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Sonntag, 31. August 2008

Die Gedichte meines Vaters | 4

Du bist mein Schicksal,
ich ahnt' es schon beim ersten Blick.
Du bist mein Schicksal,
es gibt für mich nie ein zurück.

Die Unschuld selbst, im Sommerkleide,
so sagtest du an jenem Tisch;
das dunkle Haar, die reinste Seide,
so wunderbar, so träumerisch.

Ein Blick aus deinen klaren Augen -
ich konnte ihm nicht widerstehn,
vom Mund die heißen Küsse saugen -
sei mein, laß mich umsonst nicht flehn.

Sei mein! Des Glückes schönste Stunde
erwartet uns, voll Seligkeit
reichst du mir deine Hand zum Bunde:
O höchstes Glück, werd' Ewigkeit!

Berlin, 30/7/50

Der Quietscher oder - Was bist'n du für'n Vogel?

Noch mit Schlaf in den Augen wankte ich ins Badezimmer, als ich durch das ständig offene Küchenfenster einen schrillen Schrei hörte. Es klang wie ein Kind, das quengelt und dabei immer höhere Töne trifft. Allerdings hörte das Quietschen schlagartig auf und kehrte dann in verschiedenen Abständen wieder. Jetzt begann ich mich zu wundern. Für ein Kind so völlig untypisch, denn die plärren ja die ganze Zeit und hören nicht mehr auf. Sollte das ein Vogel sein? Lange stand ich am Fenster und beobachtete die Straße und den Baum vor meinem Fenster. Mit seinem Quietschen übertönte er den gesamten Straßenverkehr und es klang sehr nahe, als wäre es direkt vor mir. Trotzdem dauerte es lange, bis ich ihn entdeckte, denn mit seiner grauen Rückseite war er im Baum gut getarnt. Allerdings verrieten ihn irgendwann seine orangen "Bäckchen". Das Fotografieren war nicht einfach, da er genau hinter einem Ast saß und ich warten mußte, bis der Wind diesen zur Seite wehte. Leider habe ich keinen Schimmer, was das für ein Vogel ist und bei Google habe ich noch nichts gefunden. Auf dem großen Bild bei Flickr kann man auch gut die gefiederte Haube erkennen.

Was bist'n du für'n Vogel?

Wer eine geheime Festnetznummer hat,

sollte sich NIEMALS an den Support der TELEKOM wenden. Da bekommt er nämlich wenig Hilfe, aber garantiert den Anruf eines Umfrageinstituts, das mit blödsinnigen vorgegebenen Fragen herausfinden will, wie man mit dem Support zufrieden war. Und um dem ganzen noch ein Krönchen aufzusetzen, wird die geheime Festnetznummer gleich weiter an andere Umfrageinstitute verkauft, so daß man ständig, sogar sonntags, Anrufe für blöde Umfragen bekommt, an denen man nicht einen Cent verdient. Schon interessant, wie gerade die TELEKOM mit den Daten ihrer Kunden umgeht. Auch interessant, daß man für eine neue Geheimnummer, mindestens 50 € Gebühren zahlen muß, falls diese inzwischen nicht schon teurer geworden sind. So kann man natürlich auch Geld machen.

Samstag, 30. August 2008

Die Gedichte meines Vaters | 3

Noch jetzt ich täglich mich entzünde
an deinem lieben Augenlicht.
Ich weiß: auch das ist keine Sünde,
DEIN Mund in meinem Herzen spricht.

Wann wirst du wieder mir erscheinen
bei mir zur Nacht? - die Couch ist weich -
und unsre Seelen sich vereinen -
die deine ist ein tiefer Teich.

Es wartet schon die Schokolade,
"Halbbitter", "Vollmilch", "Nuß", "Kakao";
die Liebe dein ist niemals fade;
drum nenne ich dich stets: Oh Frau!

Den Busen dein mit Küssen decken,
umfangend EIN Fleisch nur zu sein,
die Freuden höchster Wollust schmecken
- und dennoch bleiben herzensrein!

Die Couch ist sanft, dein Fleisch ist weich
- zwei Herzen Liebe sich gestehn -
die Seele dein ein tiefer Teich,
es dämmert schon? Auf Wiedersehn!

29/10/55

Das ist ja auch wieder absolut typisch, daß er von Schokolade schreibt. Er konnte schon immer von Süßem nicht genug bekommen. Im November 1955 wurde mein Bruder geboren. Wenn ich also davon ausgehe, daß er meine Mutter meint, läßt sich erahnen, warum er in diesem Gedicht Schokolade braucht. Das dürfte sein letztes Gedicht gewesen sein. Genau wie mein Großvater, sein Vater, hat er anscheinend ab dem Zeitpunkt, an welchem er Familie hatte, nichts mehr gedichtet. Wahrscheinlich fordert Familie einfach zu viel Realitätsbewußtsein und ist deshalb der Dichtkunst einigermaßen abträglich.

Fraktale Träume

Wie tief diese Begegnung reicht, das legen die bahnbrechenden Arbeiten des Psychiaters Montague Ullman und anderer nahe, aus denen sich ergibt, daß sogar die Struktur unserer Träume fraktal zu sein scheint. Die Forscher glauben, daß die "story" des Traums Wiederholungen der wesentlichen Probleme des Träumers enthält. Reflexionen dieser Probleme lassen sich sowohl in der gesamten "story" wie auch in ihren immer feineren Details finden.
Die Anziehungskraft des Fraktals liegt vermutlich darin, daß in jedem seiner "Teile" ein Bild des Ganzen enthalten ist, ein Spiegelbild gewissermaßen.

(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

Ab und zu soll man sich etwas gönnen,

und das habe ich getan, sozusagen als nachträgliches Geburtstagsgeschenk an mich selbst - ich habe mir ein Internetradio gekauft, nämlich das Revo Blik. Die Internetradios scheinen noch in den Kinderschuhen zu stecken und die Bedienung ist unter aller Sau, um das mal so zu sagen, denn wenn man sich mühsam Klick für Klick durch tausende von Radiosendern tippen muß und nur acht Stationsspeichertasten zur Verfügung hat, bekommt man ziemlich schnell einen Tennisarm. Und trotzdem ist das Teil auch irgendwie genial. Per WLAN und sogar bei ausgeschaltetem Computer empfängt man, wo man es möchte (bei mir steht es in der Küche) tausende von Radiostreams, ob öffentlich oder privat, ebenso Podcasts, vorbei die Zeiten, wo ich mit zwei UKW-Kultursendern vorlieb nehmen mußte ("Lärmradios" höre ich ja nicht). Außerdem kann man, wenn man den Musikordner auf dem Computer freigibt, seine MP3s ebenfalls über Radio streamen und Playlisten abspielen. Ok, ein MP3-Player tut es auch, aber beim Abwaschen und sonstigen Tätigkeiten, herven mich die Kabel und Ohrstöpsel, weshalb ich immer darauf verzichtet habe. (So ein Teil als Badradio mit Infrarotsensor hat wohl noch niemand erfunden?)Leider sieht es so aus, als müßte ich mir ungeplant und völlig unfreiwillig weitere "Geburtstagsgeschenke" besorgen, aber dazu später mehr.

EDIT: Wie ich gerade herausgefunden habe, kann man sich auf www.reciva.com registrieren und dort eine Favoritenliste anlegen, die auf das Radio gestreamt wird, d.h. ich muß mich nicht mehr durch 1000 Sender klicken, sondern nur noch durch 20. Na gut.

Freitag, 29. August 2008

Die Gedichte meines Vaters | 2

Du und das Zitherspiel-
dass es das noch gibt!
Verloren der Welt
wer nicht liebt.
Süsse Melodien
den zarten Händen entsprungen-
es war
als ob ein Engel gesungen.
Ich seh' deine Hand
über die Saiten
sanft zupfend gleiten
und mit herrlichen Tönen
dieser Welt mich versöhnen.
Dass es das noch gibt
in dieser Zeit-
und ich glaubte das Glück
so weit!

Ich erinnere mich, daß mein Vater in meiner Kindheit, einmal mit einer Zither ankam. Ich weiß nicht genau, woher er sie hatte, aber schätze, daß er sie von einem verstorbenen Gemeindemitglied geerbt hatte, so wie ihm oft Bibeln, Bilder oder Kunstgegenstände vermacht wurden. Über mehrere Jahre stand zum Beispiel ein "dicker Schinken" in unechtem Goldrahmen unter unserer Dielenkonsole, der einen in Andacht versunkenen Einsiedler zeigte und niemand wußte wohin damit, zumal meine Mutter sich standhaft weigerte, ihn in der Wohnung aufzuhängen. Zur Zither gehörte ein Packen Papiereinlagen, welche man unter die Saiten legen und so sehr einfach verschiedene Lieder und Melodien nachspielen konnte, indem man einfach die eingezeichneten Noten zupfte. Das Gedicht muß vor dieser Zeit entstanden sein. Mein Vater konnte sich schon immer für das Zitherspiel begeistern. Einer seiner Lieblingsfilme war "Der dritte Mann" und sobald irgendwo jemand Zither spielte, war er Feuer und Flamme. Ich frage mich, ob wohl die im obigen Gedicht besungene Situation Ursache dafür ist. Jedenfalls versuchte er tatsächlich eine gewisse Zeit lang, das Zitherspielen zu lernen. Irgendwann gab er es auf und die Zither verschwand wieder. Ich glaube, sie wurde verschenkt.

...

Goethes Interpunktion, bei Hecker nicht rein original wiedergegeben, wurde hier weitgehend beibehalten. Und dies nicht einer leeren äußeren Treue wegen, sondern weil der Dichter, wie man beim Lesen schnell verspüren wird, mit seinen Zeichen das Gedankengefüge und den Vortrag der Sprache sehr wohl bedacht und höchst sinnvoll phrasiert. Diese Deutlichkeit würde durch die moderne, sich auf bloße grammatikalische Sachbestände stützende Interpunktion verwirrt und zerstört werden.
(aus: "Goethe - Maximen und Reflexionen")

Goethe müßte man sein...

Aus der Rubrik "Wie man von einem Vogel zu einer Flunder wird"

Auf der Straße, direkt an der Ampel, lag heute ein toter Vogel, wobei das Wort "tot" die Situation nicht hundertprozentig trifft, denn genaugenommen war er platt wie eine Briefmarke. Wenn nicht obenauf eine ebenso platte Vogelkralle sichtbar gewesen wäre, hätte man ihn nicht mehr als Vogel erkannt, sondern sich gefragt: "Was klebt denn hier für Dreck?" Aber ich schätze mal, dem Vogel ist es längst egal und ich hoffe für ihn, daß er nicht in den Katzenhimmel gekommen ist.

Donnerstag, 28. August 2008

Die Gedichte meines Vaters

Meine Mutter gab mir heute einen Packen Zettel mit, die sie irgendwo gefunden hat und die Gedichte und kurze Tagebuchnotizen meines Vaters enthalten. Nicht sehr viel - ich weiß nicht, ob es davon noch mehr gibt -, aber das größte Problem ist seine Schrift. Es ist fast unmöglich, diese zu entziffern. Ein einzelnes Gedicht ist mit Schreibmaschine geschrieben, welches, wie ich finde, sein ganzes Leben und Dilemma sehr genau zusammenfaßt:

Einsam, immer wieder einsam,
ach, was hab' ich schon gebangt, gefleht;
einsam, immer wieder einsam,
nie ein Mensch an meinem Wege steht.
Nie ein liebes, holdes Mädchen,
das mit glücklich strahlendem Gesicht
spricht: ich liebe dich!

Einsam, immer wieder einsam,
warum lern' ich nie die Welt verstehn?
Steh' ich still und schau ich tiefer,
rufen dunkle Stimmen: weitergehn!
Niemals, niemals rührte mich im
Herzen fremdes, grauenvolles Leid,
ich bin Einsamkeit.

Einsam, immer wieder einsam,
schauderhaftes Schicksal meiner Nacht:
Du hast mich voll bittrer Kälte,
seelenlos und lebenskrank gemacht.
Wie ich sehne mich nach Liebe,
kann kein Mensch auf dieser Erd' versteh,
so soll's weitergehn?

Ich wußte, daß er es weiß. Und trotzdem hatte er in seinem Unglück auch sehr viel Glück. Er hatte eine Familie und eine Frau, die ihn trotz allem nie fallen gelassen hat. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er sich dessen bewußt ist oder es jetzt wird.

In einer Notiz schreibt er:

"Ofui, Teufel! Wie sind die Menschen alle so verlogen! Die ganze Welt wird durch sie verdorben! Und da soll es nicht gären? Was ich will, weiß ich noch nicht, auf jeden Fall aber etwas "anderes" - als das, was augenblicklich besteht...
...Als Christ würde ich es nicht aushalten, KEIN Theologe zu sein; da ich aber "Literat" (!) werden will, kann ich kein Christ sein, denn sonst müßte ich mein Berufsziel aufgeben."

Eine spontane Wunderheilung

hätte ich mir heute während der fünfstündigen Wartezeit beim Orthopäden gewünscht. "Versprochen" wurden mir sogar 5 bis 7 Stunden Wartezeit. Ich denke, daß dies durchaus Potential für spontane Wunderheilungen hat. Wer weiß, wieviele zwischendurch schon aufgestanden sind und gesagt haben: "Ich bin geheilt! Ich gehe jetzt!" Fehlt bloß noch ein Schild im Wartezimmer mit der Aufschrift: "Möchtest du geheilt sein, so stehe auf und wandle zur Tür hinaus!"
Nur leider stellte sich bei mir keine spontane Wunderheilung ein und ich mußte von nachmittags um 3 Uhr bis 20 Uhr abends durchhalten. Mir gelang dies ja noch relativ gut im Vergleich zu frisch wirbelsäulenoperierten Patienten, die nach vier Stunden fast vom Stuhl fielen und einer Patientin, die sogar im Keller auf einer Liege gebahrt werden mußte, weil sie nicht mehr sitzen konnte. Und das Ergebnis der ganzen Warterei war die Feststellung der Ärztin, daß wir das beobachten sollten, daß sie auch nicht genau sagen kann, was das ist, aber daß man da noch nicht viel unternehmen sollte. Im Grunde das, was ich selbst auch sagen würde. Na gut, da mir meine Hausärztin schon CT und diverse Maßnahmen wie Massagen, Bewegungstherapie usw. ankündigte, bin ich einerseits ganz froh, daß ich nächste Woche meine Ruhe habe und nicht irgendwo hinrennen muß. Aber andererseits darf das nicht mehr lange so weitergehen, weil ich auch irgendwann mal wieder Lebensmittel einkaufen, Müll wegbringen und andere Dinge machen müßte, die sonst niemand macht. Aber ok, notfalls kann ich mich auch vom Pizzaservice ernähren. Die Ärztin scheint eine ganz besondere Marke sein, jedenfalls schaute die Schwester, die bei der Untersuchung am Computer saß, manchmal so, als wolle sie sagen: "Was sagt sie denn jetzt schon wieder für Mist?". Und als die Ärztin meinte, ich solle einfach nächste Woche nochmal KURZ (inklusive fünf Stunden Wartezeit)irgendwann vorbeischauen, erklärte sie mir, sobald die Ärztin aus dem Zimmer war, ich solle einfach sagen, ich hole mir eine Spritze ab, dann müßte ich nicht so lange warten.
Ich mache normalerweise um Orthopäden einen großen Bogen, da ich komischerweise mit diesen speziellen Fachärzten noch nie klargekommen bin und ich frage mich gerade, ob dies an meinem schlechten Orthopädenkarma liegt, daß ich keine vernünftigen finde, oder ob die einfach ALLE so sind, warum auch immer.

Mittwoch, 27. August 2008

...

Vier Forscher an der University of California in Santa Cruz dachten sich eine geniale Methode aus, um den Grad der Ordnung in einem teuflisch einfachen chaotischen System zu ergründen, das viele von uns im Hause haben: einen tropfenden Wasserhahn.
Inwiefern ist ein solches System chaotisch? In einem turbulenten Fluß wirkt ja jedes Strömungselement, jeder kleine "Teil" als Auslöser von Zufällen für jeden anderen Teil. Der Fluß erzeugt also seine Zufälle aus seiner Ganzheit. Auch Wasser, das unter gewissen Druckbedingungen aus einem Hahn tropft, erzeugt sich seine Zufälle. Deshalb meinten die vier Wissenschaftler, daß sie auch nur einen einzigen "Teil" oder Aspekt des aus dem Hahn tropfenden Wassers messen würden. Und indem sie aus ihren Messungen einen Phasenraum konstruierten, sollten sie sehen können, ob das System unter dem Einfluß eines seltsamen Attraktors stünde. Und vielleicht wäre es sogar möglich, ein Bild dieses Attraktors zu erhalten.
Zur Durchführung ihres Experiments brachten die Forscher ein Mikrophon unter einem Wasserhahn an und ließen diesen tropfen, so daß ein Geräusch wie von einem "verrückt gewordenen Schlagzeuger" entstand. Die Zeitintervalle zwischen aufeinanderfolgenden Tropfen wurden als ein Maß für den Grad des Chaos aufgezeichnet...
...Auf einem Bild zeichneten die Forscher die Zeitabstände zwischen über 4000 Tropfen auf. Das Ergebnis war überraschend. Es wäre doch logisch gewesen zu erwarten, daß bei der Aufzeichnung völlig zufälliger Dinge auch ein völlig zufälliges Muster entstanden wäre. Tatsächlich aber geschah etwas ganz anderes. Zwar sprangen beim Fortschreiten von Tropfen zu Tropfen die Punkte in der Zeichnung, die die Intervalle zwischen Tropfen darstellten, völlig chaotisch hin und her. Und doch tauchte, als mehr und mehr Punkte das Bild anfüllten, eine Form aus dem Nebel auf, die bemerkenswert einem Schnitt durch einen seltsamen Attraktor glich, der als Henon-Attraktor bekannt ist. ...
...Als nun die vier Forscher den Druck im Wasserhahn ein wenig erhöhten, fanden sie unheimliche, aber experimentell reproduzierbare Formen, die offenbar Schnitte durch andere "bisher ungesehene chaotische Attraktoren" darstellten....
...Für David Ruelle sind der Henon-Attraktor, der Rössler-Attraktor, der Lorenz-Attraktor - und seltsame Attraktoren aller Art - wirklich wie jene subtil ineinander geschachtelte chinesische Schächtelchen. Die ungezähmte Attraktivität dieser Ordnung verbirgt sich in den Spalten aller Dinge, bewohnt ein gebrochenes Reich zwischen der ersten, zweiten und dritten Dimension, der uns vertrauten Welt mit ihren Anziehungspunkten, Grenzzyklen und sauber gedrechselten Torusgestalten.

(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

...

Die gleiche Erscheinung betraf offenbar ein Computernetzwerk, das ein Unternehmen der Militärindustrie, TRW, in Europa eingerichtet hatte. Ein Bericht in der "New York Times" wies darauf hin, daß dieses Netzwerk plötzlich seltsames, unvorhersagbares Verhalten gezeigt hatte. Das gleiche geschah einem Netz von Parallelprozessoren, die von Forschern der Firma Xerox zusammengeschaltet worden waren. Sie entdeckten, daß ihre Computer für genau die gleiche Rechnung völlig zufällig verschiedene Resultate geliefert hatten. Das Problem mit diesen Systemen lag nicht in irgendwelchen Konstruktionsfehlern. Die Ingenieure mußten vielmehr einsehen, daß es mit der Komplexität solcher Netzwerke zu tun hat, die unvermeindlich ist, wenn sie nichtlineare Rückkopplungsschleifen enthalten. Einige Forscher meinen, daß Ausbrüche von Intermittenz, wie sie hier beobachtet wurden, eine grundsätzliche Schwäche großer Computernetzwerke bloßlegen. Große Rechnersysteme, wie das der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI oder "Krieg der Sterne") der im high-tech-gestützten Börsenhandel der Wall Street könnten dann stets von Anfällen des Chaos bedroht sein....
...Für einen Computer führen iterative Paradoxa ins Chaos. Für Menschen, sagt man, haben sie entgegengesetzte Wirkung - sie führen zu kreativer Einsicht, ja, zur Erleuchtung. In mystischen Denksystemen wie dem Zen-Buddhismus sollen auf sich selbst rückgekoppelte Koans den Geist der Schüler derart in Schwingungen versetzen, daß die Voraussetzungen geschaffen werden, ihn wie eine Blase platzen zu lassen und einen völlig neuen Gesichtspunkt (oder einen Punkt ohne jede Aussicht) zu finden.

(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

Ich sage nur 42.

Dienstag, 26. August 2008

...

Unsre Meinungen sind nur Supplemente unsrer Existenz. Wie einer denkt, daran kann man sehen, was ihm fehlt. Die leersten Menschen halten sehr viel auf sich, treffliche sind mißtrauisch, der Lasterhafte ist frech, und der Gute ist ängstlich. So setzt sich alles ins Gleichgewicht; jeder will ganz sein oder es vor sich scheinen.
(aus "Goethe - Maximen und Reflexionen")

Montag, 25. August 2008

...

Große und neue Gedanken gewinnt man nur in der Einsamkeit; wie gewinnt man aber die Einsamkeit? Man kann die Menschen fliehen, dann steht man auf dem geräuschvollen Markte der Bücher; man kann die Bücher wegwerfen, wie entfernt man aber aus seinem Kopfe alle die herkömmlichen Kenntnisse, die der Unterricht hineingebracht? In der Kunst, sich unwissend zu machen, ist die wahre Kunst der Selbsterziehung die nötigste, die schönste, aber die am seltensten und am stümperhaftesten geübt wird. Wie es unter einer Million Menschen nur tausend Denker gibt, so gibt es unter tausend Denkern nur einen Selbstdenker.
(Ludwig Börne)

Kahnfahrt mit Gerhard Schröder

In einem unterirdischen Höhlenlabyrinth kann man auf Spreewaldkähnen Ausflüge unternehmen. Als ich einen Kahn besteige, bemerke ich, daß zwei Plätze weiter Gerhard Schröder sitzt. Hey, das ist ja ein Ding, daß ich ihm hier so nahe komme. Nur eine einzige Person ist noch dazwischen, was ich beinahe als Störung empfinde, obwohl ich eh nicht wüßte, worüber ich mit ihm reden sollte.

Für meine ehemalige Chefin C.K. soll ich Berge von Koffern und Taschen auspacken, welche in mehreren Türmen übereinandergestapelt sind. Ich habe keine Ahnung, woher die kommen oder was das soll, aber gut, nach einer Mammutaktion habe ich alles ausgepackt. Allerdings habe ich die Sachen mehr oder weniger leger übereinandergestapelt, was meine Chefin jetzt bemängelt. "Die Sachen zerknittern doch alle!" sagt sie. Na wenn sie gewollt hätte, daß ich bei diesem Berg Arbeit auch noch jedes Stück fein säuberlich zusammenlege, dann hätte sie mir das eher sagen müssen.

Samstag, 23. August 2008

Konzerte als MP3

kann man sich unter http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3156602,00.html völlig kostenlos herunterladen. Zwar ein bißchen leise, aber den Tango-Mitschnitt kann ich empfehlen, die Ungarische Instrumentalmusik weniger.

Konzentration

Konzentration

Freitag, 22. August 2008

Zucker redet mit Pflanzen

"Na dann wollen wir mal sehen, wie wir uns vertragen, mein Hübscher, nicht wahr? Wir werden uns schon zusammenraufen. Leider kann ich deinen Standortansprüchen ja nicht ganz gerecht werden, aber ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel....
Gut siehst du aus! Der rote Topf steht dir wirklich blendend. Und deine Blätter glänzen fantastisch. Ich hoffe, das wird so bleiben. Gib dir ja Mühe, hörst du? Ich geb mir auch Mühe und wenn es dir nicht gut geht, schreist du sofort!...
Das ist wirklich übel, daß ich weder viel Licht, noch einen zugluftfreien Standort für dich habe. Das habe ich natürlich vorher nicht gewußt. Na ja, wir werden ja sehen, wie du das verträgst und ob du mich wirklich beim Denken störst, wie auf dieser Website stand. Man muß ja nicht alles glauben, was auf diesen Websites steht und wer weiß, vielleicht verstehen wir uns noch richtig prächtig. Und vielleicht hast du auf mich völlig unentdeckte positive Wirkungen. Man kann nie wissen!"

Inzwischen hatte ich den Ficus fertig umgetopft.

...

Sehen wir es einmal andersherum an. Könnte nicht Intermittenz ein auf den Kopf gestelltes Bild unseres eigenen Ortes im Universum darstellen? Wir sind gewohnt, den Kosmos vom Standpunkt der Ordnung aus anzusehen (d.h. mit Bildern relativ einfacher Ordnung). Wenn unsere Tageslänge schwankt oder das Radio ein Prasseln ausspuckt, so stellen wir uns diese Erscheinungen als störende Unterbrechungen der Struktur vor, die das von uns bewohnte Universum beherrscht. Die Chaostheorie legt aber nahe, daß auch der spiegelbildliche Gesichtspunkt möglich ist. Wir könnten uns die vertraute Ordnung als Insel von Intermittenz inmitten eines seltsamen oder chaotischen Attraktors von der Größe des ganzen Universums vorstellen.
(aus "Die Entdeckung des Chaos" von Briggs und Peat)

Traumnarben

Mein Kollege M.K. entdeckt mir sein Geheimnis. Auf seinem entblößten Oberkörper sehe ich viele kleine und größere, verschieden geformte Narben. Sie stammen von Nadeln, Klammern, Messern und ähnlichen Dingen, er hat sie sich selbst zugefügt. Ich wußte nicht, daß er den Schmerz liebt. Fast ehrfürchtig streiche ich mit dem Zeigefinger über die vernarbte Haut. Ich fühle viel Respekt, weniger vor dem, was er sich gerne antut, als vielmehr vor der Wunde, die ihn dazu veranlaßt. Jeder Mensch trägt irgendwo einen geheimen Schmerz und es benötigt viel Vertrauen, ihn bloßzulegen, selbst wenn es sich nur um die sekundären äußeren Signale handelt.

Donnerstag, 21. August 2008

Wie kann man nur so ein ständig

falsches Timing haben! Jedesmal, wenn ich meinen Kumpel anrufe, muß er gerade irgendwohin. Inzwischen räufelt er sich schon vor Lachen, sobald ich mich melde und sagt nur noch drohend: "Suusaanneeee!". Gestern und heute hat M. mehrmals versucht, mich zu erreichen als ich nicht zu Hause war, also dachte ich mir, mach ich es ihm mal leichter und rufe zurück. Und was sagt er mir am Telefon: "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, alles Gute und ich muß los - Suusaanneee!."