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Montag, 14. Februar 2011

Die Kathedrale in Dresden

Kathedrale 2

Nichts bleibt

wie es ist. Während früher (und damit meine ich vor ca. sieben Jahren) ein Blogbeitrag über das Bloggen an sich noch lange und mehr oder weniger aufgeregte Diskussionen hervorrief, loggt lockt er heute keinen Blogger mehr hinter der Tastatur hervor. Das ist verständlich und war vorherzusehen. Anscheinend hat man sich endlich stillschweigend darauf geeinigt, daß es ungefähr so viele Gründe und Arten des Bloggens gibt, wie Gründe und Arten zu leben.

Erdbeeren im Februar und moderne Kunst

Manchmal habe ich den Verdacht, es ist ein verdammt abgekartetes Spiel, daß die ersten, noch halb grünen Erdbeeren jedes Jahr pünktlich zum 14.2. auf den Markt geworfen werden. Aber egal, heute sind sie genau das Richtige, wenn auch das Aroma nie an das der echten Sommererdbeeren heranreicht. Sie sind wie ein Versprechen, von dem man noch nicht weiß, ob es gehalten werden wird oder nicht, aber nichtsdestotrotz tröstlich. Und sie erinnern mich an eine Szene des unvergleichlichen Films "Immer Ärger mit Harry" des unvergesslichen Alfred Hitchcock, die, in welcher ein junger Künstler als großes Kunstgenie entdeckt und gefragt wird, was er für seine Werke haben möchte. Er will darauf von seiner Angebeteten wissen, was sie am liebsten auf der ganzen Welt mag und sie antwortet: "Erdbeeren! Erdbeeren mag ich am liebsten!" Und er bestimmt, daß sie ab jetzt jeden Monatsersten zwei frische Kartons Erdbeeren bekommen soll. Großartige Szene.

Samstag, 12. Februar 2011

...

...

Das Wochenhorroskop hatte unrecht.

Es funkelt noch immer kein einziger Stern an meinem Gedankenhimmel. dem es sich lohnt zu folgen. Nur daß ich niemals mehr im Leben, niemals, niemals, noch einmal eine Chemo machen möchte, das weiß ich. Ich fühle mich im Infusionssessel wie auf dem elektrischen Stuhl und ich glaube, die Schwester denkt, daß ich etwas unfreundlich bin, da eher kurz angebunden und mit einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Dabei versuche ich nur, die Fassung zu bewahren, denn lieber würde ich mich auf den Boden werfen und mit Händen und Füßen um mich schlagen. Ich bin eben kein Held. Es gibt diese Patienten, die bei allem noch lächeln und einen Scherz auf den Lippen haben. Die sind überall beliebt. Ich gehöre nicht dazu. Eigentlich bin ich, wenn es darauf ankommt, nie so, wie ich gerne sein würde. Wohl eher der typische Antiheld und Angsthase sowieso. Und ich finde, daß mir das Leben durchaus mal wieder seine angenehme Seite zuwenden könnte. Immer nach der Chemo, wenn mein Geist außerhäusig ist, weile ich dort, auf dieser mir abgewandten Seite. Ich erinnere mich an die ausgelassenen Momente mit meinen Kumpels, durchtanzte Sommernächte, an all die wirklich romantischen Momente, mit ihren unvergessenen Blicken und Gesten, an diejenigen, die meinem Herz nahestanden und auch heute noch nahestehen, an lange schmerzfreie Sommertage mit wundervollen Entdeckungen an unbekannten Orten und an versteckte Idyllen, die man nur an einem besonderen Tag, zu einer bestimmten Uhrzeit tatsächlich sehen kann, als hätte jemand einen Zauber über sie geworfen. Wenn man vorher wüßte, daß die leichten Zeiten so schnell vorbei sind, würde man sie in der Jugend vielleicht mehr genießen. Und es ist ja nicht so, daß einem dies nicht gesagt würde. Aber so lange man nicht selbst die Erfahrung macht, nimmt man solche Ratschläge der Älteren doch nie richtig ernst.

Dienstag, 8. Februar 2011

Geputzt,

den ganzen Tag, gegen die Angst, gegen die Gedanken an das, was folgt, und weil ich dann eh mal wieder eine Weile ausgeschaltet bin. Mit Rückenschmerzen ein besonderes Vergnügen. Hatte überlegt, Schmerzmittel zu nehmen, aber in Verbindung mit dem ganzen Zeug, das ich morgen bekommen werde, entschied ich, wäre es besser, darauf zu verzichten. Hab ja schließlich genug Zeit, um mich wieder gerade zu biegen. Irgendwie. Ich will nicht. Ich mag nicht. Und es gibt gewisse Dinge im Leben, die macht man allein...

Montag, 7. Februar 2011

...

Und da gehst du
gehst und gehst

das Eis dünn
die Risse tragen
noch

Und da gehst du
gehst und gehst

ringsumher
nur Dunkelheit

hörst ihn noch sagen

und da gehst du
gehst und gehst

die Kälte bricht
sich Raum bis
in deinen Kern

und da gehst du
gehst und gehst

nicht die Worte
sondern die Absicht

nicht die Worte
sondern ihr Klang

und da gehst du
gehst und gehst

ein Fuß vor den anderen

wunderst dich,
daß dein Körper
nicht zerbricht

und da gehst du
gehst und gehst

und nirgendwo
ein Ankommen

Das Wochenhorroskop sagt:

"Geistesblitze reißen Sie aus dem Schlaf.
Sie werden in der ersten Wochenhälfte jeden Morgen aufwachen und tolle Ideen für den Tag haben. Mars und Sonne inspirieren Sie jetzt zu Geistesblitzen, die sie Ihnen in der Nacht zukommen lassen. Ob Sie davon auch etwas umsetzen, liegt nur an Ihrem Willen. "

Definitiv hätte ich gegen ein paar Geistesblitze nichts einzuwenden. Ich fühle mich eh so unbesternt. Doch sie sollten sich beeilen, denn ab Mittwochnachmittag dürfte das schwierig werden und wenn mir das Horroskop für Mittwoch sagt: "Der Abend wird wunderschön. Sie finden Entspannung und lassen es sich gut gehen.", dann weiß ich es besser. Nach der Chemo weilt mein Geist außerhäusig, während mein Körper sich in ein gestrandetes Sofawrack verwandelt. Vor der Nacht graut mir unendlich und viel Schlaf dürfte auch diesmal nicht drin sein. Aber das wäre noch das harmloseste Problem. Ich ertappe mich dabei, daß ich den Terminen der Chemotherapie inzwischen genauso entgegensehe, wie früher den ersten Arbeitstagen nach dem Urlaub. Schon eine Woche vorher bin ich gereizt und denke mit Schrecken an die Postberge, bzw. Infusionsbeutel, die mich erwarten. Mir ist, als würde ich schon sofort kotzen, wenn ich nur so einen Beutel noch einmal riechen muß. Immerhin ist es die letzte "große" Infusion. Trotzdem ist mir bei dem Gedanken, danach wöchentlich Chemo zu bekommen, nicht wohl, obwohl mir die Ärztin sagt, daß weniger Nebenwirkungen zu erwarten sind. Übelkeit und Erbrechen träten in der Regel nicht mehr auf und was meine sich stetig verschlimmernden Rückenschmerzen betrifft, erhofft sie sich ebenfalls Besserung. Dafür träten allerdings gewisse "Mißempfindungen" an Fingern und Zehen auf. Ach, sage ich, die hab ich jetzt auch schon in Form von Taubheit. Doch sie schüttelt mit dem Kopf und meint wohl etwas anderes. Das könnten durchaus richtige Schmerzen sein. Wie nett! Die jetzigen reichen natürlich nicht. Bei den Rückenschmerzen bin ich skeptisch, da die Chemo genau die Schmerzen an den "lädierten" Stellen verstärkt, so als wäre plötzlich eine Art betäubender Schleier weggefallen, und sie sich nicht wie allgemeine Knochenschmerzen anfühlen. Ich versuche mir einzureden, daß die Chemo eventuell einen positiven Effekt auf den Rücken hat und was sich da tut ebenfalls positiv ist, auch wenn ich nicht wüßte in welcher Art. Vielleicht spielen jedoch nur die Nerven bei der Chemo verrückt, denn eine Mitpatientin erzählte mir heute, wie ihr ein plombierter Zahn anfing zu muckern und der Zahnarzt ihr wegen der Chemo keine Betäubung geben wollte. Das würde mir gerade noch zu meinem kleinen masochistischen Glück fehlen. Unglaublich, was man im Laufe seines Lebens alles so mitmachen muß.

Lenormandblatt

Sonntag, 6. Februar 2011

Torgang

Torgang

...



Kommt mir bekannt vor, jedenfalls wissen wir bis heute nicht, wie es die Katze geschafft hat, einen 2m hohen geschmückten Weihnachtsbaum in die Horizontallage zu bringen.

Papst isst Schoki-Weihnachtsmann

In einem betrieblichen Fitnessstudio, wo der Vorraum gleichzeitig als Aufenthalts- und Warteraum, sowie als Bar genutzt wird. Ich warte dort auf irgendetwas und meine Mutter sitzt etwas entfernt hinter einem Tisch mit Umzugskartons hinter sich und wartet ebenfalls auf jemanden, der mit dem Auto zurückkommen wollte. Ich gehe zu ihr hinüber und entdecke auf dem Boden einige als Geschenke eingepackte herzförmige Pralinenschachteln. Es sieht so aus, als wurden die extra so hingelegt, daß jeder sich eine mitnehmen kann, aber ich bin mir nicht sicher deshalb und lasse sie liegen. Mit meiner Mutter redend, entdecke ich den Papst neben ihr hinter einer Abschirmung sitzend. Als er bemerkt, daß ich ihn sehe, greift er sich einen Kinderschokolade-Weihnachtsmann, der auf dem Tisch liegt, packt ihn halb aus, legt den Kopf zurück und schiebt sich den Kopf des Schokomannes in den Mund um abzubeissen. Dies alles ein wenig inszeniert und um Aufmerksamkeit zu erhalten. Meine Mutter hat ihn hinter der Abschirmung jetzt auch entdeckt und geht vor Kichern über diesen Anblick fast in die Knie. Jetzt beginnt mir der Papst etwas zu erzählen, das nicht so leicht zu verstehen ist, da er die schleppende Sprache Wojtylas hat. Das Gesicht und die Augen sind jedoch die Benedikts. Er traue sich nicht so richtig, so etwas zu essen. Nun ja, dies scheint nicht schlimm zu sein, schließlich hat er ja bereits abgebissen. Anscheinend sucht er einfach ein Gespräch, weil er sich hinter der Abschirmung einsam fühlt, also höre ich zu, nicke und frage schließlich: "Aber schmeckt doch, oder"? "Oh, jaaaa." antwortet er mit seiner dunklen Stimme.

...

Der silberhaarige Dr. Sch., Pfarrer i.R., am Fenster gurrende Tauben und krächzende Krähen mimend, wenn ich auf dem Hof spielte. Die alte Frau von ganz oben, die mir ab und zu Bonbons hinunterwarf. Der dicke Herr H., der seinen Weg zum Küsteramt ging, und sich nie aus der Ruhe bringen ließ, wenn ich ihn den dicken Herrn H. nannte. Die Katze, die am Küchenfenster maulte, weil sie auch hinauswollte. Der Kantor mit den langen Händen, fröhlich am Fenster eine Melodie pfeifend. Der schweigsame Hausmeister, nach dem rechten sehend, und mir mit dem Finger drohend. Die Zigarettenkippen, wie Schätze in den Pfützen schwimmend. Als die Welt noch in Ordnung war...

Samstag, 5. Februar 2011

Jemand schrieb

mir heute, er erwarte von seinem Partner, daß dieser in einen nebligen Abgrund spränge, wenn er sage, er fange ihn auf. Und dieser müsse mit ihm durch die Hölle gehen. Nein, nein, so etwas will und brauche ich auf keinen Fall. Ich brauche niemanden mit blindem Gehorsam, der alles tut, was ich sage, überall hingeht, wo ich ihn hinschicke, wenn ich tatsächlich so größenwahnsinnig geworden sein sollte, zu glauben, alles zu können und zu wissen. Bei meinem schlechten Orientierungssinn würde das sowieso ziemlich strapaziös werden. Ich erwarte auch von niemanden, daß er mir bis in die Hölle folgt. Im Gegenteil, lieben bedeutet für mich, alles zu tun, um dies zu verhindern.

Marienkäfer auf linker Brust

Ich erwache in den Traum hinein und fühle mich sehr merkwürdig. Es sind nicht direkt Schmerzen, eher so ein schummriges Gefühl, und es dauert eine Weile bis ich merke, daß meine rechte Gesichtshälfte irgendwie taub ist und nicht richtig funktioniert. Immer wenn ich versuche ein Lächeln zu formen, bleibt der rechte Mundwinkel unten. Das beunruhigt mich etwas und ich stehe auf, ziehe mich an, um mit jemandem darüber zu reden. Dabei lande ich in einer Art Versammlungsraum, in dem die Tische u-förmig zusammengeschoben wurden. Viele Leute sind hier, unter anderem meine ehemalige Chefin. Sie ruft mich zu sich und stellt mir eine kurze Frage, die ich zweimal nicht verstehe. Schließlich klingelt es. "Cabi lights?" fragt sie. Also ob ich Cabinet lights habe. Nein, ich rauche nicht - antworte ich. Sie sagt zu mir, es würde allgemein angenommen, daß ich Cabinet lights habe und alles beginnt Tränen zu lachen, auch ich. Vor Lachen (komisch, hier hat es wohl wieder funktioniert - das fällt mir aber erst jetzt auf) hocke ich mich hin und gucke nur noch mit der Nase über den Tisch. Auch meine Chefin lacht Tränen und macht eine Bemerkung wie "Da zerrt man die ganze Zeit an einem Knochen..." Wahrscheinlich soll es weitergehen mit: "Und dann ist es der Falsche." Schließlich gehe ich wieder und meine Chefin wirft mir übermütig eine Kußhand hinterher.

In einem Freibad liege ich barbusig auf einem Hügel und lasse mich von der Sonne bescheinen. Eine Meute junger Leute stürmt den Hügel, vielleicht eine ganze Schule, und mit der Ruhe ist es vorbei. Ich beschließe, noch kurz liegen zu bleiben und dann zu gehen. Es wird eng, den unmittelbar neben mir werden überall Decken ausgebreitet. Auf einer lassen sich ein junger Mann und eine junge Frau nieder. Ein Mariechenkäfer fliegt erst den jungen Mann an und kommt dann in geradem Weg zu mir, sich auf meine linke Brust niederlassend. Der Blick des jungen Mannes folgt ihm, wodurch ich erst bemerke, daß er auf meiner Brust sitzt.

Freitag, 4. Februar 2011

...

Detail

Männer, eine Backanleitung

Bei Herrn Chillingmind habe ich ein Fragebögchen entdeckt, das sich sehr gut für eine gelegentliche Bestandsaufnahme in Sachen Männer eignet:

1. Rosa oder blau: blau
2. Augenfarbe: egal
3. Haarfarbe: egal
4. Größe: möglichst größer als ich
Bemerkung: Wenn ich überall 'egal' schreibe, bedeutet das nicht, daß mir das Aussehen egal wäre. Das Gesamtpaket muß stimmig und er sollte gepflegt sein, wobei ich unter gepflegt einfach sauber meine. Brusthaarexekutionen und Solariumbräune sind nicht notwendig. Was für mich nicht geht, sind extrem übergewichtige Männer und schlechte Zähne. Außerdem habe ich auch eine irrationale Abneigung gegen besonders große Zähne, selbst wenn sie tip top in Ordnung sind. Vielleicht ist das irgendein archaischer Urinstinkt, wenn man nicht gefressen werden will (wahrscheinlich das Rotkäppchensyndrom). Eine Schwäche habe ich dagegen für etwas vorstehende Mäuse-Eckzähne. Den Grund dafür kenne ich ebenfalls nicht. Man könnte meinen, Zähne wären das Wichtigste für mich. Stimmt natürlich nicht, die Augen sind wichtiger, aber ich finde, daß Augen eigentlich fast immer schön sind, zumindest spätestens dann, wenn der richtige Blick in ihnen liegt.

5. Alarmsignale:
Eifersucht. Männer, die schon auf harmlose Kleinigkeiten oder eine falsche Bemerkung mit Eifersucht reagieren, bzw. versuchen mich ebenfalls eifersüchtig zu machen. Egal wie man reagiert, es führt in der Regel zu nichts, außer daß es meinen Fluchtreflex weckt. Gegen irrationale Eifersucht ist kein Kraut gewachsen und ich finde es sehr verletzend, wenn in einer Beziehung kein Vertrauen da ist, bzw. absichtlich zerstört wird. Auch wenn ich damit bereits auf die Nase gefallen bin, vertraue ich in einer Beziehung solange, bis ich eines Besseren belehrt werde, und würde es immer wieder tun. Denn alles andere wäre keine Liebe, sondern Angst.

Geiz. Damit meine ich weniger mir gegenüber als sich selbst gegenüber. Ich kenne einige Männer, die ich durchaus schätze, welche mit Löchern in der Unterhose und in den Socken herumlaufen und für ihre Wohnung nur das Billigste kaufen. Wenn sie das für sich so wollen, ist das ihre Sache und ändert nichts daran, daß ich sie als Mensch schätze. Aber ich könnte mir nicht vorstellen, mit so jemanden eine Beziehung zu führen und immer erklären zu müssen, warum ich lieber 80 EUR für ökologische Satinbettwäsche ausgebe als 20 EUR für Biberbettwäsche aus dem Supermarkt, bzw. 8 EUR für Bio-Gewürze statt 3 EUR für Gewürze aus dem Supermarkt usw.

Männer, die manipulatives oder intrigantes Verhalten irgendeiner Art an den Tag legen. Wenn ich spüre, daß man sich mir gegenüber berechnend verhält, mich in eine bestimmte Richtung, bzw. bestimmte Gefühle drängen möchte oder mit mir spielt, reagiere ich wie ein hochsensibler Seismograph und ziehe mich zurück. Dabei ist es ganz egal, was für Methoden sie anwenden, aber besonders peinlich finde ich Männer, die versuchen, Frauen gegeneinander auszuspielen. Schade dabei ist, daß sich viele Frauen tatsächlich für so etwas einspannen lassen und noch nicht einmal bemerken, daß sie nur Teil eines Machtspieles sind. Überhaupt finde ich Aufrichtigkeit ganz wichtig in einer Beziehung, wobei Aufrichtigkeit etwas anderes ist als Ehrlichkeit. Man muß nicht immer schonungslos ehrlich sein, aber man sollte sich selbst und dem anderen gegenüber in aufrichtigen Absichten handeln.

Männer, die mich unterschätzen. Normalerweise macht mir das nicht so viel aus und manchmal kann es ja auch ganz nützlich sein, aber in der Liebe ist sowas tödlich. Nicht umsonst steckt in "unterschätzen" das Wort "schätzen", das man doppeldeutig interpretieren kann. Wenn ich jemanden schätze, gehe ich automatisch davon aus, daß er nicht zu blöd ist, ein falsches Spiel zu durchschauen und ich handle mit entsprechendem Respekt. Oft sind es gerade die manipulativen und intriganten Männer, die sich selbst als so viel schlauer dünken. Und gerade sie sind es auch, die so unglaublich naiv sind zu denken, daß es zwischen Worten und Handlungen nichts anderes mehr gibt. Und wenn sie dann außerdem noch ein schlechtes Gedächtnis haben, ahnen sie gar nicht, wie schnell sie überführt sind, denn neben einem scharfen Wahrnehmungsvermögen besitze ich auch ein fast fotografisches Gedächtnis, das wahrscheinlich über ihr Vorstellungsvermögen hinausgeht. Manchmal wünschte ich, es wäre anders, aber immerhin bekomme ich so ziemlich schnell mit, auf welcher Ebene jemand zu mir steht.

Kontrollfreaks. Männer die immer alles und jeden unter Kontrolle haben und sich überall einmischen müssen. Im weiteren Umfeld können Kontrollfreaks zwar manchmal ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, aber in unmittelbarer Nähe und auf Dauer sind sie einfach zu anstrengend.

6. Was würdest du tun, wenn er die Zahnpastatube jedes Mal nach dem Zähneputzen offen lässt? Spontan würde ich sagen - nichts, aber wenn es mich doch irgendwann zu sehr stören würde, würde ich wahrscheinlich nach einer Zahnpasta mit Klappdeckel recherchieren und ihn übereden, die zu benutzen.

7. Sportlich oder elegant: Ich finde, die Kleidung sollte einfach an ihm gut aussehen, was er genau trägt, ist völlig egal. Manche Männer sehen auch in Lederhosl oder Schottenrock umwerfend aus.

8. Mit oder ohne Geld: egal

9. Soll er Humor haben? Unbedingt. Allerdings sollte sein Humor zu meinem passen, am besten trocken, und ich mag keine zwanghaften Spaßmacher.

10. Hausmann? Meinetwegen. Im übrigen finde ich es auch sehr beruhigend, wenn er handwerklich nicht zwei linke Hände hat.

11. Schmusetyp? Eigentlich schmuse und küsse ich gerne, aber beim Wort "Schmusetyp" denke ich sofort an die Sorte Klammeräffchen und die sind auf Dauer nervig.

12. Was sollte er beruflich machen? Egal, so lange er dabei ein gesunde Einstellung zum Job behält. Also weder Workaholic noch völlig arbeitsunlustig.

13. Was ist dir noch wichtig? Er sollte kein fanatischer Anhänger des Zölibats sein, aber auch niemand, dessen einziger Lebenssinn darin besteht, einem Fortpflanzungstrieb nachzugehen, für den eine einzige Beziehung generell nicht ausreicht.

14. Sonst noch was? Ich mag Männer, die stets ganz sie selbst sind, mit allem, was sie ausmacht, dabei aber auch reflektiv, die sich nicht verstellen oder blenden müssen, und die andere ebenfalls sie selbst sein lassen können.

Ok, ok, ich weiß, den muß man wahrscheinlich wirklich backen...

...

Ein wenig war er wie dieser Leuchtturm. Er war einsam und unnahbar. Er war hochmütig, zweifellos war er das, und in sich selbst gehüllt. Er war dunkel. In Babel Dark brannte niemals Licht. Die Instrumente waren alle an ihrem Platz und glänzten, doch es brannte nie Licht.
Hätte sie niemals in einem kalten Zimmer Feuer gemacht...
Doch wenn sie schlief, wenn sie allein war, wenn die Kinder still waren, umspülte ihn ihr Geist wie das Meer. Er war immer gegenwärtig. Er war ihr Navigationspunkt. Er bildete die Koordinaten ihrer Position.

(aus "Der Leuchtturmwärter" von Jeanette Winterson)

Donnerstag, 3. Februar 2011

...

Früher war ich hoffnungslos romantisch. Ich bin immer noch hoffnungslos romantisch. Früher glaubte ich, die Liebe sei das Wertvollste überhaupt. Ich glaube noch immer, die Liebe sei das Wertvollste überhaupt. Ich erwarte nicht, glücklich zu sein. Ich glaube nicht, dass ich die Liebe finden werde, was auch immer das heißt, und wenn doch, glaube ich nicht, dass sie mich glücklich machen wird. Ich halte die Liebe nicht für die Antwort oder die Lösung. Ich halte die Liebe für eine Naturgewalt-stark wie die Sonne, genauso notwendig, unpersönlich, gigantisch, unmöglich, sengend wie wärmend, Dürre bringend wie Leben spendend. Und wenn er ausgebrannt ist, stirbt der Planet.
Meine kleine Umlaufbahn umringt die Liebe. Ich wage mich nicht näher heran. Ich bin keine Mystikerin, die die letzte Kommunion sucht. Ohne LSF 15 gehe ich nicht vor die Tür. Ich schütze mich.
Aber heute, wo die Sonne überall und alles Feste nichts als sein eigener Schatten ist, weiß ich, dass die wirklichen Dinge im Leben, die Dinge, an die ich mich erinnere, die Dinge, die ich in meinen Händen hin und her wende, keine Häuser sind, keine Bankkonten, keine Preise und Beförderungen. Woran ich mich erinnere, ist die Liebe-die Liebe zu allem-, die Liebe zu diesem staubigen Pfad, diesem Sonnenaufgang, die Liebe zu einem Tag am Fluss, dem Fremden, dem ich im Cafe begegnete. Sogar die Liebe zu mir selbst, wobei das Selbst von allen am schwersten zu lieben ist, denn Liebe und Egoismus sind nicht dasselbe. Egoistisch zu sein ist einfach. Diejenige zu lieben, die ich bin, ist schwer. Kein Wunder, dass ich erstaunt bin, wenn du es tust.

(aus "Der Leuchtturmwärter" von Jeanette Winterson)

Krebsdiäten und mehr

Gut, da sich Leser inzwischen beschweren, daß es bei mir nur noch Zitate gebloggt werden, schreibe ich eben mal wieder darüber, was mich zur Zeit neben Bücherlesen beschäftigt. Da wären ein eskalierender Konflikt mit meiner Mutter, der mich zu neuen Betrachtungen über die Unart des Nichtzuhörens und des penetranten Aufdrückens der eigenen Lebensweise und Vorstellungen auf das Leben anderer anregt. Eventuell folgt noch ein Beitrag dazu oder auch nicht. Dann ist da die nächste bevorstehende Chemo, die zu denkbar schlechten kosmischen und biorhythmischen Bedingungen stattfindet, so daß mir jetzt bereits besonders vor der darauf folgenden Nacht angst und bange ist. Die erste Nacht danach, die halb schlaflos auf der Couch stattfindet, da ich immer an die Leute denke, die im Schlaf an Erbrochenem erstickt sind, weshalb ich kaum wage viel zu schlafen, ist sowieso immer die schlimmste. Die beim nächsten Termin wird wahrscheinlich noch extra speziell. Aber versuche das mal einem Arzt zu erklären. Ich bin mir nicht mal sicher, ob die jemals etwas von Biorhythmus gehört haben. Und wenn man mit Astrologie kommt, denken sie wahrscheinlich, man hat einen Schatten. Also hoffe ich einfach, daß es bei den normalen Unannehmlichkeiten bleibt und nicht wirklich schwerwiegende Komplikationen eintreten. Und dann sind da die Krebsdiäten. Ich glaube, es gibt kaum eine Krankheit, die so weitreichend mit Ernährung in Verbindung gebracht wird. Schon früher habe ich ständig von Nahrungsmitteln gelesen, die angeblich jeder Krebszelle das Garaus machen und mich gewundert, warum trotzdem so viele Leute Krebs bekommen, wenn es doch so einfach ist. Auch ich habe zum Beispiel viel Himbeeren und Broccoli gegessen, esse ich immer noch, allerdings nicht deshalb, sondern weil es mir schmeckt. Und wenn man erkrankt ist, bekommt man schnell jede Menge guter Ratschläge vor allem von Nichtmedizinern. Nun habe ich in den letzten Wochen gegoogelt und recherchiert, um der Sache auf den Grund zu gehen und kam zu folgender Erkenntnis:

- fettreiche Ernährung verursacht Brustkrebs
( http://forum.logi-methode.de/index.php?page=Thread&threadID=6768 )
- eiweißreiche Ernährung verursacht Brustkrebs
( http://forum.logi-methode.de/index.php?page=Thread&threadID=7073 )
- zuviel "schnelle Kohlenhydrate" verursachen Brustkrebs
( http://forum.logi-methode.de/index.php?page=Thread&threadID=9233 )

Es gibt diverse fleisch- und milchproduktelose Diäten, bei denen ich mich aber frage, wo das Vit. D herkommen soll, dessen Mangel neuerdings ebenfalls neben Nachtschichten und Lichtverschmutzung als Verursacher von Krebs gehandelt wird.
Das Komische ist, daß ich Leute kenne, die sich vor ihrer Krebserkrankung super gesund ernährt haben, z. B. eine ehemalige Kollegin. Diese war eine regelrechte Gemüse- und Salatefanatikerin und hat Zucker oder Weißmehl überhaupt nicht angerührt, sowie regelmäßig Fastenkuren gemacht. Hat ihr aber nicht geholfen. Soviel ist allerdings wahr, wenn ich nichts mehr esse, dann sterbe ich nicht an Krebs. Ich glaube, da bleibe ich lieber bei meiner Strategie alles in Maßen und so naturbelassen wie möglich zu essen, falls man bei dioxinverseuchten Eiern und pestizidbelastetem Gemüse davon noch reden kann.

Etwas, das mich weiterhin wundert, ist die völlig vorbehaltlose Begeisterung von Naturheilpraktikern für Einläufe. Für diverse Diäten wird ja oft als Argument die Evolution des Menschen von seinen Anfängen aufgeführt (die Urmenschen, bzw. Primaten hätten z.B. zuerst nur pflanzliche Nahrung zu sich genommen usw.), daher frage ich mich, ob es auch irgendwelche archäologische und anthropologische Erkenntnisse darüber gibt, daß die Urmenschen ihren Kaffee mit dem Darm zu sich genommen haben...

Auffällig ist dagegen, daß viele Krebspatienten mit denen ich gesprochen habe, oft vor der Erkrankung sehr stapaziöse bis hin traumatische Zeiten erlebt haben. Obige Kollegin zum Beispiel hatte drei Jahre zuvor ihren Sohn verloren, der schizophren gewesen ist und sich aus dem Fenster gestürzt hat. In einem Buch über Brustkrebs, das irgendwann einmal in meine Hände gelangt ist, las ich, daß es so etwas wie eine Krebspersönlichkeit gibt, die vom Zweifel am Sinn des Lebens gekennzeichnet ist. Zumindest ich fühle mich da ertappt, denn in den letzten drei Jahren, vielleicht auch in den letzten fünf, jedenfalls während des jahrelangen Leidens meines Vaters vor seinem Tod und den beginnenden permanenten eigenen Schmerzen, die eine permanente Überforderung nach sich zogen, mit dem Gefühl, im gesellschaftlich üblichen hektischen Tagesablauf nicht mehr mithalten zu können, ist mir irgendwo mein Lebenswille abhanden gekommen. Seltsamerweise wird man nie von jemandem danach gefragt. Doch man spürt sehr genau, daß die Krankheit danach fragt. Sie fragt: "Was willst du? Entscheide dich. Jeder Weg steht dir offen." Vielleicht ist Krebs zu einem Teil tatsächlich auch eine Sinnerkrankung, mit einer spirituellen Komponente. Das würde erklären, warum er sich in heutiger Zeit genauso seuchenartig ausbreitet wie der Esoterikmarkt boomt. Und das würde auch erklären, warum selbst Psychologen da nicht unbedingt helfen können (obige Kollegin ist regelmäßig zum Psychologen gegangen). Wenn Weltbilder sich um 180 Grad drehen, braucht es mehr als nur Trauerarbeit. Mir ist nicht nur der Lebenswille abhanden gekommen, sondern mit ihm auch Vertrauen. Durch verschiedene Ereignisse Vertrauen in die Menschen, aber noch viel mehr das Vertrauen in eine höhere Macht. Nicht in der Art, daß ich nicht mehr an deren Existenz glaube, denn das Vorhandensein derselbigen spüre ich weiterhin. Sondern mehr darin, daß sie es tatsächlich so gut mit uns meint, wie man gerne eingeredet bekommt, und nicht etwa gehässig und grausam ist. Es ist schwer, Lebenswillen zu mobilisieren, wenn man von chronischen Schmerzen geplagt wird, die durch die Chemo eher noch schlimmer werden, aber von Ärzten anscheinend als Lapalie betrachtet werden, da ja nicht lebensbedrohlich. Wenn ich an eine Zukunft denke, in der ich den Krebs besiegt habe, sehe ich gleichzeitig eine Zukunft, in der alles so weiter geht wie in den letzten zwei Jahren. Und dann frage ich mich, wozu ich mir das mit der Chemo überhaupt antue. Es wäre einfacher, wenn man etwas hätte, worauf man sich freuen könnte. In dem Monat, in welchem der Krebs rasant gewachsen sein muß bevor ich ihn bemerkte, September 2010, wurde ich von Zukunftsängsten geradezu aufgefressen. Und doch kam es, zumindest vorläufig, ganz anders. Wenn mich jetzt die Schmerzen zu schwarzen Gedanken um meine Zukunft verleiten (und tatsächlich tun dies die Schmerzen mehr als der Krebs - ich hätte es selbst kaum geglaubt), verbiete ich mir diese. Es wäre doch widersinnig die Gegenwart mit Sorgen um meine Zukunft zu verbringen, wenn niemand weiß, was passieren wird und ich in drei Jahren vielleicht schon tot bin. Manchmal wundere ich mich selbst darüber, wie pragmatisch ich in gewissen Situationen sein kann. Und nach all diesem fragt mich niemand. Nicht einmal die engsten Angehörigen wissen und wollen wissen, was in mir vorgeht. Es dreht sich alles um das K und niemanden interessiert es, was dahinter steht oder daneben vorgeht. Man bekommt gesagt, man solle stark sein und durchhalten, aber niemand fragt, ob man das wirklich möchte und einen Sinn darin sieht. Vielleicht weil ein "Ich weiß nicht." auch den Lebenssinn des Fragers einer Justierung unterwerfen würde. Es ist wie beim Arzt, wo meistens nur an einzelnen Symptomen herumgedoktert wird, den Lieblingssymptomen, während andere unter den Tisch fallen gelassen werden, weil es bequemer ist und ein Gesamtbild überfordert. Aber hier schreibe ich es und fordere heraus - aber hoffentlich nicht zu guten Ratschlägen und Durchhalteparolen, sondern zum Nachdenken.

Traumsplitter

Zur Blutbildkontrolle vor der nächsten Chemo muß ich diesmal in ein vom Aussehen gleiches, aber ansonsten anderes Haus, wo ein Mann die Ärztesprechstunde durchführt.

Straßen in meinem Kiez, die jeweils von anderen blühenden Blumen durchzogen sind. In einer Straße zum Beispiel blüht roter Mohn, in einer anderen eine baumartige Pflanze, mit hellblauen traubenförmigen Blüten.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Blick vom Nymphenbad auf die Semperoper Dresden

Blick vom Nymphenbad auf die Semperoper Dresden

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Manche behaupten, die besten Geschichten seien die ohne Worte. Aber diese Leute sind nicht zum Leuchtturmwärter ausgebildet. Es stimmt schon, dass Worte flüchtig sind und wichtige Dinge oftmals ungesagt bleiben. Die wichtigen Dinge erfahren wir aus Gesichtern, aus Gesten, aber nicht von unseren gehemmten Zungen. Die wahren Dinge sind oft zu groß oder zu klein, jedenfalls immer in der falschen Größe, um in die Schablone unserer Sprache zu passen.
Das weiß ich. Aber ich weiß noch etwas anderes, denn ich bin zum Leuchtturmwärter ausgebildet. Dreht man den täglichen Lärm runter, breitet sich erst erleichterte Stille aus. Und dann kehrt ganz leise, so leise wie das Licht, der Sinn zurück.
Worte sind derjenige Teil der Stille, der ausgesprochen werden kann.

(aus "Der Leuchtturmwärter" von Jeanette Winterson)

Traumsplitter

In einer Klinik liege ich im Bett. Ein Physiotherapeut, bei dem ich noch nie war, betritt das Zimmer, um mit mir zu arbeiten. Dazu soll ich mich hinstellen. Erst als ich stehe merke ich, daß ich völlig nackt bin. Das ist mir irgendwie unangenehm, scheint aber dem Physiotherapeuten nichts weiter auszumachen. Er stellt sich hinter mich und beginnt sehr sanft verschiedene Stellen zwischen den Rippen, an den Flanken und im Schulterbereich zu drücken. Massage kann man es eher nicht nennen, vielleicht ist es ja dieses Therapeutic Touch, von dem ich aus einigen Krankenhäusern gehört habe. Die Berührungen sind fast zärtlich und an sich angenehm, allerdings fühle ich mich vielleicht gerade deshalb in dieser Situation noch angespannter. Schließlich legt er seine Arme von hinten um meine Schultern und drückt mich wie in einer Umarmung an sich. Ähm, gehört das jetzt zur Therapie? Wenn das jemand sehen würde, könnte dieser jemand vielleicht denken, der Physiotherapeut sei in mich verliebt. Und prompt kommt eine Ärztin herein und betrachtet die Dinge tatsächlich sehr mißtrauisch. Ich fühle mich nackt in dieser Situation so unwohl, daß ich am liebsten im Erdboden versinken würde, doch den Physiotherapeuten scheint nichts aus der Ruhe zu bringen.
Irgendwo auf der Straße liege ich auf dem Rücken und umklammere Puschel und noch irgendetwas, vielleicht ein Kissen. Warum ich das tue, weiß ich nicht, vielleicht aus Protest. Ein sehr junger Mann, der noch zur Schule geht, bewegt mich schließlich dazu, aufzustehen und mich mit ihm an einen Tisch zu setzen. Dort unterhalten wir uns über Klinik-Physiotherapeuten. Er möchte, daß ich meinen Namen und meine Adresse auf ein großes, mit allem möglichen Müll vollgeklebtes Blatt schreibe. Ich suche eine freie Stelle und schreibe spontan "Verlagswesen". Huch, aber so heiße ich doch gar nicht. Wieso schreibe ich dieses Wort, wenn ich meinen Namen schreiben möchte? Völlig irritiert suche ich eine andere freie Stelle und schaffe es unter größter Konzentration meinen richtigen Namen auf das Papier zu bringen.

Dienstag, 1. Februar 2011

Blick vom Nymphenbad auf die Kathedrale in Dresden

Blick vom Nymphenbad auf die Kathedrale in Dresden

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Heute denke ich oft: Ich würde gerne besser schreiben können. Früher dachte ich oft: Ich würde gerne schreiben können. So gesehen ein echter Fortschritt.

Aupair bei den Dehnsichs

Irgendwo in einer kleinen Stadt bei den Wenden lebt die Familie Dehnsich. Wie es der Traum so will bin ich bei Ihnen als Aupair oder vielleicht auch über einen Schüleraustausch gelandet. Der Vater trägt eine große Brille und hat eine Haltung wie ein Schluck Wasser, die Mutter, eine kleine resolute Frau mit halblangen braunen Haaren, eine kleine blonde Tochter von 3-4 Jahren und eine weiß-schwarz gescheckte Katze gehören ebenfalls zur Familie. Nachdem ich dort sozusagen aufgenommen wurde, und das ausgesprochen freundlich, kommen außerdem jede Menge Leute aus der kleinen Stadt zu Besuch, um mich kennenzulernen. Während sie sich um eine Essenstafel versammelt haben, sitze ich ein Stück hinter dem kleinen Mädchen und beobachte, wie es sich einmal kurz zur Seite beugt und auf das Sofa kotzt. Niemanden scheint das stören, es ist wohl hier normal, mal schnell auf das Sofa zu kotzen. Allerdings hat sie Würfel gekotzt. Fünf, sechs oder mehr Würfel mit einer Augenzahl. Da ist es schon besser, wenn sie die wieder von sich gibt. Später werde ich in eine Apotheke geführt, die sich gleich neben der Wohnung befindet, lerne die dortige Apothekerin kennen und bekomme die Aufgabe, mit ihrer Tochter zusammen an einer kleinen Wand eine Collage zusammenzustellen. Dazu erhalten wir einen Stapel Zeitschriften in die Hand. Am Nachmittag gibt es ein äußerst großzügiges Kuchenessen bei den Dehnsichs, mit Kuchen, Eis und Desserts in großer Auswahl. Die scheinen hier aber wirklich zu schlemmen. Neben einigen Nachbarn und Verwandten sitzt am Tisch eine zweite junge Frau und ich erfahre, daß sie ebenfalls als Aupair bei den Dehnsichs ist. Als sie gefragt wird, wie sie heißt, antwortet sie: "Susanne.", worauf ich sofort anmerke, daß ich genauso heiße. Die Tatsache, daß sie zwei Aupairs mit demselben Vornamen hat, verursacht bei Frau Dehnsich glänzende Augen. Es ist fast so, als hätte man plötzlich Zwillinge bekommen, meint man aus ihrem Gesicht ablesen zu können. Am Abend erhalte ich Post. Es ist der Brief eines Hotels in Mainz, welches mich zu einem mehrtägigen kostenfreien Kurzurlaub einläd. Seltsam. Seit wann laden Hotels ihre Besucher ein? Normalerweise läuft das doch so, daß die Besucher sich einladen und bezahlen.

Bemerkung: Besser bei den Dehnsichs als bei den Ichnichs.

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