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Sonntag, 20. Februar 2011

Dämonisch

Dämonisch

Traumsplitter

In diesem großen Klinikbetrieb mit ineinander übergehenden mehrfach belegten Krankenzimmern gibt es mehr als genug Patienten. Und trotzdem fühle ich mich hier ziemlich verloren und allein. Die Zeit zieht sich träge zwischen Aufstehen und Hinlegen, endlos. Ab und an sitzt man am Tisch und unterhält sich. Männer und Frauen sind zusammen und bunt gemixt untergebracht. Dadurch freunde ich mich mit einem blonden, etwas kleineren Mann im gleichen Zimmer an. Er ist verheiratet und hat eine Familie zu Hause. Wir sitzen öfter auf seinem Bett und führen lange Gespräche. Während ich mal wieder ziellos und etwas gelangweilt durch das Zimmer geistere, kommt die Oberschwester und erzählt mit kopfschüttelnd, Rudi Völler wäre in der Klinik und hätte von ihr gewollt, daß sie noch um 16 Uhr jemanden anruft. Als ob man um 16 Uhr noch jemanden erreichen würde, wenn alle längst Feierabend machen. Aber er tat so, als sei es früh am Morgen. Nun ja, antworte ich, vielleicht ist er einer der Menschen, die lange schlafen. Sie nickt und geht. Erneut laufe ich ziellos zwischen Tisch und Tür umher, mal ein Wort da und dort anbringend. Verloren in einer Zeitschleife des Klinikbetriebs wie alle anderen Patienten in Nachthemden um mich herum. Sex hatte ich auch lange nicht mehr. Wenn man so viel Zeit in einer Klinik verbringt, gibt es kaum bis gar nicht Gelegenheit dazu. Ok, Sex ist keine Lösung, täte aber mal wieder gut. Doch der einzige Mann, der dafür in Frage käme, von denen, die mir hier zur Verfügung stehen, wäre mein neuer Bekannter, und der könnte es vielleicht falsch auffassen, wenn ich ihn frage. Schließlich will ich nur ein wenig körperliche Zuwendung, und er ist ja ebenfalls lange genug hier begraben. Irgendwann frage ich ihn, so wie man jemanden darum bitten würde, eine Zeitung mitzubringen: Schläfst du mit mir? Und er läßt sich nicht zweimal bitten. Es ist ein Akt der Nächstenliebe, eine Hilfsaktion zwischen Freunden, aber es ist warm und gut, wenn er seine Arme um mich legt und in mich eindringt.

Samstag, 19. Februar 2011

Die Rubrik "Unversöhnliche Lyrik" - Gedichte meines Vaters

kann wieder eröffnet werden, denn meine Mutter hat noch ein ganzes Büchlein voll früher Jugendgedichte meines Vaters gefunden. Diese sind im Alter zwischen 17 und 19 Jahre entstanden und meist eine Mischung aus jugendlich naiver Liebeslyrik und akademischem Versmaß. Fast interessanter als die Gedichte sind jedoch die Bleistiftanmerkungen meines Vaters dazu. Anscheinend hat er zu jedem Gedicht, das er über eine seiner Angebeteten geschrieben hat, die Initialien derjenigen welcher dazu vermerkt, aber auch mit den Initialien anderer Männer die Zeilen gespickt, in denen er sich über einen Mitbewerber beklagt. Und bei den Angebeteten dürfte es sich nicht um meine Mutter gehandelt haben, da die am häufigsten erwähnten Initialien (H.D.) einen gemäß den Gedichten blonden Engel bezeichnen, während meine Mutter schwarzhaarig war. Dann taucht mal eine "Heimliche Liebe" auf (K.Z.), oder eine Wanderin (C.U.), die aber nicht dauerhaft inspirierend waren. Mit Bleistift ist auch das erste Gedicht meines Vaters von ihm in der Nachlese gekennzeichnet worden, sowie ein Gedicht, welches er scheinbar tatsächlich der Empfängerin vorgetragen hat, "vorgetragen am 10.07.1948 in Cottbus" steht darunter. Ob er wohl Erfolg damit hatte? Interessieren würde mich aber auch, wo die Gedichte meines Großvaters abgeblieben sind, die ich einmal in den Händen hielt. Diese sind bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Speed

Speed

Traumsplitter

Ich sitze neben meiner ehemaligen Chefin. Diese hält ein Schreiben in ihren Händen. Meine Augen gleiten neugierig hinüber und ich erkenne, daß es um mich geht. Anscheinend ist es meine neue Beurteilung. Einen Satz kann ich ganz lesen. Er lautet in etwa: "Zuckerwattewolkenmond ist niemals mürrisch (o.ä.), sondern streut überall wo sie hinkommt Zucker." Oh, wow....ich bin von der positiven Meinung über mich ziemlich beeindruckt.
Mein Wohnzimmer, völlig leer bis auf einen Büroteppichboden und verschiedene Fax- und Bürogeräte, die herumstehen. An dem einen blinken plötzlich die Wähltasten, ohne daß irgendetwas klingelt oder sich weiter tut. Ich bemerke, daß etwas auf dem Balkon vorgeht und glaube, daß dies in Zusammenhang mit den seltsamen Blinkzeichen steht. Als ich nachschauen will, fliegt eine große Ringeltaube in mein Wohnzimmer, spaziert ein wenig herum, und macht sich dann wieder aus dem Staub. Das Bürowohnzimmer wandelt sich nun in mehrere Büroräume auf Arbeit. Aber alles ist so seltsam anders und vor allem neu. Neue Büromöbel, neue, viel kleinere Schreibtische, neue Arbeitsgeräte, aber nirgendwo Arbeit oder Akten. Ich laufe eine ganze Weile umher, zwischen neuen Möbeln und vielfach unbekannten Kollegen, um einen Platz zu finden, der wohl für mich vorgesehen ist, finde aber keinen. Weder gibt es einen Schreibtisch für mich, noch Arbeit. Ich sollte mich bei den Vorgesetzten beschweren. Wie soll man denn so arbeiten?

Freitag, 18. Februar 2011

Seltsame Suchbegriffe

Heute kam jemand mit dem Suchbegriff "reha mafia" auf mein Survival-Abenteuer. Daß es in der Reha-Branche aber inzwischen sogar schon eine Mafia gibt, ist mir neu (würde mich jedoch nicht wundern).

Weitere Begriffe des letzten Monats:

Sehr beliebt bereits seit Jahren - "Mumie basteln" und diverse Abarten. Es scheint einen hohen Bedarf an Mumien zu geben.

"Papst isst öffentlich"

"Gähnen eine versteckte Krankheit"

"Friedhofsgärtner Fridolin" - wer immer das ist

"was macht die tänzerin aus dem schokoladenmädchen heute"

"neue red bull werbung wie zu verstehen" - Wetten das war ein Mann?

Abschreckender Auftritt

In einer neuen Wohnung bei einem anderen Vermieter liege ich wach in meinem Bett. Ich trage eine weiße Zipfelmütze und dazu ein wadenlanges weißes Männernachthemd, so wie man sie von früher kennt. Damit dürfte ich aussehen wie eine Mischung aus Wilhelm-Busch-Karikatur und Blacky Fuchsberger in seiner legendären Nachthemdsendung, aber natürlich alles ohne Haare. Es klingelt an der Tür. Ich jedoch bleibe liegen und habe nicht vor zu öffnen. Es klingelt ein zweites Mal, ich reagiere nicht. Dann höre ich plötzlich verdächtige Geräusche und Stimmen. Eine Stimme kommt mir sehr bekannt vor, sie klingt wie die eines jungen Angestellten des Vermieters. Ich ahne bereits, was vor sich geht und beschließe, gleich zum Gegenangriff über zu gehen und mich nicht erst im Bett erwischen zu lassen. Als ich die Schlafzimmertür öffne, stehe ich mehr als dreißig Leuten gegenüber, die gemächlich durch meine Wohnung wie durch ein Museum schlendern. Wohnungsbesichtigung mit potentiellen Mietern. Da ich in einer schwächeren und dazu noch sehr lächerlichen Position bin, weiß ich mir nicht anders zu helfen, als mit einer wütenden Schimpftirade vorzupreschen. Ich schreie den Mann von der Vermietung an, was ihm einfällt, ungebeten und heimlich in meine Wohnung einzudringen und daß er ja wohl einen Termin hätte mit mir vereinbaren müssen. Die ersten Leute, die mich anfangs wie die Erscheinung eines Geistes angestarrt haben, schütteln empört die Köpfe und verlassen entsetzt von der Dreistigkeit des Vermieters die Wohnung. Sie wissen bereits, daß sie bei so einem Vermieter nicht anmieten wollen. Andere gehen zwar aus der Wohnung, sammeln sich aber unschlüssig im Hausflur. Auch als alle Eindringlinge meinen Privatbereich verlassen haben, lasse ich mit dem Schimpfen nicht nach. In einige Nebensätze baue ich dabei die Chemo ein und beschwere mich darüber, daß man von jemanden, der gerade eine Chemo mitmacht wohl nicht erwarten könne, ständig zur Verfügung zu stehen. Zwar sieht man das an meinem Äußeren, aber manche Leute erkennen es vielleicht doch nicht so offensichtlich, wenn man sie nicht darauf hinweist. Und tatsächlich ziehen jetzt die restlichen Besichtiger ab, entsetzt darüber, daß man eine "arme krebskranke Frau" so in ihrer Wohnung überfällt. Ich bin sehr zufrieden mit mir und meinem Auftritt. Alle potentiellen Mieter sind vergrault und der Vermieter wird es sich sicher überlegen, ob er so etwas ohne offizielle Teminabsprache mit mir noch einmal veranstaltet. Ich bin so zufrieden, daß ich für die letzten Fliehenden schnell noch ein paar Tränchen verdrücke, damit ihnen mein zufriedenes Gesicht nicht auffällt. Denn die Schlacht ist längst geschlagen und alle Eindringlinge sind verjagt.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Mangelnde Hygiene und die Folgen in deutschen Kliniken

http://wstreaming.zdf.de/zdf/300/110214_keime_wis.asx

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1260256/Gefährliche-Keime-in-deutschen-Kliniken?flash=off

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/sendung-verpasst/#/beitrag/video/1260256/Gef%C3%A4hrliche-Keime-in-deutschen-Kliniken

Ich weiß schon, warum ich nicht ins Krankenhaus möchte. Allerdings würde ich auch in den Niederlanden nicht gerne in eine Klinik gehen, obwohl man es dort mit Hygiene anscheinend etwas ernster nimmt. Und daß man ohne richtige Nachversorgung von Operationsnarben wieder nach Hause geschickt wird, scheint mir wohl nach meiner Erfahrung der Standard zu sein. (WISO-Sendung vom 14.2.2011)

...

Die Psychologie des Schaffensprozesses ist heutzutage noch wenig erforscht. Das erklärt sich aus der ungewöhnlichen Kompliziertheit dieses Prozesses, der bei verschiedenen Schriftstellern sehr unterschiedlich verläuft und sich nur schwer in die Grenzen irgendwelcher genauen Formeln oder Gesetze zwängen läßt. Mitunter ist er auch den Schriftstellern selbst unerklärlich. Die meisten von ihnen können nur wiedergeben, was sie empfinden, während sie etwas schaffen, aber sie sind nicht in der Lage, das, was dabei in ihnen vorgeht, zu erklären; sie können den Schaffensprozeß einfach nicht nüchtern analysieren und sein Wesen ergründen. Das weist diesen schöpferischen Vorgang als eine so unmittelbare Funktion unseres Bewußtseins aus, daß er selbst seinen Trägern oft unfaßbar bleibt. Viele Schriftsteller wird man vergeblich nach dem Wesen des Schaffensprozesses fragen. Sie vermögen nicht zu antworten, wie ja auch die Vögel nicht erklären können, wie sie ihre Lieder singen.
(aus "Begegnungen mit Dichtern" von Konstantin Paustowski)

Mittwoch, 16. Februar 2011

Manchmal

habe ich ja den Verdacht, daß meine Zahnärztin in diesem Blog mitliest. Kaum hatte ich hier darüber sinniert, wie unheimlich gerne ich mal wieder eine dieser ursprünglichen, puren und archaischen Zahnbehandlungen ohne Betäubung genießen würde, bekomme ich knapp eine Woche später eine nette Einladung von ihr. Anscheinend schickt sie mir jetzt jedes Jahr eine Karte, wobei die letzte noch nicht ganz ein Jahr her ist, sondern erst vom Mai. Danke, sehr aufmerksam, aber was ich schrieb war nicht wirklich ernst gemeint.
Und in der Arztpraxis belauschte ich heute ein Gespräch zwischen zwei anderen Chemo-Patientinnen. Die eine, ganz neu und vor der ersten Chemo, will wissen, was denn nach den Behandlungen mit dem Port passiert. Die andere antwortet, eine Ärztin hätte gesagt, die meisten würden den Port behalten, weil er so schön praktisch wäre. Oh ja, ich kann mir nichts Praktischeres vorstellen, als so ein buckliges Implantat unter der Haut zu tragen, das aussieht, als würde da jeden Moment ein Alien rausschlüpfen. Im Sommer sieht man das sogar unter dem T-Shirt. Und wer weiß, was da noch drin ist. Vielleicht kann man mich inzwischen schon über GPS orten und ich weiß noch gar nichts davon. Elektronische Brustfesseln sozusagen...

Gleichung mit Unbekannten

Es ist früh um 7 Uhr und ich sitze bereits in einem Seminar an der Fachhochschule. Der Seminarraum ist klein, mit wenigen Studenten und wir alle starren schweigend an die Tafel. Auf dieser wurde eine mehrere Zeilen lange Gleichung mit vielen Unbekannten, Brüchen und Klammern hinterlassen. In meinem Kopf herrscht gähnende Leere. Weder habe ich solch eine Gleichung schon einmal gesehen noch irgendeinen Schimmer, was das alles bedeuten soll. Den anderen scheint es ähnlich zu gehen. Es ist mucksmäuschenstill und auch der Dozent sagt kein Wort. Schließlich geht ihm aber die Geduld aus und er bemerkt lächelnd, wir sollen doch bitte nicht so tun, als hätten wir sowas noch nie im Leben gesehen. Echt jetzt? Also ich könnte beinahe schwören, daß es so ist. Dann muß ich wohl entweder nicht aufgepaßt haben oder ich fehlte gerade. Vielleicht ist das auch wieder diese verdammte Differentialrechnung. Die habe ich noch nie kapiert. Um 8 Uhr verlasse ich das Seminar und beschließe, erst einmal ein Frühstück zu benötigen. Es ist noch dunkel draußen und die Kantine der Fachhochschule leider zu dieser frühen Stunde geschlossen. Da der Unterricht aber erst um 9 Uhr weitergeht, hätte ich genug Zeit, irgendwo in die Stadt zu fahren, wo ich mir ein Frühstück besorgen kann. Gleich in der Nähe muß eine U-Bahn-Station sein. Etwas ziellos irre ich durch eine Stadt, die Berlin sein soll, aber wenig Ähnlichkeit mit ihr hat. Auf dem schmalen Weg über einen Hinterhof laufen langsam und gemächlich zwei alte Frauen vor mir. Während ich sie überhole, höre ich sie von blauen Schmetterlingen reden. Auf einer riesigen Kreuzung angekommen, finden sich hier nun tatsächlich mehrere U-Bahn-Eingänge. Doch ich gehe stattdessen durch einen Hauseingang und Torbogen, welcher auf eine kleinere hintere Straße führt. Während ich noch die Straße weiter hinunterlaufe, drehe ich mich um und bemerke, daß sie von hinten wie eine Sackgasse aussieht. Dunkle Häuser mit hohen Giebeln versperren scheinbar den direkten Weg und von dem Durchgang ist von hier aus gar nichts mehr zu sehen. Wer weiß, ob ich ihn wiederfinden würde. Plötzlich möchte ich doch wieder zur Kreuzung und mache kehrt. In einer Nische finde ich ziemlich schnell den Zugang, aus dem ich gekommen bin, doch anscheinend führt der Weg zurück durch ein Krankenhaus. Labyrinthähnlich führen viele Türen von einem Raum zu anderen Räumen. Ab und zu stehen Krankenbetten mit regungslosen Kranken in irgendeiner Ecke. Den Weg hinaus zu finden ist nicht ganz einfach. Immer wieder öffne ich Türen zu Krankenzimmern und entschuldige mich schnell für die Störung. Schließlich frage ich eine Krankenschwester, die mir die richtige Tür zeigt und augenblicklich stehe ich erneut an der großen Kreuzung.

Montag, 14. Februar 2011

Die Kathedrale in Dresden

Kathedrale 2

Nichts bleibt

wie es ist. Während früher (und damit meine ich vor ca. sieben Jahren) ein Blogbeitrag über das Bloggen an sich noch lange und mehr oder weniger aufgeregte Diskussionen hervorrief, loggt lockt er heute keinen Blogger mehr hinter der Tastatur hervor. Das ist verständlich und war vorherzusehen. Anscheinend hat man sich endlich stillschweigend darauf geeinigt, daß es ungefähr so viele Gründe und Arten des Bloggens gibt, wie Gründe und Arten zu leben.

Erdbeeren im Februar und moderne Kunst

Manchmal habe ich den Verdacht, es ist ein verdammt abgekartetes Spiel, daß die ersten, noch halb grünen Erdbeeren jedes Jahr pünktlich zum 14.2. auf den Markt geworfen werden. Aber egal, heute sind sie genau das Richtige, wenn auch das Aroma nie an das der echten Sommererdbeeren heranreicht. Sie sind wie ein Versprechen, von dem man noch nicht weiß, ob es gehalten werden wird oder nicht, aber nichtsdestotrotz tröstlich. Und sie erinnern mich an eine Szene des unvergleichlichen Films "Immer Ärger mit Harry" des unvergesslichen Alfred Hitchcock, die, in welcher ein junger Künstler als großes Kunstgenie entdeckt und gefragt wird, was er für seine Werke haben möchte. Er will darauf von seiner Angebeteten wissen, was sie am liebsten auf der ganzen Welt mag und sie antwortet: "Erdbeeren! Erdbeeren mag ich am liebsten!" Und er bestimmt, daß sie ab jetzt jeden Monatsersten zwei frische Kartons Erdbeeren bekommen soll. Großartige Szene.

Samstag, 12. Februar 2011

...

...

Das Wochenhorroskop hatte unrecht.

Es funkelt noch immer kein einziger Stern an meinem Gedankenhimmel. dem es sich lohnt zu folgen. Nur daß ich niemals mehr im Leben, niemals, niemals, noch einmal eine Chemo machen möchte, das weiß ich. Ich fühle mich im Infusionssessel wie auf dem elektrischen Stuhl und ich glaube, die Schwester denkt, daß ich etwas unfreundlich bin, da eher kurz angebunden und mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Dabei versuche ich nur, die Fassung zu bewahren, denn lieber würde ich mich auf den Boden werfen und mit Händen und Füßen um mich schlagen. Ich bin eben kein Held. Es gibt diese Patienten, die bei allem noch lächeln und einen Scherz auf den Lippen haben. Die sind überall beliebt. Ich gehöre nicht dazu. Eigentlich bin ich, wenn es darauf ankommt, nie so, wie ich gerne sein würde. Wohl eher der typische Antiheld und Angsthase sowieso. Und ich finde, daß mir das Leben durchaus mal wieder seine angenehme Seite zuwenden könnte. Immer nach der Chemo, wenn mein Geist außerhäusig ist, weile ich dort, auf dieser mir abgewandten Seite. Ich erinnere mich an die ausgelassenen Momente mit meinen Kumpels, durchtanzte Sommernächte, an all die wirklich romantischen Momente, mit ihren unvergessenen Blicken und Gesten, an diejenigen, die meinem Herz nahestanden und auch heute noch nahestehen, an lange schmerzfreie Sommertage mit wundervollen Entdeckungen an unbekannten Orten und an versteckte Idyllen, die man nur an einem besonderen Tag, zu einer bestimmten Uhrzeit tatsächlich sehen kann, als hätte jemand einen Zauber über sie geworfen. Wenn man vorher wüßte, daß die leichten Zeiten so schnell vorbei sind, würde man sie in der Jugend vielleicht mehr genießen. Und es ist ja nicht so, daß einem dies nicht gesagt würde. Aber so lange man nicht selbst die Erfahrung macht, nimmt man solche Ratschläge der Älteren doch nie richtig ernst.

Dienstag, 8. Februar 2011

Geputzt,

den ganzen Tag, gegen die Angst, gegen die Gedanken an das, was folgt, und weil ich dann eh mal wieder eine Weile ausgeschaltet bin. Mit Rückenschmerzen ein besonderes Vergnügen. Hatte überlegt, Schmerzmittel zu nehmen, aber in Verbindung mit dem ganzen Zeug, das ich morgen bekommen werde, entschied ich, wäre es besser, darauf zu verzichten. Hab ja schließlich genug Zeit, um mich wieder gerade zu biegen. Irgendwie. Ich will nicht. Ich mag nicht. Und es gibt gewisse Dinge im Leben, die macht man allein...

Montag, 7. Februar 2011

...

Und da gehst du
gehst und gehst

das Eis dünn
die Risse tragen
noch

Und da gehst du
gehst und gehst

ringsumher
nur Dunkelheit

hörst ihn noch sagen

und da gehst du
gehst und gehst

die Kälte bricht
sich Raum bis
in deinen Kern

und da gehst du
gehst und gehst

nicht die Worte
sondern die Absicht

nicht die Worte
sondern ihr Klang

und da gehst du
gehst und gehst

ein Fuß vor den anderen

wunderst dich,
daß dein Körper
nicht zerbricht

und da gehst du
gehst und gehst

und nirgendwo
ein Ankommen

Das Wochenhorroskop sagt:

"Geistesblitze reißen Sie aus dem Schlaf.
Sie werden in der ersten Wochenhälfte jeden Morgen aufwachen und tolle Ideen für den Tag haben. Mars und Sonne inspirieren Sie jetzt zu Geistesblitzen, die sie Ihnen in der Nacht zukommen lassen. Ob Sie davon auch etwas umsetzen, liegt nur an Ihrem Willen. "

Definitiv hätte ich gegen ein paar Geistesblitze nichts einzuwenden. Ich fühle mich eh so unbesternt. Doch sie sollten sich beeilen, denn ab Mittwochnachmittag dürfte das schwierig werden und wenn mir das Horroskop für Mittwoch sagt: "Der Abend wird wunderschön. Sie finden Entspannung und lassen es sich gut gehen.", dann weiß ich es besser. Nach der Chemo weilt mein Geist außerhäusig, während mein Körper sich in ein gestrandetes Sofawrack verwandelt. Vor der Nacht graut mir unendlich und viel Schlaf dürfte auch diesmal nicht drin sein. Aber das wäre noch das harmloseste Problem. Ich ertappe mich dabei, daß ich den Terminen der Chemotherapie inzwischen genauso entgegensehe, wie früher den ersten Arbeitstagen nach dem Urlaub. Schon eine Woche vorher bin ich gereizt und denke mit Schrecken an die Postberge, bzw. Infusionsbeutel, die mich erwarten. Mir ist, als würde ich schon sofort kotzen, wenn ich nur so einen Beutel noch einmal riechen muß. Immerhin ist es die letzte "große" Infusion. Trotzdem ist mir bei dem Gedanken, danach wöchentlich Chemo zu bekommen, nicht wohl, obwohl mir die Ärztin sagt, daß weniger Nebenwirkungen zu erwarten sind. Übelkeit und Erbrechen träten in der Regel nicht mehr auf und was meine sich stetig verschlimmernden Rückenschmerzen betrifft, erhofft sie sich ebenfalls Besserung. Dafür träten allerdings gewisse "Mißempfindungen" an Fingern und Zehen auf. Ach, sage ich, die hab ich jetzt auch schon in Form von Taubheit. Doch sie schüttelt mit dem Kopf und meint wohl etwas anderes. Das könnten durchaus richtige Schmerzen sein. Wie nett! Die jetzigen reichen natürlich nicht. Bei den Rückenschmerzen bin ich skeptisch, da die Chemo genau die Schmerzen an den "lädierten" Stellen verstärkt, so als wäre plötzlich eine Art betäubender Schleier weggefallen, und sie sich nicht wie allgemeine Knochenschmerzen anfühlen. Ich versuche mir einzureden, daß die Chemo eventuell einen positiven Effekt auf den Rücken hat und was sich da tut ebenfalls positiv ist, auch wenn ich nicht wüßte in welcher Art. Vielleicht spielen jedoch nur die Nerven bei der Chemo verrückt, denn eine Mitpatientin erzählte mir heute, wie ihr ein plombierter Zahn anfing zu muckern und der Zahnarzt ihr wegen der Chemo keine Betäubung geben wollte. Das würde mir gerade noch zu meinem kleinen masochistischen Glück fehlen. Unglaublich, was man im Laufe seines Lebens alles so mitmachen muß.

Lenormandblatt

Sonntag, 6. Februar 2011

Torgang

Torgang

...



Kommt mir bekannt vor, jedenfalls wissen wir bis heute nicht, wie es die Katze geschafft hat, einen 2m hohen geschmückten Weihnachtsbaum in die Horizontallage zu bringen.

Papst isst Schoki-Weihnachtsmann

In einem betrieblichen Fitnessstudio, wo der Vorraum gleichzeitig als Aufenthalts- und Warteraum, sowie als Bar genutzt wird. Ich warte dort auf irgendetwas und meine Mutter sitzt etwas entfernt hinter einem Tisch mit Umzugskartons hinter sich und wartet ebenfalls auf jemanden, der mit dem Auto zurückkommen wollte. Ich gehe zu ihr hinüber und entdecke auf dem Boden einige als Geschenke eingepackte herzförmige Pralinenschachteln. Es sieht so aus, als wurden die extra so hingelegt, daß jeder sich eine mitnehmen kann, aber ich bin mir nicht sicher deshalb und lasse sie liegen. Mit meiner Mutter redend, entdecke ich den Papst neben ihr hinter einer Abschirmung sitzend. Als er bemerkt, daß ich ihn sehe, greift er sich einen Kinderschokolade-Weihnachtsmann, der auf dem Tisch liegt, packt ihn halb aus, legt den Kopf zurück und schiebt sich den Kopf des Schokomannes in den Mund um abzubeissen. Dies alles ein wenig inszeniert und um Aufmerksamkeit zu erhalten. Meine Mutter hat ihn hinter der Abschirmung jetzt auch entdeckt und geht vor Kichern über diesen Anblick fast in die Knie. Jetzt beginnt mir der Papst etwas zu erzählen, das nicht so leicht zu verstehen ist, da er die schleppende Sprache Wojtylas hat. Das Gesicht und die Augen sind jedoch die Benedikts. Er traue sich nicht so richtig, so etwas zu essen. Nun ja, dies scheint nicht schlimm zu sein, schließlich hat er ja bereits abgebissen. Anscheinend sucht er einfach ein Gespräch, weil er sich hinter der Abschirmung einsam fühlt, also höre ich zu, nicke und frage schließlich: "Aber schmeckt doch, oder"? "Oh, jaaaa." antwortet er mit seiner dunklen Stimme.

...

Der silberhaarige Dr. Sch., Pfarrer i.R., am Fenster gurrende Tauben und krächzende Krähen mimend, wenn ich auf dem Hof spielte. Die alte Frau von ganz oben, die mir ab und zu Bonbons hinunterwarf. Der dicke Herr H., der seinen Weg zum Küsteramt ging, und sich nie aus der Ruhe bringen ließ, wenn ich ihn den dicken Herrn H. nannte. Die Katze, die am Küchenfenster maulte, weil sie auch hinauswollte. Der Kantor mit den langen Händen, fröhlich am Fenster eine Melodie pfeifend. Der schweigsame Hausmeister, nach dem rechten sehend, und mir mit dem Finger drohend. Die Zigarettenkippen, wie Schätze in den Pfützen schwimmend. Als die Welt noch in Ordnung war...