ist das ja ein komisches Gefühl, wenn man ein altes Buch in den Händen hält, das schon in Besitz fremder und höchstwahrscheinlich verstorbener Menschen gewesen ist. Neugierig wie ich bin, habe ich mal gegoogelt und fand eine ganze Graf-von-Brockdorff-Seite, nämlich hier:
http://www.grafvonbrockdorff.de/
Allerdings scheint es von diesem Adel viele verschiedene Linien überall in Deutschland zu geben und den Vornamen kann ich leider nicht entziffern. Man, ist das alles aufregend....
Meine Mutter läßt ja zur Zeit Bücher tonnenweise abfahren, aller Zimmer sind voll gestapelt, und wir gucken dann mehr oder weniger durch, ob wir davon noch was haben wollen. Unter diesen auf den Altstoffhandel wartenden Exemplaren gibt es jede Menge teure Ausgaben, für die man viel Geld zahlen müßte. Als ich das meiner Mutter sagte, meinte sie nur: "Tja, erst gibt er viel Geld aus, um sie zu kaufen, und jetzt gebe ich viel Geld aus, um sie wieder loszuwerden.". Ich glaube, wenn mein Vater das vorher gewußt hätte, als er voll da war, hätte er sich im noch nicht vorhandenen Grab umgedreht. Da ich in meiner Wohnung nur wenig Platz habe und meine zwei Bücherregale schon fast voll sind, muss ich mir sehr ausführlich überlegen, welche davon ich nehmen will und auf welche ich verzichte. Deshalb nehme ich vor allem die, mit denen ich schon geliebäugelt habe, die mir aber immer zu teuer waren, um sie zu kaufen. Das wären zum Beispiel zwei dicke Bände der Geheimlehre von Madame Blavatsky in einer alten Ausgabe, die mal einem Grafen von Brockdorff gehört hat. Diese Ausgabe hat mein Vater sogar selbst repariert - er hat manchmal selbst Buchbindearbeiten durchgeführt -, denn anscheinend waren die Seiten schon lose.
Dann wäre da das dicke medizinische Manual, die Bibel der Ärzte, für die man ebenfalls ein Haufen Geld ausgeben muss, sowie der Wälzer "Hitler's Tischgespräche" mit den aufgezeichneten Aussagen und Reden Hitler's im engeren Kreis, für einen Geschichts- und Psychologieinteressierten wie mich nicht vernichtbar. Außerdem noch eine Chronik des Heiligen Krieges von Scholl-Latour, der zum Glück gleich ein Zeitungsartikel beigelegt ist, aus dem hervorgeht, dass die Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind, wobei ich mir ja immer einbilde, Hetzerei ziemlich schnell durchschauen zu können. Jedenfalls ist es auch sowas, das ich mir niemals selbst kaufen würde, mich aber trotzdem interessiert.
Desweiteren bin ich gestern im Baumarkt schwach geworden und habe mir für 6,50 € einen Kunstdruck von Rosina Wachtmeister gekauft. Schwach deshalb, weil mir die Sachen von Wachtmeister zwar immer ziemlich gut gefallen haben, zumal ich ja so ein Katzenfreak bin, mir aber nie sowas kaufen wollte, was man überall in den Katalogen und Geschäften sieht. Außerdem wollte ich mir sowieso nicht mehr so viel Bilder in das Zimmer hängen, weil ich finde, dass meine kleine Wohnung bunt genug ist, und wenn Bild, dann keinen Kunstdruck. Stattdessen hatte ich geplant, zwei mit ägyptischen Szenen bemalte Papyrusblätter, die mal zu einem Kalender gehörten, zu rahmen. Die passen dann auch gut zu der bronzenen Bastetfigur, die ich ebenfalls aus dem aussortierten Zeug von meinem Vater habe. Doch an diesem Bild bin ich dann irgendwie nicht vorbeigekommen. Ich weiß noch nicht, wo ich es hinhängen werde.
Was wohl eine "Krimiehe" ist?
Gelesen statt "Krimireihe"....
"Stell dir vor was heute passiert ist: Ich bin rübergegangen und die Tür war verschlossen!" begrüßte er letztens meine Mutter. Es ist hauptsächlich sie, die das wirre Zeug, das er jetzt mehr und mehr von sich gibt, mitbekommt, da sie ihn noch immer fast jeden Tag im Pflegeheim um die Ecke besucht. Wenn ich oder mein Bruder ihn besuchen, dann erkennt er uns zwar, vergisst aber sofort wieder, dass wir da gewesen sind. Meine Mutter ist froh darüber, dass sie ihn in dem evangelischen Heim gut aufgehoben weiß und hat jetzt erneut begonnen, mittwochs zum Töpfern zu gehen. Das Personal ist bemüht, er hat sein eigenes Zimmer, wird alle zwei Stunden umgebettet, damit er sich nicht wundliegt - er kann sich ja selbst nicht bewegen - und das Essen dort scheint gut zu sein, denn im Gegensatz zum Krankenhaus, haut er mittags tüchtig rein. Vor ein paar Tagen gab es Eierkuchen - Plinsen sagte er dazu, wie sie im Spreewald heißen - und er hat jede Menge verdrückt.
Windeln trägt er jetzt nicht mehr, denn von alleine geht nichts mehr - er wird seinen Blasenkatheder behalten und auch den künstlichen Darmausgang. Seine ehemalige Hausärztin betreut ihn im Heim weiter, hat eine Spezialmatratze für in beantragt, die wie eine Luftmatratze mit Luft gefüllt ist und am besten gegen das Wundliegen helfen soll. Sie meinte, dass sie bisher wenig Glück mit diesen Matratzen hatte, weil sie von der Kasse meist abgelehnt wurden, aber bei meinem Vater haben sie die Kosten anstandslos übernommen. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass er nochmal auf die Beine kommt und er scheint selbst kein Interesse daran zu haben. Meine Mutter wollte ihm die Vorstellung schmackhaft machen, dass sie ihn mit einem Rollstuhl in den anliegenden Park fahren könnte, wenn er in der Lage wäre zu sitzen, aber das scheint kein Anreiz für ihn zu sein, er zuckt dann nur mit den Schultern. Eine Physiotherapeutin war da, die seine Füße bewegt und ein paar Übungen mit ihm gemacht hat, er hatte aber schnell genug und später darauf angesprochen, erneut einige Übungen zu machen, antwortete er, dass er das doch schon getan hätte und man ja auch mal eine Ruhepause brauche.
Es ist nicht mehr zu übersehen, dass es nicht alleine das körperliche Handikap ist. Er redet immer häufiger von längst verstorbenen Menschen, sagt zu uns, wir sollen seine Mutter grüßen, bzw.fragt was sie macht, redet auch von meiner anderen Großmutter und dass sie doch kommen wollte, fragt nach Leuten, die er selbst schon längst beerdigt und unter die Erde gebracht hat. Neulich sagte er zu meiner Mutter, dass er um Fünf Uhr eine Beerdigung habe und sie ihm die schwarzen Schuhe und den Talar bringen soll, und ein anderes Mal eben dieses: "Stell dir vor was heute passiert ist: Ich bin rübergegangen und die Tür war verschlossen!" Er setzte noch hinzu, dass er nicht mehr rausgekommen sei, deshalb geschrien habe und die Heimleiterin erschienen sei. Eine Schwester, darauf befragt, erklärte, dass es tatsächlich einen Zwischenfall gegeben habe. Er sei mit dem Fuß zwischen das Gitter des Bettes gerutscht und hätte ihn sich eingeklemmt. Als er laut geschrien habe, seien sofort ein paar Schwestern in das Zimmer gelaufen und hätten ihn befreit. Nun kann man rätseln, was es mit dem Rübergehen und der Tür auf sich hat. Ich vermute stark, dass er nicht mehr zwischen Träumen und Wirklichkeit so recht unterscheiden kann, denn einen anderen Tag meinte er zum Beispiel, dass ihm sämtliche Zähne ausfallen würden, was aber nicht stimmt - er hat noch alle und die sitzen fest. Vermutlich hat er das geträumt und bei dem Vorfall hat er eventuell ebenfalls geträumt, da er außerdem was von "Unterricht" erzählte. Vielleicht ist er im Traum in den Gemeindesaal hinüber gegangen, wo immer der Konfirmandenunterricht statt fand. Oder er ist wirklich "rübergegangen" und es war die Himmelspforte, die er verschlossen fand. K. meinte einmal, das Leben beginnt in Windeln und es endet in Windeln. Ich glaube, das ist sogar im weitesten Sinne wahr, denn nicht nur, dass er hilflos wie ein Säugling ist, gefüttert, gewaschen und gebettet werden muss, es ist ja auch ein Phänomen bei Säuglingen und Kleinkindern, bei denen das Bewußtsein noch nicht vollständig entwickelt ist, dass sie Traum und Wirklichkeit nicht unterscheiden können. Genauso ist es wohl am Lebensende, wenn das Bewußtsein sich langsam wieder zurückzieht. Ob dies nun tröstlich ist oder nicht, darüber kann man nur spekulieren, aber erst jetzt verstehe ich den Traum, den ich hatte, kurz nachdem mein Vater in das Krankenhaus kam (es ist nach meiner Erfahrung häufig so, dass man Träume erst nach einiger Zeit deuten kann, wenn entsprechende Ereignisse eingetreten sind). Ich träumte von einem älteren Mann mit einer Mitra auf dem Kopf, der langsam im Wasser eines Sees oder Teiches versinkt, bis nur noch die Mitra zu sehen ist. Damals habe ich meinen Vater nicht erkannt und konnte mit dem Traum nichts anfangen, da er zum einen keine Todesnachricht zu sein schien, aber auch nicht das Gegenteil. Und als evangelischer Pfarrer trägt er natürlich keine Mitra. Nun jedoch sieht mein Vater völlig verändert aus - der Vollbart ist ab, das Haar ist viel weißer und seine Augen sind so unglaublich hell (ein helles Grün, das früher mehr grau wirkte, und das sich in meinen Augen wiederholt), unnatürlich hell, was wahrscheinlich durch die Opiate in den Schmerzmitteln kommt, durch die sich die Pupillen verengen. Und jetzt gleicht er haargenau dem Bild des Mannes aus meinem Traum - ich hatte ihn damals schon so gesehen, wie er heute ausschaut. Auch das andere im Traum erklärt sich fast von selbst: Es ist ein langsames Weggleiten, Absinken in den Schoß des Unbewußten, nur was die Mitra symbolisiert, ist nicht ganz klar, vielleicht eine Essenz, vielleicht aber auch ein Status.
Ich glaube, dass es noch eine Weile dauern wird, bis er vollständig "hinübergegangen" ist. (Ich glaube auch ungefähr zu ahnen, wann das sein wird, denn die Hinweise waren bei ihm immer sehr deutlich, und eventuell werde ich dazu noch einen eigenen Eintrag für Astrologieinteressierte schreiben.) Bis dahin wird er wohl weiter hin- und herreisen und allem Anschein nach etliches aus seinem Leben aufzuarbeiten versuchen. Jedenfalls hat er sich neulich ganz überraschend bei meiner Mutter für die viele Arbeit, die sie mit ihm hatte und noch haben wird, bedankt - etwas, was vorher niemals vorgekommen ist.
Ab und zu ist er noch aggressiv, aber als ihn letztens eine der Schwestern darauf ansprach, warum er sie beschimpft, behauptete er, nichts davon zu wissen und entschuldigte sich schließlich. Ich könnte mir vorstellen, dass er sowas teilweise wirklich nicht mehr weiß, zum einen, weil er es wahrscheinlich längst wieder vergessen hat, oder zum anderen, weil es tatsächlich sowas wie Aussetzer sind.
Er hat jegliches Interesse an Büchern verloren, hat zwar tonnenweise davon angehäuft, doch jetzt, wo es an das letzte geht, sind es wohl doch nur die einfachen Dinge, wie zum Beispiel Süßigkeiten, die noch Beachtung finden. Irgendwann, und sei es erst mit einem Bein im Grab, wird anderes wichtiger.
Mich erinnert seine beginnende Demenz stark an das Schicksal meiner Großmutter, seiner Mutter. Diese hat in hohen Jahren im Altersheim auch ständig von verstorbenen Leuten geredet und von ihrer Arbeit, dass sie Brötchen austragen müsse, usw.
Ich vermute, dass meinem Vater die Veranlagung dazu vererbt wurde und durch die vielen Narkosen, sowie das künstliche Koma und die Isolation der Ausbruch sozusagen forciert wurde. Deshalb bin ich entgegen meiner Mutter gar nicht so sicher, ob ein Einzelzimmer wirklich so günstig ist, selbst wenn er nichts hören kann. Als er im Krankenhaus in einem Mehrbettzimmer war, hat er sich immerhin für die anderen Kranken interessiert, war neugierig und wollte dauernd wissen, was dieser hat und was jener. Ich glaube, dass es hauptsächlich der Wunsch meiner Mutter ist, dass er allein liegt, damit sie mit ihm alleine im Zimmer sein kann. Überhaupt ist es manchmal wirklich grausig zu beobachten, mit welchem Enthusiasmus sie sich auf ihren neuen hilflosen Säugling wirft. Das hört sich vielleicht zynisch an, aber das Grausige ist dabei nicht, dass sie sich um meinen Vater kümmert, sondern das Grausige ist es zu sehen, mit wie viel Egoismus und fehlendem Einfühlungsvermögen sie das macht. Auf den ersten Blick scheint es, als würde sie sich selbstlos für jemand anderen aufopfern, doch auf dem zweiten Blick erkennt man, wie sehr sie selbst den anderen braucht und sich in dieser Aufgabe ohne Rücksicht auf Verluste oder die Person des anderen durchzusetzen versucht. Ihr selbst ist das natürlich nicht bewußt, sie glaubt, nur das Beste zu wollen, was ja wirklich stimmt, nur dass sie nie merkt, wie stark die Entscheidung über das Beste von ihrem eigenen, verleugnetem Egoismus beeinflußt wird. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum ich als Kind gezwungen war, immer eine gewisse Distanz zu meiner Mutter aufzubauen, eine Vorgehensweise, die ich bis heute ebenfalls bei anderen Menschen beibehalten habe, um nicht völlig von meiner Mutter vereinnahmt zu werden und meine eigene Identität zu verlieren. Erst im Nachhinein merke ich, wie sehr ihr es trotzdem gelungen ist, mich in Hinsicht meiner eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu verwirren. Doch was die Beziehung zwischen meinen Vater und meiner Mutter angeht, mische ich mich da nicht mehr ein. Beide waren/sind so voneinander abhängig, dass sie sich trotz aller Aggressivität, Feindseligkeit und aller gegenseitigen offenen und versteckten Manipulationen für ein ganzes Leben zusammen entschieden haben, und in dem Maße, wie seine Persönlichkeit zerfällt und die Rollen eindeutig verteilt sind, wird es ihn nicht mehr stören. Manchmal denke ich sogar, es sollte so sein, es war vorherbestimmt, vielleicht gibt es tatsächlich Wiedergeburt und Karma und beide haben dieses Szenario freiwillig in einem anderen Leben gewählt.
Mir bleibt zu hoffen, dass ich neben der Augenfarbe nicht ebenfalls dieses Demenzgen vermacht bekommen habe, und dass es so, wie alles gekommen ist, gut war. Für meine Mutter war es das auf jeden Fall. Sie meint, wenn es ein plötzlicher Todesfall geworden wäre, wäre sie total überfordert gewesen. So hat sie jetzt Zeit sich langsam daran zu gewöhnen, allein zurecht zu kommen. Und ich selbst finde, dass sie in dieser neuen Situation, wo sie die Möglichkeit hat, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und gleichzeitig weiterhin ihren Sinn darin findet, jemanden zu bemuttern, regelrecht aufblüht. Ob es für meinen Vater auch besser so ist, werden wir nie wissen.
Mit tendenziellen Dummbeuteln zu tun zu haben ist das eine, Kindergarten, Gängelei und der Hang zum Treten nach unten und Buckeln nach oben das andere, und die Art, wie manche übervorteilt werden, das dritte. Eigentlich ist alles so wie immer - je mehr man arbeitet, um so mehr ist man in den Arsch gekniffen. Da kommt gestern eine Kollegin und sagt, ich solle mich um die Post von Kollegin H. kümmern, die sich vor ein oder zwei Wochen krank gemeldet hat (im übrigen hält sie sich generell öfter zu Hause auf als auf Arbeit). Anscheinend hat sie gewußt, dass sie krank wird, denn sie hat mir vorher noch rechtzeitig zwei echte Scheissakten gegeben, die sie zwar angefangen hatte, aber wohl nicht weiter bearbeiten wollte. Ok, dachte ich, wahrscheinlich weiß sie über dieses Metier nicht so genau Bescheid wie ich, und saß ca. drei Tage an den Dingern. Im Prinzip hab ich ja auch nichts dagegen, mich um ihre Post zu kümmern, allerdings nervt es mich, dass ich mich kümmern soll, aber sich nie irgendein Schwein um meine Post kümmert, wenn ich nicht da bin. Diese stapelt sich munter, bis der Postkasten überquillt, was er im übrigen schon nach zwei Wochen macht. Nun habe ich also die Post von ihr geholt und meiner Kollegin noch gesagt, dass ich ab nächster Woche Urlaub habe. Die Post war lächerlich wenig - eine Postmappe und zwei bis drei Briefe, für mich zwar gut, aber auch irgendwie verdächtig, nun gut, wer kaum anwesend ist, kann natürlich nicht viel schreiben und bekommt eben wenig Post.
Heute kommt nun meine Chefin und meint so, sie habe gehört, ich sei bald im Urlaub, wann ich denn Urlaub hätte, sie habe sich das nicht aufgeschrieben. Ich sage ihr also, dass ich ab nächste Woche vier Wochen Urlaub habe und sie fragt: "Habe ich das denn schon unterschrieben?"
Ich: "Aber natürlich. Ich habe es sogar schon von der Büroleitung zurück."
Sie schief grinsend: "Na gut. dann lassen wir das so."
Ha, ha, ha, Witz komm raus....
Ja, ich weiß lieber würde sie mich an den Schreibtisch ketten, mich kann man ja so schön als Arbeitsklaven mißbrauchen, mir alles aufdrücken, wozu man selbst keine Lust hat, und alle anderen wegrationalisieren. Ich verlange noch nicht mal eine Stelle oder eine Beförderung - wie praktisch.
Ich bin ehrlich froh, dass ich in den nächsten vier Wochen zwar weiterhin jede Menge Arbeit haben werde, aber nur mir selbst gegenüber verpflichtet und verantwortlich bin, mich nicht gängeln lassen muss, keine Arbeit von anderen miterledigen muss und hinterher mehr von der Schufterei habe werde, als einen Arschtritt. Ich entscheide, wann ich wieviel und was mache, wie schnell oder wie langsam ich arbeite, ob ich zwischendurch was anderes machen möchte oder nicht. Niemand der herumnörgelt, weil auf einer Exceltabelle keine Pluszeichen vor den Zahlen stehen, weil Zahlen ohne Minus in Excel automatisch Pluszahlen sind, niemand, der andere aus Karrieregeilheit unter Druck setzt und hundert Statistik-Meldungen für nix haben will. Das wird zwar auch jede Menge Stress, aber wenigstens ist er selbstgemacht.
Vor meinem Bürofenster singen gerade Kinderstimmchen aus einer Kindergartengruppe ständig "Hei, hei, hopsassa, der Herbst ist da!"
Nachdem das nun an die zwanzig Minuten so ging, bin ich inzwischen auch soweit und singe begeistert an meinem Schreibtisch mit:
Hei, hei, hopsassa, der Herbst ist da!
Hei, hei, hopsassa, der Herbst ist da!
Hei, hei, hopsassa, der Herbst ist da!
Hei, hei, hopsassa, der Herbst ist da!
Hei, hei, hopsassa, der Herbst ist da!
Ja, das waren noch Zeiten, als man den ganzen Tag hindurch singen und spielen durfte....
Eigentlich hätte ich nicht damit gerechnet, diese noch einmal in meinem Leben wieder zu sehen. Schließlich habe ich sie stets so bald wie möglich nach einem Schuljahr oder wenn ich wusste, dass ich sie nicht mehr brauche, entsorgt. Ich hegte nie das Bedürfnis, so etwas aufzuheben. Das einzige, was ich noch besitze, ist meine Facharbeiterprüfungsarbeit mit dem Titel: "Untersuchen Sie, welche Spezialmaschinen bei der Anfertigung einer Hose eingesetzt werden, beschreiben Sie deren Anwendung und die sich daraus ergebenden Vorteile.", eine Staatsbürgerkundearbeit zu der Aufgabe "Erarbeite eine Argumentation zu der Behauptung, die Sowjetunion bedrohe die freie Welt mit einer maßlosen Aufrüstung und trage somit die Schuld an der Verschärfung der internationalen Lage!", eine Semesterarbeit zu dem Thema: "Gefährdet der Dualismus zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Funkmedien die politische Funktion dieser Massenmedien?", sowie diverse juristische, betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Klausuren. Ich habe meine Schulhefte und -hefter gehasst, ebenso wie ich meine Schrift und generell das Mitschreiben gehasst habe, und hatte nie Lust, mir mein Gekrakel irgendwann nochmal zu Gemüte zu führen.
Heute nun erzählte meine Mutter, als ich bei ihr war, um wieder einigen Müll wegzuschaffen, dass sie den letzten großen Karteikasten meines Vaters erst nicht aufbekommen habe, er ihr aber plötzlich herausgerutscht und der gesamte Inhalt herausgefallen wäre. Dieser bestand aus Bergen von handbeschriebenen und in der Mitte durchschnittenen Papierblättern. Meine Mutter fragte mich feststellend, dass das doch meine Handschrift wäre. Ich erkannte meine Schrift ebenfalls, konnte mir jedoch nicht vorstellen, woher meterweise beschriebenes Papier von mir kommt, weshalb ich erst zweifelte. Doch nach Durchsicht fand ich auch noch ein A5-Heft, auf welchem in Russisch mein Name stand und diverse Karteizettel, die meinen Namen enthielten. Als ich mir die Sachen genauer anschaute, stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass mein Vater anscheinend sämtliche Schulhefte aus allen Klassen von mir gesammelt, sie auseinandergenommen und in der Mitte durchgeschnitten hat, damit die Seiten als Karteiblätter in den Karteikasten passen.
Genaugenommen haute mich das so aus den Socken, dass ich immer wieder rief: "Was ist das denn? Das gibt's doch nicht!", denn zum einen ist es mir wirklich ein Rätsel, was er mit diesem Papier wollte und zum anderen, wie er da ran gekommen ist. Es scheint fast so, als hätte er sie aus dem Mülleimer gefischt, wenn ich sie entsorgt habe. Eigentlich ist das meiste darin völlig uninteressant, gerade aus den unteren Klassenstufen, außerdem ist ja alles zu Karteikarten zerschnitten, wenn er einfach nur ein Heft hätte von mir aufheben wollen, wäre es nicht notwendig gewesen, diese kiloweise in Karteikästen zu horten, es ist mir unbegreiflich, was er sich dabei gedacht hat. Merkwürdig daran finde ich auch, dass sich nur Schulhefte von mir finden, aber kein einziges von meinem Bruder.
Meine Mutter wollte wissen, ob ich das Zeug haben will, aber da ich es bisher nicht vermisst habe, werde ich es auch künftig nicht vermissen. Wer kann es sich schon leisten, in einer kleinen Mietwohnung jedes winzige Zipfelchen seines Lebens in einem Archiv zu verwahren (ok, bis auf Marlene Dietrich, aber die hatte dann auch nur noch Platz für das Bett)?
Sollte mir wirklich irgendwann der Physik-Nobelpreis verliehen werden, ist das natürlich ein herber Verlust für meine künftigen Biographen, wenn sie nicht mehr in meinen alten Physikheftern wühlen und nach den ersten Geistesblitzen fahnden können. Aber so ein bißchen geheimnisvolle Aura hat noch nie geschadet....
Ok, wenn ich mir vorstelle, was ich noch alles schreiben muss, damit die Geschichte so wird, wie mir es wage vorschwebt, mal ganz abgesehen davon, was mir zwischendurch so für Sachen einfallen, könnten es wohl doch 700 Seiten werden. Allerdings müßte ich dann tatsächlich etwas schneller schreiben, damit das Ganze noch fertig wird, bevor ich das Zeitliche segne. :-/
Gestern machte ich mit M. wieder einen Ausflug nach Potsdam, diesmal aber nicht zum überlaufenen Sanssouci, sondern in den Neuen Garten am Heiligen See. Dort findet man relativ wenige Touristen, abgesehen vom Schloß Cecilienhof, das ein Hotel berherbergt, allerdings scheinen die Hotelinsassen sich wenig im Neuen Garten zu verlaufen. Obwohl den ganzen Tag dicke graue Wolken am Himmel hingen, regnete es nicht, und auch meine Kamera hat ein großes Lob verdient. Ich habe letztens sehr preiswert eine 1 GB-Speicherkarte bekommen, auf welcher ich nun Platz für 420 Fotos habe, so dass es nie mehr Speichermangel gibt. Allerdings hatte ich Sorge, dass dafür der Akku nicht so eine lange Tour durchhalten würde und ein Ersatzakku habe ich nicht. Doch es ist echt Wahnsinn, ich habe genau 195 Bilder gemacht und das Akku war immer noch zweidrittel voll (und das, obwohl ich die Kamera zwischendurch oft angelassen habe, weil sich beim ständigen An und Aus manchmal das Objektiv verklemmt). Unglaublich!
Es war ein schöner Tag und wir haben viel gelacht, insbesondere M. über meine Angewohnheit, statt Miniermotte, oder wie die heißt, Minimiermotte zu sagen. Aber ganz so falsch ist das ja nicht, denn schließlich minimiert sie ja die Kastanien. *gg*
Angefangen haben wir unsere Tour bei der kleinen gothischen Bibliothek. Danach sind wir am Ufer des Heiligen Sees entlang zur Küche des Marmorpalais. Von hier aus führt ein unterirdischer Gang direkt bis in das Palais. Zwischendurch einen Abstecher zur pseudoägyptischen Pyramide. Und dann weiter am Heiligen See entlang bis zum Grünen Haus. Auf dem See konnte man sogar richtige Fregatten sehen und die nachfolgende Grotte am Jungfernsee animierte M. wegen des Namens ebenfalls zu einigen Heiterkeitsausbrüchen. Von hier aus zum Schloß Cecilienhof und weiter hinauf auf den Pfingstberg zum Belvedere. Und wieder am Jüdischen Friedhof vorbei hinab Richtung Russische Kolonie. Hier findet man eine Orthodoxe Kirche und viele traditionelle russische Holzhäuser.
Von hier sind wir auf unserem Rundgang wieder am Eingang des Neuen Gartens angelangt, insgesamt waren ca. vier Stunden unterwegs, hatten aber noch keine Lust nach Hause zu fahren, weshalb wir beschlossen, uns noch ein stilles Plätzchen zum Ausruhen zu suchen. Da ich mehr als 200 Bilder übrig hatte, kam ich an der gothischen Bibliothek spontan auf die Idee, Fotos von M. zu machen. Leider hatte eine Fotografin die gleiche Idee, um ein Hochzeitspaar zu fotografieren und auf ihren Wunsch hin, mussten wir uns hinter die Bibliothek verstecken, damit wir nicht mit auf den Hochzeitsbildern erscheinen. Weil mein Kumpel keine Lust hatte, gestellte Fotos von sich machen zu lassen, schlich ich immer hinter ihm her, um unauffällig ungestellte Fotos zu machen, wobei ich zwischendurch von einigen Enten abgelenkt wurde, die ich ebenfalls fotografierte.
Ich hatte noch immer mehr als genug freie Bilder, weshalb ich M. kurzerhand die Kamera in die Hand drückte und beauftragte, auch von mir Fotos zu machen.
Zu guter Letzt suchten wir uns eine Bank mit Blick über den gesamten Heiligen See bis hinüber zum Grünen Haus, wo wir bis zum Einbrechen der Dunkelheit verweilten. Mit der Dämmerung gingen am Grünen Haus zwei Laternen an, die über den See leuchteten und dieser Anblick brachte mich auf die Idee, dass ich mir so einen Landsitz durchaus für mich selbst vorstellen könnte - ein schönes Landhaus direkt mit Blick auf den (unbefahrenen) See auf der einen Seite und auf der anderen Seite des Sees eine kleine Bibliothek mit Schreibzimmer in der Kuppel ebenfalls mit herrlichem Ausblick. Allerdings befüchtete ich, dass einem in so einem Schreibzimmer mit diesem Landhausausblick wahrscheinlich nur schnulzige Liebesromantik einfällt.
Außerdem sagte ich, dass auf solchen alten Landsitzen mit stillen Seen immer weiße Frauen spuken. Zufälligerweise liefen da gerade eine weiße und eine schwarze Gestalt an der Biblothek herum und mein Kumpel meinte, da sei die weiße Frau. Nun stellte sich aber bei genauerem Hinsehen heraus, dass das weiße ein Mann und das schwarze eine Frau war, worauf ich entgegnete, dass es doch eigentlich umgekehrt sein müsste - schwarzer Mann und weiße Frau. Dies erklärte M. damit, dass sie wahrscheinlich einen Rollentausch gemacht hätten und so haben wir noch eine Weile völligen Unsinn geredet, bis wir uns schließlich auf den Heimweg gemacht haben.
Wird einem der Physik-Nobelpreis eigentlich auch für außerordentliche Dienste an verdienten Physikern verliehen?
finde ich wirklich sehr aussagekräftig. Eine blonde Walküre mit Riesenti....., äh ich meine einem Riesentitel "Deutsch ist geil". Irgendwie wirkt das auf mich wie die albtraumhafte Vision der unheilvollen Allianz zwischen einem gewissen geizigen Elektronikfachhändler und der Telefonsexwerbung im Fernsehen. Alleine dies ist für mich ein Grund, die REPs nicht zu wählen.
Fortwährend du,
fortwährend fort,
während du streichst
ziellos umher
sagst du stets,
es gäbe da nichts,
doch hältst dich fest,
Rosen knickend,
spürst die Dornen nicht -
wirf sie fort,
während du gehst!
dass zumindest ich (denn ich habe nicht den Eindruck, dass sonst noch viele mitlesen), meine Fortsetzungsgeschichte ungeheuer spannend und nervenzerreißend finde. Dies meine ich jetzt nicht gleichbedeutend mit gut, aber die Spannung bringt mich wirklich bald um, die Spannung, ob und wie ich es wohl schaffen werde, alle drei völlig zeitunabhängigen Handlungsstränge punktgenau und plausibel zu einem Ganzen zusammenzufügen. Bisher habe ich nur eine sehr wage Vorstellung davon, wie das vor sich gehen soll, doch es ist sowas von merkwürdig - sobald ich weiterschreibe, fügt sich jedes neu erdachte Detail zum anderen und alle scheinen wie geölte Zahnräder ineinander überzugreifen. Ich habe keine Ahnung, ob das so bleibt, vielleicht bleibt irgendwann ein einsames Zahnrad übrig, aber ich bin fest entschlossen, mich überraschen zu lassen, denn das andere Eigenartige ist, sobald ich versuche, im Voraus eine Strategie oder einen detaillierteren Plan zu erdenken, passiert einfach überhaupt nichts. Im Voraus zu planen funktioniert allerhöchstens nur wenige Schritte und auch dann führt mich das Schreiben manchmal in eine ganz andere Richtung, als ich es vorgesehen hatte, weil mir erst beim Schreiben selbst die klaren Einfälle kommen, die wie selbstverständlich zur Geschichte zu gehören scheinen, obwohl sie noch gar nicht geschrieben sind. Ganz ehrlich, kein einziges Buch, welches ich in den letzten Jahren gelesen habe, hat mir so viel Nervenkitzel bereitet, wie diese Geschichte, aber leider hat sie einen entscheidenden Nachteil - ich kann nicht einfach wie bei einem gekauften Buch mal schnell ein paar Seiten vorblättern, um meine unerträgliche Neugier zu befriedigen, wie die Sache wohl ausgeht. *grrrmpf*
Weil ich früh vergessen habe, mein Essen einzustecken, habe ich mir auf dem Weg zur Arbeit ein fertiges Salami-Baguette gekauft. Als man 2,50 EUR dafür wollte, habe ich mir noch nichts dabei gedacht, doch später fiel mir auf, dass das ja umgerechnet ca. 5 DM wären (ja, ich rechne in freien Minuten immer noch um, leider aber meist erst nach dem Kauf). Ich kann mich ehrlich nicht erinnern, dass Baguettes früher so teuer waren. Schon der teuerste Döner kostete nur 4,50 DM und Baguettes eigentlich noch weniger. Aber ok, warum wundere ich mich überhaupt. Wenn ich mir überlege, was ich früher im Monat ausgegeben habe und was ich heute ausgebe, kann ich kaum einen Unterschied erkennen, außer den, dass ich zwar ungefähr dieselben Beträge ausgebe, aber nur noch die Hälfte an Geld dafür zur Verfügung habe.
"So unzufrieden mit dem Wetter müssen wir gar nicht sein, es gibt noch viele Mutige, die baden bei immerhin 18 Grad Wassertemperatur. Ich versuche bei jeder Gelegenheit so wie du wie ein Weltmeister zu fotografieren, aber da muß ich wohl bei dir noch in die Schule gehen. Wir lassen es uns jedenfalls hier gut gehen und beobachten nebenbei das Liebes- und Überhaupt-Leben der dicken fetten Kreuzspinnen."
Eigentlich wollte ich dieses Ferienhaus ja auch mal anmieten, wenn ich mit der Wohnung fertig bin, aber da ich immer höre, was für Spinnenmutationen die Holzhütte besetzt halten, weiß ich nicht, ob ich dass wirklich alleine will. Zumindest wohl nur zusammen mit einem Extra-Koffer Insektengift....
Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich begegne zur Zeit ständig Leuten, insbesondere im Job, die sich gerne aufplustern wie sonst was und sich enorm wichtig machen. Insgeheim vergleiche ich sie immer mit gackernden Hühnern, weil man wirklich den Eindruck hat, dass sie wie kopflose Hühner andauernd durch die Flure flattern, stundenlang am Telefon gackern, aber bei dem ganzen Gewese doch nix Vernünftiges rauskommt. Ich meine, normalerweise finde ich das ja ganz amüsant zu beobachten, aber andererseits kann das manchmal auch für mich ziemlich nervig werden, zum Beispiel bei der einen Kollegin, die dasselbe wie ich nur in einem anderen "Zweig" meiner "Firma" macht. Aus irgendeinem Grund ruft sie mich schon seit Anfang des Jahres wegen der gleichen Sache an und erzählt mir auch immer das gleiche, zu dem ich ihr auch nur das gleiche erwidere. Ich an ihrer Stelle hätte schon längst Klage eingereicht. Soll das Gericht entscheiden, dazu ist es ja da. Aber stattdessen jammert sie jedes Mal auf's Neue über die Verjährungstermine und labert mich mit hochgestelztem Managerlatein zu, ohne dabei irgendetwas zu sagen. Ich verstehe zwar, was sie sagt, aber nicht wirklich, was sie von mir will. Wenn sie eine Rede halten will, sollte sie es vielleicht mal mit einem Jobwechsel versuchen. Ich jedenfalls komme mit meinen Akten nicht weiter, wenn ich hundertmal dieselbe nutzlose Rede schwinge. Ab und zu sollte man auch mal eine Entscheidung treffen, selbst wenn sie falsch sein könnte.
"Vergnügungsansprüche" statt "Vergütungsansprüche"
Falls es tatsächlich einen Vergnügungsanspruch gibt, mache ich ihn hiermit geltend.