Durch die Biobox Food & Drink im Oktober bin ich mit einer exotischen Leckerei angefixt worden, nämlich dem Turrón aus Spanien, in Italien bekannt als Torrone. Ich finde, das Zeug schmeckt besser als jede Schokolade. Seit ich das kenne, hat Schokolade bei mir (fast) ausgedient. Leider gibt es diese Spezialität hier aber nicht an jeder Ecke. Man kann verschiedene Varianten im Internet bestellen, was ich auch getan habe, doch es stört mich ein bißchen, daß die Riegel oft so dick sind, daß ich Angst um meine Zähne bekomme. Dazu sind sie außerdem teuer, obwohl diese Art von Nougat eigentlich nur aus ganzen Mandeln, Zuckerarten und Eiklar besteht. Deshalb dachte ich mir mal wieder, es könne doch nicht so schwer sein, das selbst zu machen, und am besten gleich so, wie ich es am liebsten möchte. Nämlich dünn wie eine Tafel Schokolade und ausschließlich mit Waldhonig gemacht. Ich mag den kräftigen Geschmack des Waldhonig in Verbindung zu den Mandeln besonders gerne.
Ich recherchierte also munter im Internet, war aber bald nicht mehr so munter, weil ich zwar einige Rezepte fand, diese aber wahnsinnig kompliziert oder sagen wir besser umständlich sind. Teilweise auch unnötig umständlich, wenn man zum Beispiel die ganze klebrige Zuckermasse noch kneten soll. Aus diesen Rezepten baute ich mir das für das Gelingen Wichtigste und gleichzeitig für mich Angenehmste zusammen und probierte es dann auf meine Art.
Dafür schüttete ich geschälte Mandeln flach auf den Boden einer Auflaufform - die Mandeln habe ich geschält gekauft, denn ich erinnere mich noch zu gut an das fummelige Mandelhäuten, das mir als Kind gerne übergeholfen wurde. Danach wird der Honig erhitzt und mit Salz steif geschlagenes Eiweiß untergehoben, wenn die Masse fest zu werden beginnt, gießt man sie über die Mandeln. Doch jetzt kommt erst das Schwerste: Diese ganze Chose soll nämlich 10 Tage (!) trocknen (nicht im Kühlschrank). Ich bin aber natürlich sehr neugierig und ungeduldig, ob das auf diese Weise richtig fest wird. Nach fast zwei Tagen ist die Masse so zäh, daß sie sich kaum noch bewegt, ist aber trotzdem nicht fest genug, um sie als Stück zu entnehmen. Und es ist wirklich ein täglicher Kampf und Kraftakt, die Auflaufform nicht einfach kurzerhand auszulöffeln, denn es schmeckt schon jetzt, ist halt nur nicht fest. Ihr müßt mich unbedingt davon abhalten, denn sonst erfahre ich nie, ob echtes Konfekt daraus geworden wäre!!!
Die Biobox Beauty war mal wieder fällig und ich bin recht zufrieden mit dem Inhalt. Sehr gut finde ich das aluminiumfreie Deo-Roll-on von Speick. Der Lidschatten mono amazing von benecos hat eine silbergraugrüne Farbe, die aufgetragen fast genau aussieht wie die Farbe meiner Augen. Das ist zwar wahrscheinlich nicht so optimal, aber allemal besser als Gold, Kupfer, Braun oder ähnliche Farbpaletten für mich. Die Gesichtsmaske von Luvos Heilerde wollte ich schon lange einmal ausprobieren, hatte ich bisher aber nicht gekauft. Dazu gibt es noch eine kleine Probe Aufbauendes Gesichtsfluid von Luvos. Die Probiergröße des veganen und silikonfreien organicum Shampoos finde ich ebenfalls sehr interessant. Schließlich war außerdem die Originalgröße der Verwöhnenden Körperlotion Weißer Lotus von Cattier Paris mit dickem "Sehr gut"-Siegel von Öko-Test enthalten.
Wer länger bei mir mitliest weiß ja, daß Cremes und Lotions von mir immer nur ein "Na ja" bekommen, weil ich davon nicht so viel benutze und brauche. Wenn es allerdings eine Lotion ist, die man benutzen kann, ohne sich damit die Haut zu ruinieren, verschenke ich sie auch mit besserem Gefühl dabei. Wenn ich Cremes mit Silikonen, Parabenen oder ähnlichen unnützen bis schädlichen Inhaltsstoffen weggebe, habe ich nämlich immer ein bißchen schlechtes Gewissen. Zwar gibt es Leute, die freuen sich trotzdem und denen macht es nichts aus, aber ich denke mir meist, die freuen sich nur deshalb, weil sie einfach nicht wissen, was sie ihrer Haut da zumuten. Und wenn die Empfänger ältere Damen mit trockener Haut sind, habe ich noch mehr schlechtes Gewissen, denn gerade Silikone und Paraffine sind Verursacher des Problems oder verschlimmern es.
Leider gibt es trotzdem Kosmetikmarken, vor allem solche, die in Apotheken verkauft und extra für trockene Haut beworben werden, die voll sind von diesen Mineralölbestandteilen. Das Phänomen, daß diese Bestandteile die Haut trockener und rissiger machen, ist eigentlich schon von den Lippenpflegestiften bekannt und ich kann es immer wieder mal selbst an meinen Händen beobachten, falls ich doch zu einer falschen Handcreme greife. Man hat dann das Gefühl, man müßte die Hände dauernd eincremen, die meisten Normalverbraucher kommen aber nicht auf die Idee, daß die Ursache dafür gerade die Creme sein könnte. So richtig verstehe ich nicht, wieso es immer noch Kosmetiklinien für trockene Haut mit diesen Bestandteilen gibt, da diese Erkenntnis im Grunde anerkannt und nicht neu ist. Im Prinzip schafft sich diese Kosmetik damit ihren eigenen Markt, was wahrscheinlich so ähnlich wie bei den Haushaltsreinigern funktioniert. Die meisten aggressiven Haushaltsreiniger (zu denen durchaus auch Öko-Produkte gehören können, denn Zitronen- oder Essigsäure ist ebenfalls aggressiv) sind so konzipiert, daß sie die Oberflächen angreifen. Hat man sie einmal benutzt, muß man sie immer wieder benutzen, weil sich der Schmutz viel stärker festsetzt. Man selbst wundert sich, warum man plötzlich viel häufiger putzen muß und ohne diese Reiniger nicht mehr auskommt. Irgendwie sind das Mechanismen, die größtenteils bekannt scheinen und bestätigt werden, doch der sich selbst geschaffene Markt funktioniert dennoch weiterhin reibungslos. Anzumerken ist außerdem, daß Mineralöle Nebenprodukte des Erdöls sind und damit im Abwasser nicht biologisch abbaubar. Es gibt aber auch Indikationen, für welche Silikone hervorragend geeignet sind, nämlich für die Narbenpflege und Narbenrückbildung. Doch dafür sollte man sich in der Apotheke direkt ein Silikongel kaufen, oder noch besser ein Pflaster, da dieses nicht ins Abwasser gespült wird.

Zwillingsschwestern und ein Bruder, der Friedrich heißt. Mir scheint, ich selbst bin dieser Friedrich. Alle tragen Badehauben, wie man sie aus den 20er Jahren kennt. Zuerst beobachte ich den Uferverlauf einer Meeresbucht, in welcher sich weiße Segel bauschen. Auf einem der Schiffe befindet sich eine Hochzeitsgesellschaft. Es ist mit weißen Bouquets geschmückt. Später bin ich mit meinen Zwillingsschwestern allein in einem Schwimmbad im Art-Deco-Stil. Der Fußboden ist mit blau-roten Mosaiken ausgelegt. Gerade will ich mit einer der Schwestern in das Wasser, als Fliegeralarm ertönt. Schnell darauf sind die ersten Detonationen zu spüren. Es ist zu spät, wir können uns jetzt nicht mehr in Sicherheit bringen.
Der Rückenkurs war heute mal wieder gut, vor allem weil wir so eine Paarübung gemacht haben, bei der man zur Abwechslung frei tanzen konnte. Ich habe richtig abgehottet, ich glaube, es war ein bißchen peinlich, aber egal. Das Leben ist zu kurz, um Dinge nicht zu tun, nur weil sie peinlich sind. Eigentlich bin ich ausschließlich wegen solch seltener Momente in den Kurs gegangen. Und siehe da, plötzlich habe ich gute Laune, obwohl in den letzten Tagen eher das Gegenteil der Fall war. Auch trotz Termins bei der Psyonk am Montag, aber dieses ständige Herumrühren in der Psyche ist ja auf Dauer nie nicht besonders spaßig. Außerdem nervt mich ein wenig, daß sie ständig auf meinen bildnerisch gestaltenden Tätigkeiten herumreitet. Das erinnert mich schon ein wenig an meine Mutter früher, als es immer darum ging, daß man etwas macht. Natürlich denkt sie dabei an die Möglichkeiten der Kunsttherapie, aber ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, daß Zeichnen und ähnliches mir nur in kleinen Dosen bekommt, mehr davon tut mir nicht mehr gut, ganz anders als Schreiben, das innerhalb von zehn Jahren aus mir einen völlig neuen Menschen gemacht hat. Deshalb hat Schreiben für mich weiterhin Priorität, aber für alles zusammen ist selbst meine Zeit begrenzt. Mag ja sein, daß Malen und Zeichnen für einige Menschen psychisch hilfreich ist, aber jeder ist anders und wenn man damit schon als Kind genervt wurde, ist man da vielleicht auch wirkungstechnisch etwas blockiert. Zeichnen ist ziemlich beruhigend, fast meditativ, das brauche ich nicht ständig. Tanzen dagegen macht glücklich. (Schreiben übrigens auch, wenn es gut läuft.) Scheinbar nicht gerade das, was bei einer etwaigen Therapie erwünscht ist - wieso eigentlich?
war unartig. Im Supermarkt hatte ich kleine Geschenktütchen für Ostern gesucht und kam auf die Idee, Überraschungseier als zusätzliche Füllung mitzunehmen. Also kaufte ich 4+1 Eier - das letzte für mich. Zu Hause öffnete ich mein Überraschungsei... dann das zweite, das dritte usw. Irgendwann waren alle offen und natürlich auch alle verspeist. Beim zweiten dachte ich noch: "Na ja, läßt sich ja nachkaufen." Beim dritten: "Läßt sich auch nachkaufen." Beim vierten dagegen: "Jetzt ist eh alles egal." Und beim fünften: "Ich kaufe nie wieder Überraschungseier!!!" Ich bin nun stolze Besitzerin von zwei schneidigen Sportwagen und zwei Segelschiffen, die von Wasserratten (oder sollen das Osterhasen sein?) navigiert werden. So schnell kann das mit einer eigenen Flotte gehen. Als ich das erste Segelschiff zusammengebaut hatte, überkam mich plötzlich der Impuls, auf die Straße zu laufen und es in einer Pfütze schwimmen zu lassen. Stattdessen tat ich es ins Waschbecken, mußte aber feststellen, daß es sofort, wenn man es zu Wasser läßt, untergeht. Ich bin etwas enttäuscht, muß ich schon sagen. Von den Segelschiffen aus meiner Kindheit bin ich da anderes gewohnt. Und ich frage mich, was aus den Kindern werden soll, wenn die denken, daß Schiffe nicht schwimmen können müssen. Den Wasserratten würde ich gerne noch ein Fernrohr spendieren und Abendessen fällt heute aus.

Ist der Ruf erst ruiniert,
reimt es sich ganz ungeniert -
Ach nein, Reime sind es ja nicht
Die Moderation des Sichtbaren
mit der Freiheit des Unsichtbaren
Das Summen im eigenen Ohr
als Klang des Universums
In Stimmen schreiben
In Zungen hören
in Mündern sein
Die Zeit verinnt,
es strömt der Bach
und rauscht der Fluß
Wer könnte schwimmen
schon gegen den Strom,
wenn er es wollte?
Vielleicht ist es das Meer,
dem meine letzten Worte
gehören werden.
Ein Girren und Gurren
unter den Zinnen,
ein Flittern und Flattern
unter den Himmeln,
die Tauben, sie kamen,
Zweiglein im Schnabel
Konzertdirigenten
Ein Trillern und Trällern,
der Krokus in Tracht,
ein Sirren und Surren,
im Frühlingsgefiedel -
was für ein Schnurren!
Ein Räuspern der Knospen
in den luftigen Rängen
Vor einigen Jahren habe ich mich mal bei so einem Marktforschungsinstitut für Meinungsumfragen angemeldet. Man erhält regelmäßig Fragebögen per Email geschickt, die man beantworten kann, und bekommt dafür Punkte. Ab 300 Punkten darf man für verschiedene Firmen einen Gutschein über 30 Euro einlösen. 10 Punkte sind also einen Euro wert. Heute hatte ich mal wieder Lust, so einen Fragebogen auszufüllen, es sollte um Fernsehen und Fernsehserien gehen. Ich klickte mich durch die Umfrage, anscheinend erfolgreich und als annehmbare Zielperson, denn schließlich wurde ich gefragt, ob ich mir vier Folgen der Serie "Sturm der Liebe" im ARD ansehen und danach einen zweiten Fragebogen ausfüllen würde. Dafür bekäme ich 100 Punkte. Haben die nicht mehr alle Tassen in der Schüssel? 100 Punkte also 10 Euro dafür, daß ich ca. dreieinhalb Stunden meines Lebens für eine schnulzige Seifenoper opfere? Dafür müßten sie mir schon eine ganze Menge mehr Entschädigung anbieten. Ich schaue zwar das ARD, aber bei "Sturm der Liebe" schalte ich immer weg. Vielleicht sollten sie im einleitenden Fragebogen von vornherein fragen, wer ein Fan dieser Serie ist, denn die machen es bestimmt auch für umsonst.
Das erste Mal in diesem Jahr den Balkon betreten und das Gesicht in die Sonne gestreckt. Allerdings hielt der warme Schein nur zehn Minuten vor, in welchen sie hinter der eigenen Hauswand hervorkam und später wieder hinter der gegenüberliegenden Häuserzeile versank. In dieser Zeit des Jahres steht sie einfach noch nicht hoch genug für meine Hanglage. Und meine Energielosigkeit ist damit auch nicht besser geworden. So langsam mache ich mir Sorgen. Mit mehr als einer Woche Antriebsschwäche und Müdigkeit komme ich einfach nicht klar. Die Frühjahrmüdigkeit hat sich gefälligst zu beeilen.
Ich kann euch einfrieren lassen
oder euch in Nüsse verwandeln
Man muß in die Ambulanz kugeln
und mir Asche aufs Papier streuen
Zwei Dinge vermute ich: dich und mich
Wir sitzen uns gegenüber,
Geistesblitze in den Augenwinkeln,
reißen sie uns heraus.
Ihr seid alle nur ein Traum!
Wenn ich auch nicht ganz nachvollziehen kann, wieso dies geschah, so quartierte man mich aber in die Wohnung einer ehemaligen Kollegin ein. Ich weiß nicht genau, ob man dies mit Zustimmung der Kollegin tat, oder ob die Dame, welche den Schlüssel besaß, da die Kollegin für einige Tage weggefahren war, es alleine bestimmte. Dieses Haus war ein besonderes Haus, wie mir sehr bald klar wurde, im Grunde schon beim Betreten, denn ich wußte, wie schwierig es ist, hier eine Wohnung zu bekommen. Nicht wie andere Wohnhäuser, obwohl es sich in einer normalen Straße befand, hatte es früher als Kur- und Erholungsheim gedient, bevor daraus Wohnungen hergerichtet wurden. Als Überbleibsel aus Heimtagen war eine Concierge hinter einem Schalter geblieben, welche jeden, der das Haus betrat, fragte, ob er Mieter sei, sowie diverse Restaurants und Kantinen, welche für das leibliche Wohlergehen der Mieter sorgten. Durchaus praktisch, wenn man selbst nicht viel Einkaufen oder Kochen möchte. Darüber hinaus war das ganze Haus recht verwinkelt und unübersichtlich. Es gab größere Hallen und Rolltreppen, aber auch kleine verborgene Gänge. Die Wohnungen waren alle mehrfach miteinander verbunden, hatten also niemals nur einen Eingang, sondern mehrere Möglichkeiten, sich in das äußere Getümmel zu stürzen. Und ein Getümmel war es, ähnlich dem eines Einkaufcenters, dazu gab es ein ganz spezielles Highlight, eines, welches die Concierge jedem erbot, zu zeigen, der als Besucher das Haus betrat. Es war ein exklusiver Ausblick von der obersten Galerie herunter, zu welcher man mit den Rolltreppen gelangen konnte. Ich jedoch lehnte diese Führung ab, denn ich war neugieriger auf die Wohnung, in der ich mich nun vorübergehend aufhalten sollte.
Im Grunde bewohnte ich nur ein Zimmer, welches mir recht klein vorkam, denn eine Wand wurde völlig von einem Bücherregal eingenommen, welches in etwa die gleiche Größe hatte wie meines. Meines allerdings nahm nur ein Drittel der Wandfläche meines Wohnzimmers ein, was für mich einen groben Anhaltspunkt zum Schätzen darstellte. Am Fenster stand das Bett, in dem ich schlief, in der Ecke gegenüber fanden sich ein hüfthohes Kachelöfchen, ein Sessel und verschiedene kleine Ablagen oder Tische. Lange hielt ich mich hauptsächlich dort auf, bis mir einfiel, daß ich unbedingt duschen müsse und deshalb beschloß, auch den Rest der Wohnung zu erkunden. Irgendwo müsse es ja ein Badezimmer geben und es ist sicher erlaubt, daß ich es benutze. Der Flur wurde nur durch das Licht erhellt, welches aus meinem kleinen Zimmer streute und ich erkannte an den Wänden einige geschlossene Türen. Unter ihnen sicher auch die zum Badezimmer. Doch magisch zog mich die offen stehende Tür am anderen Ende des Flurs an. Dieser Raum war viel größer als meiner, lag aber im Halbdunkel, so daß ich nur einige große Zimmerpflanzen und Bücherregale als Konturen wahrnahm. Neugierig schlich ich herum und entdeckte, daß es einen Balkon gab. Der Zugang war allerdings durch ein Bücherregal versperrt, bis mir einfiel, daß dies ein besonderer Zugang war, eine Geheimtür. Man mußte einfach die ausgestreckten Hände zusammenlegen und an der richtigen Stelle halb in das Regal stecken, dann öffnete sich die Tür. Ich probierte es aus, fast augenblicklich öffnete sich die Tür und ich trat durch das Bücherregal auf den Balkon hinaus. Hinter mir fiel sie knarrend ins Schloß. Sofort bekam ich es mit der Angst zu tun. Hatte ich überhaupt den Schlüssel dabei? Würde ich wieder hineingelangen? Hektisch suchte ich in meiner Jackentasche, fand einen Schlüssel und versuchte, die Tür von außen zu öffnen. Es gelang, was mich erleichterte, und ich nahm mir vor, wenn es hell wäre, auf den Balkon zu gehen und die Blumen zu gießen. Die Kollegin würde sich sicher freuen, wenn ich mich um diese kümmerte, solange sie verreist war. Doch hatte sie überhaupt Blumen? Am besten, ich sähe gleich noch einmal nach.
Erneut trat ich durch das Bücherregal auf den Balkon, wo ich von einigen anderen Leuten abgelenkt wurde. Erst da bemerkte ich, daß der Balkon wie ein Gang mit anderen Wohnungen verbunden war und direkt auf einen breiten Hauptgang führte, der lebhaft bevölkert wurde. Ich warf mich in das Getriebe, ließ mich da- und dorthin treiben, bevor ich irgendwann beschloß, es sei Zeit in die Wohnung zurückzukehren. Es fiel mir jedoch schwer, die richtige Abbiegung zu finden, die wieder auf den Balkon führte. Der Gang, in den ich abbog, sah anders aus als vorher, viel Pappen lagen auf dem Boden herum, mit denen eine junge Frau beschäftigt war, die mich mißbilligend musterte. Aber es mußte der Gang sein, von dem ich gekommen war. Die Tür ließ sich leicht öffnen und ich befand mich in einem halbdunklen Zimmer. Ich hörte noch, wie die junge Frau den Schlüssel hinter mir im Schloß herumdrehte. Warum machte sie das? Will sie mich einsperren? Und nun sah ich, daß es nicht das Zimmer meiner Kollegin war. Besonders in den Teppich- und Polsterfarben unterschied es sich. Du lieber Himmel! Bin ich etwa in einer völlig fremden Wohnung gelandet? Natürlich, es mußte die Wohnung darunter sein. Was würden ihre Bewohner wohl sagen, wenn sie mich hier fänden? Ich begann irgendwie an der Wand hinaufzuklettern, um einen Weg zu finden, in die Wohnung darüber zu gelangen. Wahrscheinlich gab es da auch irgendwelche Verbindungstüren. Von oben und durch die Fensterscheiben zum Balkon hindurch konnte ich die junge Frau mit anderen Leuten reden sehen. Ich beschloß, doch lieber wieder herunterzuklettern und an die Glasscheiben zu klopfen. Man bemerkte mich und ließ mich wieder heraus. Mir war klar, daß ich eine Treppe finden mußte, um in das Stockwerk darüber zu gelangen. Sogleich sah ich eine, folgte ihr und fand mich vor der Wohnungstür meiner Kollegin wieder. Diese selbst stand davor und suchte augenscheinlich ihre Schlüssel. Aber ich hatte ja einen! Sofort zeigte ich ihr den Schlüssel und machte mich daran, die Türe aufzuschließen. Seltsamerweise bestand das Türschloß aus mindestens zehn Schlüssellöchern, welche halbkreisförmig angeordnet waren. Ich mußte also erst das richtige Schlüsselloch finden. Und passen wollte er letztendlich in keines. Wie konnte das sein? Hatte ich den Schlüssel irgendwo vertauscht? Sie sah mich entnervt an, weil sie dachte, ich hätte ihren Schlüssel verbummelt. Und ich verstand einfach nicht, wie das hatte geschehen können. Wie war ich in das Stockwerk darunter geraten, ohne es zu merken? Und warum passte der Schlüssel, den ich doch die ganze Zeit in meiner Jackentasche mit mir führte, jetzt nicht mehr? Und überhaupt: Wieso sahen die Schlüssel hier aus wie Ohrringe?
Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit schrieb ich diesen Traum diesmal im Präteritum auf, obwohl ich sonst das Präsens für Träume bevorzuge. Es erscheint mir normalerweise stimmiger, ganz besonders, wenn es sich um auseinanderklaffende Traumfragmente handelt. Es war direkt schwierig, sich umzugewöhnen.
Mich beschäftigt noch immer die Frage, warum man bei einem Eierkocher für ein Ei mehr Wasser benötigt als für mehrere Eier. Ich hatte dieses Problem bereits vor Jahren in meinem Blog angesprochen und erhielt daraufhin einige bemühte Erklärungsansätze, die mich jedoch in keiner Weise befriedigten, da sie mir nicht vorstellbar machten, was genau da geschieht. Und so werde ich jeden Sonntag aufs neue an dies für mich rätselhafte Mysterium erinnert. Eine Theorie von mir lautet, daß bei einem einzelnen Ei mehr freier Raum im Kocher mit Dampf gefüllt werden muß. Also braucht man auch mehr Wasser. Das erscheint mir nachvollziehbar, ist aber wahrscheinlich nicht die richtige Erklärung dafür. So wird das nie etwas mit dem Physiknobelpreis! Irgendwie ist es eine Eigenschaft von mir, daß ich bestimmte Dinge ganz genau wissen muß, vor allem wenn es sich um Regeln handelt oder aber um das Kochen und Backen. Ich kann mit normalen Kochbüchern, die nur Zutaten- und Aktivitätslisten enthalten, nicht anfangen. Ich möchte ganz genau wissen, WARUM. Warum diese Zutat? Warum diese Temperatur? Warum muß man das so machen und nicht anders? Was steckt physikalisch hinter den verschiedenen Koch- und Backtipps? Wenn ich das nicht genau erfahre oder bereits weiß, halte ich mich meist nicht an das Rezept. Das kann natürlich daneben gehen. Mit Regeln ist es ganz genauso. Schon als Kind war ich zu keiner Mitarbeit zu bewegen, wenn ich nicht ganz genau und nachvollziehbar erklärt bekam, wozu eine Einschränkung oder Aufgabe gut ist. Vielleicht ist das der Grund, warum ich als Kind so viele Freiheiten hatte, weil meine Eltern nämlich manchmal auch nicht wußten, wie sie mir verständlich machen konnten, warum kleine Kinder schon um acht Uhr ins Bett gehen und nicht mehr draußen spielen sollten. So hielt ich mich gerne noch nachts um elf Uhr im Sandkasten auf, meist jedoch nicht länger als bis zum vollständigen Einbruch der Dunkelheit, und habe damit die Regel sozusagen ad absurdum geführt, denn aus mir ist trotzdem etwas geworden. Doch zurück zum Frühstücksei. Natürlich könnte ich mich diesen üblen Problems entledigen, wenn ich das Ei nicht mehr im Eierkocher, sondern in einem normalen Wasserbad koche. Ich könnte mir auch ein paar neue, wirkliche Probleme anschaffen, hinter denen die Frage des Frühstückeis verblaßt. Und überhaupt hege ich die starke Vermutung, daß ich mir sämtliche Probleme meines Lebens eigentlich nur deshalb gemacht habe, weil mich dieses Rätsel des Frühstückseis, welches ich nicht zu lösen vermag, dauerhaft frustriert.
