Alien
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Samstag, 5. Februar 2011

Jemand schrieb

mir heute, er erwarte von seinem Partner, daß dieser in einen nebligen Abgrund spränge, wenn er sage, er fange ihn auf. Und dieser müsse mit ihm durch die Hölle gehen. Nein, nein, so etwas will und brauche ich auf keinen Fall. Ich brauche niemanden mit blindem Gehorsam, der alles tut, was ich sage, überall hingeht, wo ich ihn hinschicke, wenn ich tatsächlich so größenwahnsinnig geworden sein sollte, zu glauben, alles zu können und zu wissen. Bei meinem schlechten Orientierungssinn würde das sowieso ziemlich strapaziös werden. Ich erwarte auch von niemanden, daß er mir bis in die Hölle folgt. Im Gegenteil, lieben bedeutet für mich, alles zu tun, um dies zu verhindern.

Marienkäfer auf linker Brust

Ich erwache in den Traum hinein und fühle mich sehr merkwürdig. Es sind nicht direkt Schmerzen, eher so ein schummriges Gefühl, und es dauert eine Weile bis ich merke, daß meine rechte Gesichtshälfte irgendwie taub ist und nicht richtig funktioniert. Immer wenn ich versuche ein Lächeln zu formen, bleibt der rechte Mundwinkel unten. Das beunruhigt mich etwas und ich stehe auf, ziehe mich an, um mit jemandem darüber zu reden. Dabei lande ich in einer Art Versammlungsraum, in dem die Tische u-förmig zusammengeschoben wurden. Viele Leute sind hier, unter anderem meine ehemalige Chefin. Sie ruft mich zu sich und stellt mir eine kurze Frage, die ich zweimal nicht verstehe. Schließlich klingelt es. "Cabi lights?" fragt sie. Also ob ich Cabinet lights habe. Nein, ich rauche nicht - antworte ich. Sie sagt zu mir, es würde allgemein angenommen, daß ich Cabinet lights habe und alles beginnt Tränen zu lachen, auch ich. Vor Lachen (komisch, hier hat es wohl wieder funktioniert - das fällt mir aber erst jetzt auf) hocke ich mich hin und gucke nur noch mit der Nase über den Tisch. Auch meine Chefin lacht Tränen und macht eine Bemerkung wie "Da zerrt man die ganze Zeit an einem Knochen..." Wahrscheinlich soll es weitergehen mit: "Und dann ist es der Falsche." Schließlich gehe ich wieder und meine Chefin wirft mir übermütig eine Kußhand hinterher.

In einem Freibad liege ich barbusig auf einem Hügel und lasse mich von der Sonne bescheinen. Eine Meute junger Leute stürmt den Hügel, vielleicht eine ganze Schule, und mit der Ruhe ist es vorbei. Ich beschließe, noch kurz liegen zu bleiben und dann zu gehen. Es wird eng, den unmittelbar neben mir werden überall Decken ausgebreitet. Auf einer lassen sich ein junger Mann und eine junge Frau nieder. Ein Mariechenkäfer fliegt erst den jungen Mann an und kommt dann in geradem Weg zu mir, sich auf meine linke Brust niederlassend. Der Blick des jungen Mannes folgt ihm, wodurch ich erst bemerke, daß er auf meiner Brust sitzt.

Freitag, 4. Februar 2011

...

Detail

Männer, eine Backanleitung

Bei Herrn Chillingmind habe ich ein Fragebögchen entdeckt, das sich sehr gut für eine gelegentliche Bestandsaufnahme in Sachen Männer eignet:

1. Rosa oder blau: blau
2. Augenfarbe: egal
3. Haarfarbe: egal
4. Größe: möglichst größer als ich
Bemerkung: Wenn ich überall 'egal' schreibe, bedeutet das nicht, daß mir das Aussehen egal wäre. Das Gesamtpaket muß stimmig und er sollte gepflegt sein, wobei ich unter gepflegt einfach sauber meine. Brusthaarexekutionen und Solariumbräune sind nicht notwendig. Was für mich nicht geht, sind extrem übergewichtige Männer und schlechte Zähne. Außerdem habe ich auch eine irrationale Abneigung gegen besonders große Zähne, selbst wenn sie tip top in Ordnung sind. Vielleicht ist das irgendein archaischer Urinstinkt, wenn man nicht gefressen werden will (wahrscheinlich das Rotkäppchensyndrom). Eine Schwäche habe ich dagegen für etwas vorstehende Mäuse-Eckzähne. Den Grund dafür kenne ich ebenfalls nicht. Man könnte meinen, Zähne wären das Wichtigste für mich. Stimmt natürlich nicht, die Augen sind wichtiger, aber ich finde, daß Augen eigentlich fast immer schön sind, zumindest spätestens dann, wenn der richtige Blick in ihnen liegt.

5. Alarmsignale:
Eifersucht. Männer, die schon auf harmlose Kleinigkeiten oder eine falsche Bemerkung mit Eifersucht reagieren, bzw. versuchen mich ebenfalls eifersüchtig zu machen. Egal wie man reagiert, es führt in der Regel zu nichts, außer daß es meinen Fluchtreflex weckt. Gegen irrationale Eifersucht ist kein Kraut gewachsen und ich finde es sehr verletzend, wenn in einer Beziehung kein Vertrauen da ist, bzw. absichtlich zerstört wird. Auch wenn ich damit bereits auf die Nase gefallen bin, vertraue ich in einer Beziehung solange, bis ich eines Besseren belehrt werde, und würde es immer wieder tun. Denn alles andere wäre keine Liebe, sondern Angst.

Geiz. Damit meine ich weniger mir gegenüber als sich selbst gegenüber. Ich kenne einige Männer, die ich durchaus schätze, welche mit Löchern in der Unterhose und in den Socken herumlaufen und für ihre Wohnung nur das Billigste kaufen. Wenn sie das für sich so wollen, ist das ihre Sache und ändert nichts daran, daß ich sie als Mensch schätze. Aber ich könnte mir nicht vorstellen, mit so jemanden eine Beziehung zu führen und immer erklären zu müssen, warum ich lieber 80 EUR für ökologische Satinbettwäsche ausgebe als 20 EUR für Biberbettwäsche aus dem Supermarkt, bzw. 8 EUR für Bio-Gewürze statt 3 EUR für Gewürze aus dem Supermarkt usw.

Männer, die manipulatives oder intrigantes Verhalten irgendeiner Art an den Tag legen. Wenn ich spüre, daß man sich mir gegenüber berechnend verhält, mich in eine bestimmte Richtung, bzw. bestimmte Gefühle drängen möchte oder mit mir spielt, reagiere ich wie ein hochsensibler Seismograph und ziehe mich zurück. Dabei ist es ganz egal, was für Methoden sie anwenden, aber besonders peinlich finde ich Männer, die versuchen, Frauen gegeneinander auszuspielen. Schade dabei ist, daß sich viele Frauen tatsächlich für so etwas einspannen lassen und noch nicht einmal bemerken, daß sie nur Teil eines Machtspieles sind. Überhaupt finde ich Aufrichtigkeit ganz wichtig in einer Beziehung, wobei Aufrichtigkeit etwas anderes ist als Ehrlichkeit. Man muß nicht immer schonungslos ehrlich sein, aber man sollte sich selbst und dem anderen gegenüber in aufrichtigen Absichten handeln.

Männer, die mich unterschätzen. Normalerweise macht mir das nicht so viel aus und manchmal kann es ja auch ganz nützlich sein, aber in der Liebe ist sowas tödlich. Nicht umsonst steckt in "unterschätzen" das Wort "schätzen", das man doppeldeutig interpretieren kann. Wenn ich jemanden schätze, gehe ich automatisch davon aus, daß er nicht zu blöd ist, ein falsches Spiel zu durchschauen und ich handle mit entsprechendem Respekt. Oft sind es gerade die manipulativen und intriganten Männer, die sich selbst als so viel schlauer dünken. Und gerade sie sind es auch, die so unglaublich naiv sind zu denken, daß es zwischen Worten und Handlungen nichts anderes mehr gibt. Und wenn sie dann außerdem noch ein schlechtes Gedächtnis haben, ahnen sie gar nicht, wie schnell sie überführt sind, denn neben einem scharfen Wahrnehmungsvermögen besitze ich auch ein fast fotografisches Gedächtnis, das wahrscheinlich über ihr Vorstellungsvermögen hinausgeht. Manchmal wünschte ich, es wäre anders, aber immerhin bekomme ich so ziemlich schnell mit, auf welcher Ebene jemand zu mir steht.

Kontrollfreaks. Männer die immer alles und jeden unter Kontrolle haben und sich überall einmischen müssen. Im weiteren Umfeld können Kontrollfreaks zwar manchmal ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, aber in unmittelbarer Nähe und auf Dauer sind sie einfach zu anstrengend.

6. Was würdest du tun, wenn er die Zahnpastatube jedes Mal nach dem Zähneputzen offen lässt? Spontan würde ich sagen - nichts, aber wenn es mich doch irgendwann zu sehr stören würde, würde ich wahrscheinlich nach einer Zahnpasta mit Klappdeckel recherchieren und ihn übereden, die zu benutzen.

7. Sportlich oder elegant: Ich finde, die Kleidung sollte einfach an ihm gut aussehen, was er genau trägt, ist völlig egal. Manche Männer sehen auch in Lederhosl oder Schottenrock umwerfend aus.

8. Mit oder ohne Geld: egal

9. Soll er Humor haben? Unbedingt. Allerdings sollte sein Humor zu meinem passen, am besten trocken, und ich mag keine zwanghaften Spaßmacher.

10. Hausmann? Meinetwegen. Im übrigen finde ich es auch sehr beruhigend, wenn er handwerklich nicht zwei linke Hände hat.

11. Schmusetyp? Eigentlich schmuse und küsse ich gerne, aber beim Wort "Schmusetyp" denke ich sofort an die Sorte Klammeräffchen und die sind auf Dauer nervig.

12. Was sollte er beruflich machen? Egal, so lange er dabei ein gesunde Einstellung zum Job behält. Also weder Workaholic noch völlig arbeitsunlustig.

13. Was ist dir noch wichtig? Er sollte kein fanatischer Anhänger des Zölibats sein, aber auch niemand, dessen einziger Lebenssinn darin besteht, einem Fortpflanzungstrieb nachzugehen, für den eine einzige Beziehung generell nicht ausreicht.

14. Sonst noch was? Ich mag Männer, die stets ganz sie selbst sind, mit allem, was sie ausmacht, dabei aber auch reflektiv, die sich nicht verstellen oder blenden müssen, und die andere ebenfalls sie selbst sein lassen können.

Ok, ok, ich weiß, den muß man wahrscheinlich wirklich backen...

...

Ein wenig war er wie dieser Leuchtturm. Er war einsam und unnahbar. Er war hochmütig, zweifellos war er das, und in sich selbst gehüllt. Er war dunkel. In Babel Dark brannte niemals Licht. Die Instrumente waren alle an ihrem Platz und glänzten, doch es brannte nie Licht.
Hätte sie niemals in einem kalten Zimmer Feuer gemacht...
Doch wenn sie schlief, wenn sie allein war, wenn die Kinder still waren, umspülte ihn ihr Geist wie das Meer. Er war immer gegenwärtig. Er war ihr Navigationspunkt. Er bildete die Koordinaten ihrer Position.

(aus "Der Leuchtturmwärter" von Jeanette Winterson)

Donnerstag, 3. Februar 2011

...

Früher war ich hoffnungslos romantisch. Ich bin immer noch hoffnungslos romantisch. Früher glaubte ich, die Liebe sei das Wertvollste überhaupt. Ich glaube noch immer, die Liebe sei das Wertvollste überhaupt. Ich erwarte nicht, glücklich zu sein. Ich glaube nicht, dass ich die Liebe finden werde, was auch immer das heißt, und wenn doch, glaube ich nicht, dass sie mich glücklich machen wird. Ich halte die Liebe nicht für die Antwort oder die Lösung. Ich halte die Liebe für eine Naturgewalt-stark wie die Sonne, genauso notwendig, unpersönlich, gigantisch, unmöglich, sengend wie wärmend, Dürre bringend wie Leben spendend. Und wenn er ausgebrannt ist, stirbt der Planet.
Meine kleine Umlaufbahn umringt die Liebe. Ich wage mich nicht näher heran. Ich bin keine Mystikerin, die die letzte Kommunion sucht. Ohne LSF 15 gehe ich nicht vor die Tür. Ich schütze mich.
Aber heute, wo die Sonne überall und alles Feste nichts als sein eigener Schatten ist, weiß ich, dass die wirklichen Dinge im Leben, die Dinge, an die ich mich erinnere, die Dinge, die ich in meinen Händen hin und her wende, keine Häuser sind, keine Bankkonten, keine Preise und Beförderungen. Woran ich mich erinnere, ist die Liebe-die Liebe zu allem-, die Liebe zu diesem staubigen Pfad, diesem Sonnenaufgang, die Liebe zu einem Tag am Fluss, dem Fremden, dem ich im Cafe begegnete. Sogar die Liebe zu mir selbst, wobei das Selbst von allen am schwersten zu lieben ist, denn Liebe und Egoismus sind nicht dasselbe. Egoistisch zu sein ist einfach. Diejenige zu lieben, die ich bin, ist schwer. Kein Wunder, dass ich erstaunt bin, wenn du es tust.

(aus "Der Leuchtturmwärter" von Jeanette Winterson)

Krebsdiäten und mehr

Gut, da sich Leser inzwischen beschweren, daß es bei mir nur noch Zitate gebloggt werden, schreibe ich eben mal wieder darüber, was mich zur Zeit neben Bücherlesen beschäftigt. Da wären ein eskalierender Konflikt mit meiner Mutter, der mich zu neuen Betrachtungen über die Unart des Nichtzuhörens und des penetranten Aufdrückens der eigenen Lebensweise und Vorstellungen auf das Leben anderer anregt. Eventuell folgt noch ein Beitrag dazu oder auch nicht. Dann ist da die nächste bevorstehende Chemo, die zu denkbar schlechten kosmischen und biorhythmischen Bedingungen stattfindet, so daß mir jetzt bereits besonders vor der darauf folgenden Nacht angst und bange ist. Die erste Nacht danach, die halb schlaflos auf der Couch stattfindet, da ich immer an die Leute denke, die im Schlaf an Erbrochenem erstickt sind, weshalb ich kaum wage viel zu schlafen, ist sowieso immer die schlimmste. Die beim nächsten Termin wird wahrscheinlich noch extra speziell. Aber versuche das mal einem Arzt zu erklären. Ich bin mir nicht mal sicher, ob die jemals etwas von Biorhythmus gehört haben. Und wenn man mit Astrologie kommt, denken sie wahrscheinlich, man hat einen Schatten. Also hoffe ich einfach, daß es bei den normalen Unannehmlichkeiten bleibt und nicht wirklich schwerwiegende Komplikationen eintreten. Und dann sind da die Krebsdiäten. Ich glaube, es gibt kaum eine Krankheit, die so weitreichend mit Ernährung in Verbindung gebracht wird. Schon früher habe ich ständig von Nahrungsmitteln gelesen, die angeblich jeder Krebszelle das Garaus machen und mich gewundert, warum trotzdem so viele Leute Krebs bekommen, wenn es doch so einfach ist. Auch ich habe zum Beispiel viel Himbeeren und Broccoli gegessen, esse ich immer noch, allerdings nicht deshalb, sondern weil es mir schmeckt. Und wenn man erkrankt ist, bekommt man schnell jede Menge guter Ratschläge vor allem von Nichtmedizinern. Nun habe ich in den letzten Wochen gegoogelt und recherchiert, um der Sache auf den Grund zu gehen und kam zu folgender Erkenntnis:

- fettreiche Ernährung verursacht Brustkrebs
( http://forum.logi-methode.de/index.php?page=Thread&threadID=6768 )
- eiweißreiche Ernährung verursacht Brustkrebs
( http://forum.logi-methode.de/index.php?page=Thread&threadID=7073 )
- zuviel "schnelle Kohlenhydrate" verursachen Brustkrebs
( http://forum.logi-methode.de/index.php?page=Thread&threadID=9233 )

Es gibt diverse fleisch- und milchproduktelose Diäten, bei denen ich mich aber frage, wo das Vit. D herkommen soll, dessen Mangel neuerdings ebenfalls neben Nachtschichten und Lichtverschmutzung als Verursacher von Krebs gehandelt wird.
Das Komische ist, daß ich Leute kenne, die sich vor ihrer Krebserkrankung super gesund ernährt haben, z. B. eine ehemalige Kollegin. Diese war eine regelrechte Gemüse- und Salatefanatikerin und hat Zucker oder Weißmehl überhaupt nicht angerührt, sowie regelmäßig Fastenkuren gemacht. Hat ihr aber nicht geholfen. Soviel ist allerdings wahr, wenn ich nichts mehr esse, dann sterbe ich nicht an Krebs. Ich glaube, da bleibe ich lieber bei meiner Strategie alles in Maßen und so naturbelassen wie möglich zu essen, falls man bei dioxinverseuchten Eiern und pestizidbelastetem Gemüse davon noch reden kann.

Etwas, das mich weiterhin wundert, ist die völlig vorbehaltlose Begeisterung von Naturheilpraktikern für Einläufe. Für diverse Diäten wird ja oft als Argument die Evolution des Menschen von seinen Anfängen aufgeführt (die Urmenschen, bzw. Primaten hätten z.B. zuerst nur pflanzliche Nahrung zu sich genommen usw.), daher frage ich mich, ob es auch irgendwelche archäologische und anthropologische Erkenntnisse darüber gibt, daß die Urmenschen ihren Kaffee mit dem Darm zu sich genommen haben...

Auffällig ist dagegen, daß viele Krebspatienten mit denen ich gesprochen habe, oft vor der Erkrankung sehr stapaziöse bis hin traumatische Zeiten erlebt haben. Obige Kollegin zum Beispiel hatte drei Jahre zuvor ihren Sohn verloren, der schizophren gewesen ist und sich aus dem Fenster gestürzt hat. In einem Buch über Brustkrebs, das irgendwann einmal in meine Hände gelangt ist, las ich, daß es so etwas wie eine Krebspersönlichkeit gibt, die vom Zweifel am Sinn des Lebens gekennzeichnet ist. Zumindest ich fühle mich da ertappt, denn in den letzten drei Jahren, vielleicht auch in den letzten fünf, jedenfalls während des jahrelangen Leidens meines Vaters vor seinem Tod und den beginnenden permanenten eigenen Schmerzen, die eine permanente Überforderung nach sich zogen, mit dem Gefühl, im gesellschaftlich üblichen hektischen Tagesablauf nicht mehr mithalten zu können, ist mir irgendwo mein Lebenswille abhanden gekommen. Seltsamerweise wird man nie von jemandem danach gefragt. Doch man spürt sehr genau, daß die Krankheit danach fragt. Sie fragt: "Was willst du? Entscheide dich. Jeder Weg steht dir offen." Vielleicht ist Krebs zu einem Teil tatsächlich auch eine Sinnerkrankung, mit einer spirituellen Komponente. Das würde erklären, warum er sich in heutiger Zeit genauso seuchenartig ausbreitet wie der Esoterikmarkt boomt. Und das würde auch erklären, warum selbst Psychologen da nicht unbedingt helfen können (obige Kollegin ist regelmäßig zum Psychologen gegangen). Wenn Weltbilder sich um 180 Grad drehen, braucht es mehr als nur Trauerarbeit. Mir ist nicht nur der Lebenswille abhanden gekommen, sondern mit ihm auch Vertrauen. Durch verschiedene Ereignisse Vertrauen in die Menschen, aber noch viel mehr das Vertrauen in eine höhere Macht. Nicht in der Art, daß ich nicht mehr an deren Existenz glaube, denn das Vorhandensein derselbigen spüre ich weiterhin. Sondern mehr darin, daß sie es tatsächlich so gut mit uns meint, wie man gerne eingeredet bekommt, und nicht etwa gehässig und grausam ist. Es ist schwer, Lebenswillen zu mobilisieren, wenn man von chronischen Schmerzen geplagt wird, die durch die Chemo eher noch schlimmer werden, aber von Ärzten anscheinend als Lapalie betrachtet werden, da ja nicht lebensbedrohlich. Wenn ich an eine Zukunft denke, in der ich den Krebs besiegt habe, sehe ich gleichzeitig eine Zukunft, in der alles so weiter geht wie in den letzten zwei Jahren. Und dann frage ich mich, wozu ich mir das mit der Chemo überhaupt antue. Es wäre einfacher, wenn man etwas hätte, worauf man sich freuen könnte. In dem Monat, in welchem der Krebs rasant gewachsen sein muß bevor ich ihn bemerkte, September 2010, wurde ich von Zukunftsängsten geradezu aufgefressen. Und doch kam es, zumindest vorläufig, ganz anders. Wenn mich jetzt die Schmerzen zu schwarzen Gedanken um meine Zukunft verleiten (und tatsächlich tun dies die Schmerzen mehr als der Krebs - ich hätte es selbst kaum geglaubt), verbiete ich mir diese. Es wäre doch widersinnig die Gegenwart mit Sorgen um meine Zukunft zu verbringen, wenn niemand weiß, was passieren wird und ich in drei Jahren vielleicht schon tot bin. Manchmal wundere ich mich selbst darüber, wie pragmatisch ich in gewissen Situationen sein kann. Und nach all diesem fragt mich niemand. Nicht einmal die engsten Angehörigen wissen und wollen wissen, was in mir vorgeht. Es dreht sich alles um das K und niemanden interessiert es, was dahinter steht oder daneben vorgeht. Man bekommt gesagt, man solle stark sein und durchhalten, aber niemand fragt, ob man das wirklich möchte und einen Sinn darin sieht. Vielleicht weil ein "Ich weiß nicht." auch den Lebenssinn des Fragers einer Justierung unterwerfen würde. Es ist wie beim Arzt, wo meistens nur an einzelnen Symptomen herumgedoktert wird, den Lieblingssymptomen, während andere unter den Tisch fallen gelassen werden, weil es bequemer ist und ein Gesamtbild überfordert. Aber hier schreibe ich es und fordere heraus - aber hoffentlich nicht zu guten Ratschlägen und Durchhalteparolen, sondern zum Nachdenken.

Traumsplitter

Zur Blutbildkontrolle vor der nächsten Chemo muß ich diesmal in ein vom Aussehen gleiches, aber ansonsten anderes Haus, wo ein Mann die Ärztesprechstunde durchführt.

Straßen in meinem Kiez, die jeweils von anderen blühenden Blumen durchzogen sind. In einer Straße zum Beispiel blüht roter Mohn, in einer anderen eine baumartige Pflanze, mit hellblauen traubenförmigen Blüten.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Blick vom Nymphenbad auf die Semperoper Dresden

Blick vom Nymphenbad auf die Semperoper Dresden

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Manche behaupten, die besten Geschichten seien die ohne Worte. Aber diese Leute sind nicht zum Leuchtturmwärter ausgebildet. Es stimmt schon, dass Worte flüchtig sind und wichtige Dinge oftmals ungesagt bleiben. Die wichtigen Dinge erfahren wir aus Gesichtern, aus Gesten, aber nicht von unseren gehemmten Zungen. Die wahren Dinge sind oft zu groß oder zu klein, jedenfalls immer in der falschen Größe, um in die Schablone unserer Sprache zu passen.
Das weiß ich. Aber ich weiß noch etwas anderes, denn ich bin zum Leuchtturmwärter ausgebildet. Dreht man den täglichen Lärm runter, breitet sich erst erleichterte Stille aus. Und dann kehrt ganz leise, so leise wie das Licht, der Sinn zurück.
Worte sind derjenige Teil der Stille, der ausgesprochen werden kann.

(aus "Der Leuchtturmwärter" von Jeanette Winterson)

Traumsplitter

In einer Klinik liege ich im Bett. Ein Physiotherapeut, bei dem ich noch nie war, betritt das Zimmer, um mit mir zu arbeiten. Dazu soll ich mich hinstellen. Erst als ich stehe merke ich, daß ich völlig nackt bin. Das ist mir irgendwie unangenehm, scheint aber dem Physiotherapeuten nichts weiter auszumachen. Er stellt sich hinter mich und beginnt sehr sanft verschiedene Stellen zwischen den Rippen, an den Flanken und im Schulterbereich zu drücken. Massage kann man es eher nicht nennen, vielleicht ist es ja dieses Therapeutic Touch, von dem ich aus einigen Krankenhäusern gehört habe. Die Berührungen sind fast zärtlich und an sich angenehm, allerdings fühle ich mich vielleicht gerade deshalb in dieser Situation noch angespannter. Schließlich legt er seine Arme von hinten um meine Schultern und drückt mich wie in einer Umarmung an sich. Ähm, gehört das jetzt zur Therapie? Wenn das jemand sehen würde, könnte dieser jemand vielleicht denken, der Physiotherapeut sei in mich verliebt. Und prompt kommt eine Ärztin herein und betrachtet die Dinge tatsächlich sehr mißtrauisch. Ich fühle mich nackt in dieser Situation so unwohl, daß ich am liebsten im Erdboden versinken würde, doch den Physiotherapeuten scheint nichts aus der Ruhe zu bringen.
Irgendwo auf der Straße liege ich auf dem Rücken und umklammere Puschel und noch irgendetwas, vielleicht ein Kissen. Warum ich das tue, weiß ich nicht, vielleicht aus Protest. Ein sehr junger Mann, der noch zur Schule geht, bewegt mich schließlich dazu, aufzustehen und mich mit ihm an einen Tisch zu setzen. Dort unterhalten wir uns über Klinik-Physiotherapeuten. Er möchte, daß ich meinen Namen und meine Adresse auf ein großes, mit allem möglichen Müll vollgeklebtes Blatt schreibe. Ich suche eine freie Stelle und schreibe spontan "Verlagswesen". Huch, aber so heiße ich doch gar nicht. Wieso schreibe ich dieses Wort, wenn ich meinen Namen schreiben möchte? Völlig irritiert suche ich eine andere freie Stelle und schaffe es unter größter Konzentration meinen richtigen Namen auf das Papier zu bringen.

Dienstag, 1. Februar 2011

Blick vom Nymphenbad auf die Kathedrale in Dresden

Blick vom Nymphenbad auf die Kathedrale in Dresden

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Heute denke ich oft: Ich würde gerne besser schreiben können. Früher dachte ich oft: Ich würde gerne schreiben können. So gesehen ein echter Fortschritt.

Aupair bei den Dehnsichs

Irgendwo in einer kleinen Stadt bei den Wenden lebt die Familie Dehnsich. Wie es der Traum so will bin ich bei Ihnen als Aupair oder vielleicht auch über einen Schüleraustausch gelandet. Der Vater trägt eine große Brille und hat eine Haltung wie ein Schluck Wasser, die Mutter, eine kleine resolute Frau mit halblangen braunen Haaren, eine kleine blonde Tochter von 3-4 Jahren und eine weiß-schwarz gescheckte Katze gehören ebenfalls zur Familie. Nachdem ich dort sozusagen aufgenommen wurde, und das ausgesprochen freundlich, kommen außerdem jede Menge Leute aus der kleinen Stadt zu Besuch, um mich kennenzulernen. Während sie sich um eine Essenstafel versammelt haben, sitze ich ein Stück hinter dem kleinen Mädchen und beobachte, wie es sich einmal kurz zur Seite beugt und auf das Sofa kotzt. Niemanden scheint das stören, es ist wohl hier normal, mal schnell auf das Sofa zu kotzen. Allerdings hat sie Würfel gekotzt. Fünf, sechs oder mehr Würfel mit einer Augenzahl. Da ist es schon besser, wenn sie die wieder von sich gibt. Später werde ich in eine Apotheke geführt, die sich gleich neben der Wohnung befindet, lerne die dortige Apothekerin kennen und bekomme die Aufgabe, mit ihrer Tochter zusammen an einer kleinen Wand eine Collage zusammenzustellen. Dazu erhalten wir einen Stapel Zeitschriften in die Hand. Am Nachmittag gibt es ein äußerst großzügiges Kuchenessen bei den Dehnsichs, mit Kuchen, Eis und Desserts in großer Auswahl. Die scheinen hier aber wirklich zu schlemmen. Neben einigen Nachbarn und Verwandten sitzt am Tisch eine zweite junge Frau und ich erfahre, daß sie ebenfalls als Aupair bei den Dehnsichs ist. Als sie gefragt wird, wie sie heißt, antwortet sie: "Susanne.", worauf ich sofort anmerke, daß ich genauso heiße. Die Tatsache, daß sie zwei Aupairs mit demselben Vornamen hat, verursacht bei Frau Dehnsich glänzende Augen. Es ist fast so, als hätte man plötzlich Zwillinge bekommen, meint man aus ihrem Gesicht ablesen zu können. Am Abend erhalte ich Post. Es ist der Brief eines Hotels in Mainz, welches mich zu einem mehrtägigen kostenfreien Kurzurlaub einläd. Seltsam. Seit wann laden Hotels ihre Besucher ein? Normalerweise läuft das doch so, daß die Besucher sich einladen und bezahlen.

Bemerkung: Besser bei den Dehnsichs als bei den Ichnichs.

http://weltentanz.twoday.net/stories/8381920/

Montag, 31. Januar 2011

Nymphen über Dresden

Nymphenbad 1

Sturmnächtlicher Segen

"Die Muschel von Vineta", heute ausgelesen, erinnerte mich an einen Ostseeurlaub während der legendären Sturmnächte der 90iger, als jede Menge Yachten abgesoffen sind und Prerow unter Wasser stand. Glücklicherweise hatten mein damaliger Freund und ich uns für einen anderen Zeltplatz als Prerow entschieden, so daß wir nicht weggeschwemmt wurden, und glücklicherweise konnte K. gut Zelte aufbauen, so daß wir auch nicht weggeweht wurden. Es wurde allerdings ziemlich naß, da es nicht nur stürmte, sondern ebenfalls in Strömen goß. Während der ganzen Nacht war um das Zelt herum solch ein entsetzliches Brausen und Lärmen zu hören, daß man hätte denken können, direkt vor dem Zelt stehe schon eine meterhohe Wasserwand und wir wachen schwimmend auf der Luftmatratze wieder auf. Am frühen Morgen führte mein erster Weg direkt zum Strand, während die Mehrheit der Urlauber ringsherum sich damit beschäftigte, ihre aus der Verankerung gerissenen Zelte wieder aufzubauen oder alles zusammenzupacken und abzureisen. Der Strand war völlig verwüstet und mitgrissenes Holz und Algen hatte das wütende Meer fast bis zum höchsten Punkt des Deiches zurückgelassen, während es jetzt wieder, als könnte es kein Wässerchen trüben, still und in sich zurückgezogen da lag. Dieser Anblick hat mich sehr beeindruckt. Und es sollte nicht die einzige Sturmnacht bleiben. Es folgten weitere, die zwar nicht mehr ganz so heftig waren, aber es regnete als hätte die letzte Sintflut begonnen. Schon am zweiten Tag hatte K. nur noch schlechte Laune, kam nicht mehr aus dem Zelt heraus und wollte unbedingt nach Hause. Mir dagegen, fing es genau jetzt erst richtig an Spaß zu machen. So hätte der Urlaub zumindest für mich weitergehen können. Ich glaube, solange ich einen warmen Schlafsack habe und meine Füße nicht kalt sind, kann um mich herum die Welt untergehen. Vielleicht war ich in einem meiner früheren Leben ein alter Seebär. Das würde erklären, warum meine Barthaare selbst während der Chemo so hartnäckig sind. Man sagt ja, daß der erste Urlaub eine Bewährungsprobe für jede Beziehung ist, weil man sich dabei erst so richtig kennenlernt. Ein Sturmnacht- und Regenflut-Urlaub in nur einem gemeinsamen Zelt ist es noch viel mehr. Wenn die Liebe dies übersteht, übersteht sie noch manch anderen Sturm, würde ich meinen. Unsere tat es nicht.

Niemand hat mir gesagt, was ich unter tiefen Schmerzen ganz für mich selbst entdecken musste: das göttliche Gebot des Eigensinns. Niemand sagte mir, dass Eigensinn nicht dasselbe wie Egoismus ist. Hätte ich doch einen Lehrer gehabt, der mich Misstrauen lehrte gegen jene falsche Selbstlosigkeit, mit der man seine innersten Gefühle, seine Seele, verrät. Niemand hat mir gesagt, dass es nur ein einziges Gesetz gibt: Liebe. Wo ich lieben kann, da bin ich mein Ich. Und wo ich nicht lieben kann, da bin ich mir selbst ein Fremder.
(aus "Die Muschel von Vineta" von Bernhard Langenstein)

Der Tod von Herrn N.

Ich befinde mich auf Arbeit in einem völlig neuen Bürogebäude und rede mit Herrn N. Dessen Schreibtisch steht auf einem großen Balkon, an dessen Balustrade normale, etwas schräg verlaufende Fensterbretter angebracht sind. Herr N. legt einen Stift auf das Fensterbrett und wendet sich mir zu, um etwas zu sagen. Ich bemerke, wie der Stift nach unten kullert und rufe spontan: "Pass auf!", dabei auf den Stift deutend. Herr N. dreht sich um, und obwohl der Stift in diesem Moment bereits über den Rand fällt, versucht er in seinem männlichen Ungestüm noch, ihn aufzufangen, verliert dabei das Gleichgewicht und fällt mehrere Stockwerke in die Tiefe. Unten höre ich schon die Rufe von Passanten, da kommt eine ehemalige Kollegin ins Zimmer, welche eine Etage unter uns sitzt, und hält mir ein Papier hin, das ich unterschreiben soll. Darin bestätige ich, daß keine Musik gespielt wurde und es nicht laut war. Dies ist wohl notwendig, um aus dem Unglück etwas herausschlagen zu können. Eine Durchsage erklingt, daß jeder Bediensteter sich ein Stück Küchenkrepp greifen und damit auf der Straße erscheinen soll, um sozusagen gemeinschaftlich die Überreste von Herrn N. von der Straße zu kratzen. Ich laufe mit der Kollegin zum Fahrstuhl, wo bereits eine ganze Traube von Mitarbeitern wartet. Dabei geht mir immer wieder durch den Kopf, daß Herr N. durch mich ums Leben gekommen ist. Wenn ich nicht diesen Satz gerufen hätte und den Stift einfach hätte kullern lassen, wäre nichts weiter passiert. Dieses Wissen bedrückt mich und ich frage mich, ob die Kollegin unter uns wohl diesen Satz gehört hat und von meiner Schuld weiß. Außerdem ist es natürlich in dieser Situation, wo ich selbst krankheitsbedingt ausgefallen bin, besonders schlecht, wenn noch jemand vom stets zu knapp bemessenen Personal fehlt. Dann erwache ich, es ist noch vor dem Morgengrauen um ca. 3 Uhr.

In einer Arztpraxis mit einer Ärztin und einem Arzt, wo ich die nächste Chemo erhalten soll. Vorher will man aber, daß ich einen Test wegen des Rückens absolviere. Dazu wird ein glattes Brett in schräge Position gelegt und ich soll nun, auf dem höheren Ende sitzend, den Rücken zum Brett gekehrt, mich rücklings auf dieses hinunterlassen. Dies tue ich mit Leichtigkeit und spüre wie ich auf der Schräge Stück um Stück mit dem Kopf herunterrutsche. Dabei kneife ich die Augen zusammen. Unten angekommen, blinzel ich vorsichtig durch die Lider. Der Arzt und die Ärztin beugen sich über mich, ich kann aber nicht erkennen, ob sie nun zufrieden sind oder nicht. Dann muß ich geschlafen haben, denn ich erwache und es ist ca. 19 Uhr. Du meine Güte, wenn ich die Chemo bereits bekommen habe, sollte ich längst zuhause sein, bevor ich es nicht mehr dorthin schaffe. Ich kann mich aber nicht erinnern, sie bekommen zu haben. Ich frage nach und vollkommen gleichgültig wird mir bestätigt, daß mir die Infusionen verabreicht wurden. Und warum läßt man mich dann hier schlafen, statt mich nach Hause zu schicken? Jetzt aber nichts wie weg!

Bemerkung: Das ist nun schon der zweite Traum, in welchem jemand wegen mir mehrere Stockwerke in die Tiefe stürzt. Geht das jetzt so weiter?

Sonntag, 30. Januar 2011

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Dresden-Nymphe

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Doch immer wieder stahl sich Eis in sein nächtliches Träumen. Die zugefrorenen Kanäle. Die Sicherheit des Eises. Jede Nacht zum Eis zurückzukehren, wie in ein Zuhause. Sich waagerecht wie Eis unter der Oberfläche niederzulegen, in den schlosslosen, den nicht zu brechenden, den lange vermissten Schlaf zu sinken...Unten in der anderen Welt der Kindheit und der Träume, wo Eisbären nicht mehr tapsen und töten, sondern, kaum im Wasser und unter dem Eis schwimmend, große amphibische weiße Meeresgeschöpfe werden, so anmutig wie Delphine.
Als seine Großmutter ein Kind gewesen war, so hatte sie ihm einmal erzählt, hätten die Schwestern in der Schule eines Tages angekündigt, das nächste Thema seien Lebewesen. "Ich habe Eis vorgeschlagen. Sie haben mich vor die Tür geschickt."

(aus "Gegen den Tag" von Thomas Pynchon)

Baby und Bärlauch

Meine Mutter hat eine Wohnung bezogen, die fast einem Palast gleicht, und die gesamte engere und weitere Verwandtschaft zu einem großen Fest geladen, wobei die meisten davon ebenfalls in der Wohnung übernachten. Am nächsten Morgen bin ich fast als erste auf den Beinen und möchte mir in Ruhe die gesamte Wohnung anschauen, denn viel habe ich noch nicht gesehen. Ein größeres Zimmer ist rundum an allen vier Wänden mit einer braunen Schrankwand ausgekleidet, in der Mitte befindet sich ein Tisch. Von diesem Zimmer kommt man in ein ähnliches, welches an allen Wänden schwarze Regale zu stehen hat und ein Klavier. In der Mitte steht ein zweites Klavier, also anscheinend ist es ein Musikzimmer. Von dort kommt man in die Küche, die so riesig ist wie die einer Betriebskantine. Und im Badezimmer hat das Waschbecken nur einen Heißwasserhahn. Inzwischen sind andere auch aufgestanden. Tante W. läuft an mir vorbei und macht eine Bemerkung über meine Angst vor Menschen. Woher weiß die das? Das weiß niemand, aber Tante W. scheint mir klüger als man meinen könnte.
Ich lege mich wieder in ein Bett in einer Ecke, da bemerke ich kurz darauf ein kleines, zerknittertes Baby neben mir im Bett. Wo kommt das denn her und wer hat es hier hingelegt? Vielleicht weil ihm kalt ist, strampelt es sich ganz unter die Bettdecke, so daß nichts mehr hervorschaut. Ich fürchte allerdings, daß es darunter ersticken könnte, weshalb ich die Bettdecke wieder etwas herunterziehe. Das Köpfchen kommt zum Vorschein, das Gesicht verzieht sich und ich denke - sch...., jetzt fängt es an zu schreien. Aber nein, statt dessen lacht es mich mit einem breiten, zahnlosen Lachen an.

Der Winter ist knapp vorbei und ich schaue in einen meiner Balkonkästen, ob sich dort schon etwas tut. In der knochentrocken Erde ist auf den ersten Blick nichts auszumachen. Die Hälfte des Kastens ist mit Folie abgedeckt, vielleicht weil ich da etwas ausgesät habe. Und tatsächlich, unter der Folie schauen keine Keimlinge, aber breite Blattspitzen aus der Erde hervor, so also wäre die Pflanze unter der Erde bereits vollständig ausgewachsen. Der Blattform nach zu urteilen dürfte es Bärlauch sein.

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Es stehen noch Antwortemails aus an Leute, die von nix wissen. Und ich möchte nicht darüber schreiben, nicht heute. Vielleicht auch nicht morgen. Und überhaupt.

Samstag, 29. Januar 2011

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Es ist schwer, ein Herz zu verlassen, das für einen schlägt. Aber egal wo es ist, und sei es am Ende der Welt, spürt man doch, daß es nah ist. Es ist schwerer, sich von einem Herz zu trennen, das nicht mehr für einen schlägt. Und selbst wenn es neben einem stünde, fände man keinen Platz mehr darin, nicht einmal in den Erinnerungen.

Billy Idol und Waffenpflicht

Eine Hardrock-Musik-Veranstaltung, bei welcher junge, noch unbekannte Bands auftreten. Die Räumlichkeiten sind nicht groß, etwa so wie eine größere Disco. Ein neues Lied wird gleich gespielt und ich werde extra vorgewarnt: "Achtung, es wird laut!" Wird es aber gar nicht und auch sonst ist es eher ein leiser Traum, in dem ich mich nun in enger Umarmung mit Billy Idol wiederfinde. Wir sind auf einer Tanzfläche allein, nur umstanden von einigen neugierigen Zuschauern. Vielleicht tanzen wir, vielleicht stehen wir auch einfach so da, man weiß es nicht. Sicher ist jedoch, daß wir ein Paar sind und viel mehr darüber hinaus. Es ist nicht nur, als seien wir körperlich miteinander verwachsen, sondern unsere Empfindungen und Schmerzen ebenfalls. Wir gehen denselben Leidensweg, denn Billy Idol hat tägliche quälende Rückenschmerzen. Und dies macht aus uns etwas, wie man es lapidar "ein Herz und eine Seele" nennt, etwas, das aus einer tiefgreifenden Verbundenheit jeder Zelle, jeden Gefühls und Gedankens heraus nicht zu trennen ist. Im Hintergrund läuft aus der Konserve eines seiner Lieder, welches aber ausschließlich als eine fast lautlose Melodie zu hören ist und dabei wie die Vision eines Filmes auf einer Leinwand vorüberschwebt. Es erzählt von Sommer und es scheint beinahe, als sei es unser gemeinsames Abschiedslied, da der Weg, den wir zusammen gehen, zusammen zu gehen beschlossen haben, uns von diesem Leben wie wir es jetzt führen, fortführt.

Meine Mutter ist vorübergehend in ein großes Hotelzimmer mit hoher Decke gezogen. Da es renovierungsbedürftig ist, hat sie meinen Cousin gebeten, es zu renovieren und auch ich helfe dabei mit. Allerdings kann ich nicht wirklich nachvollziehen, wieso sie das Zimmer, wenn sie bald wieder auszieht, auf eigene Kosten renovieren will, wenn eigentlich das Hotel dafür zuständig ist, aber egal. Ich habe die letzte Nacht im noch baustellengleichen Zimmer verbracht, in einem Bett, das bereits in die Ecke gestellt worden ist, und trage ein pinkfarbenes T-Shirt mit einem dunkelblauen Druck, dazu ein passendes dunkelblaues Armband an meinem linken Handgelenk. Mein Cousin kommt ins Zimmer und um mich zu ärgern setzt er sich auf mich drauf und imitiert mit seinen Augen ein Zucken, so wie es wohl an meinen Augen zu sehen ist, wobei ich ihm meine Faust in die Seite stemme. Während der kleinen Rangelei habe ich Gelegenheit, genauer sein Gesicht betrachten. Es mutet fast türkisch an, mit einem gepflegten schwarzen Vollbart, dabei sind seine Augen jedoch statt braun, wie normalerweise, so grün wie meine. Etwas später sind wir alle gemeinsam auf den Weg in ein Restaurant, da wir nach der Arbeit Hunger haben. Unterwegs werde ich von einem Ordnungshüter angehalten, der mich fragt, ob ich auch die vorgeschriebenen Waffen bei mir trage. Ab einem gewissen Alter ist dies nämlich Pflicht und die Waffen dafür gibt es auf Rezept aus der Apotheke. Blöderweise habe ich zwar das Rezept für Pfefferspray eingesteckt, es aber noch nicht eingelöst. Der Ordnungshüter will Ärger machen und meint, daß wir im vor uns liegenden Restaurant ohne die Waffe sicher keinen Einlaß finden, aber der Inhaber des Hauses ist überraschend kulant und meint, es ginge auch ohne Pfefferspray. Auf dem Hinterhof der Gaststätte suchen wir uns ein Plätzchen im Freien und rücken einige Garten-Klappstühle an einen Tisch. Da die Stühle lange nicht benutzt wurden, tummeln sich jedoch an den Lehnen Schnecken, seltsame Moränen und ähnliches Getier. Ich wage mich nicht hinzusetzen und nehme Abstand, dabei bemerke ich in der Luft etwas, das wie ein Glühwürmchen aussieht, aber viel größer und aus echter leuchtender Glut. Ehe ich mich versehe, fliegt es zu mir und fällt genau auf meinen Kopf.

Bemerkung: Ich weiß zwar nicht, welches Lied von Billy Idol es war, aber dieses würde am besten passen und ich kannte es bisher noch nicht - Summer Running

Freitag, 28. Januar 2011

Bücherzuwachs

Ich war mal wieder im Kaufrausch und habe für 80 EUR Bücher erworben. Eigentlich wollte ich nicht mehr so viele Bücher kaufen, weil ich gar nicht weiß, ob mein Leben noch reicht, um sie alle zu lesen, aber wenn die so preiswert reduziert zu haben sind, kriege ich eine Art Bücherschnäppchenjagdkoller und kann nicht mehr aufhören.
Dies sind also meine Neuerwerbungen, alles Mängelexemplare, pro Buch im Durchschnitt 4 EUR:

- Überleben Glückssache. Was Sie als Krebspatient in unserem Gesundheitswesen erwartet
- Cosmic Trigger von R.A.Wilson
- Bernhard Langensteins Die Muschel von Vineta
- Das Schloss im Wald von Norman Mailer
- eine Mary-Shelley-Biographie von Muriel Spark
- Der Leuchtturmwärter von Jeanette Winterson
- zwei Lenormand-Arbeitsbücher
- eine Richard-Wagner-Biographie
- Der Zentaur von John Updike
- Ulf Schiewes Der Bastard von Tolosa
- Isabel Allendes Von Liebe und Schatten
- Qi Gong für mich
- Die Pendragon-Legende von Antal Szerb
- Das Phantom der Oper von Gaston Leroux
- Lexikon der Numerologie und Zahlenmystik
- Tarot und Zen von Osho
- Die Kartause von Parma von Stendhal (Das erwähnte Buch, bei welchem ich als Kind immer dachte "Kartause" sei ein Adelstitel, weshalb ich den Roman in der Bibliothek meines Vaters nie las.)

Donnerstag, 27. Januar 2011

Hm,

hab meine Schwägerin gefragt, wie sie und mein Bruder den Lieblings-Weihnachtsfilm (P.olska L.ove S.erenade) fanden, den ich ihnen überspielt hatte. Sie so:...na ja....ähm....sie hätten sich beide anguckt und gedacht, was soll das eigentlich für ein Film sein und was ist daran so toll? Nun ja, sage ich, der ist halt so schön skurril, sowas mag ich, dann erzähle ich von "Gegen den Tag". Für den Roman hatte sie sich erst auch interessiert und war der Meinung, der lese sich bestimmt gut. Nachdem ich mit dem Erzählen fertig bin meint sie: Nein, nein, ein Buch, in dem Hunde französische Bücher lesen und Photographen Kugelblitze adoptieren könnte sie NIEMALS NIEMALS lesen. Ich weiß ja, daß mein Geschmack bisweilen etwas sonderbar ist, aber daß er für andere so schlimm ist, hätte ich nicht erwartet.

Traumsplitter

Dämmerung in der Straße, ich liege auf dem Bürgersteig vor der Bushaltestelle. In einiger Entfernung ist links von mir eine kleine Gestalt zu sehen. Von anderen Leuten, die in meiner Nähe stehen, erfahre ich, daß es der Tod ist, ein kleiner, abgebrochener, aber energischer und drahtiger Mann. In der Dunkelheit scheint er sich von mir weg zu bewegen, aber das war wohl nur eine optische Täuschung, denn bei genauerer Betrachtung wird klar, daß er doch in meine Richtung geht. Vielleicht hat ihn auch etwas dazu bewogen, auf dem Weg umzukehren. Die Leute neben mir flüchten und es scheint, daß der Tod hinter ihnen her ist. Ich bleibe still liegen, kann oder will mich nicht bewegen und schließe die Augen, in der Hoffnung, daß er mich, wenn ich ganz still und klein bin, übersieht und an mir vorbeiläuft. Mit den Ohren lausche ich in die Nacht und tatsächlich höre ich Schritte, die an mir vorbeigehen. Allerdings habe ich das Gefühl, daß die Gestalt stehen bleibt und mich von der anderen Seite aufmerksam betrachtet. Ich erwache in meinem Bett und noch ehe die Schlafstarre von mir abfällt, nehme ich im Augenwinkel eine Gestalt wahr, den Tod, der im Zimmer sitzt und anscheinend auf mich wartet, vielleicht daß ich aufwache. Doch ich tue so, als würde ich weiterschlafen und wende den Kopf ab, damit ich die unheimliche sitzende Gestalt nicht sehe. Irgendwann schaue ich doch wieder und er ist verschwunden, ebenso der Stuhl und die vorhergehende Einrichtung. Wahrscheinlich war es nur ein Traum. Wenig später befinde ich mich im Büro, wo ich wohl nach einem Schlaganfall recht schnell wieder arbeite, allerdings nur leichte Hilfstätigkeiten, wie Botengänge oder stupide Bewegungsabläufe mit den Händen. Es scheint beinahe, daß die Tätigkeiten eigentlich nur dazu gedacht sind, die Beweglichkeit der Hände wiederherzustellen und eigentlich keinen großen Sinn haben. Danach befinde ich mich bei einem älteren Herrn, einem Notar, bei dem ich mir eine neue Uhr mit Handy aussuchen soll. Eine Auswahl von Handys, die meisten schwarz (Klavierlackoptik), sind auf einem Tisch ausgebreitet. In ihnen befindet sich gleichzeitig eine Art Armbanduhr, die das Wichtigste daran ist. Denn ich benötige sie, weil normale Uhren von nun an für mich nicht mehr relevant sind oder wie man auch sagen könnte, die Zeit ab jetzt für mich anders geht. Außerdem überreicht er mir eine Tüte mit bunten Perlen, eine letzte Erbschaft meiner Eltern, die er in einer Schublade aufgehoben und noch nicht mit dem normalen Erbschaftsverfahren verwaltet hatte.

Bemerkung: Nein, ich brauche keine neuen Krankheiten und ich möchte auch nicht von ihnen träumen.