Alien
Es ist eine neuere Version von  AlienInsideTwoday  verfügbar!  Aktualisieren  Jetzt nicht!
© 2018-2023 NeonWilderness

Freitag, 27. Januar 2006

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 10 - Seite 367-391

Ich habe es versucht. Ich habe es wirklich versucht. Jeden Abend das Buch mit ins Bett genommen, um noch ein wenig darin zu lesen. Leider hat genau dieses bronzefarbene Goldkapitel eine, dem Schlaflied nicht unähnliche, enorm einschläfernde Wirkung auf mich. Das hat zur Folge, dass mir spätestens nach einer halben Seite die Augen zufallen und ich oft bis zum frühen Morgen mit dem Buch an meiner Seite nächtige. Puschel ist schon ganz eifersüchtig, weil ich jetzt lieber mit Joyce kuschle statt mit ihr. Für große Literatur sollte man halt ausgeschlafen sein und keine schweren Arbeiten verrichten müssen. Auch nervende Chefs sind für das Kunstverständnis alles andere als zuträglich.

Verlanghinsterbender Klang.

Tagesfazit: Sonnambula

...

Krumm kommen alle guten Dinge ihrem Ziele nahe. Gleich Katzen machen sie Buckel, sie schnurren innewendig vor ihrem nahen Gluecke,—alle guten Dinge lachen.
(Nietzsche)

...

Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit des Schöpfers.
Sie wird von denen erkannt, die sie suchen und lieben.

(Sprüche Salomos 6.13)

Donnerstag, 26. Januar 2006

...

Hab den ZDF-Persönlichkeitstest mitgemacht und entpuppte mich als Beziehungstyp "Treue Seele" dicht gefolgt mit nur einem Punkt Unterschied vom "Fels in der Brandung".
Na ja, als östlicher Hund mit westlicher Löwenseele war das wohl abzusehen. Den "Brodelnden Vulkan" hab ich mir eh schon längst abgeschminkt.

Im ARD lief dagegen die Mozart-Show. Ich frag mich immer, was Mozart wohl so populär macht. Die PR-Maschine läuft jedenfalls bestens. Warum nicht Bach? Ich liebe Bach. Aber ok, feiern kann man mit Bach wohl nicht so ausgelassen wie mit Mozart.

Mittwoch, 25. Januar 2006

Geruchsfragen

Ich bin stolz auf mich. Nützt aber nichts. Habe mich heute noch nach der Arbeit aufgerafft, um die Decke zu weißen und bin einmal über alle 8 qm drüber. Reicht aber nicht, ich muss noch eine Dose Farbe holen und einen Zweitanstrich machen. Wär ja auch zu schön gewesen, fertig zu sein.

So auf der Leiter fiel mir ein, dass die stellvertretende Vorgesetzte heute meinte, als sie in mein Büro kam, dass es bei mir so schön nach knackfrischen Brötchen riecht. Ich habe sie etwas entgeistert angeschaut, da bestimmt bis in einige Kilometer Entfernung kein frisches Brötchen in Reichweite war. Aber sie meinte es ernst und behauptete, es sei als komme man an einem Bäckergeschäft vorbei, wo der Duft nach frischen Brötchen herauszieht und man sich am liebsten gleich welche kaufen möchte. Ich versicherte ihr, dass ich nirgendwo Brötchen versteckt habe, sondern nur zwei eingepackte Hanuta-Schnitten als Eßbares in der Schublade lagern. Seltsam, was Leute so alles riechen. Das erinnerte mich an meine ehemalige Kollegin, die sich immer freiwillig anbot, meine Lederjacke in den Schrank zu hängen, um dann daran zu schnüffeln. Sie erklärte dauernd, dass die Jacke so gut riechen würde. Ledergeruch ist sicher auch nicht unangenehm, aber so süchtig bin ich danach nicht, dass ich an fremden Jacken schnüffeln muss. Ich reagiere ja im ersten Moment immer etwas skeptisch auf solche Bemerkungen, weil ich zu allererst annehme, dass man mir durch die Blume irgendwas sagen möchte. Hat das Deo versagt? Hab ich Mundgeruch? Muss ich meine Klamotten wieder waschen? Schreck lass nach und im Blitztempo alles durchchecken. Wer will schon gerne unangenehm auffallen. Doch wenn jemand immer wieder freiwillig an meiner Jacke schnüffelt, kann es wohl tatsächlich nicht unangenehm sein.

Einer meiner Ex-Freunde hatte immer einen sehr typischen strengen Geruch, der von einem ganz perversem Weichspüler herrührte, welchen seine Mutter ständig für die Wäsche benutzte. Der Geruch hatte fast was von altem Schweiß, nur ein bißchen künstlicher. Damals hat mich das nicht so sehr gestört, aber gerade frage ich mich, ob das tatsächlich Weichspüler war oder er mir das nur erzählt hat, und ich das in meiner Naivität auch noch geglaubt habe. Aber ich denke, zu jemandem, der seine Klamotten vor dem Schlafengehen zu einem Päckchen von 30 x 30 cm packt, passt das nicht wirklich.

...

Mit den alten Goettern gieng es ja lange schon zu Ende:—und wahrlich, ein gutes froehliches Goetter−Ende hatten sie!
Sie “daemmerten” sich nicht zu Tode,—das luegt man wohl! Vielmehr: sie haben sich selber einmal zu Tode—gelacht!
Das geschah, als das gottloseste Wort von einem Gotte selber ausgieng,—das Wort: “Es ist Ein Gott! Du sollst keinen andern Gott haben neben mir!”—
—ein alter Grimm−Bart von Gott, ein eifersuechtiger vergass sich also:
Und alle Goetter lachten damals und wackelten auf ihren Stuehlen und riefen: “Ist das nicht eben Goettlichkeit, dass es Goetter, aber keinen Gott giebt?”
Wer Ohren hat, der hoere.—

(Nietzsche)

Dienstag, 24. Januar 2006

...

Die Macht, die ihr unfehlbar glaubt,
ist die, die euch das Denken raubt.

(Erich Limpach (1899 - 1965), deutscher Dichter, Schriftsteller und Aphoristiker)

Die Hex'

Hinterm Baum
da hockt und lockt sie,
ein Schatten nur
ein schwarzes Kleid
Und ihre Nase,
die erschrecklich
ziert eine Warze,
dunkelrot

Montag, 23. Januar 2006

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 9 - Seite 317-366

So viele Namen. Mir ist ganz schwindelig. Doch ich habe den Beweis dafür gefunden, dass auch schon Joyce die außerirdischen Veganer und ihre heimischen Weizengrasfelder kannte:

Aufstrahlender und unsterblicher Weizen, dauernd von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Tagesfazit: Verirrt.

In sibirischer Verbannung

Mein Gott ist das kalt geworden. Kalt ist noch untertrieben. Es ist die Hölle. Die Luft ist so schneidend, dass man kaum wagt einzuatmen, weil man das Gefühl hat, es zerfetzt einem die Lunge. Mein Gesicht ist eingefroren, so dass ich nuschle, als hätte man mir gerade einen Zahn gezogen. Ich fühle mich, als lebte ich plötzlich in Sibirien. Aber wenn ich in Sibirien leben wollte, dann wäre ich dort hingezogen. So wie die Sängerin, bei welcher mein Bruder einst, als sie noch keinen russischen Namen trug, in der Band gespielt hat. Holzhaus in Russland, nicht ganz Sibirien, aber fast. Einmal in der Woche ein vorbeirollender Händler, bei dem man Brot kaufen kann, Wasser vor der Haustür. Ich brauche jetzt ein heißes Bad.

Ich war faul, faul, faul.....

Eigentlich wollte ich dieses Wochenende die Zimmerdecke weißen und den neuen Teppichboden verlegen. Aber was habe ich gemacht? Gedichte geschrieben. Wie sinnvoll. Gelesen. Radio gehört. Und gerade mal eine Türschwelle erneuert. Ich könnte mich ja damit herausreden, dass ich den ganzen Samstag hindurch Kopfschmerzen hatte. Aber für einen Tag ist eine Türschwelle allein auch ziemlich dürftig. Und jetzt muss ich wieder fünf Tage ins Büro, bevor ich erneut genug Zeit habe. Ich war faul, faul, faul. Verdammt!

Sonntag, 22. Januar 2006

Auch heute bekam ich wieder einige nette Mails,

die sich rührend um mein Sexualleben sorgen, wie z.B. diese hier: "Vergiß alles andere! Tauch ein in die Welt bizarrer Neigungen und Fetische! Girls und Paare haben Lust an dem Besonderen und leben jede noch so perverse Fantasie hemmungslos aus!"
Nun bin ich erst gestern durch den Film "Secretary" mal wieder mit diesem Thema in Berührung gekommen. Der Film war sogar witzig. Hätte eigentlich nicht gedacht, bzw. es ist ungewöhnlich, dass man so eine Geschichte auch humorvoll und mit mehr oder weniger glücklichem Ende erzählen kann. Trotzdem möchte einem das Lachen angesichts der seelischen Motive und Hintergründe irgendwie im Halse steckenbleiben. Sadomasochismus als Ersatz fürs Ritzen - ich weiß ja nicht. Es bleibt so oder so selbstverletzendes Verhalten. So richtig nachvollziehen konnte ich dieses Schneiden und Ritzen noch nie, ist wohl auch gut so, aber irgendwie scheint sich diese Krankheit epdemieartig vor allem unter Jugendlichen auszubreiten. Zumindest könnte man beim Lesen von Weblogs diesen Eindruck bekommen. Ist denn das Leben selbst nicht schmerzhaft genug? Also mir reicht eine einzige Nierenbeckenentzündung, damit ich wieder für mindestens ein Jahr bedient bin. Mal gar nicht zu reden von diversen seelischen Schmerzen, denen man regelmäßig in die Falle tappt. Ich jedenfalls bin froh über jeden Schmerz, der an mir vorbeigeht. Und überhaupt, wieso diese Mühe? Es gibt genügend normale Gelegenheiten, um sich einen tüchtigen Schmerz zu verpassen. Das beste Beispiel dafür sind neue Schuhe. Ich habe noch so gut wie niemals neue Schuhe erlebt, und seien sie noch so bequem geschnitten, die in den ersten Tagen nicht gescheuert hätten. Und so eine blutig gescheuerte Haxen dürfte einen Masochisten doch ungeheuer entzücken (ich allerdings würde es vorziehen, wenn ich irgendwann einmal, in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft, den Schuh finde, der auch beim ersten Tragen meine zarten Füße nicht malträtiert). Nun könnte man ja diese Gedanken weiter spinnen und sich fragen, ob eventuell die besondere Vorliebe von vielen Frauen für neue Schuhe irgendeinen versteckten Hinweis auf die Neigung zu selbstverletzendem Verhalten darstellt. Aber ich glaube, ich setze hier lieber einen Punkt. Punkt.

Ich spiele

Ich spiele
Ich lüge
Ich gaukle
Ich scheine
Verliere mich,
nicke ernst,
deklamiere züchtig
Ich spiele mit,
widerstrebend,
gehör' dazu,
vorsorglich,
doch insgeheim,
da lache ich,
nichts ist so wichtig

...

Was würdest du tun, wenn dich plötzlich Gott beim Joggen überholen würde?

Samstag, 21. Januar 2006

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 8 - Seite 219-316

Seltsam im Kopf eines anderes zu sitzen und doch vertraut. Kramen in Schulwissen.

Seine Zunge plapperte Teilnahme. Ts! Ts!

- Die Leute ahnen ja gar nicht, wie gefährlich Liebeslieder sein können, warnte das aurische Ei Russells okkult.

Richard, ein abscheulicher Krummbuckel, unehelich gezeugt, wendet seine Liebe einer verwitweten Ann zu (was ist ein Name?), umwirbt sie und gewinnt sie, eine abscheuliche lustige Witwe. Richard der Eroberer kam nach William dem Eroberten.


Tagesfazit: Die Frisur sitzt.

Der Tintenklecks-Test

Mal ein etwas lustigerer Test.

Ihr Unterbewusstsein ist bestimmt von Liebenswürdigkeit.

Sie verspüren das tiefe Bedürfnis, anderen Menschen freundlich und respektvoll zu begegnen. Möglicherweise versuchen Sie mehr als Ihnen bewusst ist, sich eine liebenswerte Umgebung zu schaffen.

Ihre Nächstenliebe ist vielleicht deshalb so stark ausgeprägt, weil Sie Härte und liebloses Verhalten fürchten. Diese Furcht treibt Sie unbewusst dazu, so liebenswert wie nur möglich in Ihrem Umfeld aufzutreten. Unabhängig von den dahinter liegenden Gründen kennen Ihre Mitmenschen ihren ausgeprägten Hang zur Nächstenliebe.

Sie neigen wahrscheinlich mehr als andere Menschen dazu, von Gefühlen übermannt zu werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Emotion von Ihnen oder von anderen ausgeht. Möglicherweise resultiert Ihr emotionaler Charakter aus dem Versuch, inneren Schmerz und Unwohlsein zu vermeiden, aber genauso, andere vor Verletzungen zu schützen. Deshalb sind Sie vielleicht empfindsamer als Ihre Freunde oder Ihre Familie. Um Ihre Gefühle kontrollieren zu können, ist es hilfreich, sich diesen Umstand bewusst zu machen. Dann haben Sie die Freiheit, sich in den Momenten, in denen Sie sich wieder einmal von Gefühlen überwältigt fühlen, zurück zu ziehen.

Alles in allem gibt Ihnen ihr freundliches Wesen eine optimistische Grundhaltung, die Ihnen immer wieder hilft, nur das Beste in den Menschen zu sehen. Weil Sie nicht übermäßig über andere urteilen, sind Sie möglicherweise Anlaufpunkt für ihre Mitmenschen, wenn diese einen Rat brauchen oder Sorgen haben. Die Menschen um Sie herum wissen, dass Sie sich um ihr seelisches Wohl sorgen und ihnen zuhören, ohne eigene Überzeugungen aufdrängen zu wollen.

Volles Programm und Blitzeis

Früher als sonst aufgestanden um zeitig zum Blutabzapfen in der Arztpraxis zu sein. Knüppeldicke voll dort. Vier bis fünf Leute wurden vor mir im rasanten Wechsel gepickst. Bin gerade noch rechtzeitig wieder raus gewesen, um pünktlich auf Arbeit zu sein. Ziemlich lange mit einer ehemaligen Kollegin geschnattert, die mich besuchen kam. Nach der Arbeit noch Bankgeschäfte erledigen, dann auf einen kleinen Ausflug und zum Abschluss und Wiederaufwärmen ein Baumarktbesuch.

Den Ausflug hätte ich beinahe abgeblasen, da das Wetter so ekelhaft war. Der schöne Schnee zum Teil weggeschmolzen, ein undefinierbarer Regen-Graupel-Eis-Schauer ging hernieder und trotzdem ist es kurz darauf erneut so kalt geworden, dass die Schneenässe sofort gefror. Ich wollte dann doch nicht auf den Ausflug verzichten, der sich jedoch als fast lebensgefährlich entpuppte. Ich musste kilometerweit über eine spiegelglatte Autobahnbrücke eiern, wobei ich Blut und Wasser schwitzte. Der Schnee war meterhoch an die Ränder geschippt worden, wo er gefroren war, während sich auf dem Asphalt selbst die verbliebende Nässe in eine Eisbahn verwandelt hatte. Wenn ich meine Gedanken dort auf der Brücke ulyssesmäßig aufschreibe, dann hört sich das ungefähr so an:

Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Ist das glatt! Hilfe! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Die Brücke ist so lang. Wieviele Meter sind das noch? 600? Oh Gott! Das schaffe ich niemals bis dahin. Aber ich komm hier nicht mehr runter. Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Ich brech mir hier noch alle Knochen. Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Ich will nicht mehr. Wann hört das auf? Waaaaa! Beinahe hätt's geklappt. Die Poren öffnen sich. Adrenalinschub. Schweiß. Und dabei laufe ich im Schneckentempo. Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Das Eis muss doch irgendwann zu Ende sein. Ich hab mir noch nie was gebrochen. Soll heute das erste Mal werden? Nein, nur nicht dran denken. Konzentrier dich! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Und wenn doch? Wenn ich mich heute noch hinlege? Nein, hör auf. Denke nicht was sein könnte und konzentrier dich. Geht sonst wirklich noch schief. Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Wann hat das ein Ende? Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott!

Auf dem Wanderweg war es zum Glück nicht mehr glatt, weil dort nur Schneeharsch lag, aber dafür nervte mich der Autofokus meiner Kamera, der stets bei den Makroaufnahmen den Hintergrund scharfstellen wollte. Letztendlich funktionierte es nur, wenn ich meine Hand in gleicher Höhe vor die Linse hielt. Bei den diversen Versuchen sind mir die Hände deshalb irgendwann vor Kälte fast abgefallen. Aber ok, ich bin schon froh, dass ich mit heilen Knochen wieder zu Hause angekommen bin.

Donnerstag, 19. Januar 2006

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 7 - Seite 183-218

Heute wurde mir urplötzlich bewußt, dass meine Gedanken, die ich tagtäglich denke, sehr dem Gedankenstrom ähneln, welchem man in Ulysses ausgesetzt ist, wobei ich unversehens in eine Raum-Zeit-Krümmung tappte. Und das kam so:


Mist! Wieder so spät. Wecker früher stellen nützt nix. Wenn ich nicht muss, wach ich nicht auf. Träume. Was? Weiß nicht, kommt nicht mehr. Egal. Träume wie alltägliches Leben. Nicht wichtig. Aber SO einen Traum vergisst man nicht. Kann man gar nicht. Ich sollte heute daran denken, Kopfschmerztabletten einzustecken. Wer weiß, wie sich das noch entwickelt. Strumpfhosen drunter ziehen? Ach nee, erfriere schon nicht. Dünne Hosenbeine, weit. Wärmer als ohne. Komisch. Physik.
Alles weiss. Bus fährt? Sicher. Wie immer. Nur Strassen schwarz gebändert. Schon am frühen Morgen kahl. Ich wollte doch fotografieren. Wo? Ach ja. Am Ufer oder am Wanderweg. Am Freitag. Freitag wollte ich auch zum Baumarkt. Beides? Weiß nicht. Zahnbürste ist lappig. Brauch eine neue. Ist noch Zeit jetzt. Was hab ich grad...? Ufer. So weit zu laufen. Vielleicht anders? Auf den Stadtplan schauen. Heute erstmal mit einem neuen Blatt schleifen. Müsste reichen. Vielleicht auch mit der Hand noch. Aber so anstrengend. Hoffe, es reicht dann. Fotografieren nicht zu spät. Muss hell sein. Übergang ist aber auch gut.
Hey, meine Gedanken hören sich an wie in Ulysses. Lustig. Sollte ich aufschreiben. Was für die nächste Folge. Wecker, Träume. Was hab ich gedacht? Weiss. Nein, Strumpfhose und Kopfschmerzen war noch. Welche Reihenfolge? Egal. Joyce muss einen Gedankenrecorder gehabt haben.
Mist! Wieder so spät. Wecker früher stellen nützt nix. Wenn ich nicht muss, wach ich nicht auf. Träume. Was? Weiß nicht, kommt nicht mehr. Egal. Träume wie alltägliches Leben. Nicht wichtig. Aber SO einen Traum vergisst man nicht. Kann man gar nicht. Hoffentlich merke ich mir das. Strumpfhosen drunter ziehen? Ach nee, erfriere schon nicht. Nein, Kopfschmerzen waren vorher. Ich sollte heute daran denken, Kopfschmerztabletten einzustecken. Wer weiß, wie sich das noch entwickelt. Danach weiss. Alles weiss. Bus fährt? Sicher. Wie immer. Nur Strassen schwarze Bänder..... gebändert hört sich schöner an. Sagt man so? Schon am frühen Morgen kahl. Fotografieren und Schleifen. Einprägen. Und dann Erkennen. Ulysses. Gedankenstrom. Erinnern. Formulieren. Mist! Wieder so spät. Wecker früher stellen nützt nix. Wenn ich nicht muss, wach ich nicht auf. Träume. Was? Weiß nicht, kommt nicht mehr. Egal. Träume wie alltägliches Leben. Nicht wichtig. Aber SO einen Traum vergisst man nicht. Kann man gar nicht. Upps, ist ja fast wie eine Erinnerungsschleife. Könnte ich das jetzt unendlich so fortsetzen? Finde ich richtig vergnüglich. Eine Singularität im Zeit-Raum-Kontinuum. Vielleicht kann ich meine Blogleser damit ärgern. Endlich verstehe ich "Und täglich grüßt das Murmeltier". Wenn ich jeden Tag alles aufschreibe, was ich denke, kriege ich bestimmt ganz schnell auch so einen Wälzer zustande. Schrecklicher Gedanke.

Und mit einer großen Zukunft hinter sich.

Tagesfazit: Die Zeitschleifentheorie wird mich noch beschäftigen.

Auf einen etwas anderen,

auf jeden Fall sehr viel kürzeren Test, hat mich Jon aufmerksam gemacht. Eigentlich bin ich ja bei kurzen Tests ziemlich skeptisch, aber auch hier gibt es erstaunlich viele Treffer. Und kurioserweise stimmt mein Testergebnis haargenau mit meinem Enneagramm-Typ überein. Wenn das kein Zufall ist (was ist es dann?).

ITLS - DENKER - Gehört zur Gruppe der Rationalisten

►Agiert Introvertiert
►Denkt Theoretisch
►Entscheidet Logisch
►Lebt Spontan

Eigenschaften: Logisch, skeptisch, nachdenklich, kritisch, ruhig, präzise, unabhängig, kreativ, erfinderisch, analytisch, abstrakt, perfektionistisch, exzentrisch, neugierig

Beschreibung: ITLS Denker verbringen die meiste Zeit in Ihren Gedanken. Sie sind zurückhaltend, analytisch, rational und spontan. Sie entwickeln ständig neue Ideen und Theorien. Die Welt um sich herum zu verbessern/ändern ist essentiell für sie.

"Die Wahrheit ist irgendwo da draußen!"

ITLS haben wie Comedian Woody Allen meist einen leicht bekümmerten Gesichtsausdruck und machen einen intelligenten, nachdenklichen Eindruck. Sozial sind sie zurückhaltend und meist nur wenig aktiv. Sie beobachten und analysieren ihre Umgebung gerne, und wirken dabei distanziert und oft geistesabwesend. Von traditionellen Werten halten sie nicht allzu viel, sie haben ihren eigenen unkonventionellen & ungewöhnlichen Stil. Sie denken logisch, rational und abstrakt, konzentrieren sich aber oft zu sehr auf Kleinigkeiten und Details.

Wie Agent Mulder aus der TV-Serie Akte-X versuchen ITLS herauszufinden wie und warum die Dinge um sie herum so sind, wie sie zu sein scheinen, oder eine universelle Wahrheit aufzudecken. Wie er sind sie meist ziemliche Eigenbrötler: von gesellschaftlichen und sozialen Verpflichtungen halten sie nicht sehr viel, lieber ziehen sie sich zurück und arbeiten auf die Weise, die sie für richtig halten.

Man könnte diesen Typen aufgrund seiner natürlichen Skepsis und Gespürs für Logikfehler auch "Kritiker" nennen.

ITLS sind mit ca. 5% der Bevölkerung relativ selten vertreten.

Bevorzugte Berufe für ITLS Denker: Architekt, Autor, Anwalt, Biologe, Computer-Spezialist, Forscher, Ingenieur, Mathematiker, Professor, Programmierer, Stratege, Wissenschaftler, uvm.

Beste Partner: ITLS-Denker, ITLG-Wissenschaftler, ETLS-Erfinder

Fiktive Beispiele für ITLS Denker:
Agent Mulder ( Serienfigur, Akte-X )
Commander Data ( Serienfigur, Star Trek - The Next Generation )
Neo ( Filmfigur, Matrix )

Prominente Beispiele für ITLS Denker:
Woody Allen ( Schauspieler, Comedian )
Stephen King ( Horrorroman-Autor )
Gabriel Byrne ( Musiker )
Carl Gustav Jung ( Arzt, Psychologe, Erfinder der Typologie )


Die aufgeführten Eigenschaften treffen fast alle zu. Nur mit der Logik stehe ich eher auf dem Kriegsfuss. Dachte ich zumindest. Auch das abstrakte Denken kann nicht wirklich meins sein, denn sonst hätte ich mich erfolgreicher durch die Wirrnisse der Integral- und Differentialrechnung gekämpft.
Dass ich ein Rationalist bin, das überrascht mich nun wirklich. Ich weiss zwar, dass ich ziemlich praktisch veranlagt bin, aber ich hätte mich eigentlich immer eher als so eine Art praktischer Träumer gesehen. Aber ok, auch die Denker sind geistesabwesend, also passt es ebenfalls. Und überhaupt glaube ich, dass sich der Typ wohl ab und zu entsprechend des jeweiligen Lebensabschnittes ändern kann.

Fünfer-Typen

Gerade habe ich noch zwei andere kurze Beschreibungen für Fünfer-Typen gefunden. Auch sehr überzeugend, da sie meine Einstellungen erstaunlich gut wiedergeben.


Der Beobachter wahrt emotionale Distanz zu anderen, schützt die Privatsphäre, lässt sich nicht ein. Er gibt vor, «nichts zu brauchen» - ein Abwehrmechanismus, um nicht in etwas hineingezogen zu werden. Verbindlichkeiten und die Bedürfnisse anderer erschöpfen ihn. Verpflichtungen ordnet er wie in Schubladen ein; er ist losgelöst von Menschen, Gefühlen und Dingen. Menschen dieses Typs können, wenn sie weiter entwickelt sind, ausgezeichnete Entscheidungsträger, zur hohen Abstraktion begabte Theoretiker und asketische Mönche sein.
Leitspruch: «My home is my castle.»
Wurzelsünde: Habsucht, Neigung, geistigen und materiellen Besitz zu horten.
Lebensaufgabe: Lernen, sich leidenschaftlich zu verlieben.


Verpflichtungen jeder Art hasse ich, sogar wenn es sich nur um irgendwelche festen Termine handelt, und sie erschöpfen mich tatsächlich. Ich versuche ihnen möglichst zu entgehen. Ich bin zwar alles andere als losgelöst von Gefühlen, aber von Menschen durchaus. Das ist etwas, was mir selbst immer etwas Angst macht. Doch ob ich zum asketischen Mönch geeignet bin? Ich weiß ja nicht. Zur Askese neige ich nun überhaupt nicht, bzw. nur, wenn ich viel Arbeit habe.
Wenn meine Lernaufgabe allerdings ist, mich leidenschaftlich zu verlieben, so habe ich mein Soll wohl schon 3-4 mal übererfüllt.*gg*

Geiz. Verinnerlichte Angst – Furcht vor Gefühlen.

Die Weltsicht: " Die Welt ist zudringlich. Ich muß allein sein, um denken und auftanken zu können."

Kindheit: Hat gelernt, sich zuzumachen und zurückzuziehen, um zu überleben.

Ausrichtung der Aufmerksamkeit: Was wollen die anderen von mir?

Spirituelle Hindernisse: Das Horten von spirituellem Wissen, von Zeit und persönlichem Raum.

Wachstumschance: Den Unterschied zwischen intellektuellem Wissen und spirituellen Wachstum wahrnehmen.

Was helfen kann: Wahrnehmen, wenn Gedanken und Emotionen vor anderen verborgen werden. Den Unterschied zwischen Ideen und gelebten Erfahrungen wahrnehmen. Aktivitäten finden, die den Körper, Herz und Verstand zusammenbringen.


Ich muss allein sein - ja, immer wieder. Ich habe das Gefühl, dass ich das Alleinsein brauche, um mich in meiner Identität zu erneuern. Und zudringlich empfinde ich die Welt manchmal durchaus. Meine wohl am häufigsten gefragte innere Frage: Was wollen die denn alle von mir?
Wie man Zeit horten kann, hätte ich aber tatsächlich unheimlich gerne gewußt. Denn nichts würde ich lieber tun, wenn ich könnte.

Den Unterschied zwischen Ideen und gelebten Erfahrungen wahrnehmen. Aktivitäten finden, die den Körper, Herz und Verstand zusammenbringen.

Ich habe schon immer gemerkt, dass mir Schreiben alleine nicht gut tut. Schließlich ist das Leben da, um gelebt zu werden und nicht um es zu schreiben. Deshalb lasse ich mir meine anderen weltlichen Zerstreuungen nicht nehmen. *gg*

Mittwoch, 18. Januar 2006

Enneagramm-Test

Ich habe mal so einen Enneagramm-Test gemacht, den findet man übrigens HIER, und bin total erstaunt, überrascht, ja fast beängstigt, wie gut das Ergebnis auf mich zutrifft.

Unter der Enneagramm-Homepage findet man ausführliche Deutungen der Persönlichkeitstypen. Und wenn ich dem Test Glauben schenken kann, gehöre ich zu den Fünfer-Typen. Da das aber so ominös bis in fast alle Kleinigkeiten passend ist, muss der Test wohl recht haben.

Typ FÜNF

Leere

Kennzeichen der FÜNF ist ein tiefes Erlebnis von Leere, ein bodenloser Abgrund, der gefüllt werden möchte. Die FÜNF möchte sich auf dem Weg über den Verstand füllen. Sie findet Sicherheit durch Verstehen und durch Erklärungen. FÜNFer wollen alles verstehen und fahren auf Erklärungsmodelle ab.


Zensur im Kopf

Oft wissen sie währen eines Ereignisses nicht, welche Gefühle sie dabei haben. Die Gefühle kommen erst ein paar Tage später. Denn zunächst nehmen sie die Situation mit dem Kopf auf, wo sie eine Weile verbleibt. Erst nach einer Weile können sie es tiefer sinken lassen und fühlen. Freilich gibt es auch FÜNFer, die es niemals ins Herz lassen sondern immer im Kopf bleiben. Diese FÜNFer sitzen am tiefsten in der Falle. Für sie wird der Verstand zur Zensurbehörde oder zum Kontrollzentrum, das nur diejenigen Informationen zuläßt, die in ihre vorhandene Logik passen. Solche FÜNFer können sehr rigide, engstirnig und - im schlechten Sinne - konservativ sein. Denn wenn ihre Logik sehr eng und auf reine Selbstverteidigung angelegt ist, schaffen sie niemals den Durchbruch zu echter Weisheit, sondern bleiben in irgendwelchen Meinungen stecken, mit denen sie sich übermäßig identifizieren.


Weisheit

Aber wenn sie echter Weisheit erlauben, Kopf, Herz und Bauch zu integrieren, haben sie wirklich viel zu lehren - und zwar gerade deshalb, weil sie nicht an den eigenen Vorstellungen kleben, sondern sich von ihnen lösen können.


Distanz

Bei der FÜNF bemüht man manchmal dasselbe Wort, um ihre Sünde und ihre Gabe zu benennen: Abstand. Sie halten Abstand, was dazu führen kann, daß sie manchmal den Kontakt zur Wirklichkeit verlieren können. Aber dieselbe Distanziertheit kann ihnen im guten Sinne Objektivität vermitteln, eine Objektivität, die andere, die zu sehr gebunden sind, nicht haben.


"Der Welt treu bleiben"

Wenn ihre Logik Weite und ein gutes Fundament hat, können sie in der Tat sehr ausgewogene und weise Menschen werden. Eine FÜNF braucht deshalb gute Lehrer. Das beste Symbol für die erlöste FÜNF ist der Buddha. Der Buddhismus leuchtet einer FÜNF von Haus aus viel unmittelbarer ein als das Christentum. Denn Jesus ist zu blutig, zu engagiert, zu irdisch und zu konkret. Der Buddhismus dagegen betont mehr die Distanz zur Welt und ist viel gelassener. Dennoch hat die klassische Buddhastatue eine Hand nach oben hin geöffnet, und die andere Hand berührt die Erde. FÜNFer müssen die Hand auf dem konkreten Boden haben, mit beiden Beinen auf der Erde stehen, der "Welt treu bleiben", wie Dietrich Bonhoeffe gesagt hat.


Fleischwerdung

Ein anderes Symbol für die FÜNF ist der "ungläubige" Apostel Thomas, den Jesus auffordert: "Rühr mich an! Lege deine Hand in meine Wunde, in meinen Schmerz hinein!" Die FÜNF möchte lieber im Kopf bleiben und eine Definition des Schmerzes abliefern. FÜNFer müssen lernen, die Inkarnation anzunehmen, die Fleischwerdung. Dann bleiben sie realistisch und ausgeglichen.


Denker und Sammler

Die FÜNF sammelt ihre Energie durch die Augen. Oft tragen FÜNFer schon früh eine Brille, weil ihre Augen so schnell verschleißen. Denn sie müssen ständig beobachten. Sie nehmen das Leben durch die Augen auf aber man kann nicht sicher sein, was sie dann damit machen. Manchmal machen sie gar nichts aus ihrem Leben - außer noch mehr Informationen zu sammeln. Deshalb nennen wir ihre Sünde Hab-Sucht: das Sammeln von Informationen um des Sammelns willen. Wenn sie nicht aus sich herausgehen, um mit all ihrem Wissen etwas zu tun, können solche Leute verschroben werden. Und andere nehmen sie nicht mehr ernst. Sie werden Spinner und "spinnen Luftgespinste". Viele große Denker und Philosophen waren FÜNFer.


Die Fünfer wollen alles verstehen - Absolut! Und immer noch tiefer und noch tiefer bohren...
Dass die Gefühle bei mir erst nach den entsprechenden Ereignissen kommen ist etwas, was ich schon oft an mir beobachten konnte und mich immer wieder ärgert. Oft sage ich mir "Mensch! Warum hast du denn nicht gleich was gesagt? Warum lässt du dir das gefallen?" und als Antwort muss ich mir dann immer wieder sagen "Weil ich da noch nichts gespürt habe." Aber drei Stunden danach ist es meist zu spät, sich zu wehren. Und dann versucht man vor Wut sich in den Arsch zu beißen.
Was an mir immer wieder bemängelt wird, was ich aber nicht ablegen kann und irgendwie auch nicht will, ist meine Distanziertheit. Ich weiß nicht, wie oft ich schon Klagen darüber hören musste, aber ich bin einfach so, ich kann es nicht ändern, auch wenn es andere stört.
Und darüber, dass ich alles lese, was mir unter die Finger kommt und immer Angst habe, irgendwas an Wissen zu verpassen, habe ich ja schon einmal einen ganzen Eintrag geschrieben. Ich glaube, ich sollte den mal wieder hervorkramen.

Ulysses - ein Selbstversuch mit Folgen oder die Kunst, einen Berg zu besteigen - Tag 6 - Seite 145-182

Die Pforte scheint durchschritten zu sein. Ich hege den leisen Verdacht, dass Joyce sich seine Leser aussuchen wollte und deshalb eine Art Gesichtskontrolle in das Buch eingebaut hat, oder richtiger gesagt, eine Intelligenz- und Gesinnungskontrolle. Einen Eignungstest. Diesen erst einmal hinter sich gebracht, werden einem kaum noch Steine in den Weg gelegt.

Viel noch zu sehen, zu hören, zu fühlen.

Tagesfazit: Zugelassen.

Dienstag, 17. Januar 2006

...

Irgendwie habe ich manchmal den Eindruck, dass sich die Müllschaufeln in meinem Haushalt ungebremst vermehren. Dass gerne Handwerker während Modernisierungsarbeiten ihre Müllschaufeln bei mir stehen lassen, hatte ich ja schon einmal erwähnt. Doch auch jetzt noch finde ich immer wieder Müllschaufeln, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Können die das Geheimnis ihrer Fruchtbarkeit nicht mal an meine Geldscheine weiterreichen?

Aus dem "Bürokästchen" geplaudert...

Heute kam eine "Aktenaufbeauftragte", um nach dringend benötigten Akten zu suchen, die aber leider spurlos aus meinem Zimmer verschwunden sind. Ich ihr also wieder die ganze Misere erklärt und warum ich nicht weiß, wo die Akten abgeblieben sind, dass Fr. H. sich welche geholt hat, aber behauptet, keine weitergegeben zu haben und dass ich deshalb absolut keinen Schimmer habe, was mit den Akten passiert ist. Jedesmal bete ich von vorne diesen ganzen Psalm runter, wenn wieder Akten aus meinen Schränken gewandert sind und komme ich mir dabei total blöd vor.

Aber immerhin kamen wir dann beide zu der einhelligen Meinung, dass die Arbeit so keinen Spass macht. Sie erzählte mir, dass ihr total davor graut, wenn sie demnächst in meiner Gruppe die Rechnungen der Sachbearbeiter anweisen soll. Zum einen, weil sie bisher kaum am Computer gearbeitet hat und meint, dass in ihrem Alter (fünf Jahre vor der Rente) nicht mehr so schnell lernen zu können, zum anderen aber auch wegen der Mitarbeiter. Das kann ich ihr nicht verdenken. Ich finde die Sachbearbeiter ebenfalls oft sehr mürrisch und unfreundlich, deshalb bin ich froh, nicht mehr so viel mit ihnen zu tun zu haben. Komischerweise geht es allen so, mit denen ich rede. Besonders fürchten sich aber die, die nicht das gleiche Wissen und die gleiche Ausbildung haben, wahrscheinlich weil sie sich dann besonders schnell klein fühlen. Da ich mal dieselbe Arbeit gemacht habe, kann man mich da wohl nicht ganz so leicht einschüchtern.

Auch vor meiner Chefin graut ihr. Sie fühlt sich immer ganz komisch in ihrer Gegenwart, weil sie so bestimmend und auftrumpfend ist. Ich gebe zu, dass meine Chefin alleine schon von ihrer Erscheinung und von ihrem Auftreten wirklich sehr einschüchternd wirkt. Ich versuchte die Kollegin davon zu überzeugen, dass sie trotzdem kein Unmensch ist und man auch mit ihr reden kann, zumindest wenn man den richtigen Moment erwischt. Dass sie manchmal sehr kurz angebunden und uninteressiert ist, sowie gerne Arbeit von sich wegschiebt, kann ich allerdings nicht widerlegen. Mich persönlich stört das nicht so, wahrscheinlich weil ich das meist nicht mehr als etwas ansehe, was irgendwie mit mir zu tun hat und es im Gegenteil versuche als eine Art Vertrauenssymptom zu sehen, dass sie halt denkt, dass ich das auch alleine hinkriege (und es sich selbst dafür vom Hals halten kann). Einerseits hat das Vorteile, weil ich relativ wenig Vorschriften gemacht kriege, ich kann selbst entscheiden wie ich meine Arbeit erledigen will (Hauptsache sie ist es dann auch) und bekomme nicht gesagt, wie ich die Punkte zu setzen habe (das hört sich übertrieben an, gibt es aber wirklich). Andererseits ist es aber auch ärgerlich, wenn man sich in bestimmten Fällen rückversichern will oder tatsächlich nicht weiterkommt. Eines muss man ihr jedoch lassen, sie ist wirklich sehr entscheidungsfreudig und redegewandt, zwei Vorzüge, die sie auch ab und zu für ihre Mitarbeiter einsetzt. Und wenn ich etwas an Vorgesetzen überhaupt nicht leiden kann und fehl am Platze finde, so ist es das, wenn sie nicht in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen und zu vertreten, sondern sowas ihren Untergebenen überlassen. Wozu braucht man dann noch einen Chef?

Jedenfalls meinte die Kollegin, dass sie jetzt schon einen Horror davor hat, bei uns dieser neuen Aufgabe nachzugehen und dass sie alles ganz furchtbar findet, die Kollegen, die Chefin und das, was sie lernen soll. Wenn sie sich am Computer einarbeiten müsse und die Sachbearbeiter meiner Gruppe hinter ihr stehen, um ihr irgendwas zu erklären, würde sie sicher total wuschig und nervös werden. Aber wenn ich hinter ihr stehen würde, um ihr was zu erklären, würde ihr das nicht so gehen, setzte sie hinzu. Ich bot ihr deshalb an, dass sie zu mir kommen kann, wenn sie Fragen hat oder nicht weiterkommt und sie schien über das Angebot sehr erleichtert. Sie meinte im Hinausgehen, dass sie hofft, dass ich dann noch da bin, wenn es soweit ist. Wie lange das so geht mit mir und was danach kommt, steht nämlich in den Sternen. Ich sollte jederzeit seelisch und moralisch auf mögliche plötzliche "Luftveränderungen" vorbereitet sein. Da diese "Luftveränderungen" nun fast schon zum jährlichen Brot bei mir gehören, bin ich das auch, aber trotzdem und immer noch kann ich die Ängste dieser Kollegin nur zu gut nachvollziehen.

Murnau's Nosferatu

legal und kostenlos downloaden!

Unter Archive.org findet man diesen berühmten und sehr empfehlenswerten Stummfilmklassiker. Fantastisch-bizarrer Grusel ist garantiert!

In dem Archiv finden sich übrigens auch andere Filmklassiker zum legalen Download, wie z.B. "M - eine Stadt sucht einen Mörder".