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Samstag, 21. Januar 2006

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 8 - Seite 219-316

Seltsam im Kopf eines anderes zu sitzen und doch vertraut. Kramen in Schulwissen.

Seine Zunge plapperte Teilnahme. Ts! Ts!

- Die Leute ahnen ja gar nicht, wie gefährlich Liebeslieder sein können, warnte das aurische Ei Russells okkult.

Richard, ein abscheulicher Krummbuckel, unehelich gezeugt, wendet seine Liebe einer verwitweten Ann zu (was ist ein Name?), umwirbt sie und gewinnt sie, eine abscheuliche lustige Witwe. Richard der Eroberer kam nach William dem Eroberten.


Tagesfazit: Die Frisur sitzt.

Der Tintenklecks-Test

Mal ein etwas lustigerer Test.

Ihr Unterbewusstsein ist bestimmt von Liebenswürdigkeit.

Sie verspüren das tiefe Bedürfnis, anderen Menschen freundlich und respektvoll zu begegnen. Möglicherweise versuchen Sie mehr als Ihnen bewusst ist, sich eine liebenswerte Umgebung zu schaffen.

Ihre Nächstenliebe ist vielleicht deshalb so stark ausgeprägt, weil Sie Härte und liebloses Verhalten fürchten. Diese Furcht treibt Sie unbewusst dazu, so liebenswert wie nur möglich in Ihrem Umfeld aufzutreten. Unabhängig von den dahinter liegenden Gründen kennen Ihre Mitmenschen ihren ausgeprägten Hang zur Nächstenliebe.

Sie neigen wahrscheinlich mehr als andere Menschen dazu, von Gefühlen übermannt zu werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Emotion von Ihnen oder von anderen ausgeht. Möglicherweise resultiert Ihr emotionaler Charakter aus dem Versuch, inneren Schmerz und Unwohlsein zu vermeiden, aber genauso, andere vor Verletzungen zu schützen. Deshalb sind Sie vielleicht empfindsamer als Ihre Freunde oder Ihre Familie. Um Ihre Gefühle kontrollieren zu können, ist es hilfreich, sich diesen Umstand bewusst zu machen. Dann haben Sie die Freiheit, sich in den Momenten, in denen Sie sich wieder einmal von Gefühlen überwältigt fühlen, zurück zu ziehen.

Alles in allem gibt Ihnen ihr freundliches Wesen eine optimistische Grundhaltung, die Ihnen immer wieder hilft, nur das Beste in den Menschen zu sehen. Weil Sie nicht übermäßig über andere urteilen, sind Sie möglicherweise Anlaufpunkt für ihre Mitmenschen, wenn diese einen Rat brauchen oder Sorgen haben. Die Menschen um Sie herum wissen, dass Sie sich um ihr seelisches Wohl sorgen und ihnen zuhören, ohne eigene Überzeugungen aufdrängen zu wollen.

Volles Programm und Blitzeis

Früher als sonst aufgestanden um zeitig zum Blutabzapfen in der Arztpraxis zu sein. Knüppeldicke voll dort. Vier bis fünf Leute wurden vor mir im rasanten Wechsel gepickst. Bin gerade noch rechtzeitig wieder raus gewesen, um pünktlich auf Arbeit zu sein. Ziemlich lange mit einer ehemaligen Kollegin geschnattert, die mich besuchen kam. Nach der Arbeit noch Bankgeschäfte erledigen, dann auf einen kleinen Ausflug und zum Abschluss und Wiederaufwärmen ein Baumarktbesuch.

Den Ausflug hätte ich beinahe abgeblasen, da das Wetter so ekelhaft war. Der schöne Schnee zum Teil weggeschmolzen, ein undefinierbarer Regen-Graupel-Eis-Schauer ging hernieder und trotzdem ist es kurz darauf erneut so kalt geworden, dass die Schneenässe sofort gefror. Ich wollte dann doch nicht auf den Ausflug verzichten, der sich jedoch als fast lebensgefährlich entpuppte. Ich musste kilometerweit über eine spiegelglatte Autobahnbrücke eiern, wobei ich Blut und Wasser schwitzte. Der Schnee war meterhoch an die Ränder geschippt worden, wo er gefroren war, während sich auf dem Asphalt selbst die verbliebende Nässe in eine Eisbahn verwandelt hatte. Wenn ich meine Gedanken dort auf der Brücke ulyssesmäßig aufschreibe, dann hört sich das ungefähr so an:

Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Ist das glatt! Hilfe! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Die Brücke ist so lang. Wieviele Meter sind das noch? 600? Oh Gott! Das schaffe ich niemals bis dahin. Aber ich komm hier nicht mehr runter. Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Ich brech mir hier noch alle Knochen. Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Ich will nicht mehr. Wann hört das auf? Waaaaa! Beinahe hätt's geklappt. Die Poren öffnen sich. Adrenalinschub. Schweiß. Und dabei laufe ich im Schneckentempo. Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Das Eis muss doch irgendwann zu Ende sein. Ich hab mir noch nie was gebrochen. Soll heute das erste Mal werden? Nein, nur nicht dran denken. Konzentrier dich! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Und wenn doch? Wenn ich mich heute noch hinlege? Nein, hör auf. Denke nicht was sein könnte und konzentrier dich. Geht sonst wirklich noch schief. Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Wann hat das ein Ende? Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott!

Auf dem Wanderweg war es zum Glück nicht mehr glatt, weil dort nur Schneeharsch lag, aber dafür nervte mich der Autofokus meiner Kamera, der stets bei den Makroaufnahmen den Hintergrund scharfstellen wollte. Letztendlich funktionierte es nur, wenn ich meine Hand in gleicher Höhe vor die Linse hielt. Bei den diversen Versuchen sind mir die Hände deshalb irgendwann vor Kälte fast abgefallen. Aber ok, ich bin schon froh, dass ich mit heilen Knochen wieder zu Hause angekommen bin.

Donnerstag, 19. Januar 2006

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 7 - Seite 183-218

Heute wurde mir urplötzlich bewußt, dass meine Gedanken, die ich tagtäglich denke, sehr dem Gedankenstrom ähneln, welchem man in Ulysses ausgesetzt ist, wobei ich unversehens in eine Raum-Zeit-Krümmung tappte. Und das kam so:


Mist! Wieder so spät. Wecker früher stellen nützt nix. Wenn ich nicht muss, wach ich nicht auf. Träume. Was? Weiß nicht, kommt nicht mehr. Egal. Träume wie alltägliches Leben. Nicht wichtig. Aber SO einen Traum vergisst man nicht. Kann man gar nicht. Ich sollte heute daran denken, Kopfschmerztabletten einzustecken. Wer weiß, wie sich das noch entwickelt. Strumpfhosen drunter ziehen? Ach nee, erfriere schon nicht. Dünne Hosenbeine, weit. Wärmer als ohne. Komisch. Physik.
Alles weiss. Bus fährt? Sicher. Wie immer. Nur Strassen schwarz gebändert. Schon am frühen Morgen kahl. Ich wollte doch fotografieren. Wo? Ach ja. Am Ufer oder am Wanderweg. Am Freitag. Freitag wollte ich auch zum Baumarkt. Beides? Weiß nicht. Zahnbürste ist lappig. Brauch eine neue. Ist noch Zeit jetzt. Was hab ich grad...? Ufer. So weit zu laufen. Vielleicht anders? Auf den Stadtplan schauen. Heute erstmal mit einem neuen Blatt schleifen. Müsste reichen. Vielleicht auch mit der Hand noch. Aber so anstrengend. Hoffe, es reicht dann. Fotografieren nicht zu spät. Muss hell sein. Übergang ist aber auch gut.
Hey, meine Gedanken hören sich an wie in Ulysses. Lustig. Sollte ich aufschreiben. Was für die nächste Folge. Wecker, Träume. Was hab ich gedacht? Weiss. Nein, Strumpfhose und Kopfschmerzen war noch. Welche Reihenfolge? Egal. Joyce muss einen Gedankenrecorder gehabt haben.
Mist! Wieder so spät. Wecker früher stellen nützt nix. Wenn ich nicht muss, wach ich nicht auf. Träume. Was? Weiß nicht, kommt nicht mehr. Egal. Träume wie alltägliches Leben. Nicht wichtig. Aber SO einen Traum vergisst man nicht. Kann man gar nicht. Hoffentlich merke ich mir das. Strumpfhosen drunter ziehen? Ach nee, erfriere schon nicht. Nein, Kopfschmerzen waren vorher. Ich sollte heute daran denken, Kopfschmerztabletten einzustecken. Wer weiß, wie sich das noch entwickelt. Danach weiss. Alles weiss. Bus fährt? Sicher. Wie immer. Nur Strassen schwarze Bänder..... gebändert hört sich schöner an. Sagt man so? Schon am frühen Morgen kahl. Fotografieren und Schleifen. Einprägen. Und dann Erkennen. Ulysses. Gedankenstrom. Erinnern. Formulieren. Mist! Wieder so spät. Wecker früher stellen nützt nix. Wenn ich nicht muss, wach ich nicht auf. Träume. Was? Weiß nicht, kommt nicht mehr. Egal. Träume wie alltägliches Leben. Nicht wichtig. Aber SO einen Traum vergisst man nicht. Kann man gar nicht. Upps, ist ja fast wie eine Erinnerungsschleife. Könnte ich das jetzt unendlich so fortsetzen? Finde ich richtig vergnüglich. Eine Singularität im Zeit-Raum-Kontinuum. Vielleicht kann ich meine Blogleser damit ärgern. Endlich verstehe ich "Und täglich grüßt das Murmeltier". Wenn ich jeden Tag alles aufschreibe, was ich denke, kriege ich bestimmt ganz schnell auch so einen Wälzer zustande. Schrecklicher Gedanke.

Und mit einer großen Zukunft hinter sich.

Tagesfazit: Die Zeitschleifentheorie wird mich noch beschäftigen.

Auf einen etwas anderen,

auf jeden Fall sehr viel kürzeren Test, hat mich Jon aufmerksam gemacht. Eigentlich bin ich ja bei kurzen Tests ziemlich skeptisch, aber auch hier gibt es erstaunlich viele Treffer. Und kurioserweise stimmt mein Testergebnis haargenau mit meinem Enneagramm-Typ überein. Wenn das kein Zufall ist (was ist es dann?).

ITLS - DENKER - Gehört zur Gruppe der Rationalisten

►Agiert Introvertiert
►Denkt Theoretisch
►Entscheidet Logisch
►Lebt Spontan

Eigenschaften: Logisch, skeptisch, nachdenklich, kritisch, ruhig, präzise, unabhängig, kreativ, erfinderisch, analytisch, abstrakt, perfektionistisch, exzentrisch, neugierig

Beschreibung: ITLS Denker verbringen die meiste Zeit in Ihren Gedanken. Sie sind zurückhaltend, analytisch, rational und spontan. Sie entwickeln ständig neue Ideen und Theorien. Die Welt um sich herum zu verbessern/ändern ist essentiell für sie.

"Die Wahrheit ist irgendwo da draußen!"

ITLS haben wie Comedian Woody Allen meist einen leicht bekümmerten Gesichtsausdruck und machen einen intelligenten, nachdenklichen Eindruck. Sozial sind sie zurückhaltend und meist nur wenig aktiv. Sie beobachten und analysieren ihre Umgebung gerne, und wirken dabei distanziert und oft geistesabwesend. Von traditionellen Werten halten sie nicht allzu viel, sie haben ihren eigenen unkonventionellen & ungewöhnlichen Stil. Sie denken logisch, rational und abstrakt, konzentrieren sich aber oft zu sehr auf Kleinigkeiten und Details.

Wie Agent Mulder aus der TV-Serie Akte-X versuchen ITLS herauszufinden wie und warum die Dinge um sie herum so sind, wie sie zu sein scheinen, oder eine universelle Wahrheit aufzudecken. Wie er sind sie meist ziemliche Eigenbrötler: von gesellschaftlichen und sozialen Verpflichtungen halten sie nicht sehr viel, lieber ziehen sie sich zurück und arbeiten auf die Weise, die sie für richtig halten.

Man könnte diesen Typen aufgrund seiner natürlichen Skepsis und Gespürs für Logikfehler auch "Kritiker" nennen.

ITLS sind mit ca. 5% der Bevölkerung relativ selten vertreten.

Bevorzugte Berufe für ITLS Denker: Architekt, Autor, Anwalt, Biologe, Computer-Spezialist, Forscher, Ingenieur, Mathematiker, Professor, Programmierer, Stratege, Wissenschaftler, uvm.

Beste Partner: ITLS-Denker, ITLG-Wissenschaftler, ETLS-Erfinder

Fiktive Beispiele für ITLS Denker:
Agent Mulder ( Serienfigur, Akte-X )
Commander Data ( Serienfigur, Star Trek - The Next Generation )
Neo ( Filmfigur, Matrix )

Prominente Beispiele für ITLS Denker:
Woody Allen ( Schauspieler, Comedian )
Stephen King ( Horrorroman-Autor )
Gabriel Byrne ( Musiker )
Carl Gustav Jung ( Arzt, Psychologe, Erfinder der Typologie )


Die aufgeführten Eigenschaften treffen fast alle zu. Nur mit der Logik stehe ich eher auf dem Kriegsfuss. Dachte ich zumindest. Auch das abstrakte Denken kann nicht wirklich meins sein, denn sonst hätte ich mich erfolgreicher durch die Wirrnisse der Integral- und Differentialrechnung gekämpft.
Dass ich ein Rationalist bin, das überrascht mich nun wirklich. Ich weiss zwar, dass ich ziemlich praktisch veranlagt bin, aber ich hätte mich eigentlich immer eher als so eine Art praktischer Träumer gesehen. Aber ok, auch die Denker sind geistesabwesend, also passt es ebenfalls. Und überhaupt glaube ich, dass sich der Typ wohl ab und zu entsprechend des jeweiligen Lebensabschnittes ändern kann.

Fünfer-Typen

Gerade habe ich noch zwei andere kurze Beschreibungen für Fünfer-Typen gefunden. Auch sehr überzeugend, da sie meine Einstellungen erstaunlich gut wiedergeben.


Der Beobachter wahrt emotionale Distanz zu anderen, schützt die Privatsphäre, lässt sich nicht ein. Er gibt vor, «nichts zu brauchen» - ein Abwehrmechanismus, um nicht in etwas hineingezogen zu werden. Verbindlichkeiten und die Bedürfnisse anderer erschöpfen ihn. Verpflichtungen ordnet er wie in Schubladen ein; er ist losgelöst von Menschen, Gefühlen und Dingen. Menschen dieses Typs können, wenn sie weiter entwickelt sind, ausgezeichnete Entscheidungsträger, zur hohen Abstraktion begabte Theoretiker und asketische Mönche sein.
Leitspruch: «My home is my castle.»
Wurzelsünde: Habsucht, Neigung, geistigen und materiellen Besitz zu horten.
Lebensaufgabe: Lernen, sich leidenschaftlich zu verlieben.


Verpflichtungen jeder Art hasse ich, sogar wenn es sich nur um irgendwelche festen Termine handelt, und sie erschöpfen mich tatsächlich. Ich versuche ihnen möglichst zu entgehen. Ich bin zwar alles andere als losgelöst von Gefühlen, aber von Menschen durchaus. Das ist etwas, was mir selbst immer etwas Angst macht. Doch ob ich zum asketischen Mönch geeignet bin? Ich weiß ja nicht. Zur Askese neige ich nun überhaupt nicht, bzw. nur, wenn ich viel Arbeit habe.
Wenn meine Lernaufgabe allerdings ist, mich leidenschaftlich zu verlieben, so habe ich mein Soll wohl schon 3-4 mal übererfüllt.*gg*

Geiz. Verinnerlichte Angst – Furcht vor Gefühlen.

Die Weltsicht: " Die Welt ist zudringlich. Ich muß allein sein, um denken und auftanken zu können."

Kindheit: Hat gelernt, sich zuzumachen und zurückzuziehen, um zu überleben.

Ausrichtung der Aufmerksamkeit: Was wollen die anderen von mir?

Spirituelle Hindernisse: Das Horten von spirituellem Wissen, von Zeit und persönlichem Raum.

Wachstumschance: Den Unterschied zwischen intellektuellem Wissen und spirituellen Wachstum wahrnehmen.

Was helfen kann: Wahrnehmen, wenn Gedanken und Emotionen vor anderen verborgen werden. Den Unterschied zwischen Ideen und gelebten Erfahrungen wahrnehmen. Aktivitäten finden, die den Körper, Herz und Verstand zusammenbringen.


Ich muss allein sein - ja, immer wieder. Ich habe das Gefühl, dass ich das Alleinsein brauche, um mich in meiner Identität zu erneuern. Und zudringlich empfinde ich die Welt manchmal durchaus. Meine wohl am häufigsten gefragte innere Frage: Was wollen die denn alle von mir?
Wie man Zeit horten kann, hätte ich aber tatsächlich unheimlich gerne gewußt. Denn nichts würde ich lieber tun, wenn ich könnte.

Den Unterschied zwischen Ideen und gelebten Erfahrungen wahrnehmen. Aktivitäten finden, die den Körper, Herz und Verstand zusammenbringen.

Ich habe schon immer gemerkt, dass mir Schreiben alleine nicht gut tut. Schließlich ist das Leben da, um gelebt zu werden und nicht um es zu schreiben. Deshalb lasse ich mir meine anderen weltlichen Zerstreuungen nicht nehmen. *gg*

Mittwoch, 18. Januar 2006

Enneagramm-Test

Ich habe mal so einen Enneagramm-Test gemacht, den findet man übrigens HIER, und bin total erstaunt, überrascht, ja fast beängstigt, wie gut das Ergebnis auf mich zutrifft.

Unter der Enneagramm-Homepage findet man ausführliche Deutungen der Persönlichkeitstypen. Und wenn ich dem Test Glauben schenken kann, gehöre ich zu den Fünfer-Typen. Da das aber so ominös bis in fast alle Kleinigkeiten passend ist, muss der Test wohl recht haben.

Typ FÜNF

Leere

Kennzeichen der FÜNF ist ein tiefes Erlebnis von Leere, ein bodenloser Abgrund, der gefüllt werden möchte. Die FÜNF möchte sich auf dem Weg über den Verstand füllen. Sie findet Sicherheit durch Verstehen und durch Erklärungen. FÜNFer wollen alles verstehen und fahren auf Erklärungsmodelle ab.


Zensur im Kopf

Oft wissen sie währen eines Ereignisses nicht, welche Gefühle sie dabei haben. Die Gefühle kommen erst ein paar Tage später. Denn zunächst nehmen sie die Situation mit dem Kopf auf, wo sie eine Weile verbleibt. Erst nach einer Weile können sie es tiefer sinken lassen und fühlen. Freilich gibt es auch FÜNFer, die es niemals ins Herz lassen sondern immer im Kopf bleiben. Diese FÜNFer sitzen am tiefsten in der Falle. Für sie wird der Verstand zur Zensurbehörde oder zum Kontrollzentrum, das nur diejenigen Informationen zuläßt, die in ihre vorhandene Logik passen. Solche FÜNFer können sehr rigide, engstirnig und - im schlechten Sinne - konservativ sein. Denn wenn ihre Logik sehr eng und auf reine Selbstverteidigung angelegt ist, schaffen sie niemals den Durchbruch zu echter Weisheit, sondern bleiben in irgendwelchen Meinungen stecken, mit denen sie sich übermäßig identifizieren.


Weisheit

Aber wenn sie echter Weisheit erlauben, Kopf, Herz und Bauch zu integrieren, haben sie wirklich viel zu lehren - und zwar gerade deshalb, weil sie nicht an den eigenen Vorstellungen kleben, sondern sich von ihnen lösen können.


Distanz

Bei der FÜNF bemüht man manchmal dasselbe Wort, um ihre Sünde und ihre Gabe zu benennen: Abstand. Sie halten Abstand, was dazu führen kann, daß sie manchmal den Kontakt zur Wirklichkeit verlieren können. Aber dieselbe Distanziertheit kann ihnen im guten Sinne Objektivität vermitteln, eine Objektivität, die andere, die zu sehr gebunden sind, nicht haben.


"Der Welt treu bleiben"

Wenn ihre Logik Weite und ein gutes Fundament hat, können sie in der Tat sehr ausgewogene und weise Menschen werden. Eine FÜNF braucht deshalb gute Lehrer. Das beste Symbol für die erlöste FÜNF ist der Buddha. Der Buddhismus leuchtet einer FÜNF von Haus aus viel unmittelbarer ein als das Christentum. Denn Jesus ist zu blutig, zu engagiert, zu irdisch und zu konkret. Der Buddhismus dagegen betont mehr die Distanz zur Welt und ist viel gelassener. Dennoch hat die klassische Buddhastatue eine Hand nach oben hin geöffnet, und die andere Hand berührt die Erde. FÜNFer müssen die Hand auf dem konkreten Boden haben, mit beiden Beinen auf der Erde stehen, der "Welt treu bleiben", wie Dietrich Bonhoeffe gesagt hat.


Fleischwerdung

Ein anderes Symbol für die FÜNF ist der "ungläubige" Apostel Thomas, den Jesus auffordert: "Rühr mich an! Lege deine Hand in meine Wunde, in meinen Schmerz hinein!" Die FÜNF möchte lieber im Kopf bleiben und eine Definition des Schmerzes abliefern. FÜNFer müssen lernen, die Inkarnation anzunehmen, die Fleischwerdung. Dann bleiben sie realistisch und ausgeglichen.


Denker und Sammler

Die FÜNF sammelt ihre Energie durch die Augen. Oft tragen FÜNFer schon früh eine Brille, weil ihre Augen so schnell verschleißen. Denn sie müssen ständig beobachten. Sie nehmen das Leben durch die Augen auf aber man kann nicht sicher sein, was sie dann damit machen. Manchmal machen sie gar nichts aus ihrem Leben - außer noch mehr Informationen zu sammeln. Deshalb nennen wir ihre Sünde Hab-Sucht: das Sammeln von Informationen um des Sammelns willen. Wenn sie nicht aus sich herausgehen, um mit all ihrem Wissen etwas zu tun, können solche Leute verschroben werden. Und andere nehmen sie nicht mehr ernst. Sie werden Spinner und "spinnen Luftgespinste". Viele große Denker und Philosophen waren FÜNFer.


Die Fünfer wollen alles verstehen - Absolut! Und immer noch tiefer und noch tiefer bohren...
Dass die Gefühle bei mir erst nach den entsprechenden Ereignissen kommen ist etwas, was ich schon oft an mir beobachten konnte und mich immer wieder ärgert. Oft sage ich mir "Mensch! Warum hast du denn nicht gleich was gesagt? Warum lässt du dir das gefallen?" und als Antwort muss ich mir dann immer wieder sagen "Weil ich da noch nichts gespürt habe." Aber drei Stunden danach ist es meist zu spät, sich zu wehren. Und dann versucht man vor Wut sich in den Arsch zu beißen.
Was an mir immer wieder bemängelt wird, was ich aber nicht ablegen kann und irgendwie auch nicht will, ist meine Distanziertheit. Ich weiß nicht, wie oft ich schon Klagen darüber hören musste, aber ich bin einfach so, ich kann es nicht ändern, auch wenn es andere stört.
Und darüber, dass ich alles lese, was mir unter die Finger kommt und immer Angst habe, irgendwas an Wissen zu verpassen, habe ich ja schon einmal einen ganzen Eintrag geschrieben. Ich glaube, ich sollte den mal wieder hervorkramen.

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 6 - Seite 145-182

Die Pforte scheint durchschritten zu sein. Ich hege den leisen Verdacht, dass Joyce sich seine Leser aussuchen wollte und deshalb eine Art Gesichtskontrolle in das Buch eingebaut hat, oder richtiger gesagt, eine Intelligenz- und Gesinnungskontrolle. Einen Eignungstest. Diesen erst einmal hinter sich gebracht, werden einem kaum noch Steine in den Weg gelegt.

Viel noch zu sehen, zu hören, zu fühlen.

Tagesfazit: Zugelassen.

Dienstag, 17. Januar 2006

...

Irgendwie habe ich manchmal den Eindruck, dass sich die Müllschaufeln in meinem Haushalt ungebremst vermehren. Dass gerne Handwerker während Modernisierungsarbeiten ihre Müllschaufeln bei mir stehen lassen, hatte ich ja schon einmal erwähnt. Doch auch jetzt noch finde ich immer wieder Müllschaufeln, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Können die das Geheimnis ihrer Fruchtbarkeit nicht mal an meine Geldscheine weiterreichen?

Aus dem "Bürokästchen" geplaudert...

Heute kam eine "Aktenaufbeauftragte", um nach dringend benötigten Akten zu suchen, die aber leider spurlos aus meinem Zimmer verschwunden sind. Ich ihr also wieder die ganze Misere erklärt und warum ich nicht weiß, wo die Akten abgeblieben sind, dass Fr. H. sich welche geholt hat, aber behauptet, keine weitergegeben zu haben und dass ich deshalb absolut keinen Schimmer habe, was mit den Akten passiert ist. Jedesmal bete ich von vorne diesen ganzen Psalm runter, wenn wieder Akten aus meinen Schränken gewandert sind und komme ich mir dabei total blöd vor.

Aber immerhin kamen wir dann beide zu der einhelligen Meinung, dass die Arbeit so keinen Spass macht. Sie erzählte mir, dass ihr total davor graut, wenn sie demnächst in meiner Gruppe die Rechnungen der Sachbearbeiter anweisen soll. Zum einen, weil sie bisher kaum am Computer gearbeitet hat und meint, dass in ihrem Alter (fünf Jahre vor der Rente) nicht mehr so schnell lernen zu können, zum anderen aber auch wegen der Mitarbeiter. Das kann ich ihr nicht verdenken. Ich finde die Sachbearbeiter ebenfalls oft sehr mürrisch und unfreundlich, deshalb bin ich froh, nicht mehr so viel mit ihnen zu tun zu haben. Komischerweise geht es allen so, mit denen ich rede. Besonders fürchten sich aber die, die nicht das gleiche Wissen und die gleiche Ausbildung haben, wahrscheinlich weil sie sich dann besonders schnell klein fühlen. Da ich mal dieselbe Arbeit gemacht habe, kann man mich da wohl nicht ganz so leicht einschüchtern.

Auch vor meiner Chefin graut ihr. Sie fühlt sich immer ganz komisch in ihrer Gegenwart, weil sie so bestimmend und auftrumpfend ist. Ich gebe zu, dass meine Chefin alleine schon von ihrer Erscheinung und von ihrem Auftreten wirklich sehr einschüchternd wirkt. Ich versuchte die Kollegin davon zu überzeugen, dass sie trotzdem kein Unmensch ist und man auch mit ihr reden kann, zumindest wenn man den richtigen Moment erwischt. Dass sie manchmal sehr kurz angebunden und uninteressiert ist, sowie gerne Arbeit von sich wegschiebt, kann ich allerdings nicht widerlegen. Mich persönlich stört das nicht so, wahrscheinlich weil ich das meist nicht mehr als etwas ansehe, was irgendwie mit mir zu tun hat und es im Gegenteil versuche als eine Art Vertrauenssymptom zu sehen, dass sie halt denkt, dass ich das auch alleine hinkriege (und es sich selbst dafür vom Hals halten kann). Einerseits hat das Vorteile, weil ich relativ wenig Vorschriften gemacht kriege, ich kann selbst entscheiden wie ich meine Arbeit erledigen will (Hauptsache sie ist es dann auch) und bekomme nicht gesagt, wie ich die Punkte zu setzen habe (das hört sich übertrieben an, gibt es aber wirklich). Andererseits ist es aber auch ärgerlich, wenn man sich in bestimmten Fällen rückversichern will oder tatsächlich nicht weiterkommt. Eines muss man ihr jedoch lassen, sie ist wirklich sehr entscheidungsfreudig und redegewandt, zwei Vorzüge, die sie auch ab und zu für ihre Mitarbeiter einsetzt. Und wenn ich etwas an Vorgesetzen überhaupt nicht leiden kann und fehl am Platze finde, so ist es das, wenn sie nicht in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen und zu vertreten, sondern sowas ihren Untergebenen überlassen. Wozu braucht man dann noch einen Chef?

Jedenfalls meinte die Kollegin, dass sie jetzt schon einen Horror davor hat, bei uns dieser neuen Aufgabe nachzugehen und dass sie alles ganz furchtbar findet, die Kollegen, die Chefin und das, was sie lernen soll. Wenn sie sich am Computer einarbeiten müsse und die Sachbearbeiter meiner Gruppe hinter ihr stehen, um ihr irgendwas zu erklären, würde sie sicher total wuschig und nervös werden. Aber wenn ich hinter ihr stehen würde, um ihr was zu erklären, würde ihr das nicht so gehen, setzte sie hinzu. Ich bot ihr deshalb an, dass sie zu mir kommen kann, wenn sie Fragen hat oder nicht weiterkommt und sie schien über das Angebot sehr erleichtert. Sie meinte im Hinausgehen, dass sie hofft, dass ich dann noch da bin, wenn es soweit ist. Wie lange das so geht mit mir und was danach kommt, steht nämlich in den Sternen. Ich sollte jederzeit seelisch und moralisch auf mögliche plötzliche "Luftveränderungen" vorbereitet sein. Da diese "Luftveränderungen" nun fast schon zum jährlichen Brot bei mir gehören, bin ich das auch, aber trotzdem und immer noch kann ich die Ängste dieser Kollegin nur zu gut nachvollziehen.

Murnau's Nosferatu

legal und kostenlos downloaden!

Unter Archive.org findet man diesen berühmten und sehr empfehlenswerten Stummfilmklassiker. Fantastisch-bizarrer Grusel ist garantiert!

In dem Archiv finden sich übrigens auch andere Filmklassiker zum legalen Download, wie z.B. "M - eine Stadt sucht einen Mörder".

Montag, 16. Januar 2006

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 5 - Seite 103-145

Die Geschichte nimmt langsam Formen an. Dank Bloom ganze zehn Seiten keine Fremdwörter.

Eunuch. Auch ein Ausweg.

Tagesfazit: Im Vergleich zu Marcel Proust's recherche du temps perdu kann man dem Werk schon fast Hochspannung und Esprit bescheinigen.

Sonntag, 15. Januar 2006

Säureangriff

Heute bemerkte ich zufällig, dass an der Unterseite meines Spiegelschrankes im Bad ein Fetzen Creme klebte. Zumindest glaubte ich, es sei ein Fetzen Creme und wollte ihn abwischen, doch da merkte ich, dass das Zeug so zäh war wie Gummi. Daraufhin schaute ich in den Spiegelschrank hinein und stellte fest, dass eine Dose Mückenschutz-Hautspray leckte und das Zeug sich am unteren Kranz der Dose direkt in das Plastik hineingefressen hatte, und zwar so tief, dass der Boden in einem kreisförmigen Muster schon fast durchgebrochen ist und unten jetzt diese Plastiktropfen hängen.

Um den Spiegelschrank finde ich es nun nicht weiter schade. Nach fünfzehn Jahren Dienst wollte ich mir sowieso einen neuen zulegen. Allerdings gestaltete es sich bisher verdammt schwierig in der kapitalistischen Wirtschaft einen Spiegelschrank zu finden, der von seiner Tiefe her so reduziert ist, dass auch ich dann noch in mein Liliputaner-Bad passe, wenn er an der Wand hängt.
Viel mehr bewegt mich jedoch die Frage, was diesem Mückenschutzspray wohl für Säure beigemengt worden ist, die sich selbst durch Plastik hindurchfrisst. Die paar Male, die ich bisher das Spray benutzte, konnte ich keine derartigen Wirkungen an meiner Haut feststellen, doch ich glaube, nach diesem Anblick, den der Boden meines Spiegelschranks bietet, sehe ich von weiteren Anwendungen lieber ab.

Samstag, 14. Januar 2006

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 4 - Seite 45-102

Zwar zügig gelesen, doch von Seite 45 bis Seite 70 keine auffälligen emotionalen oder intelektuellen Anregungen. Danach wieder besser. Einmal laut gelacht. Hinter viele Sätze würde ich gerne meine geliebten drei Punkte statt des einen nur setzen.
Mit Bloom habe ich zwar nicht den Antisemitismus, aber die besondere Vorliebe für Nieren gemeinsam.

Da inzwischen weiter fortgeschritten als mein Vater, diesmal eine (gedankliche) Hervorhebung von mir:

Unter seiner Krempe schaute er durch pfauenhaft zwitschernde Wimpern der südenden Sonne nach.
Tagesfazit: Wo kriege ich heute Nieren her?

Freitag, 13. Januar 2006

...

Mir ist es heute wie Schuppen von den Augen gefallen, dass ich irgendetwas falsch machen muss. Während ich in meiner letzten Abteilung, wo es relativ wenig wirkliche Arbeit gab, unangenehm auffiel, weil ich nur die wirkliche Arbeit tat und mich bei diesem allgemeinen Blala hier, BlaBla dort, Leitbilddiskussion und Erfolgsberichterstattung - Wir sind so wichtig und haben so viel zu tun - Aufgeblase immer zurückhielt, werde ich hier, in meiner alten neuen Abteilung wieder mit (wirklicher und enorm dringender) Arbeit zugeschüttet. Ist ja auch kein Wunder, da man mich vermutlich inzwischen schon als Arbeitspferd handelt, als den Bauer, der als erstes in die Schlacht geschickt wird, um die Drecksarbeit zu verrichten. Ich sollte wirklich so langsam mal die BlaBla-Sprache lernen. Wer nämlich diese Sprache beherrscht und den ganzen Tag geschäftig durch die Gegend rast, um BlaBla zu sprechen, bekommt automatisch keine richtige Arbeit mehr, weil jeder denkt, wer so viel von Leitbildern, Quotienten, Organigrammen, Serviceeinheiten, Konfliktmanagement und Statistikauswertungen zu erzählen hat und pausenlos durch die Flure rennt, müsse einfach schon in Arbeit versinken.

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 3 - Seite 14-45

Von den Seiten 15-17 unverhofft gefesselt. Ertappte mich dabei, manche Absätze zweimal zu lesen, nicht nur wegen des Verständnisses.

Zwei bis drei Male laut gelacht. Das Buch ist ja lustig. Na sowas.

Angenehmes Lesetempo. Nicht glatt und fliehend, sondern stolpernd und schweifend. Ein Zeichen, dass das Gehirn zu anderem als Routinearbeit gefordert wird. Kein Schlingen, sondern Kauen. Der Geschmack macht sich nach und nach bemerkbar. Zugang erhält man nach dem Lösen von Rätseln, doch wenn das System ansatzweise durchschaut ist - auch wenn man nur glaubt, es durchschaut zu haben - wird man eingelassen und es liest sich trotz allem relativ flüssig. Genaugenommen ist, bis auf die Fremdwörter und spezielle Textpassagen, nicht einmal wirklich Wissen nötig, sondern hauptsächlich Phantasie. Stichwort Grüne Beine.

Auch mein Vater konnte aus diesen Seiten eine fundamentale neue Erkenntnis gewinnen, die er deshalb dick unterstrich:

"Rothaarige Weiber sind bocksgeil wie die Ziegen."

Tagesfazit: Zuversichtlich.

Donnerstag, 12. Januar 2006

Hund oder Schwein?

Als ich heute wie stets donnerstäglich auf dem Weg zum Supermarkt war, lief kurz hinter mir ein Pärchen mit zwei Hunden. Zumindet glaubte ich, dass es Hunde waren, während ich sie im Dunkeln überholt hatte. Doch hinter meinem Rücken hörte ich plötzlich so ein lautes Grunzen, dass ich hätte schwören können, irgendjemand führt ein fettes Schwein spazieren und mich schon von einem wilden Eber verfolgt fühlte. Schließlich konnte ich meine Neugier nicht mehr zügeln und sah mich demonstrativ um. Doch was ich sah, war ein Hund, ein massiger Bullterrier mit platter Nase, der beim Laufen grunzte wie eine Sau.

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 2 - Seite 1-13

Es ist soweit. Endlich beginnt er wirklich, mein neuer atemberaubender Selbsterfahrungsbericht in Fortsetzungen. Ich mache darauf aufmerksam, dass dieser Selbstversuch einiges an Risiken birgt, sowohl für mich, als auch für meine werten Leser. Partikulare geistige Verwirrtheit, verzweifelte Besäufnisse und/oder unüberwindliche schlafhypnotische Zustände sind nicht ausgeschlossen und können eventuell zum vorzeitigen Abbruch des Experiments führen.

Auf den ersten Seiten faszinierten mich die Bleistifthervorhebungen meines Vaters fast noch mehr als der Text (im übrigen bemerkt man beim Blättern aber, und an dem Lesezeichen, welches immer noch dort steckt, dass er bei Seite 61 aufgegeben hat):

"...die grüne zähe Gallenmasse, die sie unter lautem Stöhnen in Brechanfällen ihrer verfaulenden Leber entrissen hatte."

..."was für ein syphilitischer Saufkopp da den Hintern drin gehabt hat."


Also ich wüsste ernsthaft keinen Grund, der irgendjemanden dazu bewegen sollte, diese Stellen zu unterstreichen und ein dickes Ausrufezeichen dahinter zu kritzeln.

Lustig ist auch das Latein-Raten. Ich habe ja nun während meines Studiums nur das kleine Latinum gebraucht, besitze aber auch in einigen romanischen Sprachen ein paar Grundkenntnisse, sowie einen Semesterabschluss in allgemeiner Sprachwissenschaft. Wenn ich das alles zusammenkratze, kann ich die Lateinbegriffe ziemlich gut enträtseln. Aber für den Fall, dass es mal nicht klappt, gibt es da dieses hinreissende kleine Begleit-Vokabelheft zum Buch.

Tagesfazit: Noch immer voll motiviert.

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 1, Stunde 0 - Die letzte Seite

Ein jungfräulicher Blick in die beiden Bände und schon ergeben sich die ersten bohrenden Fragen, die allerdings noch gar nicht das Werk des Autors, sondern nur die Anmerkung des Übersetzers auf der letzten Seite betreffen:

Es gibt zur Zeit (mit zur Zeit ist hier 1980 und eine Ausgabe aus der Deutschen Demokratischen Republik gemeint - Anmerk. von Zucker) immer noch keinen zuverlässigen, fehlerfreien englischen Text des Ulysses: alle Ausgaben des Originals sind unverhältnismäßig korrupt.
(Hä? Was soll mir das denn jetzt sagen? Muss ich etwa sozialistische Zensur befürchten? *verwirrt ist*)

Die Herausgeber haben aber alle ihnen bekannten, d.h. publizierten oder von Joyce-Forschern in Textstudien vorgelegten, Emendationen geprüft und nach und nach Möglichkeit einbezogen, so daß der Text in Einzelheiten von anderen gängigen Texten abweicht. Besonders im letzten und vorletzten Kapitel konnten dadurch Ergänzungen gebracht werden.
(Aha!)

An die Übersetzung und ihre Durchsicht sind rund fünf Jahre verwendet worden, - dem hohen Schwierigkeitsgrad des Buches glauben es allerdings Übersetzer und Herausgeber schuldig zu sein, weiter an der Übersetzung arbeiten zu sollen.
(Ist sich der Übersetzer wirklich sicher, dass er Deutsch kann?)

Es ist denkbar, daß sie in einer späteren Auflage an einzelnen Stellen zu anderen Lösungsvorschlägen als den hier gemachten gekommen sein werden.

Hm, sollte diese Bemerkung auf der letzten Seite tatsächlich aus der Feder des Übersetzers stammen, so habe ich den klitzekleinen Verdacht, dass es wahrscheinlich nicht die Schuld des Autors sein wird, wenn ich das Buch nicht verstehe.

Mittwoch, 11. Januar 2006

Ulysses - der isses oder besser gesagt, soll es sein, und mein Kampf mit dem Müll

Ausnahmsweise ist diesmal mit Müll nicht der Roman gemeint, was einige meiner Leser sicher aufatmen lassen wird, sondern der Müll meiner Eltern, genauer gesagt, der meines Vaters. Ich durfte mir heute das Werk bei meinen Eltern abholen, meine Mutter machte mich aber gleich darauf aufmerksam, dass sie es nicht gefunden habe. Ich solle selber schauen. Nun mache man das mal bei ca. zehn doppelreihigen und deckenhohen Regalen mit tausenden von Büchern, vor denen meterhoch Kisten und Gerümpel gestapelt sind. An einige Regale bin ich nicht mal bis auf einen Meter herangekommen, da hätte ich schon fliegen müssen, aber das kann ich leider nicht.

Mir tut es im Herzen weh, wenn ich sehe, wie meine Eltern hausen, aber mein Vater, ein typischer Messie, kann sich von absolut überhaupt nichts trennen, nicht einmal von alten Dosen und Zeitungen. Leider ist er so aggressiv, dass Überredungsversuche oder Tricks aussichtslos sind. Allerdings glaube ich, dass er sich selbst nicht wohl fühlt zwischen den ganzen Müllbergen und mir kommt es so vor, als ob er, seit er jetzt an einer Depression leidet, auch nicht wirklich mehr so viel Interesse an seinen "Reichtümern" zeigt. Vielleicht musste es erst so weit kommen, damit er merkt, dass materieller Besitz allein nicht glücklich oder sicher macht, selbst wenn man für sämtliche Notfälle und Gelegenheiten die passenden Döschen zu Hause hat. Oder aber, er war vorher schon depressiv, hat es jedoch mit diesem ganzen Schnickschnack kompensiert. Da er sich nicht helfen lassen will, wird es wohl nicht mehr besser werden und meine Mutter leidet darunter. Manchmal habe ich aber den Verdacht, dass sie selbst auch etwas vermüllt ist, es jedoch allein meinem Vater in die Schuhe schiebt.

Jedenfalls musste ich heute, als ich zum Abendessen blieb, das mindestens fünfzig Jahre alte und völlig stumpfe Besteck wiedererkennen, mit welchem schon mein 15 Jahre älterer Bruder seinen ersten Grießbrei aß. Dabei besitzen sie seit langer Zeit ein neues Besteckset, welches zu den Feiertagen auch regelmäßig aufgelegt wurde (und es ist NICHT etwa kostbares Tafelsilber, sondern lumpiger Edelstahl). Ob meines sehr ungläubigen und fassungslosen Gesichtes raste meine Mutter dann gleich hinaus, um das neue Besteck zu holen, was aber nichts mehr half. Ich fragte mich trotzdem, warum um alles in der Welt meine Eltern das neue, überhaupt nicht kostbare Besteck nur an Feiertagen benutzen. Für was um Gottes Willen wollen sie es denn schonen? Etwa für die Erbschaft? Für was in Gottes Namen heben sie dieses alte, unansehliche Aluminiumzeug auf? Wenn das alte Besteck mehr als fünfzig Jahre überstanden hat, wird es das neue sicher auch für etliche Generationen, es besteht also keinen Grund, vorsichtig damit umzugehen. Genau deshalb entfuhr mir spontan die fassungslose Frage: "Habt ihr das immer noch nicht verschrottet?"

Na ja, die Chance, das gewünschte Buch zu finden, war also ziemlich gering. Ich glaube, ehe ich sämtliche Regale ausgeräumt hätte, um an die hinteren Reihen zu kommen, oder ehe ich irgendwie über all die Kisten und das Gerümpel geklettert wäre, um überhaupt an einige Regale ranzukommen, hätte ich es mir dann wohl lieber selbst gekauft. Würde mich ja nicht gerade in den finanziellen Ruin stürzen. Ich sah die Regale durch, so gut wie das ging, versuchte es hinter Marcel Proust, weil ich dachte, dass es gut dorthin passen würde und als das alles nichts brachte, wollte ich schon fast aufgeben. Doch dann, im letzten Moment, fand ich es. Zwei Bände. Ich halte das für ein gutes Omen.

Als ich aber mit meiner Beute in die Küche kam, meinte mein Vater gleich mit Blick auf die beiden Bücher zu mir: "Na, das wirst du sowieso nicht verstehen.", worauf meine Mutter mit ironisch spitzer Zunge zu mir sagte: "Er ist der einzige, der das versteht, weißt du...."
Trotzdem ließ sie es sich nicht nehmen, mir zum Abschied an der Tür noch einmal Mut zu machen:
"Lass dir Zeit, lies schön langsam. Du wirst es schon verstehen. Bist ja klug."
Seltsam, warum beruhigen mich diese Worte nu gerade überhaupt nicht?