenlang panisch und japsend an den Beckenrand klammern, bevor sie es wagen, ganz im Wasser einzutauchen. Leider hält man es im Freibad immer nur bis allerspätestens um drei Uhr aus, ab dann wird es kritisch oder sogar lebensgefährlich, weil die Anzahl der Kinder ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Das bedeutet, man ist keine Minute mehr sicher, denn die Geschütze fliegen von allen Seiten und treffen gelegentlich auch. Ich weiß nicht mehr, denn ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich schon Bälle gegen den Kopf bekommen habe. Ich hoffe, das hat nicht solche Auswirkungen wie die Treffer beim Boxen auf das Gehirn. Jedenfalls kann ich mich da ganz schlecht auf ein Buch oder sonstiges konzentrieren, weil ich mit einem Auge immer in der Umgebung hänge, um vor etwaigen Granaten rechtzeitig in Deckung gehen zu können. Aber was ich heute erlebt habe, das gabs vorher noch nie - da ist doch so ein Knirps, nicht mehr ganz klein, eher in den mittleren Schuljahren, über mich schnurstracks drübergelaufen. Erst gab es einen Tritt gegen den Kopf, dann stand er mit dem Fuß auf meiner Schulter. Zwar hat er das nicht absichtlich gemacht, sondern weil er nach hinten statt nach vorne geguckt hatte und gerade von seinem Kumpel verfolgt wurde, der hinter ihm her rannte, aber hallo? Der weiß doch, daß Leute auf der Wiese liegen. Oder muß man den Kindern von heute alles eckig einrahmen, damit sie mal hingucken? Reicht es nicht, daß sie sich nicht einmal die Mühe geben, darauf zu achten, wo ihre Bälle landen? Ich hatte gerade die Augen geschlossen und hörte ein Hörbuch, als ich den Tritt bekam und automatisch griff ich mit den Händen hinter den Kopf, weil ich erst dachte, das wäre wieder ein Ball. Schade, daß ich dabei nicht das Bein von dem Bengel gegriffen und festgehalten habe, dann wäre er wenigstens lang hingefallen. Und wäre er mir auf die Nase getreten, dann hätte er ein Problem gehabt, denn dann wäre nicht nur sein Kumpel, sondern auch ich hinter ihm her gewesen. *augenroll*
Traumerkenntnis: Das Martyrium des Johannes endete um Mitternacht. Deshalb endet jedes Leiden, welches auf diesem Martyrium beruht und welches ein Mensch trägt, ebenfalls um Mitternacht.
aber die schönste Musik ist das leise Rascheln der Baumkronen in einer sonnigen Mittagsstunde, wenn selbst die Vögel mehrheitlich ihren Schnabel halten. Ich könnte ewig zuhören.
Eigentlich wollte ich einen Ausflug nach Potsdam-Sanssouci machen, zumal das heutzutage mit der S-Bahn nur noch ein Katzensprung ist, aber irgendjemand hatte etwas dagegen und ließ einen
Buschbrand Böschungsbrand ausbrechen, so daß die S-Bahn auf dem Bahnhof Wannsee einfach nicht mehr weiterfuhr. Wannsee also, nun gut. Ich war nur einmal bisher dort baden gewesen und fand das nicht sehr prickelnd. Planlos schlenderte ich am Wannsee entlang und kenne jetzt jeden Yachtclub dort, einschließlich der fetten BMWs, die einen vor den Einfahrten fast überbrettern. Auch seltsame Kirchen gibt es da. Erst eine ganz futuristische
und dann eine mit gleich drei Turmspitzen.
Eine alte Entfernungssäule gegenüber vom Rathaus Wannsee.
Dann fiel mein Blick auf einen Wegweiser mit der Aufschrift, daß es knapp 6 km bis zur Glienicker Brücke sind. Ok, dachte ich, dort wollte ich auch immer einmal hin und da ich noch gut zu Fuß war, beschloß ich zu laufen und schlug mich kilometerweit durch Wald und Unterholz. Dies bereute ich später, denn ich hatte nicht damit gerechnet, daß es an der Brücke so viel zu sehen gibt. Auf der einen Seite der Park Babelsberg mit dem Schloß und auf der anderen das Jagdschloß Glienicke und jede Menge herrliche Wege am Wasser. Ich hatte tatsächlich vor, alles abzuklappern, aber nachdem ich das Schloß Babelsberg und einen Teil des Mauerweges durch hatte, konnte ich gerade noch auf dem Zahnfleisch zum Bus kriechen, der dort zum Glück geradewegs zum Bahnhof Wannsee fährt. Das bedeutet, ich muß noch einmal hin und dann werde ich mir das Laufen für die Parks aufheben.
Die Glienicker Brücke unter einem fantastischem Himmel:
Blick auf das Schloß Babelsberg vom anderen Ufer:
Ich liebe es, wenn die Sonne das Wasser funkeln läßt.
Filmreife Kulisse am Maschinenhaus
Im Park Babelsberg
Fenster am Schloß Babelsberg
Statue mit "echtem" Vogelfutter
Noch mehr Schloß:
Das Schloß wird übrigens gerade renoviert. Ich hoffe, ich kann nächstes Jahr einziehen. ;o)
Wo ist der Hund?
Die Schloßküche
Der geheime Garten
...führt hierher:
Ein Fenster unter der Treppe - vielleicht das schloßeigene Verließ? *gg*
In Glienicke scheinen auch einige Promis zu wohnen (kein Wunder - wie schon die Könige und Kaiser wissen auch sie, wo es am schönsten ist), denn man sieht ständig Limousinen herumfahren. Noch mehr als die Villen gefallen mir jedoch die russischen Hexenhäuser. Es muß herrlich sein, in solch einem Haus zu wohnen.
Am Mauerweg wachsen jede Menge Brombeeren, die zur Zeit noch nicht richtig reif sind. Vereinzelt fand ich aber schon "Frühreife". Man müßte da zur Erntezeit hin und sich den ganzen Weg lang durchfuttern. Als ich mich gerade wieder an einem Strauch zu schaffen machte, hörte ich plötzlich ganz in der Nähe ein leises Miauen. Verwundert sah ich umher und entdeckte erst nach längerem Suchen ein Kätzchen, das mitten in einem Gebüsch saß. Da es ein bunt geschecktes Kätzchen war, war es so gut getarnt, daß man es kaum erkennen konnte. Allerdings trug es ein Halsband und als ich begann, mit ihm zu reden, schlich es schüchtern aus dem Gebüsch hervor, strich mir um die Beine und ließ sich streicheln. Ich vermute, es war ein herumstromerndes Haustier.

hungrig ins Kino gehen. Es kommt doch etwas merkwürdig, wenn sich vor die Leinwand innere Bilder von Pfifferling-Omeletten und Eiern mit Speck schieben.
wieder einmal klar, warum ein Blog für mich noch immer die optimalste Plattform ist. Ich bin für diese Communitys im Internet einfach nicht geschaffen. Ich rede nicht einmal im richtigen Leben mit Leuten, nur um sie zu kennen und Beziehungen zu haben, warum sollte ich das also im Netz tun?
Außerdem mag ich keine Vorschriften. Und dieses ewige "schreibst du mir, klickst du mich, bewertest du mich - schreib ich dir, klick ich dich, bewerte ich dich" nervt mich tierisch. Ok, streng genommen gehört das Blog ebenfalls zu einer Community und wenn man es vorzieht nicht zu kommunizieren, erhält man auch keine Kommentare, aber ansonsten ist es doch irgendwie anders. Auf meinem Blog kann ich (fast) alles tun und lassen, was ich will. Ich bestimme, wie lang oder wie kurz meine Einträge sind, ich bestimme, ob andere überhaupt kommentieren dürfen, ich bestimme, ob ich mich bewerten lassen will oder nicht, aber das Wichtigste ist, daß man ganz anders mit den Leuten in Kontakt kommt, wenn man ihn möchte. Irgendwie ist alles viel vorsichtiger und respektvoller (nun gut, Ausnahmen bestätigen die Regel), was wohl daran liegt, daß in Blogs teilweise auch die inneren Sorgen und Nöte offenbart werden, und das läßt den Leser automatisch emphatischer agieren, denke ich mir. Hier gibt es keine Regeln, außer die grundlegendsten der Nettiquette, des Urheber- und des Strafrechtes. Alles ist möglich, aber nichts nötig. So viel Freiheit lob ich mir.
Letzte Nacht träumte ich, daß ich Fotos abziehe. Ich badete die Abzüge mit einer Pinzette in einer Fotoschale und wußte, daß die Bilder um so heller werden, je länger ich sie in der Flüssigkeit lasse. Allerdings hätte ich mir gestern noch nicht träumen lassen, daß ich heute tatsächlich Fotos entwickeln würde, wenn auch auf völlig andere Art. In den Fotokisten von meinem Vater, die hier bei mir herumstehen, finden sich die merkwürdigsten Sachen - uralte Magnesiumblitze, Gerätschaften, von denen ich noch nicht herausgefunden habe, wozu sie da sind und, wie ich feststellen durfte, drei bereits entwickelte alte Schwarz-Weiß-Filme. Ein schneller Blick auf die Negative zeigte mir, daß bis auf einige bereits bekannte Fotos ebenfalls nicht wenige dabei sind, die ich noch nicht kenne. Und zum Glück ist das mit den Abzügen von Negativen heute kein Problem mehr. Man packt sie einfach einen einen Filmscanner und hat die fertigen Fotos ratz-fatz im Computer. Als ich das erste Foto im Negativ sah, überlegte ich erst, wer denn die Frau mit den langen Haaren ist, bis ich schließlich meinen Bruder auf dem Bild erkannte, als er noch seine langen Hippie-Haare hatte. Zusätzlich sieht er auf dem Foto auch noch so aus, als sei er gerade auf Hasch. *gg*
Zur Fotoshow mit den sechs schönsten Bildern:
http://splashr.com/show/reflect1/93679279@N00/Fund/25/
und Nachwuchs gibt es auch schon. Immerhin steht so weiteren Folgen nichts im Wege, auch für den Fall, daß Indiana Jones zufällig irgendwann einen Atombombenabwurf nicht im Kühlschrank überleben sollte. Ich finde, James Bond könnte sich davon eine Scheibe abschneiden. Der Film jedenfalls war recht kurzweilig und entpuppte sich als Familienausflug nach Südamerika. Als ich vorher meinem Kumpel sagte, daß der Film Überlänge hat, war er erst nicht sehr begeistert, da er nicht so viel Sitzfleisch für lange Filme hat, aber als der Abspann lief, zog er einen Flunsch und meinte: "Schon vorbei?" Mir selbst kam der Film auch nicht gerade besonders lang vor.
Danach hatten wir in Prenzelberg jede Menge Auswahl an Bars und Cafes. Zuerst wollten wir in ein offenes Dachcafe, es war aber ganz gut, daß wir uns anders entschieden, denn nachdem das Wetter anfangs den Eindruck machte, wieder etwas freundlicher werden zu wollen, fing es abends erneut an zu regnen. Wir saßen zwar auf der Straße, aber zum Glück war es überdacht. Ich aß ein Vier-Käse-Omelett mit einer Brennessel - ich hab zweimal hingeschaut, ob es tatsächlich Brennessel ist, denn ich weiß zwar, daß man Brennessel kochen kann, aber als Garnierung hab ich das noch nicht gesehen. Und es wirkte dann doch irgendwie so wie Unkraut, weshalb ich sie nicht mitgegessen hab. Die Gelegenheit war natürlich günstig, um die letzten Neuigkeiten auszutauschen. Ich erkundige mich meist nach seinen alten Kumpels, die ich ja auch noch alle kenne, da wir früher regelmäßig zusammen um die Häuser und durch die Diskotheken gezogen sind. Viele sind inzwischen verheiratet, haben Kinder und/oder sind aus Berlin weggezogen, aber was ich über Th. höre, erschüttert mich immer wieder. Daß er einige Male wegen Prügeleien im Knast war, konnte ich mir bereits schwer vorstellen, aber jetzt soll er sogar drei Jahre wegen Einbruch absitzen. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, weil ich ihn als so ruhig und lieb in Erinnerung habe und das auch mit Alkohol. Ein bißchen erschüttert mich außerdem die Tatsache, daß Herr Luchterhand aus meinem noch unvollendetem Roman ebenfalls drei Jahre wegen Einbruch gesessen hat, aber ohne daß ich das von Th. wußte, als ich das schrieb. Ein wirklich seltsamer Zufall.
Ein großer Spielplatz für Erwachsene und Kinder. Während die Kinder draußen spielen, gibt es für die Erwachsenen einzelne Zimmer, die sich "Blogs" nennen. Jeder Blog ist das genaue Abbild seines Besitzers und wird durch ihn gekennzeichnet, auch wenn er zur Zeit nicht im Blog anwesend ist. Jeder, der will, kann hinein oder hinaus gehen, oder auch länger bleiben und sich mit anderen zu einem Gespräch oder einer Party treffen. Außerdem sind alle Blogs miteinander durch Türen verbunden, durch die man in den nächsten Blog gelangt. Ich befinde mich im Blog einer Schauspielerin und treffe dort zufällig meine frühere Mitschülerin St. R.. Wir unterhalten uns über verschiedene Dinge, auch tiefergehende, und ich erkläre ihr überzeugt, daß man Negatives durch seine eigene Einstellung verändern und zu etwas Positivem machen kann. Wenn man zum Beispiel etwas tun muß, wozu man gar keine Lust hat und das man einfach schrecklich findet, ist es möglich, den eigenen Blick darauf so zu ändern, daß sich sogar Einstellung und Motivation ändern, indem man sich auch die positiven Auswirkungen und Seiten dessen bewußt macht. Dann fällt mir urplötzlich mitten im Gespräch ein, daß ich letzte Nacht von St. geträumt habe. Das finde ich kurios und so sage ich völlig zusammenhanglos und unvermittelt: "Ich habe letzte Nacht von dir geträumt.". St. ist natürlich neugierig und fragt nach, was ich denn genau geträumt hätte. Und sofort mit dem Erzählen kommt auch die Erinnerung an den Traum wieder, der mir jetzt lebendig vor Augen steht und völlig mühelos und ohne daß ich selbst überhaupt mitbekomme, was ich erzähle, meinen Lippen entströmt. Erst als St. auf einmal ein völlig erstauntes Gesicht macht, fällt mir auf, daß ich von meinem Kumpel erzählt habe. Dies tat ich ebenfalls davor in unserem Gespräch und jetzt wird mir klar, warum sie so überrascht ist. Es ist, als hätte ich im Traum unser Gespräch vorweggenommen. Das ist mir selbst gar nicht aufgefallen. Ich berichte ihr außerdem davon, wie sie mit einer weißen Federboa auf einem weißen Seil sitzt (ein Bild, daß ich als Teil meines Traumes im Traum deutlich vor mir sehe). Sie muß darüber lachen, denn sie kann sich sich selbst wohl nicht mit einer Federboa vorstellen. In der entstehenden Pause schaue ich mich um und entdecke hinter einem Zaun einige kleine Kätzchen. Die sind so süß, daß ich St. sofort auf sie aufmerksam mache. Ihr fällt ein, daß sie weg muß, denn ihre Kinder sind auf dem Spielplatz. Sobald sie gegangen ist, trete ich ebenfalls hinaus und bemerke, wie ein junger Mann den gesamten Spielplatzkomplex mit einem weiß-roten Absperrband umschließt. Er scheint dabei irgendwie am Himmel zu schweben und auch das Absperrband schlingt sich ziemlich weit oben um Türme und Dächer. Dabei schaut er mich an und lächelt. Es ist ein zugleich seltsames und wohltuendes Lächeln, so als würde er mich kennen und mich liebevoll bei meinen Aktivitäten auf dem Spielplatz beobachten. Ich bin irritiert und überlege gleichzeitig, ob es schon so spät ist, daß niemand mehr auf den Spielplatz darf. Ein Blick auf die Armbanduhr zeigt genau 9 Uhr abends an, also meines Erachtens überhaupt nicht spät. Doch gleich darauf erfahre ich, daß einige Kinder von hier verschwunden sind. Aha, deshalb das Absperrband. Zur Absicherung des Tatortes. Die Zahl der Kinder ist nicht genau auszumachen. Sie schwankt zwischen drei und fünf, pendelt sich dann bei der vier ein. Vier Kinder sind gleichzeitig verschwunden. Mir fällt ein, daß hier auch schon früher vereinzelt Kinder vermisst wurden, aber nie vier auf einmal. Anscheinend treibt in dieser Gegend ein Perverser sein Unwesen, wie schrecklich. Zurück im Blog ist St. noch immer fort. Kein Wunder, sie wird sich Sorgen um ihre Kinder machen und lieber auf sie aufpassen. Mein Blick fällt auf eine Küchenanrichte, deren verglastes Oberteil mit Büchern gefüllt ist. Ich suche mir zwei heraus, welche mich interessieren und entdecke gleichzeitig an sehr dünnes Büchlein, auf der Anrichte liegend. Ich lese etwas von "Straße der Finsternis". Ist das nicht dieser Lynch-Film? (Ich denke dabei an "Lost Highway", dabei gehört der Begriff als Nebentitel zu "Mulholland Drive".) Oh, super! Das könnte der Roman dazu sein, den nehme ich mit. Doch sobald ich das Buch in den Händen halte, kommen mir Bedenken. Vielleicht ist das ja ein aktuelles Drehbuch, welches die Schauspielerin für ihre Arbeit braucht. Und wenn der Film noch nicht fertig ist, soll das Drehbuch sicherlich geheim bleiben. Vorsichtshalber lege ich das Büchlein zurück an seinen Platz und prüfe dabei noch einmal genau, was auf dem Titel steht. Da steht: "Ischatologische Abhandlung über die Sezession von der "Straße der Finsternis". Merkwürdiger Buchtitel. Ich kann mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen.
Bemerkung: Wenn man statt "ischatologisch" "eschatologisch nimmt, würde es entfernt Sinn machen.
Es stecken Erinnerungen im IKEA-Restaurant. Ganz plötzlich und unerwartet verliere ich mich, erinnere weniger Geschehnisse, als vielmehr, mit einem Blick auf den Boden, der nicht zum Horizontalen, sondern zum Kausalen gehört, daß ich so grässlich müde war. Bei den eher seltenen archäologischen Befunden und Funden sind die konservierenden Kräfte des Farnkrautes fast ganz ohne Sauerstoffmaske ziemlich schlecht. Letzte Woche wunderte ich mich noch in einer Welt voller Phantasie. Gibt es fliegende Teppiche? Ich suchte meinen Kumpel. Irgendwo mußte er sich im Jahr 2040 herumtreiben. Schade, daß der Blutdruck in der Kajüte des Schiffarztes gefährlich anstieg. Er schläft friedlich und trägt eine Brille. Ich konnte das nicht glauben und diagnostizierte eine symptomatisch verfestigte Arbeitsallergie. Heute hat er recht. Man träume einfach und praktisch.