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Montag, 10. September 2007

Einen höllischen Heißhunger

auf den Kartoffelsalat meiner Mutter habe ich schon den ganzen Tag. Sie macht den immer ganz anders als normalen Kartoffelsalat, mit Öl und Apfelstückchen, das schmeckt superlecker, zumindest mir. Meine Schwägerin sagt immer, wenn sie selbst diesen Salat zu einer Feier macht, dann will den außer mir niemand essen. Ich aber mag dieses Mayozeugs weniger. Da ich aber zu keinem Kartoffelsalat dieser Art heute komme, habe ich mir zum Abendessen eine Räucherfischplatte besorgt (der Kartoffelsalat würde allerdings gut dazu passen).
Doch nicht nur Heißhunger plagt mich, sondern auch ein Ohrwurm, nämlich dieser:



und das, obwohl ich den Film gestern gar nicht gesehen habe. Sechsmal reicht, dachte ich mir. Wenn ich jetzt Ohrwürmer habe, muss ich automatisch immer an den Film Sturz ins Leere denken. Darin berichten Bergsteiger, wie sie ein Unglück in den Bergen überlebt haben und der eine erzählte, dass er, als er total am Ende mit seinen Kräften war, immer Musik von Boney M. in seinem Kopf hörte, ich glaube, es war der Song "Ma Baker". Und er war überzeugt davon, dass er mit dieser Musik in seinem Kopf sterben würde, ohne sie vorher noch einmal loszuwerden. Grauenhafte Vorstellung!

...

Wer seine Wünsche zähmt, ist immer reich genug.

(Voltaire)

Sonntag, 9. September 2007

Der Vater - tiefgekühlt und gebraten; der Weihnachtsgeist

Elsa gibt mir einen Auftrag, nicht irgendeine Aufgabe, sondern eine sehr verantwortungsvolle und wichtige. Eventuell hat diese etwas mit ihrem Tod oder mit ihrem Verschwinden/Auswandern zu tun. Ich habe versprochen, sie zu erfüllen, obwohl ich nicht weiß, warum sie gerade mich darum gebeten hat, da ich überhaupt nicht kochen kann. Und diese Aufgabe sieht vor, dass ich etwas koche. Aber gut, ich werde das schon irgendwie hinkriegen. Ich stopfe also einige panierte Fischfilets und ein tiefgekühltes Spanferkel in die kleine Backröhre und lasse sie dort braten. Als ich zwischendurch mal hineinschaue fällt mir ein, dass ich die Fischfilets ja noch gar nicht gesalzen oder gewürzt habe. Um Gottes Willen, das bei Elsa! Die merkt das doch sofort. Wie peinlich. Glücklicherweise ist es nicht zu spät. Ich kann noch ein wenig salzen und vielleicht sollte ich nicht nur Salz nehmen, sondern auch ein paar Kräuter dazutun. Ich gehe also auf die Suche nach Gewürzen und als ich sie habe, öffne ich abermals die Backröhre. Da bemerke ich, dass sich das Spanferkel bewegt. Es ist jetzt aufgetaut und angebraten, aber es lebt noch! Jetzt plumpst es aus dem Ofen und torkelt, bzw. kriecht im Schneckentempo über den Fußboden. Eine mittlere Panik erfasst mich. Oh Gott, oh Gott, oh Gott, was mache ich denn nun? Es lebt noch, obwohl es schon halb durchgebraten ist. Es muß doch höllische Schmerzen haben. Bei der Vorstellung wird mir fast schlecht und meine Gedanken überschlagen sich. Mir ist klar, dass ich es schnell töten muß, aber ich weiß auch, daß ich das nicht kann. Ich denke daran, es einfach lebend zurück in die Backröhre zu stopfen, aber dieser Gedanke entsetzt mich so, dass mir bewußt ist, dass mich diese Tat mein Leben lang verfolgen würde. Die Situation überfordert mich derart, dass ich flüchte und das Ferkel sich selbst überlasse, wobei ich hoffe, dass es schnell stirbt. In meinem Fluchtwinkel, meinem inneren Dunkel, dem Schlafbewußtsein spüre ich noch das schlechte Gewissen, zum einen, weil ich das Ferkel habe leiden lassen und zum anderen, weil ich meinen Auftrag, mein Versprechen nicht erfüllt habe.
In meinem Bewußtsein wandelt sich nun das Geschehene langsam in eine andere Geschichte. Es war kein Ferkel, das ich in der Backröhre gebraten habe, sondern mein Vater. Den Auftrag dazu gab meine Mutter. Er war tiefgefroren und halb durchgebraten, trotzdem lebte er noch. Und statt ihn zu töten, bin ich weggelaufen. Jetzt kehre ich zurück, und zwar in das Seniorenheim. Ich rechne ganz fest damit, dass man mir sagt, dass er tot ist, denn das Braten kann er einfach nicht überlebt haben, aber als ich durch die Gänge gehe, sagt niemand etwas und alles ist ganz normal. Ich komme in sein Zimmer. Eine Menschenmenge, darunter auch meine Mutter, betrachtet meinen Vater durch eine Glasscheibe. Er schläft friedlich und trägt meine rote Kuscheljacke, die ich im realen Leben immer im Büro trage. Es ist tatsächlich alles in bester Ordnung. Unglaublich! Ich bin nun froh, dass ich ihn nicht getötet habe. Nicht auszudenken, wenn ich ihn nochmal in die Backröhre gestopft hätte. Besonders auch für meine Mutter. Diese hatte mir zwar den Auftrag gegeben, aber ist dabei wohl von anderen Vorausetzungen ausgegangen. Im übrigen dürfte das wohl eine erstmalige medizinische Sensation sein, dass ein Mensch tiefgekühlt und halb durchgebraten war, aber trotzdem noch lebt und sich wieder erholt. Dass es sich dabei um meinen Vater handelt, wundert mich gar nicht so sehr. Er scheint wirklich unverwüstlich zu sein. Mit diesen Überlegungen erwache ich endlich aus dem Alptraum.

Wieder eingeschlafen, schließt der nächste Traum damit an, dass ich meinen Vater im Seniorenheim besuche. Er schläft fest und wacht trotz meiner Weckversuche nicht auf. Also lasse ich ihn in Ruhe und komme in ein anderes Zimmer, wo ein junger Mann seine alte Mutter pflegt. Allerdings wundert es mich, dass er diese von den Füßen bis zum Scheitel mit einem hellblauen Handtuch bedeckt hat, so dass nichts von ihr zu sehen ist. Sie liegt ganz ruhig da und scheint sich nicht daran zu stören. Erst als ich gehe, beginnt sie unter dem Handtuch wegen irgendetwas zu wimmern. In meinem Bewußtsein wandelt sich nun das große Haus, in welchem ich mich befinde, sowie die Gegend ringsherum, zu einem Computerspiel, bei welchem ich mittendrin mitspiele. Das Haus ist eine riesige Villa und nun so etwas wie ein Internat, wo Unterricht stattfindet, aber auch gewohnt wird. Außerdem wird erzählt, dass in diesem Haus ein roter Geist umgeht. Er wird der Weihnachtsgeist genannt und taucht besonders an bestimmten Orten auf, wie zum Beispiel der Bibliothek. Er hat eine rote Erscheinung, weshalb er wohl auch der Weihnachtsgeist genannt wird. In meiner Phantasie habe ich zwei verschiedene Vorstellungen von diesem Geist. Nämlich zum einen, ein rotes menschliches Gerippe, aber zum anderen frage ich mich, ob es nicht vielleicht nur ein roter Weihnachtsmann ist, der umgeht. So genau möchte ich das aber gar nicht wissen, weshalb ich in Situationen, in denen der Geist eventuell auftauchen könnte, meine Auge in Richtungen fixiere, in denen ich davon nichts wahrnehme. Das Computerspiel an sich funktioniert so, dass ich mich in der unmittelbaren Umgebung frei bewege und ganz normal lebe, aber immer mal wieder bestimmte Aufgaben gestellt werden. Dazu müssen die Mitspieler des Spieles, also alle, die in der Villa wohnen, sich zum Beispiel in einem Saal einfinden und dort bestimmte Fragen beantworten oder Klausuren schreiben. An der Villa fließt auf einer Seite hinter dem Garten ein Fluß vorbei und hinter dem Fluß befindet sich eine Baumallee. Als ich einmal im Garten um die Villa herum spazierengehe, sehe ich flüchtig eine rote Gestalt die Baumallee entlanggehen und in der Ferne verschwinden, wobei ich allerdings durch die Bäume hindurch außer das Rot nicht viel wahrgenommen habe. Ich denke mir, dass dies wohl der Geist gewesen ist und dass es sehr raffiniert von den Spielentwicklern war, diesen wiederholt und auch nur als kleines Detail, in verschiedene Situationen einzubauen. Schließlich befinde ich mich am Fluß, wo ich eine Plattform betrete, die wie ein längsgeteilter Schleppkahn aussieht. Dieser längsgeteilte Schleppkahn wurde am Ufer befestigt und hat auch noch eine geteilte Schiffsführerkabine hinter Glas. Sogar ein Schiffsführer macht sich in der Kabine zu schaffen. Auf einer höhergelegenen Bohle des Kahns sehe ich von weitem ein rotes Männchen liegen. Aus der Perspektive, sehe ich nur die Beine, die herunterbaumeln und den Körper, der sich flach nach hinten gelegt hat. Es erscheint mir merkwürdig klein. Ob das vielleicht der Geist ist? Zumindest ist die Kleidung, bzw. das Hemd rot. Jetzt bewegt sich das Männchen und richtet sich auf. Ich erkenne es sofort. Es ist der kleine Mann aus der schwarzen Hütte, bzw. dem roten Raum, aus "Twin Peaks".

Bemerkung: Das Bild des halb gebratenen, über den Fußboden taumelnden Ferkels erinnert mich sehr stark an den Anblick diesen fetten Hundes, der sich kaum fortbewegen konnte.

Samstag, 8. September 2007

Fernsehtip

Heute um 15:15 h auf EinsFestival "Unter den Brücken" - Dieser Film von 1944 ist nicht nur eine stille Romanze, sondern auch eine kleine Reise mit dem Schleppkahn durch die Wasserstraßen von Berlin. Atmosphärisch dicht, mitten im Bombenhagel gedreht, wird man durch das alte Berlin geführt, kurz bevor es unterging.

Ich stelle gerade fest,

dass sich Orchideen extrem lange als Schnittblumen halten. Die von meinem Geburtstag stehen immer noch, obwohl schon an die zwanzig Tage vergangen sind. Ab und zu fällt zwar mal eine Blüte ab, aber es sind trotzdem noch genug dran.

Freitag, 7. September 2007

...

Baldrian - Valeriana officinalis L.

http://weltentanz.twoday.net/stories/3392635/

Besonders auffällig ist, daß der Baldrian in den alten Kräuterbüchern hauptsächlich als großes Augenheilmittel gelobt wird. Davon ist in der neueren Literatur nichts mehr zu finden. Nur bei einem alten Kräuterweiblein habe ich noch von dieser Anwendung gehört, »Baldrian ischt gut für des Licht«, wobei sie mit Licht die Augen meinte. Ob wohl etwas an der alten Sage vom Goldschmied zu Würzburg dran ist? Dieser, so heißt es, hat sich mit Baldrian die Augen so gestärkt, daß er auf eine gebrochene Nähnadel einen deutlich erkennbaren, in allen Einzelheiten abgebildeten Löwen gravieren konnte...

...Im biologisch-dynamischen Anbau verwendet man ein Baldrianpräparat, das man im Spätherbst auf die Tomaten und im Frühjahr auf die Obstbaumblüte spritzt, um die Pflanzen vor Frost zu schützen. Man macht sich dabei die Wärmewirkung des Baldrians zunutze. Erinnern wir uns an den süßlich-warmen Duft des Baldrians im Sommer. Diese Wärmekräfte kann sich der Gärtner zum Schutz seiner Pflanzen nutzbar machen. Baldrian weckt auch die Blütenkräfte der Pflanzen. Balkon- und Kübelpflanzen blühen reichlicher und länger, Bohnen, Erbsen, Erdbeeren entwickeln mehr Blüten, wenn sie mit dem Baldrianpräparat behandelt werden.

Bärlauch - Allium Ursinum L.

http://weltentanz.twoday.net/stories/3581478/

Der Bärlauch hat neben seiner allgemein stärkenden Wirkung drei Hauptangriffspunkte im menschlichen Körper. Er hilft bei chronischen Hautausschlägen und Flechten, da er das Blut reinigt und so von innen heraus die Ursache der Krankheit beheben kann. Durch seinen hohen Gehalt an Senfölglykosiden wirkt er anregend auf die Verdauungssäfte. Er hat eine bakterizide Wirkung auf die Flora des Darmes, ohne die nützlichen Darmbakterien, die der Körper zur Verdauung braucht, zu zerstören. Ich empfehle daher den Bärlauch besonders nach einer Behandlung mit starken Medikamenten wie Antibiotika und Sulfonamiden, um das zerstörte Gleichgewicht im Darm wieder aufzubauen. Auch vor einer Reise in Länder, wo die Gefahr einer Darminfektion besonders groß ist, kann eine vorherige Bärlauchkur die Darmflora abwehrstark machen. Wie sein Vetter, der Knoblauch, hilft der Bärlauch bei Arterienverkalkung und Bluthochdruck. Bei diesen Krankheiten sollte eine Diät im Frühjahr viel Bärlauch enthalten.
Durch seinen Schwefelgehalt kann Bärlauch unserem Körper helfen, Umweltschadstoffe wie Quecksilber, Lindan oder Cadmium abzubauen. Seine Wirkstoffe binden die schädlichen Moleküle.

Die stärkste Wirkung hat der Bärlauch im zeitigen Frühjahr vor der Blüte. Dann werden die Blätter gesammelt und frisch verwendet: zum Würzen, in Salat, Quark usw. Eine Bärlauchkur sollte 4-6 Wochen dauern und man sollte dabei täglich eine Handvoll der frischen Blätter essen.

Beifuß - Artemisia vulgaris L.

Beifuß vertreibt Motten. Deshalb hat man früher in Truhen und Schränke Beifußzweige gelegt oder das Kraut in kleine Kissen genäht und zwischen die Wäsche gelegt. Man kann den Beifuß einzeln verwenden oder ihn mit anderen Kräutern mischen, die ebenfalls wirksame Mittel gegen Motten sind.

Waldmeister

Das hat man sich schon lange zu Nutzen gemacht und hat Säckchen mit getrocknetem Waldmeister in Truhen und Schränke gehängt, um die Motten fernzuhalten. Es ist aber auch schön, wenn morgens beim Öffnen des Kleiderschrankes süßer Waldmeisterduft herausströmt. Ich mische für solche Kleiderduftsäckchen den Waldmeister mit Steinklee zusammen. Beide Pflanzen enthalten Cumaringlykosid, das den herbsüßen Duft dieser Pflanzen ausmacht. Aber erst beim Welken spaltet sich dieses Glykosid und der starke Duft verströmt. Beide Pflanzen duften stärker, wenn man sie morgens pflückt...

..Seine beruhigende Wirkung hilft besonders bei Migräne, Nervosität, Angst und Herzklopfen. Er eignet sich gut für Mischungen von Schlaf- und Nerventees...

...Waldmeister ist eine Zeitlang in Verruf geraten. .Er galt als krebserregend. Neuere Untersuchungen haben dies widerlegt. In größeren Mengen genossen, kann Waldmeister zu Kopfschmerzen und Übelkeit durch das in ihm enthaltene Cumarin führen. Jede Pflanze hat eine sogenannte Umkehrwirkung; überschreitet man die heilende Dosis, erzeugt man genau die Krankheit, die man zuvor heilen konnte. Waldmeister kann Kopfschmerz heilen und auch hervorrufen. Beim Waldmeister wie beim Honigklee ist
darauf zu achten, daß er nicht gleichzeitig mit blutverdünnenden Mitteln eingenommen wird.

Wegwarte

Auch in unserer alten Heilkunde wurden die blauen Blumen zur Heilung von Schwermut und Melancholie verwendet. Gleichzeitig galten sie als. Heilmittel für die Augen, denn sie wirken ja übers Anschauen, über die Augen, die der tiefste Spiegel der Seele sind. Zu diesen blauen Blumen, die als Seelen- und Augenheilmittel in allen alten Quellen auftauchen, gehören Akelei, Borretsch, Verbena, Kornblume, Veilchen und Wegwarte...

...Jetzt verstehen wir, warum die Wegwarte bei Melancholie zur Reinigung der Seele und des Körpers empfohlen wurde, denn sie ist eines der wenigen Milzmittel, die wir in der Naturapotheke finden. Gleichzeitig wirkt sie anregend und heilend auf Leber und Galle.

„ Von den schönen / lieblichen / blauen Blumen der Wegwarten / wird ein nützlicher und anmuthiger Conservenzucker auff folgende Weiß gemacht. Man nimmt ein Theil der abgepflückten frischen Blumen / schneidet die klein auf einem Brett / stoß es darnach wol in einem steinern Mörser / und im Stossen wirffallgemählich darzu 3 Theil Zucker / wann es nun wohl vermischet / und zu der Gestalt einer Lattwergen gebracht worden ist / so thue es in ein Zuckerglaß oder Porcellanbüchsen / und stells eine Zeitlang in die Sonn / behalts zum Gebrauch über Jahr.
Dieses stärket das Hertz / und erquicket die Schwachhertzigen / dienet wider das Hertzklopffen von Hitze verursacht / eröffnet / reiniget und stärket die Leber / treibet die Gall und den Schleim darvon / dienet wider das Magenbrennen und vertreibet den Sod /wehret den Fiebern und der anfahrenden Wassersucht / kühlet die erhitzigte Leber und alle innerlichen Glieder: In summa / dieser
Zucker dienet zu allen Gebrechen / wie vom Kraut und Syrup gesagt ist. «

(aus "Medizin der Erde")

Das Farnkraut

Die Spirale galt lange als Gücks- und Heilsymbol, und so wurden die Farnwedel, besonders wenn sie noch zu einer Spirale aufgewickelt waren, bei vielen Festen verwendet. P. Cyrill von Crasinski weist in seinem Buch »Die geistige Erde« auf einen alten Farnwedelbrauch hin, der sich etwas umgewandelt bis in unsere Zeit erhalten hat. Die quäkenden, sich blitzschnell aufrollenden Papierschlangen, die zur Zeit des Karnevals so viele Kinder in Entzücken versetzen, sind stilisierte Farnkrautspiralen. Während der Saturnalien, den altrömischen Festen mit Umzügen, ähnlich den heutigen 'Karnevalsumzügen, hat man sich mit Farnkrautwedeln beworfen. Dies galt als glücksbringend. Aus den Farnsamen beziehungsweise Sporen, die man sich gegenseitig übergestreut hat und die Liebe und Kinderreichtum bringen sollten, sind unsere Papierkonfetti geworden. Dieser Farnkrautsame (wir wissen, daß es eigentlich Sporen sind) wurde auch Blüte der Liebenden genannt und galt das ganze Mittelalter hindurch bis weit in unsere Zeit hinein als kräftiges Liebeszaubermittel. Jedes Kind wußte, daß Farnkrautsamen ihren Besitzer glücklich und reich machen, daß er kraft ihrer Wirkung die Tiere verstehen und Schätze finden kann. Der heute gebräuchliche lateinische Name des Farnkrautes bezieht sich noch immer auf diese alte Sage - Filix = glücklich, mas = Männchen. Er gewinnt Herrschaft über Erde und Wasser und wird sogar, wenn er will, unsichtbar.

Wie die Samen, so hat man auch die Farnwedel als Zaubermittel aus dem Walde geholt. Sie wurden in die Ställe gehängt, um die Tiere vor Krankheit zu schützen. Sie sollten fruchtbar machen, und Frauen, die gerne ein Kind wollten, hingen sich die Farnwedel in die Schlafstube. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß der weibliche Schleim in der Scheide zur Zeit des Eisprungs unter dem Mikroskop betrachtet genau die Form von Farnwedeln aufweist.
Auch die Wurzel des Farns galt als starkes Mittel, um alles Böse abzuwenden. Man hat sich aus den Wurzeln kleine Hände geschnitzt oder das Johannishändchen, das einer Kinderfaust ähnliche Herzstück der Wurzel, herausgenommen und es als Amulett um den Hals getragen. Es sollte stark machen und vor Krankheit schützen. Aber die Farnwurzel konnte auch gefährlich werden. Manche Farnwurzeln entwickelten sich zu sogenannten Irrwurzeln. Wenn ein Mensch auf sie tritt, soll er sich im Wald verirren und nicht mehr zurückfinden. Noch lange hat sich der Ausspruch »Bist wohl auf eine Irrwurz getreten« erhalten, den man zu jemandem sagte, der sich verirrt hatte.
Zum Schluß möchte ich Hildegard von Bingen über das Farnkraut reden lassen, die in diesem Absatz aus ihrem Buch »Naturkunde« das Wissen über das Farnkraut in ihrer Zeit zusammenfaßt:

»Der Farn ist warm und trocken und hat auch ein mittleres Maß an Saft. Der Teufel flieht die Pflanze, und sie hat gewisse Kräfte, die an die der Sonne gemahnen, weil sie wie die Sonne das Dunkel erhellt. Sie vertreibt so Trugbilder, fantasias, und deswegen lieben sie die bösen Geister nicht. An dem Platze, an dem sie wächst, übt der Teufel sein Gaukelspiel selten aus, und das Haus, an dem der Teufel ist, meidet und verabscheut sie. Blitz, Donner und Hagel fallen dort selten ein, und auf dem Acker, auf dem sie wächst, hagelt es selten. Wer den Farn bei sich trägt, ist sicher vor den Nachstellungen des Teufels und vor bösen Anschlägen auf Leib und Leben. Wie den Menschen Sinn für das Gute und das Böse innewohnt, so sind auch gute und schlechte Kräuter für ihn gewachsen...«
Hildegard von Bingen, Naturkunde, Otto Müller Verlag, Salzburg.

...Legt man die Regale im Keller mit Farnkraut aus, so hält sich gelagertes Obst und Gemüse viel länger, da das Farnkraut sehr stark fäulniswidrig ist. In Farnkrautblätter eingewickelter Käse und Quark hält sich ebenfalls länger frisch. Leider sind die konservierenden Kräfte des Farnkrautes fast ganz in Vergessenheit geraten, wir könnten auf viele giftige Behandlungsmethoden verzichten, wüßten wir noch mehr, über diese Kräfte des Farnkrauts und anderer Pflanzen. Ausführlich berichtet darüber Dr. Müller in seinem 1874 erschienenen Kräuterbuch:
»Bei unserer letzten Anwesenheit in London machten ,wir häufig die Bemerkung, daß das zum Verkauf ausgestellte Obst, besonders das werthvollere, in Farrenkraut verpackt war. Wir schenkten anfangs diesem Umstande keine besondere Aufmerksamkeit, weil wir der Meinung waren; daß das Farrenkraut lediglich aus Mangel an Weinblättern zu diesem Zwecke verwendet werde; bis uns ein Freund, der berühmte Botaniker L. darauf aufmerksam machte, daß das Farrenkraut die Eigenschaft besitzt, die damit umgebenden Stoffe, thierische wie vegetabile, längere Zeit frisch zu erhalten und von Verderben zu bewahren. Auf der Insel Mon verpacke man deshalb auch die Heringe, welche frisch versendet werden, in Farrenkraut. Ein von uns angestellter Versuch, das Farrenkraut zur Aufbewahrung von Kartoffeln zu benutzen, hat sich vollständig erprobt. In einer Grube wurde die Hälfte der dort aufgeschichteten Kartoffeln mit Stroh, die andere mit Farrenkraut umgeben. Im Frühjahr waren die ersteren größtenteils verfault, während sich die letzteren vollkommen gut erhalten hatten. «

(aus "Medizin der Erde")

Donnerstag, 6. September 2007

Ich ertappe mich dabei,

wie ich langsam beginne, mein Zimmer winter- und kuschelfest zu machen: Sofakissen gewaschen, warmes Plaid hervorgeholt, Heidschnuckenfell für die Kuschelecke bestellt, Kerzen und Windlichter arrangiert (außer das große Weihnachtswindlicht - das steht noch verschämt in der Ecke, ruft aber schon nach mir). Langsam könnte Kollege M. mir auch die fünf Holzscheite mitbringen, die er mir versprochen hat, und die ich als Deko für meine Kaminofen-Attrappe brauche. Er sagt immer, er hätte bereits fünf schöne zur Seite gelegt, aber vergißt sie immer. Außerdem hoffe ich in den zwei Wochen Urlaub, die ich demnächst habe, endlich eine neue Matratze besorgen zu können, damit ich die ätzende alte Federkernmatratze, auf der ich mich inzwischen wie ein Fakir fühle, entsorgen kann. Zusätzlich dazu habe ich auch noch so ein extra voluminöses Unterbett aus Merinowolle ins Auge gefasst....*träum*

Mittwoch, 5. September 2007

Vergeschrieben

Reni Liefenstahl

Das blaue Licht

Ein wirklich märchenhafter Film von Leni Riefenstahl. Auf der DVD befinden sich gleich zwei Fassungen - zum einen die Premierenfassung von 1932 und zum zweiten die Neufassung von 1952. Und obwohl nur die zweite Fassung von Leni Riefenstahl allein geschnitten wurde, gefällt mir die erste Fassung eindeutig besser. Nachdem die allererste Schnittfassung Leni Riefenstahls von der Produktionsfirma komplett verrissen wurde, wurden Dr. Arnold Fanck und Carl Mayer mit dem Schnitt beauftragt, was zu vielen Reibereien führte. Mir gefällt die frühe Filmfassung besser, da sie mehr Atmosphäre hat, teilweise sogar das Zeug zu einem Gruselklassiker, obwohl der Film an sich nicht gruselig ist, aber durch den Schnitt und die Bilder wirkt das Ganze sehr mystisch. Sie ist auch etwas länger und wie ich finde, genau richtig, man hätte nichts mehr rausschneiden müssen. Natürlich gibt es auch in diesem Film wieder atemberaubende Kameraaufnahmen der Berglandschaft. Dialoge dagegen nicht viele und die meisten davon versteht man nicht, bzw. nur rudimentär, da sie nicht auf Deutsch sind (die Handlung spielt in den Dolomiten). Doch dies ist völlig belanglos und tut dem Filmverständnis kaum Abbruch - der ganze Film hätte genauso gut ein Stummfilm sein können. Er wirkt vor allem durch die Bilder und die Körpersprache der Schauspieler.
Was mich jedoch an diesen frühen Bergfilmen, in denen sie ohne Sicherung und Seil munter an steilen Felsen herumklettern, immer wieder am stärksten beschäftigt, ist die Frage, wie in Gottes Namen die von diesen Felsen wieder herunterkommen (also lebendig). Man sieht sie stets nur hinaufklettern, aber nie hinunter und schon aus meinen eigenen Kletterversuchen in der Kindheit hat sich mir die Erkenntnis fest eingeprägt, dass hochkommen meist einfacher ist als runterkommen.

Meine kleine Hausspinne

wird immer verrückter. Jetzt hat sie ihr Radnetz nicht mehr quer über den Balkon gewebt, an der kürzesten Strecke, sondern diagonal bis zu meinem Vogelhaus hinauf - die längste Verbindungslinie überhaupt, geschätzte drei Meter. (Wahrscheinlich Glück für sie, dass da zur Zeit keine Vögel hinkommen. Ich glaube Spinnen schmecken denen auch.) Wie sie dort ran gekommen ist, ist mir wirklich ein Rätsel. Das Gute dabei ist, dass ich nun ohne Probleme wieder zu meiner Sitzbank komme, aber dafür muss ich beim Blumengießen die Arme gaaaanz lang machen, damit ich über den Faden bis zu den Kästen reiche und dabei aufpassen, mit der Gießkanne diesen nicht zu berühren.

Juhuuuuu - Kältefrei!

Nachdem wir uns die letzten Tage im Büro schon leicht den Arsch abfroren, fragte heute mal jemand nach, warum denn noch nicht geheizt würde. Wir erfuhren lapidar, dass die Heizungen defekt sind und dass man nicht weiß, ob man sie bis zur Heizperiode wieder hinkriegt. Heute, da es noch kälter geworden ist, fragte jemand bei unserem kleineren Oberguru nach und dieser kam persönlich rüber in unser Haus, um zu sehen, wie kalt es wirklich ist. Danach sollten wir uns alle in einem Zimmer versammeln und er hielt eine Ansprache, in welcher er uns mitteilte, dass alle, denen es zu kalt ist, nach Hause gehen dürfen, und zwar ohne Zeit dafür abzuschreiben, und morgen brauchen wir auch erst kurz vor der Spätsprechstunde um 14 Uhr dort zu sein. Ich hätte nie gedacht, dass die das so großzügig regeln, da wir ja bei der Bombe Minus machen oder unsere angesammelte Zeit abschreiben mußten.
Meine Gebete wurden erhört und überhaupt scheint mein Wunschdraht zur Zeit recht heiß zu sein. Alles, was ich mir wünsche, geht geradezu schlagartig in Erfüllung. Vielleicht sollte ich mir schnell noch was wünschen, bevor die Wunschzeit wieder vorbei ist.

Komischerweise sagte heute jeder, der in das Zimmer kam, bei uns sei es richtig warm (also jetzt im Vergleich zu anderen Zimmern - kalt war es trotzdem), erst Fr. M., dann Fr. H., Fr. Pf. und schließlich auch noch Fr. M2. Letztere machte dann außerdem so eine etwas zweideutige Bemerkung "woher das wohl komme" und ich verstand sofort, was sie meinte, da sie es ist, die erklärte, ich gefalle Herrn N., fand es aber ein bißchen daneben. Und Herr N. konterte gleich geschickt, zwei Körper machen eben mehr Wärme als einer - so sei das Leben. *gg*
Jetzt bin ich also nach zwei Stunden Büro wieder zu Hause und werde mal schauen, ob ich die Zeit für einen Arbeitseinsatz in der Wohnung zu nutzen verstehe, um die Bude ein wenig auf Vordermann zu bringen, am Wochenende habe ich nämlich nie Lust dazu. Und morgen kann ich richtig schön lange ausschlafen.

Dienstag, 4. September 2007

Irgendwie scheine ich heute,

irgendwann im Laufe des Tages, völlig unbeabsichtigt und unbemerkt einen Clown verschluckt zu haben. Nachdem ich schon auf Arbeit ständig vor mich hingegrinst und gekichert habe, dabei aufpassen musste, nicht häufiger als zulässig loszulachen, hätte mich der nächste Lachanfall beinahe in der U-Bahn-Station erwischt. Als Hoch-Bahnhof ist diese zufällig nicht unter der Erde, sondern so hoch darüber, dass man beim Warten den Mietern des gegenüberliegenden Wohnhauses in die Fenster schauen kann. Diesmal stand eines der Fenster offen und ein Mann machte sich an einem Kühlschrank zu schaffen, der direkt in der Ecke am Fenster stand. Die Tür des Tiefkühlfaches öffnete sich zum Zimmer zu, so dass ein Teil des Mannes hinter der weißen Türfläche verschwand. Ich habe zwar keine Ahnung, was der da in dem Tiefkühlfach gemacht hat, aber seine Bewegungen weckten doch einige seltsame Assoziationen bei mir, da sie sehr rhythmisch und hüftbetont waren. Genauer gesagt sah es von diesem Blickwinkel so aus, als ob er mit seinem Kühlschrank korpulieren würde. Und wieder hatte ich Mühe, an mich zu halten und nicht laut los zu lachen, allerdings merkte ich an den etwas irritierten Blicken der Leute um mich herum, dass ich meine Mundwinkel wohl nicht mehr unter Kontrolle hatte. Sowas aber auch - was soll ich denn auch machen, wenn mir an einem Tag ständig so komische Situationen aufgetischt werden, zumindest ich fand sie allesamt irre lustig.

Zum Glück

ist Herr N. jetzt gegangen, ich konnte mich die ganze Zeit kaum noch vor Lachen hinter meinem Computer halten. Aus irgendeinem Grund könnte ich heute wegen völlig belanglosen Sachen ständig in Lachkrämpfe verfallen. Zuerst habe ich mich über eine Kollegin der anderen Gruppe amüsiert, welche vom Flur aus zu mir in das Zimmer lugte, als Herr N. gerade die Tür öffnete und staunend "Ooaaahhhh!" rief, ohne hereinzukommen. Ich fühlte mich unwillkürlich an gaffende Besucher im Zoo erinnert, die ein exotisches Tier bestaunen und Herr N. mußte meine ein bis zwei Imitationsversuche dieser Situation über sich ergehen lassen. Später konnte ich mich kaum noch darüber einkriegen, dass ich zu Frau Hahn immer Frau Hase sagen will. Glücklicherweise habe wir große Flachbildschirme, hinter denen man sich gut verstecken kann, es hat mich aber große Anstrengung gekostet, mich dahinter einigermaßen aufrecht zu halten und nicht ständig laut loszuprusten. Ein leises Kichern konnte ich jedoch ab und an nicht unterdrücken, wovon er aber anscheinend nichts mitbekommen hat. Ich glaube kaum, dass Herr N. dafür Verständnis hätte, wenn ich mich völlig albern stundenlang über dasselbe amüsiere und vor Lachen unter dem Tisch liege.

Montag, 3. September 2007

Meine Jacke jedenfalls,

ist bei Herrn N. gut aufgehoben. Als ich heute morgen kam, war ich in meiner dünnen Baumwolljacke leicht durchnässt, allerdings wirklich nur leicht an der Kapuze und den Schultern, zum Glück hat es erst später angefangen, richtig zu gießen, so daß ich nur ein paar Tropfen abbekommen hatte. Ich platzierte meine Jacke wie jeden Tag in unseren Gardrobenschrank, wo sie alleine hing, denn Herr N. hatte seine zum Trocknen an einen Schrank gehängt. Gegen Mittag bemerkte ich, dass Herr N. den Bügel mit meiner Jacke in der Hand hielt und irgendwas murmelte, er würde sie mal kurz zum Trocknen raushängen, wegen Stockflecken und so. Ich ließ ihn gewähren, fand es aber schon irgendwie merkwürdig, dass sich jemand, insbesondere ein Mann, um meine feuchte Jacke kümmert. Wenn es die Kollegin aus meiner alten A-Abteilung gewesen wäre, die immer ein wenig fürsorglich und mütterlich war, dann hätte es mich weniger gewundert. Das muss ich beobachten - nicht dass er meine Jacken nicht nur vor Stockflecken, sondern auch noch vor gefräßigen Insekten schützen will und im Winter, wenn ich wieder meine Webpelzjacke trage, einige von seinen Mottenkugeln mitbringt.
Aber wahrscheinlich hat er das weniger aus Sorge um meine Jacke, als vielmehr aus Angst um seine Jacke gemacht, die er wieder zurück in den Schrank hängen wollte und die sich ganz schnell an meiner mit Stockflecken angesteckt hätte. *gg*

Vormittags kam die Kollegin, von der ich meine neuen Akten bekommen habe, in unser Zimmer und meinte schnüffelnd, dass es bei uns nach Räucherstäbchen riechen würde. Ich konnte das nicht nachvollziehen und auch Herr N. konnte sich das nicht erklären und fragte nach, worauf sie sagte, es würde wie in einem tibetischem Tempel riechen. (Ich bin unschuldig -Ehrenwort! - ich räuchere nur zu Hause.) Dies veranlasste Herrn N. zu der Bemerkung, dass das Zimmer doch jetzt auch ein Tempel sei, was er noch mehrmals wiederholte, und als die Kollegin weg war, fragte er mich, ob ich was riechen würde. Ich sagte kurzerhand: "Ja, allerdings keine Räucherstäbchen." und als er nachhakte, was es denn wäre, antwortete ich "Mottenkugeln". Das interessierte ihn sehr, denn er wollte jetzt wissen, wann ich das denn riechen würde, worauf ich "Immer." antwortete.
Danach ging ich ins Büro, wo jetzt Herr K. mit obiger Kollegin sitzt, um meine neuen Akten zu holen und Herr K. bot sich gleich an, mir beim Tragen zu helfen. Ich legte ihm einen Stapel hin, aber er wollte mehr, und immer wenn ich ihm eine Akte dazupackte, wollte er immer noch mehr. Irgendwann war der Stapel so hoch, dass ich mir kaum vorstellen konnte, wie der kleine Mann den wegkriegen will, weshalb ich sagte, dass er so viel doch gar nicht tragen könne, das gehe doch nicht, der Stapel sei viel zu groß. Aber er antwortete, dass er das ja gerade wolle, damit es auch endlich mal mit der Krankschreibung klappt. Er bestand allerdings darauf, nicht allein in mein Zimmer zu Herrn N. zu gehen, um nicht als Loser dazustehen. Ich kann kaum nachvollziehen, warum er so viel Scheu hat, zu Herrn N. in das Zimmer zu gehen. Als er damals seine eigenen Sachen geholt hat, hat er sogar immer angeklopft. Wahrscheinlich hat er Herrn. N. von einer anderen Seite als ich kennengelernt. Wir gingen also zusammen, ich den kleinen, er den großen Stapel, und glücklicherweise ist er mir nicht mitten auf dem Weg mit den vielen Akten zusammengebrochen.

Eine Reise nach Polen

Gerade denke ich an eine Reise in die Beskiden vor ca. 16 Jahren zurück. Das Besondere an dieser Reise war, dass wir dort bei Bekannten wohnten, bei denen meine Eltern schon einmal mit mir und meinem Bruder zu Besuch gewesen sind, als ich ungefähr drei Jahre alt war. Sie hatten die Leute über die Kirche kennengelernt, weil zwei Töchter von ihnen in dem Kirchenchor sangen, der in unserer Gemeinde gastierte.
Ich selbst kann mich von der ersten Reise nur an ein buntes Schaukelpferd erinnern, welches dort im Garten stand, und an die langen Haare meines Bruders, die ihm während der Zugfahrt, als er schlief, über das Gesicht fielen. Die vielen anderen höchst dramatischen Geschichten, die meine Eltern so gerne erzählen, sind mir nur vom Hörensagen bekannt (manchmal habe ich ja den leisen Verdacht, dass sie gerne ein wenig übertreiben), z. B. die, wie ich meinen Kopf in das schmiedeeiserne Gitter eines alten Brunnens steckte und ihn nicht mehr herausbekam, oder stundenlang an der Hand meiner Mutter mit meinen kleinen Beinchen über Geröll, Steine und durch ausgetrocknete Flußbetten stolperte, ohne zu murren und zu klagen (wenn da nicht schon meine Passion für das Wandern deutlich wird), wie meine Mutter mit mir auf einer offenen, klapprigen Seilbahn fuhr und immer Angst hatte, ich würde mich nicht richtig festhalten, durch den Bügel rutschen oder den Absprung nicht schaffen und noch einige mehr.
Meine Eltern hatten stets den Kontakt zu den Bekannten gehalten, ebenso der Cousin meiner Mutter, der ebenfalls evangelischer Pfarrer war und seine Cousine geheiratet hat (also nicht meine Mutter, sondern eine andere Cousine). Er war Pfarrer geworden, nachdem er durch Gott von seiner Schuppenflechte geheilt worden ist, wie er sagte, und da er im Westen lebte, organisierte er desöfteren Hilfslieferungen für die polnische Gemeinde.
Er fuhr leidenschaftlich gerne Auto und nach dem Fall der Mauer machte er gerne längere Ausflüge nach Polen.
Einmal kam er auf die Idee, meine Mutter und mich dorthin mitzunehmen. Meine Mutter war sofort begeistert, ich weniger, da ich mir schöneres vorstellen konnte, als mit meiner Mutter und meinem 70jährigem "Onkel" bei einer 83jährigen alten Frau zu wohnen. Ich befand mich gerade in meiner Diskophase, wo meine Lieblingsbeschäftigung tanzen und feiern war. Trotzdem redeten die beiden so lange auf mich ein, bis ich schließlich nachgab und den Koffer packte.
Die Fahrt in den kleinen Bergkurort war lang. Mein "Onkel", wie ich ihn immer nannte, obwohl er es nicht war, hatte eine Vorliebe zu Marsch- und Volkmusik, die er während der Fahrt ausgiebig genoß.
Bei dem kleinen Haus angekommen, das uns für eine Woche beherbergen würde, hatten wir nur kurz Zeit, um uns frisch zu machen, dann gondelte er uns gleich von Empfang zu Empfang. Ich weiß nicht, wen wir dort alles besucht haben, aber es waren jede Menge Häuser, die wir abklapperten, u.a. auch die Pfarrerin der Gemeinde. Diese öffnete extra den Gemeindesaal und überreichte uns zum Abschied noch jedem ein Gastgeschenk, mir einen riesigen folkloristischen Holzlöffel. Diesen benutze ich heute noch dafür, Farbe umzurühren, weil er so schön stabil ist.
Auch bei der alten, über 90jährigen Tante waren wir, welche allein in einem sehr dunklen Haus wohnte, - zumindest kam es mir sehr dunkel vor -, seit Jahren nur schwarz trug, aber einen äußerst lebhaften und neugierigen Eindruck machte. Bei einer anderen alten Tante, die uns in ihrem mit Häkeldecken ausgestattetem Zimmer empfing, und noch vielen anderen, an die ich mich nicht erinnere.
Glücklicherweise verstand ich mich mit der Tochter unserer Gastgeberin auf Anhieb sehr gut. Es war eine von den beiden, die bei uns in Berlin gewesen sind, und ihr Neffe, ein Jahr jünger als ich, hatte mit mir schon auf unserer ersten Reise zusammen gespielt. Beide, I. und ihr Neffe P., nahmen mich nun unter ihre Fittiche und versuchten mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten und mir auch etwas jüngere Gesellschaft zu bieten. Da P. Englisch konnte, ging die Kommunikation relativ reibungslos vonstatten.
Zuallererst wollten sie mir die Seilbahn zeigen, mit der ich schon als kleines Kind gefahren war, woran ich mich aber nicht erinnern konnte. Onkel H. und meine Mutter kamen mit, allerdings weigerte sich mein Onkel strikt, mit der Seilbahn zu fahren und malte sämtliche Horrorszenarien aus, die dabei geschehen könnten. Auch meine Mutter ist extrem ängstlicher Natur, irgendwie ähnelten sie sich darin sehr stark - das scheint wohl eine erbliche Familienanlage zu sein -, und lehnte es ebenfalls ab, damit zu fahren.
Ich jedoch hatte durchaus Lust Seilbahn zu fahren als sie mich fragten, auch wenn das Teil ziemlich klapprig aussah, und wir einigten uns schließlich, dass die älteren Herrschaften unten auf uns warten würden.
Da dies eine Seilbahn ist, die nie richtig anhält, sprangen wir also auf und gondelten nach oben. Zum Glück hatte ich I. neben mir zu sitzen, die mir die Schutzvorrichtungen erklärte, denn aus irgendeinem Grund bin ich mit absoluter Blindheit geschlagen, wenn es um irgendwelche Einrichtungen wie Schutzbügel geht. Ich sehe sie einfach nicht, auch wenn sie mir direkt vor der Nase hängen, ja, schlimmer noch, ich komme nicht einmal auf die Idee, dass ich so etwas wie einen Schutz brauche. Deshalb kann ich nicht alleine Karussell fahren, denn wenn ich Pech habe, falle ich plötzlich aus der Gondel, weil ich diesen völlig witzlosen Stahlbügel, der da irgendwo sinnlos in der Gegend herumhing, nicht wahrgenommen habe.
Oben angekommen genossen wir die Aussicht, doch als wir wieder nach unten fahren wollten, krächzte die Seilbahn noch einmal laut und stand still. Die beste Gelegenheit um sich die ausgefeilten Horrorszenarios meines Onkels zurück ins Gedächtnis zu rufen. I. und P. gingen in die Station und fragten dort nach, wobei sie erfuhren, dass gerade Mittagspause sei und die Seilbahn erst wieder in einer halben Stunde fahren würde.
Na wunderbar! Da standen wir also auf dem Ausguck und überlegten, wie wir irgendwie Rauchzeichen nach unten geben könnten. Für uns war zwar alles klar, aber wenn ich an die Phantasie meines Onkels dachte, fürchtete ich doch, dass sie unten in Panik ausbrechen könnten. Und das alles wegen mir.
Endlich war die Mittagspause beendet und wir fuhren besorgt in das Tal hinunter. Die beiden standen mit steinernen Gesichtern noch immer an der Stelle, wo wir sie verlassen hatten, aber als ich sie schuldbewußt anlachte und ihnen erklärte, dass die Seilbahn Mittagspause gemacht hatte, überwog wohl ihre Erleichterung und sie lachten ebenfalls wieder, jedoch nicht ohne auszurufen, dass sie schon dachten es sei sonstetwas passiert.

Fortsetzung folgt (vielleicht)

Aus den Klauen entlassen, vorerst...

Das Wochenhorroskop:

Saturn hat Ihr Zeichen verlassen. Eine tonnenschwere Last fällt ab. Saturn lief zweieinhalb Jahre durch Ihr eigenes Zeichen und stand für eine schwierige, arbeitsintensive Phase, deren Früchte Sie bis heute nicht wirklich ernten konnten. Am Sonntag hat dieser Saturn Ihr Sonnen-Zeichen verlassen und ist einen Abschnitt weiter gerückt, in das Jungfrau-Zeichen. Was für eine Erleichterung! Es wird ein paar Tage dauern, ehe Sie es spüren, aber eine angenehme Veränderung wird sich einstellen. „Druck und Enge“ werden von Ihnen abfallen, Sie werden wieder so wie früher.

Wenn Saturn verschwindet, fällt Druck ab, sehen Sie die Dinge aber auch einfach wieder klarer. Jetzt kann sich Jupiters Optimismus (er steht ja im verwandten Schütze-Zeichen) freier entfalten. Sie werden mutiger, zuversichtlicher und sehen Probleme nicht mehr so eng, sondern öffnen Ihren Blick für eine rosige Zukunft. Bereits in den nächsten Tagen stellt sich dieses zuversichtliche und lässige Löwe- Verhalten wieder ein. Man kann sagen, Sie sind wieder die/der Alte – wenn auch um ein paar wertvolle Erfahrungen reifer. Saturn verschwindet nicht ganz, er löst sich ja nicht in Luft auf, sondern er wandert weiter. In dem Fall in Ihr 2. Solarhaus, von dem aus er Ihnen sogar dabei hilft, endlich die Früchte für Ihre Arbeit, Ihren Verzicht zu ernten.


In der Tat warte ich darauf schon seit zwei Jahren. Allerdings kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die nächste Zeit weniger arbeitsintensiv wird. Und ich hoffe, es ist nur ein Zufall, dass ich ab morgen meinen ersten eigenen Buchstaben habe - mein Kumpel nennt das Buchstabenkaufen, ich kaufe also ein J -, denn ich fühle mich noch immer ein bißchen wie ein blindes Huhn (somit könnte man es auch Buchstabenpicken nennen, ich habe ein J gepickt).

Sonntag, 2. September 2007

Über Otto Kokoschka, Maler:

Kokoschka sei verrückt geworden - hieß es - er lebe nun mit einer Puppe zusammen. In der Tat hatte er bereits im Sommer 1918 bei der angesehenen Münchener Puppenmacherin Hermine Moos eine lebensgroße Puppe in Auftrag gegeben. Mit zahlreichen Detailzeichnungen hatte er die Schneiderin über das Aussehen des Fetischs instruiert. "Bitte machen Sie es dem Tastgefühl möglich, sich an den Stellen zu erfreuen, wo die Fett- und Muskelschichten plötzlich einer sehnigen Hautdecke weichen", wies er sie an: "Es handelt sich mir um ein Erlebnis, das ich umarmen muß!" Als die Puppe Ende Februar 1919 bei Kokoschka in Dresden eintraf, war die Enttäuschung groß, vergeblich versuchte er in dem Gegenstand aus Stoff und Holzwolle seine Alma Mahler zu erkennen. "Die äußere Hülle ist ein Eisbärenfell, das für eine Nachahmung eines zottigen Bettvorlegerbären geeignet wäre, aber nie für die Geschmeidigkeit und Sanftheit einer Weiberhaut", wie er Hermine Moos vorhielt. Die Puppe war verständlicherweise nicht geeignet, Kokoschkas sexuelle Bedürfnisse zu erfüllen. Nichtsdestoweniger verewigte er "Die stille Frau", wie die misslungene Kopie nun hieß, in zahlreichen Tuschezeichnungen und Gemälden. Er kleidete sie in teure Kostüme und Dessous aus den besten Pariser Modesalons und ließ über seine Kammerzofe das Gerücht verbreiten, er habe einen Fiaker gemietet, "um sie an sonnigen Tagen ins Freie zu fahren, eine Loge in der Oper, um sie herzuzeigen". Die Geschichte fand ein plötzliches Ende, als Kokoschka der Puppe bei einem Gartenfest im Rausch den Kopf abhackte und eine Flasche Rotwein darüber zerschlug. Mit der Ermordung der "stillen Frau" hoffte er offenbar, Alma in sich überwinden zu können. "Früh am nächsten Morgen, als das wilde Fest fast vergessen war, schellte die Polizei am Haustor. Die Schupos hatten einen dringenden Verdacht zu klären: Man habe gemeldet, im Garten liege eine Leiche." Als Kokoschka da Missverständnis aufgeklärt hatte, entsorgte die Müllabfuhr die Reste einer exaltierten Beziehung.
(aus: "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes)

Jemandem die Glatze polieren

Ich stehe in einer Schlange hinter einem Skin. Auf einer Seite seiner Glatze sprießen an einer kleinen Stelle ein paar stoppelige Härchen. Irgendwie stören mich diese, weshalb ich Sandpapier nehme und damit beginne, seine Kopfhaut zu schmirgeln, sorgfältig und konzentriert, bis sie an dieser Stelle völlig glatt geschmirgelt ist. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob er nicht vielleicht etwas merkt, aber er bekommt überhaupt nichts mit und ist sowieso betrunken. Er dreht sich sogar um, und sagt etwas über seine sprießenden Haare, was nur den Schluß zuläßt, dass er wirklich nichts mitbekommen hat oder aber den oberflächlichen Anschein machen will, er bekomme nichts mit, durch diese übertriebene Form mir aber trotzdem einen versteckten Hinweis geben will, dass er doch was gemerkt hat.

Samstag, 1. September 2007

Creme um den Mund und Ungehorsam

Weil ich irgendeinen kleinen Pickel neben dem Mund habe, beginne ich mir Penatencreme rund um den Mund zu schmieren, bis er einen dicken weißen Rand hat, obwohl an den anderen Stellen gar nichts ist. Allerdings beabsichtigte ich etwas damit(wenn ich auch nicht mehr weiß, was das war). Ich spaziere in das Büro meiner Gruppenleiterin und sage zu ihr demonstrativ, sie solle sich heute nicht wundern wegen der Creme, da ich einen Ausschlag am Mund hätte (was aber so gar nicht stimmt). Frau Gr. kommt durch eine Tür im Büro, die nicht wirklich existiert, und will mir die Hand geben. Da ich noch Creme an den Fingern habe, will ich das vermeiden, doch Frau Gr. läßt nicht locker, erwischt durch mein Zögern aber nur die Fingerspitzen. Die Creme daran scheint sie nicht zu stören.

In einem unbekannten Hotelzimmer. Erst bin ich allein, dann kommt ein älterer Mann ins Zimmer. Wir liegen zusammen auf dem Bett und die Atmosphäre ist erotisch geladen, ohne dass wir uns überhaupt berühren. Er geht nach kurzer Zeit wieder, läßt aber eine frisch gebackene Pizza auf dem Bett zurück. Keine Tiefkühlpizza, sondern anscheinend handgemacht, mit sehr viel Käse und Tomaten, und äußerst appetitlich aussehend. Unglücklicherweise verlangt er von mir, dass ich die Pizza nicht anfasse, bis er wieder da ist. Dies sagt er jedoch nicht, weil ihm etwas an der Pizza liegt, sondern es ist Teil eines erotischen Spiels, dass er anscheinend mit mir spielen will, in welchem er mir Befehle erteilt und meinen Gehorsam verlangt. Sein Spiel mt der Pizza ist äußerst perfide, das wird mir klar, als ich sie so von allen Seiten betrachte und Überlegungen anstelle, ob ich meinem Appetit nachgeben oder lieber gehorsam sein soll. Schließlich denke ich bei mir "Ach egal, ich steh eh nicht auf sowas." und stopfe mir noch im Bett ein großes Stück Pizza in den Mund. Dabei muss ich aufpassen, keine Tomatenflecke auf der Bettwäsche zu hinterlassen, das könnte sonst zu sehr auffallen.