Als ich heute wie stets donnerstäglich auf dem Weg zum Supermarkt war, lief kurz hinter mir ein Pärchen mit zwei Hunden. Zumindet glaubte ich, dass es Hunde waren, während ich sie im Dunkeln überholt hatte. Doch hinter meinem Rücken hörte ich plötzlich so ein lautes Grunzen, dass ich hätte schwören können, irgendjemand führt ein fettes Schwein spazieren und mich schon von einem wilden Eber verfolgt fühlte. Schließlich konnte ich meine Neugier nicht mehr zügeln und sah mich demonstrativ um. Doch was ich sah, war ein Hund, ein massiger Bullterrier mit platter Nase, der beim Laufen grunzte wie eine Sau.
Es ist soweit. Endlich beginnt er wirklich, mein neuer atemberaubender Selbsterfahrungsbericht in Fortsetzungen. Ich mache darauf aufmerksam, dass dieser Selbstversuch einiges an Risiken birgt, sowohl für mich, als auch für meine werten Leser. Partikulare geistige Verwirrtheit, verzweifelte Besäufnisse und/oder unüberwindliche schlafhypnotische Zustände sind nicht ausgeschlossen und können eventuell zum vorzeitigen Abbruch des Experiments führen.
Auf den ersten Seiten faszinierten mich die Bleistifthervorhebungen meines Vaters fast noch mehr als der Text (im übrigen bemerkt man beim Blättern aber, und an dem Lesezeichen, welches immer noch dort steckt, dass er bei Seite 61 aufgegeben hat):
"...die grüne zähe Gallenmasse, die sie unter lautem Stöhnen in Brechanfällen ihrer verfaulenden Leber entrissen hatte."
..."was für ein syphilitischer Saufkopp da den Hintern drin gehabt hat."
Also ich wüsste ernsthaft keinen Grund, der irgendjemanden dazu bewegen sollte, diese Stellen zu unterstreichen und ein dickes Ausrufezeichen dahinter zu kritzeln.
Lustig ist auch das Latein-Raten. Ich habe ja nun während meines Studiums nur das kleine Latinum gebraucht, besitze aber auch in einigen romanischen Sprachen ein paar Grundkenntnisse, sowie einen Semesterabschluss in allgemeiner Sprachwissenschaft. Wenn ich das alles zusammenkratze, kann ich die Lateinbegriffe ziemlich gut enträtseln. Aber für den Fall, dass es mal nicht klappt, gibt es da dieses hinreissende kleine Begleit-Vokabelheft zum Buch.
Tagesfazit: Noch immer voll motiviert.
Ein jungfräulicher Blick in die beiden Bände und schon ergeben sich die ersten bohrenden Fragen, die allerdings noch gar nicht das Werk des Autors, sondern nur die Anmerkung des Übersetzers auf der letzten Seite betreffen:
Es gibt zur Zeit (mit zur Zeit ist hier 1980 und eine Ausgabe aus der Deutschen Demokratischen Republik gemeint - Anmerk. von Zucker) immer noch keinen zuverlässigen, fehlerfreien englischen Text des Ulysses: alle Ausgaben des Originals sind unverhältnismäßig korrupt.
(Hä? Was soll mir das denn jetzt sagen? Muss ich etwa sozialistische Zensur befürchten? *verwirrt ist*)
Die Herausgeber haben aber alle ihnen bekannten, d.h. publizierten oder von Joyce-Forschern in Textstudien vorgelegten, Emendationen geprüft und nach und nach Möglichkeit einbezogen, so daß der Text in Einzelheiten von anderen gängigen Texten abweicht. Besonders im letzten und vorletzten Kapitel konnten dadurch Ergänzungen gebracht werden.
(Aha!)
An die Übersetzung und ihre Durchsicht sind rund fünf Jahre verwendet worden, - dem hohen Schwierigkeitsgrad des Buches glauben es allerdings Übersetzer und Herausgeber schuldig zu sein, weiter an der Übersetzung arbeiten zu sollen.
(Ist sich der Übersetzer wirklich sicher, dass er Deutsch kann?)
Es ist denkbar, daß sie in einer späteren Auflage an einzelnen Stellen zu anderen Lösungsvorschlägen als den hier gemachten gekommen sein werden.
Hm, sollte diese Bemerkung auf der letzten Seite tatsächlich aus der Feder des Übersetzers stammen, so habe ich den klitzekleinen Verdacht, dass es wahrscheinlich nicht die Schuld des Autors sein wird, wenn ich das Buch nicht verstehe.
Ausnahmsweise ist diesmal mit Müll nicht der Roman gemeint, was einige meiner Leser sicher aufatmen lassen wird, sondern der Müll meiner Eltern, genauer gesagt, der meines Vaters. Ich durfte mir heute das Werk bei meinen Eltern abholen, meine Mutter machte mich aber gleich darauf aufmerksam, dass sie es nicht gefunden habe. Ich solle selber schauen. Nun mache man das mal bei ca. zehn doppelreihigen und deckenhohen Regalen mit tausenden von Büchern, vor denen meterhoch Kisten und Gerümpel gestapelt sind. An einige Regale bin ich nicht mal bis auf einen Meter herangekommen, da hätte ich schon fliegen müssen, aber das kann ich leider nicht.
Mir tut es im Herzen weh, wenn ich sehe, wie meine Eltern hausen, aber mein Vater, ein typischer Messie, kann sich von absolut überhaupt nichts trennen, nicht einmal von alten Dosen und Zeitungen. Leider ist er so aggressiv, dass Überredungsversuche oder Tricks aussichtslos sind. Allerdings glaube ich, dass er sich selbst nicht wohl fühlt zwischen den ganzen Müllbergen und mir kommt es so vor, als ob er, seit er jetzt an einer Depression leidet, auch nicht wirklich mehr so viel Interesse an seinen "Reichtümern" zeigt. Vielleicht musste es erst so weit kommen, damit er merkt, dass materieller Besitz allein nicht glücklich oder sicher macht, selbst wenn man für sämtliche Notfälle und Gelegenheiten die passenden Döschen zu Hause hat. Oder aber, er war vorher schon depressiv, hat es jedoch mit diesem ganzen Schnickschnack kompensiert. Da er sich nicht helfen lassen will, wird es wohl nicht mehr besser werden und meine Mutter leidet darunter. Manchmal habe ich aber den Verdacht, dass sie selbst auch etwas vermüllt ist, es jedoch allein meinem Vater in die Schuhe schiebt.
Jedenfalls musste ich heute, als ich zum Abendessen blieb, das mindestens fünfzig Jahre alte und völlig stumpfe Besteck wiedererkennen, mit welchem schon mein 15 Jahre älterer Bruder seinen ersten Grießbrei aß. Dabei besitzen sie seit langer Zeit ein neues Besteckset, welches zu den Feiertagen auch regelmäßig aufgelegt wurde (und es ist NICHT etwa kostbares Tafelsilber, sondern lumpiger Edelstahl). Ob meines sehr ungläubigen und fassungslosen Gesichtes raste meine Mutter dann gleich hinaus, um das neue Besteck zu holen, was aber nichts mehr half. Ich fragte mich trotzdem, warum um alles in der Welt meine Eltern das neue, überhaupt nicht kostbare Besteck nur an Feiertagen benutzen. Für was um Gottes Willen wollen sie es denn schonen? Etwa für die Erbschaft? Für was in Gottes Namen heben sie dieses alte, unansehliche Aluminiumzeug auf? Wenn das alte Besteck mehr als fünfzig Jahre überstanden hat, wird es das neue sicher auch für etliche Generationen, es besteht also keinen Grund, vorsichtig damit umzugehen. Genau deshalb entfuhr mir spontan die fassungslose Frage: "Habt ihr das immer noch nicht verschrottet?"
Na ja, die Chance, das gewünschte Buch zu finden, war also ziemlich gering. Ich glaube, ehe ich sämtliche Regale ausgeräumt hätte, um an die hinteren Reihen zu kommen, oder ehe ich irgendwie über all die Kisten und das Gerümpel geklettert wäre, um überhaupt an einige Regale ranzukommen, hätte ich es mir dann wohl lieber selbst gekauft. Würde mich ja nicht gerade in den finanziellen Ruin stürzen. Ich sah die Regale durch, so gut wie das ging, versuchte es hinter Marcel Proust, weil ich dachte, dass es gut dorthin passen würde und als das alles nichts brachte, wollte ich schon fast aufgeben. Doch dann, im letzten Moment, fand ich es. Zwei Bände. Ich halte das für ein gutes Omen.
Als ich aber mit meiner Beute in die Küche kam, meinte mein Vater gleich mit Blick auf die beiden Bücher zu mir: "Na, das wirst du sowieso nicht verstehen.", worauf meine Mutter mit ironisch spitzer Zunge zu mir sagte: "Er ist der einzige, der das versteht, weißt du...."
Trotzdem ließ sie es sich nicht nehmen, mir zum Abschied an der Tür noch einmal Mut zu machen:
"Lass dir Zeit, lies schön langsam. Du wirst es schon verstehen. Bist ja klug."
Seltsam, warum beruhigen mich diese Worte nu gerade überhaupt nicht?
von wegen fleißiges Bienchen oder emsige Ameise. Alles Lüge. Faul sind sie, und die einzigen Lebewesen, die sich Tag für Tag ohne Unterlass abrackern und schuften, sind die Menschen. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass Bienen gerade einmal dreißig Prozent des Tages nutzen, um Nektar zu sammeln. Und die Ameisen verbringen sogar 78 Prozent ihrer gesamten Lebenszeit mit Ausruhen. Und das, obwohl sie staatenbildend sind. In einem Staat so meint man, muss es immer die Dummen geben, die den ganzen Tag für andere arbeiten. Und deshalb wird uns tagtäglich eingetrichtert, dass Faulheit eine Sünde und ein Laster ist und das Leben nicht zum Faulsein eingerichtet wurde. Uns werden selbst noch nach einem kraftzehrenden Arbeitstag die Bienen und die Ameisen als verehrungwürdige und glänzende Vorbilder dargestellt, aber falsch.....fleißige Menschlein muss es heißen. Wenn schon, denn schon. Die Bienen tun es, die Hummeln tun es, die Ameisen tun es, alles anderen Lebewesen tun es, nur wir nicht oder viel zu selten - faul sein.
"Sie haben Herrn Huber gestern eine widerliche Wanze genannt. Wir sind seine Sekundanten und überbringen die Forderung nach einem Duell. Welche Waffen wählen Sie?" -
"Ich wähle Insektenspray!"
...denn so kommt man wenigstens zu einem begeistertem Leser.
Da ich von Loriotta ja gleich zwei Exemplare unseres Müll-Romans erhielt, schenkte ich eines davon kurzerhand meinen Eltern zu Weihnachten.
Heute rief nun meine Mutter an und schwärmte in den höchsten Tönen. Sie habe das Buch inzwischen fast bis zum Ende gelesen, ein bißchen fehlt noch, aber sie findet es doll, was wir da zusammengeschrieben haben, muss beim Lesen immer lachen und bescheinigt uns, also mir und meinen zwei Mitautoren eine blühende Phantasie. Desweiteren ist sie der festen Überzeugung, dass man daraus ein irre spannendes und gutes Drehbuch für einen richtig tollen Film machen könnte. (Na ja, ich glaube, Mütter übertreiben manchmal etwas.)
Nur einen Kritikpunkt hatte sie anzumerken: Sie findet, dass für einen Roman, der "Müll" heißt, das Papier von der Qualität her viel zu gut ist, auf dem er gedruckt wurde. Für einen "Müll"-Roman hätte man ganz anderes Papier nehmen müssen (Redakteure und ihre Ideen).
Im übrigen bemerkte sie noch, dass wir für dieses Buch in der DDR sofort im Knast gelandet wären. Da sie länger in der DDR lebte als ich, muss sie es wohl wissen.
Sie versprach mir dann auch, in einem geeigneten Moment meinen Vater nach Ulysses zu fragen.
Diese Kundenrezension hat mich doch enorm neugierig gemacht. Schade, dass die Bibel nicht auch im betrunkenen Zustand geschrieben wurde. (Obwohl - weiß man's?) *lol*
eigentlich würde james joyce von mir alle punkte dieser welt bekommen.
er ist nämlich das größte schlitzohr der literaturgeschichte. so genial die idee des buches auch ist - ich bin der überzeugung, das joyce mit diesem werk alle literarturkritiker - man verzeihe mir den ausdruck - verarscht hat. und alle, alle hat er sie getäuscht!
ich bin mir sicher, dass sich joyce gesagt hat: ich schreibe jetzt mal einen ganzen dicken wälzer lang totalen nonsens. schauen wir mal, welche wogen sowas schlagen kann. irgendwo wird er sitzen und sich heute noch ins fäustchen lachen ob den preisen, die dieses sammelsurium des nonsens eingeheimst hat.
gut möglich, dass joyce auch sturzbetrunken war, als er das geschrieben hat. lesen tut sich's jedenfalls so. ich habe versucht, das buch im betrunkenen zustand zu lesen (in verschiedenen stadien - von leicht angesäuselt bis schwer angeschlagen) - es hat auch das nichts geholfen. im nüchternen zustand habe ich das buch mehrmals versucht zu lesen. ich habe es immer wieder - schweren herzens - aufgegeben. und immer wieder angefangen, weil ich mir gesagt habe: das darf doch nicht wahr sein, dass dir dieses meisterwerk der literatur (als das es bezeichnet wird) verborgen bleibt. irgendwann bin ich zu obigem entschluss gekommen.
lesen muss spass machen. lesen darf keine qual sein. wenn jemand glaubt, stolz sein zu müssen, sich durch diesen wälzer gewälzt zu haben: okay. ist seine sache. meine nicht. heute schlafe ich wieder gut, weil ich mir sicher bin, gar nichts versäumt zu haben. und ich bin froh, nicht noch mehr zeit mit diesem unsinn verbracht zu haben.
Ich möcht' die Welt entdecken -
nein, besser noch sie retten!
Doch ach, zu groß ist sie für mich.
Auch in den kühnsten Träumen
wird sie doch stets bleiben
ein Abbild meiner selbst.
Wenn ich mich jetzt so auf 20six umschaue, dann fühle ich mich wie früher als volljähriger Twen in einer Kinderdisko - fehl am Platz.
Normalerweise sind wandernde Akten nichts Ungewöhnliches, aber wenn sie von alleine laufen können, dann grenzt das fast schon an ein Wunder. Doch ist mir die Aktenwanderung immer noch lieber, als das Phänomen der wundersamen Aktenvermehrung, welches in bürostädtischen Breitengraden desöfteren anzutreffen ist, aber es ärgert mich gewaltig, dass ich mich in den letzten Tagen ständig für fehlende Akten aus meinem Zimmer rechtfertigen muss, die plötzlich ganz woanders auftauchen. Tatsache ist, dass Kollegin H. mich im Dezember anrief, um mir mitzuteilen, dass sie mit mir bestimmte Akten mit relevanten Fristen heraussuchen wolle. Leider war ich die beiden darauffolgenden Tage nicht da und als ich wiederkam, fiel mir als erstes auf, dass meine Schränke so leer aussahen. Natürlich konnte ich mir denken, wo die Akten sind und Frau H. bestätigte mir auch, dass sie kistenweise Akten mit zu sich genommen hätte, um sie durchzusehen und dass sie zwei Stapel aussortiert hätte, die nicht mehr zu bearbeiten wären und die sie deshalb an die anderen Sachbearbeiter oder an das Archiv weitergeben würde. Da ich erst kurze Zeit zuvor mühselig eine sechsseitige Liste mit den zu mir verbrachten Akten angefertigt hatte, bat ich Frau H. um die Namen der entnommenen Akten, denn auf einmal fehlten viele Akten aus der Liste.
Frau H. erkrankte jedoch und ich machte mir die Mühe, die gesamte Liste nochmals durchzugehen, um wenigstens auf dem laufenden zu sein, welche Akten sich bei mir befinden und welche nicht. Ich ging aber mit Gewißheit davon aus, dass letztere nun die bei Frau H. befindlichen sind und dass sie die Akten aufschreiben und zumindest an unsere "Aktenbeauftragte" geben würde, bevor sie sie weitergibt, so wie das lt. Anweisung geschehen soll.
Nun kam eben diese "Aktenbeauftragte" in den letzten Tagen ständig zu mir und suchte irgendwelche Akten, die jetzt fehlen, aber mysteriöserweise in Kisten anderer Sachbearbeiter wieder aufgetaucht sind. Einmal fragte sie mich ganz entrüstet, ob ich Akten einfach abgeben würde, ohne ihr Bescheid zu geben, was ich guten Gewissens bestritt und mich rechtfertigte, indem ich ihr zum mehrfachen Male die Situation erklärte.
Zufällig war auch Kollegin H. gerade anwesend, weshalb ich mich direkt an sie wendete und sie fragte, ob die Akten eventuell bei den von ihr entnommenen dabeigewesen sind, da ja sonst niemand Akten herausgeholt haben könne, was sie aber verneinte und in auffälliger Hast das Zimmer verließ. Nun weiß ich aber genau, dass die Akten seit den zwei Tagen fehlen, als ich nicht da war, weil ich gleich am nächsten Tag die Liste durchgegangen bin, und es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass sich da noch irgendein anderer mysteriöser Fremder an meinen Akten zu schaffen gemacht hat. Anscheinend ließ das Kollegin H. selbst auch keine Ruhe, weshalb sie mich anrief und fragte, ob ich die Akten aufgeschrieben hätte, die wir an einen bestimmten anderen Kollegen gegeben haben. Ich erklärte ihr, dass ich die aufgeschrieben habe, die ich selbst rübergegeben habe, aber nicht die, die sie rübergegeben hat, da ich ja nicht weiß, welche Akten sie aus meinem Zimmer geholt hat und deshalb einen Zettel mit den Namen von ihr haben wollte. Darauf meinte sie, dass sie zu dem Kollegen rübergehen würde, um sich die Akten zu notieren. Das heißt ja nun nichts anderes, als das sie anscheinend tatsächlich keine der Akten aufgeschrieben hat, die sie weitergab, nur dass sie die anderen Akten, die inzwischen verteilt wurden, nicht mehr zurückverfolgen kann. Trotzdem lehnt sie ab, irgendwas mit den Akten zu tun zu haben, die plötzlich woanders auftauchen und ich stehe weiterhin da wie eine Bekloppte, wenn ich zu erklären versuche, dass die Akten völlig spurlos und ohne mein Zutun aus meinem Büro verschwunden sind, sowie beteuere, dass ich diese Art von Gute-Nacht-Lektüre in der heimischen Schlafstatt rigeros ablehne. Die "Aktenbeauftragte" meinte dauraufhin heute zu mir, dass die langsam glaubt, die Akten laufen von selbst aus meinem Zimmer. Diesen Eindruck gewinne ich auch.
Im Prinzip habe ich ja nichts dagegen, wenn mich die Akten nicht leiden können und mir deshalb davonlaufen. Ich renne ihnen bestimmt nicht hinterher. Ich werde aus diesem Grund sicherlich auch nicht 24 Stunden am Tag meine Aktenschränke bewachen. Aber die Akten sollen doch bitteschön so freundlich sein und mir auf dem Schreibtisch einen Zettel hinterlassen, wohin sie geflüchtet sind.
Da kam zur Aufheiterung dieses Bild, das mir eine Kollegin per Email schickte, genau richtig:
Besonders gut wirkt es, wenn ich in meiner Vorstellung die Katze mit Frau H. ersetze - eine gewisse Ähnlichkeit, vor allem hinsichtlich des Körperumfangs, ist nicht zu leugnen.*ggg*
Habe ich irgendetwas verpasst? Findet heute ein besonderes Ereignis statt? Ist Pamela Anderson in der Stadt? Hat die Weiberfastnacht begonnen? Oder warum zogen so viele Männer heute eine ellenlange After-Shave-Wolke hinter sich her? Einen sehr jungen Mann verdächtigte ich sogar, Alkoholiker zu sein, als ich neben ihm an der Ampel stand und eine heftig stinkende Alkohol-Fahne zu mir rüberwehte, welche mich kurz völlig umnebelte, worauf ich die Luft anhielt und bei mir dachte: "So jung und schon so versoffen." Allerdings musste ich gleich darauf mein Urteil revidieren, als ich bemerkte, dass es sich nicht um Alkohol, bzw. schon um Alkohol, aber nicht um trinkbaren, handelte, sondern um After-Shave. Hätte mich auch gewundert, so ordentlich, wie der Typ ansonsten aussah.
Ach ja, und der Schnee ist auch nicht mehr das Wahre. So schön, wie er frisch gefallen ist, so nervig und ekelhaft ist er, wenn er sich langsam in Matsch auflöst, durch welchen man mit schmatzenden Schritten und nassen Schuhen waten muss. Zu Silvester haben irgendwelche Leute eine riesige Schneekugel vor unseren Diensteingang gerollt. Das sieht aus, als hätten sie einen Schneemann bauen wollen, und sich schon bei der untersten Kugel so völlig verausgabt, dass sie die anderen nicht mehr zustande bringen konnten. Nun liegt die schmutzig-graue Kugel mit dem Aussehen eines riesigen Felsens vor dem Tor, als wolle sie dort wie ein stummer Mahner an den Charme dreckigen Schnees erinnern. Kann sich wohl nur noch um Wochen handeln, bis die abgetaut ist.
Schon mit 36 Jahren zog sich Greta Garbo aus der Öffentlichkeit zurück......
Ich glaube, ich sollte mich auch so langsam aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Mal schauen, was das Konto hergibt. *fg*
(Heute um 22:15 h "Greta Garbo - ein Leben" auf Phoenix)
Ich bin einer neuen Serie verfallen. Sowas kommt bei mir normalerweise selten vor, da ich ziemlich resistent gegen Fernsehserien bin. Aber so wie ich heute gelacht habe, sogar noch mehr als beim Pilotfilm, muss ich einfach die nächsten Folgen sehen. Ein bißchen stutzig macht mich, dass mich die Serie so sehr an die (dänische?) Kurzserie "Geister" erinnert. Also entweder beruhen beide Serien auf derselben Story oder da hat einer von anderem geklaut. Aber egal. Diese Stephen King-Serie ist eindeutig sehr viel schräger und witziger. Und außerdem macht sie immer den Eindruck, als sei sie aus allenmöglichen Filmen, Themen und Genres zusammengeklaut und -gestückelt. Aber gerade das macht es auch so lustig. Da erinnert mich dieses Rüsseltier zum Beispiel (ich vergesse immer den Namen), wenn es seine Zähne zeigt, an das Alien, das in gleichnamigen Filmen berühmt geworden ist. Die Fahrstuhlszenen erinnern an "Fahrstuhl des Grauens", manche andere Einstellungen und Ideen (z.B. die unterirdische "Lasterhöhle") erinnern mich desöfteren an "Twin Peaks". Und diese vielen anderen Anspielungen, die man überall finden kann, diese herrlich skurilen Figuren. Da gibt es zum Beispiel diesen Wachmann mit Hitlerfrisur und dem Schäferhund Blondie. Oder den kopflosen Typen, der ständig seinen Kopf sucht, ihn dann eine Weile unterm Arm trägt, um ihn später wieder zu "verlegen". Ich liebe diesen bösen, bösen, schwarzen und schrägen Humor. Allerdings verstehe ich nicht, dass die Folgen so spät am Abend kommen. Gruseliger als Akte X ist das ja nun wirklich nicht und sogar Akte X kam früher um 20:15 h.
Ich weiß nicht, wie viele persönliche Kontakte ich bisher zu Büchern hatte, denn ich zählte sie nicht, aber es reicht um zu behaupten, dass die Begegnung mit Büchern den Begegnungen mit Menschen nicht unähnlich ist. Da gibt es welche, die viel zu erzählen haben und solche, die nur wenig preisgeben. Einigen lauscht man gerne, bei anderen hingegen unterdrückt man krampfhaft das Gähnen, um nicht unhöflich zu erscheinen. Manche verhelfen einem zu neuen Aha-Erlebnissen und Erkenntnissen, wieder andere hinterlassen nur einen stumpfsinnig trüben Blick. Und dann gibt es da noch diese ganz besonderen Bücher. Die Feststellung, dass sie etwas ganz besonderes sind, trifft man spätestens dann, wenn man sich mit leuchtend-glänzenden Augen und einem Lächeln auf den Lippen beim Lesen ertappt, während man in seinem Bauch so ein angenehm warmes Prickeln und ein so aufregendes Kitzeln verspürt, dass man gar nicht mehr stillzusitzen vermag, sondern das Buch in seinen Armen wiegend vor Begeisterung und Freude tanzen möchte. Spätestens dann weiß man, dass man unerwartet von Amor's Pfeilen getroffen wurde und sich verliebt hat - in ein Buch. Oder in einen Menschen.
So ein Buch, das einen zu überraschen, zu inspirieren und zu begeistern vermag, ist schwer zu finden. Man begegnet im Leben nur ganz wenigen davon. Wenn man so eines gefunden und einen beschwingten Flirt mit ihm begonnen hat, möchte man es am liebsten gar nicht mehr lassen, ja, sogar mit Bedauern strebt man der letzten Seite entgegen, ohne sich jedoch in Zaum halten zu können, bis auch das letzte Blatt sich wendet und wir schließlich das Erlebte mit einer kleinen Traurigkeit im Herzen noch einmal Revue passieren lassen. Diese Trauer ist nicht unberechtigt, denn jetzt beginnt der Ernst des Lebens. War dieser euphorisierende Flirt nur ein kurzer Rausch? Ein rasch heruntergebranntes Strohfeuer? Oder könnte daraus noch eine lange und tiefe Freundschaft werden? In der Regel wird man bemerken, dass viele Bücher, die einen beim ersten Lesen noch so sehr zu begeistern vermochten, beim zweiten Lesen ihren Reiz verloren haben. Es sei denn, man entdeckt an ihnen eine ganz neue Facette, etwas, das einem beim ersten stürmischen Lesen noch nicht aufgefallen war. In den Tiefen so mancher Zeile schlummert dann plötzlich einen Zauber, der einem in der anfänglichen feurigen Glückseligkeit entging und nun den Atem stocken läßt, ein Zauber, den man unbedingt weiter ergründen möchte. Wenn das so ist, dann hat man das große Los gezogen, denn nun ist die Chance groß, dass man sich auch auf Dauer nicht miteinander langweilen wird.
Und das Wunderbare an der Sache ist, dass man vorher nie weiß, aus welchem Topf man dieses Los ziehen wird, denn keine Kategorisierung, Zuordnung oder Kritik kann letztendlich garantieren, wem unser Herz gehören wird. Sei es der Klassiker, die gute Literatur, das preisgekrönte Werk oder der Schundroman und der verrissene Thriller. Auch wenn wir glauben, das eine zu wollen, ist es manchmal das andere, was uns begeistert. Ganz wie im richtigen Leben - da glaubt man, sich zwecks Nestbau und Familiengründung in den hochgebildeten und vermögenden Harvard-Absolventen und Golfspieler aus adeligem Hause verlieben zu wollen und bleibt bei dem kiffenden Punk hängen, der einem in zärtlicher Fürsorge das gut gekühlte Bier ans Bett reicht, seine letzte Sicherheitsnadel für das Hochzeitskleid aus der Altkleidersammlung opfert und die Braut einschließlich der Trauzeugen in den Flitterwochen in eine herrschaftsfreie und nicht-kapitalistische Großkommune entführt.
Ich dachte, mich tritt ein Pferd, als ich heute morgen aus der Haustür trat. Nicht nur, dass es immer noch nach Qualm stank, die Straße selbst sah aus, als hätte eine Bombe in großes Müllauto eingeschlagen. Direkt vor der Bushaltestelle stolperte man über meterweise leere Kartons und Pappen, in denen Silvesterfeuerwerk transportiert worden ist, sowie über leere Sektflaschen und diversen anderen Müll. Als der Bus kam, musste man sich erst durch diese Müllkippe hindurchfädeln, ohne irgendwo drauf zu treten, denn das Zeug lag ungelogen überall. Wenn ich einen Fotoapparat dabei gehabt hätte, hätte ich ein Bild davon gemacht, denn ich habe so etwas noch nie gesehen. Ich habe zwar schon einige Silvester miterlebt, aber so etwas noch nie. Ich war richtig erschrocken. Nicht einmal bei der Loveparade habe ich so viel Müll gesehen.
In der U-Bahn erfuhr ich dann über den Info-Bildschirm, dass die Feuerwehr dieses Jahr zu Silvester "nur" 245 Brände in der Stadt löschen musste. Das ist ein fünftel weniger als sonst. Trotzdem hat mich diese Zahl überrascht, denn bisher war mir nicht bewußt, dass es zu Silvester tatsächlich so oft brennt.
Ich nehme ja an, dass der Müll inzwischen von der Straßenreinigung geräumt wurde, wenn ich nach Hause komme. Und ich wage gar nicht darüber nachzudenken was wohl wäre, wenn die ausgerechnet heute streiken würden.